EDGE Magazine 2016-1 DE

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Ein Mag a zin vo n Sec o Aus g a be 1 / 2016

Industrie 4.0 – TRENDS

Chinas Mission

Neues vom Technik-EXPERTEN


Inhalt

E D G E A U S G A B E 1 – 2 0 1 6 04 News und Trends 07 Wissen Industrie 4.0 – TRENDS Big Data ebnen den Weg zur sog. "vierten industriellen Revolution".

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FALLSTUDIE: China TITELGESCHICHTE Der effiziente Gigant Wirtschaftliche Herausforderungen zwingen ein chinesisches Unternehmen in der Arbeitspraxis zum Umdenken – mit großem Erfolg.

13 Am Puls der Zeit Interview mit Patrick de Vos Der Seco Experte für die zerspanende Bearbeitung beantwortet technische Fragen unserer Leser.

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Fallstudie: Schweden Geschäftstüchtig Mit genügend Kampfgeist konnte der Lohnfertiger Fårbo Mekaniska seinen Umsatz innerhalb von 10 Jahren um das Zehnfache steigern.

18 Möglichkeiten Auf dem richtigen Weg Der Güterverkehr auf Schienen gewinnt zusehends an Bedeutung. Ist dieser Prototyp die Bahn der Zukunft?

20 Edge und Sie haet lo/taiwan „Das Geheimnis unseres Erfolgs? Wir halten Schritt mit der Entwicklung unserer Branche. Seco macht es genauso.“

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Fallstudie: Automation Erfolgreicher Roboter Mit der neuen Roboterzelle arbeitet der schwedische Lieferant für Werkzeugstahl Uddeholm erheblich effizienter.

28 EDGE unterwegs jörgen andersson Seco Produktmanager Jörgen Andersson berichtet über seine Leidenschaft: Bergwerktauchen.

32 EDGEucation Die Technikzentren von Seco Mit dem neuen Werk im indischen Chennai erweitert Seco sein globales Netz an Technikzentren.

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Asien setzt auf Effizienz In dieser Ausgabe der Edge berichten wir gleich mehrmals über den asiatischen Markt. Durch Überproduktion und zunehmenden Wettbewerb sieht sich die Region – und ganz besonders China – mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. In dem neuen Geschäftsumfeld wird es für die zerspanende Industrie immer schwieriger, Lieferanten zu finden, die deutliche Vorteile bieten. Seit jeher fördert Seco die Rentabilität und Effizienz seiner Kunden. Auf Seite 8 erfahren Sie, wie wir unseren Kunden MCC-SFRE, einen chinesischen Hersteller von Anlagen für die Schwerindustrie, unterstützt haben. Außerdem informieren wir Sie wie immer über neue Erkenntnisse (z. B. ein Bericht über Industrie 4.0 auf Seite 7) und interessante Menschen (der Artikel auf Seite 28 zum Seco Produktmanager, der in seiner Freizeit in verlassenen Minen taucht). Viel Vergnügen! HANS HELLGREN

Vizepräsident Vertrieb und Marketing edge@secotools.com Edge ist das Kundenmagazin von Seco Tools, das weltweit in 25 Sprachen erscheint. Seco Tools AB Marketing Department, 737 82 Fagersta, Schweden. Telefon +46 223-400 00 Fax +46 223-718 60 Internet www.secotools.com Verlag Hans Hellgren E-Mail hans.hellgren@secotools.com Redaktionsleitung Katarina Annerby E-Mail katarina.annerby@secotools.com Redaktion und Layout Appelberg Publishing Group Redakteur Per-Ola Knutas Editor Daniel Dasey Art Direction Cecilia Farkas, Johan Nohr Druck Elanders Titelfoto Jingwang/GettyImages EDGE (1. 2014)

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News und Trends

Jabro®: Bearbeitung mit hohen Vorschüben Das einzigartige Design des JHF980 arbeitet mit maximalem Vorschub. Und durch zusätzliche Schneiden ist der Vorschub jetzt höher denn je! Der JHF980 kommt häufig bei der Bearbeitung komplexer Werkstü­ cke an modernen Maschinen zum Einsatz und eignet sich ideal für die zerspanende Bearbeitung von Stahl, Rostfrei und Titanlegierungen. Die universelle Auslegung des Werkzeugs erzeugt bei zahlreichen Bearbeitungsverfahren wie Tiefloch­ bohren, Bohrzirkularbearbeitung und natürlich Hochvorschub­ schruppen dünne, längere Späne. Vorteile: mehr Schneiden für echtes Hochvorschubschruppen

Scheibenfräser 335.25 Seco hat für den erfolgreichen Scheibenfräser 335.25 zwei neue Wendeplattengrößen eingeführt. Damit bietet der Fräser ein umfas­ sendes Spektrum an Schnittbreiten von 13,5 mm bis 32 mm. Der vielseitige Fräser 335.25 eignet sich zum Nutfräsen, zur rücksei­ tigen Bearbeitung, zur Bohrzir­ kularbearbeitung und auch für Tauchfräsbearbeitungen. Seco bietet die Fräser mit festem Plat­ tensitz, Innenkühlung und einstell­ barer Breite an und wird damit einer großen Bandbreite an Produktions­ umgebungen gerecht. Vorteile: Neue Schnittbreiten, geringere Werkzeugkosten, kleinere Werkzeugbestände. Maximale Fle­ xibilität, Zuverlässigkeit, Präzision und Anwenderfreundlichkeit

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Verbundene Geräte 2003 500 Millionen

2010 12,5 Milliarden

2015 25 Milliarden

Die richtige Verbindung Das Internet der Dinge (englisch Internet of Things, Kurzform: IoT) – sprich: technische Entwicklun­ gen, über die verbundene Geräte und Maschinen miteinander kommunizieren – sorgt für einen Wan­ del in den Privathaushalten und Industrien der Welt. Auch in der zerspanenden Industrie. Aktuelle Zahlen belegen, dass sich der kometenhafte Aufstieg des IoT fortsetzen wird. Weiter auf Seite 7 (Der Weg der Industrie 4.0)


Besuchen Sie Seco auf Instagram

2020 50 Milliarden

Auf unserem Social-Media-Kanal können Sie wie viele andere Follo­ wer die eindrucksvollen Spezial­ werkzeuge von Seco bewundern. Im Januar wurde von Adam Wojciechowski, CNC-Techniker im Seco-Werk für Spezialwerkzeu­ ge in Troy, Michigan (USA), der Instagram-Kanal „CNCTOOLS“ eingerichtet. Seine Posts zu neu­ artigen, innovativen Spezialwerk­ zeugen weckten schon bald die Aufmerksamkeit der Branche, und im Juli hatte er knapp 3000 Fol­ lower. Wojciechowski stellt täglich neue Bilder ins Netz. „Auf Instagram teile ich meine Leidenschaft für die CNC-Technik. Außerdem lässt sich Seco Tools hier gut vermarkten und bleibt innerhalb der Zerspanungsge­ meinschaft im Gespräch“, sagt Wojciechowski.

Turbo-Serie Die Turbo-Werkzeugserie von Seco Tools überzeugt in allen Eck- und Stirnumfangsfräsbearbeitungen und ist durch den vielseitigen und flexiblen Einsatz marktführend. Sie umfasst Zerspanungswerkzeuge von 10 bis 250 mm Durchmesser sowie ein umfas­ sendes Wendeplattenprogramm in vier Größen. Dadurch eignet sie sich für Fräsbearbeitungen mit kleinen wie gro­ ßen Maschinen und ermöglicht unbe­ grenzte Kombinationsmöglichkeiten von Werkstoffen und Einsatzbereichen. Mit den existierenden Turbo XO..Wendeplattengeometrien, Eckenradi­ en und Schneidstoffsorten sind Ihnen bei der Bearbeitung verschiedenster Werkstoffe keine Grenzen gesetzt. Mit unterschiedlichen Geometrie- und Sortenkombinationen ist immer eine Alternative zur Optimierung der Anwen­ dung möglich. Ob stabile oder schwa­ che Bearbeitungsbedingungen – es gibt eine Alternative, mit der Sie die höchst­ mögliche Produktivität erzielen. Vorteile: Flexibilität, Vielseitigkeit, höhere Genauigkeit, maximale Pro­ duktivität

... bald online: die neue Seco- Website www.secotools.com Spanbrecher M6

Suggest-Funktion jetzt auf My Pages My Pages ist das digitale Seco Portal für unsere Kunden in der zerspanenden Industrie. Ab sofort gibt es hier die nütz­ liche Vorschlagsfunktion „Suggest“, die Ihnen die Auswahl der richtigen Werkzeuge für Ihre individuellen Bearbeitungen besonders einfach macht. Wählen Sie zunächst den Werkstoff, aus dem Ihr Werkstück besteht, und geben Sie dann Schritt für Schritt die gewünschte Bearbeitung an. Jetzt schlägt My Pages das passende Werkzeug vor. My Pages ist für alle Plattformen geeignet und allen Web­ rowsern, Smartphones oder Tablet-PCs kompatibel. My Pages liefert für Ihre individuellen Bearbeitungen u.a. sichere Anwen­ dungsempfehlungen, präzise Schnittdaten, einfache Bestell­ möglichkeiten und diverse Softwarelösungen aus dem Hause Seco. Alles mit dem gleichen Ziel: Ihre Arbeit zu vereinfachen.

Der 2015 vorgestellte Spanbrecher M6 mit den chromfarbenen Duratomic® -Sorten TP2501, TP1501, TP0501 und neuartiger Einsatzerkennung bietet für die meisten Schlicht- und Schruppdreharbeiten mit Stahl die per­ fekte Kombination an Eigenschaften. Das Programm wurde kontinuierlich ergänzt und umfasst mehr als 30 neue Produkte. Vorteile: zuverlässig, vielseitig, leichtschneidend, beispiellose Hochleistungseignung dank neuer Duratomic-Sorten TP2501, TP1501 und TP0501

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News und Trends

Sortenfamilie Secomax™ H05 - H35 Die neuen Sorten Secomax CH0550, CH2540 und CH3545 von Seco, erreichen ganz neue Dimensionen in puncto Leistungsfähigkeit. Die Sorten entstanden im Zuge umfang­ reicher Forschungsarbeiten und setzen auf komplett neue Technologieansätze. Die neue Lesen Sie weiter auf www.secotools.com/PCBN

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Sortenfamilie zum Hartdrehen komplettiert die existierende Sorte CBN060K (H15), um den in zahlreichen Branchen steigenden Anforde­ rungen an Produktivität, Oberflächengüte und Zuverlässigkeit gerecht zu werden.


Wissen Globale Trends

Klas Andersson Manager Customer-InterfaceServices, Seco Tools

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BIG DATA: DAS GROSSE GESCHÄFT

Die nächste Revolution

ach der Erfindung von Dampfmaschine, Produktionsstraße und Computertechnik stehen wir jetzt vor der nächsten – der vierten – industriellen Revolution. Dieses Phänomen wird allgemein als Industrie 4.0 bezeichnet und dürfte eine allumfassende, faszinierende Veränderung der Produktionsabläufe in der Fertigungsindustrie zur Folge haben. Zwar hat sich unsere Branche die Nutzung der digitalen Technik nicht so schnell zunutze gemacht wie die Medien oder der Einzelhandel, aber sie könnte genau jener Sektor werden, der am meisten davon profitiert, dass sich die Welt immer weiter vernetzt. Kein anderer Sektor arbeitet mit vergleichbar hohen Datenmengen, die von unseren Maschinen und Prozessen erzeugt werden. Wer in der Lage ist, diese Tatsache in einem intelligenten Produktionsprozess mit voll integrierten Werkzeugen, Maschinen und Endprodukten zu nutzen, hat enormes Potenzial, die Effizienz seiner Produktion um ein Vielfaches zu steigern.

Interview von Per-Ola Knutas Illustration: Mika Pollack/AgentMolly

Die Trends der Industrie 4.0

Hallo

Soziale Maschinen

Intelligente Produkte

Mehr Umweltverträglichkeit

In der Vergangenheit waren die Maschinen nur durch die Produktionskette miteinander verbunden. Die Maschinen von morgen hingegen lassen sich getrost als „sozial“ bezeichnen. Denn sie kommunizieren mitei­ nander, können Daten abrufen, speichern und verarbeiten und entsprechende Befehle umsetzen.

In der heutigen Zeit bestimmen die Produkte mehr und mehr ihre eigene Herstellungsweise. Dies geschieht dank der Tatsache, dass Produkte heutzutage mit immer mehr Informa­ tionen zu ihren Inhaltsstoffen versehen sind und sie im ständigen Kontakt mit dem Lager, Maschinen und Kontroll­ systemen stehen.

Moderne intelligente Fabriken arbei­ ten mit zusehends optimierten Pro­ zessen. Dadurch entstehen weniger Abfälle, es geschehen weniger Feh­ ler, die Energieeffizienz steigt, und die Umwelt profitiert. Intelligente Maschinen schalten im Bedarfsfall automatisch in den Ruhezustand und tragen so ihren Teil zur Senkung des Energieverbrauchs bei.

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FALLSTUDIE MCC-SFRE, China

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Chinas effizienter

Riese China ist der größte Stahlproduzent der Welt. Derzeit versucht das Land, den wirtschaftlichen Herausforderungen mithilfe von Überkapazitäten zu begegnen. Das staatliche Unternehmen MCC-SFRE Heavy Industry Equipment mit Sitz im Nordwesten Chinas stellt sich dieser Aufgabe und arbeitet kontinuierlich an der Steigerung seiner Unternehmenseffizienz. Von Wang Huazhong Fotos: Wang Jing

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FALLSTUDIE MCC-SFRE, China

Riese in Staatsbesitz SFRE wurde 1966 gegründet und ging 2004 ein Joint Venture mit MCC ein. MCC-SFRE verfügt über vier Bearbei­ tungswerke und rund 3000 Angestellte, von denen 600 als Techniker und davon 95 als Chefingenieur tätig sind. Das Unternehmen produziert ein breites Sortiment an Maschinen für zahlreiche Industrien. Das wichtigste Produkt sind Maschinen für Stahlwerke, vorrangig Streifen- und Grobblechwalzwerke. Die angebotenen Walzanlagen erfüllen die in Europa und Japan vorgeschriebenen Standards. Bis vor einiger Zeit betrieb das Unternehmen in der Gemeinde Zhuangli sogar eigene Schulen, Kinos und Krankenhäuser.

Am Eingang des Werkes von MCC-

SFRE Heavy Industry Equipment Co im nordwestchinesischen Zhuangli steht ein schwarzes Brett. Darauf steht das ehrgeizige Ziel des Walzanlagen-Riesen für das Jahr 2015: eine Produktionsmenge im Wert von 1,3 Milliarden Yuan (187 Mio. EUR). Das Unternehmen mit Sitz in der chinesischen Provinz Shaanxi ist ein Joint Venture zwischen dem staatlichen Mischkonzern China Metallurgical Group Corporation (MCC) und Shaanxi Forging & Rolling Equipment Works (SFRE), einem Hersteller von Hochleistungsanlagen mit 50 Jahren spezialisierter Erfahrung mit Walzanlagen und Bandlinien für Stahlwerke. Stahlhersteller nutzen diese Walzanlagen, um ihren Stahl vor dem Weiterverkauf an die Kunden auf eine gleichmäßige Dicke zu bringen. Yang Xuejun ist Direktor der Technikabteilung bei MCC-SFRE. Er berichtet, wie sich das Unternehmen nach der Weltwirtschaftskrise 2008 mit diversen Problemen konfrontiert sah. „Obwohl die Nachfrage nach Stahl zurückgegangen ist, haben wir unsere Walzanlagenproduktion nicht zurück geschraubt, sondern eher noch beschleunigt. Wir müssen ja die Betriebskosten decken und wollen

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„ Wir müssen in allen Bereichen sparen und effizienter vorgehen - auch im Werkzeugverbrauch.“ Jia Xiaofeng, Werksleiter MCC-SFRE Nr. 1

1,3 Mrd.¥ Die ehrgeizige Zielvorgabe von MCC-SFRE Heavy Industry Equipment Co für die Industrie­ produktion 2015

den Schwung des Unternehmens aufrecht erhalten“, erklärt Yang. Tatsächlich bestellen die Stahlproduzenten

immer neue Walzanlagen, um ihre Fertigungsqualität zu verbessern, die Produktionskapazitäten zu steigern und Kosten zu sparen. Doch weil die Käufer das Geschäft bestimmen, produziert das Unternehmen immer mehr und verdient dabei weniger Geld. Daher investierte MCC-SFRE 2008 beachtliche 100 Millionen Yuan in die 80-prozentige Erneuerung der Bearbeitungslinien. So verfügt das Unternehmen mittlerweile über die Kapazität zur Herstellung von jährlich


Harte Zeiten für Chinas Stahlerzeuger

50.000 t hochwertigen Stahls und Hochleistungswalzanlagen. „Wir müssen unsere Effizienz in allen Bereichen aufrecht erhalten und optimieren“, so Jia Xiaofeng, Abteilungsleiter im Bearbeitungswerk MCC-SFRE Nr. 1. „Auch im Werkzeugverbrauch müssen wir sparen und effizienter vorgehen.“ Seco Tools beliefert MCC-SFRE seit 2000 mit Zerspanungswerkzeugen. Heute stammt die Hälfte aller bei MCC-SFRE eingesetzten Werkzeuge von uns. Der Grund sind die gute Haltbarkeit, das große Leistungspotenzial und das hervorragende Preis-LeistungsVerhältnis der Werkzeuge.

Zwar herrscht durch die wirtschaftliche Entwicklung in China ein gewisser Druck, aber dennoch hat die chinesische Stahl­ erzeugerbranche aufgrund der hohen Marktnachfrage keinen Rückgang zu verzeichnen. Offiziellen Zahlen zufolge erreichte die Stahlproduktion in China 2014 ein Rekordhoch von 822,7 Mio. Tonnen bei einer jährlichen Steigerung von bis zu 0,9 Prozent. Das entspricht 49,7 Prozent der weltweiten Gesamtpro­ duktion! Um die bevorstehenden harten Zeiten zu überstehen, müssen die Her­ steller von Walzanlagen ihre Kosten in den Griff bekommen. Und das angesichts einer Überkapazität von geschätzten 425 Mio. Tonnen.

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FALLSTUDIE MCC-SFRE, China „Wir arbeiten mit über 20 Werkzeugherstellern zusammen, aber die Werkzeuge von Seco Tools überzeugen mit ihren hervorragenden Schneidkanten. Besonders die Fräser sind scharf, verschleißfest und schnell“, ist Yang begeistert. „Das ist der Hauptgrund, warum immer öfter bei Seco kaufen und seltener bei den anderen.“ Laut Tang Jie, Vertriebsingenieur in der Seco Tools Niederlassung Shaanxi, sind für MCC-SFRE neben den konkurrenzfähigen Produkten auch der Vor-Ort-Service und die langjährige Partnerschaft mit Seco Tools entscheidend. 2014 gab MCC-SFRE die bislang größte Bestellung in der Geschichte beider Unternehmen auf: 30.000 Wendeplatten und 100 Zerspanungswerkzeuge im Wert mehrerer Millionen Yuan.

In der Zwischenzeit hatte das Seco Tools Team in Shaanxi mit den Leitern des Bearbeitungswerks die Leistung der einzelnen Drehmaschinen im Einsatz besprochen. Anhand dieser Informationen wurden den Werksleitern Vorschläge zu Anzahl und Art der benötigten Bearbeitungsmaschinen für geplante und ungeplante Aufträge unterbreitet. Die Vorschläge wurden von MCC-SFRE übernommen und senkten die Werkzeugkosten um über 30 Prozent! „MCC-SFRE ist ein typisch chinesisches Staatsunternehmen“, so Tang. „Es betrachtet Veränderungen von Natur aus mit Skepsis und nimmt neue Konzepte nicht über Nacht an. Wir müssen vor Ort sein und die Praxis erleben, um die Bedürfnisse zu erkennen und die Mitarbeiter unterstützen und schulen zu können.“

Umfangreiches Werkzeugprogramm MCC-SFRE setzt in seinen Zerspa­ nungsprozessen über 20 Werkzeugty­ pen ein. Die Hälfte dieser Werkzeuge wird von Seco Tools geliefert: Octomill Planfräser, Turbomill Eckfräser, Kopier­ fräser sowie Dreh- und Ausdrehwerk­ zeuge.

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F&A Was ist STEP, und warum lohnt sich die Teilnahme?

Fragen Sie Patrick de Vos

Haben Sie Fragen? Dann schicken Sie sie an folgende E-Mail-Adresse: patrick.de.vos@secotools.com

Antwort: Seco legt seit jeher großen Wert auf die Ausbildung, Schulung und Information seiner Kunden über die effiziente, effektive Nutzung von Zerspanungswerkzeugen. In den letzten zehn Jahren hat Seco umfangreich in sein technisches Fortbildungsprogramm (STEP, Seco Technical Education Programme) investiert. Dabei handelt es sich um eine auf die weltweite Fertigungsindustrie zugeschnittene Bildungsinitiative. Mit STEP bietet Seco den Profis in der globalen Metallzerspanungsbranche Fortbildungs- und Schulungsprogramme an, die sich mit dem effektiv-effizienten Einsatz von Zerspanungswerkzeugen befassen. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf den Maßnahmen, Ursachen und entsprechenden Verfahrensweisen. Damit ist gewährleistet, dass die bei den professionellen Unternehmen in unserer Branche eingesetzten Bearbeitungsprozesse zuverlässig, produktiv und kosteneffektiv ablaufen. STEP wurde entwickelt, um den Teilnehmern allgemein­ gültige Modelle und grundlegendes Wissen über die zerspanende Bearbeitung zu vermitteln. Eine STEP-Schulung ist also die ideale Vorbereitung für das eigentliche Produkt- und Anwendungstraining. Je mehr Allgemeinwissen der Profi besitzt, desto besser kann er die integrierten Funktionen und Potenziale der eingesetzten Werkzeuge in unterschiedlichsten Anwendungen nutzen. 

Am Puls der Zeit Q&A

Patrick de Vos, Leiter der Fachausbildung in der Seco Tools Gruppe, beantwortet Ihre Fragen zur Zerspanungstechnik.

Wie heißen die einzelnen STEP-Module?

Wie nutze ich die neuen STEP-Lehrbücher?

Antwort: Die Schulungspakete und Module in STEP sprechen unterschiedliche Wissensstände an. Die Basisfortbildung STEP Core Curriculum besteht aus mehreren Fortbildungspaketen, in denen die Grundlagen und Werkzeuge der zerspanenden Bearbeitung erläutert werden. Die weiterführende Fortbildung STEP Advanced Curriculum umfasst mehrere Pakete, mit denen die Teilnehmer ihr Wissen auf Spezialistenniveau erweitern. STEP Collection besteht aus einer Paketreihe, die sich mit konkreten, praktischen Bearbeitungsmodellen befasst. NEXT STEP bildet die praxisorientierte Schnittstelle zwischen Zerspanungstechnik und Produktionswirtschaft. Die STEP-Inhalte werden in Form von Präsenzveranstaltungen und Workshops, eLearningPaketen, Technikliteratur (Artikel, Broschüren, Leitfäden, Plakate) und mittlerweile auch durch Lehrbücher vermittelt. 

Antwort: Die STEP-Lehrbücher sind für Profis in der Metallzerspanungsbranche gedacht und befassen sich mit Bearbeitungsmodellen, Grundlagen und Methoden zu verschiedenen Aspekten des Bearbeitungsprozesses. In Metal Cutting, Theories and Models werden die neuesten Zerspanbarkeitsmodelle für die moderne zerspanende Bearbeitung aus wissenschaftlicher Perspektive beschrieben. Das Buch gibt einen Überblick über die entscheidenden Faktoren im Bearbeitungsprozess und dient gleichzeitig als ergänzendes Nachschlagewerk zu allen anderen Büchern von Seco. In Metal Cutting, Theories in Practice werden dieselben Grundlagen und Modelle beschrieben wie im oben genannten Buch, allerdings eher aus Sicht des Anwenders. Das Buch legt die Zerspanbarkeitsmodelle so dar, dass sie zum festen Bestandteil der täglichen Arbeit werden. Das Buch Tool Deterioration, Best Practices befasst sich mit einem ganz bestimmten Aspekt des Bearbeitungsprozesses: Der Werkzeugverschleiß bildet den Dreh- und Angelpunkt aller Zerspanbarkeitsmodelle. Die meisten Probleme im Bearbeitungsprozess sind auf Werkzeugverschleiß zurückzuführen. Dieses Buch ist ein unverzichtbares Grundlagenwerk für jeden Zerspanungsexperten. 

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Fallstudie Fårbo Mekaniska

Kleinstadthelden

Der schwedische Lohnfertiger Fårbo Mekaniska hat seinen Umsatz von vier Millionen SKR 2005 auf 50 Millionen SKR vergrößert. Dabei ist die Zahl der Mitarbeiter von damals vier auf heute 34 gewachsen. Mit so viel Schwung kann das Unternehmen im schwedischen Fagersta wohl alles erreichen. Von Karin Strand Fotos: Jonas Gauffin

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Fårbo Mekaniska

Brüder im Leben und im Geiste: Ronnie Berggren, Produktions­ leiter bei Fårbo Mekaniska, und sein Bruder Roger, Geschäfts­führer und Besitzer der Firma

Fårbo Mekaniska wurde 1988 gegründet und 2005 von Roger Berggren übernommen. 2014 wurden mit damals 34 Mitarbeitern 52 Millionen schwedische Kronen Umsatz erwirtschaftet. Das Unternehmens agiert als Industrielieferant und führt ein breites Ange­ bot von einfachsten Teilen bis hin zu fortschrittlichen Präzisionsmaschinen, sowohl in Großserie als auch in Einzelanfer­ tigung. Zum Kundenstamm gehören unter anderem Atlas Copco Secoroc, Seco Tools, Sandvik, Outokumpu, Metso Minerals, Morgårdshammar, ABB und Ruukki. www.farbomek.se

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Fallstudie Fårbo Mekaniska

Fårbo Mekaniska befindet sich in einem Industriegebiet südlich der schwedischen Stadt Fagersta. Das Stück Land, auf dem sich die Firma niedergelassen hat, liegt fast direkt neben Seco Tools, mit denen Fårbo Mekaniska schon lange Jahre zusammenarbeitet. Unter anderem stellen die Schweden Ersatzteile für die Walzwerksindustrie, Produkte für den Bergbau, Werkzeug für den Maschinenbau sowie Teile für den Schiffsbau her. Neben Seco Tools hat die Firma auch weltweit tätige Großabnehmer aus Schweden wie Sandvik, Atlas Copco oder ABB als Kunde. „Etwa die Hälfte unserer Produkte sind wiederkehrende Posten, der Rest sind neue Produkte, bei denen wir uns komplett nach den Kundenwünschen richten“, beschreibt Roger Berggren, Geschäftsführer und Besitzer von Fårbo Mekaniska. Berggren stieg 1988 bei Fårbo Mekaniska ein, nachdem er zwei Jahre lang Maschinenbau auf einer weiterführenden Schule studiert hatte. 2005 übernahm er die Firma, seitdem geht es stetig berg-

Direkt neben dem schwedischen Hauptsitz von Seco in Fagersta stellt Fårbo Mekaniska den Seco Point Werk­ zeugschrank her, der sich in zahlreichen Märkten welt­ weit verkauft.

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Fårbo Mekaniska stellt den Werk­ zeugschrank Seco Point SmartDrawer von Seco her. Natürlich kommt der Schrank auch hier in der Firma zum Einsatz.

auf. 2013 erhielt Fårbo Mekaniska sogar die begehrte Auszeichnung von Dagens Industri, einem führenden Wirtschaftsmagazin in Schweden. 2014 wurde Berggren beim Jahreswettbewerb des schwedischen Arbeitgeberverbands Svenskt Näringsliv aus fünf Finalisten zur geschäftstüchtigsten Person Schwedens gewählt. Berggren ist überzeugt, dass der Erfolg der Firma zu großen Teilen auf seinen persönlichen Werdegang zurückzuführen ist. „Ich glaube an meinen Beruf, und ich kenne die Prozesse. Ich habe die meisten unserer Maschinen schon bedient. Wenn mir jemand eine Konstruktionsvorgabe vorlegt, kann ich einschätzen, ob wir das Produkt herstellen können“, meint Berggren. „Ich bin ein ehrgeiziger Typ. Ich treibe viel Sport und habe mit meiner damaligen Unihockey-Mannschaft die schwedische Meisterschaft gewonnen. Ich liebe Herausforderungen und suche für jeden Kunden nach der optimalen Lösung. Als Teamplayer genieße ich die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen bei der Umsetzung unserer Lösungen.“ Die proaktive Herangehensweise von Berggren hat die Firma zu einem der größten Unternehmen


Seco Point™ SmartDrawer Unter den zahlreichen Artikeln, die Får­ bo Mekaniska für Seco Tools produziert, befindet sich auch der Werkzeugschrank Seco Point SmartDrawer. Was aussieht wie ein Aktenschrank mit aufgebautem Computer, ist in Wahrheit eine Mischung aus Warenlager, Vorratsraum und Bestell­ zentrale. Der Anwender gibt über die Compu­ tertastatur seinen persönlichen Code und die Bezeichnung des gewünschten Werk­ zeugs ein und findet das Werkzeug bzw. die Wendeplatte dann in der angegebenen Schublade. In dem Werkzeugschrank las­ sen sich aber auch kalibrierte Instrumen­ te, tragbare Computer und andere häufig verwendete Geräte verstauen.

„ Ich habe die meisten unserer Maschinen schon bedient. Wenn mir jemand eine Konstruktionsvorgabe vorlegt, kann ich einschätzen, ob wir das Produkt herstellen können.“ Roger Berggren, Geschäftsführer Fårbo Mekaniska

SmartDrawer registriert jede Entnah­ me und sendet eine Bestellung an den jeweiligen Lieferanten, bevor die Schub­ lade ganz leer ist. Auf diese Weise entste­ hen keine Stillstandzeiten wegen eines Mangels an Werkzeug oder Wendeplatten. „Natürlich benutzen wir den Smart­ Drawer auch selbst“, sagt Roger Berggren von Fårbo Mekaniska. „Der Schrank hat uns schon viel Geld gespart, weil die benötigten Wendeplatten immer auf Lager sind. Dadurch sinkt auch der Material­ verbrauch, weil sich jeder nur das nimmt, was er braucht.“ Fårbo Mekaniska produziert und betreut den Seco Point SmartDrawer. Jedes Jahr werden über 100 dieser Werk­ zeugschränke hergestellt.

in Fagersta gemacht, das Großabnehmer wie Seco Tools, Atlas Copco, das örtliche Krankenhaus Bergslagssjukhuset oder die örtliche Gemeinde beliefert. Bei der Geschäftsführung erkennt er zwei zentrale Aufgaben. „Zunächst muss man die richtigen Leute finden. Wir haben viele gute Bediener, aber ich suche immer nach Mitarbeitern, die gern basteln und reparieren. Dazu muss man kreativ sein“, weiß Berggren. „Der andere Aspekt sind die Lieferzeiten. Der Kunde will kein großes Lager halten, weswegen die Lieferzeiten immer kürzer werden, manchmal nur zwei oder drei Wochen. Wir müssen also rund um die Uhr arbeiten und flexibel sein. Vor einem Jahr haben wir einen Produktionsplaner eingestellt, der unsere Lieferzuverlässigkeit verbessern soll. Das hat auch schon etwas gebracht.“ Berggren ist von der rosigen Zukunft seiner Firma überzeugt. Fårbo Mekaniska baut weiter seinen Standort aus und hat kürzlich in drei neue Maschinen investiert. Mittlerweile verfügt man über eine Vielzahl an Drehmaschinen, Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren. Alle ausgestattet mit Werkzeuglösungen von Seco Tools. „Die Maschinen sind das Rückgrat der Firma“, so Berggren. „Bei unseren kurzen Lieferzeiten dürfen die Maschinen nicht zu alt werden. müssen rund um die Uhr in Betrieb sein.“ EDGE (1. 2016)

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Möglichkeiten Stadtbahn

Nächster Halt: Zukunft Dieses 1:1-große Modell einer futuristischen U-Bahn soll darstellen, dass der öffentliche Personennahverkehr den lärmgeplagten, heruntergekommenen Stahlkäfigen der Vergangenheit den Rücken kehren könnte. Die fahrerlose Kon­ zeptbahn Inspiro von Siemens besticht mit schlanken Linien und ist 30 Prozent energieeffizienter sowie 20 Prozent leichter als eine konventionelle U-Bahn. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Schienenfahrzeugen könnte dem Konzept eine erfolgreiche Zukunft bevorstehen. Das deutsche Beratungsunter­ nehmen für Mobilitätswirtschaft (SCI) prognostiziert dem städtischen Schie­ nenverkehr ein rascheres Wachstum als Hochgeschwindigkeitszügen und dem herkömmlichen Bahnverkehr, wenngleich mit kleinerer Ausgangsbasis.


Auf dem Weg zur eigenen Stadtbahn? In unserer Rubrik EDGE Möglichkeiten berichten wir über interessante Entwicklungen in aller Welt und die Seco Werkzeuge, die bei der Umsetzung benötigt werden.

Lösungen für Radsatzbearbeitung Ob Hochleistungstriebwagen oder Hochgeschwindigkeits­ zug – Seco kennt sich mit den komplexen Vorgängen bei der Herstellung neuer Eisenbahn­ räder und Radsatzbearbeitung sehr gut aus. Unser breites Angebot an Werk­ zeugaufnahmen bietet auch Lösungen für die speziellen Herausforderungen individuel­ ler Eisenbahnräder, damit Sie die zerspanende Herstellung dieser Großkomponenten opti­ mieren und gleichzeitig die Standzeiten Ihrer Werkzeuge verlängern können. Lesen Sie weiter auf secotools.com/heavymachining


„ Wenn wir ein Problem haben, liefert Seco die Lösung.“ Haet Lo, Shie Ming Machinery Co. Ltd, Taiwan

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edge und Sie

Grenzen neu definiert Von John Scott Marchant Fotos: Chung Shih-wei

Haet Lo ist Geschäftsmann. Er leitet einen aufstrebenden Maschinenbaubetrieb im Norden Taiwans. Seine Geschäftsphilosophie ist einfach: Flexibilität, Engagement und Reaktions­ schnelligkeit. Diese Werte kann auch Seco unterschreiben.

Haet Lo Als ich vor 24 Jahren als Fahrer bei Shie ALTER: 44 TÄTIGKEIT: Leiter von Shie Ming Machinery Co. Ltd. STANDORT: Landkreis Miaoli, Taiwan FAMILIENSTAND: Verheiratet, zwei Töchter HOBBYS: Radfahren, HakkaKüche genießen, Formel 1 schauen, Wandern und Reisen AUSBILDUNG: Bachelor in BWL am Asia-Pacific Institute of Creativity, Taiwan

Ming Machinery begann, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich den Sitz meines Lieferwagens einmal gegen den Stuhl des Geschäftsführers tauschen würde. Ich habe in diesem Unternehmen so ziemlich alle Positionen besetzt und weiß, wie wichtig es ist, gut zuzuhören und immer zu lernen, wenn man gute Resultate will. Und meine Strategie zahlt sich aus. Seit ich 2001 die Geschäftsführung der Firma übernommen habe, sind wir weniger abhängig von der Elektronik- und Computertechnik. Ich habe uns große Anteile am regionalen Geschäft mit Glasflaschen-Gussform gesichert. Außerdem konnten wir mit dem Unternehmen GE Aviation als Teileanbieter für die Flugzeugindustrie Fuß fassen. In unserem Betrieb geht nichts ohne die DMG-Maschinen. 2006 hatten wir noch eine einzige Maschine, Ende 2014 waren es schon 18, und bis 2017 werden es wohl 38 Maschinen sein! Seco war an unserem Wachstum maßgeblich beteiligt. Seco kümmert sich vorbildlich um unsere Maschinen und wir bekommen innerhalb kürzester Zeit hochwertige Teile geliefert. Das Erfolgsgeheimnis von Shie Ming ist unsere Fähigkeit, die Anforderungen der Kunden zu erfüllen und mit den technischen Entwicklungen in der Branche Schritt zu halten. Bei Seco ist es genauso. Wenn wir ein Problem haben, liefert Seco die Lösung. Wenn wir den Kundendienst brauchen, werden wir betreut – egal ob morgens, mittags oder abends. Die Erkundung neuer Möglichkeiten im Bereich der Flugzeugteile ist ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäftsplans für die Zukunft. Bei dieser Mission freuen wir uns schon auf die gute Zusammenarbeit mit Seco. EDGE (1. 2016)

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Fallstudie Uddeholm

Automation bringt Vorteile Die Firma Uddeholm ist das wichtigste Unternehmen seines Landkreises in Zentralschweden und gehört zu den weltweit erfolgreichsten Herstellern von Werkzeugstahl, u. a. für die Automobilbranche. Dieser Erfolg erfordert sorgfältige Vorausplanung. Eine neu installierte Roboterzelle hilft dem Unternehmen, den Kundenforderungen nach feinbearbeiteten Werkzeugstählen effizienter nachzukommen. Von Anne Hammarskjöld Fotos: Tobias Ohls

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Intelligente Industrielösun­ gen führen oft zu großen Geschäftserfolgen. Udde­ holm, schwedischer Lieferant für die Automobilbranche, hat für die Fräsarbeiten unlängst eine Roboterzelle installiert, mit der sich die Effizienz des Betriebs erheblich verbessert.

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Fallstudie uddeholm

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er Aufenthalt in Hagfors in der westschwe-

dischen Provinz Värmland mutet an wie eine faszinierende Reise in die Vergangenheit. Seit dem 17. Jahrhundert werden Eisen und Stahl in der Landschaft mit den großen Seen und tiefen Wäldern verarbeitet und veredelt. Gepflegt wird dieses Erbe heute von Uddeholm, dem weltweit führenden Erzeuger von Werkzeugstahl für industrielle Arbeitswerkzeuge. Beliefert werden verschiedene Sektoren, beispielsweise die Automobilbranche. Zwar sind die Menschen hier sehr stolz auf ihre Tradition, aber das allein reicht natürlich nicht aus, um gegen die globale Konkurrenz zu bestehen. In den vergangenen acht Jahren bildete Uddeholm das Zentrum eines umfassenden Programm zur Effizienzsteigerung, in dessen Rahmen eine Milliarde schwedische Kronen (100 Mio. Euro) in das Werk investiert wurden. Anfang 2015 flossen weitere 250 Millionen Kronen unter anderem in eine bessere Rauchgasreinigungsanlage, ein Forschungsund Entwicklungslabor für Pulverstahl und einen elften Umschmelzofen. Eine weitere strategisch bedeutende Investition betrifft die für das Unternehmen erste roboter­ beschickte Maschinenzelle zum Doppelfräsen, die nach zwei Jahren Planung, Auswertung und Tests im Frühjahr 2015 erstmals vollständig funktionsfähig war. Stefan Stenmark ist Produktionsingenieur bei Uddeholm und Leiter des Projekts, das

CNC-Bedienerin Erica Davidsson war vor der Installation der Roboterzelle fürs Fräsen zuständig und betrachtete die Veränderung anfangs mit Skep­ sis. „Ich fragte mich, wie das zu den vielen Werkstoffen und Abmessungen passt, mit denen wir arbeiten. Unsere Produktion deckt viele unterschiedli­ che Bereiche ab, weshalb der Anspruch sehr hoch ist. Aber jetzt läuft alles rund und niemand hat wegen des Roboters seine Stelle verloren.“

In allen Lebenslagen Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die Herstellung Ihrer Brille oder von Teilen Ihres Autos eine Verbindung zum Landkreis Hagfors in der schwedischen Provinz Värmland aufweisen. Das Stahlwerk Uddeholm ist hier seit 1878 ansässig und produziert heute den besten, reinsten Werkzeugstahl der Welt. Dieser Stahl kommt bei der Herstellung industrieller Arbeitswerkzeuge zum Schneiden, Scheren und Warm- oder Kaltumformen von Stahl, anderen Metallen und Kunststoff zum Einsatz. Der Stahl findet Anwendung in der Automobilindustrie sowie bei Herstellern von Herzschrittmachern, PET-Flaschen, Brillen und in vielen anderen Bereichen. Uddeholm arbeitet mit rund 100.000 Kunden in 100 Ländern zusammen. Etwa 50 Prozent der Produktionsmenge geht an die Automobilhersteller. In den letzten zwei Jahren hat das Unternehmen 100 neue Mitarbeiter eingestellt. Die Gewinnmarge wurde von 4 bis 5 Prozent auf 17 Prozent gesteigert.

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übrigens zustande kam, als ein ältere Fräsmaschine saniert werden musste. Als klar wurde, dass die Sanierungskosten zu hoch waren, wollte das Unternehmen etwas Neues ausprobieren. „Bei der Betrachtung unserer Möglichkeiten erschien uns die vorhandene Lösung komplett falsch“, sagt Stenmark. „Ich hatte schon lange über einen Roboter nachgedacht, und da schien der richtige Zeitpunkt gekommen. Die Organisation war anstrengend, aber es hat Spaß gemacht. Zuerst haben wir die Lieferanten ausgewählt, dann die finanziellen Mittel beschafft und schließlich den Plan in die Praxis umgesetzt.“ Laut Stenmark begann die Beschaffung der Roboterzelle für die Fräsbearbeitung schon 2013 und erforderte – im wahrsten Sinne des Wortes – eine ganz neue Arbeitsweise. „Normalerweise arbeiten wir bei der Beschaffung nicht mit dem Lieferanten zusammen, aber in diesem Fall schien es praktikabel“, so Stenmark weiter. „Unter anderem konnten wir im Dialog mit Seco und dem Maschinenlieferanten Stenbergs über Werkstofflösungen sprechen.“ Håkan Nordh ist Servicetechniker bei Seco und Kundenbetreuer für Uddeholm. Er empfindet sein Mitwirken an der Beschaffung des Roboters als wichtige, lehrreiche Erfahrung. Unter anderem war er auf Forschungsreise in der Türkei und Taiwan, wo er „Testläufe unter realen Bedingungen mit echten Werkstoffen“ durchführte. „Uddeholm stellte hohe technische Anforderungen an den Maschinenlieferanten: 2 Ra Mittenrauwert, Werkzeugstahl Sverker 21 und 2,5 Minuten maximale Durchsatzzeit. Das waren unsere Basisanforderungen an Stenbergs. Wir waren sehr dankbar, dass wir von Beginn an eingebunden wurden und bei dieser wichtigen Beschaffung mit Uddeholm zusammenarbeiten konnten.“ Nach der Montage und einer sechs­ wöchigen Testperiode wurde die Maschine im Dezember 2014 an Uddeholm ausgeliefert. Vor Ort fand dann die Feinabstimmung EDGE (1. 2016)

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Fallstudie Uddeholm

„ Gefräster Stahl ist so gut wie geschliffener Stahl und die Roboterzelle hält die Maße besser ein als bei den geschliffenen Segmenten.“ Ulrika Åhs, Abteilungsleiterin, Uddeholm

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Mehr Produktivität mit dem neuen Double Octomill™

statt. Die Maschine und ein größere Fräs­ emaschine sind seit Anfang letzten Jahres in Betrieb. Gemeinsam bilden die Maschinen eine Komplettlösung. Die Roboterzelle ist auf 25 mm bis 200 mm Breite und 4 mm bis 80 mm Dicke ausgelegt. Für alle weiteren Dimensionen ist die größere Maschine zuständig. Ulrika Åhs ist Abteilungsleiterin bei Uddeholm. Nach der Inbetriebnahme der Roboterzelle, sagt sie, mussten sich die Kunden an neue, feinbearbeitete Bleche gewöhnen. „Gefräster Stahl ist so gut wie geschliffener Stahl und die Roboterzelle hält die Maße besser ein als bei den geschliffenen Segmenten. Aus eingehenden Untersuchungen wissen wir auch, dass die neue Struktur die Werkstoffeigenschaften nicht stärker beeinträchtigt als beim Polieren. Und die Späne aus der Roboterzelle sind umweltfreundlicher, da sie ohne weitere Verarbeitung in der Schmelzanlage recycelt werden.“ Mit dem Roboter wollte Uddeholm keinen Personalabbau provozieren. In erster Linie sollte die Effizienz in der Produktion gesteigert werden, um dem Kunden das Produkt zu einem günstigeren Preis anbieten zu können. „Mit der Roboterzelle genießen unsere Kunden diverse Wettbewerbsvorteile, nämlich Qualität, Zeit und Lieferzuverlässigkeit“, sagt Stenmark. „Für unser Unternehmen bedeutet das mehr freie Kapazitäten, sodass einige Mitarbeiter jetzt neue Zuständigkeiten haben. Alle sind zufrieden; die gesamte Lösung hat noch mehr Vorteile, als ich erwartet hätte.“

Der neue Double Octomill R220.48 ist ein äußerst vielseitiger, wirt­ schaftlicher und produktiver Fräser, der sich sowohl zum Schruppen als auch zum Schlichten hervorragend eignet. Der Double Octomill von Seco ist einer jener Fräser, die in der Robo­ terzelle von Uddeholm zum Einsatz kommen. Die Wendeplatten des innovativen Double Octomill sind mit HSS-Stiften in den Plattensitzen gesichert, was das Wechseln einfacher und sicherer gestaltet. Nichts kann schiefgehen, denn die HSS-Stifte halten die Wendeplatte in der richtigen Position und sorgen auf diese Weise für extrem lange Stand­ zeiten der Plattensitze (65 HRC). Die 16 Wendeplatten des Double Octomill schaffen ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis pro Schneide und pro Teil. Der Fräser wird mit 40 bis 500 mm Durchmesser angeboten und eignet sich besonders gut für die Bearbeitung von Großkomponenten. Alle Double Octomill-Fräser haben einen einzigartigen Plattensitz, durch den die WSP mit maximaler Präzision eingesetzt werden können.

Rund 850 der etwa 5000 Einwohner von Hagfors sind bei Uddeholm beschäftigt. Viele andere arbeiten direkt oder indirekt für die örtlichen Lieferanten. Anders gesagt: Das Unternehmen bildet den Dreh- und Angelpunkt der Region, und von den neuen Investitionen werden viele Familien profitieren. „Uddeholm ist Teil einer 350 Jahre alten Produktionskette, die gerade neu überdacht und weiterentwickelt wird“, erklärt Stenmark. „Unser Unternehmen setzt auf kompetentes Personal. Letztlich geht es darum, die Zukunft des Landkreises zu sichern.“

Der Seco Double Octomill gehört zu jenen Fräsern, die bei Uddeholm in der Roboterzelle zum Einsatz kommen.

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„ Wir haben alles in doppelter Ausführung dabei – zwei Gasflaschen, Ersatzleuchten, zwei separate Tauchgeräte.“ Jörgen Andersson, Produktleiter Fräswerkzeuge bei Seco und begeisterter Bergwerktaucher

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Tief im Bauch der Erde ist es pechschwarz.

Tauchgang in die Vergangenheit Wenn Jörgen Andersson gerade nicht als Produktmanager arbeitet, legt er seine Taucherausrüstung an und taucht durch ein altes geflutetes Bergwerk. Unter der Wasseroberfläche finden sich vergessene, aber sehr gut erhaltene Arbeitsräume und spektakuläre Höhlen. Von Karin Strand Fotos: Jacek Majek (Unterwasserbilder) und Jonas Gauffin

Nur unsere Kopfleuchten und Taschenlampen geben spärliches Licht. Wir erkennen die Eisenbahnschwellen auf dem Grund, ein Schaltpult an der Wand und ein Bündel Bohrstahl – alles Zeugen der Industrie, die hier einmal tätig war. Wir befinden uns 80 Meter unter der Erdoberfläche in dem alten Erzbergwerk Tuna Hästberg vor der schwedischen Stadt Borlänge. Für Jörgen Andersson ist die Mine eine ganz spezielle Herausforderung. Im Arbeitsleben ist er bei Seco Tools als Produkmanager tätig, in seiner Freizeit taucht er regelmäßig durch die kilometerlangen gefluteten Industrieräume unter unseren Füßen. „Ich habe mit 16 mit dem Sporttauchen angefangen und arbeite seit 22 Jahren als Gerätetauchlehrer“, erklärt Andersson. „Vor einem Jahr dachte ich mir: Entweder du kündigst jetzt, oder du baust deine Fähigkeiten als Gerätetaucher aus. Da erfuhr ich zum ersten Mal von dieser Mine.“ Tuna Hästberg ist ein altes Erzbergwerk. Es liegt zwischen den Ortschaften Borlänge und Ludvika und stammt etwa aus dem 16. Jahrhundert. In dieser Region hielt der Eisenerzabbau bis 1968 an. Heute sind etwa 520 Meter der knapp 600 Meter tiefen Stollen mit Wasser geflutet. „Das Bergwerktauchen unterscheidet sich natürlich stark vom Tauchen in Seen oder Meeren“, beschreibt Andersson. „Hier unten geht es nicht um die Erkundung des Unbekannten, sondern um das Erforschen des Vergessenen. Nicht viele Menschen tauchen in solchen Stollen, aber es ist ein fantastisches Erlebnis.“ Das ist nachvollziehbar. Bei unserem Tauchgang durch die Mine können sogar die Abschnitte über Wasser begeistern. Plötzlich finden wir uns in einem riesigen Pausenraum mit einer schwindelerregend hohen Decke wieder. Etwas weiter tun sich Abgründe auf und lassen erkennen, dass das Ufer nicht weit unter uns liegt. Das Wasser ist kristallklar, die Sicht beträgt mindestens 30 Meter. „Sie können sich vorstellen, wie es sich anfühlt, in dieser Umgebung schwerelos durch das Wasser zu treiben“, schwärmt Andersson. „Auf der einen Seite ist es total entspannend, andererseits muss man extrem konzentriert bleiben.“ EDGE (1. 2016)

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An den Wänden der gefluteten Arbeitsräume sind Seile für die Taucher befestigt. Hier wird auf Sicherheit großer Wert gelegt. „Beim Training für das Bergwerktauchen dreht sich fast alles um das Lösen von Problemen“, sagt Andersson. „Wenn hier unten etwas passiert, kann man nicht einfach auftauchen. Es ist hier zwar fantastisch und wunderschön, aber bei Problemen kann die Umgebung sehr gefährlich sein.“ Um Beschädigungen an Anzug und Tauchgerät zu vermeiden und sich nicht an den Hindernissen in dem alten Arbeitsraum zu verfangen, brauchen die Taucher eine perfekte Schwimmtechnik, geeignete Ausrüstung und ein gutes Einschätzungsvermögen. Wenn man beim Tauchen dem Grund zu nahe kommt, können die Ablagerungen aufgewühlt werden, sodass der Taucher nichts mehr sieht. Beim Training wird häufig der Umgang mit Defekten und Notfällen geübt. Die Taucher müssen in der Lage sein, auch bei vollständiger Dunkelheit den Weg zum Ausgang zu finden. „Ein Unterschied zwischen unseren Tauchgängen und normalem Sporttauchen ist die Ausstattung. Wir haben alles in doppelter Ausführung dabei – zwei Gasflaschen, Ersatzleuchten, zwei separate Tauchgeräte usw.“, berichtet Andersson. „Insgesamt wiegt die Ausrüstung knapp 50 Kilogramm.“ Nur einmal hat Andersson den Ernstfall erlebt. Beim Bergwerktaucherkurs vergaß er zwischen 12 und 21 Metern den Druckausgleich, sodass sein Trommelfell platzte. Glücklicherweise ohne bleibende Gehörschäden. Bergwerktaucher sind stets in Zweier- oder Dreiergruppen unterwegs. Durchschnittlich dauert ein Tauchgang nur eine Stunde, vorwiegend wegen des etwa 4 °C kalten Wassers, das einem trotz der dicken Trockenanzüge zusetzt. Da ist es sehr angenehm, sich nach dem Tauchen in die beheizte Hütte zu setzen, die direkt neben der Tauchplattform steht. Beim heißen Kaffee lässt es sich gut plaudern, bis alle wieder aufgewärmt sind.

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Drei Tipps für Bergwerktaucher Üben! „Unbedingt ein Spezialtraining absolvieren. Normales Gerätetauchen ist mit Bergwerktauchen nicht zu vergleichen.“ Geduld! „Langsam lernen. Nicht voreilig mit schwierigen Tauchgängen loslegen.“ Sorgfalt! „Beim Planen Ihres Tauchgangs nichts dem Zufall überlassen. Immer aufmerksam die Checkliste abarbeiten.“

Andersson begann seine berufliche Laufbahn bei ABB in der schwedischen Ortschaft Ludvika. Dort arbeitete er 10 Jahre lang an einer CNC-Fräsmaschine. 2000 trat er ein Studium an der Schwedischen Hochschule für Bergbau und Metallkunde an, das er mit einem Bachelor of Science in Hütten- und Werkstoffkunde abschloss. Anschließend erlangte er seinen Master in Materialwissenschaft und schrieb bei Seco Tools die Abschlussarbeit. 2006 wurde er von Seco im Entwicklungsbereich Fräswerkzeuge eingestellt. Heute arbeitet er als globaler Produktmanager für Fräs- und Minimaster-Produkte.


Jörgen Andersson ALTER: 44 Werdegang Dreijähriges Werk­ stattpraktikum in der Oberschule, 10 Jahre an einer Fräsmaschi­ ne bei ABB in Ludvika, Bachelor of Science in Hütten- und Werkstoff­ kunde an der schwedi­ schen Hochschule für Bergbau und Metallkun­ de in Filipstad, Master in Materialwissenschaften, globaler Produktmana­ ger für Kopierfräser und Minimaster-Produkte bei Seco Tools Familienstand: Verheiratet, fünf Kinder Freizeitaktivitäten: „Die Zeit reicht nur für Arbeit, Familie und Tau­ chen.“

Bei 4 Grad Wassertem­ peratur erfordert das Tauchen in verlassenen Bergwerken mit knapp 50 Kilo Ausrüstung eine gründliche Vorbereitung.

„Ohne meine akademische Qualifikation hätte ich den Job nicht bekommen“, reflektiert Andersson. „Aber trotzdem waren die 10 Jahre an der Fräsmaschine für mich am wichtigsten. Ich konnte praktische Erfahrungen sammeln und das ist nicht zu ersetzen.“ Erkennt Andersson hier unten in der Tiefe wohl Parallelen zu seiner Arbeit bei Seco Tools? „Nein, eigentlich nicht. Der Bohrstahl, der hier unten herumliegt, ist so ziemlich das einzige“, sagt er lachend. „Ganz im Gegenteil! Beim Tauchen kann ich vollkommen abschalten. Es macht mir unglaublich viel Spaß. Besonders wenn ich nach dem Tauchen entspanne und mit meinen Freunden über den Tauchgang spreche. Da kriege ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.“ Nachdem er kurz davor war, ganz mit dem Tauchen aufzuhören, freut sich Andersson jetzt auf seine Weiterentwicklung. „Jetzt habe ich die Motivation, noch mindestens 15 Jahre dabeizubleiben“, sagt er. „Es gibt so viel zu lernen, und das Bergwerk bietet verschiedene Schwierigkeitsgrade für das Tauchen. Schweden hat generell viele interessante Stollen zu bieten!“ EDGE (1. 2016)

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Neue Erkenntnisse. Die Technikzentren von Seco, darunter auch die unlängst erÜffnete Einrichtung im indischen Chennai, bieten Vor-Ort-Schulungen zu neuen Verfahren und Technologien an.

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Im Mittelpunkt des Geschehens Von Daniel Dasey Fotos: Atul Loke

Das im März 2015 eröffnete Virtual & Practical Centre von Seco im indischen Chennai hat schon vielen Kunden bei technischen wie geschäftlichen Heraus­ forderungen geholfen.

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ls ein Kunde in Indien eine Frage zur Präzision der Seco Bohrer hatte, konnte das neue Seco Virtual & Practical Centre im indischen Chennai helfen. Laut Cheftechniker Prakash Srinivasan wollte der Motorteilebauer Gnutti Precision wissen, ob Bohrer, die in der Seco Schrumpfaufnahme befestigt sind, anfälliger für Rundlaufprobleme seien als Bohrer, die im Spannfutter eines Mitbewerbers aufgespannt werden. Um Gnutti die Zuverlässigkeit des Seco Produkts zu demonstrieren, führte das Zentrum einen Versuch durch – und kam zu einem eindeutigen Ergebnis. „Wir haben eine Schrumpfaufnahme angeschafft und hier eine Demonstration durchgeführt“, erinnert sich Srinivasan. „Dabei wurden keinerlei Rundlaufprobleme festgestellt. Der Kunde war dermaßen überzeugt, dass er jetzt überlegt, ein eigenes Schrumpfgerät von Seco zu kaufen.“ Das Werk in Chennai ist nur eines von vielen Technikzentren, die Seco weltweit

unterhält. Ob in Großbritannien, Schweden, Deutschland, Ungarn, Polen, den USA, Italien, Frankreich, China, der Tschechischen Republik oder in den Niederlanden – in den Zentren werden die Werkzeuge von Seco nicht nur vorgestellt, sondern die Hersteller auch über neue Verfahren und Technologien informiert. In diesem Rahmen findet Seco gemeinsam mit dem Kunden neuartige und innovative Werkzeuglösungen, mit denen sich die Produktivität des Kundenbetriebs steigern lässt. Die Einrichtung in Indien ist das neueste Technik-

zentrum und wurde im März 2015 eröffnet. Da es sich auf einem 560 m² großen Grundstück mitten in Chennai befindet, kann es erstklassige Vor-Ort-Schulungen für bis zu 40 Teilnehmer anbieten und vor einem großen Publikum in ganz Indien und der erweiterten Region Asien-Pazifik Demonstrationen organisieren. Das Zentrum verfügt über aktuelle Werkzeugmaschinen, CAD/CAM-Systeme, Messund Einstellausrüstung für Werkzeug und führt ein Komplettsortiment der aktuellen EDGE (1. 2016)

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EDGEucation

Globale Problemlöser

Egal, wo auf der Welt sie sich befinden – die Mitarbeiter in den Seco Technikzentren lösen mit Vorliebe die Probleme unserer Kunden.

Die neue Einrichtung. Laut Prakash Srinivasan, Tech­ niker im Seco Technikzentrum Chennai, hat die Eröffnung den Kunden gut gefallen, und die Schulungen und Möglichkeiten fin­ den großen Anklang.

Hochleistungswerkzeuge von Seco. Besucher können sich mithilfe von eLearning-Modulen mit Praxisübungen weiterbilden. Auch die mit neun Mitarbeitern besetzte Vertriebsstelle für Südindien ist hier zu Hause. Sie stellt kundenspezifische Komponenten her und veranstaltet Produktvorstellungen. Jeder Kunde oder Industrie- und Vertriebspartner von Seco Tools kann das Zentrum buchen. Für Seco, so Srinivasan, war Chennai ein guter Standort, da die Stadt für die aufstrebende indische Automobilbranche sowie deren Nebensektoren, aber auch für den wachsenden Energieerzeugungssektor einen industriellen Knotenpunkt bildet. Die Besucher stammen aus ganz Indien und sind hauptsächlich den Kundensegmenten Automobilbau, Energieerzeugung, Luft- und Raumfahrt oder Maschinenbau zuzuordnen. „Die Kunden haben die Eröffnung des Zentrums sehr positiv auf-

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genommen und sind dankbar für die angebotenen Schulungsmöglichkeiten“, sagt Srinivasan. „Wir haben schon Vorführungen zur dreiachsigen DMG-Mori-Maschine, zum Schrumpfgerät, zum Einstellgerät und zu den neuesten Werkzeugen durchgeführt.“ Zu den wichtigsten Schwerpunktbereichen des Zentrums gehört das STEP-Programm (Seco Technical Education Programme). Damit soll der technische Rückstand ausgeglichen werden, der entsteht, weil viele Kleinunternehmen hinter den technischen Fortschritt der führenden Unternehmen zurückfallen. Wer stets aktuell informiert ist, kann seine Produktivität steigern, Ausschüsse verringern und die Bearbeitungszeiten verkürzen. Das Virtual & Practical Centre teilt sich das Gelände mit der regionalen Seco Tools Vertriebsstelle und eignet sich daher ideal für Projektbesprechungen und Vorführungen der neuesten Techniklösungen.

Als Seco 2008 das US-amerikanische Technikzentrum in Troy, Michigan eröffnete, ging es vorrangig darum, den Kunden bei technischen Problemen zu helfen und ihre Effizienz und Rentabilität zu steigern. Sieben Jahre später kann das Zentrum eine ein­ drucksvolle Erfolgsgeschichte vorweisen. Don Graham, Leiter für Bildung und technischen Service, erinnert sich an zahlreiche zufriedene Kun­ den aus verschiedenen Branchen, von der Luft- und Raumfahrt bis hin zum Automobilbau. „Ein Kunde wollte in Eisenteile mit 70 HRc Härte ein Gewin­ de schneiden und hatte gehört, dass dies mit CBN (polykristallines kubisches Bornitrid) nicht möglich sei“, blickt Graham auf einen ganz besonders großen Erfolg zurück. „Wir haben dem Kunden geholfen, mit Gewindefräsern mit CBN-Wendeplatten sowie Voll­ hartmetallfräsern viele verschiedene Gewindeformen herzustellen. Für den Kunden bedeutete das mehrere Millionen Dollar Umsatz.“ Die kundenorientierte Strategie des Zentrums, sagt Graham, sei ganz einfach: „Wir möchten ein Geschäftspartner sein, mit dem man gern Geschäfte macht. Wir möchten mit unseren Kunden zusammen­ arbeiten. Wir möchten ihr Überleben auf dem Welt­ markt sichern. In den meisten Fällen besteht unsere größte Hilfe darin, dass der Kunde seine Teilekosten senkt und produktiver arbeitet.“ Die Seco Technikzentren in Großbritannien, China, Ungarn, Benelux, Frankreich, Deutschland, Polen, Schweden und Italien usw. arbeiten alle nach einem ähnlichen Prinzip. Laut Emilio Scandroglio, Technischer Direktor des Seco Technikzentrums im italienischen Guanza­ te, geht es in seinem Geschäftsalltag immer um die Fortbildung und Unterstützung von Kunden. „Wir veranstalten Vorführungen mit allen typischen Anwen­ dungen und Übungen mit Spanbildungsdiagrammen, um das Verhalten der Schnittgeometrien im Verhält­ nis zu den Schnittparametern zu demonstrieren. Bei anderen, allgemeineren Besuchen organisieren wir Werksführungen und Praxisvorführungen mit unserem Bearbeitungs-Zentrum.“ Aus Polen berichtet Marcin Hoszwa von Seco, dass das örtliche Technikzentrum von den Kunden dank­ bar angenommen wird. „Unsere Kunden stammen hauptsächlich aus dem Flugzeugbau. Wir beraten sie bezüglich der Auswahl effizienter Werkzeuge und Bearbeitungsbedingungen bei unterschiedlichen Werkstoffen wie Legierungen, Titan oder Verbundwerk­ stoffen. Wir organisieren STEP-Schulungen für alle Kunden, Vertriebspartner und Studierende und infor­ mieren sie über den Einsatz moderner Werkzeuge, Bearbeitungsverfahren und Strategien.“


Die Technikzentren von Seco

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USA: „Unsere Beratung war für den Kunden mehrere Millionen Dollar Umsatz wert.“

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Polen: „Wir beraten unsere Kunden zu effizienten Werkzeugen und Bearbeitungsbedingungen bei unterschiedlichen Werkstoffen.“

Italien: „Wir organisieren Übungen und Vorführungen mit allen typischen Anwendungen.“

Zentrum: Ungarn Standort: Budapest Eröffnung: 2008 Schwerpunkt: Fortbildung, Produktivität Jährliche Besucherzahl: 10 - 12 Gruppen Wichtigste Kunden: Automobilbau, Energieerzeugung 10

1 Zentrum: USA Standort: Troy, Michigan Eröffnung: 2008 Schwerpunkt: Fortbildung, Kundenanwendungen, Wettbewerbsanalysen Jährliche Besucherzahl: über 1400 Wichtigste Kunden: Luft- und Raumfahrt, Automobilbau 2 Zentrum: Großbritannien Standort: Alcester Eröffnung: 2013 Schwerpunkt: Kundenprojekte Jährliche Besucherzahl: über 500 Wichtigste Kunden: Großkunden aus Luft- und Raumfahrt und auch Zulieferer

3 Zentrum: Frankreich Standort: Bourges Eröffnung: 2007 Schwerpunkt: Fortbildung, Werkzeugprüfung, F&E Jährliche Besucherzahl: 350 Wichtigste Kunden: hauptsächlich aus dem Maschinenbau, aber ausgerichtet auf alle Sektoren und Kunden (z. B. Luftund Raumfahrt, Landwirtschaft und Automobilbau) 4 Zentrum: Benelux Standort: Braine l’Alleud, Belgien Eröffnung: 1996 Schwerpunkt: Fortbildung, Werkzeugprüfung Jährliche Besucherzahl: bis zu 150 Wichtigste Kunden: Automobilbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Maschinenbau

5 Zentrum: Deutschland Standort: Erkrath Eröffnung: 1992 Schwerpunkt: Fort- und Weiterbildung inkl. praktischen Vorführungen für Kunden, Universitäten, Schulen, Direktvertrieb und Vertriebspartner Jährliche Besucherzahl: über 1200 Wichtigste Kunden: alle Kunden, die sich für höhere Qualifikationen und effiziente Anwendung­ sstrategien interessieren 6 Zentrum: Italien Standort: Guanzate Eröffnung: 1990 Schwerpunkt: Schulungen, Fortbildungen, Vorführungen Jährliche Besucherzahl: 200 Wichtigste Kunden: Direktkunden, Vertriebspartner, Studierende

7 Zentrum: Schweden Standort: Fagersta Eröffnung: 2016, neues Zentrum mit eigener Vorführhalle und Ausstellungsraum Schwerpunkt: F&E-Tests, Vorführungen, Kundenlösungen Jährliche Besucherzahl: 1500 - 2000 8 Zentrum: Tschechische Republik Standort: Brno Eröffnung: 2015 Schwerpunkt: Technik- und Produktberatung, CET, Bearbeitungsstrategien

Zentrum: Polen Standort: Warschau Eröffnung: 2008 Schwerpunkt: Schulungen für Kunden, Vertriebspartner und Studierende Jährliche Besucherzahl: ca. 400 Wichtigste Kunden: Flugzeugbau 11 Zentrum: Indien Standort: Chennai Eröffnung: 2015 Schwerpunkt: STEP (Seco Technical Education Programme) 12 Zentrum: China Standort: Shanghai Eröffnung: 2008 Schwerpunkt: externe und interne Schulungen Jährliche Besucherzahl: ca. 400 Wichtigste Kunden: STEP-Training für potenzielle und bestehende Kunden EDGE (1. 2016)

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Handwerkszeug Sie wollen mehr? Hingucker! Die neue Optik auf

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Eck-/Walzenstirnfräser t4-12

Die Werkzeuggrößen reichen von 25 bis 125 mm Durchmesser bzw. 1 bis 5 Zoll.

EDGE aktuell Ebenso wie das Magazin wurde auch Edgeupdate.com vollkommen neu gestaltet und bietet zahlreiche neue Funktionen. Worauf warten Sie noch? Die Werkzeuge werden für unterschiedliche Schäfte sowie für Aufsteckfräser angeboten. Es stehen zwei verschiedene Teilungen zur Auswahl.

Youtube-Kanal Besuchen Sie auch den YoutubeKanal von Seco. Hier können Sie unseren Produkten bei der Arbeit zusehen. Videos zu diversen Metallteilen vom Hüftknochen bis zum Flugzeugtriebwerk.

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GRÖSSER IST SCHÖNER. Seco Tools erweitert die T4-Serie der Eck- und Walzenstirnfräser um mehrere größere Wendeplatten. Der neue T4-12 ist ein 90-Grad-Fräser zum Nut- und Konturfräsen. Er lässt sich beim Eck- und Stirnumfangsfräsen einsetzen, wo größere Schnitttiefen benötigt werden. Die großen Anlageflächen im Plattensitz des T4-12 ermöglichen eine zuverlässige Klemmung der Wendeplatte, weshalb das Werkzeug die Bearbeitung produktiver und zuverlässiger gestaltet. Dank der einfachen Befestigungsweise

lassen sich die Wendeplatten ordnungsgemäß positionieren und gewährleisten eine hohe Oberflächengüte. Die Wendeplatten werden mit mehreren Schneidstoffsorten für verschiedene Werkstoffe angeboten und erreichen Bestwerte beim Bearbeiten von Stahl und Guss. Darüber hinaus eignen sich die Wendeplatten für Rostfrei, gehärtete Werkstoffe, hochtemperaturfeste Legierungen sowie NE-Werkstoffe. Der T4-12 wird für den Maschinenbau, Automobilbau, die Luft- und Raumfahrt, Energieerzeugung usw. produziert. 03030175 ST20156525


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