Val d´ aran (de)

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Generalitat de Catalunya Regierung von Katalonien Ministerium für Unternehmen und Beschäftigung

Katalonien

Val d’Aran



Katalonien Val d’Aran



Val

d’Aran


Das Arantal oder die Einzigartigkeit

Das Val d’Aran oder Arantal, gelegen im äußersten Nordwesten Kataloniens, an der Grenze zu Aragonien und Frankreich, ist ein etwa 620 km2 großes Pyrenäental, durch das der Oberlauf der Garonne fließt. Diese bahnt sich von hier ihren Weg durch Aquitanien, bevor sie in der Nähe von Bordeaux in den Atlantik mündet. Im Gegensatz zu den anderen, nach Süden, zur Mittelmeerseite ausgerichteten katalanischen Pyrenäentälern liegt das Arantal also auf der atlantischen Seite des Gebirges. Diese Lage macht es einzigartig, und zwar nicht nur hinsichtlich des Klimas, der Flora und der Fauna, sondern auch was die historischen Ursprünge, die Sprache und die Kultur betrifft, deren Wurzeln eindeutig okzitanisch sind. Der Status der offiziellen Landessprache, den das Aranesische (zusammen mit dem Spanischen und dem Katalanischen) im Tal genießt, hat dafür gesorgt, dass es heute einen der lebendigsten und dynamischsten okzitanischen Dialekte darstellt, obwohl der Anteil der von der aufstrebenden Tourismusindustrie angezogenen, zugewanderten Bevölkerung im Tal immer größer wird. Die starke Persönlichkeit des Arantals, die bis in unsere Tage erhalten geblieben ist, lässt sich im hohen Maße mit dem gebirgigen Charakter des Gebiets erklären, von dem 30% mehr als 2000 m oberhalb des Meeresspiegels liegen. Die Berge bilden eine natürliche Barriere, die die Kommunikation mit den Nachbarregionen – und zwar vor allem mit Aragonien und Katalonien – im Lauf der Geschichte stets konditioniert hat, während der Lauf der Garonne ein offenes Tor zu gaskognischem Gebiet darstellte. 4

Die Gebirgspässe, die das Tal mit den katalanischen Landkreisen verbinden, waren im Winter überhaupt nicht und auch während des restlichen Jahres nur schwierig zu passieren gewesen, bis die Landstraße über den Bonaigua-Pass (1924) und der VielhaTunnel (1948) dem Kraftfahrzeugverkehr den Weg bahnten und eine ganzjährige Verbindung gewährleisteten. Eine ziemlich außergewöhnliche Geschichte. Während der Römerherrschaft gehörte das Arantal zum gallisch-römischen Distrikt Novempopulania, dessen Hauptstadt Lugdunum Convenarum, das heutige Saint Bertrand-de-Comminges, war. Aus dieser Epoche sind zahlreiche Zeugnisse erhalten: römische Stelen, Steintafeln, Votivaltäre usw. Eine aus Toulouse kommende Römerstraße durchquerte das Tal und führte von hier über den Pass Petræ Albæ (den heutigen Bonaigua-Pass) weiter ins Pallars. Im hohen Mittelalter gehörte das Arantal zur Grafschaft Comminges, wurde jedoch aufgrund komplexer, feudaler Verflechtungen und Vereinbarungen, wie dem Schutzvertrag mit Alfons I. von 1175, schon bald den seit 1137 vereinten aragonesischen und katalanischen Grafschaften übertragen. Trotz des Zusammenbruchs der katalanischen Hegemonie über Okzitanien nach der Schlacht von Muret (1213), in der Peter II. von Aragonien das Leben verlor, wurde das Arantal im Jahr 1220 noch vom Haus Barcelona beherrscht. Durch den Vertrag von Corbeil (1258) zwischen Jakob I. dem Eroberer und Ludwig IX., dem heiligen König von Frankreich, wurde das Arantal der


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Der Sauth deth Pish (Varradòs)


katalanisch-aragonesischen Krone zugesprochen, und König Jakob besuchte es im Jahr 1265 persönlich. Die Spannungen mit Frankreich führten jedoch zur Invasion und Eroberung des Tals durch französische Truppen im Jahr 1283. Nach langen diplomatischen Auseinandersetzungen und einigen Jahren der Verwal tung durch das mallorquinische Königshaus (im Rahmen der Statthalterschaft des Roussillons) erreichte Jakob II. in Folge einer Anordnung des Konzils in Vienne (1312) die Einsetzung eines gemischten Ausschusses, der in Vielha zusammenkam und dem katalanischen König am 23. April 1313 die Herrschaft über das Arantal zurückgab. Im Juni des selben Jahres gewährte Jakob II. das Privileg der Querimonia, eine Grundrechtscharta für das aranesische Leben, in der wichtige wirtschaftliche Entlastungen festgeschrieben wurden. Das aranesische Gebiet war damals in sechs, als terçons (Drittel) bezeichnete Bezirke eingeteilt, die ihre conselhers (Räte) wählten und in den Conselh Generau (Generalrat) entsandten. 1389 erklärte das Ständeparlament von Montsó das Tal zum Teil des Fürstentums Kataloniens. Der Generalrat wurde 1835, als das Arantal der Provinz Lleida zugeschlagen wurde, aufgelöst. Bei der Gebietsteilung von 1936 (die 1988 wiederhergestellt wurde) bekam das Tal dann den Status eines katalanischen Landkreises, und 1991 wurde der Generalrat im Sinne des katalanischen Autonomiestatuts, in dem die historischen Rechte der Araneser anerkannt werden, wiederhergestellt. Kirchlich wurde das Arantal bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vom Bistum Comminges verwaltet, bevor man es 1805 in die Diözese Urgell integrierte. Das Arantal der Gegenwart hat sich zu einem der belieb und attraktivsten Reiseziele der Pyrenäen für den – wegen der lang Schneedauer fest verwurzelten – Wintertourismus entwickelt, und auch Naturfreunde, die sich von der Schönheit der Landschaft angezogen fühlen, in der man sich fast das ganze Jahr über dem Wander- und Bergsport widmen kann, sowie kulturell interessierte Besucher kommen dank der Reize seiner ländlichen Ortschaften, der Sehenswürdigkeit seiner mittelalterlichen Kunst, des Prestiges seiner Gastronomie und der Vitalität seiner Folklore voll auf ihre Kosten. 6

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Der „Schrank der sechs Schlüssel“

Das Privileg der Querimonia

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Die Mode des Skisports

Der Skisport und andere Wintersportarten genießen im Arantal ein außerordentliches Prestige, zu dem die geographische Lage des zum Atlantik ausgerichteten Pyrenäentals beigetragen hat, die für ein kühleres und niederschlagsreicheres Klima als im Rest der katalanischen Pyrenäen sorgt. Reichlicher Schneefall in guter Qualität gewährleistet eine lange Wintersportsaison. Im Mittelpunkt des aktuellen Angebots steht die in einer spektakulären Hochgebirgslandschaft in der Nähe der Garonnequelle gelegene, von sehr hohen Gipfeln umgebene Skistation Baqueira Beret (Naut Aran), das größte Wintersportzentrum der Pyrenäen, das in Bezug auf seine Infrastrukturen, die befahrbare Fläche und das Dienstleistungsangebot den besten Anlagen der europäischen Alpen in nichts nachsteht. Die Skistation wurde in der Saison 1964-1965 eingeweiht und seitdem ständig erweitert, so dass sie inzwischen ein großes Wohngebiet mit Hotels, Apartments und Freizeiteinrichtungen umfasst. Die häufige Anwesenheit der spanischen Königsfamilie hat zur Bekanntheit der Anlage beigetragen und den Zustrom von Besuchern aus ganz Spanien verstärkt. Die große Skistation der Pyrenäen. Die in 1 500 bis 2 510 Metern Höhe gelegene Skistation Baqueira Beret umfasst insgesamt 78 Pisten mit 8

vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden und einer Gesamtlänge von 120 km und hat eine befahrbare Gesamtfläche von 1922 ha, in der das Gebiet um Beret herausragt. Die vollständig gekennzeichneten und per Funk von einem Kontrollturm aus überwachten Pisten verfügen über 33 Lifte (13 Schlepp- und 20 Sessellifte mit einer Kapazität von 57.983 Personen pro Stunde) und 608 Schneekanonen. In Beret gibt es ein nordisches Skigebiet mit einer Langlaufloipe von 7 km Länge. Die Station umfasst 16 Cafeterien und Restaurants, Sonnenterrassen, 4 Skikindergärten, eine Skischule mit über 400 Lehrern, eine fest installierte Halfpipe in Argulls, ein Slalomstadion, ärztliche Dienste usw. Die Wohnanlage zu Füßen der Skipisten bietet Platz für über 6 000 Personen. Zu den zahlreichen nationalen und internationalen Skirennen, die hier jedes Jahr stattfinden, zählt in den ersten Februartagen der wichtige, internationale Langlaufwettbewerb Marxa Beret. Zu den anderen Sportarten, die hier betrieben werden, zählen Heliski, Hundeschlitten, Schneeschuhwanderungen und Gleitschirmflüge. Die Sessellifte El Bosc, Mirador und Bonaigua sind auch in der Sommersaison geöffnet, und es wird die Möglichkeit zu Ausflügen und Routen im Gebirge oder anderen Aktivitäten geboten.


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Luftansicht von Baqueira Beret


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Die Langlaufveranstaltung „Marxa Beret“


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Baqueira Beret B端ros in Barcelona und Madrid Tel. (+34) 902 415 415 Maison de Baqueira Beret in Bordeaux Tel. (+33) 556 814 474 www.baqueira.cat


Vielha, die aranesische Hauptstadt

Im schönen Zentrum des Arantals. Die Hauptstadt des Val d’Aran liegt am linken Ufer der Garonne am Zusammenfluss mit dem Nere an einer der breiteren Stellen des Tals. Ihre strategische Lage an einer traditionellen Heerstraße erklärt die politische und verwaltungstechnische Bedeutung, die sie seit dem Mittelalter besitzt, auch wenn ihr Ursprung, wie der aus dem lateinischen Wort vetula („die Alte“) abgeleitete Ortsname erkennen lässt, in der Römerzeit liegt. Vielha war der Hauptort des gleichnamigen terçó (später Castièro), eine der drei befestigten Siedlungen des Tals und Sitz des Generalrats des Arantals. Der Schwur, die aranesischen Privilegien zu respektieren und zu schützen, den der Statthalter des Tals und seine Berater in Anwesenheit der Ratsmitglieder und der Prominenz des Arantals abzulegen hatten, fand seit dem Mittelalter in der romanischen Kirche Santa Maria de Mijaran statt, deren gesicherte Ruine flussabwärts, in der Nähe des als Pèira de Mijaran bezeichneten Menhirs an der Garonne steht (die kirche wurde 1938 gesprengt, nachdem sie als Pulverkammer benutzt worden war). Die Altstadt von Vielha – das Viertel Eth Cap dera Vila – liegt am rechten Ufer des Nere, während die 14

modernen Stadterweiterungen im Wesentlichen den alten Wegen zu den anderen aranesischen Ortschaften folgen und mit den beiden nächst gelegenen, Betren und Gausac, praktisch ein Ballungsgebiet bilden. Unter den Stammhäusern von Eth Cap dera Vila sind das Çò de Rodés, das Çò de Fedusa und das Çò de Burgarol sehenswert, die aus dem 17. Jahrhundert stammen und große gotische Fenster und Türen mit Keilsteinbogen aufweisen. Eine besondere Erwähnung verdient das Casa de Santesmasses oder Tor deth Generau Martinhon aus dem 16. Jahrhundert, das von ihren Eigentümern der katalanischen Landsregierung überlassen wurde, um als Sitz des Museums des Arantals zu dienen. Heute ist es das neuralgische Zentrum der Aktivitäten, die der Generalrat des Arantals zum Schutz, zur Bewahrung und zur Bekanntmachung des historischen Erbes unternimmt. Das 1984 eingeweihte Museum besitzt bedeutende Sammlungen aus den Bereichen der Archäologie, Ethnografie und Kunst, aber auch der Geologie, der Tier- und Pflanzenwelt usw. Hier befindet sich auch der so genannte „Schrank des Tals“ oder „Schrank der sechs Schlüssel“, der 1753 aus Holz geschnitzt wurde und viele Jahre lang in der Sakristei der


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Die Kirche Sant Miquèu de Vielha


Kirche Sant Miquèu de Vielha stand. Dort wurde er zur Aufbewahrung wichtiger Urkunden sowie der redolins benutzt, die zur Wahl der Bürgermeister oder conselhers (Ratsmitglieder) der terçons (Verwaltungsbezirke) dienten, die wechselweise die Schlüssel aufbewahrten. Weitere Ausstellungen sind in Vilamòs im Casa Joanchiquet und in Arties in der Kirche Sant Joan zu finden. Das 1820 errichtete Casa deth Senhor d’Arròs oder Çò d’Ademà im Weiler Arròs im Westen der Gemeinde Vielha e Mijaran beherbergt seit 1995 das vom Generalrat verwaltete Historische Generalarchiv des Arantals und den Sitz des Generalrats selbst sowie des Instituts für die aranesische Sprache. Die Pfarrkirche Sant Miquèu, das wichtigste Baudenkmal der Stadt, hat ihren Ursprung in der Kapelle der nicht mehr erhaltenen Burg von Vielha. An der Kirche sind einige Elemente aus dem 12. bis 13. Jahrhundert erhalten, die stilistisch der Romanik und der Übergangszeit zur Gotik zuzuschreiben sind. Zu ihnen zählen das prachtvolle, gotische Portal mit fünf Spitzbogen und neunundfünfzig, das Jüngste Gericht darstellenden Skulpturen sowie ein Tympanon mit drei Reliefs, von denen das mittlere den Erzengel Michael als Drachentöter zeigt. Der Glockenturm ist ein achteckiger, gotischer,

Fremdenverkehrsbüro Vielha (s. Seite 45) Musèu dera Val d’Aran Tel. (+34) 973 641 815 Archiu Istoric Generau d’Aran Arròs Tel. (+34) 973 642 569 Palai de Gèu Tel. (+34) 973 642 864 www.palaidegeu.com

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an der Nordwestecke der Kirche angebauter Turm mit pyramidenförmigem Spitzdach, dessen Obergeschosse mit mächtigen Pechnasen versehen sind und der auch als Wehrturm diente. Sein Bau begann 1510. Das einzige Schiff der Kirche besitzt ein Rundbogengewölbe, das durch Gurtbogen in drei Abschnitte unterteilt ist, und sechs seitliche Kapellen. Die Vierung mit Kuppel und Laterne entstand im Zuge eines Ausbaus im 17.-18. Jahrhundert. In der Kirche befinden sich sehr wertvolle Kunstgegenstände, unter denen die romanische Schnitzfigur des „Crist de Mijaran“ (12.-13. Jh.) aus der ehemaligen Klosterkirche Santa Maria de Mijaran, die Teil einer „Kreuzabnahme“ wie der von Erill-la-Vall war, und der gotische Hochaltar aus polychromem Holz (15. Jh.), der Pere Despallargues oder einem anonymen, „Meister von Vielha“ genannten Schüler von Pere Garcia de Benavarri zugeschrieben wird, herausragen. Eine weitere Sehenswürdigkeit stellt das mit Flachreliefs verzierte, romanische Taufbecken (12. Jh.) dar. Der Ort ist ein aktives Zentrum der Kultur, des Handels, des Dienstleistungssektors und des Sports. Hier befinden sich die meisten Geschäfte, Restaurants, Freizeiteinrichtungen und Hotels (28 Häuser mit insgesamt rund 1800 Betten), darunter das außerhalb der Stadt gelegene, staatlich verwaltete Luxushotel „Parador Nacional de la Val d’Aran“. Der Wochenmarkt findet donnerstags statt. Im Oktober werden in Les, Naut Aran, Bossòst und Vielha die traditionellen Viehmessen veranstaltet, zu denen inzwischen auch andere, wie die Abenteuersport- oder die Antiquitätenmesse, hinzugekommen sind. Schließlich befindet sich in Vielha neben dem Sitz verschiedener Sportverbände auch noch der 1994 eingeweihte Eispalast, ein bedeutendes Mehrzwecksportzentrum mit Eisbahn und Fußballplatz.


Der Eispalast (Palai de Gèu) Der Christus von Mijaran


Das mittelalterliche Erbe

Das künstlerische Erbe des Arantals stammt vorwiegend aus dem Mittelalter und hat einen religiösen Charakter (romanische und gotische Kirchen, Malerei und Bildhauerei), obwohl es in den kleinen Weilern, die über die ganze Landschaft des Tals verstreut liegen, auch einige sehenswerte Zivilbauten und zahlreiche charaktervolle Beispiele der Volksarchitektur mit den charakteristischen schiefergedeckten Dächern zu sehen gibt. Erwähnenswert sind auch die archäologischen Fundstücke aus der Römerzeit – Stelen, Steintafeln und Votivelemente –, die häufig in Kirchenmauern verarbeitet, aber auch in den Museen zu finden sind. Nach der Besichtigung der repräsentativsten Denkmäler der Hauptstadt Vielha, die wir in einem separaten Abschnitt beschrieben haben, schlagen wir einen Ausflug in die anderen aranesischen Ortschaften vor, die herausragende mittelalterliche Kunstwerke besitzen. Unter den Dörfern des weitläufigen Gemeindegebiets von Vielha e Mijaran wollen wir zunächst Escunhau nennen, in dem eines der ältesten erhaltenen Häuser des Arantals, das Çò de Perejoan, mit einem auf 1393 datierten Wappen und nachträglich hinzugefügten, großen Renaissancefenstern sowie das schöne, 18

romanische Portal (12. Jh.) der Kirche Sant Pèir mit zwei Archivolten und diversen Bildhauerarbeiten (Christus auf dem Tympanon, Christusmonogramm, Schachmusterverzierungen usw.) besichtigt werden können. Im Innenraum der Kirche befinden sich zwei ebenfalls romanische Becken – ein Tauf- und ein Weihwasserbecken – und eine Schnitzfigur des Heiligen Christus (13. Jh.) mit einem verzierten Kreuz sowie diverse liturgische Gegenstände. Zwischen Vielha und Escunhau liegt Betren, wo ebenfalls einige alte Häuser mit großen Renaissancefenstern erhalten sind. Dominiert wird der Ort von der im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik errichteten Kirche Sant Estèue (12.-14. Jh.), die ein gotisches Portal mit vier SpitzbogenArchivolten besitzt. Ihre Keilsteine sind reich mit sechzig Relieffiguren geschmückt, die, wie die der Kirche Sant Miquèu in Vielha, das Jüngste Gericht repräsentieren. Sehenswert ist außerdem das ansprechend dekorierte Tympanon, in dessen Mitte die Heilige Jungfrau mit dem Kind zu sehen ist. In der kleinen Kirche des Nachbarorts Casarilh kann man außer einer interessanten, gallo-römisch beeinflussten Grabplatte aus weißem Marmor eine prachtvolle romanische Schnitzfigur des Christus


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Wandmalereien in der Kirche Sant Andrèu de Salardú


Das gotische Retabel in Santa Maria d’Arties (15. Jh.)

aus dem 12.-13. Jahrhundert bewundern, die eine ziselierte Metallkrone trägt und an die von Salardú erinnert.

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Im Dörfchen Gausac, das flussabwärts, westlich von Vielha gelegen ist, findet sich eines der besten Beispiele für die gotische Baukunst des Tals, nämlich die Kirche Sant Martin. Sie besitzt einen durch gekehlte Bogen, die auf Säulen mit schönen Kapitellen ruhen, in drei Abschnitte unterteiltes Schiff (15. Jh.) und einen robusten Glockenturm, der auch als Wehrturm diente. In der Kirche befinden sich ein romanisches Becken und interessante Stelen aus der Römerzeit. Romanische Elemente sind darüber hinaus unter anderem auch in den Kirchen von Casau, Vilac, Betlan, Aubèrt, Montcorbau und Arròs zu finden. Im nordwestlichen Abschnitt des Tals ragt unter den Ortschaften, die den Lauf der Garonne säumen, der Weiler Es Bòrdes heraus, wo auf einem Felsen über dem Zusammenfluss der Garonne mit dem Jòeu die Festung Castèth Leon stand. Sie zähl- te zu den bedeutendsten in diesem Teil der Pyrenäen und diente den Statthaltern des Arantals bis in das 17. Jahrhundert als Residenz, wurde jedoch im Krieg der Quadrupelallianz (1719) von französischen Truppen zerstört. Etwas weiter findet sich das hoch gelegene Vilamòs mit einer der ältesten romanischen Kirchen des Tals, der Kirche Santa Maria mit ihrem frei stehenden, dreigeschossigen Glockenturm. In der Hauptstraße steht das Casa Joanchiquet, das einen geschlossenen Innenhof besitzt und 1996 zum Museumshaus umgebaut wurde, so dass hier nunmehr ein typisches aranesisches Haus mit allen seinen Räumen besichtigt werden kann. Bossòst ist ein vitaler Ort am linken Ufer der Garonne, flankiert von der schönen, dem Flusslauf folgenden Promenade Eth Grauèr. Die Ortskirche Era Mair de Diu dera Purificacion (12. Jh.) besitzt drei Schiffe und drei Apsiden mit lombardischer Dekoration, einen frei stehenden, quadratischen Glockenturm mit vier Geschossen, zwei interessante Tore – wobei das Nordtor mit seinen drei unterschiedlich großen Bogen besonders interessant ist –, behauene Säulen und Kapitelle, Schachbrettmuster und ein schönes, sehr archaisches Tympanon mit dem Pantokrator und den Evangelisten. In Les, einem anderen sehenswerten Ort, der flussabwärts an der Garonne


Die Altstadt von Vilamòs

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Die Kirche Era Mair de Diu in Bossòst

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Die Kirche Sant Feliu in Vilac

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Arties

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in der Nähe der französischen Grenze liegt, steht hinter dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Herrenhaus Era Baronia die kleine Kirche Sant Blai (12. Jh.). Der östliche Teil des Tals umfasst das große Gemeindegebiet Naut Aran, dessen Hauptort Salardú ist. Von Vielha kommend gelangt man bald nach Arties. Sehenwert sind hier der Turm der ehemaligen Festung Entransaigües und die romanische Kirche Santa Maria (12.-13. Jh.) mit drei Schiffen, drei Apsiden und einem Portal mit sechs Archivolten, die mit geometrischen Formen dekoriert sind. Im Innenraum der Kirche ragen unter anderem die Wandmalereien von 1580 im Presbyterium, die das Jüngste Gericht, die Herrlichkeit und die Hölle darstellen, eine romanische Schnitzfigur der Heiligen Jungfrau der Abhilfe (12. Jh.) und ein Taufbecken heraus. Der schöne, viergeschossige Glockenturm hat einen quadratischen Grundriss und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Diese Kirche ist als einzige des Arantals zum Kulturgut von nationalem Interesse erklärt worden. Unter den alten Herrenhäusern aus dem 16. Jahrhundert sollen an dieser Stelle das Çò de Paulet mit seinen bemerkenswerten Fenstern und das Casa dels Portolà, das der Familie des Kolonisators von Kalifornien gehörte und heute ein staatlich verwaltetes Luxushotel beherbergt, erwähnt werden. Die interessante, kleine

Detail der Wandmalereien von Salardú

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gotische Kirche Sant Joan (Ende 13. Jh.), die dem Hospitaliterorden gehörte, wurde 1988 zu einem Saal für Wanderausstellungen umgebaut. Salardú besaß als zweite königliche Stadt im Tal schon im Mittelalter politische Bedeutung und war von einer Stadtmauer umgeben. Unter seinen Baudenkmälern, zu denen auch die schönen Herrenhäuser der Altstadt zählen, ragt die Kirche Sant Andrèu aus der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik (12.-13. Jh.) heraus. Sie besitzt drei Schiffe und drei Apsiden mit lombardischer Dekoration, ein Portal mit fünf Archivolten vom lleidatanischen Typ und einen frei stehenden, schlanken Glockenturm mit achteckigem Grundriss (15. Jh.). In der Kirche ist eine wundervolle Schnitzfigur aus dem 13. Jahrhundert, der so genannte „Christus von Salardú“, zu besichtigen, der an die Christusfigur in Mijaran erinnert. In jüngerer Zeit (1994-1999) wurden interessante, spätgotische Wandmalereien (Ende 16. Jh.) restauriert, nämlich der verherrlichte Christus und die vier Evangelisten am Apsisgewölbe, die Kirchenväter am zentralen Gewölbe des Presbyteriums und diverse Heilige an den Bögen und Säulen. Am Ortseingang des benachbarten Unha steht einer der interessantesten Zivilbauten des Tals, das Çò de

Archivolten in Betren


Brastet, ein altes befestigtes Herrenhaus von 1580 mit Fenstern und einem Portal im Renaissancestil. Die romanische Ortskirche Santa Eulària (12. Jh.) besitzt drei Schiffe und drei Apsiden, ist jedoch trotzdem eher klein. In der Nähe des Dorfes Tredòs, dem ersten Ortskern im Tal nach dem BonaiguaPass, steht das ehemalige romanische Heiligtum Santa Maria de Cap d’Aran (12. Jh.), das heute als Pfarrkirche dient. Das Bauwerk besitzt drei Schiffe und drei Apsiden mit lombardischer Dekoration, eine kleine Krypta, ein Portal mit Archivolten und behauene Kapitelle. Die Wandgemälde aus der Kirche befinden sich heute im Cloisters-Muesum in New York (USA).

Der Christus von Casarilh

Kirche Santa Eulària d’Unha

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Eine Landschaft für Wanderfreunde

Um die faszinierende Welt des Arantals wirklich kennen zu lernen, muss man die Hauptverkehrswege, die sich durch das Gebiet ziehen, zu den bedeutendsten Ortschaften führen und ein attraktives, aber unvollständiges Bild seines Charakters bieten – die 48 km Landstraße, die dem Lauf der Garonne von Pònt de Rei zum Bonaigua-Pass folgt; die N-230 von Vielha, die durch den gleichnamigen Tunnel zum Landkreis Alta Ribagorça führt; und die C-28, die sich als C-13 bis in den Pallars fortsetzt –, verlassen, um sich in das Netz der aranesischen Wald- und Forstwege (370 km) zu begeben. Fern vom Asphalt. Der zum Kennen lernen der wunderschönen, verborgenen Winkel – Flüsse und Bäche, Seen, Brunnen, Wälder, Dörfer, die dem Lauf der Zeit zu trotzen scheinen, Rundblicke auf die Hänge der hohen Gipfel – am besten geeignete, gekennzeichnete Weg ist der im Jahr 2000 eingeweihte Fernwanderweg GR-211, der einen Rundkurs von fast 100 km beschreibt und zahlreiche Dörfer des Tals erfasst. Er vereint ruhige, flache Abschnitte mit sehr schwierigen, die durch das Hochgebirge führen. Der Stein, der den Anfang dieses mit rot-weißen Symbolen markierten Wanderwegs kennzeichnet, steht in Vielha am Zusammenfluss von Garonne und Nere. Die fünf Varianten des Wegs sind mit Holztafeln markiert. 26

Es gibt zahlreiche und vielfältige Landschaften, die den Besuch interessierter Wanderfreunde wert sind. An dieser Stelle sollen nur einige von ihnen erwähnt sein, mit denen sich die Möglichkeiten, die sich bieten, nicht einmal annähernd erschöpfen. Sehr interessant ist die Route, die sich durch das Tal der Era Artiga de Lin (Es Bòrdes) am Ufer des Jòeu entlang bis zu dessen wasserreichen Quellen, den Uells deth Jòeu, zieht, in deren Nähe, inmitten von Wäldern, in denen Haselsträucher, Buchen, Eichen, Birken und Tannen wachsen, die Ruine eines ehemaligen Sanktuars und die moderne Schutzhütte Artiga de Lin stehen. Von hier kann man seinen Weg zum See Còth deth Hòro fortsetzen, der sich an der Grenze zu Aragonien vor dem Maladeta-Massiv erstreckt und von dem aus sich eine schöne Aussicht auf den Aneto und einige andere herausragende Gipfel der Pyrenäen bietet. Der von Gletschern geformte Seenkessel von Colomèrs an der Grenze zum Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici ist ein anderes außergewöhnliches Wanderziel. Die Route beginnt in Salardú und führt durch das Aiguamog-Tal, entlang der Banhs de Tredòs und der Pletiu de la Montanheta, zur Seenplatte und der oberhalb des Estany Major de Colomèrs gelegenen Schutzhütte von Colomèrs, von der aus sich ebenfalls ein herrlicher Ausblick auf die anderen Seen und die hohen Gipfel der Umgebung bietet.


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Wandern im Arantal


Herbstliche Landschaft in Valarties

Eine etwas westlicher verlaufende Parallelroute führt von Arties durch das gleichnamige Tal, entlang den Quellen von Gresilhon und der kleinen Brücke Pontet de Rius, durch Buchen- und Eichenwälder zum Stausee Estany d’Era Restanca und der gleichnamigen Schutzhütte. Von hier gelangt man auf einem holprigen, aber schönen Weg zum Marsee, einem See mit einer kleinen Insel, der sich, umgeben von beeindruckenden Gebirgskämmen und Felswänden, am Fuß des 3015 m hohen Besiberri Nord erstreckt. Eine relativ einfache Route, die auch für eine Mountainbike-Tour geeignet ist, führt zur Ebene Pla de Beret (Naut Aran) in der Nähe der Skipisten von Baquèira sowie nach Montgarri und zu seinem Sanktuar, in dessen unmittelbarer Nähe der in das Mittelmeer abfließende Noguera Pallaresa und die zum Atlantik führende Garonne entspringen. Nach dem Passieren der Schutzhütten Cabana de Parros und Es de Cabau und einer Brücke über den Noguera erreicht man das Heiligtum der Mair de Diu de Montgarri (16. Jh.) mit dem Pfarrhaus und dem 28

ehemaligen Pilgerhospital sowie den gleichnamigen, inzwischen verlassenen Weiler. Am 2. Juli jedes Jahres findet hier eine populäre Wallfahrt statt, an der zahlreiche Gläubige aus dem Arantal, dem Pallars und Okzitanien teilnehmen. Im äußersten Nordwesten des Tals führt eine Route vom ehemaligen Heilbad Les, einem liebenswerten Ort, der für die in der Johannisnacht stattfindende Crema deth Haro bekannt ist, über das charaktervolle, 2 km von der Brücke Pònt de Rei entfernte Bauerndorf Bausen – Verbindungspunkt nach Okzitanien – auf einem an Scheunen und Hütten vorbeiführenden Weg durch den Buchenwald von Liat und weiter über die Escala de Saplan bis zum Vacanera-Grenzgebirge, dessen höchster Gipfel der Tuc deth Plan der Ome (2192 m) ist. Das Val de Toran, das im nördlichen Abschnitt des Arantals liegt und zum Einzugsgebiet der Garonne gehört, erstreckt sich von Canejan, einem Dorf, das sich ebenfalls seinen typischen Charakter bewahrt hat, bis zu den Bergwerken im Obertal und den LiatSeen. Im Zentrum des Tals liegt Sant Joan de Toran,


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Era Artiga de Lin


und bevor man die Seen erreicht, trifft man hinter dem Wehr Barratge dera Hont dera Coma zunächst auf einen monumentalen Buchen-, Tannen- und Birkenwald, die Erme-Schlucht und die Grauer-Ebene. Es gibt aber noch viel mehr Plätze, die für Naturfreunde interessant sind. Dazu gehören das Varradòs-Tal mit seinen Wäldern und dem berühmten Wasserfall Sauth deth Pish, der kleine Bergsee Bassa d’Oles mit seiner Schutzhütte, die Batalhèr-Ebene und der Tannenwald von Baricauba in der Nähe von Gausac ebenso wie der Gipfel des Montardo (2833 m), der großartige pyrenäische Aussichtspunkt über den Süden des Landes. Ein perfektes Reiseziel für den Aktivtourismus. Im Arantal stehen ortskundige Bergführer für Sommerausflüge zu Fuß, zu Pferd oder auf dem Fahrrad sowie für Überquerungen und Aufstiege mit Schneeschuhen oder auf Skiern im Winter zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Unternehmen, die sich auf die so genannten Abenteuersportarten, wie Bergsteigen, Reitsport, Mountainbiking, Bogenschießen, Rafting, Canyoning, Kanusport usw., spezialisiert haben, nach denen das Interesse in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Die Jagd ist stark eingeschränkt. Lediglich im Nationalen Jagdschutzgebiet Alt Pallars-Val d’Aran (Naut Aran) gibt es eine streng regulierte Jagdzone. Auch das Sportfischen ist reguliert, und es gibt keinen Ort, an dem es uneingeschränkt erlaubt ist. Die Genehmigungen werden von zwei Anglervereinen im Tal ausgestellt, die jedes Jahr entsprechende Informationsblätter herausgeben.

Centre Excursionista de Catalunya Tel. (+34) 932 152 311 www.cec.cat Centre BTT Val d’Aran Tel. (+34) 973 640 024 www.bikingvaldaran.com

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Erinnerung an die industrielle Tradition

In jüngerer Zeit wurden Maßnahmen für eine neue Wertschätzung des industriellen Erbes im Arantal ergriffen, deren Ziel es ist, dieses Erbe in die Reihe der traditionellen Touristenattraktionen zu integrieren. Drei bezeichnende Beispiele sind das alte Bergwerk, die Textilindustrie und die Kornmühlen. Die Bergbautradition. Das überwiegend vieh- und forstwirtschaftlich ausgerichtete Arantal kann auch auf eine lange Bergbautradition zurückblicken, die mit der Eisengewinnung zur Versorgung der Schmieden und dem Abbau von Kobalt und Galenit begann. Die größte Rolle spielten jedoch die Zink- und Bleiminen im nördlichen Teil des Tals nahe der französischen Grenze. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestimmte das aranesische Zink noch die Preise dieses Metals an den europäischen Metallbörsen, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurden die Minen dann wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit ausnahmslos geschlossen. Vor kurzem wurde die Victòria-Mine im gebirgigen Norden der Gemeinde Arres nahe Bossòst restauriert, die einst die bedeutendste Zink- und Bleimine (Sfalerit und Galenit) des Tals gewesen war. Sie war 32

ab 1907 von zwei franko-belgischen Unternehmen ausgebeutet worden und produzierte im Jahr 1912 täglich 80 Tonnen Roherz. Insgesamt beschäftigte das Bergwerk (das 1953 stillgelegt wurde) 100 bis 150 Personen. Eine Seilbahn beförderte das Erz zur Erzwäscherei nach Bossòst, deren Gebäude erhalten geblieben ist. Die geführte Besichtigung beginnt und endet am Bassa d’Arres und führt zu den Galerien Sacòsta und Desaux. Eine Wollfabrik. Die Fabrica dera Lan ist eine alte Wollfabrik in Vielha, die die Wasserkraft des Nere nutzte und ein repräsentatives Beispiel für die kleinen Betriebe der Textilindustrie darstellt, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu beiden Seiten der Pyrenäen entstanden. Die Fabrik wurde gegen Ende jenes Jahrhunderts von Rafael Portoles Lufaste (18581936) gegründet, der das Handwerk in Miramont-deComminges erlernt hatte, und stellte für das Arantal einen Schritt in Richtung der Modernisierung dar. Die Restaurierung wurde so umfassend durchgeführt, dass die Maschinen theoretisch wieder in Betrieb genommen werden könnten. Zu sehen ist der komplette Fabrikationsprozess vom Zupfen des Wollvlieses zu Flocken auf der Reißmaschine über


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Die alte Wollfabrik (Fabrica dera Lan)


das Kardieren und Kämmen der Wolle mit der Grobund der Feinkarde bis hin zum Spinnen, das auf dem Dachboden stattfand. Eine Wassermühle. Bei der Mola de Salardú handelt es sich um eine alte Kornmühle in Salardú, die restauriert wird, um Besuchern eine grundlegende traditionelle Produktionstätigkeit vorzuführen. Nach Abschluss der Restaurationsarbeiten wird es möglich sein, das hydraulische System, das die Antriebskraft des Wassers nutzt, und die Mechanik der Mühle funktionieren zu sehen. Gegenwärtig ist die erste Phase abgeschlossen und kann das ganze Jahr über besichtigt werden. Die Mühle von Salardú

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Die Victòria-Mine

Museu dera Val d’Aran Fabrica dera Lan Mola de Salardú Mina Victòria Tel. (+34) 973 641 815


Traditionen und Folklore

Die aranesische Kultur hat eine starke Bindung zur Vergangenheit, wie die bis heute gepflegten bzw. gefeierten Traditionen und Feste zeigen. Die Riten und Gebräuche sind der volkstümliche Ausdruck der verschiedenen Ereignisse, die die aranesische Geschichte geprägt haben, und heute ist deutlich der Wille zu erkennen, sich wieder auf die recht einzigartige Vergangenheit des Tals zu besinnen. Viele dieser Feste und Traditionen werden vom immer wiederkehrenden Rhythmus der Jahreszeiten geprägt. Das Winterende, das das Ende der Kälte und des Mangels ankündigt, und der beginnende Frühling, der eine optimistischere und fröhlichere Sicht der Dinge mit sich bringt, geben Anlass zu einem Festzyklus, der in den ganzen Pyrenäen verbreitet und auch in der gaskognischen Kultur verwurzelt ist: dem Karneval, der hier Magràs heißt. Auf den Karneval folgt die Fastenzeit, die mit der Karwoche endet, die vor allem in Bossòst gefeiert wird, und zwar mit den einzigen Karfreitagsprozessionen auf aranesischem Gebiet: der Kreuzwegsprozession am Morgen, bei der, bis auf die „Schwarze Madonna“ oder „Mater dolorosa“ (Schmerzensmutter), alle Teilnehmer bunt gekleidet sind, sowie der „Heiligen Beerdigung“ in der Nacht, zu der jedermann in schwarzer Kleidung erscheint. Beim Fest des Heiligen Kreuzes (13. Mai) von Salardú versammeln sich rund um den berühmten Heiligen Christus die 36

Kreuze der acht Dörfer der Gemeinde, die in einer Prozession zum La-Pica-Platz getragen werden, wo der Gemeindebezirk den Segen empfängt. Die Sommersonnenwende, die symbolisch mit dem Feuer und der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird, wird in den Dörfern Les und Arties in besonders bemerkenswerter Weise gefeiert. In Les findet in der Johannisnacht am 23. Juni die Crema deth Haro statt, bei der der haro, ein etwa 12 m hoher Tannenstamm, dessen oberer Teil mit Holzkeilen komplett gespalten wurde, in der Mitte des Dorfplatzes aufgestellt und entzündet wird. Um ihn herum findet dann ein farbenfrohes Fest mit Feuer, aranesischen Tänzen und viel Radau statt. Früher wurde der haro am 24. wieder entfernt, heute jedoch findet dies zu Sankt Peter am 29. Juni statt. Die Opfergaben werden von den letzten beiden Paaren, die im Ort geheiratet haben, dargebracht. Dieser Ritus heidnischen Ursprungs nimmt Bezug auf die Symbologie eine vorchristlichen Festes: der Holzstamm steht für die Befruchtung der Mutter Erde und die Bitte um die Läuterung und Fruchtbarkeit der Felder und Äcker sowie der Menschen. Das Festa deth Taro in Arties beginnt einige Tage vor der Johannisnacht, wenn eine Gruppe von Männern aus dem Dorf die größte Tanne aus dem Wald holt und sie an dem Weg aufstellt, der zum


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Der Volkstanz Era Pòlca Piqué


bewirtschafteten Land führt. In der Nacht zum 23. Juni wird diese Tanne dann entzündet, der Pfarrer segnet sie, und wenn sie eine Weile gebrannt hat, wird sie umgelegt und mit Seilen durch das ganze Dorf zum Haus des Bürgermeisters geschleppt, während die Jugendlichen zum Klang der Musik über sie hinweg springen. Die zahlreichen und vielfältigen traditionellen aranesischen Tänze wurden normalerweise nur vom Gesang der Frauen begleitet. Bei einigen feierlichen Gelegenheiten spielten allerdings auch kleine Musikergruppen auf, die in der Regel eine Geige, eine Saitentrommel und eine Flöte mit drei Löchern umfassten. Zu den typischen Tänzen, die in zahlreichen aranesischen Dörfern gepflegt werden, zählen Es Esclòps (ein traditioneller Tanz, bei dem Mädchen und Jungen einen Holzschuh in der Hand halten), Eth Puntet (ein Tanz, der an die Auseinandersetzungen zwischen den Verkäufern von schwarzem und von weißem Brot erinnert und der im Kreis um die Brotkörbe herum getanzt wird), Es Aubades (dieser traditionellste Tanz des Arantals weist in jedem Dorf einige Besonderheiten auf; bei ihm sitzen die Mädchen auf dem Platz auf einer Bank, während die Jungen tanzen, bis sie den Musiker ermüdet haben), Era Pòlca Piqué (ein in allen Dörfern der Gascogne bekannter Tanz mit Polkaschritten und Drehungen) und Era Morisca (Jungen und Mädchen ziehen während des „Schafsfestes“ Hand in Hand in einer Schlange durch die Straßen des Dorfes). Im Arantal finden zahlreiche Wallfahrten statt, darunter die berühmte von Montgarri (2. Juli), die nach Era Artiga de Lin (dritter Sonntag im Juni), die zur Wallfahrtskirche Santa Quitèria de Vielha (22. Mai), die nach Sant Joan d’Arròs (erster Sonntag im Mai) und die nach Era Mare de Diu dels Desemparats in Montcorbau (erster Sonntag im Mai). Wichtige Festtage sind auch die häufig um Mariä Himmelfahrt und Sankt Rochus (15. und 16. August) herum stattfindenden Patronatsfeste, die Rosenkranzfeste in Betren und Aubèrt, das Fronleichnamsfest in Bossòst, das Hirtenspiel in Les, die „Lebende Krippe“ in Vielha und das Festival der Musik der Pyrenäen und Akkordionisten des Arantals in Les (August). 38


Das Casa Joanchiquet in Vilamòs

Die Crema deth Haro in Les

www.festacatalunya.cat


Eine ganz besondere Küche

Die aranesische Küche hat, vor allem was die Zubereitung der autochthonen Produkte betrifft, die sich kaum von denen der anderen Pyrenäenregionen unterscheiden, einen deutlich differenzierbaren Charakter, der sich von ihrer engen historischen und kulturellen Bindung an die Gascogne herleitet. Durch die Bedeutung des Tourismus in den letzten Jahrzehnten wurden die Gastronomie allgemein und die Rückbesinnung auf Gerichte der traditionellen Küche gefördert. Unter den einheimischen Produkten verdienen neben den Erzeugnissen des Waldes, den Pilzen – Steinpilz, Echter Reizker, Feldschwindling – und den Flussforellen auch der Kuhmilchkäse Val d’Aran und diverse Wurstwaren, wie langoïssa und langoïssa seca (frische und getrocknete Mettwurst), anditos (Zwiebelblutwürstchen), cueta, bolh (Presssack) – bolh nere (roter Presssack), bolh de codena (Schwartenpresssack) und bolh de la lengua (Zungenpresssack) – oder choriço (Paprikahartwurst), eine besondere Erwähnung, deren Qualität in allen Fällen durch eigene geschützte Herkunftsbezeichnungen gewährleistet ist. Das traditionellste und repräsentativste Gericht der Küche des Tals ist die olha aranesa, 40

eine autochthone Version des katalanischen Eintopfgerichtes escudella i carn d’olla. Weitere typische Gerichte sind sanganheta (Schweineblut auf aranesische Art), truhada (fleischgefüllte Kartoffeln), caulets (Kohlrouladen mit Hackfleischfüllung, die allein oder zu Wildbret aufgetragen werden) usw. In den angesehenen aranesischen Restaurants ist die Pyrenäenküche mit Civets, vor allem vom Wildschwein und von der Pyrenäengemse, anderen Wildbretgerichten, wie Kaninchen mit Senf, und Fischgerichten, wie den Forellen, vertreten, die in der Garonne und den aranesischen Bächen zahlreich vorkommen und geräuchert, gebraten oder gebacken serviert werden. Die typischen Leberpasteten und Soufflés verdeutlichen den Einfluss von der anderen Seite der Grenze. Das einheimische Lamm ist von herausragender Qualität und wird viel konsumiert, genauso wie geschmortes, in Öl, Essig und Kräutern konserviertes Geflügel und Geflügelprodukte wie Foie Gras. Unter den Desserts wären neben den crespèths, die auch als pastères oder pescajons bezeichnet werden, die crema aranesa, der gebratene, warme, milhes genannte Maisbrei und andere, wie das hariat von Buchweizen, zu nennen.


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Olha aranesa


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www.gastroteca.cat 43


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Allgemeine Informationen

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Torisme Val d’Aran Ctra. Gausac, 1 (Ed. Val d’Aran) 25530 Vielha Tel. (+34) 973 640 688 www.visitvaldaran.com 45


Karte der Val d’Aran


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© Generalitat de Catalunya Ministerium für Unternehmen und Beschäftigung Agència Catalana de Turisme Fotografien: O. Alamany, Conselh Generau d’Aran, R. Manent, J. Pareto, Rambol, T. Soriano und F. Tur. Kartografie: Pedro Monzo Druck: . D.L. Printed in EU

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