AUF NACH WESTEN! Textbuch

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Textbuch (dt.)

AUF NACH WESTEN! (PAINT YOUR WAGON)

Buch und Gesangstexte von ALAN JAY LERNER

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Musik von FREDERICK LOEWE

Deutsch von HOLGER HAUER (2018)

Bühnenvertrieb in Deutschland:

Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH

Bahnhofstraße 44-46 | 65185 Wiesbaden ----------------------------------------------------------------e-mail: post@musikundbuehne.de Internet: www.musikundbuehne.de rev. 07/18


Alle Rechte vorbehalten. Hierzu zählen insbesondere das Recht der Übersetzung, Verfilmung und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und sonstige Medien, der mechanischen Vervielfältigung und der Vertonung (Neuvertonung), die Verwendung zu Bühnenzwecken, Vorlesungen und Aufführungen, gleich ob von Amateur- oder Profibühnen sowie anderen Interessenten.

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Text, Komposition sowie Text- und Musikmaterial des Bühnenwerks werden Bühnen / Veranstaltern ausschließlich für Zwecke der Aufführung nach Maßgabe des jeweiligen Aufführungsvertrags zur Verfügung gestellt. Jede darüber hinausgehende Verwertung von Text und /oder Musikmaterial des Bühnenwerks bedarf der ausdrücklichen vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für dessen Vervielfältigung, Verbreitung, elektronische Verarbeitung, Übermittlung an Dritte und Speicherung über die Laufzeit des Aufführungsvertrags hinaus. Die vorstehenden Sätze gelten entsprechend, wenn Bühnen / Veranstaltern der Text oder das Musikmaterial des Bühnenwerks ohne vorherigen Abschluss eines Aufführungsvertrages zur Ansicht zur Verfügung gestellt wird. Weitere Einzelheiten richten sich nach den zwischen Bühnen / Veranstaltern und Verlag getroffenen Vereinbarungen. Dieser Text und die damit verbundene Komposition gilt bis zum Tag der Uraufführung / deutschsprachigen Erstaufführung / bis zur Erstübersetzung / der Neuübersetzung als nicht veröffentlicht im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Es ist nicht gestattet, vor diesem Zeitpunkt das Werk oder einzelne Teile daraus zu beschreiben oder seinen Inhalt in sonstiger Weise öffentlich mitzuteilen oder sich öffentlich mit ihm auseinanderzusetzen. Nicht vom Verlag genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt. Dieses Material darf weder verkauft, noch verliehen, noch sonst irgendwie weitergegeben werden.

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Wird das Stück nicht zur Aufführung angenommen, so ist das Manuskript umgehend zurückzusenden an:

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Inhaltsverzeichnis (Nr. 9 und 18 sind gestrichen)

Besetzung .......................................................................................................................................................... 3 Hauptrollen ............................................................................................................................................................................. 3 Besetzungen aus dem Chor mit Soloeinsätzen ......................................................................................................... 4 Solotänzer ................................................................................................................................................................................ 5 Weitere Rollen ........................................................................................................................................................................ 5

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Szenenfolge ...................................................................................................................................................... 6 #1 – Ouvertüre ....................................................................................................................................................................... 7 1. Akt ........................................................................................................................................................................................... 7 1. Szene .............................................................................................................................................................. 7 #2 – Einleitung zur Szene ................................................................................................................................................. 7 #3 – Bin geboren, um durch die Welt zu ziehn – Opening .................................................................................. 8 2. Szene ........................................................................................................................................................... 11 #4 – Auf nach Westen ...................................................................................................................................................... 11 #4a – Auf nach Westen – Exit ....................................................................................................................................... 17 3. Szene ........................................................................................................................................................... 17 #4b – Rumson Town ......................................................................................................................................................... 17 #5 – Was ist nur los hier? ............................................................................................................................................... 22 #6 – Ich red’ mit dem Baum .......................................................................................................................................... 28 #6a – Baum Tanz ............................................................................................................................................................... 29 #6b – Baum Reprise .......................................................................................................................................................... 30 #7 – Einsame Männer ...................................................................................................................................................... 33 #8 – Der Wind heißt nur Maria ................................................................................................................................... 34 #10 – Was ist nur hier los .............................................................................................................................................. 35 3. Szene ........................................................................................................................................................... 35 # 11 – Ich seh noch Elisa ................................................................................................................................................. 38 # 12 – Oh, und ich wart’ .................................................................................................................................................. 41

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5. Szene ........................................................................................................................................................... 43 #13 – Auf nach Westen Reprise ................................................................................................................................... 43 #14 – Terzett ....................................................................................................................................................................... 48

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6. Szene ........................................................................................................................................................... 49 #15 – Rumson Town Reprise ........................................................................................................................................ 49 #16 – Ich bin mittendrin ................................................................................................................................................. 58 #17 – Whoop-Ti-Ay ........................................................................................................................................................... 60 #19 Whoop-Ti-Ay – Exit .................................................................................................................................................. 64 7. Szene ........................................................................................................................................................... 64 #20 – Carino Mio ................................................................................................................................................................ 66 8. Szene ........................................................................................................................................................... 67 #21 – Hör’ die Kutsche, sie kommt ............................................................................................................................. 67 9. Szene ........................................................................................................................................................... 70 #22 – Fandangos Auftritt und Tanz .......................................................................................................................... 70 #23 – Fandangos Abgang .............................................................................................................................................. 70 #24 - Finaletto .................................................................................................................................................................... 70


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2. Akt ........................................................................................................................................................................................ 72

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10. Szene ......................................................................................................................................................... 72 #26 – Hol mir mal ‘ne Flasche Bier ............................................................................................................................ 72 #27 – Springseiltanz (Rope Dance) ........................................................................................................................... 73 #28 – Can-Can ..................................................................................................................................................................... 75 #28b – Can – Can Exit ...................................................................................................................................................... 75 #29 – Umzugsmotiv .......................................................................................................................................................... 76 #30 – Wenn der Herbst kommt ................................................................................................................................... 78 #31 – Einleitung zu: Ich gehe ....................................................................................................................................... 81 2. Szene ........................................................................................................................................................... 81 # 32 – Ich gehe .................................................................................................................................................................... 81 # 32a – Ich gehe - Exit ..................................................................................................................................................... 84 #33 – Einleitung zur 3. Szene ....................................................................................................................................... 85 3. Szene ........................................................................................................................................................... 85 # 34 – Elisa – Begleitmusik ........................................................................................................................................... 87 # 35 – Schraub die Räder vom Wagen ..................................................................................................................... 90 # 36 – Einleitung zur 4. Szene ...................................................................................................................................... 92 4. Szene ........................................................................................................................................................... 92 # 37 - Begleitmusik ........................................................................................................................................................... 93 # 37a – Ich red’ mit dem Baum .................................................................................................................................... 94 # 37 – Einleitung zu 5. Szene ........................................................................................................................................ 95 5. Szene ........................................................................................................................................................... 95 # 39 – Fandango Abschied & Rumson Town Reprise ......................................................................................... 99 # 40 – Das Gold ................................................................................................................................................................. 101 # 40a – Hol die Tasche vom Wagen ......................................................................................................................... 104 6. Szene ......................................................................................................................................................... 104 # 41 – Bin geboren, um durch die Welt zu ziehn – Reprise ........................................................................... 104 # 42 – Einleitung zu 7. Szene ...................................................................................................................................... 105

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7. Szene ......................................................................................................................................................... 105 # 43 – Begleitmusik ........................................................................................................................................................ 107 # 44 – Bin geboren, um durch die Welt zu ziehn – Finale .............................................................................. 111 # 45 – Ausgangsmusik ................................................................................................................................................... 111


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Besetzung

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Hauptrollen

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Ben Rumson - ein umgänglicher Mann mittleren Alters. Er ist Bürgermeister, Gründer, Richter, Kommissar und Bezirksbeamter von Rumson Town. Ben hält zu lange ausufernde und abschweifende Reden und spielt auch noch Gitarre. (der Gitarrenpart für die Bühne ist im Orchestermaterial notiert). Ein Goldgräber mit viel Erfahrung und der Vater von Jennifer. Jennifer Rumson - die 18jährige Tochter von Ben. Zu Beginn noch recht burschikos entwickelt sie sich sich zu einer wundervollen jungen Frau. Sie ist in Julio verliebt. Julio Valveras - ein Mann Mitte zwanzig. Er hat den dunklen Teint seiner mexikanischen Vorfahren. Er ist liebevoll und sensibel, aber in seinen Augen lodern unerfüllte Träume. Er ist in Jennifer verliebt. Steve Bullnack - ein Goldgräber Jack Whippany - ein Goldgräber, in den Dreißigern, aber mit einem berührenden Jungencharme. Er spielt Banjo. Elizabeth Woodling - eine Frau von Jakob, um die dreißig. Sie ist sehr hübsch aber nicht allzu helle im Kopf. Sarah Woodling - die andere Frau von Jakob. Auch um die dreißig. Sie ist eine eingebildet und herablassende Frau mit unbarmherzigen, kalten Augen. Jakob Woodling - ein großer, eintöniger und langweiliger Mann, Mitte bis Ende dreißig. Er ist wie ein Wanderprediger gekleidet. Sein Gesicht wird von einem gepflegten, aber unattraktiven Bart umrahmt.


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Besetzungen aus dem Chor mit Soloeinsätzen

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Sandy Twist - ein Goldgräber, Anfang vierzig. Er ist ausgemergelt, verkniffen und bebrillt. Reuben Sloan - ein Goldgräber, zottelig und schmutzig. Er ist der ‘Stadtganove’. Edgar Crocker - ein Cockney (Ur-Londoner) Ende dreißig. Er ist sauber rasiert, trägt eine Melone. Eigentlich nicht besser gekleidet als die anderen, macht er trotzdem den Eindruck eines pingeligen Herrn. Sam - ein bärtiger Goldgräber Joe - ein Goldgräber und Kartenspieler Bill - ein Goldgräber Ed - ein Goldgräber Jack - ein Goldgräber Walt - (ohne Sprechtext) ein Goldgräber mit Solosatz in „ Movin“ Johansen - (ohne Sprechtext) ein schwedischer Goldgräber, Solosatz mit starkem Akzent in „ Movin“ Dritter Mann -(ohne Sprechtext) ein Goldgräber mit Solosätzen in „The Strike“


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Solotänzer

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Pete Billings - ein Goldgräber, Solotänzer in „Lonely Man“, und mit Yvonne in „ Rope Dance“ und „ Another Autumn“ Yvonne Sorel - eines der Fandango Girls. Sie ist Solotänzerin in „ Fandangos’ Entrance and Dance“ und mit Pete in „Rope Dance“ Suzanne Duval - (ohne Sprechtext) ein französisches Fandango Girl, Solotänzerin in „Can - Can“ Rocky - (ohne Sprechtext) ein unbeholfener, junger Bursche, von Suzanne ausgewählter Tanzpartner in „Can - Can“

Weitere Rollen

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Salem Trumbull - ein Goldgräber, der der Besitzer und Betreiber des Gemischwarenladens in Rumsen wird. Ein gebildeter, praktisch veranlagter New England Yankee Ende vierzig. Cherry Jourdel - Ende zwanzig, wirkt aber älter. Dunkel, strahlende Augen und einen deutlich französischen Akzent. Sie ist Jakes Freundin und die Organisatorin der Fandango Girls. Mike Mooney - ein junger, irischer Goldgräber mit starkem Akzent Hank - ein Goldgräber. Er ist der, von dem Reuben Gold nahm Raymond Janney - ein sehr schick gekleideter, professioneller Spieler Elsie Smith - ein Fandango Girl Mary - ein Mädchen auf der Straße Jane - ein Mädchen auf der Straße Mann 1 - ein Goldgräber Mann 2 - ein Goldgräber Jasper - ein bärtiger Goldgräber Dutchie - (ohne Sprechtext) Besitzer und Barkeeper in „ Dutchies Salon“ Coachman (ohne Sprechtext) der Postkutscher Goldgräber, Fandango Girls und Bewohner von Rumson


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Szenenfolge 1. Akt

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1. Szene – Kalifornien im Jahre 1883. Wie befinden uns in der äußerst hügeligen Region östlich von San Francisco. Und der Ferne sehen wir Hügel und baumbewachsene Berge, die sich am Horizont bis in den Himmel strecken. Auf der Bühne liegt ein kleiner Erdhügel, der sich als improvisiertes Grab herausstellt. Es ist früher Abend. 2. Szene – Verschiedene Gegenden von Kalifornien 3. Szene – Vor Salem Trumbulls Gemischtwarenladen. 4. Szene – In Ben Rumsons Blockhütte. 5. Szene – Auf einem Hügel in der Nähe von Rumson. Ein Zelt mit einem Feuer davor. 6. Szene – In „ Dutchies Saloon“. Ein wild durcheinander möblierter Saloon, in dem auf der einen Seite der Schwingtüren Bar und Brüstung, auf der anderen ein eiserner Ofen zu sehen sind. 7. Szene – Vor Julio Valveras Blockhütte. Eine Bank steht neben dem Eingang. 8. Szene – Auf dem Weg zu Marktplatz von Rumson. 9. Szene - Marktplatz von Rumson. Auf der einen Seite die Fassade von Salems Gemischtwarenladen, mittlerweile ein richtiges Warenhaus, auf der anderen „Dutchies Saloon“. Die Postkutsche ist angekommen. 2. Akt

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1. Szene – In „ Jakes Palace“, ein kitschig, bunter Raum mit einer langen Bar im Hintergrund. Rechts neben dem Eingang sind Stufen, die zum Balkon über der Bar führen. Vom Balkon führen mehrere Türen zu einzelnen Zimmern. 2. Szene – Eine Straße in Rumson Town. 3. Szene – In Ben Rumsons Blockhütte, es ist Winter. 4. Szene – Eine Straße in Rumson Town. 5. Szene – In „Jakes Palace“. 6. Szene – In den Bergen in der Nähe von Rumson Town. 7. Szene – Marktplatz. Man sieht, dass die Stadt langsam zu einer Geisterstadt wird. Am Ende der Szene erkennt man im Hintergrund den „Wilden Westen“ und Menschen, die sich dorthin auf den Weg machen.


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#1 – Ouvertüre

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(musik. Übergang)

1. Akt

1. Szene

#2 – Einleitung zur Szene

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Es ist früher Abend in den kalifornischen Bergen. (Geographisch ist dieses Gebiet das Hinterland von San Francisco, ungefähr auf halbem Wege zur Grenze nach Nevada. In der Ferne sehen wir Hügel und baumbewachsene Berge, die sich am Horizont bis in den Himmel strecken. Auf der Bühne liegt ein kleiner Erdhügel, der sich als improvisiertes Grab herausstellt. Die Zeit: Mai 1883. Wir sehen: Zwei bärtige Goldgräber, SAM und JASPER schaufeln Erde in das Grab. Auf der einen Seite steht SALEM TRUMBULL. Nicht weit von ihm sitzt BEN RUMSON auf einer Kiste. BEN hält seine Gitarre in den Händen, die er immer wieder gerne spielt. (die Musik stoppt für den Dialog) SAM Armer Jim. Zu schade, dass er nicht lang genug gelebt hat, um es bis nach Sonory-Town zu schaffen. Ich hasse es, ihn hier zurückzulassen – mitten im Nirgendwo. SALEM Das war das schlimmste Feuer, das ich je gesehen habe. BEN Yep, es war wirklich schlimm, aber ich habe schon mal ein größeres gesehen. Oben in Maryville, vor ein paar Jahren. Das Feuer brach im nördlichen Teil der Stadt aus und fraß sich dann erbarmungslos runter zum südlichen Teil. Als sie es im Süden endlich gelöscht hatten, hatten sie den Norden schon wieder aufgebaut. (JENNIFER tritt auf)


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(BEN) Hast du den Maultieren Wasser gegeben? JENNIFER Ja Pa, ich hab den Maultieren Wasser gegeben. BEN Sobald sie ihn verbuddelt haben, ziehen wir weiter. JENNIFER Weiter, weiter, immer weiter. Pa, werden wir irgendwann mal anhalten? BEN Ich glaube nicht, Süße. Manche Leute sind geboren, um weiterzuziehen, manche, um irgendwo zu bleiben...und ich? Also...

#3 – Bin geboren, um durch die Welt zu ziehn – Opening

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BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN EINE FESTE HEIMAT IST NICHT WAS ICH SUCH SESSHAFT WERDEN IST EIN GREUL UND WEITERZIEHN EIN FLUCH BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN KAUM WAR ICH GEBOREN, HIESS ES: KOMM WIR MÜSSEN GEHN, ZIEH DICH AN, WIR SCHAUN JETZT ERSTMAL WIE DIE STERNE STEHN WOLLTE IMMER BLEIBEN, UND BLIEB DOCH AN KEINEM ORT SPÜRTE JEDESMAL: ICH MUSS WIEDER FORT BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN ICH WAR AN VIELEN ORTEN UND VIELE WAREN SCHÖN DOCH WENN ICH SIE AM SCHÖNSTEN FAND DA MUSST ICH WIEDER GEHEN


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Siehst du die Sterne da oben? Jeder einzelne ist die Seele eines Mannes. Und wenn der Stern weiterwandert, muss der Mann ihm folgen. (ER zeigt nach oben) Da ist meiner. Der hellste! (JENNIFER schüttelt eine Faust gen Himmel und BEN singt wieder) BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN KOMM ICH IN DEN HIMMEL, BIND MICH LIEBER AN WEIL, WENN DU ES NICHT TUST, ICH EINFACH WEITERWANDERN KANN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN (Die Musik bricht ab) SAM Hey, Ben! Irgendwie gefällt es mir nicht, ihn hier zurückzulassen und weiterzuziehn. JENNIFER Yeah, Pa, du weißt, was der Herr von Goldgräbern hält. BEN Ja, das stimmt wohl. Also los, auf die Knie. Ich regel das. (ALLE knien nieder. JENNIFFER rechts von Ben, die ANDEREN links. BEN nimmt ‘priesterlich’ seinen Hut ab) Herr, mein Name ist Ben Rumson. Ich bin kein Pfarrer, also hoffe ich, dass du mir verzeihst, dass ich dich einfach so anspreche. Der einzige Grund warum ich das tue ist weil, Jim Newberry hier war ein Freund von uns und bevor du dir ein vorschnelles Urteil über ihn bildest will ich ein paar Worte zu seiner Verteidigung sagen. SAM Sehr gut, Ben. BEN Er war ein guter Mann, Herr. In vierzehn Camps habe ich mit ihm nach Gold geschürft, und er hat nie einen fremden Claim betreten. Hat nie was genommen, was nicht ihm gehört hat, nie zu viel getrunken... außer dieses eine Mal, als er so verdammt besoffen war, dass er nicht mal mitbekommen hat, dass die Stadt abgebrannt ist… was mich daran erinnert, Herr, danke, dass du mich und meine Tochter Jennifer verschont hast.


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SAM Erzähl ihm von Jim. BEN Sie ist achtzehn Jahre alt und kann weder lesen noch schreiben, aber ich verspreche dir, sollte ich jemals eine ergiebige Goldmine finden, schicke ich sie nach Osten, wo sie zu einer richtig feinen Lady erzogen wird, so wie ihre Mutter eine war, die du ja schon kennengelernt hast. SAM Komm zurück zu Jim. (Plötzlich hebt JENNIFER etwas Glänzendes auf…) BEN Das tue ich. Herr, wie ich schon gesagt habe, Jim war ein hart arbeitender Mann, der nie das bekommen hat, was er eigentlich verdient hätte – genau wie ich. Tag für Tag waren wir die ersten beim graben – JENNIFER Pa! Papa! BEN Sei ruhig! Und Nacht für Nacht die Letzten, die Schluss gemacht haben. Und was hat es uns gebracht? Nichts! Oh verdammt, Herr, du schuldest ihm eine richtig gute Ewigkeit und wenn du nicht zu beschäftigt bist, wirf ruhig auch mal ein Auge auf mich. JENNIFER (zieht an seinem Hosenbein) Pa! Es ist Gold! Gold! (Als die anderen drei Goldgräber, SAM, JASPER und SALEM das Wort ‘Gold’ hören, reißen sie die Augen auf. Ben spricht weiter und die DREI beginnen ganz langsam auf den Knien Richtung Jennifer zu rutschen) BEN Was habe ich von all dem Schweiß und den Tränen, die ich auf dieser Erde vergossen habe? (BEN bemerkt plötzlich, dass sich die Männer bewegen und dass Jennifer einen glänzenden Klumpen in ihrer Hand hält. Langsam spricht er weiter, während er die Situation einschätzt) Ich habe kein Zuhause – kein Geld – kein Glück. Nichts, außer meinem Kind. Muss ich erst wie Jim sterben, um etwas zurückzubekommen?


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JENNIFER (voller Ekstase) Guck, Papa! Gold! Gold! BEN Wie auch immer, hier ist Jim, Herr. Ich hoffe, du machst ihn da oben glücklich… (gerade als sich die Männer auf die Stelle stürzen wollen, bringt BEN die Grabrede blitzschnell zu Ende und Stellt seinen Fuß auf besagte Stelle) …für jetzt und bis in alle Ewigkeit – erkläre – ich – diesen – Claim – zu – meinem – Besitz – Amen! (Die MUSIK der nächsten Nummer setzt ein, geht weiter während des Szenenwechsels und geht dann in Gesang über) (Die drei MÄNNER und JENNIFER blicken hoch zu BEN, der den Kopf zurückwirft der ein triumphales Lachen hören lässt, das sich zu einem Gebrüll steigert) (Black out)

2. Szene

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Verschiedene Gegenden in Kalifornien. Verschiedene Gruppen werden vom Licht erfasst. Die Szene springt von einer Seite der Bühne zur anderen. Die MUSIK unterlegt das Ganze aufgeregt und unterstreicht alles durch den charakteristischen Klang des Banjos. Die ersten, die sichtbar werden, sind STEVE BULLNACK und PETE BILLINGS STEVE Pete, ich gehe nachWesten. Ein Franzmann kam hier durch und erzählte, dass so ein alter Verlierer mit Namen Rumson auf eine Goldmine gestoßen ist. Zehn Yards breit und hundert Yards lang. (9 Meter breit und 91 Meter lang) PETE Wohin nach Westen? STEVE (lächelt) Das werde ich wissen, wenn ich da bin.

#4 – Auf nach Westen WO WERD ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WAS WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG


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WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG WANN WERD ICH DA SEIN? WEISS ES NICHT. WIE WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG. WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG WENN DU TRÄUMST DANN TRÄUME GROSS AUF NACH WESTEN ES GEHT LOS WO WERD’ ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WIRD ALLES BESSER? KEINE AHNUNG. DAFÜR GIBT ES WIRKLICH KEIN’N BELEG EGAL, DENN WIR SIND JETZT AUF DEM WEG (die MUSIK geht unter dem Dialog weiter) (Das Licht über den Beiden erlischt und geht an über JAKE WHIPPANY und CHERRY JOURDEL. JAKE ist um die Dreißig, hat aber etwas berührend Jungenhaftes an sich. CHERRY ist Ende Zwanzig, wirkt aber älter als Jake. Sie hat strahlende, dunkle Augen und einen französischen Akzent. JAKE verschließt eine Reisetasche Daneben liegt ein Banjo. CHERRY Du musst wirklich los, Jake? Du musst mich verlassen? JAKE Ich muss, Cherry. Hier gibt es nichts als Schiefer. CHERRY Wohin wirst du gehen? JAKE Irgendwohin westlich von Sonora. Hab gehört, so ein Kerl namens Rumson hat eine Goldader gefunden. Eine halbe Meile breit und drei Meilen lang. Und weißt du, was ich mache, wenn ich da bin? Ich eröffne das verdammt nochmal beste Varietétheater, das Kalifornien jemals gesehen hat. Überall Samt und Satin. Und echte französische Weine. CHERRY Und dann sagst du mir Bescheid, ich schließe mein Haus und komme mit meinen Mädchen zu dir. Wir werden die Goldgräber sehr glücklich machen. JAKE (nimmt sie in seine Arme) Ja, Liebling. Das werden wir.


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CHERRY Lass mich nicht zu lange warten. Ich möchte dir gern treu bleiben. JAKE Keine Angst, Liebling. (ER küsst sie leidenschaftlich und nimmt sein Banjo) Komm, kleines Banjo. Führe mich zum Regenbogen.

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(JAKE) WO WERD ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WAS WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG WANN WERD ICH DA SEIN? WEISS ES NICHT. WIE WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG. WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG SECHS GOLDGRÄBER WENN DU TRÄUMST DANN TRÄUME GROSS AUF NACH WESTEN ES GEHT LOS (die MUSIK geht weiter:) (das LICHT geht über SANDY TWIST und MIKE MOONY an. Sandy ist ein ausgemergelter, verkniffener und bebrillter Mann Anfang vierzig. Mike ist ein junger Ire mit einem starken Akzent. SIE machen gerade eine Rast auf ihrem Weg und SANDY studiert eine Karte.) MIKE Ich will rüber nach Westen Sandy. Ich habe einen alten Mann in Sacramento getroffen, der hat bei allen Heiligen geschworen, dass da oben einen See voller Gold gibt. Hörst du mir zu? Einen ganzen See, dessen Boden aus purem Gold besteht. SANDY Ich gehe nach Rumson Creek. Ich habe gehört, sie haben eine Goldmine entdeckt, die zehn Meilen breit und einhundert Meilen lang ist. Kommst Du mit? MIKE (geschlagen) Ok ich komme mit! SANDY WO WERD ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WAS WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG (das LICHT dimmt runter und geht über den sechs Goldgräbern an:)


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SECHS GOLDGRÄBER WANN WERD ICH DA SEIN? WEISS ES NICHT. WIE WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG. WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG WENN DU TRÄUMST DANN TRÄUME GROSS AUF NACH WESTEN ES GEHT LOS (die MUSIK geht weiter:) (das LICHT geht über REUBEN SLOANE und EDGAR CROCKER an. Reuben ist zottelig und schmutzig. Crocker ist ein Cockney (Urlondoner) Ende dreißig. Er ist sauber rasiert, trägt eine Melone. Eigentlich nicht besser gekleidet als die anderen, macht er trotzdem den Eindruck eines pingeligen Herrn.) CROCKER Sagen Sie, mein Herr, ziehen alle weg? REUBEN So ist es. CROCKER Und wohin führt der Weg? REUBEN Nach Rumson Creek. Die Jungs das haben eine Goldader gefunden, so breit und lang, dass man sie gar nicht messen kann. CROCKER Kolossal! REUBEN Man braucht vier Tage, auf einem schnellen Pferd, um vom einen Ende zum anderen zu kommen. Wollen Sie mitkommen? CROCKER Mit dem größten Vergnügen, mein Herr. SANDY Und wer genau sind Sie, Kumpel?


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CROCKER Edgar Crocker, aus London, England. SANDY Na dann los, Edgar Crocker aus London, England. SANDY, CROCER & REUBEN WO WERD ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WAS WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG ALLE MÄNNER (GOLDGRÄBER) WANN WERD ICH DA SEIN? WEISS ES NICHT. WIE WIRD DAS ZIEL SEIN? KEINE AHNUNG. WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG WENN DU TRÄUMST DANN TRÄUME GROSS AUF NACH WESTEN ES GEHT LOS WO WERD’ ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WIRD ALLES BESSER? KEINE AHNUNG. DAFÜR GIBT ES WIRKLICH KEIN’N BELEG EGAL, DENN WIR SIND JETZT AUF DEM WEG (das LICHT zieht ein und die MUSIK schwillt an) (wenn das Licht wieder heller wird ist die Bühne mit Goldgräbern gefüllt. Alle tragen Hacken und Schaufeln und ihre Hüte im Nacken. Ihre Augen blicken hoffnungsvoll. Der Hintergrund ist ein strahlender Morgen über kalifornischer Landschaft. Man sieht einen gammeligen Wegweiser mit der Aufschrift ‘Rumson’. Die MÄNNER singen gemeinsam) WENN DU TRÄUMST DANN TRÄUME GROSS AUF NACH WESTEN ES GEHT LOS WO WERD’ ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WANN WERD’ ICH DA SEIN? KEINE AHNUNG. WAS IST DER LOHN?...... BELEG EGAL, DENN WIR SIND JETZT AUF DEM WEG


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#4a – Auf nach Westen – Exit (Die MUSIK leitet über zu:)

3. Szene

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(Vor Salems Gemischtwarenladen. Der Laden hat eine Veranda auf der Vorderseite, fast wie einen breiter Bordstein. Auf der Veranda liegen zusammengerollte Decken und im Fenster steht auf einem Schild: Pfannen 5 $ Hacke 6 $ Schaufel 6 $ Schinken 3 $/Pfund Eier 25 Cent/Stück Bohnen 1 $/Pfund Übernachtung 1 $/ pro Nacht Zeit: früher Abend – zwei Monate später BEN lehnt an einer Kiste, singt und begleitet sich selbst auf der Gitarre. STEVE, MIKE und SANDY stehen beisammen in stillem Gespräch. SALEM wiegt Gold auf einer kleinen Waage. Ein paar andere, darunter JAKE, CROCKER und RUBEN reinigen ihre Werkzeuge.

#4b – Rumson Town

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VIERHUNDERT KAMEN HIER NACH RUMSON TOWN VIERHUNDERT KAMEN HIER NACH RUMSON TOWN MANCHE KAMEN AUS ALBANIEN, AUS CHINA, FRANKREICH, SPANIEN KAMEN ALLE FÜR DAS GOLD VON RUMSON TOWN JA, ES WAR’N VIERHUNDERT MANN IN RUMSON TOWN JA, ES WAR’N (WIE GESAGT) VIERHUNDERT MANN IN RUMSON TOWN ES GAB SCHNAPS UND WAS ZU KAUEN ABER LEIDER KEINE FRAUEN ES WAR’N NUR VIERHUNDERT MANN IN RUMSON TOWN (MUSIK BLEIBT UNTER DIALOG LIEGEN) SALEM (gibt Ben drei Säckchen) Hier ist dein Gold, Ben. 28 Unzen. BEN 28 Unzen. Mann, Mann. Salem, das sind die schönsten Worte, die du jemals gesagt hast.


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(BEN überquert die Bühne und steht plötzlich direkt vor MIKE, STEVE und SANDY) MIKE Du musst inzwischen ja einiges an Gold gebunkert haben, was, Ben? BEN Vielleicht ja, vielleicht nein. Worauf willst du hinaus? MIKE Wird dir Salem sagen. (SALEM kommt und stellt sich zu MIKE, STEVE und SANDY) BEN Salem. MIKE Wir waren so oft bei dir, um mit dir zu reden, aber du wolltest nie zuhören. Also haben wir Salem gefragt, ob er in unserem Namen mit dir sprechen will. Also los. SALEM Also, Ben, es gibt ein Problem in der Stadt, ein Problem, das wir lösen müssen… MIKE Wir sind jetzt vierhundert, Ben. Vierhundert Männer und nur eine einzige Frau. Deine Tochter. Vierhundert zu eins, das ist, auf der einen Seite, nicht gut – aber auf der anderen Seite ist es noch schlimmer. Es ist einerseits nicht schön, etwas zu vermissen, was du nicht haben kannst. Aber es ist andererseits noch viel schlimmer, ständig etwas zu sehen, was du nicht haben kannst. Stimmt’s nicht, Steve? STEVE Ja, das stimmt. MIKE Jetzt sag ihm das mit dem Gold, Salem. SALEM Weißt du, Ben…


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MIKE Du hast jetzt genug Geld, um sie nach Osten zu schicken. Wir wollen nicht, dass ihr etwas passiert. So wahr ich hier stehe… BEN So wahr ich hier stehe, wird ihr nichts passieren. Was ist los mit euch, Jungs? Wie könnt ihr mich bitten, ein kleines Mädchen ganz allein gen Osten zu schicken? Sie ist viel zu jung. Wenn sie groß ist, wird sie gehen. SANDY Verdammt, Ben. Sie ist groß, und ich habe gestern… MIKE Warte Sandy, lass Salem erzählen. SALEM Sandy war gestern im Wald, Ben… MIKE Yeah, ganz allein im Wald. Und da ist er ihr begegnet. Niemand war da. Nur die beiden. BEN Und was ist passiert? MIKE Nichts. Das ist passiert. Überhaupt nichts. Aber der arme Kerl hat fast einen Herzkasper bekommen. Als sie weg war, haben seine Hände so gezittert, dass er den ganzen Goldstaub fallengelassen hat und der Wind hat alles weggeblasen. SANDY Hat mich fünfzig Dollar gekostet! Einen ganzen Tageslohn! MIKE Schick sie nach Osten, Ben! BEN Nein! Ich hab’s euch gesagt und ich sage es euch nochmal. Nein! Ich schicke sie nach Osten, wenn ich es will, nicht einen Augenblick früher. Habt ihr das kapiert? Das mit deinen fünfzig Dollar tut mir leid, Sandy. Wenn es das nächste Mal windig ist, dann mach deine Hände fest zu.


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(BEN geht. Die MÄNNER grinsen dümmlich) JAKE 28 Unzen hat er heute gemacht. Mehr als ich in einem ganzen Monat. CROCKER Ich sag dir was, Jake, mein Junge. Du kannst morgen meine 40 Fuß übernehmen. Ist ein guter Claim. Ich zieh weiter die Berge rauf. JAKE Dank dir, Crocker. Aber ich geh morgen nach Bedrock. (bei der Erwähnung von Bedrock schauen ihn alle mit Tränen in den Augen an) CROCKER Grab nicht unter Felsen. Du kannst verschüttet und zermalmt werden. JAKE Ich muss was tun! Ich werde sonst verrückt! REUBEN Warum fragst du nicht den Mexikaner, der hinterm Berg wohnt, ob er für dich arbeiten will? Die Mexikaner haben ne Menge Erfahrung. JAKE Hab ich. Er will nicht. REUBEN Sag ihm, dass er muss! Verdammte Mexikaner. Wann lernen die endlich, dass das hier nicht mehr ihr Land ist?! (JENNIFER kommt. SIE trägt jetzt ein Baumwollkleid mit Karo-Muster) JENNIFER Salem, ist der Inder aus San Franzisco heute angekommen? SALEM Schönen guten Tag.


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JENNIFER (fröhlich zu den anderen) Howdy. (ALLE machen einen Schritt zurück und bleiben stumm) Hat er die Wäsche gebracht? SALEM Nächsten Monat. SANDY Warum bleibst du nicht im Haus und wäschst selber? (ER dreht sich auf seinem Absatz um) JENNIFER Ich habe die Läuse nicht kaputtgekriegt. SANDY Aaaaah! (ER verschwindet im Saloon) JENNIFER Was ist denn mit dem los, Mike? (MIKE zieht sich zurück) Crocker, was soll denn….? (Crocker zieht sich zurück) Jake, warum gehen…? (Jake zieht sich zurück) Salem, was ham die denn alle? Diese Kerle werden von Tag zu Tag seltsamer.

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#5 – Was ist nur los hier?

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(JENNIFER) ICH HABE VIELE CAMPS GESEH’N AUCH SOLCHE, WO MANCH ARMER MANN ZU GELD KAM DOCH DIESES CAMP IST ANDERS, DENN DIE MÄNNER DIE BENEHMEN SICH SO SELTSAM. WAS IST HIER LOS? WAS IST GESCHEHN? WIE DIESE STADT SICH AUFFÜHRT KANN BEIM BEST- EN WILLEN KEINE FRAU VERSTEH’N SETZ MICH HIN, SCHNÜR MEINE SCHUH UND JEDES MAL, WENN ICH DAS TU SEH ICH DAS HUNDERT MÄNNER UM MICH STEHN WAS IST NUR LOS HIER? WAS IST HIER LOS? HAM’ DIE DENN VORHER NIE NEN SCHUH GESEH’N? EINER TRUG MICH DURCH DEN MATSCH UND STOTTERTE DANACH NUR QUATSCH, ICH, ICH, ÄH, ÄH, ICH MACHE DAS NICHT MEHR WAS IST NUR LOS HIER? WAS IST HIER LOS? ICH BIN NUN WIRKLICH NICHT BESONDERS SCHWER IN DIESEM CAMP GIBT’S NUR VERRÜCKTE DIE HABEN DOCH NEN SONNENSTICH VIERZIG GRAD UND SONNENSCHEIN EIN JEDER SPRINGT INS WASSER REIN SPRING ICH DAZU, RUFT JEDER: OHNE MICH! OH, WAS IST NUR LOS HIER? WAS IST NUR LOS HIER? ICH WEISS ES NICH’. NIEMAND WILL MIT MIR GEHN JEDER ERSTARRT UND DREHT SICH UM NIEMAND WILL BEI MIR STEHN SAG MIR DOCH WARUM? (die MUSIK geht weiter) MIKE (freundlich) Schau mal, Jen’, vielleicht ist dir aufgefallen, dass, von einer Ausnahme abgesehen, nämlich dir, alle das gleiche Geschlecht haben. Das heißt – also es ist so – wenn kleine Jungs feststellen, dass kleine Mädchen keine kleinen Jungs sind, fangen kleine Jungs an, kleinen Mädchen hinterher zu gucken – und – na ja. Ach, verdammt. Wenn dein Vater unbedingt eine Tochter haben muss, warum kann sie dann kein Junge sein? Verstehst du, was ich meine?


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JENNIFER Nein! (verwirrt) Was ist nur los hier? (singt) ICH BAT EINEN MANN OB ER MICH MAL MASSIERT,, MEIN HALS WAR SEHR VERSPANNT UND ER BEGANN OHNE PROTEST WAS IST NUR LOS HIER? WAS IST HIER LOS? DER KERL HIELT SICH DREI STUNDEN AN MIR FEST IN ALL DEN CAMPS DIE ICH GESEHEN HATTE ICH NIE SO WENIG SPASS GESTERN KAM EIN MANN VORBEI ICH BÜCKTE MICH GRAD NACH NEM EI ER SAH MICH, DREHTE UM UND GAB SCHON GAS WAS IST NUR LOS HIER? WAS IST NUR LOS HIER? SAGT MIR DOCH WAS! (mittlerweile haben alle Männer verzweifelt das Weite gesucht, mit Ausnahme von SALEM) (die MUSIK stoppt) SALEM Jennifer, ich will zumachen. Brauchst du irgendwas? JENNIFER ‘N paar Pfund Kaffee. (SALEM geht in den Laden. In dem Moment kommt JULIO VALVERAS vorbei. Er trägt einen strahlend roten Wäschesack. Julio ist Mitte zwanzig. Er hat die dunkle Ausstrahlung seiner mexikanischen Herkunft. Sein Gesicht ist sanft und sensibel, aber in seinen Augen brennt ein Feuer. Doch gerade hinkt er. JAKE und MIKE, die während Jennifers Gesang verschwunden waren kommen aus der Bar zurück) JULIO (versucht sich den Schmerz am Fuß nicht anmerken zu lassen) Guten Abend, Senores, Senorita. JENNIFER Hallo.


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JAKE Was hast du gemacht? JULIO Ich bin gelaufen, Senior. Plötzlich fiel mir ein, dass der Inder heute wegen der Wäsche kommt. Also bin ich gerannt. Den ganzen Weg von meiner Hütte. Zwei Meilen gerannt. Und mit meinem Zeh bin ich sehr heftig gegen einen Stein gerannt. JENNIFER Oooh! Das kann wehtun. Verstehe. Vielleicht hat Salem was für dich. JULIO Gracias. (JENNIFER geht in den Laden. JULIO zieht seinen Stiefel aus und setzt sich auf die Veranda) MIKE Julio, ihr Mexikaner seid doch schon sehr lange hier. JULIO Viel länger als ihr, Senor. MIKE Das sag ich doch. Also, sag mir, mein Freund, hast du jemals von einem See aus Gold gehört? JULIO Si. Da hab ich von gehört. MIKE (zu Jake) Was hab ich Dir gesagt? JULIO Ich hab’s von Leuten gehört, die Freunde hatten, die ihn gesucht haben und dabei erfroren sind. (MIKE ist enttäuscht) JAKE (lachend) Na, komm schon, Mike. Lass uns das Steak essen, solange es noch heiß ist.


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(MIKE und JAKE gehen. JULIO reibt sich seinen Zeh. JENNIFER kommt mit einem kleinen Fläschchen zurück) JENNIFER Hier. Ich reib ihn dir ein. (JULIO schwingt sein Bein auf die Veranda. JENNIFER beginnt seinen Zeh einzureiben) JULIO Gracias. Ich will Ihnen nicht die Zeit stehlen. JENNIFER Ich hab nichts vor. SALEM (taucht auf) Dafür krieg ich fünfzig Cent, Julio. JULIO (gibt Salem das Geld) Senior Trumbull, hier ist die Wäsche für den Inder. (JULIO geht zu seinem Wäschesack) SALEM Zu spät. Er war da und ist wieder weg. JULIO Weg? Sie meinen ich bin völlig umsonst hier runter gerannt und habe mir ganz umsonst den Zeh zertrümmert? (in Rage schnappt JULIO seinen Wäschesack und verzieht vor Schmerz das Gesicht) JENNIFER Schwing deinen Zeh wieder hier rüber. (JULIO setzt sich wieder zu Jennifer. SALEM geht zurück ins Geschäft) JULIO Zwei Meilen für nichts.

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JENNIFER Ist doch deine eigene Schuld. Warum lebst du soweit da draußen? JULIO Was glauben sie? Weil es mir gefällt? Ich bin ganz allein da draußen. Ich bin das nicht gewöhnt. Wir waren vierzehn zu Hause. Ich bin Menschenmassen gewöhnt. Aber was kann ich machen. Wenn ich in ihrer Nähe grab und ich finde was, übernehmen sie meinen Claim. Und ich darf mich nicht wehren. Den Gringos gehört jetzt das Land. Nicht mehr Mexiko. Das hier war mal ein Teil von Mexiko. Da war ich ein Einheimischer. Und dann, vor ein paar Jahren streiten wir uns in einer Gegend, die plötzlich Texas heißt. (ER schnippt mit dem Finger) Und ich bin ein Fremder. JENNIFER Warum tust du nicht mit jemandem zusammen? Dann wär’s vielleicht leichter. JULIO Ich arbeite nicht für die. Ich arbeite für niemanden. Ich habe kastilisches Blut. Kastilier arbeiten nicht für andere. Mein Großvater war ein Edelmann. Vor vielen Jahren kam er nach Mexiko und nahm unser Land in Besitz. Kannst du sehen, dass ich adeliges Blut in mir habe? JENNIFER (schaut ihn von oben bis unten an) Nicht wirklich. JULIO Du siehst es an meinem Gang. (ER beginnt sich seinen Stiefel anzuziehen) Que cosa! Mein Zeh ist wieder gut. Wie heißt die Medizin? JENNIFER Keine Ahnung. JULIO Steht das nicht auf der Flasche?


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JENNIFER Bestimmt. JULIO Und, was steht da? JENNIFER Da musst du noch ein paar Jahre warten, bis ich dir das sagen kann. JULIO Warum? JENNIFER Weil ich nicht lesen kann, darum. JULIO Tut mir leid. JENNIFER Also, ich kann es jetzt noch nicht. Aber irgendwann gehe ich nach Osten auf eine Schule. JULIO Du Glückliche. Ich wünsche mir nichts mehr auf der Welt, als Lesen und Schreiben zu können. JENNIFER Du kannst es auch nicht? Das ist großartig! JULIO Nein. Ich bin ein Idiot, genau wie Sie. Aber das wird nicht immer so bleiben, das versprech’ ich Ihnen. Eines Tages werde ich, und auch meine kleinen Brüder und Schwestern, lesen und schreiben wie Genies. Ich werde genug Gold finden, damit ich unser Land zurückkaufen kann und wir dort leben können. Haben Sie jemals etwas von Palos Verdes gehört? JENNIFER Nein. JULIO Das ist ein Ort in Kalifornien. Hügel wie grüne Wolken, die auf das Meer hinabblicken. Dort werde ich meine Ranch bauen.


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JENNIFER Das klingt absolut wundervoll. Nur blöd, dass es nicht passieren wird. JULIO Warum nicht? JENNIFER Ich hab so viele Geschichten von Männern gehört, und was sie alles tun woll’n, wenn sie hier wegkommen. Und keiner hat es jemals gemacht. JULIO Also gut. Ich, Senorita Jennifer, ich, Julio Federico Juan Valenzuelo Valveras, werde genau das machen, was ich gesagt habe. Die Familie holen, die Ranch, Palos Verde, alles! Jeder muss von irgendetwas träumen, und sei es nur von Gold, so wie die Gringos hier. Und einige Leute bekommen, was sie wollen. Warum nicht ich? Warum nicht sie? Ich sage Ihnen, eines Tages schreibe ich Ihnen und frage Sie, ob Sie mich besuchen wollen. Und Sie schreiben mir zurück und sagen zu. (die MUSIK beginnt)

#6 – Ich red’ mit dem Baum

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Und dann führe ich Sie auf meiner Ranch herum und erzähle Ihnen alles über meine Reise nach Spanien. Und dann… (JENNIFER lächelt über all das) Lachen Sie nicht. Das wird alles passieren. Und ich war noch nie so sicher, wie genau jetzt, in dieser Minute. Also, was denken Sie darüber? JENNIFER Warum genau in dieser Minute? (ER starrt Jennifer einen Moment lang an, um dann zu entdecken, warum alles einen Sinn ergibt. Von hier an wechselt er zum vertrauten „Du“)


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JULIO Weil du mir zuhörst. ICH RED’ MIT DEM BAUM DOCH LEIDER HÖRT ER NICHT ZU ICH SPRECH MIT DEM WIND AUCH ER KANN NICHT HÖREN DER BACH HAT ES EI- -LIG UND FLIESST GANZ UNGESTÖRT MEIN REDEN BLEIBT UNGEHÖRT DOCH ALLES WAS ICH SAG ERREICHT NUN DEINE OHR’N DENN DU HÖRST ZU UND DU BIST DA DU LÄCHELST MICH AN UND WÄHREND ICH SO ERZÄHL DA WERDEN DIE TRÄUME SCHON WAHR ICH SEH‘ UNS AM FEUER, DICHT AN DICHT WÄHREND IRGENDWO EIN KÄUZCHEN RUFT ICH LES EIN GEDICHT IM STERNENLICHT UND MUSIK LIEGT IN DER LUFT ÜBER BÜCHER REDEN WIR SEHR LANG ÜBERM MEER LIEGT EIN BESONDRER GLANZ WIR GENIESSEN DIESEN MÜSSIGGANG UND DU SCHENKST MIR EINEN TANZ (die MUSIK geht über in)

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#6a – Baum Tanz

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(JULIO fordert sie zum Tanzen auf. Sie hat nie zuvor mit einem Mann getanzt. Sie versucht es und hat Freude daran. Sie stolpert nicht nur über ihre Füße, sondern auch über seine. JULIO geht mit einem charmanten Lächeln darüber hinweg und behandelt sie, als wäre sie die geschickteste Tanzpartnerin. Wenn der Tanzteil endet stehen sich beide gegenüber – Gesicht an Gesicht, gefangen in der gemeinsamen Emotion ihrer Liebe, der sich beide bewusst sind) (JULIO) DOCH ALLES WAS ICH SAG ERREICHT NUN DEINE OHR’N DENN DU HÖRST ZU UND DU BIST DA DU LÄCHELST MICH AN UND WÄHREND ICH SO ERZÄHL DA WERDEN DIE TRÄUME SCHON WAHR


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(die MUSIK endet) Gute Nacht, Senorita. (JULIO verbeugt sich tief. JENNIFER versucht einen Knicks, der aber sehr plump wirkt. ER geht… dreht sich aber plötzlich noch einmal zu ihr um) Hast du gesehen, wie ich gehe? Das ist kastilisch. (JULIO geht ab) (die MUSIK der nächsten Nummer beginnt) (JENNIFER schaut Julio benommen hinterher und bemerkt dann plötzlich seinen Wäschesack. Sie läuft hinter ihm her und will ihn gerade rufen, als ihr ein Gedanke kommt. SIE umklammert den Wäschesack, als wäre es das Wertvollste auf der Welt, was es wahrscheinlich auch ist, geht zu Salems Laden und klopft)

#6b – Baum Reprise

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JENNIFER Salem! SALEM (aus dem Off) Bist du immer noch hier? JENNIFER Ich hab’ was vergessen. Ich brauche zwei Stück Waschseife. (singt) ICH RED’ MIT DEM BAUM DOCH LEIDER HÖRT ER NICHT ZU ICH SPRECH MIT DEM WIND AUCH ER KANN NICHT HÖREN DER BACH HAT ES EI- -LIG UND FLIESST GANZ UNGESTÖRT MEIN REDEN BLEIBT UNGEHÖRT DOCH ALLES WAS ICH SAG ERREICHT NUN DEINE OHR’N DENN DU HÖRST ZU UND DU BIST DA DU LÄCHELST MICH AN… (MIKE, CROCKER, STEVE, SANDY und die anderer GOLDGRÄBER tauchen auf und stoppen, als sie sie sehen.)


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(CROCKER geht auf sie zu und unterbricht ihren Gesang. Die MUSIK stoppt) CROCKER Jennifer, wir müssen dir etwas sagen. JENNIFER (die gar nicht auf Crocker oder die anderen achtet) Sag es. CROCKER (brüllt) Wir woll’n dich hier beim Laden nicht mehr sehen. Kapierst du das? MIKE Wenn du was einkaufen musst, mach es am Nachmittag, wenn wir nicht hier sind. Bitte. STEVE Und bleib von den Gruben weg, weil, wenn du dahin kommst, müssen wir weggehen. (SALEM kommt aus dem Laden und legt Jennifer die zwei Stück Seife in den Schoss) JENNIFER Gracias. (SIE nimmt den Wäschesack und die Seife und geht, immer noch in Trance, ob der emotionalen Begegnung mit Julio) Buenas noches, Jungs. (es entsteht ein stiller Moment, nachdem SIE gegangen ist. Der Himmel ist nachtschwarz geworden und, von ihrer weiblichen Anwesenheit ausgelöst, denken die Männer unwillkürlich an ihr eigenes Zuhause) STEVE Es ist schon komisch. Von Tag zu Tag sieht sie meiner Frau ähnlicher. MIKE Als ich wegging, gab es eine Hungersnot in Irland. Keine Kartoffeln. Aber ich hatte ein Mädchen. Warum bloß hab ich gedacht, ich könnte nicht ohne Kartoffeln leben?


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SANDY Mann, was war das damals für ein Fraß. Weißt du, welchen Teil vom Pferd wir da gegessen haben? MIKE Die Steigbügel. (nach einer Pause) Ich weiß, dass es diesen See aus Gold in den Bergen gibt, irgendwo muss das Gerücht doch herkommen? Eines Tages werde ich aufbrechen und die schwarzen Berge durchsuchen, bis ich ihn gefunden habe. Dann werde ich ein Vermögen machen und zurück nach Irland segeln. (BEN kommt und schaut sich um bis er Sandy entdeckt) BEN (geht zu ihm) Sandy… SANDY Oh, hallo Herr Bürgermeister. BEN Hier sind deine fünfzig Dollar. (BEN gibt ihm das Geld. SANDY zögert und nimmt es nicht) Na komm schon…nimm es. (SANDY nimmt das Geld) Ich will nicht, das es in meiner Stadt jemandem schlecht geht wegen einem Rumson. SANDY Ich fände es besser, wenn du die fünfzig Bucks benutzen würdest, um Jennifer nach Osten zu schicken. Oh verdammt, Ben, du bist unser Freund. Warum bist du so stur? BEN Alles wird gut. Wenn ihr Jungs euch endlich Hütten baut, wird alles besser. Das Schlafen auf dem harten Boden ist das Problem. Deshalb denkt ihr immer an weichere Sachen. CROCKER Wen interessieren beschissene Hütten?


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#7 – Einsame Männer (Underscore und Tanz) (CROCKER)

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Was wir brauchen, ist ein Ort, wo wir Männer abends hingehen können, um ein bisschen schweinischen Spaß zu haben. JAKE Mach dir keine Sorgen, Crocker. Irgendwann finde ich ein Nugget, so groß wie dein blöder Schädel. Und weißt du, was ich dann mache? Ich werde das beste Varietétheater westlich der Rockies eröffnen und meine kleine Cherry wird die hübscheste, schärfste Fandango-Truppe mitbringen, in die du jemals deine Hände verkrallt hast. Einige sind Französinnen und italienische Mädchen, die auf ihrem großen Zeh tanzen. MIKE Finde dein Nugget, Mann. Diese „Anspannung“ bringt uns um. Gott sei Dank weht heute ein kalter Wind – der kälteste, den ich je erlebt habe. BEN (setzt sich in eine entfernte Ecke auf einen Stuhl) Yeah, ziemlich kalt, aber ich hab schlimmere erlebt. Einmal, oben in Kanada, da war es so kalt, dass deine Worte, in dem Moment, wo sie deinen Mund verlassen haben, gefroren sind. Wir mussten direkt ins Feuer sprechen, um zu hören, was der andere sagte. (die MÄNNER gehen hin und her, jeder in seiner eigenen Welt, mit seiner eigenen Einsamkeit. Das Auf und Ab kristallisiert sich zu einem Tanz der Einsamkeit heraus. Plötzlich macht PETE einen Jig. Ein paar andere nehmen das auf. Für einen Moment scheint es, die MÄNNER könnten sich und die Situation vergessen, aber sie hören langsam wieder auf und gehen weiter hin und her.) (die MUSIK geht weiter) Vor vielen Jahren habe ich meine Frau und mein Baby verlassen und bin in die Welt hinausgegangen, um reich zu werden. Alles, was ich hatte, waren vier Dollar und ein leichtes Asthma. Als ich drei Jahre später wiederkam, hatte ich immer noch das Asthma. Aber keine Frau mehr. Sie lief durch die grünen Wiesen des Himmels. Genau da habe ich entschieden, nur noch auf mein kleines Mädchen aufzupassen. Versteht ihr das? MIKE Spiel was, Ben. BEN Was soll ich spielen?


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(BEN beginnt seine Gitarre zu zupfen) MIKE Irgendwas über uns. (die MUSIK verändert sich direkt) (BEN singt, und der Vorhang schließt sich langsam hinter ihm und den Männern)

#8 – Der Wind heißt nur Maria

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BEN FÜR ALLES GIBT ES NAMEN HIER DAS FEUER NENNT MAN MIA DEN REGEN NENNT MAN EINFACH JO UND DER WIND HEISST NUR MARIA MARIA LÄSST DIE STERNE STRAHL’N UND LÄSST DIE WOLKEN FLIEGEN SIE LÄSST DIE BERGE HEUL’N VOR QUAL’N, DER TOTEN, DIE DORT LIEGEN MARIA! MARIA! DER WIND HEISST NUR MARIA! BEVOR ICH IHR BEGEGNET BIN UND DIESES HEULEN HÖRTE, DA HATT’ ICH EINE SCHÖNRE BRAUT UND EIN GLÜCK, DAS NIEMAND STÖRTE. DOCH EINES TAGES GING ICH FORT, WOLLT’ MICH NICHT LÄNGER BINDEN. (ICH WOLLTE MICH NICHT BINDEN) SO GING ICH IN DER WELT VERLORN’ SELBST GOTT KANN MICH NICHT FINDEN. GOLDGRÄBER MARIA! MARIA! BEN DER WIND HEISST NUR MARIA! GOLDGRÄBER SIE ALLE HABEN NAMEN HIER DAS HABEN SIE GEMEINSAM DOCH WENN DU SO VERLOREN BIST BIST DU GAR NICHTS AUSSER EINSAM


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BEN ICH BIN VERLOR’N, SEIT LANGER ZEIT IN DIESER ÖDEN WEITE MARIA, WEH DIE LIEBSTE HER (ICH) BRAUCH SIE AN MEINER SEITE GOLDGRÄBER MARIA! MARIA! BEN DER WIND HEISST NUR MARIA! GOLDGRÄBER MARIA! MARIA! BEN WEH DIE LIEBSTE HER. (Die Lichter erlöschen. Die MUSIK geht über in #10. Es gibt keine Musiknummer 9)

#10 – Was ist nur hier los (MUSIK für Szenenwechsel)

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3. Szene

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(In Rumsons Hütte – eine typische Blockhütte jener Zeit. Eine Tür in der Rückwand, eine seltsame Kiste in der Ecke, ein grob gezimmerter Tisch mit zwei Stühlen. Der Tisch ist für das Essen gedeckt. Julios Wäschesack liegt auf dem Boden. Die ZEIT: Zwei Monate später. JENNIFER kocht am Herd) (die MUSIK stoppt für den Dialog) JENNIFER Pa! Essen ist fertig! (BEN kommt herein. Er trägt ein großes Schild: RUMSON, Einwohner: 900) BEN Guck es dir an, Jen. Ist es nicht schön?


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JENNIFER Sehr, was steht drauf? BEN RUMSON, Einwohner: 900. JENNIFER Woher weißt du das? BEN Hat mir Salem gesagt. Er hat’s gemalt. In ein paar Tagen kriegen wir ne Haltestelle. Es werden immer mehr Leute kommen und für die haben wir dann ein Schild. Ich sag dir, wenn Jake hier seine Kohle reinsteckt und sein Revuetheater baut, dann wird aus Rumson eine Stadt erster Klasse. Verdammt, ich hätte nie gedacht, dass nach mir mal mehr als ein Grab benannt wird. Was gibt’s zu essen? JENNIFER Die Reste von gestern. (BEN stellt das Schild ab. Sein Blick fällt auf den Wäschesack. Er hebt ihn hoch und leert ihn auf dem Boden aus) BEN Jesus Maria, ist das schon wieder ein Sack von dem Mexikaner? Das muss der zehnte sein, den ich in den letzten zwei Monaten hier gesehen habe. Wie zum Teufel macht er das? Wechselt er jede Woche sein Hemd? JENNIFER Ich tue ihm einfach einen Gefallen. Ich hab ja nichts zu tun, wenn du den ganzen Tag draußen beim Schürfen bist. Und es spricht ja keiner mit mir. BEN Ich hab ja bisher nichts gesagt. Aber Woche für Woche, das ist doch kein einfacher Gefallen. Es gehört sich nicht, von jemandem die Klamotten zu waschen, mit dem man nicht verwandt ist. Also, das ist nicht ladylike. Deine Mutter hätte das nicht gemacht. JENNIFER Was redest du denn da? Du hast mir erzählt, sie hat deine Wäsche schon gewaschen, bevor ihr verheiratet ward.


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BEN Sie war eine erwachsene Frau. Du bist ein Kind. JENNIFER Verdammt nochmal! Ich bin kein Kind mehr. Das sagst du immer, aber es stimmt nicht! Ich bin eine erwachsene Person! Und ich fühle mich Tag für Tag mehr – ehebrüchig! (BEN guckt sie vollkommen erstaunt an – nach einem Moment der Stille) BEN Ich glaube, das war das falsche Wort. JENNIFER (stellt einen Teller vor ihn) Iß! BEN (traurig) Ich wünschte wirklich, deine Mutter wäre hier. JENNIFER Erzähl mir von ihr. Was für eine Lady sie war, Pa. BEN Schon wieder? JENNIFER Bitte. BEN Also, sie konnte lesen und schreiben. Und sie konnte tanzen. Und sie sprach sanfter, als ein Blatt aufs Wasser fällt. Sie war die schönste Lady, die ich jemals gesehen habe. JENNIFER Wenn sie so eine Lady war, wieso hat sie dich geheiratet? BEN Ich war damals ein ziemlich schnittiges Kerlchen. (die MUSIK beginnt)


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# 11 – Ich seh noch Elisa

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JENNIFER Ich wünschte, ich hätte sie sehen können. BEN (nach einem Augenblick) Manchmal denke ich, ich tue es noch. ICH SEH NOCH ELISA SIE KEHRT IMMER WIEDER BERAUSCHEND UND JUNG WIE IMMER ICH HÖR NOCH ELISA SIE ROCH ZART NACH FLIEDER WENN IN MEINEN ARMEN SIE LAG IHR HERZ BESTAND AUS WEICHEM SAMT IHR MUND AUS MORGENTAU IHR LACHEN WAR EIN FRÜHLINGSLIED ICH WEISS ES NOCH GENAU SEIT ICH SIE GESEHEN HIELT DAS, WAS WIR HATTEN, DIE DUNKELSTEN SCHATTEN ZURÜCK UND ICH SEHE ELISA WANN IMMER ICH TRÄUM’ VOM GLÜCK (BEN steht auf und geht vom Tisch weg, ganz in Erinnerungen versunken. Die MUSIK spielt weiter – ER beginnt wieder zu singen) ICH HÖR NOCH ELISA SIE ROCH ZART NACH FLIEDER WENN IN MEINEN ARMEN SIE LAG IHR HERZ BESTAND AUS FERIEN IHR MUND AUS MORGENTAU IHR LACHEN WAR EIN FRÜHLINGSLIED ICH WEISS ES NOCH GENAU SEIT ICH SIE GESEHEN HIELT DAS, WAS WIR HATTEN, DIE DUNKELSTEN SCHATTEN ZURÜCK UND ICH SEHE ELISA WANN IMMER ICH TRÄUM’ VOM GLÜCK (die MUSIK endet) (BEN geht zurück zum Stuhl. Einen Moment lang schweigen beide. Dann, mit großer Geste, als ob er eine wichtige Entscheidung getroffen hätte, wendet er sich zu Jennifer)


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BEN Jennifer, ich muss dir etwas mitteilen, und es wird dich so glücklich machen, dass du vor Freude durch die Decke gehen wirst. JENNIFER Was denn, Pa? BEN Die erste Postkutsche kommt in ein paar Tagen aus San Francisco. Du wirst einsteigen und nach Osten fahren. JENNIFER (erstaunt) Was? BEN Du gehst nach Osten, auf eine Schule. Wie du es immer gewollt hast. Salem hat mir gesagt, er hat Kontakte in der Nähe von Boston. JENNIFER (versucht eine Möglichkeit zu finden, nicht nach Osten zu müssen) Kommst du nicht mit? BEN Natürlich komm’ ich nicht mit. Ich kann doch Rumson nicht allein lassen. Ich werde aus Rumson eine Weltstadt machen. JENNIFER Dann kann ich doch warten, bis hier eine Schule eröffnet wird? BEN Eine Schule? Bist du wahnsinnig geworden? Das kann Jahre dauern. Wir haben noch nicht einmal ein Revuetheater. Du gehst nach Osten, wie ich es gesagt habe. JENNIFER Aber Pa, wer kocht für dich und passt auf dich auf, wenn du wieder mal sturzbesoffen bist? Erst vorgestern Nacht wolltest du unter deinem Bett ein Feuer anmachen, weil dir zu kalt war.


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BEN Das ist eine verdammte Lüge. JENNIFER Du wirst alleine sein. Nacht für Nacht. Und du weißt, wie traurig und deprimiert du wirst, wenn du alleine bist. BEN (nachdenklich) Yeah. (ER steht auf und nimmt seinen Mantel) JENNIFER Wohin gehst du? BEN Ich mache einen Spaziergang. JENNIFER Und was wird jetzt mit mir? BEN Mach die Hütte sauber und geh zu Bett. (BEN geht. JENNIFER kniet sich hin und beginnt die Wäsche wieder in den Sack zu stopfen. Die MUSIK beginnt. Sie hält ein Paar von Julios Hosen hoch und betrachtet sie träumerisch)


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# 12 – Oh, und ich wart’

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JENNIFER ICH WÜNSCHT’ MIR SEINEN PO HIER DRIN SEIN FUSS IN DIESEM STRUMPF DIE ARME HIER IN DIESEM HEMD ACH, WÄRE ER DOCH HIER DIE HÄNDE IN DEN ÄRMELN DRIN IM HANDTUCH SEIN GESICHT ICH WÜNSCHTE, ER WÄR HIER IM SACK UND DAMIT HIER BEI MIR ICH WÜSSTE GERN, WARUM ICH MICH FAST IMMER NACH IHM SEH’N (gesprochen) Vor allem, weil wir uns doch schon morgen drüben in der Schlucht wieder treffen. WOHIN (zusammengezogen) WIR IMMER GEHN OH, UND ICH WART UND ICH WART, DASS ES MORGEN WIRD WIE HALT ICH’S AUS, BIS ES MORGEN WIRD WIE KRIEG ICH’S HIN, DASS DIE ZEIT VERRINNT DENN DIE UHR SCHEINT STILLZUSTEHN BIS WIR ZWEI UNS WIEDERSEHN BALD BIN ICH TOT NA, HALBTOT, ODER GRAU UND ALT HOFFENTLICH KOMMT DIESES MORGEN BALD WAS KANN ICH TUN, KANN NICHT ATMEN, NICHT ESSEN WAS KANN ICH TUN, KÖNNT’ ICH, ÄH - HAB’S VERGESSEN OH, UND ICH WART UND ICH WART, DASS ES MORGEN WIRD HALLO STERNENLICHT, KANNST DU JETZT BITTE GEHN LIEBES SONNENLICHT, ICH WILL DICH SOFORT SEHN OH, WAS KANN ICH TUN, BIS DER MOND VERSINKT WAS KANN ICH TUN, WENN MEIN HERZ ZERSPRINGT FIND KEINEN SCHLAF, VIELLEICHT HELFEN DA LIEDER WIE GING DAS LIED? ACH NEE, KOMM, NICHT SCHON WIEDER (schlägt sich an die Stirn) OH, UND ICH WART, DASS ES MORGEN WIRD


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(JENNIFER hebt Julios Hemd auf und verbeugt sich vor ihm, so wie Julio sich vor zwei Monaten bei ihrer ersten Begegnung verbeugt hatte. Dann albert sie herum, knickst und tanzt mit dem Hemd, so wie die beiden damals vor dem Laden getanzt hatten. Erschöpft und in fröhlicher Erwartung schaut sie gen Himmel und singt weiter) HALLO STERNENLICHT, KANNST DU JETZT BITTE GEHN LIEBES SONNENLICHT, ICH WILL DICH SOFORT SEHN OH, WAS KANN ICH TUN, BIS DER MOND VERSINKT WAS KANN ICH TUN, WENN MEIN HERZ ZERSPRINGT FIND KEINEN SCHLAF, VIELLEICHT HELFEN DA LIEDER WIE GING DAS LIED? ACH NEE, KOMM, NICHT SCHON WIEDER (schlägt sich an die Stirn) OH, UND ICH WART, DASS ES MORGEN WIRD (JENNIFER legt sich die Ärmel wie bei einer Umarmung über die Schultern. Ganz im Moment versunken bemerkt sie BEN nicht, der herein kommt BEN erkennt die Situation, nimmt die Ärmel runter und zieht sie nah an sich heran) BEN Du weißt, wohin Du gehst, nicht wahr? Du gehst nach Osten! (Jennifer schaut verzweifelt und das LICHT geht aus. Die MUSIK geht über in den Szenenwechsel und dann in den Gesang)


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5. Szene

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In den Hügeln nahe Rumson. Ein Zelt mit einem kleinen Feuer davor. Zwei Nächte später. SARAH und ELIZABETH WOODLING sitzen auf groben Stühlen an Feuer. JACOB steht und schaut in die Ferne. JACOB ist ein großer, eintöniger und langweiliger Mann, Mitte bis Ende dreißig. Er ist wie ein Wanderprediger gekleidet. Sein Gesicht wird von einem gepflegten, aber unattraktiven Bart umrahmt. ELIZABETH und SARAH sind um die Dreißig. SARAH ist eine eingebildete und herablassende Frau mit unbarmherzigen, kalten Augen. ELIZABETH ist sehr hübsch, aber nicht allzu helle im Kopf.

#13 – Auf nach Westen Reprise

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ELIZABETH WO WERD ICH LANDEN? JACOB WEISS ES NICHT. SARAH WAS WIRD DAS ZIEL SEIN? JACOB KEINE AHNUNG WEISS NUR EINS: ICH MACH MICH AUF DEN WEG SARAH WANN WERD ICH DA SEIN? JACOB WEISS ES NICHT. ELIZABETH WIE WIRD DAS ZIEL SEIN? JACOB KEINE AHNUNG.


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ELIZABETH & SARAH ER WEISS NUR, WIR SIND WOHL AUF DEM WEG JACOB HÖRT JETZT AUF, ICH WEISS ES NICHT DENN DER NEBEL IST VIEL ZU DICHT ELIZABETH WO WERD’ ICH LANDEN… (die MUSIK endet abrupt) JACOB Ich habe euch gesagt, ich weiß es nicht. Sobald sich der Dunst und der Nebel verzogen haben, kann ich sehen, was hinter dem Hügel ist. ELIZABETH Welcher Hügel? SARAH Der, auf dem wir sitzen. Elizabeth, wirklich! ELIZABETH (erregt) Das ist nur passiert, weil ich so viel tragen musste, dass ich nicht sehen konnte, wohin wir gehen. SARAH Entschuldige, dass ich dir nicht helfen konnte, aber ich musste mein Baby tragen. ELIZABETH Du und dein Baby. Das nimmst du immer als Entschuldigung, damit ich alle Arbeit machen muss. SARAH Was? ELIZABETH Du bist so nutzlos wie eine Milchkanne in einer Gefängniszelle.


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SARAH Was??? ELIZABETH (gleichzeitig) Du machst doch gar nichts. Ich muss immer alles tragen. Das Zelt, die Gewehre, das Essen…im Flachen, durch die Flüsse, rauf auf die Berge, runter von den Bergen… SARAH (gleichzeitig) Du hast Nerven, so mit mir zu reden. Was denkst du denn, soll ich mit einem neun Monate alten Baby machen? Es auf die Straße setzten und sagen: Lauf selber? Ich sollte… JACOB Ruhe! Bei allen Heiligen, hört endlich auf. Brigham Young hat 27 Frauen und ich wette, er hat nicht halb so viel Ärger, wie ich mit euch beiden. Jetzt entschuldigt euch beieinander und dann haltet den Mund! Beide! (ER schaut wieder in die Ferne) SARAH Es tut mir leid, Elizabeth. ELIZABETH Es tut mir auch leid, Sarah. Ich hätte nicht sagen sollen, was du bist. JACOB Der Nebel wird ein bisschen weniger. Ich glaube, ich kann auf dem nächsten Hügel ein Camp erkenne. Das muss Rumson City sein. Morgen früh reisen wir weiter. (SIE wenden sich dem Feuer zu) ELIZABETH Bestimmt vertreiben sie uns von da auch wieder, so wie immer. JACOB Wir ziehen weiter, bis wir eine Zuflucht gefunden haben. SARAH (legt ihren Arm um Jacobs Schulter) Möchtest du etwas heiße Maissuppe, lieber Jacob?


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JACOB (erschöpft) Das wäre sehr schön, danke, Sarah. SARAH Elizabeth, mach die Maissuppe warm… ELIZABETH (will protestieren) Aber – SARAH Ich muss nach dem Baby sehen. (SARAH verschwindet im Zelt. JACOB geht auf die Knie und faltet die Hände zum Gebet) JACOB Lieber Gott, wir danken dir für… ELIZABETH Jacob, findest du nicht, ich sollte auch ein Kind haben? JACOB Was? ELIZABETH Ich sagte: Findest du nicht auch, dass ich ein Kind haben sollte. JACOB Aber natürlich, Elizabeth, du bist eine kräftige, junge Frau. (ER wendet sich wieder dem Gebet zu) Wir danken dir für die Erlösung aus… ELIZABETH Aber Jacob, du musst mir dabei helfen.


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JACOB Alles zu seiner Zeit, meine Liebe. (Gebet…) Wir danken dir für die Erlösung aus… ELIZABETH Denkst du nicht, heute Nacht wäre ein guter Zeitpunkt? Du schläfst zwar immer im Zelt bei Sarah, um das Baby warmzuhalten, aber… JACOB Sei bitte still, Elizabeth. Siehst du nicht, dass ich zu beten versuche? SARAH (kommt zurück) Er schläft ganz friedlich. Elizabeth, hast du Jacob seine Suppe nicht gemacht? ELIZABETH Ich kann nicht schneller. Ich bin müde. Weißt du, was ich heute alles getragen habe? Und du machst gar nichts… ELIZABETH (gleichzeitig) Du machst doch gar nichts. Ich muss immer alles tragen. Das Zelt, die Gewehre, das Essen…im Flachen, durch die Flüsse, rauf auf die Berge, runter von den Bergen… SARAH (gleichzeitig) Du hast Nerven, so mit mir zu reden. Was denkst du denn, soll ich mit einem neun Monate alten Baby machen? Es auf die Straße setzten und sagen: Lauf selber? Ich sollte… JACOB Ruhe! Wie kann ich dem Herrn für seine Gaben danken, wenn ihr zwei euch die ganze Zeit ankeift. Ihr betet jetzt beide mit mir. SARAH Sehr gerne, Jacob. (die MUSIK beginnt)


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#14 – Terzett

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ELIZABETH Natürlich, Jacob. ELIZABETH, SARAH & JACOB LANGSAM WIRD ES ABEND UND WIR KNIEN ZUM GEBET BETEN, DASS AUCH MORGEN FRÜH DIE SONNE AUFGEHT GANZ OHNE SORGEN VIELLEICHT SCHON MORGEN DAS IST MEINE HOFFNUNG UND DAFÜR MEIN GEBET (die MUSIK spielt weiter und JACOB und ELIZABETH wiederholen die Strophe. SARAH hebt ihren Kopf und lässt uns an ihren Gedanken teilhaben.) SARAH ARME ELIZABETH, IHR LEBEN IST SO SCHAL. DOCH WIR SIND NICHT VERWANDT, DARUM IST’S MIR EGAL NUN, KEINER ZWANG SIE, DOCH SIE SPRANG INS HOCHZEITSKLEID SIE WOLLT’ ES SELBER SO MICH MACHTS FROH SIE IST’S WOHL SCHON LEID DENN SIE SIEHT NICHTS ALS ARBEIT, NICHTS ALS ARBEIT UND ICH WILL, DASS ES SO WEITERGEHT (wieder mit JACOB und ELIZABETH) ELIZABETH, SARAH & JACOB DAS IST MEINE HOFFNUNG UND DAFÜR MEIN GEBET (nun singen SARAH und JACOB gemeinsam weiter und wir hören ELIZABETHS Gedanken) ELIZABETH ICH HABE TRÄUME UND DIE TRÄUME SIND GANZ KLEIN WIR STEH’N AN EINEM EISLOCH, SARAH FÄLLT HINEIN AUF EINER HOHEN KLIPPE, GLÜCKLICH STEHN WIR DREI WIR STEHEN ZIEMLICH NAH, PLÖTZLICH DA – WHOOPS, SIND’S NUR NOCH ZWEI WIE GERN ICH SIE ENTFERNTE BEI DER ERNTE WIRD SIE GENAU SO WIE DAS HEU GEMÄHT-


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(wieder mit JACOB und SARAH) ELIZABETH, SARAH & JACOB DAS IST MEINE HOFFNUNG UND DAFÜR MEIN GEBET AMEN! (SIE erheben sich. JACOB und SARAH gehen ins Zelt. ELIZABETH schaut ihnen sehnsüchtig nach und stzt sich dann ans Feuer. Das Licht blendet aus. Die MUSIK spielt während des Szenenwechsels weiter und geht in Gesang über…)

6. Szene

Dutchies Saloon. Ein typischer Saloon dieser Zeit, mit einer Bar und einem Balkon auf der einen Seite und einer Schwingtür und einem eisernen Ofen auf der anderen. Der nächste Sonntagmorgen. DUTCHIE steht hinter der Bar. Über der Bar ein Schild: Kein Alkohol – Gerichtstag. Vor der Bar, an einen Stuhl gefesselt – REUBEN SLOANE. Ein paar andere MÄNNER sitzen an einem Tisch in seiner Nähe. Auf der anderen Seite sitzt BEN an einem improvisierten Richtertisch. Er spielt auf seiner Gitarre und singt:

#15 – Rumson Town Reprise

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SIEBENHUNDERT BETEN BRAV AM SONNTAG MORGEN SIEBENHUNDERT AUS DEM KAFF AM SONNTAG MORGEN UND WER RICHTIG LAUT BRÜLLT: AMEN! KRIEGT EIN BIER IN GOTTES NAMEN NA, DAS WIRD EIN WILDER TAG IN RUMSON TOWN DENN SIE HALTEN HIER GERICHT AM SONNTAG MORGEN DAS GERICHT WIRD EIN GEDICHT AM SONNTAG MORGEN UND IST SONNTAG NICHT DEIN SCHONTAG GRÄBST DU SICHER NICHT AM MONTAG DENN DU HÄNGST AM NÄCHSTEN BAUM IN RUMSON TOWN (MIKE kommt herein – die MUSIK stoppt) MIKE Morgen, Gentlemen. (die MÄNNER antworten durcheinander mit „Guten Morgen“. MIKE gibt Reuben einen Brief) Hier, Sloane. Hier ist ein Brief von deiner Witwe.


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REUBEN Verdammt nochmal, ich hab’ dir doch gesagt, dass ich nichts damit zu tun hatte. Ich hab’ ihr Geld nicht angefasst. Das war dieser Burrito, hinter dem Hügel. Diese Mexikaner klauen alles. Wir sollten ihn lynchen. BEN Hör mal, Sloane. In dieser Stadt wirst du dafür verurteilt, was du getan hast, nicht was du bist. Ich knalle hier jeden ab, der das anders sieht. Ich bin absolut gegen Gewalt. (BEN gießt sich noch einen ein) MIKE Du sagst es, Ben. Mike, gib mir ‘nen Frühstücksschnaps. BEN Kein Alkohol, Mike. Wir sind mitten in einer Gerichtsverhandlung. MIKE Du trinkst auch!? BEN Das ist was Anderes – ich bin der Richter. MIKE Du bist immer der Richter. Wo ist die Jury? BEN Draußen – fällen ein Urteil. (die ZWÖLF GESCHWORENEN kommen durch die Saloontür herein. Unter ihnen STEVE, SANDY, SALEM und CROCKER. SIE setzen sich auf eine Bank vor der Bar, nehmen den Hut respektvoll ab. CROCKER scheint der Sprecher zu sein. BEN erhebt sich) Meine Herren der Jury, sind sie zu einem Urteil für diesen Ganoven gekommen? (CROCKER gibt Ben ein Stück Papier. BEN schaut es an, schaut forschend zu Crocker. DIESER flüstert ihm etwas ins Ohr und setzt sich)


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BEN Reuben Sloane, du bist angeklagt, Gold von Pete Billings und Hiram Henry gestohlen zu haben. Das ist ein sehr ernstes Verbrechen. Schlimmer als Mord. Ein Mensch kann sich verteidigen. Gold nicht. Du hattest einen fairen, unabhängigen Prozess von einer zwölfköpfigen Jury, und diese zwölf Männer haben mir ihr Urteil mitgeteilt. Reuben Sloane, heute ist der fünfte September und in zwei Monaten werden wir Spätherbst haben. Die mörderische Hitze des Sommers, die uns lange verfolgte, wird vorbei und vergessen sein. Und Väterchen Frost ist bereit, seine eisigen Finger nach uns auszustrecken. Die Novembernacht wird Millionen Sterne am Himmel erscheinen lassen, und die Blätter werden sanft fallen, wie kleine, zerbrechliche Teile des Regenbogens. Hier in Rumson bereiten wir alles für Thanksgiving vor; der Tag, an dem wir dem Allmächtigen für all die guten Gaben des Jahres danken. Wir braten Truthahn mit Cranberry Soße, machen Minzpasteten und heiße Rumtorte. Und wir sitzen beisammen und schmettern ein Thanksgiving-Lied über die Berge und die Welt wird glücklich und zufrieden sein. Aber du, Reuben Sloane, du elender Hurensohn, wirst nicht dabei sein. Du wurdest des schweren Diebstahls für schuldig befunden und auf Anordnung dieses Gerichts wirst du morgen am höchsten Baum von Rumson aufgehängt. Und jetzt schafft diesen nichtsnutzigen, miesmuffigen, stumpfstierenden, dumpfdämmernden Vogel hier raus! (ZWEI MÄNNER führen den laut protestierenden Reuben aus dem Saloon, während die ANDEREN MÄNNER zur Bar gehen) REUBEN Ich war’s nicht, ich war’s nicht! Es war der Mexikaner! BEN Die Sitzung ist geschlossen. (Die MÄNNER wollen zur Tür, als plötzlich JACOB mit SARAH, samt Baby auf dem Arm, und einige andere MÄNNER erscheinen. Alle bleiben verwundert stehen und starren sie an) MIKE Meine Fresse – eine Frau – und ein Baby. (STEVE kommt nach vorne) STEVE Gnädige Frau, ich habe in diesen Bergen in den letzten zwei Tagen Goldstaub im Wert von 80 Dollar geschürft. Der gehört Ihnen, wenn ich einmal das Baby halten darf. (SARAH zögert) JACOB Das ist in Ordnung, Sarah.


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SARAH Nein, ich will sein Geld nicht. JACOB Du verletzt seine Gefühle, Sarah. Nimm es. (JACOB nimmt Steve das Gold ab. STEVE nimmt das Baby auf den Arm. Die MÄNNER scharen sich um ihn) STEVE Oh Gott, so ein kleines Würmchen. SANDY Rutsch mal, ich will auch gucken. STEVE Guck dir die Äuglein an. Die strahlen, als hätte er Goldstaub gefunden. MIKE Vielleicht hat der kleine Racker Durst. Dutchie, ein Glas von deinem Besten. SARAH Nein, besser nicht. MIKE Aber das Zeug ist wirklich gut, Lady. Nicht so’n billiger Fusel. SARAH Nein, nein! (SIE nimmt das Baby wieder an sich) JACOB Möchte sonst noch jemand das Baby halten? (die MÄNNER greifen in ihre Taschen) BEN Einen Moment mal. Wo kommt ihr her?


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JACOB Wir kommen aus Illinois, ursprünglich. Mein Name ist Jacob Woodling. Das ist meine Frau Sarah. BEN Sehr erfreut. Ihr seid in Rumson Town. Der am schnellsten wachsenden Stadt westlich der Skidderodony Wasserfälle. Ich bin Ben Rumson, Gründer, Bürgermeister, Richter, Kommissar und Bezirksvorsteher. Wollen sie hier schürfen? JACOB Nun, ich weiß nicht, ob das hier der richtige Ort für uns ist. Wissen Sie… BEN Aber, das hier ist der perfekte Ort für sie. Sie wären der erste Mann, der mit seiner Frau nach Rumson kommt. Und ein Spitzenklima für Ihr Baby. Hier sind alle so gesund, wir mussten gerade einen Mann hängen, um einen Friedhof eröffnen zu können. JACOB (zögerlich) Nun, das klingt nicht schlecht. SALEM Haben sie eine komplette Goldgräber-Ausrüstung? JACOB Ausrüstung? Ich fürchte, nein. SALEM Ich besitze den großen Laden hier. Ich kann Ihnen verkaufen, was Sie brauchen. JACOB Wieviel würde eine komplette Ausrüstung denn kosten? SALEM Ungefähr achthundert Dollar. JACOB So viel haben wir nicht. (Plötzlich öffnet sich die Tür und ELIZABETH tritt ein, beladen mit Säcken voller Sachen. Alle starren sie an)


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BEN Wer ist das? JACOB Das ist Elizabeth Woodling. BEN Ihre Schwester? JACOB. Nein. Meine Frau. BEN Ich dachte, diese hier wäre ihre Frau. JACOB Sie sind beide meine Frauen. (alle Männer: uuhh, aaahhh, was?,…) STEVE Heilige Scheiße, das sind Mormonen! MIKE Gut gemacht, alter Knabe. BEN (nach einem Moment) Woodling, ich spreche jetzt nur für mich. Es ist mir völlig egal, wie viele Frauen Sie haben, also aus religiöser Sicht. Wenn Sie Ihren Ehebruch legalisiert haben - Ihre Angelegenheit. Aber irgendwie ist es doch unfair. Unfair gegenüber diesen Männern – diesen großartigen, ehrlichen Männern, dass sie ohne das sind, was Sie gleich doppelt haben. Können Sie mir folgen? JACOB Also, was schlagen Sie vor?


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BEN Lassen Sie uns praktisch denken. Sie haben nicht genug Geld, um mit dem graben zu beginnen. Aber Sie haben zwei Frauen – deutlich mehr, als jeder andere. Nun, im Sinne des Fair Play sollten Sie eine loswerden. Die Jungs wären glücklich und Sie könnten sich ausrüsten. JACOB Sie meinen, eine verkaufen? BEN Na ja, jetzt, wo Sie es erwähnen. JACOB Aber ich bin mit beiden verheiratet. BEN Sie wurden bei den Mormonen verheiratet. Wir sind keine Mormonen. Ich weiß nicht, was wir sind, aber auf jeden Fall keine Mormonen. Also zählen ihre Ehen hier nicht. Wir könnten jetzt gleich eine friedliche, öffentliche Auktion abhalten. Sie müssten sich nur entscheiden, welche Sie behalten möchten. MIKE Das ist fair, Ben. (die MÄNNER stimmen zu) ELIZABETH (plötzlich) Jacob. Ich möchte verkauft werden! JACOB Was? ELIZABETH Ich möchte, dass du mich verkaufst. Bitte, Jacob, verkauf mich. JACOB Aber Elizabeth, du weißt doch gar nicht, wenn du heiraten wirst, was du bekommst. ELIZABETH Ich weiß, was ich hatte. Ich will, dass du mich versteigerst. Bitte, Jacob.


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JACOB Elizabeth, ich weiß nicht. Das ist… SARAH Jacob, wir könnten ein Zuhause haben. Nie mehr herumziehen. Ein eigenes Zuhause. JACOB (nach einer Pause) Würde mir die Gentlemen erlauben, darüber zu meditieren. BEN Lassen wir den Bruder meditieren. (die MÄNNER nehmen ihre Hüte ab und JACOB kniet sich hin, um zu meditieren. BEN, vom Durst übermannt unterbricht die Stille, indem er sich zu Dutchie wendet) BEN Dutchie, mach mir ‘n Schnaps. Möchte eine der Damen auch eine Erfrischung? SARAH Nein, vielen Dank. ELIZABETH (mutig) Ich gerne. Ich würde auch einen Schnaps nehmen. (SIE setzt sich) BEN (zu Dutchie) Zwei Schnäpse. JACOB Also gut, wir machen eine Auktion, aber unter einer Bedingung. Wir machen sie draußen. Draußen sind mehr Leute. (ALLE gehen raus) Elizabeth, du wartest hier. Ich denke, es wäre nicht schicklich, wenn du draußen auf einer Kiste stehen würdest. Wenn dich jemand anschauen will, dann schicke ich ihn rein. (JACOB geht auch hinaus. BEN geht an die Bar und zieht etwa zwölf kleine Säckchen mit Goldstaub aus seiner Tasche und reiht sie auf der Theke auf. DUTCHIE gibt ihm seinen Drink)


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BEN Achtung Zahnfleisch, Vorsicht Mandeln, aufgepasst Magen – jetzt kommt was! (ER trinkt) Das war das Tischgebet meines Vaters. (ER gießt ein Glas für Elizabeth ein) ELIZABETH Ich frage mich, wer mich wohl bekommt? BEN Ist das wichtig? ELIZABETH Eigentlich nicht. Ich glaube, ich könnte mit jedem leben, solange er nur eine Frau hat. BEN (dreht sich zu Elizabeth) Wäre ein Witwer in Ordnung? ELIZABETH Sie? (BEN nickt) Wollen Sie für mich bieten? BEN Warum nicht? Ich brauche auch jemanden, der sich um mich kümmert, genau wie jeder andere. Meine kleine Tochter ist groß geworden und wird nach Osten gehen, auf die Schule, und ich bin nicht so gerne allein. Was meinen Sie, würden Sie wollen? ELIZABETH (zögernd) Ich weiß nicht. Ich weiß ja gar nichts über Sie.


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BEN Na ja, ich bin genau wie jeder andere auch. Sie könnten’s schlechter treffen. Sie könnten’s auch besser treffen.

#16 – Ich bin mittendrin

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ICH BIN JÜNGER ALS EIN GREIS VON VIERUNDACHTZIG DOCH MAN SIEHT AUCH, DASS ICH KEINE ACHTZEHN BIN ICH BIN NICHT DER GRÖSSTE, DOCH AUCH NICHT KLEIN ICH BIN MITTENDRIN ICH BIN ÄRMER ALS EIN MANN MIT DREI MILLIONEN DOCH MAN WEISS HIER, DASS ICH NICHT DER ÄRMSTE BIN ICH BIN NICHT DER DICKSTE, BIN EHER DÜNN HALT MITTENDRIN ICH VERTRAGE VIEL MEHR WHISKEY ALS DIE HÄLFTE DIESER STADT DOCH DIE ANDRE HÄLFTE MACHT MICH BEIM WHISKEY TRINKEN PLATT UND ALS LIEBHABER, DA BIN ICH EINFACH SPITZE OBWOHL VIELE SICHER NOCH VIEL SPITZER SIND UND SO SEI DOCH FROH, DENN ES WIRD BESTIMMT EIN GANZ NORMALER ‚MITTENDRIN’ FÜR DICH WARUM NICHT ICH? ICH BIN WIRKLICH IMMER HÖFLICH ZU ‘NER LADY AUCH WENN ICH BESTIMMT KEIN ITALIENER BIN ICH HABE MANIEREN, WENN AUCH NICHT VIEL ICH BIN MITTENDRIN UND ICH NENNE ETWAS BILDUNG AUCH MEIN EIGEN AUCH WENN EIGENTLICH ICH NICHT GEBILDET BIN ICH STRAHL WIE DIE SONNE WENN ES WOLKIG IST HALT MITTENDRIN NUN, ICH BIN NICHT GRADE FEIGE KANN EIN HELD SEIN DANN UND WANN GEGEN VIERZEHN INDIANER ZIEH ICH LOS MIT FÜNFZIG MANN ES GIBT SICHER TAUSEND WEGE UM ZU SAGEN, WAS ICH SAGE, UM ZU SAGEN, WIE ICH BIN ICH SAGE ES SIMPEL, DIREKT UND KLAR UND GEHST DU ZU BETT, SIEHST DU MICH DA, DA MITTENDRIN


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(MUSIK endet für Dialog) SALEM (Offstage) Weiter….weiter… BEN (ruft) Wartet! Wartet!!! ELIZABETH (hält ihren Schnaps in der Hand) Achtung, Zahnfleisch… (SIE trinkt. JENNIFER kommt von hinten herein und beobachtet das Geschehen auf dem Platz) JENNIFER (ohne sich umzudrehen) Was machen die da draußen? ELIZABETH Eine Auktion. JENNIFER (erkennt eine Frauenstimme und dreht sich um) Wer bist du? ELIZABETH (besonders nett, wegen des Whiskeys) Mein Name ist Elizabeth Woodling. Trinken Sie einen Schnaps mit mir? JENNIFER Nein, danke. Wann bist du angekommen? ELIZABETH Heute Morgen. (ein MANN kommt rein, inspiziert Elizabeth und geht wieder) JENNIFER Sag mal, was ist hier los? ELIZABETH Ganz einfach. Ich werde versteigert.

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JENNIFER Du wirst versteigert. Du meinst, wie ein Schwein? ELIZABETH Ich bin mit einem Mormonen verheiratet, der zwei Frauen hat. Und die Männer meinten, es sei unfair, dass er zwei hat, und Sie gar keine. (ein MANN kommt rein, inspiziert Elizabeth und geht wieder) JENNIFER Du meinst, du musst dann denjenigen heiraten, der am meisten geboten hat? ELIZABETH Natürlich. Was denkst du denn von mir? JENNIFER Ja, mein Gott, ich dachte immer, man sollte sich lieben, um zu heiraten. Wie meine Ma und mein Pa. (SALEMS STIMME klingt laut von draußen) SALEM Und verkauft! (man hört eine Glocke. ELIZABETH dreht sich zur Tür. Einer nach dem Anderen betritt den Saloon – keiner sagt ein Wort. Alle schauen sie nur kurz an und gehen dann in eine Ecke, auf einen Stuhl, an die Bar…. Zum Schluss kommt BEN herein, schaut sich um, lächelt und singt…)

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#17 – Whoop-Ti-Ay

LASST CHAMPAGNER FLIESSEN WHOOP-TI-AY! LASST CHAMPAGNER FLIESSEN

BEN

ALLE

BEN


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ALLE WHOOP-TI-AY! BEN HAB ‘NE FRAU FÜRS LEBEN UND GELD AUSGEBEN ICH HEIRATE HEUT’ (JENNIFER schaut voller Ekel und Abscheu, dreht sich um und rennt aus dem Saloon) LASST UNS MAISBROT BACKEN ALLE WHOOP-TI-AY! BEN PROST UND KOPF IN’N NACKEN ALLE WHOOP-TI-AY! BEN LASST UNS NICHTS VERPASSEN DRUM HOCH DIE TASSEN ICH HEIRATE HEUT’ WEIL ICH DAS MAG, WEIL ICH DAS MAG. SING ICH NOCH SCHÖNER ALS DIE LERCHE SINGT. WAS FÜR EIN TAG, WAS FÜR EIN TAG. ICH FÜHL MICH WHOOP-TI-AY IHR GLAUBT ES KAUM MÄNNER (antworten) WEIL ER ES MAG! WEIL ER ES MAG! WAS FÜR EIN TAG! WAS FÜR EIN TAG!

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BEN LASST MUSIK ERKLINGEN WHOOP-TI-AY! LASST UNS LIEDER SINGEN WHOOP-TI-AY! KRIEG EIN JUNGES FRÄULEIN, DEM WERD’ ICH TREU SEIN ICH HEIRATE HEUT’ JA, HEUT’ IST MEIN HOCHZEITSTAG BACKT ‘NE HOCHZEITSTORTE WHOOP-TI-AY! SAGT MIR NETTE WORTE WHOOP-TI-AY! HOLT DAS ÖL VOM GRIECHEN ICH WILL GUT RIECHEN ICH HEIRATE HEUT ÖFFNET WHISKEYFÄSSER WHOOP-TI-AY! WHISKEY SCHMECKT MIR BESSER

ELIZABETH

BEN

ALLE

ALLE

BEN

ELIZABETH

BEN

ALLE

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ALLE WHOOP-TI-AY! BEN HOLT DEN SCHÖNSTEN HUT RAUS DANN SEH ICH GUT AUS ELIZABETH ICH HEIRATE HEUT ALLE WIE ICH DAS MAG! WIE ICH DAS MAG! FÜHL MICH ERHABEN, WIE EIN MAMMUTBAUM WAS FÜR EIN TAG, WAS FÜR EIN TAG! NACH ALL DEM GRABEN, JA, MAN GLAUBT ES KAUM JAKE LASST MUSIK ERKLINGEN WHOOP-TI-AY! UNS IM SQUARE DANCE SPRINGEN WHOOP-TI-AY! BEN ICH SPRING IN DIE EHE WIE ICH DAS SEHE ICH HEIRATE HEUT ALLE JA, HEUT IST BENS HOCHZEITSTAG SEIN (MEIN) HOCHZEITSTAG! (die MUSIK geht weiter und der Square Dance beginnt. ALLE MÄNNER tanzen mit der Braut. Der tanz wird immer schneller, bis BEN dazwischen springt und seine Ehefrau für sich reklamiert. Die MÄNNER knien sich hin und singen:) MÄNNER ER HEIRATET HEUT ELIZABETH HEIRATE HEUT (die MUSIK geht im Applaus weiter. Es gibt keine Musiknummer 18)


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#19 Whoop-Ti-Ay – Exit (Szenenwechsel MUSIK)

7. Szene

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(Vor Julios Hütte. Neben der Tür steht eine Bank. Die Zeit: Kurz vorm Morgengrauen. JENNIFER kommt herein. SIE trägt einen Wäschesack und eine Reisetasche. Sie stellt beides ab und klopft heftig. Von drinnen ertönt Julios schläfrige Stimme: „Momento, momento“. ER öffnet die Tür. Die MUSIK fadet aus. ER ist nur spärlich bekleidet. ER tritt durch die Tür, bleibt stehen, schaut sich um und stellt fest, dass niemand da ist) JENNIFER Guten Abend. JULIO Guten Abend. JENNIFER Ich habe deine Wäsche. JULIO Gracias. JENNIFER Ich hatte ein paar Schwierigkeiten mit dem roten Hemd. JULIO Wieso? JENNIFER Es ist jetzt gelb. JULIO Oh. Jennifer, was machst du hier? Das ist gefährlich. Wenn uns jemand sieht… und das mitten in der Nacht! Warum bist du nicht zu Hause? JENNIFER Ich bin weggelaufen.


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JULIO Vor deinem Vater? JENNIFER Vor ihm und dieser Frau. JULIO Ich hab gehört, was passiert ist. Als Sie es mir erzählt haben, bin ich zur Schlucht gegangen. Ich hab gedacht, vielleicht tauchst du da auf. Drei Stunden hab ich gewartet. Ich hab gute Neuigkeiten für dich. Du wirst dich gleich besser fühlen. Eneto, der Inder, kam vorbei und hat mir erzählt, dass er gestern in Sawyerville war, und dass die Kutsche hierher unterwegs ist, randvoll mit Mr. Jakes Fandango-Mädchen. Vielleicht musst du jetzt nicht mehr weggehen. JENNIFER Ich gehe weg. JULIO Was? JENNIFER Mit der Kutsche. Was kann ich sonst tun? Ich kann nicht in der Hütte mit dieser Person leben, die mein Vater gekauft hat. Und hier bleiben kann ich auch nicht. Verdammt, sobald bekannt würde, dass wir uns näher kennen, würde die ganze Stadt doch verrückt spielen. Ich bin nicht gut für dich, Julio. Ich bring dir nur Ärger. (JULIO steht jetzt ganz nah vor ihr. SIE legt sich plötzlich in seine Arme) Lass mich nicht gehen, Julio. Behalt’ mich hier bei dir. JULIO Was können wir tun, Querida? Wohin können wir gehen? Sollen wir von Camp zu Camp ziehen und du müsstest immer zwei Meilen außerhalb wohnen? Oder, wenn wir in eine mexikanische Kolonie gehen, dann könnte jederzeit irgendjemand ausrasten und eine Revolte anzetteln. Und wenn wir irgendwohin gehen, wo ich der einzige Mexikaner bin, dann kann es nur ein sehr kleines Camp sein, wieder ohne Frauen, und das ist noch schlimmer für dich. Ich will nicht, dass meine Frau so leben muss. (JENNIFER beginnt zu gehen) Aber Jennifer, es ist nicht alles schlecht. Diese Stadt bietet mir eine Chance. Mein Claim ist nicht der beste, aber er bringt mir jeden Tag ein paar Unzen. Und am Ende des nächsten Jahres… (die MUSIK beginnt) …werde ich genug haben, um nach Süden zu gehen. Dann kommst du zurück und wir sind wieder zusammen.


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#20 – Carino Mio

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JENNIFER Ende nächsten Jahres? Dann bin ich ja fast achtzehn. JULIO Das ist nicht zu alt, Querida. Noch nicht zu alt. CARINO MIO, DAS MEER IST SO TIEF CARINO MIO, DIE LIEBE TIEFER JENNIFER CARINO MIO, DER NORDWIND IST STARK CARINO MIO, DIE LIEBE STÄRKER JULIO WIR LEBEN ZU ZWEIT, WO DIE ENGLEIN SPIELN WEIT FORT VON DEM ORT, DER UNS QUÄLT UND AMOR WIRD AUF UNSRE HERZEN ZIELN CARINO MIO, DU BIST MEINE WELT (die MUSIK geht weiter. In der Ferne hört man eine Glocke. Der Tag bricht an…) JENNIFER Das wird die Kutsche sein. Ich sollte besser losgehen. (SIE geht zu ihrer Tasche) JULIO Ich bring dich hin. JENNIFER Bist du verrückt? Willst du, dass sie uns zusammen sehen? (SIE geht zu Julio. Sie stehen beisammen und schauen sich an) Wir haben eine Menge, auf das wir uns freuen können, stimmts? JULIO Si. JENNIFER Das macht es leichter zu gehen, stimmts? JULIO Si.


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JENNIFER Also, auf Wiedersehen. JULIO Auf Wiedersehen. (Plötzlich wirft sich JENNIFER an seine Brust. ER singt, während er sie sanft hält…) WIR LEBEN ZU ZWEIT, WO DIE ENGLEIN SPIELN WEIT FORT VON DEM ORT, DER UNS QUÄLT UND AMOR WIRD AUF UNSRE HERZEN ZIELN CARINO MIO, DU BIST MEINE WELT (JENNIFER geht, JULIO steht in der Tür. Kurz bevor SIE verschwindet, dreht sie sich noch einmal um. Julio lächelt und verbeugt sich tief. SIE versucht einen Knicks und läuft ab.)

8. Szene

Auf dem Weg zu Rumsons Marktplatz. Von überall her kommen die MÄNNER zusammen. Sie stehen in Gruppen, den Blick auf den Horizont gerichtet. Die Glocke der Kutsche ertönt nun lauter und lauter. Die Zeit: direkt im Anschluss. Es werden immer mehr Männer….

#21 – Hör’ die Kutsche, sie kommt

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MÄNNER HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT HÖR DIE GLOCKE HELL UND LAUT UND DAS HUFKLAPPERN DRÜBEN VOM TAL UND ES KLINGT WIE DER KLANG ALS DIE NACHTIGALL SANG UND DU HOFFST AUF DAS ENDE DER QUAL HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT UND BEINAH KANNST DU SIE SEHN UND DU DENKST EINFACH NUR: WUNDERBAR WEIL EIN LACHEN ERKLINGT DENN DIE KUTSCHE, SIE BRINGT DIE ERLÖSUNG, EIN TRAUM WIRD WAHR ANTWORTENDE MÄNNER …NUR WUNDERBAR MÄNNER SIE BRINGT STRAHLENDE AUGEN, WIE MONDLICHT


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ANTWORTENDE MÄNNER HI-YAH MÄNNER UND DER MUND, ER ENTFACHT DIE BEGIER ANTWORTENDE MÄNNER HI-YAH MÄNNER UND DAZU NOCH ZWEI ARME WIE KISSEN ANTWORTENDE MÄNNER YAH! MÄNNER UND HEUT ABEND GEHÖRT ALLES MIR HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT OH, ICH KANN SIE FAST SCHON SEHN DAS GERÄUSCH SAGT, SIE IST ZIEMLICH NAH NEIN, SIE IST NICHT MEHR WEIT DARUM GRINSE ICH BREIT HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT HÖR DIE KUTSCHE, SIE IST FAST DA. ANTWORTENDE MÄNNER NEIN, SIE IST NICHT MEHR WEIT DARUM GRINSE ICH BREIT MÄNNER HÖR DIE GLOCKE HELL UND LAUT UND DAS HUFKLAPPERN DRÜBEN VOM TAL UND ES KLINGT WIE DER KLANG ALS DIE NACHTIGALL SANG UND DU HOFFST AUF DAS ENDE DER QUAL ANTWORTENDE MÄNNER YAH! YAH! BEINAH DA!


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MÄNNER HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT UND BEINAH KANNST DU SIE SEHN UND DU DENKST EINFACH NUR: WUNDERBAR WEIL EIN LACHEN ERKLINGT DENN DIE KUTSCHE SIE BRINGT DIE ERLÖSUNG, EIN TRAUM WIRD WAHR ANTWORTENDE MÄNNER HURRA! HURRA! NUR WUNDERBAR MÄNNER SIE BRINGT STRAHLENDE AUGEN, WIE MONDLICHT ANTWORTENDE MÄNNER YAH! YAH! YAH! HI-YAH! MÄNNER UND DER MUND, ER ENTFACHT DIE BEGIER ANTWORTENDE MÄNNER YAH! YAH! YAH! HI-YAH MÄNNER UND DAZU NOCH ZWEI ARME WIE KISSEN UND HEUT ABEND GEHÖRT ALLES MIR HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT OH, ICH KANN SIE FAST SCHON SEHN DAS GERÄUSCH SAGT, SIE IST ZIEMLICH NAH NEIN, SIE IST NICHT MEHR WEIT DARUM GRINSE ICH BREIT HÖR DIE KUTSCHE, SIE KOMMT HÖR DIE KUTSCHE IST ENDLICH DA. ANTWORTENDE MÄNNER NEIN, SIE IST NICHT MEHR WEIT DARUM GRINSE ICH BREIT

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(die MUSIK geht weiter)

9. Szene

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#22 – Fandangos Auftritt und Tanz (Der Marktplatz. Auf einer Seite zieht sich diagonal die Fassade von Salems Laden entlang. Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich Dutchies Saloon. Die Kutsche ist angekommen. Die Zeit: direkt im Anschluss. Der Platz ist dicht bevölkert. Der KUTSCHER sitzt auf seinem Kutschbock. Die MUSIK läuft weiter unter dem nun Folgendem. CHERRY zeigt sich am Fenster der Kutschentür. JAKE rennt hin und öffnet die Tür. CHERRY tritt heraus. SIE und JAKE umarmen sich leidenschaftlich.Die Männer beobachten mit aufgerissenen Mündern und Augen, wie die MÄDCHEN aussteigen und sich rhythmisch auf die Männer zubewegen. Als alle ausgestiegen sind, fährt die Kutsche von der Bühne. Die FANDANGO MÄDCHEN und die MÄNNER beginnen umeinander herumzutanzen. YVONNE ist die Solotänzerin. Am Ende des Tanzes geht die MUSIK weiter)

#23 – Fandangos Abgang

(BEN kommt mit ELIZABETH aus der Bar. Die Menge beginnt sich zu zerstreuen. Der KUTSCHER erscheint, läutet die Glocke und JENNIFER rennt auf die Bühne. Sie hat ihre Reisetasche dabei. Als BEN Jennifer erblickt, lässt er ELIZABETH vor dem Eingang des Saloons stehen und geht zu ihr. Ein unangenehmer Moment – beide schweigen)

#24 - Finaletto

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JENNIFER Hast du mein Geld, Papa? BEN Hier. (ER gibt ihr das Geld) - und hier ein Empfehlungsschreiben von Salem für den Schulleiter. JENNIFER Danke.


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(BEN wartet darauf, dass JENNIFER ihn umarmt, aber SIE macht keine Anstalten. Anstelle dessen dreht SIE sich um und geht auf den Kutscher zu – stoppt dann aber doch, läuft zurück und wirft sich in Bens Arme. Der KUTSCHER läutet die Glocke erneut. Sie macht sich los und rennt ab. BEN schaut ihr einen Moment hinterher. ELIZABETH hakt sich bei ihm ein und sie gehen in den Saloon. JULIO erscheint und schaut Jennifer hinterher. Er singt…) JULIO DU LÄCHELST MICH AN UND WÄHREND ICH SO ERZÄHL DA WERDEN DIE TRÄUME SCHON WAHR (die MUSIK geht weiter) (von der Seitenbühne ruft STEVE: „Julio“ und tritt dann auf. STEVE Julio! Du kennst dich doch gut mit Minen aus. Was bedeutet es, wenn sich die eine Seite des Ganges verabschiedet und einstürzt? JULIO Das bedeutet, das sich schon bald die ganze Mine verabschiedet. Warum? STEVE Ich habe einen Claim drüben am Nordberg. Da ist genau das passiert. JULIO Santa Maria! (SIE schauen sich einen Moment lang bedeutungsvoll an. Dann geht STEVE. JULIO schaut in die Richtung, in der Jennifer verschwunden ist. Sein Gesicht verdunkelt sich sorgenvoll. ER steht dort, fast wie betäubt, die MUSIK schwillt zu einem großen Finale an und der VORHANG fällt) Ende 1. Akt


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2. Akt

10. Szene

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Jakes Palast. Ein großer, knallig kitschiger Raum. An der Rückseite eine Bar. Rechts neben dem Eingang führt eine Treppe zum Balkon über der Bar. Von dort führen Türen zu diversen Zimmern. Links und rechts gibt es jeweils einen Ausgang. Zeit: November, ein Jahr später. JAKE spielt das Banjo und singt. Alle anderen tanzen.

#26 – Hol mir mal ‘ne Flasche Bier

JAKE

HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER SONST STREIKE ICH NOCH HIER EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR VIELLEICHT ABER AUCH VIER

CHOR

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SUSAN SU-SU-SU-SUSAN! KOMM LASS UNS SCHMUSEN! WIR GEHEN HEUTE FEIERN! SUSAN SU-SU-SU-SUSAN ICH FÜHRE DICH HEUT ABEND AUS... DRUM HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER SONST STREIKE ICH NOCH HIER EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR SCHENK ICH DIR, SCHENK ICH DIR DIE BESTE ZEIT IST HIER! (16 Takt Orchester, dann beginnen die GOLDGRÄBER und FANDANGO-MÄDCHEN wieder zu singen)


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DRUM, HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER HOL MIR MAL NE FLASCHE BIER EINE FLASCHE SCHENK ICH DIR DIE BESTE ZEIT IST HIER! (die MUSIK geht weiter)

#27 – Springseiltanz (Rope Dance)

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(Einige MÄDCHEN erscheinen mit Springseilen und tanzen. PETE feuert mit seinem Revolver in die Luft. Immer mehr Mädchen tanzen… und erschrecken sich, als PETE mit seiner Peitsche knallt. Dann macht ER sich an Yvonne heran. SIE schlägt ihm ins Gesicht. PETE fängt sie mit dem Springseil ein und sie tanzen. Die MENGE feuert sie an und tanzt um sie herum. Am Ende dieser Sequenz nähert sich PETE erneut. SIE versucht ihm auszuweichen – ER folgt ihr. Am Ende landet Yvonne doch in seinen Armen – er trägt sie fort. Die MUSIK erreicht ein großes Finale und die GOLDGRÄBER protestieren.) JASPER Hey, Pete! Du gehst wirklich zu weit! CHERRY Du könntest sie wenigstens nach oben tragen und dich großzügig zeigen. HANK Komm schon. Bring sie zurück. Du bist nicht zu Hause. STEVE Das ist ein Kerl nach meinem Geschmack. SANDY Ach, was soll’s! Wo ist die Französin, Jake? Wo ist Suzanne? JAKE Wenn ihr Flachpfeifen mich nicht bezahlt, kann ich sie nicht bezahlen, und deshalb tanzt sie nicht. Deshalb ist sie nicht da. GOLDGRÄBER Suzanne! Suzanne! Wir woll’n Suzanne! (BEN kommt aus einem der oberen Zimmer, in Begleitung eines gut gekleideten Spielers mit Namen Janney)


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BEN Was soll denn das Geschrei? Klingt ja wie ein Rudel Kojoten zur Paarungszeit. STEVE Es ist wegen Suzanne. Jake lässt sie nicht tanzen. BEN Warum nicht, Jake? Welches Recht hast du, diesen schwer arbeitenden Männer ein bisschen fleischliche Beglückung vorzuenthalten? JAKE Ich kann die Kleine nicht mit Schuldscheinen bezahlen. Und das ist alles, was ich kriege. BEN Das ist schon okay. Pass auf, du gehst rauf und sagst dem zarten Schnittchen, dass sie ihren kleinen Hintern hier runterschwingen und die Beine schmeißen soll. Ansonsten mach ich ihr welche…obwohl sie, zugegebener Maßen, schon zwei ganz schicke hat. JAKE Und wer bezahlt sie? (BEN holt ein kleines Säckchen mit Goldstaub aus seiner Tasche) BEN Ich! ELIZABETH Nein, Ben! Wieso schmeißt du ständig dein Geld raus? Du hast die Bank gekauft, das Hotel, die meisten Läden. Du kannst die Stadt nicht ganz alleine am Leben halten. BEN Elizabeth, Liebling, du bist eine wunderbare Ehefrau. Aber wenn du dich in meine Geschäfte einmischst, dann erwächst in mir der Wunsch nach einer neuerlichen Auktion. Also, warum gehst du nicht einfach, trinkst ein paar Gläschen und amüsierst dich? JANNEY Wenn Sie erlauben, Rumson, dann verlasse ich unser kleines Spielchen jetzt und kümmere mich mit dem größten Vergnügen um Mrs. Rumson.


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BEN Ich bin ganz sicher, dass Sie das möchten, Janney, aber das wird nicht passieren. Schlimm genug, dass Sie mein Gold in Ihren Händen haben. (Zu Crocker) Crocker, wärst du so nett, heute Nacht auf Elizabeth aufzupassen? CROCKER Gouverneur, es ist mir eine Ehre und ich bin höchst beglückt. BEN Und du bist auch vorsichtig, klar? Also Jake, wo ist das Mädchen? Bring sie runter und dann lasst die Bude brennen. Wenn diese Stadt untergeht, dann kommen wir wenigstens völlig fertig in den Himmel! (BEN erklimmt wieder die Treppe. JANNEY folgt ihm auf den Balkon)

#28 – Can-Can

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(eine Fanfare aus dem ORCHESTER) JAKE (zu Crocker) Ladies und Gentlemen! Ich präsentiere die großartige, einzigartige und gar nicht artige dämonische Can-Can-Tänzerin aus Paris, Frankreich, mit ihrer sicherlich letzten phantastischen Abschiedsvorstellung! Miss Mademoiselle Suzanne Duval! (eine erneute Fanfare aus dem ORCHESTER, die übergeht in die folgende Nummer. SUZANNE erscheint oben und kommt die Treppe herunter. SIE begutachtet die Männer um sie herum. Am Ende wählt sie ROCKY, den unbeholfensten Jungen in der Gruppe, um mit ihm ihren berühmten Can-Can zu tanzen. SIE tanzen und ROCKY versucht SUZANNE auszuziehen, aber sie entkommt ihm und winkt JANNEY, um mit ihr nach draußen zu gehen. ROCKY tanzt mit anderen Fandango Mädchen, die virtuose Kunststücke aufführen. Dann kommt SUZANNE zurück und tanzt mit ihnen. Der Tanz wird intensiver, erreicht einen Höhepunkt und innerhalb der GRUPPE kollabiert einer nach dem anderen und bleibt bäuchlings ausgestreckt auf dem Boden liegen. SUZANNE tanzt allein weiter. Nach und nach erwacht die GRUPPE wieder zum Leben und sie tanzen den Can-Can zu Ende. Der Abschluss ist eine spektakuläre Parade, an deren Ende die meisten wieder kollabieren. Die MUSIK leitet augenblicklich über zu: )

#28b – Can – Can Exit


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(CHERRY beginnt die Männer von ihren Stühlen hochzuziehen. Die MUSIK läuft unter dem Dialog weiter) CHERRY Aufstehen! Alle! Aufstehen und raus mit euch! Ihr habt kein Geld, um Drinks zu kaufen, also geh ich ins Bett! Yeah, Männer, gute Nacht. JAKE Es ist fünf Uhr morgens. Wir wollen früh zumachen. JULIO Senior, Jake, (Die MUSIK blendet aus) Ich habe gehört, dass Mike Mooney nach mir sucht. Ist er hier? JAKE Ja, irgendwo. Stell dich neben eine Flasche und er wird auftauchen. (JULIO setzt sich an einen Tisch. Der Raum leert sich. Zurück bleiben ELIZABETH, CROCKER, JAKE, JULIO und ein PAAR MEHR an der Bar. Ein Mann mit Namen JOE kommt aus dem Spielzimmer und bewegt sich Richtung Ausgang. Hinter ihm kommt MIKE) Alles in Ordnung, Joe? JOE Bin blank. JAKE Es gibt immer eine nächste Nacht. JOE Nicht immer.

#29 – Umzugsmotiv (JOE) Ich zieh weg.


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JAKE Wohin gehst du? JOE Keine Ahnung. Einfach nur weg! Irgendwohin, wo es besser ist. Also, bis dann, Jake. (die MUSIK geht weiter und ALLE starren JOE bewegungslos hinterher. ELIZABETH und CROCKER setzen sich an einen Tisch weit entfernt von JULIO. MIKE MOONEY bewegt sich lautlos in Richtung JULIO.) MIKE Du siehst irgendwie erschöpft aus, Julio, alter Knabe. JULIO Und das wolltest du mir sagen? MIKE Nein, das war’s nicht. Kennst du diesen Kerl, Newcastle, der letzte Woche in die Stadt gekommen ist? JULIO Hab von ihm gehört. MIKE Er hat sich oben im Norden verirrt, Julio – und er hat den See gesehen. JULIO Der hatte einen Höhenkoller in den Bergen. Ich hab ihn aus zwei Meilen Entfernung schreien hören. MIKE Aber genau das war’s, Kumpel. Er hat ins Wasser geguckt und das helle Leuchten hat ihn bekloppt gemacht. Er sagt, er hat auf den Mond gestarrt, keine zwei Fuß unter ihm. Ich zieh los und mach mich auf die Suche, Julio. Aber ich brauch jemanden, der das Land kennt. JULIO Du bist bekloppt, Senior. Du kannst dich in den Bergen verlaufen wie nichts. (ER schnippt mit den Fingern) Und es sind kalte Berge, mit Schnee. Entweder du erfrierst oder du wirst verrückt.


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MIKE Oder du bleibst hier und verhungerst. Glaub mir, Kumpel, wir könnten zurück sein, bevor der erste Schnee fällt. (die MUSIK beginnt) Und wir hätten genug Gold für alle Ewigkeit. JULIO Nein. (JULIO steht auf und geht. Das LICHT im Raum wird sanft)

#30 – Wenn der Herbst kommt

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STEVE WINTER ZIEHT HERAUF DER WIND WEHT DURCH DAS TAL DIE BÄUME STEHEN BALD SCHON GANZ SCHWARZ UND KAHL (die MUSIK geht unter dem Dialog weiter) CROCKER Diese verdammte Stadt hält keinen weiteren Winter durch, Elizabeth. Ein richtiger Schneesturm und alles ist vorbei. ELIZABETH Ich weiß. Wohin wirst du gehen? CROCKER Wohin ich will. Einige Jungs packen ihr Geld ein, und einer von ihnen ist Edgar P. Crocker. ELIZABETH Du wirst mir fehlen, Edgar. Du warst hier mein einziger Freund. JULIO JEDER GROSSE TRAUM IST LANG SCHON NICHT MEHR DA UND WO IST ALL DIE HOFFNUNG, DIE EINMAL WAR (die MUSIK geht unter dem Dialog weiter)


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CROCKER Komm mit mir, Elizabeth. Das alte Stachelschwein kann sich doch nicht richtig um dich kümmern, aber ich kann es. Bleib nicht hier. Es gibt nichts Schlimmeres als Winter, wenn alles andere schon trostlos ist. (ELIZABETH schaut Crocker an und greift über den Tisch nach seiner Hand. ER rückt seinen Stuhl herum und legt seinen Arm um sie, während JULIO singt: ) JULIO UND WENN DER HERBST KOMMT WIRD MIR DAS HERZ SO SCHWER UND JEDES JAHR, DA FÜHL ICH ES MEHR UND MEHR DENN JEDER FRÜHLINGSTRAUM IN DEM DIE HOFFNUNG LEBT WIRD VOM NOVEMBERWIND BESTIMMT GESCHWIND DAVONGEWEHT UND BIS DER HERBST KOMMT SCHEINT ALLES WUNDERBAR AUF EINMAL SPÜRST DU, ES IST NUR SCHEIN DANN SIEHST DU TRAURIG EIN BIST DU IM HERBST SCHON GANZ ALLEIN DANN WIRST DU’S AUCH IM WINTER SEIN (Die MUSIK schwillt an. PETE und YVONNE tanzen ausdrucksstark die Bedeutung von Julios Lied. JULIO geht vom Tisch weg, stoppt und schaut zu Mike. Dann wendet er sich ab, geht die Treppe hinunter und singt) UND WENN DER HERBST KOMMT WIRD MIR DAS HERZ SO SCHWER UND JEDES JAHR, DA FÜHL ICH ES MEHR UND MEHR DENN JEDER FRÜHLINGSTRAUM IN DEM DIE HOFFNUNG LEBT WIRD VOM NOVEMBERWIND BESTIMMT GESCHWIND DAVONGEWEHT UND BIS DER HERBST KOMMT SCHEINT ALLES WUNDERBAR AUF EINMAL SPÜRST DU, ES IST NUR SCHEIN DANN SIEHST DU TRAURIG EIN BIST DU IM HERBST SCHON GANZ ALLEIN DANN WIRST DU’S AUCH IM WINTER SEIN

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(die MUSIK stoppt für den Dialog. JULIO setzt sich, Mike steht hinter ihm) JULIO Senior Mooney? MIKE Was? JULIO Was macht Sie so sicher, dass es den See gibt? MIKE Weißt du, Kumpel, ich glaube, das kann nur ein Ire verstehen. JULIO Ich gehe mit Ihnen, Senior. (JULIO und MIKE gehen Richtung Tür) STEVE Bleibst du noch hier, Mike? (die MUSIK beginnt) MIKE Nein – ich gehe! (die MUSIK geht weiter – Black und der Vorhang fällt)


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#31 – Einleitung zu: Ich gehe (ORCHESTERMUSIK für den Umbau. Sie geht direkt in die nächste Nummer über)

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2. Szene

(eine Straße in Rumson, zwei Wochen später. Die MUSIK spielt „ Ich gehe“. Ein Mann namens ED packt sein Equipment zusammen, ein Anderer namens BILL kommt dazu.

# 32 – Ich gehe

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BILL ED, WIE STEHT’S? ED ICH GEHE ALLES MIST, ICH MACH HIER SCHLUSS NICHT EIN KÖRNCHEN GOLDSTAUB TREIBT SEIT WOCHEN HIER IM FLUSS BILL WOHIN GEHT’S? ED ICH WEISS NICHT BILL UND BALD KOMMT DIE WINTERZEIT ED DACHTE ERST AN BODIE DOCH DER WEG IST ZIEMLICH WEIT DOCH ICH GEHE! GEHE! GEHE! GEHE! (ZWEI MÄNNER kommen herein, JACK und SAM)


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ED JACK, WIE STEHT’S? JACK BIN PLEITE! WAR HEUT WIEDER NICHT MEIN TAG ED HAST DU GAR NICHTS? JACK DOCH ICH HAB ‘NEN FIESEN HAUTAUSSCHLAG (ZWEI MÄNNER kommen herein, JOE und WALT) BILL JOE, WIE STEHT’S? JOE BESCHISSEN! DESHALB HAB ICH HINGESCHMISSEN ICH HAU AB, GEH NACH VIRGINIA SCHÖNE FRAUN UND CAIPIRINHA BILL IN VIRGINIA IST DIE BAR DICHT ED CAIPRINHA HAM’ DIE EH NICHT WALT HEY! EIN KERL KAM GRADE AUS DEAD GULCH SAGT: DIE ADERN SIND SO GROSS! (zeigt es mit den Armen) UND DIE NUGGETS, DIE SIE DA FINDEN SIE SIND RIESIG! ALSO DANN LOS! ED Also los!


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WALT MÖGLICH, DASS ER LOG, DENN ER WAR ZIEMLICH VOLL MIT RUM WAR AUCH NICHT DER SCHLAUSTE NEIN, ER WIRKTE EHER DUMM (ein SCHWEDE mit Namen JOHANSEN kommt herein. Die MÄNNER versammeln sich auf einer Seite der Bühne um ihn und bemerken nicht, dass auf der anderen JENNIFFER hereinkommt. SIE trägt zwei Taschen und hat sich ungemein verändert. SIE ist nun eine junge Dame. SIE schaut die Männer erstaunt an) SAM WAS DENKST DU, JOHANSEN? JOHANSEN (mit starkem Akzent) HIER ZU BLEIBEN MACHT KEIN’N SINN ED WO IST ES DENN BESSER? SAM WOHIN GEHST DU? SAG WOHIN! (Jetzt bemerken SIE Jennifer. Die MUSIK stoppt apprupt. JENNIFER kommt auf sie zu, die MÄNNER pfeifen) ED Herzlich willkommen, Madame. Willkommen in Rumson, der am schnellsten sterbenden Stadt westlich der Skidorodomy Fälle. (die MÄNNER lachen. JENNIFER ist immer noch zu überrascht, um etwas zu erwidern) JACK Süße, es gibt einige Dinge, über die wir reden sollten. BILL Was ist das andere? (alle MÄNNER lachen)

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SAM Haltet die Klappe! Erkennt ich keine Lady, wenn eine vor euch steht? Sie ist gerade erst angekommen. JENNIFER (zu Jack) Sagten sie gerade, dass die Stadt stirbt? JACK Das stimmt, Ma’am. Hier gibt es nicht mal genug Gold, um einen Mäusehintern zu füllen. Alle gehen. JENNIFER Alle gehen? (ein MANN namens HANK kommt herein) HANK Was ist los, ihr Schlappschwänze? Gehen wir, oder nicht? (die MÄNNER beginnen zu singen)

# 32a – Ich gehe - Exit

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GOLDGRÄBER WO WERD’ ICH LANDEN? WEISS ES NICHT. WIRD ALLES BESSER? KEINE AHNUNG. DAFÜR GIBT ES WIRKLICH KEIN’N BELEG (JENNIFER nimmt ihre Taschen und hastet hinaus) EGAL, DENN WIR SIND JETZT AUF DEM WEG (die MÄNNER singen und andere kommen hinzu. Sie tragen Schilder. Auf einem steht: Kalifornien oder pleite! – das ‚oder’ ist durchgestrichen und durch ein ‘ist’ ersetzt. Ein anderes Schild: ‚Das Elend bleibt – wir nicht!’ oder ‚Zurück zu den Verwandten meiner Frau’. Die MUSIK geht direkt weiter)


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#33 – Einleitung zur 3. Szene

3. Szene

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In Rumsons Blockhütte (Es ist Dezember. ELIZABETH sitzt am Tisch und schreibt einen Brief, den ihr BEN diktiert. BEN geht auf und ab) BEN Meine geliebte Tochter Jennifer. Ich habe mich sehr über deinen letzten Brief gefreut. Es ist schön, dass es dir gut geht und dir Boston gefällt. Ich hoffe, du nutzt die Gelegenheit und schaust dir den Felsen an, an dem Kolumbus gelandet ist und auch die Freiheitsglocke. ELIZABETH Die sind beide nicht in Boston, Ben. BEN Aber sie sind im Osten, oder? Verdammt nochmal, der ganze Osten ist so klein, dass man nach einem halben Tag zu Fuß durch ist. Also weiter. (diktiert) Du müsstest sehen, wie sich Rumson seit meinem letzten Brief entwickelt hat! (JENNIFFER tritt ein und steht unbemerkt hinter den beiden. BEN macht weiter) Viel Gold wurde gefunden. Vor drei Tagen erst hat einer einen Nugget gefunden, der wahrscheinlich der größte jemals registrierte ist. Er ist wirklich groß, wobei ich natürlich schon größere gesehen habe. Rumson erlebt einen Boom, wie keine zweite Stadt in Kalifornien. Täglich strömen Tausende… (ER steht an der Rampe, Elizabeth und Jennifer im Rücken) JENNIFER Millionen.


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BEN Nein, Tausende. Lass uns nicht übertreiben. (ER diktiert weiter) Es gibt so viel Gold, dass… dass… (BEN hat sich umgedreht und sieht nun Jennifer, die jetzt neben dem Tisch steht) Was zum Teufel machst du hier? JENNIFER Oh, Papa. BEN Warum bist du nicht in der Schule? JENNIFER Ich bin weggelaufen. BEN Du läufst weg? JENNIFER Nein, ich bin weggelaufen. Das ist die vollendete Gegenwart, das Perfekt von weggelaufen. ELIZABETH Ich freu mich, dass du wieder da bist. Ich koch uns etwas zu Mittag. (SIE geht) JENNIFER Wie sehe ich aus? Ich bin ganz hübsch geworden, nicht wahr? (die MUSIK beginnt)


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# 34 – Elisa – Begleitmusik

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BEN (optional: BEN singt die erste Zeile, bevor er Jennifer umarmt) ICH SEH NOCH ELISA… (die MUSIK schwillt an, während sie sich umarmen) Oh, Jen, ich bin so glücklich dich zu sehen. Wirklich glücklich. JENNIFER (gleichzeitig mit Bens obigem Satz) Papa, es ist so schön, zu Hause zu sein. BEN Wie war’s da drüben? JENNIFER Ganz schön, nach einer Weile. BEN Gib mir deinen Mantel. (ER hilft ihr den Mantel auszuziehen) JENNIFER In den ersten Wochen haben sie mich natürlich ständig für irgendetwas bestraft. BEN Haben sie dich geschlagen? JENNIFER Aber nein. Sie haben mich nur in mein Zimmer eingesperrt. Einmal für eine ganze Woche. BEN Was hast du gemacht?


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JENNIFER Eigentlich gar nichts. Ich war sauer auf meine Englischlehrerin und habe sie eine schwabbelige Schweinebacke genannt. BEN Was? Woher hast du solche Ausdrücke? Die hätten dich ordentlich versohlen sollen – deiner Lehrerin solche Namen zu geben. (ER hängt ihren Mantel auf) JENNIFFER Sie hat gesagt, ich sei primitiv und ich solle besser im Westen bei den Indianern bleiben. BEN Das hat sie gesagt? Du hättest ihr eine reinhauen sollen, dieser runzligen Rotzrübe. (JENNIFER nimmt den Brief vom Tisch) JENNIFER Also ist alles in Ordnung, stimmt’s, Papa? BEN Yep, könnte nicht besser sein. JENNIFER Komisch, da sind einige wohl anderer Meinung. Sie sagen, dass Tausende weggehen. BEN Ist das so? JENNIFER Ja, das ist so. BEN Na ja, ein paar gehen, das stimmt. JENNIFER Wieviel?


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BEN Mehr oder weniger – alle! JENNIFER Alle? Ist es so schlimm? Papa, was ist denn passiert? BEN Alles alle. Das ist passiert. JENNIFER Du meinst, alle sind pleite? Aber ein paar von der alten Truppe sind doch noch hier, oder? BEN Aber klar. JENNIFER Mooney? BEN Der ist weg. JENNIFER Und Bullnack? BEN Der könnte noch da sein. JENNIFER Und – Julio? BEN Julio? Du meinst den Mexikaner, der sich kein Waschmittel leisten konnte? Nein, der ist auch weg. (JENNIFER setzt sich an den Tisch und senkt den Kopf. BEN schaut sie an und erkennt plötzlich den Grund ihrer Rückkehr) Sag mal, Kleines, waren… waren du und er… (JENNIFER nickt)

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(BEN) Ach, es ist besser so. Du willst nicht mit einem Goldgräber zusammen sein. Das ist kein Leben für dich. Du bist jetzt eine Dame. Schau mal, Kleines, morgen kommt die letzte Kutsche hier vorbei. Steig ein und fahr dahin zurück, wo du hingehörst. JENNIFER Was ist mit dir los, Papa? Du bist Goldgräber. BEN Nein, nicht mehr! (ER geht in eine Ecke, nimmt einen kleinen Korb voll Gemüse und bringt ihn zu Jennifer) Guck dir das an. Weißt du, was das ist? Gemüse! Und wo, glaubst du kommt das her? Aus der Erde! Irre, was? Aus der Erde! Hier, in Rumson! Ich sag dir, wenn das Gold erstmal weg ist – es ist Wahnsinn, was da alles im Boden steckt. Das ist alles, was ich brauche. Ich war – ich machte – ich hatte. Ich habe meinen Stern nicht gefunden, also denke ich, es ist Zeit zu bleiben.

# 35 – Schraub die Räder vom Wagen

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BEN NICHT MEHR DURCH DIE GEGEND ZIEHN TIEF IM SCHLAMM BIS ZU DEN KNIEN NIE MEHR HÄNDE KALT UND TAUB UND DIE AUGEN BLIND VOM STAUB HAB ZU LANG ZUVIEL GEWOLLT SCHLUSS DIE TRÄUMEREI VOM GOLD NICHT MEHR KÄMPFEN DURCHS GESTEIN EINFACH NUR ZUHAUSE SEIN DRUM SCHRAUB DIE RÄDER VOM WAGEN SCHRAUB DIE RÄDER VOM WAGEN STELL SIE HINTER DAS HAUS, ICH BLEIBE HIER) HÄNG EIN SCHILD AN DIE WAND DARAUF STEHT ELEGANT: DIESES HEIM IST JETZT SEIN REVIER! FRÜHER TRAF ICH MAL IM FREUDENHAUS EINE KLEINE, WILDE, BLONDE MAUS SIE WAR WIRKLICH GANZ UND GAR MEIN TYP UND SIE HATTE MICH EIN BISSCHEN LIEB


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(BEN) TREUE WAR MIR DAMALS EINERLEI DARUM HATT’ ICH NOCH SO EIN, ZWEI, DREI ALSO BLIEB SIE MIR NICHT LANGE HOLD ALS SIE GING, GING AUCH MEIN GANZES GOLD DRUM HOL DIE TASCHE VOM WAGEN HOL DIE TASCHE VOM WAGEN DENN ZU LANG WAR ICH NUR DER PASSAGIER OB MARLEEN, OB MARIE ES GAB NIE GARANTIE DIESES HEIM IST JETZT MEIN REVIER! HATTE GLÜCK BEI EINEM POKERSPIEL UND GEWANN DA WIRKLICH GANZ SCHÖN VIEL HAB’S IN EINEM WHISKEYFASS VERSTECKT LEIDER HAT DER WHISKEY GUT GESCHMECKT ALLE SOFFEN AUSSER RAND UND BAND BIS DANN EINER MEINE KOHLE FAND RIEF GANZ LAUT, ER MÜSSE WIRKLICH GEHN HAB MEIN GELD DANN NIE MEHR GESEHN DRUM HOL DIE TASCHE VOM WAGEN HOL DIE TASCHE VOM WAGEN HAB GENUG VON DEM GOLDRAUSCH UND VON GIER LASS DIE ANDERN JUNGS GEHN ICH HÖR AUF UND BLEIB STEHN DIESES HEIM IST JETZT MEIN REVIER EINMAL FAND ICH ÜBERHAUPT KEIN GOLD BRAUCHTE ABER EINEN NEUEN COLT HAB DANN MEDIZIN HALT SELBST GEMACHT HAT MIR IMMERHIN DAS GELD GEBRACHT SCHWARZES PULVER, RUM UND FETT UND MEHL WURDEN SO EINE ART HUSTENGEL LIEF DIE ERSTE ZEIT AUCH WIE GESCHMIERT LEIDER IST EIN MANN DANN EXPLODIERT DRUM HOL DIE TASCHE VOM WAGEN HOL DIE TASCHE VOM WAGEN STELL SIE AB AM KAMIN UND NIMM EIN BIER DIESE RUMRASEREI GEHT MIR – HUI – (Geräusch) HIER VORBEI DIESES HEIM IST JETZT MEIN… DIESES HEIM IST JETZT MEIN… IST JETZT MEIN REVIER! (im Applaus geht die MUSIK weiter)

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# 36 – Einleitung zur 4. Szene

4. Szene

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(Eine Straße in Rumson. Einige MÄDCHEN und CHERRY tragen einen großen Koffer (Kiste) hinaus auf die Straße. Einige andere MÄDCHEN bringen Taschen oder gehen einfach umher. Die MÄDCHEN plappern in neun verschiedenen Sprachen.) CHERRY Tais-Toi, Tais-Toi! (die MÄDCHEN werden leise, die MUSIK faded aus) Jetzt hört mal alle zu. Es kommen zwei Kutschen. Die eine fährt nach San Franzisco und die andere, mit einigen Unterbrechungen, den ganzen Weg bis nach Boston. An eurer Stelle würde ich nicht nach Boston gehen. Sie schicken euch sowieso wieder zurück nach Kalifornien. (JENNIFER kommt dazu) JENNIFER (zu Cherry) Guten Abend. Sie müssen Cherry sein. CHERRY Bonsoir. C’est moi. JENNIFER Ich kannte Jake ziemlich gut. Ich bin Jennifer Rumson. CHERRY Ah, oui. JENNIFER Ich dachte, dass Sie mir vielleicht helfen könnten. Ich hatte hier eine Verabredung mit jemandem, aber er scheint verschwunden zu sein. Ich dachte, vielleicht haben Sie etwas über ihn gehört. Ich würde es gerne wissen, bevor ich die Stadt verlasse. CHERRY Wie heißt er? JENNIFER Julio. Julio Federico Juan Valenzuelo Valveras.


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CHERRY Er war Mexikaner? JENNIFER Dreiviertel. Sein Großvater war ein sehr reicher Adeliger. ELSIE Warum sucht sie nicht lieber den Großvater? CHERRY Julio…Julio.. na kommt, Mädels, denkt nach! Benutzt ausnahmsweise mal euren Kopf. (SIE dreht sich zu Jennifer) Es ist schwierig, sich so genau zu erinnern. Irgendwann lebten drei bis vierhundert Mexikaner hier.

# 37 - Begleitmusik

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(MUSIK unter Dialog) YVONNE Ich erinnere mich an Julio. JENNIFER Wirklich? YVONNE Letzten Oktober. Ist er nicht mit dem Iren weggegangen? CHERRY Ah, oui, oui, oui. Je me souviens. Er sah sehr gut aus. Kein Trinker. JENNIFER Ja, das stimmt. Wo sind sie hingegangen? CHERRY Nach Norden in die Berge, um einen goldenen See zu finden. (sie schmunzelt) Verrückte Vögel.


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JENNIFER (enttäuscht) Ein goldener See! Macht es Sie nicht auch manchmal krank? Männer und ihre Träume? CHERRY Was kann man machen. Man hält sie nicht, indem man sie festhält. Wenn Sie älter sind, werden Sie sich daran gewöhnen. (die MUSIK wechselt von Begleitung zur Einleitung der nächsten Nummer. JENNIFER dreht sich ab und zwei MÄDCHEN am Ende der Straße beginnen zu sprechen) MARY Warum ist sie traurig? JANE Ein Mann hat sie verlassen. MARY Nur einer? (während sich die Mädchen unterhalten, fällt JENNIFERS Blick auf einen Wäschesack am Boden. Er sieht beinahe so aus wie Julios. Sie nimmt ihn hoch und in ihre Arme. Die MUSIK von „Ich red’ mit dem Baum“ erklingt leise vom Orchester)

# 37a – Ich red’ mit dem Baum

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JENNIFER (ruhig) ICH RED’ MIT DEM BAUM DOCH LEIDER HÖRT ER NICHT ZU ICH SPRECH MIT DEM WIND AUCH ER KANN NICHT HÖREN DER BACH HAT ES EI- -LIG UND FLIESST GANZ UNGESTÖRT MEIN REDEN BLEIBT UNGEHÖRT DOCH ALLES WAS ICH SAG ERREICHT NUN DEINE OHR’N DENN DU HÖRST ZU UND DU BIST DA DU LÄCHELST MICH AN UND WÄHREND ICH SO ERZÄHL (die MUSIK spielt weiter. Es scheint, als würde JENNIFER gleich anfangen zu weinen. SIE dreht sich zu Cherry)


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(JENNIFER) Vielen Dank. (JENNIFER geht. Die MÄDCHEN schauen ihr voller Mitleid hinterher. JAKE kommt mit einem Wagen.) JAKE Na los, Mädels, aufladen. Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit. (mit großem Durcheinander beginnen die MÄDCHEN ihr Gepäck aufzuladen. Die MUSIK leitet über zu: )

# 37 – Einleitung zu 5. Szene

5. Szene

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(Jakes Palast. Die darauffolgende Nacht. Die MUSIK spielt, und ein paar Goldgräber tanzen miteinander. JANNEY sitzt an einem Tisch und mischt immer wieder die Karten. STEVE, SALEM und einige andere beobachten das Ganze. Der Tanz endet. Als BEN hereinkommt und die MUSIK stoppt.) BEN Gentlemen, kommt zusammen, denn heute Nacht erlebt ihr die größte Schlacht, seit David Goliath vernichtet hat. Mr. Janney, ich habe mich entschlossen, meine Tochter zurück nach Boston auf die Schule zu schicken. Aber dafür brauche ich ein paar Dollar mehr, als ich im Moment besitze, und Sie, Mr. Janney, sollen das ändern. Und wie sollen Sie das ändern? Indem Sie mit mir ein Spielchen wagen. Sind Sie dabei? JANNEY Bin dabei. BEN Wie wäre es, wenn Sie mir erstmal ein paar Hundert leihen, damit ich einsteigen kann? Na, Janney, was sagen Sie? JANNEY Ich sage nein, Rumson. Ich leihe Ihnen gar nichts. Aber ich mache Ihnen ein Angebot. Wenn Sie es akzeptieren, können sie ihre Tochter soweit nach Osten schicken, wie Sie wollen. BEN Was für ein Angebot?


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JANNEY Sie haben etwas, was ich Ihnen abkaufen möchte. BEN Was? JANNEY Ihre Frau! BEN Meine Frau ist tot. Sie ist vor langer Zeit… Sie meinen Elizabeth? JANNEY Ich meine Elizabeth. BEN Elizabeth verkaufen? Bei Ihnen tickt’s wohl nicht ganz richtig. Man verkauft seine Ehefrau nicht. JANNEY Ihr erster Mann hat es getan. BEN Das war was anderes. Sie war eine zu viel. Aber nicht bei mir. Sie ist eine tolle Frau. Stimmt’s, Jungs? JANNEY Ich gebe Ihnen tausend Dollar. BEN Verdammt, ich könnte mich nie mehr im Spiegel anschauen, wenn ich meine eigene Frau verkauft hätte. Meine Gefühle… JANNEY Zweitausend. BEN Ich würde mich wie der mieseste Wurm auf Gottes Erdenball fühlen. Haben Sie denn vor gar nichts Respekt, Janney?


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JANNEY Dreitausend. BEN Verkauft! Steve, lauf rüber zu meiner Hütte und sag Elizabeth, sie soll packen und herkommen. Sag ihr, sie zieht wieder um. (STEVE läuft ab) Wo ist das Geld? JANNEY Nicht so schnell. Ich hätte das gerne schriftlich. BEN Schriftlich? Was ist los? Trauen Sie mir nicht? JANNEY Rumson, als ich fünf Jahre alt war, sagte mein Vater, ich solle auf seinen Schoß springen. Also tat ich es. Er aber öffnete seine Beine und ich fiel auf meinen Arsch. Als ich aufstand, sagte er: Raymond, lass dir das eine Lektion sein. Vertraue niemandem, nicht einmal deinem eigenen Vater. Ich will das schriftlich. BEN In Ordnung. Salem, ich habe meinen Stift zuhause gelassen. Setz du den Kaufvertrag auf. SALEM Alles klar. Kann losgehen. BEN Ich… hast Du’s?... Ben Rumson, Ehemann und Besitzer von Elizabeth…verzichte hiermit auf alle Rechte an Elizabeth, für die Summe von dreitausend Dollar und übergebe sie vollständig, mit allem Drum und Dran an Raymond Janney. Zufrieden? JANNEY Zufrieden. SALEM Unterschreibt hier.


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(BEN und JANNEY unterschreiben) JANNEY Hier ist dein Geld, Rumson. BEN Danke. Gentlemen, ich trinke auf das glückliche Paar. ALLE (ihre Gläser erhebend) Cheers! BEN (ernst, wie bei einer richtigen Hochzeit) Ich gratuliere, Janney. (BEN und JANNEY schütteln sich die Hände) JANNEY Danke. (ALLE umringen nun Janney, schütteln ihm die Hand, gratulieren und wünschen ihm Glück. STEVE kommt herein) BEN Wo ist die Braut. STEVE Ich glaube nicht, dass sie kommt. JANNEY Was sagst du da? STEVE Also, als ich auf dem Weg zu ihr war, da sah ich sie in Crockers Kutsche. JANNEY Du meinst, die beiden sind durchgebrannt? STEVE Es sah ganz danach aus.


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BEN Ach, was weißt du schon. Gut für Elizabeth. JANNEY Aber das geht nicht. Los, hinterher. Das kann sie nicht tun! Steh hier nicht rum, Rumson! BEN Was, ich? Lauf du doch hinterher. Sie ist deine Frau. Hier ist der Vertrag. Ich habe nichts mit ihr zu tun, oder, Jungs? ALLE Nein…stimmt, Ben…gar nichts… (Janney starrt von einem zum anderen, sprachlos vor Wut) STEVE Also, es geht mich ja nichts an, aber wenn ich du wär, dann würde ich langsam mal los. Sonst wird das die kürzeste Ehe, die es je gab. (die MUSIK beginnt) JANNEY (geht Richtung Tür) Das ist Betrug. Genau das ist es. Ein ausgemachter Betrug! (JANNEY verschwindet. Die MÄNNER schauen sich an und platzen dann fast vor Lachen. Auf einen MUSIKALISCHEN AKZENT erscheinen SUZANNE und die noch übrigen FANDANGO GIRLS, alle so gekleidet wie bei ihrer Ankunft, und verlassen Jakes Palast. Eines der Mädchen verliert einen Schal, und nachdem sie gegangen sind, hebt WALT ihn auf und steckt ihn in die Tasche)

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# 39 – Fandango Abschied & Rumson Town Reprise

(das ORCHESTER unterlegt den Dialog, die Gesangszeilen werden nur von GITARRE begleitet) BEN Na los, ihr Hundesöhne. Einen auf den Bürgermeister. Jake, schenk ein! (JAKE beginnt alle Gläser nachzufüllen) BEN Und Salem, wo machst du deinen nächsten betrügerischen Laden auf?


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SALEM Ich mache zu, Ben. Ich nehme morgen früh die Kutsche und fahre zurück in den Osten. BEN Jennifer nimmt dieselbe Kutsche. Kannst Du ein bisschen auf sie aufpassen? SALEM Aber sicher, Ben. (die MUSIK spielt weiter „ Rumson Town“ Reprise – BEN singt und begleitet sich auf der Gitarre) BEN OH, DER HERR SCHUF JEDEN TEIL VON RUMSON TOWN OH, DER HERR SCHUF JEDEN TEIL VON RUMSON TOWN LIESS DIE STADT DURCH GOLD ERBLÜHEN UND DANN GANZ SCHNELL VERGLÜHEN OH, DER HERR SCHUF JEDEN TEIL VON RUMSON TOWN (die MÄNNER setzen sich auf die Stühle, ein Bild der hoffnungslosen Niedergeschlagenheit. BEN kreuzt singend die Bühne und geht ab. Nach einem Moment der Stille hört man plötzlich lautes Rufen: Gold! Gold! von der Straße. Nach und nach setzen sich die MÄNNER auf. Das Rufen wird lauter.) STEVE Was zur Hölle…? ERSTER MANN (stürmt herein) Gold! Gold! (stürmt wieder raus) STEVE Sie haben Gold gefunden?


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# 40 – Das Gold

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ZWEITER MANN (stürmt herein) Gold! Gold! (stürmt wieder raus. Die MÄNNER sehen sich an und stehen langsam auf, als ein dritter MANN hereinstürmt) DRITTER MANN ENDLICH GOLD! ENDLICH GOLD! UND DAS GAR NICHT MAL SO WEIT JETZT BEGINNT EINE GANZ NEUE ZEIT PACK DEIN ZEUG, PACK DEIN’ KRAM, LEUTE, SEID NICHT SO LAHM ES GEHT LOS, WIR SIND ABFAHRBEREIT (der DRITTE MANN stürmt raus. Die MUSIK läuft weiter) STEVE Heiliges Kanonenrohr. (die MÄNNER im Raum schauen sich an, als ob sie es nicht glauben können. EINER erscheint oben am Ende der Treppe und starrt herunter. ZWEI kommen aus dem Spielzimmer. JENNIFER (stürmt herein) Hey, ihr Schnarchnasen. Sie haben eine Mine gefunden! Eine riesige. Ihr solltet euch beeilen. Ungefähr tausend Wagen kommen gerade über die Berge. STEVE Also komm, Jake. Lass uns los, bevor sie uns über den Haufen fahren. JAKE (ruft nach oben) Cherry! Eine Mine! Eine Goldmine! STEVE PACK DEIN ZEUG, LOS, PACK DEIN’ KRAM DER TAG WIRD NOCH FAMOS WEISS NICHT WO DAS ZIEL IST, DOCH WIR ZIEHEN ERST MAL LOS


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(STEVE geht mit zwei Männern. Unter anderen bleiben auch SALEM und JAKE zurück) (CHERRY kommt die Treppe runtergerannt. Die MUSIK spielt weiter) CHERRY Was ist los? Was ist passiert? JAKE Eine Goldader, Honey. Eine Riesige! Fahr nach Denver und hol ein paar neue Mädchen. Sobald ich da bin, sag ich dir Bescheid. Und weißt du, was wir machen? Wir eröffnen das verdammt nochmal beste Varietétheater, das Kalifornien jemals gesehen hat. CHERRY Nein, nein, Jake. Ich werde nicht auf dich warten. Diesmal komme ich direkt mit. JAKE In Ordnung. Komm mit! Und sei dabei! JENNIFER (an der Tür) Auf Wiedersehen, Steve. Viel Glück! SALEM (brüllt an der Tür) Braucht irgendwer Äxte oder Spitzhacken? Heute alles zum halben Preis. JAKE ENDLICH GOLD! ENDLICH GOLD! UND DAS GAR NICHT MAL SO WEIT PACK DEIN SIEB, DEINE AXT, DEINEN COLT AB JETZT LÄUFTS WIE GESCHMIERT, BIS DIE HÖLLE GEFRIERT UND NUN LOS, ICH RIECHE GOLD! (JAKE und CHERRY ab. Jetzt sind nur noch SALEM und JENNIFER da) (die MUSIK spielt unter:) SALEM (an der Tür) Es sieht so aus, als ob der ganze Westen über die Berge kommt. (ER dreht sich zu Jennifer um) Kann ich dir packen helfen?


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JENNIFER Nein, kannst du nicht, Salem. Ich gehe nicht weg. SALEM Du kannst auf meiner Kutsche mitfahren. JENNIFER Ich habe gesagt, ich gehe nicht weg. Ich bleibe hier. Ich warte auf jemanden. SALEM Aber Jennifer… JENNIFER Salem, bitte. Geh. (SALEM merkt, dass sie fest entschlossen ist. ER dreht sich um und geht. Für einen Moment steht sie ganz allein auf der Bühne. Neben dem Gepolter aus dem Orchestergraben hört man auch das geschmetterte „Ich red’ mit dem Baum“. Ein MANN stürmt herein, schnappt sich zwei Flaschen von der Theke, winkt ihr zu und verschwindet wieder. Die MUSIK bricht ab. Dann hören wir plötzlich Bens Gitarre und ER kommt herein.) JENNIFER Pa! Sie haben eine Goldader gefunden! BEN Hab ich gehört. Hab ich gehört. JENNIFER Eine riesige! BEN Ich weiß! JENNIFER Gehst du nicht hin?


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# 40a – Hol die Tasche vom Wagen

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BEN GOLD FLIESST BALD AUS JEDEM TEICH JEDER WIRD ENTSETZLICH REICH WEISST DU AUCH, WANN DAS PASSIERT? WENN DIE HÖLLE ZUGEFRIERT DRUM HOL DIE TASCHE VOM WAGEN HOL DIE TASCHE VOM WAGEN DAS WORT: GOLD, IST MIR VOLLKOMMEN EGAL ICH WILLS NIE WIEDER HÖRN MICH WIRD’S NIE WIEDER STÖRN DENN ICH BLEIBE JETZT HIER (die MUSIK geht weiter über den Szenenwechsel und geht in den Gesang über)

6. Szene

(In den Bergen nahe Rumson kurz nach Sonnenaufgang am nächste Tag, eine Gruppe von Goldgräbern campiert. Unter ihnen sind STEVE, SANDY und JAKE. SIE singen)

# 41 – Bin geboren, um durch die Welt zu ziehn – Reprise GOLDGRÄBER

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BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN STEVE GEH ZURÜCK NACH GEORGIA ABER NOCH NICHT GLEICH ERST VERTRAU ICH AUF MEIN GLÜCK, FIND GOLD UND WERDE REICH GOLDGRÄBER BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN KAUM WAR ICH GEBOREN, HIESS ES: KOMM WIR MÜSSEN GEHN, ZIEH DICH AN, WIR SCHAUN JETZT ERSTMAL WIE DIE STERNE STEHN


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(GOLDGRÄBER) WOLLTE IMMER BLEIBEN, UND BLIEB DOCH AN KEINEM ORT SPÜRTE JEDESMAL: ICH MUSS WIEDER FORT BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN JAKE BAU MIR EINEN TANZSAAL SCHICK UND RIESENGROSS UND SOLLTE ICH PLEITE GEHEN DANN PACKE ICH UND GEH WIEDER LOS GOLDGRÄBER BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN (die GOLDGRÄBER nehmen ihr Equipment. Ihre Augen leuchten voller Hoffnung, während sie das Camp abbauen und weiterziehen – so, wie sie es für alle Zeiten tun werden) (die MUSIK wird zu:)

# 42 – Einleitung zu 7. Szene

(ORCHESTERMUSIK für Szenenwechsel und Vorhang, Gesang wird von Gitarre begleitet)

7. Szene

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(Rumsons Marktplatz. Einige Monate sind vergangen und die Stadt wird immer mehr zur Geisterstadt. Salems Laden zeigt erste Spuren des Verfalls. Die Fenster sind zugenagelt und das Schild ist zerbrochen. Dutchies Saloon sieht ähnlich aus. An Salems altem Laden hängt ein Schild: Rumson, Bevölkerung: 4000. Die 4000 ist durchgestrichen und durch die Zahl 6 ersetzt. Es ist April 1855. Am Hang sieht man keine Spuren menschlichen Einflusses mehr. Das Grün des Frühlings überwuchert alles. Wenn das Licht angeht sitzt BEN auf der Verand des Ladens und spielt auf seiner Gitarre. JACOB WOODLING kommt mit einem Korb voll Maiskolben herein) JACOB (singt zu Bens Gitarre) OH, DER FRÜHLING KEHRT ZURÜCK NACH RUMSON TOWN JA, DER FRÜHLING KEHRT ZURÜCK NACH RUMSON TOWN (Die MUSIK endet, JAKOB spricht)


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JACOB Ah, hier bist du, Ben. Ich habe ein Geschenk für dich. (ER stellt den Korb ab und greift nach einem Maiskolben) Guck dir das an! Hast du jemals gesehen, dass Mais so schnell wächst? BEN Yep, er wächst schnell, aber ich hab’ schon schnelleren gesehen. Drüben in Kansas wächst der Mais so schnell, das du ihn an derselben Stelle direkt zweimal hintereinander abschneiden kannst. JACOB Genauso könntest du Mais anbauen, Ben. Wenn du nur rausgehen und dein Land bestellen würdest. Warum lässt du die ganze gute Saat vergammeln. BEN Ich hatte zu viel zu tun. JACOB Was denn? BEN Sterne beobachten. (plötzlich hört man den MÄNNERCHOR leise aber deutlich in der Ferne. Sie singen unbegleitet: WENN DU TRÄUMST, DANN TRÄUME GROSS) Hast du das gehört? JACOB Was gehört? BEN Ach, nichts. Hast du irgendwas von den Goldjungs gehört? JACOB Zufällig ja. Gerade gestern habe ich einen Brief von Jake Whippany bekommen. BEN (sehr interessiert) Wo ist er?


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JACOB Oben, im Bluebelly Canyon. BEN Und gräbt vermutlich Würmer aus. JACOB Nein, ganz und gar nicht. Er sagt, dass es dort oben so viel Gold gibt, das man Mühe hat, ein normales Fleckchen Erde zu finden, auf das man eine Hütte bauen kann. BEN Ist das so? Die Vögel lassen es sich gutgehen. Aber warte nur ein Weilchen. Sie werden bald wieder pleite sein. In Ordnung, ich gehe mal und repariere das Rad an meinem Wagen. JACOB Willst du irgendwo hin, Ben? BEN Ich? Auf keinen Fall. Ich kann doch meine eigene Tochter nicht alleine lassen, oder? (man hört den MÄNNERCHOR wieder: AUF NACH WESTEN, ES GEHT LOS) Hast du das gehört, Jacob? JACOB Ich habe nichts gehört, Ben. BEN Verdammtes Gold. Jennifer ist im Laden. Sie wird das Gemüse mitnehmen. Und danke für das Gold. Äh, …ich meine den Mais.

# 43 – Begleitmusik

(die MUSIK liegt unter dem Dialog. BEN verschwindet hinter dem Saloon und JACOB kreuzt die Bühne. JULIO erscheint, ein geschlagener Mann. ER ist offensichtlich überrascht, Jacob zu sehen) JACOB Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?


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JULIO Buenos dias. Leben Sie hier? JACOB Ja. JULIO Ich… ich dachte, hier wäre niemand mehr. JACOB Aber nein. Das hier ist keine Geisterstadt. Ein paar von uns sind noch übrig. JULIO Wirklich. Wie viele? JACOB (deutet auf das Schild) Da hängt das Schild. JULIO Ich kann nicht lesen. JACOB Entschuldigung. Wir sind noch sechs – nach der letzten Volkszählung, die Ben gemacht hat. JULIO Ben Rumson? JACOB Ja, er und seine Tochter sind noch hier. (JULIO braucht einen Moment um die Worte zu begreifen) JULIO Wie geht es ihr, Senior? Ich habe sie einmal kennengelernt – als ich mir den Zeh verstaucht habe. JACOB Sie hat sich zu einer hübschen jungen Lady gemausert. Sie ist im Laden, falls Sie sie sehen möchten.


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(JACOB verschwindet hinterm Laden. JULIO steht regungslos da und überlegt, ob er Jennifer treffen oder weitergehen soll. Seine Hoffnungslosigkeit obsiegt und er wendet sich zum Gehen. BEN taucht auf und sieht ihn. Die MUSIK stoppt) BEN Also gut, wo zum Teufel bist du gewesen? JULIO Im Norden, Senior. BEN Genauso siehst du aus. JULIO Ich komme nur zufällig hier durch auf dem Weg nach Hause, nach Mexiko. BEN Mexiko, hä? JULIO Wenn man gar nicht mehr weiß wohin - dann ist Zuhause ein ganz guter Ort. BEN Zu schade. Es gibt sehr viel gutes Land hier in der Gegend…also für Männer, die sich den Goldstaub aus den Augen gerieben haben und ein Gespür dafür haben. Du müsstest mal sehen, was wir hier anbauen! Eigentlich verdammt schade, das du und Mooney nicht hier geblieben seid, als Farmer und nicht…was ist eigentlich aus Mooney geworden? Er ist vermutlich erfroren, was? JULIO Nein, er ist unterwegs zur Loveletter Schlucht. Sie haben dort Gold gefunden. BEN Gold? (der Männerchor erklingt wieder: WENN DU TRÄUMST, DANN TRÄUME GROSS) Du weißt darüber aber nichts Genaueres?


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JULIO Nein. (Pause) Senior, ist Jennifer auch hier? BEN Sie hat auf dich gewartet. JULIO Woher wusste sie, dass ich zurückkomme? BEN Wusste sie nicht. Aber Goldgräber sind Träumer, und wenn du das nun mal bist, dann gibst du diese Träume niemals auf, denke ich. So sieht’s aus. Aber hey – wenn du mal ein Beispiel sehen willst, was hier so heranwächst - wirf einen Blick in den Laden. (ER beginnt Julio in Richtung Laden zu schieben) Na los! Trau dich und riskier einen Blick. Es kostet nichts… und vielleicht macht es dir Hoffnung. (JULIO betritt den Laden. BEN bleibt einen Moment stehen und schaut ihm hinterher. Wir hören wieder den unbegleiteten Männerchor: AUF NACH WESTEN, ES GEHT LOS. BEN richtet sich auf und es kommt Leben in ihn. ER wirft seine Ausrüstung über die Schulter, schiebt seinen Hut in den Nacken, greift nach seiner Gitarre und wirft eine Kusshand in Richtung des Ladens. JENNIFER tritt aufgeregt auf. JENNIFER Papa! Papa! (SIE sieht den reisefertigen Ben) Papa! (JULIO taucht hinter ihr auf) BEN Bis dann, Kleines. Passt gut aufeinander auf. Wenn du vom hellsten Stern aus gerade nach unten schaust, dann weißt du immer genau, wo ich bin. JENNIFER Du gehst?


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# 44 – Bin geboren, um durch die Welt zu ziehn – Finale

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BEN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN EINE FESTE HEIMAT IST NICHT WAS ICH SUCH SESSHAFT WERDEN IST EIN GREUL UND WEITERZIEHN EIN FLUCH BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN MÄNNER UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN (BEN geht hinter dem Laden ab. Wenn das Licht heller wird, sehen wir ein Panorama des Westens mit MENSCHEN, die unterwegs sind. Sie singen. KAUM WAR ICH GEBOREN HIESS ES: KOMM WIR MÜSSEN GEHEN, ZIEH DICH AN, WIR SCHAUN JETZT ERSTMAL WIE DIE STERNE STEHN WOLLTE IMMER BLEIBEN, UND BLIEB DOCH AN KEINEM ORT SPÜRTE JEDESMAL: ICH MUSS WIEDER FORT BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN ICH WAR AN VIELEN ORTEN UND VIELE WAREN SCHÖN DOCH WENN ICH SIE AM SCHÖNSTEN FAND DA MUSST ICH WIEDER GEHEN KOMM ICH IN DEN HIMMEL, BIND MICH LIEBER AN WEIL, WENN DU ES NICHT TUST, ICH EINFACH WEITERWANDERN KANN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN BIN GEBOREN, UM DURCH DIE WELT ZU ZIEHN (Wir sehen BEN mit einer Gruppe über die Berge ziehen. JULIO und JENNIFER stehen an der Tür und winken ihm nach. ER winkt zurück und langsam fällt der Vorhang) ENDE

# 45 – Ausgangsmusik


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