Ortschronik Meckenheim Aus der Geschichte eines pfälzischen Dorfes. 19. und 20. Jahrhundert Walter Sattel
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Meckenheim hier wächst Lebensfreude… 3
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Seite 1 2015/16 trägt Julia Kren aus Meckenheim die Krone der Pfälzischen Weinkönigin Seite 2/3: Der älteste Ortsplan von Meckenheim aus dem Jahr 1807. Meckenheim gehörte damals zu Frankreich.
ISBN 978-3-9815460-8-8
Ortschronik Meckenheim Aus der Geschichte eines pfälzischen Dorfes 19. und 20. Jahrhundert Walter Sattel
GEORG FEIL ORTSCHRONIK MECKENHEIM/PFALZ
Georg Feil (links) hat den 1965 erschienenen ersten Teil der Ortschronik verfasst und dafür die Ehrenbürgerwürde erhalten. Karl Becker, Vorsitzender des Arbeitskreises der Ortsvereine, gratuliert dazu.
Meckenheim aus seiner Geschichte
Georg Feil
INH A LT Grußwort des Ortsbürgermeisters Vorwort des Verfassers
14 16 18 20 20 22 26 32 38 50 66 70 70 72 74 76 82 86 87 94 104 110 128 128 132 137 140 152 154 154 155
1. 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12 1.12.1 1.12.2 1.12.3 1.13 1.14 2. 2.1 2.2 2.3 2.4 3. 3.1 3.2 3.2.1 3.2.2 3.2.3 3.2.4 3.2.5 3.3 3.3.1 3.3.2
Pol it ische Gesch ichte i m 19./2 0. Ja h rhu nder t Die Pfalz wird bayerisch Hambacher Fest Revolutionsjahre 1848/1849 Deutscher Krieg 1866 Deutsch-Französischer Krieg 1870/71 Vor dem Ersten Weltkrieg Der Erste Weltkrieg 1914-1918 Weimarer Republik Meckenheim und das Hakenkreuz Der Zweite Weltkrieg 1939-1945 Demokratischer Frühling Die örtlichen Parteien SPD-Ortsverein Meckenheim CDU-Ortsverband Meckenheim FWG Meckenheim Partnerschaft mit Lugny Freundschaft mit Grabenstätt Die Bevöl ker u ng Anzahl der Einwohner Meckenheimer Juden Meckenheimer Auswanderer Bemerkenswerte Persönlichkeiten Baugesch ichte u nd I n f rast r u k t u r Baugeschichte des Dorfes und seiner Straßen Ortsbildprägende Bauten und Denkmäler Katholische Kirche St. Ägidius Protestantische Kirche Pfarrhäuser Alte Höfe und Häuser Der Friedhof Infrastruktur und Verkehrswesen Wasserversorgung Stromversorgung
156 158 160 166 168 172 175 184 192 192 194 196 198 200 200 201 202 204 206 208 208 214 217 218 232 236 238 239 242 243 243 245
3.3.3 3.3.4 3.3.5 4. 4.1
4.2 4.3 4.4 5. 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 6. 6.1 6.2 6.2.1 6.2.2 6.3 6.4 6.5 7. 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5 7.6 7.7 7.8 7.9 7.10 7.11 7.12 7.13
Gasversorgung Kanalisation Verkehrsanbindung: Die Lokalbahn Mundenheim-Meckenheim Gemei ndever wa lt u ng Ortsbürgermeister und Beigeordnete, Mitglieder des Kreistages und Bezirkstages Kommunalwahlen und Gemeinderäte Bildung der Verbandsgemeinde Deidesheim Rathaus Meckenheim Gemei ndeei n r icht u ngen Freiwillige Feuerwehr E-Werk Meckenheim Gemeindewaagen Jugend- undAltenbetreuung Meckenheimer Freibad Bi ldu ngsei n r icht u ngen Grundschule Meckenheim Kindertagesstätten Kath. Kindertagesstätte Arche Noah Prot. Kindertagesstätte Regenbogen Gemeindebücherei Volksbildungswerk/Volkshochschule Pfälzer Brennereimuseum Mecken hei mer Verei ne Arbeitskreis der Ortsvereine Gesangverein 1845 e.V. Katholischer Kirchenchor St. Ägidius Evangelischer Posaunenchor SV 05 Meckenheim TCM Tennisclub Meckenheim Pfälzischer Bauern- und Winzerverband Ortsgruppe Meckenheim Landfrauen Landjugend Meckenheim Evangelischer Frauenbund Kath. Frauengemeinschaft (kfd) Prot. Krankenpflegeverein Elisabethenverein e.V. Meckenheim
246 247 251 252 256 257 257 264 270 270 277 284 296 303 304 304 306 314 320 320 325 326 328 331 332 333 335 336 348
7.14 7.15 7.16 8. 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 9. 9.1 9.1.1 9.1.2 9.1.3 9.1.4 9.1.5 9.2 9.2.1 9.2.2 9.2.3 9.3 9.3.1 9.3.2 9.4 10. 10.1 10.2 11.
VdK Ortsverband Meckenheim Karnevalverein Meckenheimer Marlachfrösche e.V. 1. Narrenzunft - Dorfplatzhexen Meckenheim e.V. Braucht u m Heimattage Meckenheimer Kerwe Gässelweinkerwe Der Weihnachtsmarkt 1200 Jahre Meckenheim Die w i r tscha f t l iche Ent w ick lu ng Landwirtschaft Ackerbau Haltung von Nutztieren Weinbau Obstanbau Jagdgenossenschaft Vermarktung und Vertrieb Milchlieferungsgenossenschaft Obst- und Gemüsegroßmarkt Meckenheim Winzerverein Meckenheim Produzierendes Gewerbe Industrie Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungen Geld- u nd K red it i nst it ute Volksbank Kur- und Rheinpfalz Sparkasse Rhein-Haardt Ergä n zu ngen zu r C h ron i k von Georg Fei l Quellen- und Literaturhinweise Zeittafel Historische Funde Meckenheim Impressum
Grußwort des Ortsbürgermeisters Liebe Leserinnen und Leser! „Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist“, sagte schon vor über 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe. Der zweite Band der Meckenheimer Ortschronik soll an das Vergangene erinnern, und er soll die Geschichte von Meckenheim für alle Leserinnen und Leser greifbar und verständlich machen. Mit der Weiterschreibung der Meckenheimer Ortsgeschichte geht ein großer Wunsch der Gemeinde in Erfüllung. Der erste Band von Georg Feil endet mit dem Jahr 1964. Seitdem hat sich Meckenheim weiterentwickelt und verändert. Die Aufgabe, den ersten Band teilweise zu ergänzen und im zweiten Band die letzten Jahrzehnte bis zum Jubiläumsjahr 2018 aufzuarbeiten, übernahm Walter Sattel. Der Autor des Meckenheimer Familienbuches war der richtige Ansprechpartner, um die Weiterführung unserer Chronik anzupacken. Nun liegt ein Gesamtwerk vor. Passend zum Jubiläum der Ortsgemeinde umfasst es die 1250-jährige Geschichte Meckenheims von der ersten Erwähnung am 13. April 768 bis zum Jahr 2018. Für diesen außerordentlichen Einsatz gebührt Walter Sattel ganz besonderer Dank und Anerkennung. Auch bei Kurt Groß von der Werbeagentur KGP in Meckenheim und bei Friedrich Müller möchte ich mich für ihr Engagement bei der Text - und Bildgestaltung bedanken. Viele Meckenheimerinnen und Meckenheimer werden sich selbst, ihre Vorfahren und Verwandten, Freunde oder Bekannten in Beiträgen der Chronik wiederfinden. Dieses Buch ist ein Schatz für Jung und Alt und für künftige Generationen. Ich wünsche Ihnen frohe Stunden mit diesem Buch und hoffe, dass Sie die Seiten der Meckenheimer Ortschronik mit Freude lesen.
Ihr Heiner Dopp
Heiner Dopp steht seit 1999 an der Spitze der Gemeinde.
Vorwort des Verfassers
Walter Sattel
Über 50 Jahre sind es her, dass Georg Feil, Ehrenbürger von Meckenheim, die Geschichte von Meckenheim in einer umfangreichen und ausführlichen Chronik dargestellt hat. Der in Meckenheim geborene Oberstudienrat hat sich mit seiner Ortsgeschichte ein historisches und literarisches Denkmal gesetzt. Georg Feil wurde 1887 in Meckenheim geboren. Er verfasste die Chronik 1965 während seines Ruhestandes in Münster in Westfalen. Kurz nach der Herausgabe des Buches feierte die Gemeinde im Jahr 1968 ihren zwölfhundertsten Geburtstag. Inzwischen befindet sich Meckenheim schon im Vorfeld der Vorbereitungen der 1250-Jahrfeier. Der Ort Meckenheim hat sich in den letzten 50 Jahren in starkem Maße verändert. Neue Baugebiete sind entstanden, neue Vereine wurden gegründet. Bürgerinnen und Bürger entwickelten unzählige Initiativen und engagierten sich auf vielfältige Weise für das Gemeinwesen. Aus diesem Grunde bat mich Ortsbürgermeister Heiner Dopp anlässlich der Präsentation des Meckenheimer Familienbuches im Februar 2015, eine Fortschreibung der Feil-Chronik vorzunehmen. Die Frage für mich war, ob ich dieser Aufgabe gerecht werden kann, nachdem ich weder in Meckenheim geboren bin noch hier meinen Wohnsitz habe. Ich bin nach einigen Überlegungen zu der Auffassung gelangt, dass die Bewertung geschichtlicher Entwicklungen eines Dorfes durch einen Außenstehenden sogar von Vorteil sein kann, denn bei ihm ist zweifellos eine objektivere und breitere Sicht der historischen Ereignisse gegeben. Neben eigenen Recherchen benutzte ich für die Zeit von 1965 bis 1988 zwei wertvolle Quellen aus Meckenheim. Es handelt sich einmal um die von Johanna Priester 1968 verfasste Festschrift zur 1200-Jahrfeier, in der sie insbesondere auf die Geschichte der Vereine eingeht. Auch die Broschüre „1200 Jahre Weinbau in Meckenheim“ von Oskar Metzger zum Heimatfest 1988 war mir eine große Hilfe. Mein Bestreben war es, die Geschichte von Meckenheim auf dem Fundament der Feil-Chronik auf den neuesten Stand zu bringen. Vor allem die Zeiten der politischen Entwicklungen ab 1815, die Georg Feil nur kurz streifte, waren im Detail aufzuarbeiten. Der Leser erfährt so etwas über die beiden Weltkriege, das Dritte Reich und die Judenverfolgung. Der inhaltliche Schwerpunkt des Bandes liegt auf der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, auf der rasanten Entwicklung der Gemeinde und auf dem weiteren Schicksal der Vereine. Daneben werden einige lokale
Besonderheiten beleuchtet. Als Quellen habe ich Bücher der Landesbibliothek Speyer und Bestände des Gemeindearchivs im Landesarchiv Speyer und im Archiv der Verbandsgemeinde in Deidesheim benutzt. Bei meinen Recherchen über den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit stellte ich fest, dass die Erinnerungen von Zeitzeugen inzwischen doch sehr brüchig geworden sind. Mündliche Aussagen verlieren zunehmend an Schärfe und Zuverlässigkeit. Deshalb war es mein Bestreben, nur Geschehnisse zu erwähnen, deren Glaubwürdigkeit überprüft werden kann. Ich bedanke mich bei allen, die mir bei der Erstellung der Fortschreibung behilflich waren, insbesondere bei Herrn Ortsbürgermeister Heiner Dopp, Herrn Dr. Friedrich Müller, der die Korrektur des Bandes übernommen hat, und bei den zahlreichen Vereinsvorständen, die mir bereitwillig die gewünschten Vereinsunterlagen zur Verfügung stellten. Eine Ortsgeschichte soll zuverlässig informierend, unterhaltsam und gut lesbar sein, ich hoffe, dass mir dies gelungen ist. Beide Buchbände über die alte und die neuere Geschichte ergeben in ihrer Gesamtheit eine wahre Fundgrube für die Meckenheimer Bürger. Ich hoffe und wünsche, dass die Bände eins und zwei, deren Erscheinen in das Jahr der 1250-Jahrfeier der Gemeinde fällt, große Verbreitung finden werden. Beide Bücher sollen den Bürgern der Gemeinde einen guten Einblick in die Geschichte und die Lebensweise ihrer Vorfahren geben. Andererseits sollen die Neubürger erfahren, wie Meckenheim früher einmal war und was im Laufe der geschichtlichen Entwicklung daraus geworden ist. Die Beschäftigung mit der Geschichte des Dorfes, die sowohl große Leistungen als auch die gelungene Überwindung einiger politischer Fehlentwicklungen der vorangegangenen Generationen aufzeigt, kann Vertrauen geben gegenüber den Sorgen und Gefahren der Gegenwart und kann helfen, eine zufriedenstellende Zukunft zu gestalten. „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“ (Sören Kierkegaard) Allen Lesern wünsche ich Freude und gute Unterhaltung bei der Lektüre.
Walter Sattel, im Dezember 2017.
1. Politische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert 1.1 Die Pfalz wird bayerisch
Unter Napoleon erhält die Pfalz den Code Civil. Nach seinem Sturz kommt die Pfalz 1816 zu Bayern.
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Kaiser Napoleon erfuhr bei der Völkerschlacht in der Nähe von Leipzig im Oktober 1813 eine entscheidende Niederlage, die den Rückzug seines geschwächten und kampfmüden Heeres einleitete. Im November drängten alliierte Truppen unter der Führung des preußischen Feldherrn Blücher die französischen Einheiten bei Mainz über den Rhein zurück. In den folgenden Wochen belasteten Truppendurchzüge und Requisitionen die vorderpfälzische Bevölkerung in sehr starkem Maße. Das französische Heer zog sich jedoch von Rheinhessen kommend bald über Hochdorf/Meckenheim in die Gegend um Landau zurück. In der Silvesternacht 1813/14 überschritten 30.000 mit Preußen verbündete russische Soldaten bei Mannheim den Rhein und leiteten mit ihrem Vormarsch das Ende der 20-jährigen „Franzosenzeit“ der Pfalz ein. Frankreich bekam im 1. Pariser Frieden am 30. Mai 1814 wieder seine früheren Grenzen zugewiesen. In der Pfalz war aber vorerst von friedlichen Zeiten nichts zu spüren. Die von der französischen Grenze zurückmarschierenden russischen Truppen nahmen auch in Meckenheim bis 1818 Einquartierungen in Anspruch. Die Pfalz gehörte vom 1. Januar 1814 bis 16. Juni 1814 dem Generalgouvernement vom Mittelrhein an und vom 17. Juni 1814 bis zum 30. April 1816 der österreichisch-bayerischen Landesadministration in Kreuznach. Ab dem 1. Mai 1816 war sie als „Rheinischer Kreis“ oder „Rheinkreis“ Teil des Königreichs Bayern. Erst ab dem 1. Januar 1839 wurde der bayerische Rheinkreis amtlich in „Regierungsbezirk Pfalz“ umbenannt. Die königliche Kreisregierung hatte ihren Sitz in Speyer. Als selbstverwaltete Gemeinde war Meckenheim bis 1946 Bestandteil des Kantons Neustadt innerhalb des Bezirksamtes Neustadt. Die Bevölkerung der Pfalz sah der Eingliederung in den Staat Bayern nach den fast 20-jährigen Erfahrungen als Teilgebiet von Frankreich mit einigen Vorbehalten entgegen. Sie wollte auf die neuen Errungenschaften der gewonnenen persönlichen Freiheit, der Sicherheit des Eigentums und der Gleichheit vor dem Gesetz
nicht mehr verzichten. König Max I. Joseph von Bayern sicherte 1816 den Pfälzern die Beibehaltung aller Institutionen und Freiheiten aus der französischen Zeit ausdrücklich zu. Damit genossen die Pfälzer gegenüber den Bayern Sonderprivilegien, die in der Folge zu starken Spannungen zwischen der pfälzischen Bevölkerung und den eingesetzten bayerischen Beamten führten. Dazu gesellten sich eine unkluge Steuerpolitik und die Einführung von Binnenzöllen, was die Wirtschaft, insbesondere den Warenhandel, stark beeinträchtigte. Auch war eine gewisse Intoleranz gegenüber dem protestantischen Bevölkerungsanteil in der Pfalz nicht zu übersehen. König Max I. Joseph von Bayern fuhr anlässlich einer Rundreise durch die Pfalz am 27. Juni 1816 auf seinem Weg von Mundenheim nach Neustadt auch durch Meckenheim. Von etwaigen Huldigungen durch die Bevölkerung ist nichts bekannt.
Links vom Rhein beginnt jetzt der Bayerische Rheinkreis. Die Pfälzer dürfen die Institutionen und Freiheiten aus der französischen Zeit behalten.
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1.2 Hambacher Fest In Bayern kam 1825 König Ludwig I. auf den Thron, der sich als absolutistischer Herrscher fühlte. Als in Frankreich 1830 die bürgerliche Revolution ausbrach, schränkte er die Pressefreiheit durch die Einführung einer scharfen Zensur ein. Bald gab es in München blutige Zusammenstöße zwischen Studenten und Polizisten, die Erregung griff in der Folge auf die Pfalz über. Auch die wirtschaftliche Entwicklung verschlechterte sich, weil die Pfalz im Staate Bayern, ähnlich einer überseeischen Kolonie, eine Randlage einnahm. Empörung herrschte im Rheinkreis über die Zollgrenzen, die man um das Gebiet der Pfalz gezogen hatte. Sie behinderten sowohl den Warenimport als auch den Warenexport. Die Zollgebühren und die Steuergelder flossen nach München ab, wo sie König Ludwig I. für Bauten und Kunstwerke ausgab, während zur gleichen Zeit in den pfälzischen Landen bittere Not herrschte. Im Jahre 1831 war zudem eine schlechte Ernte zu beklagen und in den nachfolgenden Monaten hatte die Bevölkerung unter Teuerung, Arbeitslosigkeit und großer Armut zu leiden. Vor dem Hintergrund dieser politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse kam es durch die gegensätzlichen Ansichten von amtlicher Regierung und liberalen Kräften in der Pfalz zu einer Beim Hambacher Fest 1832 demonstrieren 30.000 Menschen für Pressefreiheit, demokratische Rechte und deutsche Einheit.
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Protestbewegung, die ihren Höhepunkt in den Demonstrationen des Hambacher Festes am 27. Mai 1832 fand. Aus allen Teilen Deutschlands waren rund 30.000 Teilnehmer angereist, um mit schwarz-rot-goldenen Fahnen „Deutschlands Einheit, Deutschlands Freiheit, Deutschlands Wiedergeburt“ zu fordern. Als Reaktion auf die Bewegung schränkte die Regierung die Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit massiv ein und verbot die Gründung und Aktivitäten politischer Vereine. Natürlich hatte das Hambacher Ereignis eine große Sogwirkung auf die Neustadter Umgebung ausgelöst. Es kann angenommen werden, dass sich auch die Meckenheimer Weinbauern nicht die Gelegenheit nehmen ließen, am Hambacher Festzug mit den üblichen schwarzen Fahnen teilzunehmen, um gegen die auferlegten Zollgebühren auf Weinexporte in die Nachbarländer Baden und Hessen zu demonstrieren. Zudem zeigten die Ergebnisse späterer Wahlen, dass in Meckenheim ein starker Fundus an liberal-nationalen Gesinnungen vorhanden war. Auf jeden Fall versuchten die Gemeindeverwaltungen die Angelegenheit in ihrer Bedeutung herunterzuspielen, um die nötige Ruhe und Ordnung im Dorf zu wahren. Fürst Wrede zog im Auftrag König Ludwigs von Bayern Ende Juni mit 8500 Mann in die Pfalz ein und sorgte mit diktatorischer Härte für Ruhe und Ordnung. Die Verfolgung der Festteilnehmer setzte umgehend ein. Viele aktiv Beteiligte flüchteten ins Ausland. Die Hauptakteure der Freiheitsbewegung mussten sich im Juli 1833 vor dem Geschworenengericht in Landau verantworten.
Solche schwarz-rotgoldenen Kokarden tragen die Anhänger des Hambacher Fests.
Die Journalisten Johann Georg August Wirth (1798-1848) und Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) machen das Hambacher Fest zum nationalen Ereignis. Johann Georg August Wirth
Philipp Jakob Siebenpfeiffer
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1.3 Revolutionsjahre 1848/49
Im Mai 1849 ruft die provisorische Regierung in Kaiserslautern dazu auf, eine pfälzische Volkswehr aufzustellen.
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Ernster wurde die Situation in den Jahren 1848/49. Die zweite bürgerliche Revolution in Frankreich von 1848 führte zur Abdankung des Königs und zur Ausrufung der Republik. Die Bewegung griff bald auch auf Deutschland über. Überall fanden Volksversammlungen und Demonstrationen statt. Schließlich stimmten die Regierenden einer verfassunggebenden Nationalversammlung zu, die im Mai 1848 als erstes frei gewähltes deutsches Parlament in der Frankfurter Paulskirche zusammentrat. Am 28. März 1849 war die Verabschiedung der ausgearbeiteten neuen Verfassung vorgesehen. Sie sollte die an die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die Menschenrechtserklärung der Französischen Revolution von 1789 angelehnten Grundrechte der Bürger garantieren. Alle Staaten des Deutschen Bundes stimmten dem Verfassungsentwurf zu – mit einer Ausnahme: Der bayerische König Maximilian I. lehnte ihn ab. Das Revolutionsjahr 1848 war in der Pfalz noch ruhig verlaufen. Erst nach der Ablehnung der Reichsverfassung durch den eigenen König fing es an zu gären. Auch die Badener und Rheinhessen riefen zum Kampf für Freiheit und Recht auf. Es fanden zahlreiche Protestversammlungen statt. Im April 1849 wurde in Kaiserslautern ein „Landesausschuss für Verteidigung und Durchführung der Reichsverfassung“ gegründet, der am 5. Mai 1849 zur Bildung einer pfälzischen Volkswehr aufrief. Einige Tage später wurde in Frankenthal ein „Kantonalverteidigungsausschuss“ gebildet. Freiwillige fanden sich zu einem „Freischarenheer“ zusammen, das mit aufständischen Badenern ein militärisches Bündnis schloss. Am 12. Mai 1849 hatte sich in Bad Dürkheim schon eine Kolonne von 3000 rheinhessischen Freischärlern einquartiert, bewaffnet mit alten Flinten, Sensen, Lanzen und Mistgabeln. Am 17. Mai wählte man in Kaiserslautern eine neue, demokratisch-republikanische Regierung, welche die Loslösung von Bayern erklärte. Die königlich-bayerische Regierung des Rheinkreises, die ihren Sitz in Speyer hatte, floh angesichts des bedrohlichen Drucks nach Germersheim. Vor allem junge Leute waren von der Bewegung begeistert, und sie versuchten die übrigen Bürger zu animieren, sich zu beteiligen. Von den Bewohnern verlangte man das Tragen der Freiheitsfarben. So wie die Bürgerwehr an ihrem schwarzen Käppi eine schwarzrot-goldene Kokarde trug, sollten alle Leute ihre Gesinnung mit
farbigen Schleifen, Bändern und Tüchern erkennen lassen. Wer sich weigerte, war ein Feind des Vaterlandes. Manche Anhänger der alten Ordnung wurden verhaftet, viele versteckten sich, flüchteten oder verschanzten sich in ihren Häusern. Die Beteiligung geschah allerdings nicht immer aus reiner Vaterlandsliebe, viele Männer schlossen sich der Bewegung der Aufständischen an, weil sie in einer sozialen Notlage lebten und sich durch den Umsturz eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse erhofften. Bürgermeister und Gemeinderäte standen in der Regel der provisorischen Regierung und dem Volksaufstand ablehnend gegenüber. Inwieweit sich Meckenheimer Bürger aktiv an den Unruhen beteiligten, ist nicht überliefert. Es war hier sicher so wie anderwärts, dass viele Leute zwar von der allgemeinen Begeisterung ergriffen waren, aber vorsichtig reagierten. Sie schlossen sich der Bewegung gerade so weit an, dass sie bei den übergeordneten Behörden nicht negativ auffielen. Bayern rief in dieser Situation preußische Truppen zur Hilfe. Prinz Wilhelm rückte von Norden her in die Pfalz ein, besetzte am 15. Juni 1849 Frankenthal und Lambsheim. Die 30.000 gut bewaffneten Husaren, Infanteristen und Artilleristen zogen anschließend quer durch die Pfalz und besiegten nach mehreren kurzen Gefechten die spärlich ausgerüsteten Freischärler innerhalb kürzester Zeit. Nach einer vernichtenden Niederlage am 17. Juni 1849 bei Rinnthal flohen die Aufständischen über die Karlsruher Rheinbrücke nach Baden. Als Ende Juni 1849 endlich bayerische Truppen in der Pfalz erschienen, war der Aufstand bereits niedergeschlagen. Erst ein Jahr später, am 19. Juni 1850, wurde der über die Pfalz verhängte Kriegszustand aufgehoben. Die Bevölkerung der Pfalz hatte allerdings bis in das Jahr 1851 hinein schwer unter den Quartierlasten der preußischen und bayerischen Truppenverbände zu leiden.
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1.4 Deutscher K rieg 1866 In diesem Krieg, der nur drei Wochen dauerte, ging es um die Frage der politischen Vorherrschaft von Preußen oder von Österreich in Deutschland. Mit der am 3. Juli 1866 gewonnenen Schlacht der Preußen gegen die zurückflutenden Österreicher bei Königgrätz und Sadowa war die Streitfrage endgültig zugunsten Bismarcks entschieden. Meckenheim war von diesem Krieg insofern berührt, als junge Männer zur bayerischen Armee einberufen wurden, die auf der Seite der Österreicher kämpfte. Die Wolken dieses Krieges verzogen sich schnell. Trotzdem hatte die österreichische Armee in der kurzen Zeitspanne 330 Offiziere und 5328 Soldaten in den verschiedenen Kämpfen verloren. Alle Meckenheimer Kriegsteilnehmer kehrten unversehrt in die Heimat zurück. 1.5 Deutsch-Französischer K rieg 1870/71 Der nach nur vierjähriger Pause ausgebrochene neue Krieg, diesmal gegen Frankreich, belastete die Pfälzer erneut mit Truppendurchmärschen und Einquartierungen. Die durchziehenden deutschen Mannschaften, die sich nach der Kriegserklärung vom 19. Juli 1870 auf den Weg zur französischen Grenze machten, wurden von den Dorfbewohnern freudig begrüßt. Überall in der Pfalz flammten Opferbereitschaft und Patriotismus auf. Den Truppen stellte man großzügig Speisen und Getränke zur Verfügung. Die Bürger spendeten zusätzlich Geld und Leintücher für die Pflege von Verwundeten. Die Schulen wurden vorsorglich zu Lazaretten umfunktioniert und entsprechend eingerichtet. Die Gemeinde legte ein FourageMagazin an, um die durchziehenden Pferde mit Heu zu versorgen. Die Landwirte mussten dem Militär bis weit nach Frankreich hinein Fuhr- und Vorspanndienste leisten. Zweiundsechzig junge Männer aus Meckenheim wurden als Angehörige verschiedener Waffengattungen und Truppenteile zum Militärdienst im bayerischen Heer eingezogen. Der größte Anteil der Kriegsteilnehmer war zu Festungsdiensten oder zur Beobachtung der Festung Bitsch eingesetzt. An der Frontlinie verloren in diesem Krieg immerhin 40.000 deutsche und französische Soldaten ihr Leben. 20
Nachdem die französische Nationalversammlung am 2. März 1871 die Friedensbedingungen angenommen hatte, wurden entsprechend der regierungsamtlichen Anordnungen in ganz Deutschland Friedensdankfeste abgehalten, so auch am 3. und 4. März in allen pfälzischen Städten und Dörfern. Am 3. März, um 18 Uhr, leiteten Glockengeläut und Böllerschüsse den Festtag ein. Am 4. März bewegte sich ein Festzug mit Fahnen durch die Ortsstraßen. An einem geeigneten Platz wurde nach einigen Festreden unter Gesang und Musik eine Friedenseiche gepflanzt. Die Feierlichkeiten fanden mit einem Fackelzug und einem Feuerwerk ihren Abschluss. Alle 62 Meckenheimer Kriegsteilnehmer konnten bald unversehrt in ihre Heimat zurückkehren. Kriegsschäden waren im Dorf nicht entstanden.
Die Schlacht bei Fröschwiller/Wörth am 6. August 1870 macht der Deutschen Armee den Weg durch das Elsass nach Paris frei. Museum Wörth.
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1.13 Partnerschaft mit Lugny
Die „Hochzeit“ in Lugny: Offizieller Austausch der Partnerschaftsurkunden durch die Bürgermeister Walter Braun und Louis Cotessat.
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Schon in den 1950er Jahren entwickelten sich im Sinne der nach dem Zweiten Weltkrieg angestrebten Völkerverständigung zwischen Frankreich und Deutschland Kontakte und Austauschprogramme auf schulischer, künstlerischer oder kommunaler Ebene. Ein wichtiges überregionales Zeichen wurde am 23. August 1953 mit der Grundsteinlegung der deutsch-französischen Kirche St. Bernhard in Speyer gesetzt, an der prominente Persönlichkeiten aus beiden Staaten teilnahmen. Bereits 1956 unterzeichneten die Städte Neustadt und Mâcon einen Partnerschaftsvertrag. Im gleichen Jahr erhielt die Anbahnung und Pflege von Partnerschaften durch die Gründung des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz/Burgund e.V. in Mainz einen institutionellen Rahmen. Mit einem Schreiben vom 25. Oktober 1962 an die Gemeinde Meckenheim empfahl der Partnerschaftsverband, die Aufnahme einer freundschaftlichen Beziehung mit einer burgundischen Ortschaft anzustreben. Der Gemeinderat begrüßte die Anregung und trat spontan dem Verband bei, an den er die Bitte richtete, in Burgund eine Gemeinde ausfindig zu machen, die der Struktur der Gemeinde Meckenheim entsprach. Erste Kontakte zwischen Bürgermeister Paul Margarit und Otto Keller ergaben sich 1963 bei einem Treffen des Freundeskreises
Rheinland-Pfalz-Burgund in Trier. Im Rahmen einer Informationsreise vom 2.-5. Oktober 1965 nach Dijon, an der Ortsbürgermeister Otto Keller und die Gemeinderäte Karl Becker, Otto Fußer und Theo Bock teilnahmen, ergab sich die Möglichkeit, auf Einladung von Bürgermeister Margarit die Gemeinde Lugny näher kennen zu lernen. Man war sich einig darüber, eine gegenseitige Partnerschaft anzugehen. In den Folgejahren spielte sich zunächst eine regelmäßige Kontaktpflege zwischen den beiden Gemeinden ein. Winzer aus Lugny legten 1966 anlässlich eines Besuchs der Deutschen Weinstraße in Meckenheim einen Zwischenstopp ein. Vom 9. Juli bis 11. Juli 1968 hielten sich 50 französische Schülerinnen und Schüler mit Bürgermeister Margarit in Meckenheim auf. Am 23. August 1972 legten 60 Jungwinzer aus Lugny mit ihren Frauen in Meckenheim einen fünfstündigen Stopp ein. Eine Delegation aus Meckenheimer Gemeindevertretern besuchte 1973 die Weinmesse von Lugny, der Gegenbesuch erfolgte im Mai 1978 anlässlich der Gässelweinkerwe. Nach dem Abschluss eines umfangreichen Besucherprogrammes, bei dem stets ein freundschaftliches Einvernehmen unter den Teilnehmern zu verspüren war, gaben beide Bürgermeister das Versprechen ab, eine baldige feierliche Beurkundung der Partnerschaft vorzunehmen.
50 französische Schülerinnen und Schüler besuchen 1968 mit Lugnys Bürgermeister Paul Margarit (6. v. r.), ihrem Lehrer Michel Buchaillard (7. v. r.) und dem Meckenheimer Lehrer Edgar Priester (5. v. r.) das Heidelberger Schloss.
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1.14 Freundschaft mit Grabenstätt Seit Jahren verbindet die Gemeinde Meckenheim eine lebendige Freundschaft mit der Gemeinde Grabenstätt im Kreis Traunstein. Sie hat sich allmählich aus einer Vereinspartnerschaft zwischen beiden Orten entwickelt. Alles begann im Jahr 1967, als die Trachtengruppe Grabenstätt einen Vereinsausflug in die Pfalz unternahm. Der Geschäftsführer des Verkehrsvereins, Clemens Ambs, wandte sich an seine Schwägerin in Meckenheim und bat um die Vermittlung einer Unterkunft für 36 Personen. Der Vorsitzende der Landjugend, Hartmut Schubing, nahm sich der Sache an und es gelang ihm, obwohl die Weinlese in vollem Gang war und wenig Zeit für die Betreuung von Gästen bestand, die gewünschten Privatquartiere zu besorgen. Als Zeichen des Dankes veranstalteten die Grabenstätter am 7. Oktober 1967 in der Gaststätte „Zur Ölmühle“ einen typischen bayerischen Abend, an dem auch die Meckenheimer Trachtengruppe mitwirkte. Bei Musik, Tanz und neuem Wein kam man sich im Laufe des Abends persönlich näher, viele Beziehungen bahnten sich an. Die Gemeinde Grabenstätt liegt im Chiemgau am Südostufer des Chiemsees. Sie hat ca. 4300 Einwohner und besteht aus 41 einzelnen Ortsteilen. Grabenstätt wird erstmals 959 in einer Urkunde von König Otto dem Großen erwähnt. Die 40-jährige Freundschaft wird mit einem pfälzisch-bayerischen Festabend in der VG-Sporthalle gefeiert. Viele Vereine wirken mit.
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Die 1200-Jahr-Feier von Meckenheim 1968 war ein willkommener Anlass für ein Wiedersehen. Die Trachtengruppe aus Grabenstätt nahm am Festzug durch die Straßen Meckenheims teil. Sie gestaltete auch einen bayerischen Abend, der allen Besuchern in bester Erinnerung blieb. In den nachfolgenden Jahren erfolgten zu den verschiedensten Anlässen regelmäßig gegenseitige Besuche von Vereinen und Delegationen. Eine besondere Rolle bei der Vertiefung der Freundschaft spielten die beiden Feuerwehren. Ein Höhepunkt war die Feier des 30-jährigen Freundschaftsjubiläums im Jahre 1997. Am 3. Oktober fuhren 300 Meckenheimer Bürger mit sechs Bussen in den Chiemgau. An einem unvergesslichen Festabend mit einem reichhaltigen Programm feierte man die 30-jährige Freundschaft zwischen beiden Orten und ihren Vereinen. Mitwirkende waren von der Meckenheimer Seite: der Gesangverein 1845, das Blasorchester des SV 05 und die Marlachfrösche. Seitens der Gastgeber gestalteten die Musikkapelle, der Männerchor und der Trachtenverein das Festprogramm. Am Samstag wurde neben dem Grabenstätter Vereinshaus ein Freundschaftsbaum gepflanzt. Ab 1997 werden keine Gässelweinkerwe und kein Grabenstätter Dorffest mehr ohne die Beteiligung aus der befreundeten Gemeinde gefeiert.
Als Gastgeschenke bringen die Grabenstätter einen Jubiläumsschild und ein Fass Bier mit.
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Im Jahre 2006 fand die erste Grabenstätter-Meckenheimer Hochzeit statt. Am 22. April ließen sich Johann Stefanutti und Kerstin Fluhry in der Grabenstätter Pfarrkirche St. Maximilian trauen. Ein Meckenheimer Singkreis beteiligte sich an der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes. Das 40-jährige Jubiläum der Freundschaft feierten die Vereine vom 2. bis 4. November 2007 in Meckenheim. Das Fest begann am Freitagabend mit einer Weinprobe. Am Samstag fand nach einem Besuch der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben eine Führung durch Speyer statt, wobei der Dom, die Domhofbrauerei, das Historische Museum der Pfalz und das Technikmuseum besucht wurden. Am nachfolgenden zünftigen pfälzisch-bayerischen Festabend wirkten mit: von Meckenheim das Blasorchester, der Gesangverein1845, die Marlachfrösche und der Sportverein 05, von Grabenstätt die Musikkapelle, der Männerchor und der Trachtenverein. Das 50-jährige Bestehen wurde vom 26.-28. Oktober 2017 unter der Mitwirkung der Vereine beider Gemeinden in Grabenstätt gefeiert. Die lebendigen Freundschaften mit Lugny und mit Grabenstätt haben unter den Vereinen und auch unter vielen Privatpersonen der beteiligten Gemeinden bei vielerlei Anlässen allen Beteiligten eine Reihe schöner Stunden beschert. Es ist zu hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleibt.
Austausch der Geschenke beim 50– jährigen Jubiläum 2017 in Grabenstätt.
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Grabenst채tter Besucher lassen sich die Weinlese mit einem Traubenvollernter erkl채ren. Beim offiziellen Besuch aus dem Chiemgau erh채lt der Grabenst채tter Weg 2007 seinen Namen.
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Blick aus dem alten Schulhaus nach SĂźden in die HauptstraĂ&#x;e. Links ist der alte Schulhof zu erkennen.
Die HauptstraĂ&#x;e von Osten, im Hintergrund die katholische Kirche.
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Blick in der Hauptstraße nach Osten, links die Gaststätte „Zur Ölmühle“. Das Waaghäusel am alten Marktplatz.
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Die Kreuzung Hauptstraße/ Rödersheimer Straße/ Bahnhofstraße aus Richtung Rödersheim mit dem ersten Meckenheimer Auto.
Blick von Süden in die Steingasse.
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Das Gasthaus „Zum Adler“ in der Hauptstraße mit der letzten Postkutsche. Blick in die Hauptstraße nach Osten, Höhe Brunnengasse.
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Blick von der Bahnhofstraße in die Sandgasse.
Die Hauptstraße, ohne parkende Autos, aber mit drei Gänsen.
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Der alte Marktplatz mit dem Waaghäusel, von Süden gesehen.
Blick aus der Steingasse nach Norden in die Hauptstraße.
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Ecke HauptstraĂ&#x;e/Steingasse, von oben gesehen.
Das alte Schulhaus in der HauptstraĂ&#x;e vor der katholischen Kirche, 1964 abgerissen.
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Das letzte Meckenheimer Kuhfuhrwerk vor dem Haus HauptstraĂ&#x;e 50.
HauptstraĂ&#x;e mit protestantischer Kirche.
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Der alte Ortskern, von Norden gesehen. Vorn die katholische Kirche.
Schnapsbrennerei Rheinwald um 1900.
Nach dem Krieg ist die Meckenheimer Volksschule bis 1966 konfessionell getrennt: im alten Schulhaus fĂźnf protestantische, ein katholisches Klassenzimmer.
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Bauernhof in der Sandgasse, 1975 renoviert.
Bauernhof in der Steingasse.
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Torbogen der Hauptstraße 50 aus dem Jahr 1703 (mit Krug als Wappen der Bauherren Heinrich und Maria Margareta Durst).
Torbogen der Hauptstraße 57 aus dem Jahr 1698 (Reiter mit Krug als Wappen der Bauherren Hans Philipp und Eva Durst), dahinter der alte Treppenturm des Nachbarhauses Hauptstraße 54.
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Gartenpforte im Kreuzpfad aus dem Jahr 1713
Schlussstein aus dem Jahr 1535 Ăźber dem Manntor der HauptstraĂ&#x;e 57.
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Schlussstein im Torbogen der Hauptstraße 57, errichtet 1698, mit den Initialen der Erbauer Hans Peter Durst und Eva Durst sowie einem Reiter mit Krug als Namenssymbol. Schlussstein über einem früheren Kellerabgang an der Hauptstraße 70.
Steinmetzarbeit im Hof eines Bauernhauses in der Sandgasse.
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Die komplette Meckenheimer Feuerwehr 2018, angetreten vor der Flakhalle.
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5.5 Meckenheimer Freibad
Das Meckenheimer Schwimmbad, 1934 eingeweiht, bietet bis Ende der 60er Jahre eine Möglichkeit, sportlich aktiv zu sein.
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Der Meckenheimer Gemeinderat beschloss im Winter 1933/34 als „Maßnahme zur Beschaffung von Arbeit“ unmittelbar am Sportplatz ein Freibad zu errichten. Im April 1934 begannen die Bauarbeiten. Am 1. Juli 1934 konnte es der Öffentlichkeit übergeben werden. Das Becken maß 33 x 20 Meter. Die Wassertiefe betrug an der flachsten Stelle 80 cm, an der tiefsten Stelle 2 Meter. Das Freibad verfügte über 4 Einsteigleitern, mehrere Startblöcke und ein 1-Meter-Sprungbrett. Zur umzäunten Anlage gehörten neben Umkleidekabinen aus Holz ein WC, ein Kiosk im Eingangsbereich und ein Pumpenhaus. Das Wasser kam in der Anfangszeit über einen kleinen Kanal von der Marlach und wurde durch Kies- und Schlackenfilter gereinigt. Später bohrte man für das Bad einen eigenen Brunnen. Den Bademeister stellte die Gemeinde. Der Eintrittspreis betrug 1934 für Jugendliche 10 Pfennig, für Erwachsene 25 Pfennig.86 Die neue Schwimmanlage wurde von den Meckenheimer Bürgern freudig begrüßt. Die Besucher kamen nicht nur aus Mecken-
86 LA SP U107/926-927
heim, sondern auch aus den umliegenden Orten Böhl, Rödersheim und Niederkirchen. Die Volksschulen veranstalteten Schulschwimmen und hielten Wettkämpfe ab. Im Laufe der Zeit senkten sich die Bodenplatten ab, sie wurden brüchig, was zu ständigen Wasserverlusten führte. Die Gemeinde stellte deshalb den Badebetrieb Ende der 1950er Jahre vorläufig ein. Hinzu kamen neue schärfere hygienische Bestimmungen für die Unterhaltung eines öffentlichen Bades. Der Gemeinde blieb letztlich nur die Wahl zwischen Sanierung und Schließung. Die BASF bot eine Renovierung an, die der Gemeinderat allerdings wegen der hohen Kosten ablehnte. Ortsbürgermeister Otto Keller war am 2. Oktober 1978 vom Rat beauftragt worden, Maßnahmen zur Beseitigung des Schwimmbades zu untersuchen. Schließlich gab der Gemeinderat am 21. Dezember 1978 das Schwimmbad zum Abbruch frei. Die Gemeinde stellte das abgeräumte Gelände dem Tennisclub, der sich gerade in der Gründungsphase befand, im Erbbaurecht zur Verfügung.
Besonders bei der Jugend Meckenheims ist das Schwimmbad beliebt.
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7.7 Pfälzischer Bauern- und Winzerverband, Ortsgruppe Meckenheim
Sonderkulturen wie Spargel oder Gemüse haben in Meckenheim stark zugenommen.
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In den alten Gemeindeakten sind folgende Vorläufer des Pfälzischen Bauern- und Winzerverbandes genannt: 1. In den Jahren 1921-1929 gab es in Meckenheim einen „Pfälzer Bauernbund“. Vorstandsvorsitzender war Eduard Feil. Dem Verein gehörten in der Vorderpfalz überwiegend Großwinzer an, die sogenannten „Flaschenbarone“, die sich vehement gegen die Einführung der „Amerikanerrebe“ wehrten. Angeregt durch den Bauernbund eröffnete die Gemeinde am 21. August 1924 den ersten Obstmarkt am Waaghäusel. Die Meckenheimer Ortsgruppe ging 1929 in die „Pfälzer Bauernschaft“ über. Diese erklärte das Amtsgericht Kaiserslautern 1933 für bankrott.88 2. Überaus rührig benahm sich der Ackerbauverein Meckenheim, über dessen Gründungsdatum nichts bekannt ist. Der Verein gehörte dem Kreisverband pfälzischer Ackerbauvereine an. In der Zeit von 1931-1933 setzte er sich unter der Leitung des Ökonomierates Heinrich Handrich für die Anschaffung einer „Kartoffelpflanzlochmaschine“ ein (1931), stellte gegen eine Leihgebühr eine Walze zur Verfügung und setzte sich für die Hederichbekämpfung in der Gemarkung ein. Der Ackerbauverein wurde auf Anweisung des Bezirksamtes Neustadt am 18. November 1933 gelöscht. Seine Aufgaben übernahm die Landesbauernschaft Saarpfalz in Kaiserslautern.89 Im Jahre 1935 vertrat die Ortsgruppe 59 Bauern und Winzer. Der heutige Pfälzische Bauern- und Winzerverband ist als berufsständische Vertretung der pfälzischen Landwirte und Winzer nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Die hiesige Ortsgruppe wurde am 6. Februar 1947 von 50 Meckenheimer Landwirten gegründet. Die Gründungsversammlung wählte damals Wilhelm Raab zum 1. Vorsitzenden. Aufgabe des Verbandes ist es, die Landwirte hinsichtlich wirtschaftlicher, steuerlicher und juristischer Probleme zu betreuen. Die Institution eröffnet jedem Mitglied eine breite Palette von Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen. Der Verband unterhält Rechts- und Steuerberater, an die sich die Landwirte wenden können. Vor allem in den Wintermonaten führt er Vortragsabende durch, bei denen anstehende Probleme in Sachen Agrarpolitik, Steuern 88 LA SP U 107/443 89 LA SP U 107/443
und Recht behandelt werden. Landwirtschaftliche und weinbauliche Fachvorträge dienen der beruflichen Weiterbildung. Die Ortsgruppe vertritt die Interessen der Landwirtschaft auch gegenüber der Gemeinde. Neuerungen und Veränderungen, die den Berufsstand tangieren, werden in Ausschüssen besprochen, das Ergebnis dem Gemeinderat zur Kenntnis gebracht. Unterorganisationen des Bauern- und Winzerverbandes sind Landjugend und Landfrauen. Der Ortsverband besteht momentan aus 42 Mitgliedern. Bisherige Vorstandsvorsitzende: Wilhelm Raab 1947-1956, Robert Holzwarth 1956-1972, Dieter Handrich 1972-1993, Werner Deck 1993-2010, Manfred Ohler 2010-heute Der derzeitige Vorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen: 1. Vorsitzender: Manfred Ohler, 2. Vorsitzender: Walter Härtel, Kassierer: Gunther Hoos, Schriftführer: Andreas Munz, Kassenprüfer Fritz Braun und Karlheinz Metz, Ausschuss: Martin Braun, Mischa Müller, Gerhard Forschner, Werner Schubing, Bernd Hoos, Markus Handrich.
Der Direktverkauf an der Straße bringt das Obst und Gemüse sofort zum Verbraucher. Landwirtschaft, Obst- und Weinbau stehen beim Bauernund Winzerverband im Mittelpunkt.
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Beim „Sommertag“ wird der Winter verabschiedet, der Sommer begrüßt.
8. Brauchtum Jede Dorfgemeinschaft hat ihre speziellen Bräuche. Sie entwickelten sich oft aus einer langen Tradition. Man findet sie in periodisch wiederkehrenden Ereignissen, deren Abläufe mehr oder weniger ritualisiert sind. Bräuche dienen der Stärkung und Erhaltung des Gefühls der Zusammengehörigkeit, des Heimatgefühls. Zu den Dorfbräuchen in Meckenheim zählen die Kerwe, die Gässelweinkerwe und der Weihnachtsmarkt. Es gehörten auch die in den 1950er und 1960er Jahren veranstalteten Heimattage dazu, die leider nicht mehr weitergeführt wurden. 8.1 Heimattage Von Karl Becker ging anfangs der 1950er Jahre die Initiative aus, in Meckenheim Heimattage zu veranstalten. Mit ihnen sollte das Gemeinschaftsgefühl im Dorf erneuert und gefestigt werden, Alt- und Neubürger hätten dabei Gelegenheit, sich näher kennenzulernen. Geplant war, das Heimatfest im fünfjährigen Turnus zu begehen. Die Heimattage 1953, 1958 und 1963 liefen nach dem gleichen Schema ab: Das Dorffest startete jeweils am Samstag in der Obstmarkthalle mit einem reichhaltigen Programm. Mitwirkende waren die Me48
ckenheimer Vereine und die Blaskapelle Glas aus Wachenheim. Ein besonderes Ereignis war damals der Auftritt des Großchors, bestehend aus etwa 110 Mitgliedern des Gesangvereins 1845, des Cäcilienvereins und des protestantischen Kirchenchors. Am darauf folgenden Sonntag traf man sich beim Festgottesdienst und der anschließenden Totenehrung auf dem Friedhof. Am Nachmittag zog ein Festzug durch die Ortsstraßen in Richtung Markthalle. Neben den Meckenheimer Chören und dem Großchor beteiligte sich auch die örtliche Trachtengruppe am großen Festprogramm. Der Abend klang mit Tanz und mit gemütlichem Beisammensein aus. Bei den Heimattagen 1963 verzichtete man wegen des bevorstehenden Großereignisses, der 1200-Jahrfeier der Gemeinde, auf einen Umzug durch das Dorf. Dafür bot man am folgenden Montag ab 16 Uhr den Schulkindern einen bunten Tag mit allerlei netten Spielen und Darbietungen, zum Höhepunkt wurde das Ballonwettfliegen. Die Heimattage wurden von der Bevölkerung gerne angenommen. Es kostete zwar immer viel Mühe, die Tage zu planen und pannenfrei durchzuführen, aber die Mühe lohnte sich. Die Veranstaltungen waren durchweg gut besucht, auch von vielen Gästen der umliegenden Ortschaften. 1968 stand ganz im Zeichen der 1200-Jahrfeier der Gemeinde, daher fiel der Heimattag in diesem Jahr aus.
Auch die Feuerwehr präsentiert sich wie damals.
Das Blasorchester greift die Tradition mit einem musikalischen Umzug durchs Dorf auf.
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Der Arbeitskreis der Ortsvereine führte 1977 die Gässelweinkerwe ein, die seitdem bis heute jedes Jahr gefeiert wird. Mit dieser Neuerung gerieten die Heimattage langsam in Vergessenheit. Schließlich wollte man die Belastbarkeit der ehrenamtlichen Kräfte nicht überstrapazieren. Und da gab es ja auch noch am erstem Septemberwochenende die Meckenheimer Kerwe. Und trotzdem lebte 1988 nochmals ein Heimattag auf. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand dabei die 1200-jährige Weinbaugeschichte von Meckenheim. Am Freitagabend, dem 1. Juli 1988, fand in der fast ausverkauften Verbandsgemeinde-Halle eine kulinarische Weinprobe statt. Der Ordensbruder der Weinbruderschaft Dr. Theo Becker führte als fachkundiger Probenbesprecher durch die 15 Meckenheimer Probenweine. Am 2. Juli leitete ein ökumenischer Gottesdienst den Festtag ein. Im abendlichen Festvortrag referierte Dozent Weigel von der Bäuerlichen Bildungsstätte Ebernburg über die Geschichte des Weinbaus und die besondere Geschichtsträchtigkeit unserer vorderpfälzischen Landschaft. Den musikalischen Teil des Programms gestalteten das Blasorchester Meckenheim, der Gesangverein 1845, der Cäcilienchor und der evangelische Posaunenchor Meckenheim. 8.2 Meckenheimer Kerwe Die Kerwe, das älteste der heute noch gern gefeierten Dorffeste.
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Der Kirchenkalender feiert am 1. September das Fest des Heiligen Ägidius, des Meckenheimer Kirchenpatrons. Danach bestimmt sich auch der Termin der Meckenheimer Kirchweih, die am 1. Wochenende im September gefeiert wird. Ihre Eröffnung findet am Freitag mit einem Festprogramm statt. Von Sonntag bis Dienstag werden unterhaltsame Programme im Festzelt dargeboten. Einige Schausteller mit Süßigkeiten und Kinderbelustigungen dürfen natürlich auf der Kerwe nicht fehlen. Der Kerweplatz mit Buden, Karussell, Autoscooter, Fischbude und großem Festzelt war jahrzehntelang auf dem Obstmarktgelände. Seit 2011 musste die Kerwe infolge der Bebauung des ehemaligen Obstmarktgeländes an den Sportplatz ausweichen, im ersten Jahr noch auf das Gelände vor der VGHalle und seit einigen Jahren auf die andere Seite der Straße, auf das Kleinspielfeld der Gemeinde Meckenheim. Im Jahre 2017 erneuerte die Gemeinde das gesamte Spielfeld und stellte einen neuen Kunststoffplatz her, der sowohl zur Durchführung der Kerwe als auch für Sportmöglichkeiten genutzt werden soll. Die Kerwe ist das
älteste der heute noch gefeierten Dorffeste. In Zukunft möchte die Gemeinde die Kerwe wieder in die Mitte des Dorfes zurückholen und im Bereich des Rathaushofes durchführen. 8.3 Gässelweinkerwe Während die Bedeutung der Kerwe zurückging und im pfälzischen Weinbaugebiet immer mehr Weinfeste entstanden, startete der Arbeitskreis der Ortsvereine im Jahre 1977 einen Test mit der Einführung einer „Meckenheimer Gässelweinkerwe“. Die damaligen Initiatoren waren Otto Keller, Emil Hämmerle, Theo Handrich , Theo Hauenstein, Ernst Zitt, Karl Becker und Theo Heiberger. Das Ereignis wurde schließlich zu einem großen Erfolg. Die Beliebtheit der Gässelweinkerwe hat seit der Einführung von Jahr zu Jahr zugenommen. Sie hat Freunde weit über die Grenzen von Meckenheim hinaus gefunden. Sie zählt heute zu den beliebtesten Weinfesten der Mittelhaardt. Wie der Name schon ausdrückt, handelt es sich um ein Fest, das in den engen Dorfgassen, den Winzerhöfen und Scheunen am vierten Wochenende im Mai gefeiert wird. Nach dem Aufrichten des Kerwebaums und der Eröffnung der Weinkerwe laden im Dorf ca. 20 Ausschankstellen zum gemütlichen Verweilen bei einem Schoppen Wein ein. Das Fest in den vielen engen Gassen schafft ein romantisches Flair, das jedem Besucher von nah und fern in guter Erinnerung bleibt. 8.4 Der Weihnachtsmarkt
Eine Cheerleader-Gruppe hat ihre Pyramide zur Gässelkerweeröffnung aufgestellt.
Der Weihnachtsmarkt an der katholischen Kirche steht und fällt mit den Ehrenamtlichen.
Der schon seit 2001 stattfindende Weihnachtsmarkt an den ersten beiden Adventswochenenden auf dem „Dorfplatz Alter Schulhof “ stimmt die Besucher mit seinem Rahmenprogramm auf das Fest der Freude und des Friedens ein. Organisiert wird das Ereignis von einer ehrenamtlichen Kommission, die sich seit vielen Jahren aus Siggi Brückmann, Elke und Volker Herz, Christian Wilhelm, Gerhard Seiberth, Thorsten Reis und Heiner Dopp zusammensetzt. Mittlerweile hat sich der Meckenheimer Weihnachtsmarkt zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Die Besucher schätzen vor allen Dingen die Atmosphäre des Platzes und die Angebote an den einzelnen Ständen. Ein Höhepunkt in jedem Jahr ist die am ersten Sonntag durchgeführte Tombola mit vielen hochwertigen Sachpreisen. 51
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Die Landjugend zieht mit Kraft und Geschick den Kerwebaum hoch.
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Die Gässelkerwe braucht viele Helferinnen und Helfer ...
Sportlich! 1986 fährt eine Gruppe Meckenheimer auf dem Rad nach Lugny, im folgenden Jahr nach Grabenstätt. Aber zur Kerwe sind sie rechtzeitig zurück.
… und sie hat natürlich auch ihre Fans.
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Bürgermeister Heiner Dopp eröffnet gemeinsam mit Maskottchen Macko die Gässelkerwe.
Der Männergesangverein unter der Leitung von Achim Scheuermann stimmt sich auf der Gässelkerwe ein.
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Besucher der traditionellen Kerwe am Zelt der Marlachfrösche.
2010 machen bei der RPR1. Bürgermeisterschaft von Meckenheim gegen Niederkirchen aus beiden Dörfern 1300 Bürgerinnen und Bürger mit. Meckenheim. gewinnt.
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Der Meckenheimer Weihnachtsmarkt hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.
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8.5 1200 Jahre Meckenheim Im Jahre 1968 feierte Meckenheim seinen 1200. Geburtstag. Bürgermeister Otto Keller wünschte sich anlässlich der Vorbereitung der Feierlichkeiten, dass das Geburtstagsfest ein Höhepunkt in der Geschichte des Dorfes werden müsse. Dieses Ziel wurde voll und ganz erreicht. Was der Vorbereitungskreis, die Ortsvereine und die Dorfgemeinschaft bei dieser Gelegenheit auf die Beine stellten, war ein unvergessliches Ereignis, das in dieser geschichtlichen Abfassung nochmals kurz gewürdigt werden soll. Die Feierlichkeiten nahmen das ganze Jahr 1968 in Anspruch. Am 5. Februar eröffnete Bürgermeister Keller in einer festlichen Sitzung im neuen Ratssaal das Jubiläumsjahr. Der anwesende Landrat Walter Unckrich erklärte sich bereit, die Schirmherrschaft für die Festlichkeiten zu übernehmen. In seiner Ansprache wies Bürgermeister Keller auf die Bedeutung des Jubiläums im Rahmen der Geschichte der Gemeinde hin. Er wünschte sich, dass der feste Wille zum Ausbau der vorhandenen kulturellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten auf Dauer erhalten bleibe. Die Vorsitzenden der örtlichen Parteien, der Bauern- und Winzerschaft und des Arbeitskreises der Ortsvereine sprachen ihre Glückwünsche zum Jubiläum aus und wünschten ein gutes Gelingen der geplanten Festlichkeiten. Mit Schon 1200 Jahre Meckenheim wird groß gefeiert.
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der Verlesung einer originellen Proklamation durch Bürgermeister Keller klang die Feierstunde aus. Der 13. April 1968 war der eigentliche Jubiläumstag, an dem die Raiffeisenbank der Gemeinde das erste Exemplar eines eigens zum Fest geprägten Golddukatens überreichte. Die Medaille zeigt auf der Vorderseite das Gemeindewappen mit dem Aufdruck „Das Tor zur Mittelhaardt“ und auf der Rückseite einen Blick durch die Hauptstraße. Inzwischen bemühten sich die Meckenheimer Hausbesitzer, das Dorf für das Jubiläum herauszuputzen. Hausfassaden wurden erneuert und gestrichen, neue Sträucher und Grünpflanzen verschafften dem Ort ein festliches Gepräge. Am Samstag, dem 6. Juli, starteten die dreitägigen Hauptfeierlichkeiten mit einem Festbankett. Im voll besetzten Festzelt hielt Dozent Karl-Heinz Weigel von der Bäuerlichen Bildungsstätte Ebernburg eine Festansprache. Er zeichnete in einem geschichtlichen Rückblick ein Bild der Entwicklung des Bauern- und Handwerkertums. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Kapelle Morweiser aus Bad Dürkheim, der Großchor, der Gesangverein 1945 und der Schul- und Jugendchor Meckenheim. Die Feierlichkeiten am Sonntag (7. Juli) begannen um 8.30 Uhr mit Standkonzerten des Prot. Posaunenchors an verschiedenen Plätzen. Um 9 Uhr schlossen sich Festgottesdienste in beiden Kirchen an. Gegen 11 Uhr erfolgte die Eröffnung des Weinprobierstandes mit der Pfälzischen Weinkönigin Christa Jung, der Meckenheimer Weinprinzessin Gerlinde Metz, den Meckenheimer Sonntagskindern sowie einer Reihe geladener Gäste. Der Winzerverein stellte in einer Weinprobe zehn Meckenheimer Gewächse vor. Ab 13.30 Uhr bewegte sich ein glanzvoller Festumzug durch die Dorfstraßen. Die Wagen der Ortsvereine zeigten Bilder aus der Tradition des bäuerlichen und des ritterlichen Lebens. Besonders originell waren die nachgebaute Lorscher Königshalle (Landfrauen), der „Weinsegler“ (Narrengilde), Baron Münchhausen (Lügenbeutel) und der Nachbau der Adler-Lokomotive. Für die Begleitmusik sorgten fünf Musikzüge. Um 15 Uhr begann das Heimattreffen im Festzelt als gemütliches Beisammensein. Die musikalische Umrahmung übernahmen die örtlichen Chöre, der Spielmannszug und der Posaunenchor. Auch die Tanzgruppe der Landjugend zeigte ihr Können.
Oskar Metzger dirigiert den Schulchor.
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Münchhausen, bereit für den Ritt auf der Kanonenkugel.
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Am Abend startete ein „Echt bayerischer Abend“ mit der Grabenstätter Trachtengruppe und der Schuhplattlergruppe. Für den musikalischen Teil waren die „Lustigen Chiemgauer“ zuständig. Der Montag (8. Juli) war für die Schulkinder reserviert. Am Morgen fanden auf dem Schulgelände verschiedene Spiele und Sportveranstaltungen statt. Nachmittags gestalteten die Schüler im Festzelt ein eigenes Programm unter dem Motto „Pälzer Kinner“, Pälzer Sprooch“ und „Pälzer Sache“. Der Schulchor umrahmte das Geschehen. Die Darbietungen erhielten reichen Beifall. Am darauf folgenden Samstag, dem 13.07., war der Tag des großen Sängertreffens. Ab 20 Uhr traten 22 Chöre des Sängerkreises Ludwigshafen im überfüllten Festzelt auf und trugen ihre Chorwerke vor. Die Schlusskantate überließ man dem Schul- und Jugendchor Meckenheim. Der Abend hatte ein beachtliches Niveau, die Zuhörer belohnten die Chöre mit großem Beifall. Das Heimattreffen am Sonntag (14. Juli) um 14.30 Uhr im Festzelt wurde ausschließlich von eigenen Kräften gestaltet. Es wirkten die Meckenheimer Chöre, der Posaunenchor und die Trachtengruppe der Landjugend mit. Am Abend startete ein von der Kreissparkasse gestifteter „Großer Bunter Abend“ mit Unterhaltungskünstlern. Am Montag, den 15. Juli fand um 20 Uhr ein zünftiger Abschlussabend statt mit Humor und guter Laune. Daran schloss sich als Krönung der Jubiläumstage ein prächtiges Feuerwerk an. In der Zeit vom 6. bis 15. Juli 1968 wurde auch eine landwirtschaftliche Ausstellung durchgeführt, die bei den zahlreichen Besuchern aus Meckenheim und den Nachbargemeinden auf großes Interesse stieß. Am Sonntag, dem 28. Juli fand auf dem alten Sportgelände ein internationales Reitturnier statt. Damit wollte man insbesondere die bäuerliche Struktur des Dorfes in seiner Geschichte unterstreichen. Das Erntedankfest am 6. Oktober feierte die Landjugend mit einem internationalen Trachtentreffen, bei dem Trachtengruppen aus Österreich und Südtirol, aus der Schweiz und aus dem Elsass teilnahmen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten endeten schließlich im Dezember mit einem Dia- und Filmabend im Saal Spindler, wo man die Höhepunkte der Festlichkeiten nochmals nacherleben konnte. Die Vorbereitung und die Durchführung des 1200-jährigen Jubiläums war für den Arbeitskreis der Ortsvereine, die Vereine selbst und für viele Bürger eine große Herausforderung. Sie wurde hervorragend gemeistert, die Dorfgemeinschaft hatte sich bestens bewährt.
Briefträger Toni mit der alten Postkutsche.
Die Obstmarkthalle ist bei der Festveranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt.
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Die Landfrauen erinnern mit ihrem Wagen an das Kloster Lorsch.
Jahrhundertelang sind Bauern mit solchen Karren ins Feld gefahren.
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Die Schubkarren sind aus Holz und Eisen gebaut.
Die moderne Zeit kommt mit einem Motorspritzgerät.
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Dreschen mit Dreschflegeln in der Scheune.
1928 arbeitet der erste Mähbinder in Meckenheim. 64
Die Mähmaschine ersetzt Sense und Sichel.
Die Dreschmaschine steht am Dreschplatz an der Böhler Straße oder fährt von Hof zu Hof.
Auf Ackerwagen werden die Garben nach Hause gefahren.
Die Mähdrescher machen die Getreideernte einfacher.
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Meckenheim. Flurkarte 1963 mit den Namen der Gewannen.
Auch die warme Luft in Gew채chsh채usern verbessert die Wachstumsbedingungen. Bl체hende Apfelb채ume vor Spargelreihen unter Folie.
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Mit Beregnung sind vier Gemüseernten im Jahr möglich.
Bei der Gemüseernte helfen viele osteuropäische Arbeitskräfte.
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9.1.3 Weinbau
Logelträger bei der Arbeit.
Der Weinbau kann in Meckenheim auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits im Jahr 782, wie in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch belegt,98 prägen Rebstöcke in der Gemarkung das Bild der Landschaft. Die Weinwirtschaft war im Dorf immer ein Wirtschaftsfaktor, dessen Bedeutung weit über die eigentliche Erzeugung und Verarbeitung hinaus auch den Fremdenverkehr mit einbezog. In früheren Zeiten lagen die Weinberge teils im Dorf, teils verstreut in der Gemarkung. Das heutige Rebgelände an der Mußbacher Straße bildete sich erst nach 1782 heraus. 2010 betrug die Rebfläche 271 ha. Seit dem 25. Februar 1965 galt für die Meckenheimer Weinbaufläche eine Einteilung in Güteklassen. Zur Güteklasse „I - Neuberg“ gehörten die Gewannen Neuberg, Kieslöcher, Ober den Kieslöchern, Schreinshausen und Polen. Die Gewannen im Hohlweg, Grappgewann, Spielberg, I. und II. Fauthenböhl, II. Langgewann rechts vom schiefen Weg und Wusten waren in die Güteklasse „II – Spielberg“ zusammengefasst. Zur Güteklasse „III – Wolfsdarm“ zählten die Gewannen Kleiner Sand, Im langen Satz, Auf der Höhe, Stangenberg, Wolfsdarm und I. Langgewanne. Zwischenzeitlich wurde eine neue Einteilung der Einzellagen vorgenommen. Es gibt nur noch die Lagen Neuberg und Spielberg. Sie gehören zur Großlage Deidesheimer Hofstück im Bereich Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße.
Bis vor 60 Jahren ist auch noch mit Kühen im Weinberg gearbeitet worden.
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98 Die Rheinpfalz vom 3.01.1987
Weinbergsfläche99 Jahr 1785 1909 1960 1979 1989 1999 2003 2005 2010 Fläche in ha 52 280 93 160,0 218,0 248,0 258 263,0 271,0 Weißwein in % 0 0 60 79,3 75,6 71,5 57 54,4 57,9 Rotwein in % 0 0 40 20,7 24,4 28,5 43 45,6 42,1 Die Einschränkung der Nutzungsfläche ab 1909 war in erster Linie zugunsten der Qualität erfolgt, ist aber auch auf die Auswirkungen der Rebenschädlinge zurückzuführen. Die Rebflächen wurden damals vorübergehend als Obstanlagen genutzt. Die schon vor dem Zweiten Weltkrieg angebauten Klassiker Portugieser, Riesling, Silvaner, Gewürztraminer, ab 1948 MüllerThurgau, ab 1960 Weißburgunder, sind nach wie vor die führenden Weine. Dazu gesellten sich in den letzten Jahrzehnten bei Rotweinen Dornfelder, Spätburgunder, Sankt Laurent, Cabernet Sauvignon, Merlot und bei Weißweinen Chardonnay, Kerner, Sauvignon Blanc. Der Anstieg der roten Sorten auf 42,1 % war nur durch Rückgang der weißen Sorten möglich. So wurden vor allem die Anbauflächen für Müller-Thurgau, Kerner, Ruländer, Silvaner, Scheurebe und MorioMuskat reduziert. Nach wie vor ist die dominierende Rebsorte mit einem Anteil von 23 % der Riesling. Beachtlich waren die Erfolge der Meckenheimer Weine bei den Weinprämierungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) und der Landwirtschaftskammer der Pfalz. Seit 1962 erhielten die sechs Weingüter und der Winzerverein Weinland Meckenheim für Weine und Sekte neben Großen Staatsehrenpreisen unzählige Preise in Gold, Silber und Bronze. Damit haben sie maßgeblich zum guten Abschneiden des Weinbaugebietes Pfalz beigetragen.
Keltern für den Haustrunk.
Bewirtschaftung100 Jahr Betriebe >0,3 ha Rebfläche Rebfläche je Betrieb in ha
99 Statistisches Landesamt Bad Ems 100 Statistisches Landesamt Bad Ems
1979 1989 1999 2003 2005 2007 2010 93 80 68 51 45 41 35 1,7 2,7 3,5 4,8 5,4 6,1 7,7
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2016 wird Julia Kren aus Meckenheim zur Pfälzischen Weinkönigin gewählt.
1967/1968 1973/1974 1983/1985 1986/1987 1987/1989 1997/1998 1999/2000 2010/2011 2011/2012 2014/2015 2015/2016
Die Anzahl der Weinbau-Betriebe hat sich in 35 Jahren um fast 40 % verringert. Gleichzeitig ist die bearbeitete Rebfläche pro Betrieb von 1,7 ha auf 7,7 ha angestiegen. Wie in der gesamten Landwirtschaft ist auch der Strukturwandel im Weinbau an diesen Zahlen deutlich sichtbar. Die Technisierung der Arbeitsgänge beschleunigt aus Gründen der Rationalisierung die Spezialisierung im Anbau auf möglichst wenig Produkte. Die geernteten Trauben wurden entweder in den einzelnen Winzerbetrieben oder auch bei Winzergenossenschaften ausgebaut und in der Regel auf Flaschen gezogen. Bedeutsam ist der Weinbau für den örtlichen Fremdenverkehr. Die Nähe zum Wirtschaftsraum Ludwigshafen-Mannheim ist nicht nur für den Direktabsatz, sondern auch für das hohe Besucheraufkommen bei der Gässelweinkerwe und den einzelnen Hoffesten ausschlaggebend. Ein schöner Brauch ist die jährliche Wahl der Weinprinzessin der Verbandsgemeinde in Deidesheim sowie der Pfälzischen und Deutschen Weinkönigin in Neustadt. Ab 1967 standen folgende Weinprinzessinnen, für 2015/2016 sogar eine Weinkönigin, aus Meckenheim im Dienste des Weines: Gerlinde Perol geb. Metz Ingrid Briegel geb. Schubing Birgit Müller geb. Hoffmann Martina Handrich Karin Mühleisen geb. Reinig Simone Mayer Nicole Briegel Andrea Groß Andrea Groß Julia Kren Julia Kren
Pfälzische Weinprinzessin Weinprinzessin VG Deidesheim Weinprinzessin VG Deidesheim Pfälzische Weinprinzessin Weinprinzessin VG Deidesheim Weinprinzessin VG Deidesheim Weinprinzessin VG Deidesheim Weinprinzessin VG Deidesheim Pfälzische Weinprinzessin Weinprinzessin VG Deidesheim Pfälzische Weinkönigin
Ein besonderer Höhepunkt im Jahre 2015 für das Weindorf Meckenheim war die Wahl der aus Meckenheim stammenden Julia Kren zur Pfälzischen Weinkönigin. Ihr wurde die Ehre zuteil, als erste Meckenheimerin die Krone einer Weinkönigin zu tragen. Sie repräsentierte ein Jahr lang im In- und Ausland den pfälzischen und damit auch den Meckenheimer Wein. 72
Das Wein-Testival „6 auf der Höhe“ bietet mit Haardtblick und MusikEvent eine große Kulisse. Winzerverein und fünf Weingüter laden ein zum Weinparcours durch die ältesten Weinlagen Meckenheims.
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Qualitätsweine werden auch heute noch oft von Hand gelesen. Es staubt. Maschinelle Zerkleinerung der herausgeschnittenen Reben.
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Ein gutes Mittagessen gehรถrt zur Arbeit im Weinberg dazu.
Weinlese mit dem Vollernter.
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Die beteiligten Winzer im Weingut Braun. Hier wird der Jubiläumswein aus den Meckenheimer Weingßtern ausgebaut.
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Schüler der Grundschule Meckenheim bei der Weinlese für den Jubiläumswein des Jahres 2018.
Die Zeilen der Rieslingweine für den Jubiläumswein sind markiert. Winzer Ralf Härtel trägt selbst die Logel.
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9.1.4 Obstanbau
Vom Speierling werden wieder junge Bäume gepflanzt.
Einer der letzten alten Speierlingsbäume.
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Georg Feil hat in seiner Ortschronik den früheren Obstanbau in Meckenheim eingehend beschrieben. Es bleibt noch nachzutragen, dass nach dem Ersten Weltkrieg entlang der Feldwege wieder Nussbäume angepflanzt wurden. Die meisten sind allerdings im strengen Winter 1928/29 erfroren. Danach erfolgte eine Neuanpflanzung in großem Stil, der Bestand wuchs auf 15.000 Nussbäume an. Die Abendzeitung vom 20. September 1937 bezeichnete die Gemarkung Meckenheim als bedeutendsten Walnussbaubezirk der Pfalz. Sie lud ihre Leser zum Sonntag, dem 26. September 1937, zur Walnussschau nach Meckenheim ein und empfahl jedem Besucher, mindestens 1 kg der erstklassigen Früchte zu kaufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen noch unzählige Nussbäume an den Wegrändern. Sie bildeten Alleen, behinderten jedoch in den 1960er Jahren den Einsatz der großen Ernte- und Arbeitsmaschinen, mit der Zeit mussten sie weichen. Damit die Meckenheimer Nuss nicht vergessen wird, hat die Gemeinde im Rahmen eines Dorfgestaltungsprojektes Ecke Sandgasse/Bahnhofstraße eine symbolische „Meckemer Nuss“ in Form einer Plastik des Bildhauers Wieslaw Pietson aus Klingenmünster aufstellen lassen. Der Speierling mit seinen gelbroten Fruchtbüscheln, ein Verwandter der Vogelbeere, scheint schon im Mittelalter
in der Pfalz heimisch gewesen zu sein. 1936 sollen noch 36 Bäume in der Meckenheimer Gemarkung gestanden haben. Heute ist er vom Aussterben bedroht. Der unter Naturschutz stehende Speierling ist 1993 zum „Baum des Jahres“ gewählt worden. In der Meckenheimer Flur sind noch zwei alte Exemplare anzutreffen. Hinzu kommen acht junge Speierlinge, sieben davon auf der kommunalen Streuobstwiese und einer an der Rödersheimer Straße.101 Die Periode des überkommenen Streuobstbaus endete nach dem Ersten Weltkrieg. Angeregt durch die aus der Obstanbaugemeinde Weisenheim am Sand stammenden Wilhelm Raab und Wilhelm Dörr begann man damals in der Meckenheimer Landwirtschaft mit der Intensivierung des Erwerbsobstbaus. Nach und nach entstanden geschlossene Obstanlagen mit marktfähigen Sorten. Alte Birnbäume wurden veredelt. Der stark gestiegene Obstanbau war für die Gemeinde mit ein Grund, 1924 einen öffentlichen Obstmarkt einzurichten, ähnlich wie dies in Freinsheim und Weisenheim am Sand der Fall war. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Obstanbau durch die Einführung neuer Obstarten und zeitgemäßer Anbaumethoden wie Busch- und Spalierobstbau seinen stärksten Auftrieb, 1960 betrug die Anbaufläche 86 ha. Über den Obst- und Gemüsegroßmarkt wurden 1986 abgesetzt: Äpfel, Süßkirschen, Sauerkirschen, Zwetschgen, Johannisbeeren, Birnen, Nüsse, Stachelbeeren, Erdbeeren und Pfir-
Kirschenernte.
Stachelbeerernte vor dem alten Lokschuppen.
101 Angaben von Rainer Rausch, Hochdorf
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Zahlreiche betonierte Wirtschaftswege laden zu Radtouren ein. Auf einem Flugplatz im SĂźdwesten Meckenheims kĂśnnen Gleitschirmflieger starten und landen.
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Bei Kutschfahrten lässt sich ebenfalls die Umgebung erkunden.
Der Schatten eines Nussbaums lädt zur Rast ein.
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9.2.2 Obst- und Gemüsegroßmarkt Meckenheim
Der Obst- und Gemüsegroßmarkt Meckenheim.
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In einem geschlossenen Anbaugebiet wie in Meckenheim sind zwangsläufig die Organisation des Anbaus und die des Absatzes eng miteinander verbunden. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchten die haupt- und nebenberuflichen Erzeuger, Gemüse und Obst, das den Eigenbedarf überstieg, nach Möglichkeit selbst zu vermarkten. Der Verkauf erfolgte sowohl an örtliche Verbraucher als auch auf den Wochenmärkten von Neustadt und Deidesheim. Vor allem die Frauen beschickten mittels Handwagen oder Schubkarren die beiden Märkte mit Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eiern und Butter. In Zeiten guter Obsternten richteten Händler im Dorf Sammelstellen bei Gasthäusern ein. Bei Abholung der Produkte erfolgte sofortige Barzahlung an die Anlieferer. Anfang der 1920er Jahre begann auf Anregung der aus der Obstbaugemeinde Weisenheim am Sand stammenden Wilhelm Raab (Schullehrer) und Wilhelm Dörr (Geschäftsführer der Spar- und Darlehenskasse) eine Intensivierung des Obst- und Gemüseanbaus. Es entstanden geschlossene Obstanlagen mit marktfähigen Obstsorten. Die Landwirte legten in großem Stil Erdbeer- und Tomatenfelder an. Für die ansteigenden Erntemengen mussten neue Absatzwege organisiert werden.
Im Jahre 1924 entstand der Obstbauverein Meckenheim. Er wurde am 23. Dezember 1927 in das Vereinsregister eingetragen. Zweck der Neugründung war die Pflege und Förderung des Obstbaus in Meckenheim. Als Vorsitzende amtierten Wilhelm Dörr und Heinrich Rheinwald.106 Auf Drängen des Ortsvereins des Pfälzer Bauernbundes beschloss der Gemeinderat am 14. August 1924, einen gemeindeeigenen Obstmarkt einzurichten. Erster Markttag war Donnerstag, der 21. August 1924. Der öffentliche Markt wurde zuerst montags und donnerstags, bald jedoch täglich von 17 bis 19 Uhr an der Kreuzung Bahnhofstraße/Steingasse beim Waaghäuschen, vor der Wirtschaft „Zum Schwanen“, abgehalten. Das mit Schubkarren, Handwagen und Pferdewagen angelieferte Obst und Gemüse musste zuerst von einem Beauftragten der Gemeinde amtlich gewogen werden. Groß- und Kleinhandel kaufte die Produkte und vermittelte sie an Wochenmärkte und Konservenfabriken, zum Teil übernahm auch der Hausiererhandel beachtliche Posten. Der gute Marktabsatz regte wiederum einen verstärkten Produktanbau an, der die Verkaufsumsätze weiter ansteigen ließ. Das Marktgeschehen beeinträchtigte in zunehmendem Maße den innerörtlichen Straßenverkehr. Die Situation stellte während der Marktzeit für Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge, zu denen ab 1930 auch die Lastkraftwagen gehörten, eine große Gefährdung dar.
Marktleiter Martin Rust bei der Versteigerung.
Vormittags liefern die Bauern das Obst und Gemüse an, um 14 Uhr wird versteigert, abends ist die Halle wieder leer.
106 LA SP J28/1077
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Auf gehts zum Nüssedengeln.
Der Gemeinderat suchte einen Ausweg und fand einen geeigneten Platz für den öffentlichen Markt in der Nähe des Bahnhofs. Die Gemeinde erwarb 1932 das Gelände und errichtete darauf eine Wiegehalle sowie erforderliche Räume für Handel und Leergut. Mit der Eröffnung des neuen Marktplatzes am 24. August 1932 sank die Bedeutung der alten Brückenwaage mit dem Waaghäuschen am Ende der Steingasse. Am 12. Mai 1932 wurde die gemeindeeigene „Obst- und Gemüsebaugenossenschaft“ gegründet. Sie hatte die Förderung des Anbaus und des Absatzes der landwirtschaftlichen Produkte zum Ziel. Zunächst wurden mit den Landwirten Anbauverträge für Gemüse abgeschlossen und eine gemeinsame Schädlingsbekämpfung organisiert. Die Genossenschaft förderte zwecks besserer Vermarktung eine Sortenvereinfachung und Standardisierung. Feste Absicht des Unternehmens war die Errichtung einer großen Markthalle, um den Absatz selbst zu betreiben. Der in der Gründungsversammlung geäußerte diesbezügliche Wunsch wurde vom Gemeinderat Meckenheim zunächst abgelehnt.107 Aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen war der Gemeinde nicht mehr gestattet, Betreiber eines Marktes zu sein. Nach längeren Beratungen beschloss der Gemeinderat am 29. Juni 1935, Gelände und Gebäude des Obstmarktes zu einem Preis von 6000 RM an die selbständige Obst- und Gemüsebaugenossenschaft Meckenheim 84
107 LA SP U 107/482
Seit den 1930er Jahren wird in Meckenheim Spargel gestochen.
zu verkaufen. Infolge dieser strukturellen Veränderungen sah der Obstbauverein von 1927 sein Ziel als erfüllt an. Die Generalversammlung am 28. Dezember 1935 mit 78 Mitgliedern beschloss einstimmig die Auflösung des Vereins. Das Vermögen wurde an die Obst- und Gemüsebaugenossenschaft übertragen. Die Obst- und Gemüsebaugenossenschaft errichtete 1937 eine Markthalle in der Größe von 20 x 35 Metern und eine Spritzbrühmischanlage, die erste ihrer Art in der Pfalz. Die neue Markthalle war Sammelstelle für die Erzeugnisse aus Meckenheim und den benachbarten Dörfern Hochdorf, Haßloch, Geinsheim, Alsheim-Gronau, Rödersheim, Niederkirchen, Ruppertsberg, Königsbach, Mußbach, Lachen und Böhl. Sogar aus Neustadt kamen Anlieferungen. Das Vertriebsgeschehen änderte sich. Obst und Gemüse mussten gut sortiert und einheitlich verpackt angeliefert werden. Der Auktionsleiter des Marktes versteigerte die Produkte am Nachmittag an die anwesenden Händler, indem er mit einem Stab an einem Rad mit den markierten Preisen herunterfuhr. Der Verkaufserlös wurde wochenweise an die Erzeuger ausgezahlt. Finanzielle Erwägungen und eine rationellere Abwicklung der Umsätze führten 1938 zu einer Verschmelzung der Genossenschaft mit der Spar- und Darlehenskasse Meckenheim. Bald entstanden neben der Markthalle ein Verwaltungsgebäude und ein Lagerhaus. 85
Auf Anordnung des Gartenbauwirtschaftsverbandes musste die Spar- und Darlehenskasse den Markt 1941 an eine neu gegründete „Bezirksabgabestelle für Obst und Gemüse GmbH, Meckenheim“ wieder abgeben. Gesellschafter der neuen Firma waren sieben genossenschaftliche Kreditinstitute. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann für den Markt eine schwierige Zeit. Einerseits tauschten die Erzeuger ihre Waren gegen notwendige Artikel des täglichen Bedarfs, andererseits verlangte die Besatzungsmacht die Abgabe erheblicher Mengen an Obst und Gemüse. Es war der geschickten Geschäftspolitik des Geschäftsführers Martin Rust zu verdanken, dass der Markt gut über diese Krisenzeit hinwegkam. Erst die Einführung der Deutschen Mark 1948 brachte eine spürbare Änderung. Bald gab es in der Meckenheimer Landwirtschaft aufgrund neuer Obstsorten und anderer Anbaumethoden wieder einen starken Auftrieb. Die Anbauflächen vergrößerten sich von Jahr zu Jahr. Die Umsätze der Bezirksabgabestelle nahmen kräftig zu. Auf Anregung des Genossenschaftsverbandes gründeten die Landwirte 1958 eine neue Genossenschaft, den „Obst- und Gemüsegroßmarkt Meckenheim und Umgebung eGmbH“. Er übernahm das Vermögen der bisherigen Bezirksabgabestelle. Die Markthalle wurde erweitert und ein weiteres Verwaltungsgebäude angebaut. Ferner konnte die Leerguthalle vergrößert, eine Sortierhalle angekauft und weiteres Gelände erworben werden. Damit schien der Bei der Tomatenernte.
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Markt gerüstet zu sein, mit den künftigen Entwicklungen Schritt zu halten. Mitglieder des Großmarktes waren vor allem die Anlieferer großer Mengen an Obst und Gemüse. Für die Erfassung und Verwertung der Produkte von Kleinerzeugern gründete man am 21. April 1960 die Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft Meckenheim und Umgebung eGmbH Meckenheim. 1968 vertrat die Genossenschaft 683 Mitglieder. Mit der Generalversammlung 1975 gab sie allerdings ihre Selbständigkeit auf und war in der Folgezeit nur noch als Anschlussgenossenschaft des Obst- und Gemüsegroßmarktes tätig. Die Absatzgenossenschaft wurde am 21. November 1997 im Genossenschaftsregister gelöscht. Vorstände der Absatzgenossenschaft waren: Vorsitzender Ludwig Lechner 1960 - 1968 Edgar Priester 1968 - 1997
Stellvertreter Edmund Weber 1960 - 1992 Gerhard Guth 1992 - 1997
Spritzbrühmischanlage für die Schädlingsbekämpfung im Obst- und Weinbau.
Auch in Haßloch entstand 1960 für die Kleinerzeuger eine eigene Anschlussgenossenschaft des Obst- und Gemüsegroßmarktes Meckenheim, die am 28. Dezember 1989 erlosch. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den ersten vier Jahren konnte sich die Geschäftslage des Großmarktes allmählich stabilisieren. Er erreichte in den folgenden Jahren einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 1,5 Millionen DM. Daran waren Meckenheimer Erzeuger mit ca. 68 % beteiligt. Auch wenn er der kleinste seiner Art war, galt die Vermögensstruktur des Meckenheimer Großmarktes als stabil und gesund. Ab 1966 kamen Bestrebungen auf, die Konkurrenzfähigkeit der vorderpfälzischen Märkte durch Zusammenschlüsse zu verstärken. Mit der Vereinheitlichung und Erweiterung des Angebots innerhalb eines zentralen Vermarktungszentrums wäre die Möglichkeit gegeben, die Personal- und Sachkosten zu senken. Im Frühjahr 1967 fanden für die Mitglieder drei Aufklärungsversammlungen über die vorgesehenen Änderungen statt. Die Erzeuger standen vor der Wahl, den Meckenheimer Obstmarkt entweder unter Aufgabe seiner Selbständigkeit zu einer größeren Einheit zusammenzuschließen oder die Selbständigkeit beizubehalten oder 87
auch mit einem größeren Markt unter Beibehaltung des Betriebsvermögens als Anschlussgenossenschaft zu kooperieren. In der Generalversammlung am 11. März 1967 entschieden sich die Mitglieder schließlich für die Beibehaltung der Eigenständigkeit. Um konkurrenzfähig zu bleiben, mussten sich die Erzeuger verpflichten, in Zukunft auf beste Qualität und sorgfältigste Sortierung der angelieferten Produkte zu achten. Im Jahre 1994 erfuhr der Markt durch den Zusammenbruch der Preise für Sauerkirschen einen empfindlichen Rückschlag. Nachdem der Geschäftsführer Alfred Platt in Rente gegangen war, beschlossen die Mitglieder in der Generalversammlung am 11. März 1996, dem Pfalzmarkt Mutterstadt als Anschlussgenossenschaft beizutreten. Die weitere Geschäftsbeziehung unter den beiden Partnern regelte ein Geschäftsbesorgungsvertrag. Versteigerungen fanden in Meckenheim nicht mehr statt. Die Markthalle fungierte in den folgenden Jahren als Sammelstelle für Obst und Gemüse, der Pfalzmarkt holte die Produkte mit dem Lkw ab. In der Folgezeit hat sich die Gemüse- und Obstvermarktung stark verändert. Über den Pfalzmarkt werden heute relativ wenige Meckenheimer Produkte umgesetzt. Die meisten Verkäufe geschehen durch Direktvermarktung, zu der auch die Hofläden zählen. In der Generalversammlung vom 22. Dezember 2008 wurde die Auflösung des Obst- und Gemüsegroßmarktes Meckenheim Bei der Obsternte macht die ganze Familie mit.
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beschlossen. Die eingesetzten fünf Liquidatoren wickelten die Vermögensauflösung ab. Die Gebäude wurden 2012 abgerissen, die Grundstücke gingen ins Baugebiet „Am Obstmarkt“ über. Vorstandsvorsitzende des Obst- und Gemüsegroßmarktes: Wilhelm Raab, Vors. Philipp Rheinwald, stellv. Vors. Hermann Schmitt, stellv. Vors. Hermann Schmitt , Vors. Ernst Braun, stellv. Vors. Karl Handrich, Vors. Heinrich Scherner, stellv. Vors. Gerhard Guth, Vors. Karlheinz Götz, Vors. Werner Schubing, stellv. Vors.
1958 – 1969 1958 – 1968 1968 – 1969 1969 – 1971 1969 – 1972 1971 – 1973 1972 – 2003 1973 – 2004 2004 – 2008 2004 – 2008
Geschäftsführer des Marktes: Martin Rust 1958 – 1977 (1946 – 1958 bei der Bezirksabgebestelle) Alfred Platt 1977 – 1996
Jahrzehntelang ist der Obstmarkt ein zuverlässiger Abnehmer für die Erzeugnisse der Obstbauern.
Kartoffelwaschmaschine am Obstmarkt.
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9.2.3 Winzerverein Meckenheim
Logelträger nach ihrer Arbeit im Meckenheimer Winzerverein in Mußbach.
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Der erste Winzerverein in Meckenheim entstand am 3. Januar 1903. Er hatte allerdings mit der Vermarktung von Wein nichts zu tun. Sein Zweck war damals, „den Winzerstand hochzuhalten, treue Kameradschaft und bürgerliches Leben zu erhalten“. Es handelte sich um einen der in dieser Zeit üblichen Gesellschaftsvereine, die übers Jahr mit Veranstaltungen verschiedenster Art insbesondere auf den Winzerstand aufmerksam machen sollten. Er hatte auch die Aufgabe, Probleme der örtlichen Winzer zu bündeln und diese dem Gemeinderat zur Besprechung und Entscheidung vorzulegen. Über das weitere Schicksal des Vereins ist nichts bekannt.108 Nach dem Ersten Weltkrieg war im Dorf die Forderung seitens der Winzer nach einer zentralen Weinvermarktung aufgekommen. Am 19. August 1922 schlossen sich 47 Weinbauern zusammen und gründeten den Winzerverein Meckenheim in der Rechtsform einer Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Dem ersten Vorstand gehörten an: Heinrich Heiberger IV., Anton Lutz, Philipp Groß V., Johann Gustav Schmitt und Johannes Schubing III. Gemäß der verabschiedeten Satzung war „Gegenstand des Unternehmens der Verkauf der Weine, welche durch die Genossenschaft aus den von den Mitgliedern selbstgezogenen Trauben gekeltert werden. Hauptzweck des Unternehmens ist die Gewinnung naturreiner Weine.“ Die Mitglieder hatten nach § 14 des Statuts „sämtliche Trauben in
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jedem Jahre der Genossenschaft anzuliefern und keine Tafeltrauben zum Verkaufe zu schneiden“. Am 9. September 1922 trug das Amtsgericht das neue Unternehmen „Winzerverein Meckenheim eGmuH“ in das Genossenschaftsregister ein. Die Genossenschaft mietete im gleichen Jahr den Keller des Brennfleck’schen Anwesens in Mußbach mit 60.000 Litern Fassraum, um die Weinlese der Mitglieder unterbringen zu können. In Meckenheim waren keine geeigneten Kellerräume zu finden. 1923 erwarb der Winzerverein das gesamte Kellerinventar im Tausch gegen 20 Fuder Weißwein (20.000 Liter) und fünf Fuder Rotwein. Mit dem Ankauf des Brennfleck’schen Anwesens im Jahre 1927 für 60.000 Mark war die Entscheidung über den Firmensitz der Genossenschaft gefallen. Die Weinberge der Mitglieder lagen vorwiegend in der Meckenheimer, aber auch in der Deidesheimer, Haßlocher, Mußbacher und Ruppertsberger Gemarkung. Bald schuf der Winzerverein auch die Gelegenheit, in Meckenheim eigene Weine auszuschenken. Die Generalversammlung vom 11. November 1924 bestimmte die Wirtschaft „Zur Krone“ zum „Winzerausschank“. Ab August 1925 betrieb das Lokal „Zum goldenen Löwen“ den Weinverkauf. Jeden Monat gingen damals etwa 1000 Liter Meckenheimer Wein über die Theke. Die Vertriebserfolge der Genossenschaft und die damit zusammenhängende Ausweitung der Anbaufläche der Mitglieder erbrachte im Jahr 1936 eine Anlieferung von 302.386 Liter Rot- und 234.144 Liter Weißmost. Im Kelterhaus des Winzervereins.
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Die Weinlese ist eine Arbeit für viele Helferinnen und Helfer.
Aus dem Eimer in die Logel, aus der Logel in den Zuber.
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Der Winzerverein schuf damals schon 300 Fuder neuen Fassraum mit der Anlage von Zementfässern. Einen großen Aufschwung erlebte die Genossenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein starkes Anwachsen der Mitgliederzahl und damit einhergehend eine Vergrößerung der Anbaufläche sowie eine umsichtige Geschäftspolitik führten zu erheblichen Umsatzsteigerungen. Die Einbringung von Most stieg 1951 auf 513.000 Liter, 1964 auf 1.279.000 Liter, 1969 auf 1.436.000 Liter und 1970 auf 1.963.000 Liter. Daneben muss aber auch an die weniger guten Jahrgänge 1953 bis 1956 erinnert werden, als die Anlieferung jährlich nur 20.000 Liter Most betrug. Die Genossenschaft erweiterte in den Jahren 1952, 1959 und 1961 ihren Fassraum. 1964 schuf sie weiteren Fassraum für 250 Fuder in einem neu erbauten Kellerraum. Zusammen mit gemietetem Fassvolumen ergab sich nunmehr eine Gesamtkapazität von 2.000 Fudern. Über dem neuen Keller errichtete das Unternehmen 1966 eine neue Lagerhalle. Mit der Vergrößerung der Lagerkapazität mussten zeitgemäße Verarbeitungseinrichtungen angeschafft werden. Diese reichten vom Bau der ersten Abtropfanlage und dem Kauf einer neuen Kelter und einer halbautomatischen Abfüllanlage im Jahr 1958 sowie dem Erwerb einer Abbeermaschine 1959 über den Bau einer zweiten Abtropfanlage 1961 und dem Kauf einer zweiten Kelter bis hin zur modernen Kippanlage im Jahre 1969. Dies verkürzte die Wartezeiten der Anlieferer wesentlich. Die Trauben wurden jetzt einheitlich in
Und nach dem Herbsten alle schön aufstellen für ein Foto.
mit Planen bedeckten Rollen angeliefert. Die Generalversammlung am 15. April 1967 beschloss, die Genossenschaft von einer eGmuH in eine eGmbH (mit beschränkter Haftpflicht) umzuwandeln. Das einzelne Mitglied haftete nun nicht mehr mit seinem Privatvermögen, sondern nur noch mit seinen Geschäftsanteilen. An der alten Sitte, einen Teil des Winzergeldes in den Dorfwirtschaften auszuzahlen, wollte man festhalten. Die jährlich turnusmäßige Abwechslung unter den verschiedenen Lokalen verkörperte ein Stück alter Dorftradition. Bis 1935 waren nur Großverkäufe von Weinen im Fass möglich. Danach erfolgte bis 1958 eine schrittweise Umstellung des Vertriebs auf Flaschen. Heute werden etwa ein Viertel der Ernte im Fass, drei Viertel über die Flasche verkauft, zum Teil auch über Verkaufsstellen in Nachbargemeinden. Der Flaschenverkauf löste eine Zunahme der Weinsorten und eine Tendenz zu Spitzenweinen aus. Der Winzerverein war damals bestrebt, ältere Jahrgänge länger zu lagern, um dadurch eine Qualitäts- und Preiserhöhung zu erreichen. Im Jahr 1972 beging der Winzerverein sein 50-jähriges Jubiläum mit einem Festakt in der Meckenheimer Obstmarkthalle. In diesem Jahr erbaute die Genossenschaft eine Lagerstelle für 200.000 Flaschen. 1973 erfolgte die Umstellung von der 1958 angeschafften halbautomatischen Abfüllanlage auf eine vollautomatische Füllstraße. Ein neues Bürogebäude mit Probier- und Verkaufsräumen entstand 1975. In Erwartung einer weiteren Absatzsteigerung wurde
Hier wandern die Trauben gleich nach der Lese in die Traubenmühle.
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Konkurrenz für die Holzfässer: 1936 erbautes Zementfass im Meckenheimer Winzer.
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das Betriebsgelände um 1500 qm durch Geländetausch vergrößert. Im Jahre 1976 musste die 1969 neu errichtete Abladevorrichtung umgebaut werden, weil die Anlage die immer größer werdenden Traubenmengen nicht mehr zügig verarbeiten konnte. Gemeinsam mit dem Niederkirchener Winzerverein übernahm der Winzerverein 1977 die ehemalige Zentralkellerei der Rheinpfälzer Winzergenossenschaften in Mußbach. Dadurch erhöhte die Genossenschaft ihre Lagerkapazität einschließlich des Flaschenlagers auf 4,5 Mio Liter. 1978 schaffte sie sich zusätzlich eine Großtankpresse an. 1981 wurde eine 500 Meter lange unterirdische Pipeline zwischen den beiden Betriebsstätten gelegt. Die größte Ernte seit Bestehen des Winzervereins Meckenheim wurde 1982 mit 3,5 Mio kg Weintrauben verarbeitet. Im Jahre 1985 übernahm das Unternehmen die Niederkirchener Beteiligung an der früheren Zentralkellerei Mußbach für 1 Mio DM. Damit erhöhte sie ihre Kapazität auf 6,5 Mio Liter Fass- und Flaschenlager. 1983 installierte die Genossenschaft eine neue vollautomatische Flaschenfüllanlage. Abnehmer der Weine waren zu je einem Drittel Weingroßhandel, Gastronomie und Endverbraucher. Entwicklung und Mitgliederstand blieben bis um 1990 stabil. Danach traten wie auch bei anderen pfälzischen Winzergenossenschaften viele Winzer aus dem Winzerverein aus und gingen zur Selbstvermarktung über. Mitgliederschwund und Flächenschwund setzten der Genossenschaft auf die Dauer heftig zu. Die Generalversammlung des Winzervereins vom 8. Mai 2002 beschloss in Erwartung eines verbesserten Marketings die Umbenennung des Firmennamens in „Weinland Meckenheim eG, Neustadt-Mußbach“. Die wirtschaftlichen Bedrängnisse nahmen jedoch immer mehr zu. Die Verkaufszahlen für Rotwein gingen zurück. Die Betriebsanlagen an beiden Mußbacher Standorten waren inzwischen veraltet und erneuerungsbedürftig. Vorstand und Aufsichtsrat schätzten einen Investitionsstau von mindestens 1 Million Euro, dessen Abbau von der kleinen Genossenschaft nicht mehr finanziert werden konnte. Nach einigen Sondierungsgesprächen schlug die Verwaltung den Mitgliedern auf einer Versammlung am 28. Juli 2008 vor, mit dem Ruppertsberger Winzerverein Hoheburg einen Kooperationsvertrag abzuschließen. Entsprechend dem Vertragsinhalt sollte die Produktion in Mußbach völlig eingestellt werden. Vorgesehen war außer-
dem der Verkauf der Gebäude der ehemaligen Hauptkellerei. Die Mitglieder stimmten dem Vorschlag nahezu einstimmig zu. Durch die Lösung über eine Kooperation war die weitere Selbständigkeit der Winzergenossenschaft gewahrt. Aufgrund eines Beschlusses der Mitglieder führte die Genossenschaft wieder ihren alten Namen: Winzerverein Meckenheim eG. Aufgrund der zweijährigen positiven Erfahrungen der Mitglieder mit der Kooperation mit dem Ruppertsberger Winzerverein Hoheburg tendierten Vorstand und Aufsichtsrat des Meckenheimer Winzervereins zu einer Fusion der beiden Genossenschaften. Auf der Generalversammlung vom 7. Dezember 2010 beschlossen die Mitglieder, die vorgeschlagene Verschmelzung mit dem Ruppertsberger Winzerverein einzugehen. Die ehemalige Meckenheimer Vertriebsstelle „Weinland“ in Mußbach blieb erhalten. Über Mit vollen Zubern in das nunmehrige Tochterunternehmen „Meckenheimer Weinland den Winzerverein. GmbH“ werden die in Ruppertsberg ausgebauten Weine verkauft. Vorstandsvorsitzende des ehemaligen Winzervereins Meckenheim: Heinrich Heiberger, Ottmar Groß, Emil Groß, Karl Naumer (bis 1971), Robert Holzwarth (1971-1983), Edwin Härtel (19831993), Gerhard Guth (1993-2006), Bernd Kaufmann (2006-2010). Geschäftsführer: Anton Lutz, Alois Wilhelm, Eugen Damian, Karl Metz, Theo Handrich, Stefan Biehler und Jürgen Löwenmuth.
Die Zeit dieser großen Holzfässer ist längst vorbei.
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Historische Funde in Meckenheim Schon vor der Ortsgründung von Meckenheim etwa 500 n. Chr. haben in Meckenheim viele Völker ihre Spuren hinterlassen. In den letzten Jahrhunderten wurden viele davon entdeckt, meist beim Ausheben von Baugruben oder bei landwirtschaftlichen Arbeiten. Die Rheinebene war als Siedlungsraum beliebt, aber auch Durchzugsgebiet, die frühesten Spuren stammen aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Kelten, Römer, Franken lebten hier, mit entsprechenden Handelsverbindungen. Sie ließen Stein- und Bronzewerkzeuge oder Gussformen zurück, hinterließen Grabbeigaben, wertvolle Goldbrakteaten aus Südschweden, Reliefs, Steinsäulen, Keramik und Münzen. Die meisten Funde, die sie hinterlassen haben, befinden sich im Historischen Museum Speyer. Ein Besuch dort öffnet uns die Augen für die Menschen, die hier lebten, lange bevor Meckenheim das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Die in Meckenheim gemachten Funde geben uns einen Einblick in die frühe Geschichte unserer Heimat und ihrer Bewohner.
Gedenkstein für die im 14. Jahrhundert untergegangene Siedlung Schreinshausen.
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Gegossenes Bronzebecken, erste Hälfte des 7. Jahrhunderts, gefunden 1868.
Steinmeißel: Archiv und Museum Landau/Pfalz Bronzebecken: Historisches Museum Speyer
Steinmeißel aus kristallinem Gestein, Jungsteinzeit, 1911 in Meckenheim von Heinrich Platt gefunden.
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Zwei Goldbrakteaten (einseitig geprägte Schmuckscheiben, Durchmesser 5,5 und 2,6 cm), nach 500 n.Chr. in Sßdschweden entstanden.
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Goldbrakteaten: Kestner-Museum Hannover
Steinerne Gussform für Ohrringe (900-800 v.Chr.).
Steinerne Gussform für Pfeilspitzen (900-800 v.Chr.).
Steinerne Gussform für Ringlein (900-800 v.Chr.).
Funde Seite 339-347: Historisches Museum Speyer
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Rรถmischer Viergรถtterstein aus grauem Sandstein mit mythischen Figuren, stark verwittert. 110 x 51 x 30 cm, 1821 gefunden.
Juno mit einer Schale in der Hand, neben dem rechten Bein ein Pfau.
Hercules mit Lรถwenfell.
Minerva mit Helm, Schild und Lanze.
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RĂśmischer Block mit vier Reliefs: Kampf zwischen Mars (mit Helm, Schwert und Schild) und Gigant (mit Ast in der Hand).
Schwebender Genius mit Kranz.
Kämpfender Gigant.
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Ein Glücksfall für Meckenheim, dass Walter Sattel sich bereit erklärte, die Meckenheimer Ortschronik von Georg Feil fortzuschreiben. Mit viel Sorgfalt bereitet der Autor des Familienbuchs die Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts in Meckenheim auf. Er beleuchtet die Zeit der beiden Weltkriege, des Dritten Reichs, vernachlässigt auch nicht die dunklen Seiten, zeigt die wirtschaftliche und politische Entwicklung und das rasante Wachsen des Dorfes sowie die Entwicklung der Vereine. Sattel macht den zweiten Band der Meckenheimer Ortschronik zu einem Buch, in dem die Meckenheimer ihren Ort aus neuer Sicht wiedererkennen, und stellt den Neubürgern eine Gemeinde vor, in der es sich zu leben lohnt.
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ISBN 978-3-9805123-9-8