Grosseltern 03 2015

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MAGAZIN

# 03 / März 2015

Grosseltern

# 03 / März 2015

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www.grosseltern-magazin.ch

Grosseltern Das Magazin über das Leben mit Enkelkindern

Mit den Enkelkindern im Garten Tipps einer Grossmutter

Peter Gross Laut dem Altersforscher leben wir bereits in einer Vier-Generationen-Gesellschaft

Bei der Geburt des Enkels dabei Wenn Mütter ihre Töchter begleiten

Grosseltern MAGAZIN

E L L O R L E A P P P O D DO N U A PAP t ich al e l g d n ert si k n i B er n Pet iter Ehe o v r e elkind er aus zwe k n E nd Die ne Ki i e s e wi

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~ Magazin ~ EDITORIAL

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ls Enkel hatte ich zwei ganz unterschiedliche Rollen. In der Schweiz war ich der jüngste von zwölf Cousinen und Cousins – manchmal das verwöhnte Nesthäkchen, manchmal ganz einfach der Kleine. Jedes Jahr am Weihnachtsessen bei meiner Grossmutter durfte einer mehr von uns mit den Erwachsenen im Zimmer sitzen. Ich schaffte es nie. In Deutschland hingegen, wo meine

Von den Rollen

Grosseltern väterlicherseits lebten, war ich der älteste Enkel und wurde von Oma und Opa dementsprechend verwöhnt. Manchmal musste ich auch als Vorbild herhalten, was meine vier Cousins und Cousinen nicht immer so toll fanden. Ich kam eigentlich immer gut klar mit den beiden Rollen, die ich hatte. Und es gibt sicher anspruchsvollere Doppelrollen als die von mir damals. Zum Beispiel die von Peter Binkert. Der 67-Jährige ist gleichzeitig Vater und Grossvater von kleinen Kindern. Seine vier Kinder aus zweiter Ehe sind zwischen zwei und 14 Jahre alt. Gleichzeitig haben seine Töchter und sein Sohn aus erster Ehe bereits eigene Kinder im etwa gleichen Alter. Solche besonderen Familienkonstellationen sind spannend und bereichernd. Doch nicht immer gelingt es, den Anforderungen der beiden verschiedenen Rollen gerecht zu werden. Unsere Mitarbeiterin Barbara Weber-Ruppli hat neben den Binkerts

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zwei andere Familien besucht, in denen Enkelkinder und eigene Kinder etwa gleich alt sind und sich die Generationen vermischen. Ihre Portraits lesen Sie ab Seite 20. Generationen und ihre Beziehungen zueinander stehen auch sonst im Mittelpunkt dieses Heftes. Im Dossier beleuchtet unser Redaktor Pius Achermann eine Studie von Professor François Höpflinger, die sich der Beziehung von Enkelkindern im Teenageralter und ihren Grosseltern widmet. Unsere Mitarbeiterin Monika Zech schreibt über Mütter, die ihre Töchter bei der Geburt begleiteten und miterlebten, wie ihre Enkelkinder zur Welt kamen. Sarah Fasolin begleitete eine Grossmutter, die ihren Enkelkindern die Gartenarbeit näherbringt. Und «Grosseltern»-Mitarbeiter Rolf Käppeli hat den Altersforscher Peter Gross getroffen und sich mit ihm darüber unterhalten, welche Chancen die Vier-Generationen-Gesellschaft birgt, die laut Peter Gross bereits heute Tatsache ist. Bewegend ist die Fotoreportage von Benjamin Manser. Der 25-jährige Fotograf, der für das «St. Galler Tagblatt» arbeitet, begleitete seinen Grossvater über einen längeren Zeitraum und porträtierte ihn immer wieder – in seiner Werkstatt, am Bodensee, nach dem Tod seiner Ehefrau, im Altersheim. Entstanden ist eine bemerkenswertes Werk, das von der Liebe und dem Respekt des Enkels seinem Grossvater gegenüber zeugt. •

GEORG GINDELY Chefredaktor georg.gindely@grosseltern-magazin.ch # 03 ~ 2015


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INHALT # 03 / März 2015

Mein Grossvater

Fotograf Benjamin Manser portraitiert seinen Grossvater, der früher mit einem selbst gebauten Boot auf dem Bodensee unterwegs war. (S.40)

Grosis Garten ist besonders

Glücksfall Alter

Ruth Wacker geht mit ihren Enkeln oft nach draussen. (S.26)

Altersforscher Peter Gross gibt dem Altwerden Sinn. (S.32)

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~ Magazin ~ INHALTSVERZEICHNIS

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Magazin Editorial Inhaltsverzeichnis

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Sammelsurium Enkels Liebling Baustelle des Monats Kaputt

Hintergrund 3 4

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Anderswo In Moçambique ziehen Grosseltern oft ihre Enkelkinder auf.

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Kind - Enkelkind - Kind Wir stellen drei Familien vor, bei denen die Enkel im gleichen Alter sind wie die Kinder.

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Mit Grosi im Garten Wie Enkelkinder Spass an der Gartenarbeit bekommen.

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Altersforschung Soziologe Peter Gross über das friedliche Zusammenleben der Generationen

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Meine Grosseltern Röbi Kollers Grossvater trug auch zum Picknick eine Krawatte. An die Redaktion Leserbriefe

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Brief an Louisa Kolumne

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Aus der Praxis Beratung

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GrossmütterRevolution Kolumne

Service

Bei der Geburt dabei Zwei Grossmütter erzählen, wie es war, die Geburt der Enkel mitzuerleben.

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Mein Grossvater Fotograf Benjamin Manser begleitete seinen Grossvater mit der Fotokamera.

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Dossier Wie schätzen Teenager ihre Beziehung zu den Grosseltern ein? Eine umfassende Studie gibt Antwort.

Unterwegs Bei den Rittern von Thun, den Bibern von Klingnau und auf der Hochstuckli-Hängebrücke

Basteln Frühlingsboten an der Wandtafel

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Garten Wie man mit den Enkelkindern ein Hotel für Insekten baut.

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Essen & Trinken Der etwas andere Osterfladen und ein Nachtessen im «Da Michelangelo» mit Kinderlärm Wettbewerb Schönheit Gesundheit Spiele Filmtipps Buchtipps Politik & Recht Vorsorge Multimedia Rätsel Comic Impressum & Vorschau

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Trennungen ~

LEB ENDE Wortspiele von Beat Gloor

www.uns-ich-er.ch

~ Emoticons ~

PUNKT, PUNKT, KOMMA, STRICH Emoticons sind Satzzeichen, die so aneinandergereiht werden, dass sie eine Art Gesicht oder Smiley bilden. Meist betrachtet man sie um 90 Grad gedreht. Emoticons sollen in SMS-Nachrichten oder E-Mails in aller Kürze Emotionen ausdrücken. Nicht immer ist es aber auf Anhieb klar, was damit gemeint sein soll. Deshalb hier ein paar Erklärungen. ~MB :-) BASIS-SMILEY ;) AUGENZWINKERN

~ Blick zurück ~

UNZERTRENNLICH Die Kindheit der Schwestern Ursula Ursprung-Ammann und Ruth Ammann war geprägt vom Krieg. Und von zwei Puppen: Lieselotte und Heini. Mit ihnen spielten sie viel, und die Bäbis wurden wichtige Begleiter der beiden Mädchen. «Für uns sind sie ein Seelenanteil geworden», sagen die beiden Schwestern heute, da ihre Enkelkinder mit ihnen spielen. Ursula Ursprung-Ammann, Ruth Ammann und ihre beiden Puppen sind im Buch «Unzertrennlich – Ein Stück Kindheit» portraitiert, zusammen mit 24 anderen Menschen und ihren Kuscheltieren oder Bäbis. Zum Beispiel Dominique Trachsel und Bäri, den sie mitnahm, als sie Mitte dreissig den Job kündigte, um in Spanien Flamenco zu tanzen. Oder Alberto Josuran und das Eichhörnchen, das ihn während seiner Zeit als Kind in einem Kurhaus in Arosa begleitete. In den Fotos von Giulia Marthaler und den Texten von René Donzé werden ganze Kindheiten und Lebensgeschichten lebendig. Auch, weil wohl alle von uns in der Kindheit ähnliche Begleiter hatten und vielleicht heute noch haben wie die Protagonistinnen und Protagonisten von «Unzertrennlich». ~GG

:/ SKEPTISCH :—I PINOCCHIO

«Unzertrennlich - Ein Stück Kindheit», von Giulia Marthaler und René Donzé, Till Schaap Edition, 112 Seiten, 38 Franken.

\-) BRETT VOR DEM KOPF :-X SCHWEIGEN oder KUSS, KÜSS­ CHEN :-* KÜSSCHEN, KUSS, KÜSSENDER Q:-) PRÜFUNG BESTANDEN <3 HERZ Auf www.smszeichen.ch kann man Emoticons und deren Bedeutung suchen.

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

~ Enkels Liebling ~

DER SORGENFRESSER Gerhard Hahn, Besitzer einer Berliner Filmproduktionsfirma, hatte 2008 grosse finanzielle Sorgen und wälzte sich nachts hin und her. Bis ihm die Idee kam: Ein Monster musste her. Eines, das die Sorgen einfach auffrisst. Am nächsten Morgen kreierte er Saggo, den Sorgenfresser. Niedlich genug, um ihn mit ins Bett zu nehmen, aber doch mit so entschlossenem Äusseren, dass man ihm abnimmt, mit den Sorgen fertig zu werden. Einfach Reisverschlussmund auf, Sorgen rein, und wir beide kriegen das schon hin, verspricht schon das Etikett. Das Konzept ging voll auf. Schon nach kurzer Zeit eroberte Saggo nicht nur den Prenzlauer Berg in Berlin, sondern auch die Kinderzimmer der Schweiz und anderer Länder. Nur zu gern vertrauen Kinder und wohl auch so mancher Erwachsene dem kleinen Kerl ihre Sorgenzettel an. Natürlich ist es nicht ganz so einfach, warnen einige Psychologen. Sie räumen jedoch ein, dass es vielen sehr wohl helfe, ihren Sorgen einen Namen zu geben und diese «abzugeben». Natürlich brauchen Kinder bei ernsten Problemen dennoch die Hilfe der Erwachsenen. Aber eben: Auf einer anderen Ebene. Mittlerweils hat Saggo 17 Geschwister bekommen. Den langen, dünnen Sepp zum Beispiel oder Polli mit den Kringelohren. Oder den grünen Schnulli, den dicksten von allen. Er verkauft sich besonders gut, vermutlich weil er so viele Sorgen auffressen kann. Die Sorgenfresserchen kosten zwischen 17 und 40 Franken. ~MT

© Schmidt Spiele GmbH, 2015

~ Vornamen-Hitparade ~

NAMENSGEBUNG ÜBER DREI GENERATIONEN Die Grossmutter heisst ESTHER, sie nannte ihre Tochter SANDRA, und diese bekam kürzlich eine ANNINA. Oft spielt bei der Wahl eines Vornamens seine Bedeutung eine Rolle, aber auch, wie oft er schon vergeben wurde. Mit dem Vornamentool des Bundesamts für Statistik lässt sich ermitteln, welche Rangordnung die Namen in einer bestimmten Zeitspanne – zum Beispiel zwischen 1914 und 2014 – einnehmen. ~MB Vornamen

Anzahl

(1914–2014)

Rang (1914–2014)

ESTHER Laura Rosa

19046 18644 18456

28 29 30

SANDRA Monika Verena

34388 32339 31739

6 7 8

SANDRA ist eigentlich die Abkürzung von Alexandra, was wiederum die weibliche Form des altgriechischen Namens Alexander ist. Im Namen ist das Wort alexein enthalten, was so viel wie abwehren, schützen bedeutet. So wird Alexandra auch als die Beschützerin der Männer gedeutet.

Colette Evelyn ANNINA

2320 335 2314 336 2310 337

ANNINA gehört zur Namengruppe Anna (die Begnadete). In der Bibel ist Anna die Mutter Marias. Der Name Annina wurde in den Jahren 1980-2009 am häufigsten vergeben.

ESTHER kommt aus dem Altpersischen. Im Alten Testament ist Esther eine jüdische Frau eines persischen Königs. Neben Star (Stern) ist auch Ishtar (Name einer persischen Göttin) als Herkunft möglich.

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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Alles bewegt sich

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ama, wir haben jetzt eine Riesen-Maschine!» berichtet Lioba daheim. Der beunruhigten Mama versichert sie, dass die Maschine trotzdem im Museum Tinguely bleiben könne. Die dreijährige Lioba näherte sich Jean Tinguelys Maschinen zuerst mit aller Vorsicht – gross, unvorhersehbar in ihrer Bewegung und laut sind einige. Dann entdeckte sie die feinen kleinen, die ihrem Sensorium entsprechen: ein verbogener Draht, der beim Umsichwirbeln zur Ballerina wird, ein Clown, der sich in einer Schüssel wackelnd dreht. Darauf näherte sie sich den grösseren Kunstwerken immer mutiger. Ihre kleine Schwester gab sich von Anfang an der Angstlust hin, wenn einer der Kolosse ratternd und pfeifend ansprang. Meine Befürchtung, die Kinder würden Tinguelys Werke innerlich unbeteiligt betrachten wie ich als Kind die Miniatur-Eisenbahnanlagen, die auf Knopfdruck Züge losschickten, war grundlos. Charme und Anarchie der Werke macht sie zu derart grosser Kunst, dass Kinder sie nach kurzer Zeit eben einfach besitzen. MUSEUM TINGUELY, Paul Sacher-Anlage 2, 4002 Basel www.tinguely.ch

Eli Wilhelm ist 54 Jahre alt, Kulturvermittlerin und Grossmutter. Mit Enkelinnen, befreundeten Kindern und Jugendlichen testet sie regelmässig Museen und veröffentlicht Beiträge darüber auf ihrem Blog museumstester.ch.

~ Baustelle des Monats ~

ABRISSBAUSTELLE Ein Hausabriss ist für Kinder – und sind wir mal ehrlich, nicht nur für Kinder – ein tolles Spektakel: Da arbeiten grosse Maschinen mit erstaunlicher Präzision, da kracht und knackt es, da stehen Mauern plötzlich gänzlich befreit von jeglicher Funktion da. Dass so ein Abriss fasziniert, haben jetzt auch die Lego-Macher entdeckt und seit diesem Jahr das Thema Abrissbaustelle in ihr Lego-City-Sortiment aufgenommen, mit Abrissbirne und Sprengfunktion. Lego betritt damit Neuland, sind die kleinen, fast unzerstörbaren Plastikteilchen doch eigentlich dazu gedacht, vielfältige Konstrukte (nach Anleitung oder aus der puren Fantasie geboren) entstehen zu lassen. Mit der Abrissbaustelle dürfen erstmals die kleineren Enkelkinder den grösseren das Gebaute kaputt machen, ohne abgeschlagen zu werden. Das finden wir toll und ernennen deshalb die Lego-Abrissbaustelle zur Baustelle des Monats. ~MB # 03 ~ 2015


~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

~ Gesucht ~

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~ Kniereiter ~

SELFIES MIT OLDIES Grossmütter und Grossväter aus Luzern aufgepasst: Für eine Fotoausstellung zum Thema «Alt mit Jung» sucht Luzern 60plus viele bunte Selfies, auf denen jeweils eine junge Person mit einer älteren abgebildet ist. Also klicken Sie sich zusammen mit Ihrem Enkel, Ihrem Patenkind, dem Nachbarskind oder Ihrer Musikschülerin. Die Fotos werden im Mai beim Marktplatz 60plus in der Kornschütte Luzern ausgestellt. Das Format ist egal. Angeben muss man nur die Vornamen und das Alter der Abgebildeten und in welcher

HOPPE, HOPPERLI, HO, DIE BÜEBLI RITE E SO, UF EMENE SCHWARZE RÖSSLI, ZU EMENE SCHÖNE SCHLÖSSLI, DO BRICHT DAS RÖSSLI S BEI UND HUMPLET HOPPERLI HEI. Aufgezeichnet von Susanne Stöcklin-Meier.

Beziehung sie zueinander stehen. ~GG Das Bild können Sie bis zum 7. März 2015 an marktplatz60plus@bluewin.ch mailen.

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~ Magazin ~ ANDERSWO

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Mit 15 Grosskindern unter einem Dach von EVA GEEL (Text) und ESTHER MAURER (Fotos)

In Moçambique wachsen viele Kinder bei ihren Grosseltern auf, weil die Eltern keine Arbeit haben oder tot sind.

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inder, so wird häufig kolportiert, seien die Altersversorgung vieler afrikanischer Familien. Zumindest in Moçambique sieht das ganz CH I anders aus. Denn die Jungen finden MO IO kaum Arbeit, viele sterben an Aids und hinterlassen Waisenkinder, um die sich dann die Grosseltern kümmern müssen. Die alten Menschen wiederum haben häufig selbst kaum das Nötigste zum

Constanzia und Felipe Zambezi (hinten Mitte) mit ihren Enkeln und Urenkelinnen.

Leben. Die Altersrenten sind knapp bemessen. Seveni und Mariana Zeca beispielsweise, die in Chimoio leben, einer Stadt rund 1000 Kilometer nördlich der Hauptstadt Maputo, bekommen gerade mal 300 Meticais. Das sind umgerechnet rund zehn Franken monatlich. Das muss für 17 Personen reichen, denn Seveni (68) und Mariana (63) leben mit ihren 15 Grosskindern auf engstem Raum. Sie ernähren sie, Mariana und Seveni Zeca (3. und 2. von rechts) mit Töchtern, Sohn und Enkelkindern. schicken sie zur Schule und spielen mit ihnen. Die Enkelkinder befinden sich in ihrer Obhut, weil die Eltern nicht für sie sorgen können – sie leben von schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs sei zu alt dafür, meint der 70-Jährige Felipe. «Ich kann nicht und Arbeit auf Abruf. Seveni und Mariana Zeca bebauen noch mehr.» Die beiden werden von ihren Kindern unterstützt – sie ein kleines Stück Land, rund 40 Minuten bringen Maisbrei und Sauce und kochen Fussmarsch entfernt. Dort pflanzen sie Reis für Costanzia, die abends müde von Mais an – zur Selbstversorgung und zum der Feldarbeit kommt. Die Verbitterung Weiterverkauf auf dem lokalen Markt. ist beiden anzusehen – sie haben bessere Damit sichern sie sich ein Zubrot. Zeiten erlebt, als Felipe noch Arbeit hatte. Bei der Familie Zambezi auf der anderen Der Abstieg in die Armut ist schwer zu Seite der Naturstrasse, die quer durchs verkraften. Nur wenn sie von den EnMOÇAMBIQUE Quartier führt, herrscht ein ständiges kelkindern erzählen, werden sie wieder Einwohner: 25 Millionen Hauptstadt: Maputo Kommen und Gehen. Die elf Enkel und lebhaft: Felipe Zambezi kümmert sich Fläche: 801 590 km² Urenkelinnen bewegen sich frei zwischen tagsüber um die Kinder und spielt mit Einwohner pro km2: 31 den Hütten der Grosseltern und Eltern, die ihnen. Abends erzählen die Grosseltern Namensgebung: Bis 1975 war es Pflicht, nah beieinander stehen. Sie schlafen, wo Geschichten und Witze. Darin sind sich einen Namen in der offiziellen Sprache (Portugiesisch) zu wählen. Es war dessie gerade wollen, erklärt Grossvater Felipe die Zambezis und die Zecas einig: «Die halb üblich, einen offiziellen Namen und Charles Zambezi. Der 70-Jährige und seine Kinder», sagen alle vier Grosseltern, «die einen echten Namen, in afrikanischer 50-jährige Frau Costanzia leben in ärmliKinder sind das Wichtigste.» • Muttersprache, zu haben. Namen wie António Segunda Feira Está Mal (Anton chen Verhältnissen. Eine Rente bekommt Am Montag Geht Es Ihm Schlecht) rühren der ehemalige Busmechaniker nicht, weil Dieser Beitrag erschien zuerst im Magazin von der Kolonialzeit her, als Verwalter er die Mindestanforderungen nicht erfüllt. «Solidarität» von Solidar Suisse. Das Ardie Namen vergaben. beiterhilfswerk setzt sich für eine sozial, Besonderes: 43 Prozent der Bevölkerung Zumindest habe man ihm das so gesagt. politisch und ökonomisch gerechtere sind unter 15 Jahre alt und nur 3 Prozent Er und seine Frau erhalten umgerechnet Gesellschaft ein – mit über 50 Projekten in über 65. Das Land hat eine der höchsten rund acht Franken Sozialhilfe. CostanAIDS-Raten der Welt. 13 Ländern, darunter auch in Moçambique. www.solidar.ch/mocambique zia Zambezi bewirtschaftet das Feld. Er # 03 ~ 2015


~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Studie ~

PER MAUSKLICK GLÜCKLICH

~ Alte Tricks für neue Grosseltern ~

ZU DICKER ZAPFEN Das Büchlein «Alte und neue Tricks für die Hausfrau» aus dem Jahr 1939 ist aus einem Wettbewerb des Verlags der Schweizer Hausfrauen hervorgegangen. In loser Folge druckt «Grosseltern» die besten und lustigsten Tipps ab. ~MB «Zapfen aus Kork, welche für eine Flasche zu dick sind, schnetzelt man nicht aussen herum ab, sondern höhlt sie mit einem spitzen Messer von unten etwas aus. Dadurch lässt sich der Kork zusammendrücken und dem Flaschenhals anpassen.»

Laut Erkenntnissen aus der Positiven Psychologie können Menschen ihr Wohlbefinden beeinflussen, nämlich mit Methoden und Aktivitäten, welche positive Gefühle, Verhaltensmuster oder Gedanken kultivieren. Eine Studie der Universität Zürich zeigte, dass sogenannte positiv-psychologische Online-Interventionen bei Frauen über 50 wirksam sind. 163 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren führten während einer Woche täglich eine Computerübung von 10 bis 15 Minuten durch. Alle Übungen hatten zum Ziel, positive Charaktereigenschaften wie Optimismus, Humor oder Dankbarkeit zu steigern. «Die Studie zeigt, dass man sein Wohlbefinden steigern kann, indem man selbständig einfache Übungen in den Alltag einbaut – dies ganz bequem am Computer von zu Hause aus», so Studienleiter René Proyer. Zurzeit wird ein neues Trainingsprogramm zu Studienzwecken durchgeführt. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, kann das Programm zu einem selbstgewählten Zeitpunkt starten und durchführen. Alle Details finden sich auf der Homepage. ~MB www.staerkentraining.ch

© Tibor Nad

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HURRA, SIE WERDEN GROSSELTERN Vieles hat sich geändert, seitdem Sie selbst Eltern geworden sind. Deshalb bieten wir einen Kurs für Grosseltern an, in dem wir Ihnen wertvolle Informationen zur Säuglingspflege und -ernährung, dem Verhalten in Notfallsituationen sowie Tipps zu schönen Ritualen mit Kleinkindern geben. WANN Montag, 18. Mai 2015, 13.30–18.00 Uhr Samstag, 22. August 2015, 13.30–18.00 Uhr Dienstag, 24. November 2015, 17.00–21.00 Uhr WO Klinik Hirslanden Witellikerstrasse 40 CH-8032 Zürich Sitzungszimmer, Ebene 4

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Die Frage ~

WIE PUTZT MAN DIE ZÄHNE RICHTIG?

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uch im Zeitalter des Filzstifts ist der Bleistift nicht ausgestorben und der Anblick einer Spitzmaschine noch immer vertraut. Kaum ein Bürogerät lässt sich so spielerisch und zugleich hingebungsvoll bedienen: Das Einspannen des Stifts, das Drehen der Kurbel, das Leeren der Schublade kommen einem Ritual gleich. VOM POMPÖSEN ZUM PRAKTISCHEN Heute gibt es günstige Bleistiftspitzmaschinen aus Kunststoff und teurere aus Metall, aber keine hat mehr die Ausstrahlung dieses kiloschweren Fundstücks aus Gusseisen. Als es vor rund hundert Jahren auf den Markt kam, hatten Büro-Utensilien noch Charakter. DIE ERFINDUNG

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Eugen Courant, dessen Name im schwungvollen Schriftzug stolz auf der Maschine prangt, handelte eigentlich mit Nähmaschinenteilen. Nebenher verbesserte er die Bleistiftspitzmaschine durch eine herausnehmbare Fräse. Nun liess sich der wichtigste Teil reinigen und nachschärfen. Die entsprechende Patent-Nummer hat Courant auch gleich auf dem Gerät verewigt.

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Grosseltern, die ihren Enkelkindern beibringen wollen, wie sie die Zähne richtig putzen, haben es schwer: Forscher vom University College London haben herausgefunden, dass sich die Empfehlungen zur Zahnputztechnik nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Spezialist zu Spezialist stark unterscheiden. Die einzelnen Zahnärzte, Fachorganisationen, Lehrbücher und Hersteller von Zahnpflegeprodukten geben zum Teil komplett gegensätzliche Tipps. Wissenschaftlich erwiesen ist einzig, dass man seine Zähne vor Karies schützt, wenn man sie zwei Mal täglich gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzt. Aber wie man das am besten tut, weiss niemand: Es fehlen Beweise dafür, dass eine Methode wie zum Beispiel langsames Kreisen einer anderen Methode wie einfachem Bürsten wirklich überlegen ist. Auf gut Deutsch: Wie Zähneputzen richtig geht, hat die Wissenschaft noch nicht herausgefunden. ~GG


~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Generationenprojekte ~

IDEEN ENTWICKELN

IM RESTAURANT DELLA NONNA Grossmutters Küche ist gefragt. Sie ist echt, ursprünglich, gut und weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten. Doch auf die Schweizer Restaurantnamen hat das noch wenig Einfluss. Bis heute gibt es hierzulande kein Restaurant Grosi oder zum Grossmami. Anders sieht das bei den italienischen Lokalen aus. In vielen Schweizer Städten lockt ein Ristorante, eine Pizzeria oder eine Trattoria La Nonna oder Della Nonna Gäste an, zum Beispiel in Bern, Luzern, Lausanne, Freiburg, Solothurn oder in Zürich. Das dortige Restaurant Della Nonna im Seefeld ist übrigens das kleinste Restaurant der Stadt: Es hat nur einen einzigen Tisch. Wie bei Nonna eben. ~GG

*auf das ge samte Sort iment, gültig bis auf Wider ruf

Die Generationenakademie hat ein neues Angebot für alle, die ein Projekt mit und für Menschen unterschiedlichen Alters angehen wollen oder bereits begonnen haben: Der «Entwicklungsraum für Projekte» bietet Platz und Zeit für den Austausch von Ideen und Feedback zu Generationenprojekten in Planung. Träger der Generationenakademie ist das Migros-Kulturprozent. ~MB

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~ Trend ~

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DATEN UND ZEITEN Freitag, 20. März 2015 9.30 – 18 Uhr und Samstag, 21. März 2015 8.30 – 12 Uhr Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und Neubad Luzern Kosten 150 Franken Anmeldung www.generationenakademie.ch Anmeldeschluss 5. März 2015, die Teilnehmendenzahl ist begrenzt.

Aus dem richtigen Holz gefertigt. Unsere Bettgestelle bestehen aus Massivholz, sind garantiert metallfrei und mit Bienenwachs behandelt. Das Holz vermittelt Ihnen Wärme und Geborgenheit. Somit leistet es seinen Beitrag zu Ihrem erholsamen Hüsler Nest-Schlaf. Riskieren Sie einen Blick: wwww.huesler-nest.ch

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~ Magazin ~ MEINE GROSSELTERN

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«Istanbul war in unserem Haus immer präsent» Röbi Kollers Grosseltern lebten ein luxuriöses Leben in der Türkei und legten viel Wert auf ein gepflegtes Äusseres. Der Grossvater trug auch zum Picknick Krawatte.

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eine Grosseltern lebten ursprünglich in Istanbul, wo auch mein Vater geboren ist. Die Familie meiner Grossmutter war mehrere Generationen zuvor von Deutschland nach

Prokurist in einem Warenhaus an, wo er für die damaligen Verhältnisse gutes Geld verdiente. Das Schicksal wollte es, dass sich Paul in Herta, die Tochter des Geschäftsführers, verliebte und diese später

Griechenland ausgewandert und später in die Türkei umgesiedelt. Mein Grossvater Paul Koller reiste von Basel nach Istanbul und nahm dort eine Arbeit als

heiratete. Man lebte ein luxuriöses Leben, konnte sich Bedienstete leisten und zog jeweils im Sommer aus der heissen Stadt in ein Sommerhäuschen nach Erenköy ans

RÖBI KOLLER

© SRF Oscar Alessio

Der 57-Jährige war jahrelang bei Radio 24, dem Schweizer Radio und dem Schweizer Fernsehen tätig, wo er heute noch die Sendung «Happy Day» moderiert. Ansonsten arbeitet er als frei schaffender Journalist und Moderator.

Marmarameer. Meine Grossmutter Herta Koller-Maier legte immer Wert auf ein gepflegtes Äusseres und auf Umgangsformen – auch wenn sie selber hemmungslos bei Tisch rauchte, während andere noch assen. Ihrem strengen Regime hatten sich grundsätzlich alle unterzuordnen. Mein Grossvater, dem ich als Kind in meiner Fantasie das Modehaus PKZ - Paul Koller Zürich - zugeordnet hatte, trug immer eine Krawatte, sogar bei einem Sonntagsausflug mit Picknick. Er hatte dieses Buster-Keaton-Gesicht und versuchte mir Angst zu machen, indem er mich mit strengem Blick als «Bürstenbinder» oder «Scherenschleifer» ansprach, was damals gleichbedeutend war mit Nichtsnutz. Ende der 50er-Jahre zogen die Grosseltern in die Schweiz, wo sie aber ihren luxuriösen Lebensstandard nicht mehr halten konnten. Meine Grossmutter litt bis zu ihrem Tod mehr als 30 Jahre später unter diesem sozialen Abstieg. Istanbul und die Türkei waren in unserem Haus immer präsent. Bei uns gab es Kebab, Köfte, Oliven, Lokum, Baklava und Datteln, als diese Spezialitäten hierzulande noch weitgehend unbekannt waren. Wir hatten persische Teppiche und einige Gefässe aus Kupfer und Messing. Gewisse türkische Ausdrücke sind mir bis heute geläufig: çöp für Abfall (während güzel auf Deutsch schön heisst), tamam – in Ordnung, yavas¸ – langsam. In Istanbul gibt es übrigens auf dem Internationalen Friedhof Feriköy immer noch das Grab meiner Urgrosseltern und ihres Sohnes, der als Schweizer Militärpilot 1933 erst 26-jährig abstürzte. •

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

~ Kaputt ~

MÖBELHAUS STATT MITTAGSSCHLAF Neulich hatte ich meine dreijährige Enkelin den ganzen Tag zu Besuch. Mittags war ich müde, und sie auch, fand ich. Daher legte ich sie in unser Schlafzimmer und machte es mir auf der Couch gemütlich. Nach kurzer Zeit allerdings hörte ich: «Zu hell zum Haia machen» und bald darauf ein lautes Krachen.

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Statt unserer gewollten Pause fanden meine Enkeltochter, mein Mann und ich uns dann wenig später in einem Möbelhaus wieder. Zum Kauf eines neuen Rollos.

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Was haben Ihre Enkel angestellt? Schicken Sie uns ein Bild zusammen mit einer kurzen Erklärung, entweder per E-Mail an redaktion@grosseltern-magazin.ch oder per Post an «Grosseltern», Bahnhofstrasse 7, 5400 Baden. Die besten Bilder werden publiziert.

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~ Kindermund ~

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Elternsprüche ~

«UND GÄLL: NID I DEM TON – UND NID, WENN S’GROSSMAMI DA ISCH.» Kurze Sätze, die unser Leben begleiten, gesammelt von Beat Gloor.

~ Inspiration ~

SCHERENSCHNITTE Wenn Grosseltern und Enkelkinder Scherenschnitte machen wollen, können sie sich vorher im Landesmuseum in Zürich inspirieren lassen. Noch bis 19. April stellt das Museum Scherenschnitte vom 18. Jahrhundert bis heute aus. Übrigens nicht nur solche von Künstlerinnen und Künstlern, sondern auch Werke von Kindern. ~GG www.nationalmuseum.ch

~ Schnell gemacht ~

SPINNENNETZBALL Für dieses lustige Spiel mit den Enkelkindern braucht es nur wenig. Es reichen Klebebänder, die sich rückstandslos wieder entfernen lassen, wie beispielsweise Malerkrepp oder Paketklebeband, und alte Zeitungen. Die Klebebänder werden kreuz und quer in einen Türrahmen geklebt, so dass eine Art Spinnennetz entsteht. Dann dürfen die Kinder die alten Zeitungen zerreissen und zu Wurfkugeln knüllen. Diese werfen sie dann mit Karacho an die klebrige Seite der Bänder. Tipp: Falls die Kugeln nicht so gut im Netz halten, können diese ebenfalls mit einer Lage Klebeband (Klebeseite nach aussen) umwickelt oder gar ganz aus Malerkrepp gerollt werden. ~MT

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© Schweizerisches Nationalmuseum


~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

~ Edition Unik ~

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~ Zitat ~

SCHREIBEN NACH PLAN Opernsängerin Ursula Ferri liebt seit zwölf Jahren einen russischen Berufskollegen. Es ist eine ganz spezielle Liebesgeschichte, eine verrückte, sagt Ferri. So verrückt, dass sie sie niederschreiben will. Ursula Ferri macht bei der Edition Unik mit, zusammen mit über 60 anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ziel ist es, dass alle, die mitmachen, am Schluss ein Buch mit ihren Erinnerungen veröffentlichen. Ende Januar hat das Projekt begonnen, das unter der Leitung der Heller Enterprises steht. Martin Heller, der künstlerische Leiter der Expo 02, sprach am Eröffnungsanlass in Zürich von einer Formel von Schreiben und Schenken. Ziel sei es, die Bücher mit den Erinnerungen weiterzugeben – an Kinder, Enkel, Freunde. Im Moment läuft die Sammelphase. Bis Ostern versuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, möglichst viel Material zu sammeln. Pro Werktag versuchen sie, sich ein bis drei Mal 45 Minuten Zeit zu nehmen. In diesen 45 Minuten schreiben sie eine Idee, eine Erinnerung auf. Dann machen sie eine Pause. Pro Woche sollten sie mindestens acht Notizen sammeln. Nach Ostern sortieren die Teilnehmer ihre Notizen und fassen sie zu etwa zehn Geschichten zusammen, aus denen das Buch entstehen wird. Am 29. Mai muss die Schreibarbeit abgeschlossen sein, danach wird das Buch gestaltet. Die Edition Unik ist ein Pilotprojekt. Bei gutem Gelingen will es Martin Heller einem breiteren Publikum zugänglich machen. Ursula Ferri freut sich darauf, ihre Liebesgeschichte zu Papier bringen. «Es ist ein bisschen wie «When Harry met Sally»», sagt sie. Einfach noch viel, viel verrückter. ~GG

«DAS BEKLOPPTE HABE ICH VON MEINER OMA GEERBT!» So der Komiker und Entertainer Harpe Kerkeling (*1964) in der TV-Sendung «Menschen bei Maischberger» im Oktober 2014 über seine geliebte Oma Änne.

www.edition-unik.ch

© Tibor Nad

# 03 ~ 2015

© Tomas Rodriguez


~ Magazin ~ LESERBRIEFE

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Ich habe dieses Buch mit grosser Freude entgegengenommen und habe schon gut die Hälfte der Fragen beantwortet. Vielleicht wird meine Tochter bei verschiedene Antworten erstaunt sein, aber wenn man alle Fragen ehrlich beantwortet, ist dieses Buch sicher ein tolles Stück im Nachlass – oder ein schönes Geburtstagsgeschenk, wenn es dann mal ganz gefüllt ist. Ich bin überzeugt, dass viele Grosseltern ihre Erinnerungen und Gedanken gerne in dieser Form an die Kinder weitergeben würden. Ich gäbe viel darum, ich hätte von meiner Mutter ein solches Buch…

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Gabriela Szabó, Wil

FORUM FÜR EINE EINSAME SPEZIES

2015

Meine Tochter hat mir das Buch «Mama, erzähl mal» geschenkt, und wie sie mir versichert hat, gibt es auch ein gleiches Buch für Väter. Das Buch, im Droemer-Knaur Verlag erschienen, umfasst auf gut 100 Seiten Fragen zu den verschiedensten Bereichen: «Das Kleinsein und das Grösserwerden», «Deine Familie», «Über das Erwachsenwerden», «Alles über die Liebe» bis hin zu «Über Dinge, die eine besondere Bedeutung für dich haben». Dazwischen hat es viel Platz für Fotos und Erzählungen, Erinnerungen.

Die Bildreportage über die Tschäggättä im letzten Heft hat mir sehr gut gefallen. In meiner Heimat Ungarn gibt es ein ähnliches Fest. Unser Brauch heisst Busójárás. Das ist ein grosses traditionelles Faschingsfest, das alljährlich Mitte Februar in Mohács, einer kleinen Stadt an der Donau stattfindet. Busójárás dauert sechs Tage lang und hat diverse Programme und Attraktionen. Die verkleideten Männer heissen «Busó». Sie tragen Holzmaske und Pelz. Es ist ein Fest, mit dem die Leute den Winter verabschieden und den Frühling willkommen heissen.

Februar

Eben habe ich im neuen Grosselternmagazin gelesen, unter anderem die Aufforderung von Heinz Stefan Herzka, eine Autobiographie zu schreiben. Ja, das ist eine ganz tolle Idee, nur ist es nicht jedermann gegeben, eine autobiographische Geschichte zu schreiben. Für viele Eltern/Grosseltern wäre es wahrscheinlich einfacher, Fragen zu beantworten. Dazu hätte ich einen Tipp.

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# 02 /

EIN TIPP, WIE MAN ERINNERUNGEN WEITERGEBEN KANN

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DIE MEINUNG DER LESERINNEN UND LESER

WIE GROSSELTERN MITERZIEHEN

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Als «allein betreuender» Grossvater von vier Enkeln im Alter von 4 bis 14 Jahren hat mich neben den praktischen Tipps Ihrer lesenswerten Zeitschrift der Beitrag «Wie Grosseltern miterziehen» in der letzten Ausgabe angesprochen. In der Komplexität und Bandbreite seiner Sichtweise erscheint er mir sehr hilfreich, noch mehr Wert auf die von uns erlebte Geschichte in der artund zeitgerechten Vermittlung für unsere Enkelinnen und Enkel zu legen. Wir Grosseltern, die im Prinzip frei haben, also ohne Kindergarten, Schule und Arbeit leben dürfen, haben auch mit Hilfe eines solchen Artikels Gelegenheit, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen beziehungsweise neu zu justieren. Insbesondere meine ich hier, kindgerechte Zusammenhänge aus dem eigenen Erleben aufzuzeigen und dem heutigen Warum meiner Enkelkinder überschauend standzuhalten. dd 1

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Hier scheint mir als allein wirkender Grossvater auch noch eine besondere Aufgabe für Ihr Magazin zu liegen: Im Allgemeinen ist von Grosseltern oder Grossmüttern die Rede. Wo bleiben die allein wirkenden und helfenden Grossväter? Gibt es die überhaupt und wenn ja, könnte Ihre Zeitschrift ja ein Forum für diese doch im Austausch recht einsamen Spezies sein?!

A.T., B.

Heidi Isenring Dinkel, Kloten Wir freuen uns über Ihr Lob und Ihre Kritik. Bitte schicken Sie uns Ihre Meinung per Post an «Grosseltern», Bahnhofstrasse 7, 5400 Baden oder per E-Mail an redaktion@grosseltern-magazin.ch.

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~ Für die gemeinsame Zeit mit den Enkeln ~

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~ Kolumne ~ BRIEF AN LOUISA

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Traust du der Wissenschaft, Louisa?

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ie Wissenschaft hat uns entdeckt, Louisa, dich und mich, wir werden untersucht, nach Strich und Faden. Gescheite Leute haben 685 Enkelkinder befragt. Zum Beispiel wollten sie wissen, was die Enkel mit ihren Grosseltern jahraus jahrein alles treiben. Oder sie beobachteten, ob wir zwei, du, Louisa, und ich, auch einmal zusammenspannen und uns gegen deine Eltern verschwören. Das soll vorkommen. Zum Beispiel bei den

den Hahnen drückt, noch ganz andere Verwendungen. Das hast auch du gemerkt, Louisa. Nach einer Weile tropfen unsere Kleider so, als wären wir gerade jung dem Brunnen entstiegen. Herr Höpflingers Jungbrunnen führt uns noch auf eine andere Spur. Gestern Montag war Grosselterntag. Mir gegenüber bist du, Louisa, nicht in kooperativer Stimmung. Einmal, als du mich nicht einmal als Kinderwagenlenker akzeptierst, schimpfst du,

und krummen Beinen, schweigt die Grossvater-Forschung freundlich. Wenn es ums Politische geht, wird es spannend in der Grosseltern-Forschung. Kinder und Grosseltern sind konservativer und nationalistischer als die mittlere Generation, fand Herr Höpflinger heraus. Mit andern Worten, wir zwei, du, Louisa, und ich, wählen, wenn wir zur politischen Urne gerufen werden, die schweizerische Volkspartei SVP, deine Eltern hingegen

Weihnachtsfeiern: Wer feiert wo wann mit wem? Wenn Eltern und Grosseltern nicht gleicher Meinung sind, ist es gut, wenn die Enkelkinder ein Machtwort sprechen. Dann bleibt die Kirche im Dorf, und die Weihnachtskerzen leuchten in der Stube. Dich, Louisa, haben die Wissenschaftler leider nicht interviewt. Das schränkt die Ergebnisse ein, die der kurlige Professor Höpflinger herausfand. Aber weil er selber Grossvater ist, gern mit seinen Enkeln spielt, lustig aussieht und spannend erzählen kann, wollen wir ihm vertrauen. Wo wir nicht sicher sind, überprüfen wir, ob er recht hat. François, so heisst unser Professor mit Vornamen, behauptet, als Grossvater sei man gerade mal so alt wie das Enkelkind selber. Wie kommt er zu einer derart rätselhaften Aussage? Er findet, du, Louisa, seiest ein wahrer Jungbrunnen. Wenn man in dich hinein tauche, steige man um Jahre jünger wie aus einem Brunnen hervor. Das hat etwas. Wenn wir uns am Dorfbrunnen aufhalten, drehst du an einer Kurbel und leitest mit einer Spirale den Lauf des Wassers über Hindernisse hinweg in Gefässe, die dazu da sind, das fliessende Nass aufzufangen. Da dir das Drehen etwas schwer fällt, schätzest du meine Hilfe. Die reine Schleusenarbeit hat freilich nicht genügend Unterhaltungswert. Wasser bietet, wenn man den Finger auf

ich sei alt. Das pustest du mir mitten ins Gesicht, unverblümt und erbarmungslos. Grossmama hingegen lobst du mit fester Stimme als jung. Dein eigenes Alter zeigst du uns mit den Fingern, die man sonst zum Schwur erhebt. Es muss dir also ernst gewesen sein. Offen gestanden, Louisa, ist mir nicht klar, worauf du dein Urteil abstützest. Grossvaters Haar ist weisser als das deiner Grossmutter, einverstanden. Es stimmt auch, dass Oma vor Jahren einmal als meine Tochter angesprochen wurde, weil sie so jugendlich aussieht. Ich gönne ihr das. Aber das alles muss dich ja nicht dazu führen, mich gleich in den Urgrossvater-Estrich abzuschieben! Was meint unser guter Professor zu deiner provokativen Aussage? Er sagt, dass Grossväter und Grossmütter sich immer ähnlicher verhalten gegenüber den Enkelkindern. Die Unterschiede würden je länger je unbedeutender. Für Männer ist vielleicht das Basteln wichtiger, während Frauen mit dem Grosskind eher Kuchen backen. Ihre Beziehungsdefizite zu den Grosskindern jedoch hätten die männlichen Grosseltern in den letzten Jahren wettgemacht. Und da Grossmütter bei Enkelkindern schon früher hoch im Kurs standen, findet er: «Moderne Grossväter verhalten sich wie alte Grossmütter.» Zu unserem Aussehen, den Bäuchen, Falten

legen Wahlzettel für die Grünen und die Sozialdemokraten ein. Da schmunzelt selbst Karli, deine Lieblingspuppe – die Wissenschaft! Wir zwei mit unserer rebellischen Natur! Freilich, Louisa, müssen wir Zähne knirschend einräumen, dass im Liedgut unserer Duette alte Kinder- und Volkslieder dominieren. Selbst jodelndes Jauchzen geniessen wir, ohne mit der Wimper zu zucken, mit einer Begeisterung, dass Grossmama sich am liebsten die Ohren stopft. Ich denke, Louisa, wir müssen diesen Punkt der Forschung im Auge behalten. •

# 03 ~ 2015

Vor vier Jahren begann der Journalist Rolf Käppeli Briefe an seine damals 3-jährige Enkelin Louisa zu schreiben. «Grosseltern» veröffentlicht in jeder Ausgabe einen Brief an Louisa. Mehr über die in der Kolumne erwähnte Studie finden Sie im Dossier ab Seite 50.


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~ Hintergrund ~ DOPPELROLLE

EINE BESONDERE FAMILIENKONSTELLATION Wer nochmals Kinder bekommt, wenn schon Enkel da sind, hat oft Mühe, Grosselternaufgaben zu übernehmen. Das kann zu Spannungen führen – vor allem zwischen Eltern und Grossmutter. Opa darf seine Rolle lockerer nehmen. Von BARBARA WEBER-RUPPLI (Text und Foto) und DOMINIQUE MEIENBERG (Fotos)

# 03 ~ 2015


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F

rüher war es gar nicht selten, dass Eltern nochmals einen Nachzügler zur Welt brachten, während die ältesten Söhne und Töchter selbst schon Kinder bekamen. In der Grossfamilie von einst wuchsen die aus der Generationenreihe tanzenden Kinder wie Geschwister unter einem Dach auf. Das war damals die einfachste Form wirtschaftlicher und sozialer Entlastung. Solche Sippen gibt es kaum mehr. Doch es kommt immer noch vor, dass reife Eltern fast gleichzeitig Kinder und Enkelkinder bekommen. Für die Jüngs-

ten innerhalb der aussergewöhnlichen Konstellation sorgt das nicht für Schwierigkeiten. Sie schätzen es, bei Familientreffen auf Altersgenossen zu stossen, egal in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis diese zu ihnen stehen. Junge Eltern aber reagieren zum Teil enttäuscht, wenn ihre eigenen kleinen Geschwister den Enkeln die Grossmutter wegschnappen. Und die jungen Omas haben häufig Schuldgefühle, weil sie keine Zeit haben, sich um ihre Enkelkinder zu kümmern. In den Familien Kissling und Hagedorn, die wir auf den nächsten Sei# 03 ~ 2015

ten vorstellen, wurden solche Konflikte diskutiert. Opas geraten viel seltener unter solchen Erwartungsdruck, wie die Geschichte der Familie Binkert zeigt. Grossväter punkten schon mit blossem Interesse an ihren Enkeln. Ebenso die reifen Väter, welche in zweiter oder dritter Partnerschaft gleichzeitig mit ihren Kindern aus erster Ehe für weiteren Nachwuchs sorgen. Weder von ihnen noch von den jungen Stiefomas wird in der Regel Grosselterndienst verlangt, weil die leibliche Mutter respektive Ex-Frau den meistens schon leistet. ~


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Peter Binkert (67) hat aus: Alessio (4)

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eter Binkert hat ein DurchschnittsOpa-Alter bei den Geburten der vier Enkelkinder. Fast gleichzeitig wird er aber auch nochmals Vater von vier Mädchen aus zweiter Ehe. Sofia, die Jüngste, kommt schon als Tante zur Welt. Stiefbruder und Stiefschwester haben bereits Nachwuchs. Für den jungen Grossvater, respektive alten Vater ist das alles kein Problem: «Ich bin ein Familienmensch», erklärt Peter. Seine Frau Nina doppelt nach: «Er bewirtschaftet zwei Familien.» Der 67-Jährige ist noch berufstätig. Seit dem 65. Altersjahr erhält er für jedes Kind unter 18 eine monatliche Rente. Trotzdem denkt Peter nicht ans Aufhören. Er führt seine Werbeagentur weiter. Unterstützt wird er dabei von den erwachsenen Zwillingstöchtern. Die zwei haben je einen Sohn, und der Opa bekommt beide Enkel häufig zu sehen. Etwa wenn der Partner von Anja den kleinen Sunny zum Stillen ins Büro vorbeibringt. Oder wenn Rahels Mann auf dem Weg zur Kinderkrippe noch mit Alessio vorbeischaut. Zwei bis drei Mal wöchentlich holt Peter das Mittagessen bei der Fattoria Bravo in der Nähe seiner Agentur. Sie gehört Sohn Samuel und Schwiegertochter Daniela: «Unsere Töchter Mathilda und Roberta sehen ihren

Schwigi-Opa deshalb öfter als die meisten anderen Enkelinnen ihre Grossväter.» «Schwigi-Opa» ist der Übername von Peter Binkert. Ein Hüte-Opa ist er nicht. Er hat ja selbst eine Zweijährige daheim. Die älteren drei Kinder der Zweitfamilie, Nora, Laura und Emma, haben sich kürzlich gewünscht, ihre Nichten über Nacht zu beherbergen. Sie sind stolz auf die aus dem Rahmen fallende Verwandtschaft, ihr Vater ist stolz auf seinen Doppelstatus als Vater und Grossvater. Schwiegertochter und Sohn loben: «Unser Schwigi-Opa hat die Gspönli für seine Enkel gleich dabei. Es ist grossartig, da läuft immer was.» Sie fügen jedoch an: «Die Grossvater-Pflichten delegiert er an seine Teenager.» Das heisst: Er hütet die Enkelkinder nicht, das übernehmen seine Töchter Nora (14) und Laura (12). Anja Binkert findet: «Mein Vater ist ein unglaublich lieber Grossvater, mit den strahlendsten Augen der Welt, wenn er seine Enkelkinder sieht.» Ihre Zwillingsschwester Rahel schränkt ein: «Mein Papi ist der beste Papi der Welt, aber kein Grosspapi.» Der Grossvater und die 41-jährige Stiefoma Nina sagen lachend: «Wir haben weder Oma-Opa-Ehrgeiz noch ein schlechtes Gewissen. Dafür läuft vom Kleinkind bis zur Pubertierenden daheim genug.» Kin# 03 ~ 2015

derprogramm hier, Enkelfreuden dort sollen zwei Dinge bleiben. Opa Peter sagt: «Die Grosskinder will ich geniessen.» Für das Gelingen des kunterbunten Zusammenlebens braucht es eine grosse Offenheit und Akzeptanz aller Beteiligten bis hin zu gemeinsamen Kindergeburtstagen, Taufen und Ferien im Braunwalder Märlihotel. Peter Binkert räumt aber ein: «Meine Ex-Frau und die aktiven Grosseltern der Gegenseite mildern mit ihrer Präsenz mein teilweises Ausfallen als Opa.» Ausgleichend legt er einen fotografischen Stammbaum seiner Patchworkfamilie an. «Das verbindet auch.» Dort wird beispielsweise ersichtlich, wie die erwachsenen Zwillinge der 14-jährigen Nora gleichen. Grossvater zu sein, findet der 67-Jährige toll. «Das vermittelt ein starkes Gefühl dafür, dass das Leben weiter geht.» Auch wenn er selbst die eigenen Enkelkinder nicht hütet, scheinen ihm einsatzfähige Grosseltern sehr wichtig zu sein. Weil seine vier jüngsten Mädchen nur noch mütterlicherseits solche haben, hat sich die Familie kurzerhand eine engagierte Zusatzoma angelacht. Eine Frau, die selbst noch keine Enkel hat und gerne einspringt, wenn Not an Grossmütterdiensten ist. •


Helen (57) und Hanspeter Kissling (57) haben:

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EnkelKinder

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n nachwuchsstarken Familien ist es normal, dass Onkel, Nichten, Neffen und Tanten teilweise derselben Generation angehören – wie bei Helen und Hanspeter Kissling. Die beiden haben acht leibliche Kinder, ihre Tochter Carelina stirbt kurz vor der Geburt. Neben den eigenen Kindern haben die Kisslings unzählige Pflegekinder aufgezogen. Sie bewohnen einen geräumigen Hof mit vielen Tieren im schaffhausischen Klettgau. Der erstgeborene Daniel wird wie die Eltern früh Vater. Die frisch gebackenen Grosseltern freuen sich über jeden Zuwachs. Sie haben sechs Monate zuvor Daniels jüngsten Bruder David bekommen und besuchen ihren Enkel Sisqó in Zürich zu Beginn häufig. Als bald dessen Bruder Jahaim folgt, nehmen sie aber gerade den neugeborenen Pflegesohn Thomas auf. Die Besuche nehmen aus Zeitmangel ab. Später bekommt Daniel mit Patrice und Sasu weiteren Nachwuchs. Zu seinen Eltern stossen zur selben Zeit die Pflegetöchter Janeina und Luciana, die bei ihren Grossmüttern aufgewachsen sind und in der Pubertät ein jüngeres Umfeld brauchen. Für solche Fälle wird die bewährte Pflegefamilie oft angefragt. «Wenn das Schicksal

anklopft, sage ich nie Nein», ist Helens Lebensdevise. Ihr Alltag mit Säugling, Baby und fünf grösseren Kindern absorbiert sie und ihren voll erwerbstätigen Mann. Einsätze ausserhalb der eigenen vier Wände sind organisatorische Kunststücke. Nur im eigenen Daheim könnte Helen die Enkelkinder integrieren. Sie bedauert, dass dies selten geschieht. Sisqó und Jahaim verbringen aber jeweils einige Ferientage dort. Sie unternehmen mit Hanspeter, Onkeln und Tanten auch Wanderungen. Oder die Grosseltern gehen zu Sportanlässen der Buben. Ein Sommer-Treffpunkt ist auch Daniels Eisstand «Gelati am See» im Hafen Riesbach in Zürich. An Weihnachten mieten Helen und Hanspeter die Turnhalle ihres Dorfes. Bis zu 20 Enkel-, Pflege- und eigene Kinder mit Anhang tollen dort für ein paar Stunden zusammen herum. Vier bis fünf Mal jährlich sehen sich die Familien in verschiedenster Zusammensetzung. Doch der älteste Sohn Daniel wünscht sich für seine Kinder eine Oma, die ihre Enkel allein aufsucht, sie in den Arm nimmt, Zeit hat. Ein wenig füllt Hanspeters Vater, Daniels Opa, diese Sehnsucht. Er ermöglicht den Zürcher Urenkeln etwa die Steinerschule und mostet im Herbst mit ihnen. # 03 ~ 2015

Die Grossfamilie wächst weiter: Zwei Schwestern Daniels bekommen ebenfalls Kinder: Marianne bringt Lino auf die Welt. Omama Helen bindet den Kleinen zwei Tage und eine Nacht die Woche in ihre Welt ein. Enkel Manuel lernen die Grosseltern erst an seiner Taufe in Mexiko kennen. Dorthin hat die Zweitälteste geheiratet. Während einem langen Heimaturlaub Lenas wächst eine enge Bindung der Grosseltern zum vorläufig Kleinsten. Mit den Zürcher Enkeln ist das nicht gleich intensiv gelungen. «Bei Ankunft der drei Jungs gab es bei mir noch wenig Raum aus­serhalb des innersten Kreises», beschreibt es Oma Helen. «Dafür waren Daniels erwachsene Schwestern regelmässig im Hüte-Einsatz.» Daniel selbst identifiziert sich mit dem ausgeprägten Gemeinschaftssinn seiner Herkunftsfamilie und träumt vielleicht gerade deshalb von umsorgenden Grosseltern und schwiegermütterlicher Entlastung für seine Frau, deren Mutter in Ghana lebt. Helen dagegen sieht in dem jungen Paar dankbar fähige, liebevolle Eltern, was ihr einen Spagat erspart, den sie im Notfall sofort machen würde. Daniel bemerkt: «Das Herz der kleinen Sasu ist noch zu gewinnen. Ich habe mir vorgenommen, sie Helen häufiger zu bringen.» •


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Chiara (16)

Nina (30)

Aaliyah (8 )

Yolanda Hagedorn (51) hat:

Kinder

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NACHZÜGLER-KONSEQUENZEN

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rauen, die ähnlich alte Kinder wie Enkel haben, waren junge Mütter und bekamen später oft ein Nesthäkchen, wie Yolanda Hagedorn. Bis 25 gebärt sie die Wunschkinder Nina, Laura und Valentin. Ein Viertes kommt überraschend. Gerade wurde der Alltag nach 14 Familienjahren leichter. Jetzt hängt wieder 24 Stunden täglich ein Säugling an ihr. Chiara, als Schreibaby ewig gestillt, von Geschwistern und Vater verwöhnt, wächst unter Erwachsenen auf. Sie klebt achtjährig noch an der Mutter, als diese Oma wird. Für Chiaras grosse Schwester Nina kommt die Schwangerschaft zu früh. Die künftigen Grosseltern freuen sich trotzdem. Die angehende Oma verspricht uneingeschränkte Unterstützung. Sie begleitet ihre Tochter sogar zur Geburt und erlebt als werdende Grossmutter «die unglaubliche Befriedigung, Leben weiterzugeben». Nina stillt nicht, also kann die frisch gebackene Grossmutter ihre Enkeltochter Aaliyah auch nachts hüten. Doch «das feuchtwarme Bettklima, tropfende Milchfläschchen und dampfende Windeln» setzen ihr zu. Die Erinnerung an das Schlaf-

manko während der Schreijahre mit der Jüngsten kommt hoch. Chiara, an viel Zweisamkeit mit dem Mami gewöhnt, kapselt sich ab. Plötzlich auftretende gesundheitliche Probleme der Zweitältesten verlangen der Mutter Kraft ab. Die zusätzlichen Omapflichten überfordern Yolanda. Sie muss zurückkrebsen, der Ältesten sagen: «Keine Enkelinnen-Nächte, kein fixer Hüte-Tag mehr – nur noch spontan!» – und hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Dieses intensiviert sich, als die Eltern der einjährigen Aaliyah auseinandergehen. Tochter Nina nimmt der Mutter das gebrochene Versprechen übel. Mima, wie die Kleine ihr Grosi nennt, hütet höchstens noch vier Mal jährlich. Gemeinsame Weekends «en famille» bleiben aber bestehen. Dafür sorgt Grossvater Christoph, den Aaliyah zuerst Pifpof, später Grossväterli ruft. «Er trägt zwar Opa-Verantwortung, grenzt sich aber ebenso klar ab. Ich opfere mich auf, bis ich nicht mehr kann», bedauert und erklärt Yolanda ihren Rückzug. Im Sommer 2013 kommt die Jüngste aus der Schule. Nach 30 Jahren täglich kochen # 03 ~ 2015

und für alle da sein, wittert die Mutter Freiheit: «Endlich Zeit für mich.» Also reduziert sie auch die Arbeit ausser Haus. Zum Auftakt der ersten grossen Pause ihres Lebens fahren Mann, Töchter und Enkelin nach Griechenland. Yolanda geniesst das Alleinsein, fürchtet sich aber ein wenig vor dem Verlust der Tagesstruktur und vor dem Fehlen einer Aufgabe. Kaum aus den Ferien zurück, eröffnet sich für Nina mit Aaliyah die Möglichkeit, neben ihr Elternhaus zu ziehen. Das ist für Mama-Mima die Chance, «doch noch eine richtige Oma zu sein». Erneut ist Flexibilität gefordert. Sie ringt mit sich und nimmt dann das von ihrer Ältesten gebotene Ersatzprogramm als Herausforderung an. Zwei Tage die Woche und jeden Morgen vor Schulbeginn betreut Yolanda ihre unterdessen siebenjährige Enkelin. Auf die Frage, ob sie sich weitere Enkelkinder wünscht, kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Momentan reichts! Ich brauche mehr Abstand zu neuem Kinderrummel», sagt Yolanda. «Aber wenn dann wieder eines kommt, freue ich mich sowieso.» •


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IN GROSIS Wenn Ruth Wacker ihre Enkelkinder hütet, verbringen sie oft viele Stunden gemeinsam im Garten: Dann heisst es staunen, jäten, ernten – oder der Fantasie freien Lauf lassen.

GARTEN # 03 ~ 2015


~ Hintergrund ~ GARTEN

Von SARAH FASOLIN (Text) und SUSANNE KELLER (Fotos)

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s ist nicht unbedingt das beste Wetter, nicht die schönste Jahreszeit für den Garten, es ist früh im Jahr und noch kühl und nass. Trotzdem sind Noel, Loic und Emil begeistert von Grosis Idee, ein wenig in den Garten zu gehen. «Wir können Blütenstände abschneiden, da die Vögel die Samen nun geholt haben», erklärt Ruth Wacker ihren Enkeln. Schneiden ist beliebt. Jeder schnappt sich eine Schere, und sie machen sich an den verblühten Rudbeckien zu schaffen. Bei Loic, 6, geht es schnell, gleich mehrere Stängel auf einmal kommen zwischen die Schneiden. Noel, 10, hilft derweil Emil, 5, der süferli einen Stängel nach dem anderen dran nimmt. Sie sind derart beschäftigt, dass am Ende sogar kurz ausgefochten werden muss, wem die letzten Stängel zustehen. Mit Grosi Zeit im Garten zu verbringen, ist bei den Kindern hoch im Kurs. Noel und Loic, die beiden Kinder von Ruth Wackers mittlerem Sohn, verbrachten bis vor kurzem jeden Dienstag bei ihr. Emil, den Kleinen ihres jüngsten Sohnes, hütet sie jeden Mittwoch. VORSICHT VOR GIFTIGEN PFLANZEN Ruth Wacker, 66, seit zwölf Jahren verwitwet, ist eine leidenschaftliche Gärtnerin. Die Umgebung ihres Hauses in Mühleberg ist eine liebevoll gestaltete grüne Welt, in der Nutzen und Zier miteinander kombiniert sind. Stauden und Rosensträucher umsäumen eine Spielwiese. Im sonnigsten Teil ihres Gartens sind Gemüsebeete, viele Beerensträucher und Obstbäume zu finden. Gemüse und Früchte liefert der Garten jedes Jahr genug, so dass sich Ruth Wacker selbst versorgen kann. Das Interesse an Pflanzen ist bei ihr bereits in der Kindheit, die sie in Zürich verbrachte, geweckt worden. Ihr Grossvater war Botaniker am Botanischen Garten, der Vater arbeitete als Gärtner in der Stadtgärtnerei. Die Familie hatte einen grossen Nutzgarten, und wo immer Ruth Wacker später ihre Zelte aufschlug, legte sie ebenfalls einen Garten an. Seit 38 Jahren lebt und gärtnert die Bibliothekarin und Erwachsenenbildnerin nun in Mühleberg. Als sie Grossmutter wurde, passte sie ihren Garten dieser

Ruth Wacker mit ihren Enkelkindern Noel, Emil und Loic in ihrem Garten in Mühleberg BE.

neuen Situation ein wenig an: Den Teich liess sie aus Sicherheitsgründen verlanden. Auch von besonders giftigen Pflanzen wie der Engelstrompete trennte sie sich. Dass man Beeren von Sträuchern nicht einfach in den Mund stecken darf, sondern immer zuerst fragen muss, wiederholt Ruth Wacker immer wieder. «Kinder, die die Waldspielgruppe besucht haben, wissen dies jedoch schon sehr gut», sagt sie. BEI GROSI IM GARTEN IST ES ANDERS Nachdem die Rudbeckien geschnitten sind, sollten die Gartenplatten davor noch gewischt werden. «Wer hat Lust?», fragt Ruth Wacker. «Ich nicht, ich möchte ein Loch graben», sagt Loic. Aber Emil schnappt sich den Besen, und Noel ist bereits mit einer kleinen Schaufel damit beschäftigt, die Trampelpfade zwischen den Beeten auszubessern. Das mache er am liebsten, erklärt er, aber auch jäten sei toll. Die drei Kinder haben zu Hause auch einen Garten. Noel und Loic halten Kaninchen. Emil erzählt vom Schiff, das sein Vater selber gezimmert habe, und den Hochbeeten, in denen Gemüse wachse. Alle drei finden jedoch, bei Grosi im Garten sei es «anders», irgendwie «besonders». Aber was macht diesen Garten so speziell? Die kleineren beiden zucken mit den Schultern. Noel denkt nach. Dann sagt er: «Vielleicht, weil es bei Grosi so viele verschiedene Pflanzen und einen Kompost gibt.» Zuhause gebe man das Grünzeug der Einfachheit halber der Grünabfuhr mit. «Auf Grosis Komposthaufen werden Pflanzenabfälle innerhalb von einem Jahr zu Erde», erklärt er. ~

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~ Hintergrund ~ GARTEN

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Ruth Wacker lässt ihren Enkel Emil an den Kräutern und Pflanzen aus ihrem Garten riechen.

MITARBEITEN OHNE ZWANG Ruth Wacker hat ihre Enkel wie vor Jahren bereits ihre eigenen Kinder bei den Arbeiten im Garten ganz selbstverständlich mit dabei. Auch mit Kindern nimmt sie sich an Gartennachmittagen jeweils gewisse Dinge vor, wie Rüebli aussäen oder Salat setzen. Wollen die Kinder mithelfen, dann dürfen sie. «Aber es ist nie ein Müssen. Haben sie gerade eine andere Idee, dann ist das auch in Ordnung», sagt sie. Oft wollen die Enkel jedoch zumindest teilweise miterleben, was Grosi gerade vorhat. Denn für fast jede Gartenarbeit gibt es bei Ruth Wacker auch die entsprechenden Kinderwerkzeuge. Zudem weiss sie immer etwas Spannendes zu erzählen. Während sie gemeinsam das Laub auf dem Kiesplatz zusammenrechen, erzählt ihnen Ruth Wacker, weshalb sie die faulen Mispeln unter die Sträucher wirft («weil die Amseln diese gerne fressen und sich darüber freuen»). Oder was man mit dem Federkohl, den sie anschliessend ernten, in der Küche alles Leckeres herstellen kann («wir könnten ihn fein hacken und für eine Quarksauce verwenden»). Später im Wintergarten beim Umtopfen von Hauswurz erklärt # 03 ~ 2015

sie ihren Enkeln, weshalb man Jungpflanzen beim Setzen gut andrücken muss («damit die winzigen Würzelchen Kontakt haben zur Erde und gut anwachsen können»). ZWERGENHAUS MIT DUFTENDEM DACH Nach dem Zvieri mit selbst gezogenen Rüebli und Äpfeln ziehen die Kinder nochmals Stiefel und Jacke über. Diesmal wollen sie nun noch ein Loch graben, wie Loic es bereits vor Stunden vorgeschlagen hat. Aus dem Loch wird dann aber ein Zwergenhaus, dessen Dach sie mit wohlriechenden Pflanzen schmücken wollen. «Grosi, wir brauchen duftende Blumen!» ruft Loic und merkt dann selber, dass diese zu dieser Jahreszeit schwer zu finden sind. Ruth Wacker schneidet ihm einen Zweig Currykraut ab, und er rennt mit den Worten «ich hab etwas, das riecht nach Aromat!» zurück zu den anderen. Nach und nach wandern weitere Kräuterzweige wie Salbei («es riecht nach Tee!»), Thymian und Rosmarin auf das Zwergendach. Am Rosmarin sind sogar noch kleine blaue Blüten dran – also doch duftende Blumen! Was es bei Grosi im Garten nicht alles gibt. •


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Mit Kindern im Garten – ein paar Ideen:

Ein Bohnen-Tipi

E

s werden zweieinhalb Meter lange Bambusstangen im Kreis in den Boden gesteckt und die oberen Enden zusammengebunden. Am Fuss jedes Steckens wird die Erde gut gelockert und mit Gartenerde oder Kompost vermischt. Fünf Bohnensamen hineinstecken und die Erde schön feucht halten. Innert weniger Wochen haben die Bohnen die Stecken umklettert und ein schönes Zelt gebildet.

Regenwurm-Terrarium

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n ein Glas werden schichtweise Sand und Erde eingefüllt. Die Erde befeuchten und dann zuoberst Rüstabfälle hinlegen. Nun zirka zehn Regenwürmern suchen und diese ins Glas legen. Das Glas an einen dunklen, schattigen Ort stellen und von Zeit zu Zeit hervornehmen und die Regenwürmer beobachten. Das Glas nach spätestens vier Wochen ausleeren und die Regenwürmer befreien.

Tipp aus: Das Kinder-Gartenbuch Vom Minigarten bis zum Insektenhotel. Dorothea Baumjohann, BLV, 2012. 120 Seiten, über 270 Fotos. 24.50 Fr.

Tipp aus: Meine Gartenwerkstatt Anke M. Leitzgen, Thekla Ehling, Judith Drews, Gerstenberg, 2013. 144 Seiten, viele Abbildungen. 28.50 Fr. # 03 ~ 2015


~ Hintergrund ~ GARTEN

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Mit Kindern im Garten – ein paar Ideen:

Der Graskopf

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n den Fuss einer alten Strumpfhose einen Löffel Grassamen geben. Anschliessend mit Erde auffüllen, festdrücken und oberhalb der Ferse den Strumpf zubinden. Eine Nase und Ohren mit Gummi abbinden, Augen aufkleben. Die Figur gut durchfeuchten und auf einer Untertasse ans Fenster stellen. Nach ein paar Tagen wachsen dem Graskopf die grünen Haare.

Blühender Name

I

m Spätfrühling im Blumenbeet die Erde lockern und rechen, bis sie feinkrümelig ist. Mit einem Stab den Namen in die Erde zeichnen. Die Vertiefung mit Sand ausstreuen. Samen von Sommerflor mit Sand mischen und in die Rinnen streuen. Anschliessend mit Erde abdecken und vorsichtig angiessen. In ungefähr acht Wochen blüht der eigene Name im Blumenbeet.

Tipps aus: Das grosse Gartenbuch für Kinder 120 tolle Projekte für drinnen und draussen. Jenny Hendy, Haupt, 2014. 256 Seiten, über 1200 Fotos. 38.90 Fr. # 03 ~ 2015


Eröffnen Sie die Gartensaison! An der grössten Indoor-Veranstaltung der Schweiz erwartet Sie eine Fülle an Anregungen für Ihre Blumen- und Pflanzenwelt bei Ihnen zu Hause. Lassen Sie sich inmitten spektakulärer Gartenbeispiele von den kommenden Trends inspirieren. Dieses Jahr im Fokus: Balkongärten und Kleinterrassen sowie das Kochen im Freien.

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~ Hintergrund ~ PETER GROSS

DER OPTIMISTISCHE ALTERSFORSCHER

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~ Hintergrund ~ PETER GROSS

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Laut Peter Gross, dem St. Galler Soziologen und Altersforscher, leben wir heute bereits in einer Vier-Generationen-Gesellschaft. Das sei eine Chance für eine friedlichere Gesellschaft – und schaffe eine Vielfalt wie in einem Mischwald. Von ROLF KÄPPELI (Text) und DANIEL AMMANN (Foto)

P

eter Gross ist ein freundlicher Mann. Der gepflegte 73-jährige Herr, mit dem ich am Tisch sitze, wirkt rüstig und aufgeweckt. In seiner Wohnung am Tigerberg in St. Gallen rei-

«Nichts. Oder nicht viel.» Die Forschung hat in den Augen von Peter Gross noch nicht recht begriffen, dass wir in einer Vier-Generationen-Gesellschaft leben. Dabei sei sie bereits eine Realität – und

«Nutzwert» von Grossmüttern und Grossvätern nach. Vor 30 000 Jahren erlebte die Menschheit eine erstaunliche kulturelle Entfaltung. Der Homo sapiens verdrängte andere Frühmenschen – unter anderem,

hen sich Buddha-Figuren auf Kommoden. eine Chance für eine friedlichere GesellAuf einem Tischchen liegen ausgebreitet schaft. Der St. Galler Soziologe ist davon Fotos seiner verstorbenen Frau. Aus dem überzeugt, dass die zeitliche Vertikale, die Nebenraum guckt eine antike Skulptur Mehrgenerationen-Familie, der Horizonzu uns herüber. Es ist, als wünschte sie talen überlegen ist. Gleichaltrige schlügen dem Besucher und dem Gastgeber ein sich untereinander viel mehr die Köpfe ein gutes Gespräch. als Mitglieder von Vier-Generationen-FaWorüber? milien. «Die Kommunikation ist heftiger Peter Gross forscht über das Alter. Er hat in der Vertikalen», sagt Gross. Kontakte ein erfolgreiches Buch dazu veröffentunter Geschwistern seien häufig weniger licht. Seine Überschrift: «Wir werden älter. intensiv als jene zwischen Enkelkindern, Vielen Dank. Aber wozu?». Das Buch ist Kindern und Grosseltern. bereits in der vierten Auflage im tradiImmerhin verweist der ehemalige Hochtionsreichen Herder-Verlag erschienen. schulprofessor auf neue wissenschaftliche Mein Gesprächspartner liebt provokative Forschungen zum Grosseltern-Sein. Sie Titel. Sein eben erschienenes neustes gehen davon aus, dass Tierfamilien – im Buch heisst «Ich muss sterben – Im Leid Gegensatz zum Menschen - nur aus zwei die Liebe neu erfahren». Gross erzählt Generationen bestehen, von Eltern und vom Tod seiner Frau und beschreibt, Kindern. «Es muss sich als sinnvoll erwie sich ihre Beziehung wiesen haben, dass es in den durch die Diagnose Krebs Sippen unserer Vorfahren veränderte. Es ist sein perÄltere gab, die keine Kinder sönlichstes Werk. Ein andemehr bekamen», zitiert Gross res Buch, 2008 erschienen, die deutsche Publizistin Suverspricht: «Glücksfall Alter: sanne Friedmann aus einem Alte Menschen sind gefährBeitrag in der Zeitschrift lich, weil sie keine Angst vor «Natur» vom Dezember 2013. der Zukunft haben». Für den Hinweis bin ich Also sprechen wir über die dankbar. Friedmanns PlädoAlters-Forschung. Was sagt yer fürs Grosseltern-Sein ist die Wissenschaft über die lesenswert. Die Journalistin Mehr-Generationen-Gesellgeht aufgrund amerikanischaft, Herr Gross? scher Langzeitstudien dem PETER GROSS

weil er länger lebte. Der Anteil der Alten, das weiss man aus Zahnuntersuchungen, war beim Homo sapiens viermal höher als bei den Vorahnen. Moderne Menschen verdanken mehr Wissen und Erfahrung der Zeit, in der sie nicht mehr zeugungsfähig sind. Als Grosseltern halfen sie schon in der Steinzeit sorgend mit, die Überlebenschancen der Kinder zu verbessern. «Wir verdanken nicht nur unser Sein, sondern unser hochentwickeltes So-Sein den (steinzeitlichen) Grosseltern», resümiert Susanne Friedmann.

«Wir wohnen in einer LanglebigkeitsGesellschaft.»

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VON MENSCHLICHEN LAUB- UND NADELBÄUMEN Zurück zu Peter Gross, der selber drei Enkelkinder hat, Mara (4), Tristan (8) und Nora (11). Sie wohnen in Heidelberg bei seiner Tochter. Der Opa sieht die beiden Mädchen und den Knaben etwa alle zwei Monate, wenn sie mit ihrer Mutter zu Besuch nach St. Gallen kommen. Dann reist die Familie oft nach «Transsylvanien». So nennen sie ihre Ferienorte im Toggenburg, wo die Enkelkinder sich in der wilden Natur austoben können. Peter Gross liebt bildhafte Vergleiche. Die Vielfalt der Generationen sei wie ein Misch­ wald, sagt er. Verschiedene Sichtweisen und Erfahrungshorizonte vermengen und entwickeln sich wie Laub- und Nadelbäume zum wertvollen Mischwald. Die ~


~ Hintergrund ~ PETER GROSS

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«Das Gefühl der Lebensmüdigkeit ist relativ neu.»

~ Qualität wachse aus der – nämlich, wenn man dem Vielfalt. Je mehr GeneratioAltwerden Sinn gibt. Wenn nen zusammen lebten, desto der alte Mensch gebrechevolutionärer sei die Familie. licher, vergesslicher und «Wir wohnen in einer Langleverletzlicher wird, dann bigkeits-Gesellschaft», sagt trägt er dazu bei, die Welt Gross. Dass wir in der Gezu entschleunigen. Und nur schichte der Menschheit wenn dies geschieht, glaubt erstmals das Alter bewusst Gross an eine sinnvolle ZuPETER GROSS und relativ gesund erleben, kunft. Es gehe darum, dass ist für ihn «eine Weltpremiere und kultuder alte Mensch die Lebensphase nach der

selten oder überhaupt nicht treffen. Vielleicht weil der versöhnliche Generationen-Pakt eben nicht funktioniert? Sind Sie ein unverbesserlicher Optimist, Herr Gross? Mein Gastgeber räumt ein, dass er in der intergenerativen Frage selber noch wenig schlechte Erfahrungen gemacht hat. Eine gewisse Melancholie kenne er auch, die ihn hin und wieder überkomme. Vielleicht habe er diese Seite bisher

relle Leistung.» Er gibt ein Beispiel: Das Wort «lebensmüde» habe es im Mittelalter noch gar nicht gegeben. Das Gefühl der Lebensmüdigkeit sei relativ neu. Dies, weil das erfüllte Leben früher meist abrupt zu Ende gegangen sei. Häufig wegen Krankheit und Gebrechlichkeit, oft auch weil alte Menschen an den Rand der Gemeinschaft gedrängt wurden, ohne Wertschätzung für das, was sie im Leben geleistet haben. Heute könne der Mensch im Alter sein Wissen und seine Erfahrungen vermehrt weitergeben. Er habe Zeit, das Leben abzurunden, reflexiv, versöhnlich, im beruhigenden Bilanzieren. In seinem neuen Buch zitiert Gross dazu den Philosophen Arthur Schopenhauer: «Die ersten fünfzig Jahre des Lebens sind Text, der Rest ist Kommentar.» Im 21. Jahrhundert haben wir mehr Zeit und Raum für diesen Kommentar, ist Gross überzeugt.

zu wenig beleuchtet. Wenn es in einer Familie zwischen den Generationen unversöhnlichen Streit und eine schmerzliche Distanz gibt, sei dies sicher sehr traurig. Doch mein Gesprächspartner bleibt zuversichtlich: «Meine Beobachtungen, Studien und Erfahrungen sprechen mehrheitlich eine andere Sprache. Eine hoffnungsvolle.» •

DEM ALTWERDEN SINN GEBEN «Die Welt ist eine Mühle, die sich selber mahlt», zitiert der St.Galler Altersforscher einen andern Weisen des 19. Jahrhunderts, den Dichter Novalis. Einer Welt, die sich selber aufzehrt und ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört, stellt Peter Gross eine überraschende These entgegen. Darin, dass die Menschheit immer älter wird, sieht er eine grosse Chance

Arbeitszeit so gestaltet und nutzt, dass er das Leben bilanzierend und versöhnlich abschliessen kann. So stört es Gross nicht, dass in den westlichen Gesellschaften das Verhältnis zwischen alten und jungen Menschen sich zahlenmässig verschoben hat und weiter verschiebt. Die Klage der Überalterung teilt er nicht, den Rückgang der Geburtenzahlen begrüsst er. Er sieht darin weltweit eine wichtige Voraussetzung der Wohlstandsgesellschaft. Diese Sicht schafft ihm auch öffentliche Kritik. Den empirischen Beweis für seine Thesen erbringe er nicht, heisst es etwa. Der Zuspruch vieler älterer Leute allerdings ist ihm gewiss. Der Soziologe plädiert für «eine Weltmässigung», es gelte, den übersteigerten Konsum zu reduzieren, die materielle Entwicklung nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Bescheidene Ansprüche können alte Menschen vorleben – und damit gesellschaftlichen Einfluss gewinnen. EIN UNVERBESSERLICHER OPTIMIST? Eine Portion Skepsis kann der Besucher nicht überspielen. Beschönigen Sie mit Ihrer freundlichen These nicht das oft schwierige Dasein älterer Menschen, Herr Gross? Die häufiger auftretenden körperlichen und seelischen Beschwerden? Es gibt Grosseltern, die können ihre Enkelkinder # 03 ~ 2015

«Die ersten fünfzig Jahre des Lebens sind Text, der Rest ist Kommentar.» ARTHUR SCHOPENHAUER


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~ Hintergrund ~ GEBURT

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NICHT OHNE MEINE MUTTER Es ist in unseren Breitengraden zwar die Ausnahme, aber es kommt vor: Dass Mütter ihre Töchter bei der Geburt ihres Kindes begleiten. Zwei Grossmütter und ihre Töchter erzählen, wie es dazu kam und was ihnen dabei alles durch den Kopf ging.

S

Von MONIKA ZECH (Text) und SOPHIE STIEGER (Fotos)

ie habe schon zu Beginn ihrer Schwangerschaft daran gedacht, sagt Monika Di Benedetto, wie schön es wäre, ihre Mutter bei der Geburt dabei zu haben. «Doch das ist ja bei uns nicht üblich.» Sie hat recht. Üblich ist hier, dass der Kindsvater die Frau bei einer Geburt unterstützt. Sofern die beiden noch zusammen sind. Und bei Monika Di Benedetto war das so, die 38-Jährige ist verheiratet. Und deshalb stand fest, dass ihr Mann sie begleiten würde, wenn es so weit war. Doch es kam anders. Es war der 25. März 2008, kurz vor dem errechneten Geburtstermin des

ersten Kindes der Di Benedettos. Es sei ihr nicht gut gegangen, erzählt Monika, sie hatte Schmerzen, musste erbrechen. Sie hatte Angst. Und rief ihre Mutter an. «Ganz spontan, aus einem Impuls heraus.» Diese entschied, sofort zu kommen und mit ihr ins Spital zu fahren. 27 STUNDEN WEHEN Renate Gutknecht (59) lebt etwa eine halbe Autostunde vom Wohnort ihrer Tochter entfernt. Dieses Telefon und dann die Fahrt ins Spital nach Winterthur mit ihrer Tochter, bei der ~

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~ Hintergrund ~ GEBURT

unverkennbar die Wehen eingesetzt hatten – «das bleibt mir in ewiger Erinnerung», sagt Renate Gutknecht. Was ihr da alles durch den Kopf gegangen sei, und all die Gefühle, die auf sie einstürmten: Ihr Kind würde nun selber ein Kind gebären, würde Schmerzen haben, und sie, ihre Mutter, könnte nichts dagegen tun. «Ich hatte einfach den Wunsch, es gehe alles gut und möglichst schnell.» Es sollte dann aber 27 Stunden dauern, bis die kleine Aurelia – schlussendlich nach einem Kaiserschnitt – auf der Welt war. 27 Stunden, in denen abwechselnd Monikas Mann und ihre Mutter der Gebärenden zur Seite standen. «Es war nicht einfach für mich, das eigene Kind so leiden zu sehen», sagt Renate Gutknecht. Doch es war ihr auch bewusst, dass dann bei der Geburt vor allem der Vater des Kindes anwesend sein sollte. «Aber genau dann will man doch eigentlich die Mutter bei sich haben», sagt ihre Tochter.

die Anwesenheit der Männer herabsetzen, sie plädiert denn auch nicht unbedingt für eine Frau statt des Mannes, sondern allenfalls zusätzlich zu ihm. «Denn eine Frau, die selber schon geboren hat, kann einfach besser nachvollziehen, was in der werdenden Mutter vorgeht».

Bei Monika Di Benedetto jedenfalls hat das Erlebnis mit ihrer Mutter als Geburtsbegleiterin beim ersten Kind – beim zweiten gab es einen geplanten Kaiserschnitt, und da war dann, wie bei uns üblich, einzig ihr Mann dabei – dazu geführt, dass sie sich später zur Doula ausbilden liess, zur professionellen Geburtsbegleiterin. «Ich habe damals gemerkt, wie wohltuend es ist, eine geburtserfahrene Frau bei sich zu haben.» Sie wolle keineswegs

häufig, weil die gebärende Frau noch sehr jung und/oder alleinstehend sei. Das zeigte auch der Aufruf auf swissmom.ch, der grössten Internetplattform der Schweiz für werdende und gewordene Eltern, mit dem Kandidatinnen für diese Geschichte gesucht wurden. Vier Frauen meldeten sich, die ihre Mütter bei der Geburt dabei hatten – ausser Monika Di Benedetto waren sie alle zu diesem Zeitpunkt ohne Partner.

ZWISCHEN LACHEN UND WEINEN In anderen Ländern und Kulturen ist eine Geburt heute noch reine Frauensache, die Männer bleiben draussen. Oft ist es eine Verwandte, die der Gebärenden beisteht. Gemäss Barbara Stocker, der Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbands, kommt es denn auch hier nicht selten vor, dass Frauen mit Migrationshintergrund bei der Geburt «ausser von ihren Männern von ihren Müttern, mehr noch von ihren Schwiegermüttern, begleitet werden». Bei gebärenden Schweizerinnen hingegen sei das tatsächlich eher die Ausnahme. Wenn, dann

Renate Gutknecht (links) hat ihre Tochter Monika Di Benedetto bei der Geburt von Aurelia begleitet. # 03 ~ 2015


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VOM SPITALPERSONAL IGNORIERT Fiona Keller (Name geändert) beispielsweise hatte sich im dritten Schwangerschaftsmonat vom Vater des Kindes getrennt. Sie war damals 21 Jahre alt. «Für mich war klar, dass meine Mutter mitkommen sollte.» Eine Freundin wäre keine Alternative gewesen: «In einem so intimen Moment, in dem man nackt und verletzlich ist, wollte ich jemand Vertrautes bei mir haben. Während der Geburt ist man ja ein völlig anderer Mensch.» Und ihre Mutter wisse, wann sie in Ruhe gelassen werden wolle und wann sie Hilfe benötige. Diese musste nicht lange über die Bitte ihrer Tochter nachdenken. Sie habe sich sehr gefreut darüber, sich das immer schon gewünscht, sagt die 51-Jährige. Am 5. Dezember 2004 wurde sie Grossmutter eines Buben. «Es war ein überwältigendes Gefühl, man kann es mit nichts anderem vergleichen! Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.» Aber wie Monika Di Benedetto hatte auch Fiona Keller keine einfache Geburt. Weil sie schon 13 Tage über Termin war, musste die Geburt eingeleitet werden. Das verursacht in aller Regel nicht nur viel stärkere Wehen, es habe auch sehr lange gedauert, sagt sie. Von Samstagmorgen bis Sonntagmittag. Die PDA (Periduralanästhesie) habe sie zudem «völlig ausgeknockt». Aber ihre Mutter war für sie da, begleitete sie durch die schweren Stunden, redete ihr gut zu, war stolz auf ihr tapferes Mädchen. Hilflos habe sie sich einzig im Umgang mit dem Spitalpersonal gefühlt. Von Anfang an sei sie kaum beachtet worden. «Als würde ich nerven.» Und auch als sie zwischendurch wegen der langen Geburt Bedenken anmeldete, habe man sie mehr oder weniger ignoriert. «Mein Enkelkind war ganz blau, als es zur Welt kam, mit der Atmung stimmte etwas nicht.» Eine Woche lang habe der Kleine anschliessend auf der Neonatologie um sein Leben gekämpft. Er hat den Kampf gewonnen, heute ist er ein gesunder 10-Jähriger. Und hat eine Grossmutter, die mit ihm auf besondere Weise verbunden ist, wie sie sagt. «Ich habe ja auch die Nabelschnur durchtrennt!» FÜR MANCHE MÄNNER UNERTRÄGLICH Zwar ist es heute eher selten, dass Mütter ihren Töchtern bei der Geburt helfen, aber so lange ist es gar nicht her, da waren auch bei uns die Väter bei diesem Ereignis ausgesperrt. Bevor in den 1950er-Jahren die Spitalgeburt nach und nach die Hausgeburt verdrängte, wurden die Frauen zu Hause von der Hebamme begleitet. Der Mann hatte dabei nichts verloren, und später liefen sie kettenrauchend in den Spitalgängen hin und her. Erst vor etwa 40 Jahren, als die Haare der Männer lang und die Röcke der Frauen kurz waren und sich die Rollen der Geschlechter zu verändern begannen, wurde den werdenden Vätern die Türe zu den Gebärsälen geöffnet. So weit, dass ihre Anwesenheit im Lauf der Jahre selbstverständlich, ja sogar zu einem Muss wurde. Ein Mann, der das nicht will, gerät ziemlich in Erklärungsnot-

Mutter, Tochter und die beiden Kinder auf dem Spielplatz vor dem Haus der Di Benedettos.

stand. Umgekehrt gilt das auch für eine Frau. Die Geburt des gemeinsamen Kindes auch gemeinsam zu erleben, ist heute nicht nur Standard, sondern ebenso Statement für eine glückliche Beziehung. Gemäss einem Artikel auf swissmom.ch wollen 95 Prozent der Väter die Geburt ihres Kindes miterleben. Dennoch wagen in jüngster Zeit einige Männer und auch Frauen, das Muss anzuzweifeln. Eine Geburt ist ein extremer körperlicher Vorgang, «ein furchtbares Naturereignis», wie ein junger Vater in einem Beitrag der «Süddeutschen Zeitung» zitiert wird. In einer Befragung von 171 Männern der Uniklinik Bonn bezeichnete ein Viertel von ihnen die Geburt ihres Kindes als «sehr schreckliches Erlebnis». Tatsächlich ertragen es nicht alle gleich gut, ihre in den Wehen liegende Frau zu sehen. Und wohl auch deshalb gibt es heute Frauen, die sich eine Frau – Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder Doula – als Geburtsbegleiterin wünschen. Weil sie sich in Anwesenheit einer Frau weniger gehemmt fühlen. AUCH BEIM ZWEITEN KIND DABEI Vor ein paar Wochen ist Fiona Keller zum zweiten Mal Mutter geworden. Sie ist inzwischen in einer glücklichen Beziehung, und es war klar, dass ihr bei dieser Geburt ihr Mann zur Seite stehen würde. Schliesslich war ihre Mutter damals stellvertretend für den fehlenden Partner eingesprungen. Aber ihre Mutter war wieder dabei, als ihre kleine Enkelin den ersten Schrei tat. Die Wehen seien gegen Schluss so heftig gewesen, erzählt Fiona Keller, dass ihre Mutter, die vor dem Gebärsaal mit ihrem Enkel und ihrem Mann wartete, zu ihr reinkam. «Sie wollte nur kurz nach mir sehen, blieb dann aber – zur Erleichterung meines Partners –, bis das Kind da war.» •

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Wenn es draussen schneite oder regnete, verbrachte mein Grossvater die meiste Zeit in seiner Werkstatt, wo er die meiste Zeit seines Lebens als Maler gearbeitet hatte. Der ganze Raum war vollgestopft mit Kisten und Schachteln in allen möglichen Farben und Formen. In den meisten verbargen sich Fotos und andere kleine Gegenstände, die er über die Jahre aufbewahrt hatte. Sie halfen ihm, sich an sein Leben zu erinnern und konnten ihn stundenlang beschäftigen.


~ Hintergrund ~ FOTOREPORTAGE

Von IAN CURTIS (Text) und BENJAMIN MANSER (Fotos)

N I R E E T M A V S S O R G von BENJAMIN MANSER (Fotos und Text)

Zusammen mit meiner Grossmutter lebte mein Grossvater in einem kleinen Haus in einem Vorort, der immer mehr mit der Stadt verwächst. Hier hatte er sein ganzes Leben gewohnt und gearbeitet. Irgendeinmal fand er, dass das schmucke Häuschen, das er über die Jahre zurecht gemacht hatte, nicht mehr in die urbane Umgebung passt. Als er es gekauft hatte, war es noch vom Wald und einigen Äckern umgeben. Meinem Vater hatte er auf dem Hügel hinter dem Haus, auf dem jetzt ein moderner Wohnblock steht, das Skifahren beigebracht. Wie er selbst scheint das Haus aus einer anderen Zeit zu stammen, die nun vorbei ist.

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Mein Grossvater im Alter von 18 Jahren.


Bis ins hohe Alter hat es ihn in die Berge gezogen. Das Wandern war eine seiner grossen Leidenschaften – mit Freunden unternahm er unzählige Höhentouren, die ihn durch die Gebirgswelt der Schweiz führten. Er war sehr sportlich, ein Grund, wieso ihn meine Grossmutter mochte.


Mein Grossvater am Bodensee in Altenrhein, wo er frĂźher sein selbstgebautes Schiff Ă„olus im Hafen liegen hatte.


Meine Grossmutter starb 2011.


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~ Hintergrund ~ FOTOREPORTAGE

Nach dem Tod meiner Grossmutter musste mein Grossvater ins Altersheim umziehen.

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~ Hintergrund ~ FOTOREPORTAGE

Was mein Grossvater definitiv nicht kann: Mundharmonika spielen. An Familiengeburtstagen gehen wir jeweils auswärts essen. Heimlich packt mein Grossvater eine alte, leicht angerostete Mundharmonika ein, mit der er dann in aller Öffentlichkeit «Happy Birthday» zu spielen versucht. Um dem Geburtstagskind eine Freude zu machen, versteht sich. Vor einigen Jahren hätte er sich das nie getraut. Er war sehr eitel und hätte sich bestimmt geniert. Heute ist ihm das egal.

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~ Beratung ~ AUS DER PRAXIS

Dilemma

Vertrauensfrage

FRAGE EINER 65-JÄHRIGEN GROSSMUTTER Meine eine Tochter (37) hat drei Kinder: 1, 4 und 5 Jahre alt. Die älteren Kinder habe ich unregelmässig gehütet in den letzten Jahren. Meine Tochter möchte nun beruflich durchstarten und Karriere machen, wie ihr Mann das seit Jahren tut. Nun bittet sie mich dringlich, die nächsten Jahre die drei Kinder zu hüten, da ihnen beiden das sonst nicht gelinge. Mein Hauptproblem: Ich fühle mich moralisch unter Druck, weil ich die Karrieren beider Eltern nicht befürworten kann. Dazu kommt, dass ich meine Töchter (als Witwe) allein aufgezogen habe und in meinem Alter keinen Volljob mehr suche. Ich muss meiner Tochter absagen. Doch es ist so

FRAGE EINES 64-JÄHRIGEN GROSSVATERS Ich hüte meine achtjährige Enkelin regelmässig. Die Kleine hat es leider nicht immer leicht mit ihren Eltern und leidet darunter, dass sie immer wieder geohrfeigt wird. Wir, Grossvater und Enkelin, können darüber reden, und sie sagt mir immer wieder, wie gerne sie mit mir zusammen sei und dass sie Vertrauen in mich habe. Kürzlich ist das Unfassbare geschehen. Sie hat mich dermassen mit bösen Worten beschimpft («dummi Sau»), dass ich ihr eine Ohrfeige gab. Die Enkelin schaute mich an und sagte: «Nun hast du mich also auch geschlagen.» – Ich bin seither untröstlich, selbst wenn die Enkelin weiterhin zu mir kommt.

schwierig, den eigenen Kindern nein zu sagen. Dass wir so unterschiedliche Wertvorstellungen haben, tut weh.

J

D

a, den eigenen Kindern kann man schwer nein sagen. a ist Ihnen eine Sache passiert, die Sie von sich nie Man möchte ja das Beste für sie. Aber was ist das erwartet hätten, die Sie selbst nicht verstehen. Wenn Beste? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Es im Leben etwas nicht rückgängig gemacht werden ist nicht aussergewöhnlich, dass unterschiedliche Generatikann, muss man sich ernsthaft damit auseinandersetzen: onen unterschiedliche Werte vertreten. Die heutigen Zeiten zuerst Sie mit sich selbst, und dann im Gespräch mit Ihrer und Normen verändern sich rasant. Da Enkelin. Sie haben sich anzufreunden mit ist gegenseitige Toleranz gefragt. Heuder Tatsache, dass Sie ausrasten können. tige Grosseltern gehören mehrheitlich Vielleicht ist das früher mit Ihren Kindern noch zu einer Generation, in der man zu auch ab und zu geschehen, selbst wenn gehorchen hatte, auch wenn man nicht Sie sich nicht daran erinnern. Gleichzeitig verstand, weshalb. Heute darf und soll haben Sie innerliche Vorkehrungen zu man seine eigenen Bedürfnisse äussern treffen, damit das nicht mehr passiert, und Verständnis dafür erwarten können. auch in der Not nicht. Das steht doch bei Ihnen jetzt an. Und das Ihre Enkelin wird Ihren inneren Kampf verdürfen Sie als älter werdende, erfahrene stehen, nehme ich an. Sie wird schmerzhaft und eigenständige Mutter und Grossmutter lernen, dass sie niemandem, auch Ihnen KATHARINA LEY (68) ist Psychoanalyihrer Tochter und deren Mann zumuten. nicht, voll und ganz vertrauen kann. Aber tikerin, Soziologin, Buchautorin mit eigeIhr moralisches Dilemma ist ernsthaft. Es sie kann berechtigt hoffen, dass man im ner Praxis in Bern und Grossmutter eines Enkels (2). Grosseltern-Fragen an: ist wichtig, dass Ihre Tochter das verstehen Gespräch und im Verzeihen wieder einen ley.katharina@gmail.com kann, auch wenn es wohl mehr mit Ihnen vertrauensvollen Zugang zueinander finoder Sulgenbachstrasse 15, 3007 Bern selbst zu tun hat als mit Ihrer Tochter. Da det. Vielleicht kann die Enkelin erklären, braucht es vielleicht mehrere Anläufe zum weshalb sie Sie dermassen provozieren wechselseitigen Verständnis. Es ist anzunehmen, dass die musste. Da haben Sie und Ihre Enkelin einiges zu verstehen, beiden ambitiösen Eltern wahrscheinlich genug Einkommen was Ihnen beiden nicht täglich geschieht und doch eben haben, um eine Kinderfrau anstellen zu können oder eine passieren kann. In einem Notfall, der als Notfall verstanden Kita zu beanspruchen. Und Sie als Grossmutter werden als werden will. Und der eine absolute Ausnahme sein soll. Wenn ‹Zugabe› da sein, als Geschenk, an Abenden vielleicht, an Sie beide das im Gespräch verstehen lernen, dann haben Sie Wochenenden, in Notfällen, für spezielle schöne Dinge – das viel erreicht. Vielleicht braucht es ein bisschen Zeit, bis diese ist doch ein gutes Angebot! • Gespräche stattfinden können. Haben Sie die Geduld. • # 03 ~ 2015

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Wenn Enkelkinder 채lter werden

IER DO S S

Brauchen die Enkel uns Grosseltern noch, wenn sie ins Teenageralter kommen? Ja, wir bleiben wichtig, sagen die 12- bis 16-J채hrigen. Das geht aus einem Forschungsprojekt der Universit채t Z체rich hervor, in dem erstmals in der Schweiz Grosseltern und deren heranwachsende Enkelkinder befragt wurden.

# 03 ~ 2015


~ Dossier ~ WENN ENKELKINDER ÄLTER WERDEN

Von PIUS ACHERMANN (Text) und SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN EINER SEKUNDERSCHULKLASSE IN WETTINGEN AG (Illustrationen)

I n der Grosselternforschung werden vor allem die Beziehungen der Grosseltern zu ihren Enkelkindern untersucht. Umgekehrt sind Befragungen von Enkelkindern über ihre Beziehungen zu den Grosseltern eher selten. Kein Wunder: Zum einen können Grosseltern direkt nach der Geburt des ersten Enkelkindes befragt werden, nicht aber die neu geborenen Enkelkinder. Zum andern sind – so die Forscher – Enkelkinderbefragungen auch später schwieriger durchzuführen, da sie methodisch sehr anspruchsvoll und aufwändig sind. Zudem dürfen Kinder und minderjährige Teenager heute aus Datenschutzgründen nicht ohne Einwilligung der Eltern oder in deren Vertretung der Schulbehörden befragt werden. Umso dankbarer können wir Grosseltern sein, dass sich ein Soziologenteam der Universität Zürich gerade dieses Thema als Gegenstand seines Forschungsprojektes gewählt und gleichzeitig beide Generationen – heranwachsende Enkelkinder und ihre Grosseltern – befragt hat. Damit liess sich für die Schweiz erstmals im Detail analysieren, wie zum einen heranwachsende Jugendliche ihre Grosseltern wahrnehmen und einschätzen, zum anderen inwieweit die gegenseitigen Erwartungshaltungen übereinstimmen oder allenfalls divergieren. Grundlage bildet eine 2004 durchgeführte Erhebung bei 685 Schülerinnen und Schülern im Alter von 12 bis 16 Jahren in drei Regionen der Schweiz (Kanton Genf, Agglomeration Zürich und städtisches Wallis). Die Ergebnisse sind auch heute noch relevant und aussagekräftig, da es bis anhin die einzige derart umfassende Untersuchung ist. Befragt wurden die Jugendlichen über ihre persönlichen Kontakte und Beziehungen zu den Grosseltern und ihre Erwartungen an sie. Im Gegensatz zu anderen Studien ging es hier nicht nur um die «liebste Oma» beziehungsweise «den liebsten Opa», vielmehr galt es, zu allen noch lebenden Grosseltern einen Fragebogen auszufüllen. Da heutige Kinder und Jugendliche zumeist mehr als einen lebenden Grosselternteil haben und auch soziale Grosseltern (wie Stiefgrosseltern) miterfasst wurden, ergaben sich Informationen zu 1759 Grosseltern-Enkelkind-Beziehungen. Auf die Ergebnisse der Befragung der Grosseltern werden wir in der nächsten Ausgabe eingehen, hier geht es um die Einschätzung der Enkelkinder. BEURTEILUNG DER GROSSELTERLICHEN EIGENSCHAFTEN Vorab, was uns sicher freuen kann: Die befragten Teenager stufen ihre Grosseltern mehrheitlich als grosszügig, liebevoll und gesellig ein. Und sie bezeichnen sie gleichzeitig auch als humorvoll und tolerant. ~ # 03 ~ 2015

51


~ Dossier ~ WENN ENKELKINDER ÄLTER WERDEN

52 TA B E L L E 1 Jeweilige Grosseltern sind:

trifft sehr zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft gar nicht zu

grosszügig

57%

31%

8%

4%

liebevoll

50%

33%

11%

6%

gesellig/gastfreundlich

50%

33%

11%

6%

humorvoll

38%

35%

18%

9%

tolerant

30%

39%

21%

10%

dynamisch

24%

34%

27%

15%

streng

11%

23%

35%

27%

ungeduldig

7%

16%

40%

37%

altmodisch

6%

14%

31%

49%

geizig

4%

5%

18%

73%

~ Umgekehrt wird nur eine Minderheit der Grosseltern von ihren Enkelkindern als streng, ungeduldig oder gar geizig eingestuft. Die «Noten», welche die befragten Enkelkinder ihren Grosseltern insgesamt gaben, werden in der Studie zu drei verschiedenen Grosselternbildern zusammengefasst: • Die hohe Bewertung der in Tabelle 1 zuerst aufgeführten Eigenschaften wie liebevoll, grosszügig, gesellig/gastfreundlich, tolerant, humorvoll und dynamisch widerspiegeln ein emotional-familiäres Bild von Grosselternschaft, das eng mit den heute vorherrschenden Vorstellungen idealer Grosseltern in Verbindung steht (liebevoll-gesellige Grosseltern). • Die deutlich tiefere Bewertung der nachfolgenden Eigenschaften zeichnet ein eher negatives Bild von strengen und ungeduldigen Grosseltern, die für nachkommende Generationen wenig Verständnis aufbringen (distanzierte Grosseltern). • Schliesslich verbleiben noch die altmodischen und dazu gleichzeitig geizigen Grosseltern, die nicht mehr à jour sind (altmodische Grosseltern).

Aus hier nicht in detaillierten Tabellen aufgeführten Befragungsergebnissen konnte das Forschungsteam weitere wesentliche Schlüsse ziehen: Analog wie die Bilder zur Mutter und zum Vater sind auch die Bilder über Grossväter und Grossmütter traditionell klar geschlechterspezifisch geprägt. Grossmütter werden häufiger als liebevoll und grosszügig eingeschätzt als Grossväter. Allerdings stuft eine grosse Mehrheit der Enkelkinder auch ihre Grossväter als liebevoll ein (77 Prozent verglichen mit 86 Prozent der Grossmütter). Aber: Grossväter hört! Ihr werdet signifikant häufiger als streng und ungeduldig eingeschätzt als Grossmütter. Bei den positiven Aspekten der Grosseltern werden positive moralisch-charakterliche Eigenschaften – wie etwa lustig, geduldig, grosszügig – und emotionale am häufigsten aufgeführt. Hingegen werden rollenbezogene Kompetenzen und Aktivitäten (wie zum Beispiel «kocht gut», «arbeitet mit Holz», «kennt die Natur» etc.) nur bei einem Fünftel der Fälle angeführt. Noch seltener erwähnt werden die Vermittlung von besonderen Kenntnissen oder Werten («erklärt die Natur», «lehrt mich kochen») sowie geteilte Aktivitäten wie gemeinsam verbrachte Freizeit. Bemerkenswert: Geschenke oder Sackgeldzuschüsse werden von heranwachsenden Enkelkindern offensichtlich gar nicht so häufig erwartet, wie man glauben könnte. Bei den störenden Eigenschaften stehen negativ erlebte charakterliche Eigenschaften und eine zu starke, autoritäre Einmischung ins Leben der Enkelkinder im Vordergrund. Daneben werden begreiflicherweise geografische und emotionale Distanz sowie fehlende Kompetenzen negativ bewertet. Insgesamt fällt auf, dass Enkelkinder zwischen 12 und 16 Jahren die emotional-persönlichen Eigenschaften ihrer Grosseltern favorisieren, # 03 ~ 2015


53

während die sogenannten, in der Grosselternliteratur häufig diskutierten rollenbezogenen Elemente wie Mithilfe beim Lernen, Werte vermitteln, gemeinsame Aktivitäten unternehmen, spontan kaum erwähnt werden. FERIEN- UND FREIZEITORIENTIERTE GROSSELTERNSCHAFT Die Analyse der Kontakthäufigkeit und Kontaktgelegenheiten zeigt, dass knapp ein Drittel der städtischen Kinder und Jugendlichen mindestens einmal pro Woche Kontakt mit Grosseltern haben. Fast die Hälfte der befragten Jugendlichen sieht die Grosseltern höchstens zwei bis drei Mal im Jahr. Dies hängt damit zusammen, dass 37 Prozent der Grosseltern der befragten Kinder und Teenager im Ausland leben. Je grösser die Wohnortsdistanz, desto geringer sind die persönlichen Kontakte. Telefonische und elektronische Kontakte mit Grosseltern sind seltener als persönliche Kontakte, aber Kontakte via Handy, SMS und E-Mail gewinnen rasch an Bedeutung, hielten die Autoren bereits 2006 fest. Weitere Erkenntnisse aus diesem Teil der Erhebung weisen darauf hin, dass die intergenerationellen Kontakte heranwachsender Enkelkinder stark in Familienfeste und -feiern, Ferien und Wochenenden eingebettet sind. Dies verstärke Tendenzen zu einer ferien- und freizeitorientierten Grosselternschaft. Die Kontakthäufigkeit der Enkelkinder hängt zudem eng mit dem gesundheitlichen Zustand der Grosseltern zusammen. Aktive intergenerationelle Kontakte – namentlich mit Teenagern – setzen eine relativ gute Gesundheit bei den Grosseltern voraus. Je gesünder die Grosseltern wahrgenommen werden, desto positiver werden sie eingeschätzt. Entsprechend ~ # 03 ~ 2015

Teenager stufen ihre Grosseltern mehrheitlich als grosszügig, liebevoll und gesellig ein. Und sie bezeichnen sie gleichzeitig auch als humorvoll und tolerant.


~ Dossier ~ WENN ENKELKINDER ÄLTER WERDEN

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~ verspreche die bessere gesundheitliche Situation neuer Generationen älterer Menschen auch intensivere Grosseltern-Enkelkind-Beziehungen, wird in der Studie festgehalten. Gut ein Drittel (37%) der Grosseltern äussert den Wunsch nach mehr Kontakten zu den Enkelkindern. Bei ausländischen Grosseltern wird mit deutlicher Mehrheit (58%) ein häufigerer Kontakt gewünscht. Anderseits wird in der Studie daraufhin gewiesen, dass die Beziehungen ausländischer Grosseltern zu ihren in der Schweiz wohnhaften Enkelkindern ein erhebliches kulturelles Konfliktpotenzial beinhalten können. AM LIEBSTEN DISKUTIEREN Eine Frage des Enkelkind-Fragebogens interessierte sich für gemeinsame Aktivitäten: «Was unternimmst du häufig zusammen mit deiner Grossmutter/deinem Grossvater?» Im Unterschied zu anderen Generationenstudien bezog sich diese Frage jeweils auf beide Grossmütter bzw. Grossväter und nicht nur auf «die liebste Oma» beziehungsweise den «liebsten Opa». Tabelle 3 präsentiert die Aus-

1x pro Woche

1x pro Monat

Diskutieren

21%

18%

Fernsehen

15%

15%

Spiele machen

7%

9%

Basteln, kochen

6%

10%

Ins Restaurant gehen

4%

12%

Einkaufen, shoppen

4%

8%

zählung von 658 Enkelkindern bezogen auf insgesamt 1700 individuelle Grossmütter beziehungsweise Grossväter. Mit Abstand am liebsten reden und diskutieren 12- bis 16-jährige Enkelkinder mit ihren Grosseltern. Zum selben Ergebnis 2-3x seltekam übrigens auch eine österreichische Befragung pro ner, 10-jähriger Kinder. An zweiter Stelle steht das geJahr nie meinsame Fernsehen, das offenbar oft Anlass zum Reden und Diskutieren gibt. Kochen, mehrheitlich mit den Grossmüttern, und Basteln, mehrheitlich 29% 32% mit den Grossvätern, gehören ebenfalls zu jenen 28% 42% gemeinsamen Tätigkeiten, die in diesem Alter konstant bedeutsam bleiben, während das gemeinsame 19% 65% Spiel mit den Grosseltern bei zunehmendem Alter an Bedeutung verliert. 26% 58% Die restlichen gemeinsamen Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Mithilfe von Grosseltern bei den Hausauf31% 53% gaben, werden nun nur noch selten wahrgenommen. Detailanalysen führen zu weiteren Erkenntnissen: 24% 64%

Religiöse Anlässe

4%

6%

21%

69%

Etwas lesen

4%

5%

13%

78%

Hausaufgaben

3%

4%

8%

85%

An Feste gehen

2%

6%

29%

63%

Sport, Wanderungen

2%

5%

19%

74%

Reisen, Ausflüge

1%

6%

27%

66%

Ausstellung, Messe

1%

3%

20%

76%

Kino, Theater

0%

3%

12%

85%

TA B E L L E 3 «Was unternimmst du häufig zusammen mit deiner Grossmutter/ deinem Grossvater?»

# 03 ~ 2015

• Die Häufigkeit gemeinsamer Aktivitäten variiert begreiflicherweise mit der geografischen Nähe der Grosseltern. • Die häufigsten gemeinsamen Aktivitäten ergeben sich während der Schulferien (wandern, Anlässe besuchen, kochen und basteln). • Gesunde Grosseltern sind aktiver; auch Diskutieren mit Enkelkindern setzt offenbar eine gute subjektive Gesundheit voraus. • Insgesamt sind die Beziehungen deutlich stärker vor dem Hintergrund der subjektiv wahrgenommenen Gesundheit der Grosseltern als in Bezug auf das kalendarische Alter. Das Alter an sich erweist sich als eher unbedeutender Faktor.


55

• Grossmütter sind aktiver als Grossväter, und Grosseltern mütterlicherseits sind engagierter als Grosseltern väterlicherseits oder soziale Grosseltern. • Zwar basteln Grossväter häufiger und Grossmütter kochen häufiger mit ihren Enkelkindern (klassisches Rollenmuster), im Übrigen aber werden die Enkelkinder geschlechtsneutral behandelt, namentlich durch die Grossväter. Dies sei sicherlich ein neues, aber wichtiges Verhaltensmuster moderner Grosselternschaft, hält die Studie fest. Zusammenfassend: Je älter die Enkelkinder werden, umso weniger gemeinsame Aktivitäten werden mit den Grosseltern durchgeführt. Deutsche und österreichische Studien zeigen übrigens dieselbe Tendenz. Solche Ergebnisse weisen in Richtung einer gewissen Ablösung von den Grosseltern während der Pubertät und dem Jugendalter, zumindest was gemeinsam unternommene Tätigkeiten betrifft. WOFÜR SICH GROSSELTERN INTERESSIEREN

Positives Grosselternverhalten erhöht die Kontakthäufigkeit zu den Enkelkindern. Umgekehrt führen enge Kontakte zu einer positiveren Einschätzung der Grosseltern.

Nach Meinung der Enkelkinder stehen ihre schulischen Leistungen im Brennpunkt des grosselterlichen Interesses. Gut zwei Drittel der Grosseltern stellen dazu immer oder häufig Fragen oder machen Kommentare. Gemäss den Studienverfassern sind gute schulische Leistungen aus Sicht der älteren Generation sowohl ein Indiz für gutes Verhalten als auch ein Hinweis auf eine positive, soziale Entwicklung der jüngeren Generationen. «Unsere Enkelkinder sind auf dem richtigen Weg!» Gut die Hälfte der Grosseltern interessiert sich häufig für die Freizeitgestaltung des Enkelkinds, aber gut die Hälfte der erfassten Grosseltern zeigt sich umgekehrt selten oder nie daran interessiert. Dies TA B E L L E 4 hänge auch damit zusammen, dass Jung und Alt ihre Ist dein Grossvater bzw. deine Grossmutter an den Freizeit sehr unterschiedlich gestalten. folgenden Themen interesEine andere Zweiteilung ergibt sich beim wahrgesiert? Stellt er/sie dir dazu nommenen grosselterlichen Interesse für die MeiFragen, macht er/sie Kommentare? nungen der heranwachsenden Generation: 44% der Grosseltern werden als interessiert eingestuft, 56% Deine schulischen scheinen sich um die Ansichten und Meinungen der Leistungen Enkelkinder hingegen weniger zu kümmern. Offenbar seien nicht alle Mitglieder der älteren Generation Deine Freizeitgestaltung bereit oder fähig, die jüngere Generation tatsächlich ernst zu nehmen. Ein Vorwurf, den Teenager allerDeine Meinungen dings auch ihren Eltern gegenüber machen würden, Dein Betragen in konstatieren die Studienverfasser. der Familie Andere Themen wie Kleidung, Art zu reden, Umgang mit Geld, Betragen gegenüber anderen FamilienmitDeine Art zu reden gliedern werden seitens der Grosseltern mehrheitlich nicht oder nur selten angesprochen, möglicherweise Freunde/Freundinnen weil sich dazu bei adoleszenten Enkelkindern die Deine Kleidung grössten intergenerationellen Konfliktpotenziale verbergen können, vermuten die Autoren. Auch die Thematisierung intimer Fragen wird bei intergenerationellen Beziehungen weitgehend ausgeblendet. Alles in allem aber: Die befragten Enkelkinder beurteilen ein aktives Interesse der Grosseltern an ihrem ~

immer

häufig

selten

nie

31%

35%

19%

15%

18%

34%

23%

25%

17%

27%

24%

32%

14%

21%

31%

34%

10%

17%

30%

43%

9%

26%

33%

32%

8%

20%

33%

39%

Dein Umgang mit Geld

7%

14%

29%

50%

Dein Intimleben (Liebe, Sexualität)

2%

3%

13%

82%

# 03 ~ 2015


~ Dossier ~ WENN ENKELKINDER ÄLTER WERDEN

56

~ eigenen Leben insgesamt doch eher positiv. Dies werde darin deutlich, dass zwischen dem erlebten Interesse und einer positiven Eigenschaftsbeschreibung der Grosseltern durchgehend positive Übereinstimmungen vorliegen. Auch hier gilt im Übrigen: Grossmütter sind insgesamt interessierter als Grossväter, wobei sich Grossmütter in gleichem Mass für Enkelsöhne wie Enkeltöchter interessieren. Die Detailanalyse lässt deutlich werden, dass Grossväter nur bei zwei Themen signifikant mehr Interesse an Enkelsöhnen als an Enkeltöchtern zeigen: beim Umgang mit Geld und bei der Freizeitgestaltung, wo eine «intergenerationelle männliche Interessengemeinschaft» bedeutsam sein könne, wie etwa bei sportlichen Aktivitäten oder technischen Fragen. FREUNDE WERDEN IMMER WICHTIGER Mit einer weiteren Frage wurde erhoben, mit wem verschiedene Themen diskutiert werden, wobei nebst den Grosseltern auch andere Bezugsgruppen (Eltern, Geschwister, Freunde) aufgeführt wurden. Dabei wurde als Antwortelement auch das Fehlen eines Diskussionspartners mitberücksichtigt.

TA B E L L E 5 Mit wem diskutierst du die nachfolgend aufgeführten Themen?

A

B

C

D

E

F

G

H

Neueste Nachrichten /Aktualitäten

5%

23%

9%

13%

9%

1%

20%

19%

Soziale Probleme (Aids, Drogen, Gewalt u.a.)

1%

25%

20%

14%

4%

1%

26%

9%

Beziehung zu den Eltern, zu Geschwistern

9%

20%

23%

14%

6%

5%

14%

10%

Beziehung zu Freunden/Freundinnen

2%

27%

24%

11%

6%

1%

21%

8%

Liebesgeschichten

1%

9%

45%

26%

0%

1%

14%

4%

Schulfragen

3%

22%

13%

4%

8%

1%

24%

24%

Freizeit (Sport, Musik u.a.)

2%

11%

30%

3%

3%

2%

29%

21%

Intimität (körperlich)

0%

15%

33%

33%

1%

0%

16%

2%

Persönliche Konflikte, Streitigkeiten

3%

18%

24%

17%

2%

1%

25%

10%

«Geheimnisse» (rauchen, stehlen, Alkohol)

1%

10%

43%

26%

1%

1%

15%

3%

Antwortmöglichkeiten: A: nur mit Grossvater bzw. Grossmutter, B: nur mit jemandem von der Familie (Vater, Mutter, Geschwister) C: nur mit einem/einer oder mehreren Freunden/Freundinnen, D: mit niemandem, E: mit Grosseltern und Familie F: mit Grosseltern und Freunden, G: mit Familie und Freunden, H: mit Grosseltern, Familie, Freunden. # 03 ~ 2015


57

Zu den Ergebnissen: • Nur eine Minderheit der befragten 12- bis 16-Jährigen gibt an, niemanden zu haben, mit dem sie persönliche Probleme besprechen und diskutieren können. Am häufigsten gilt dies für Liebesgeschichten, Intimitätsfragen sowie «Geheimnisse». So gibt immerhin ein Drittel der befragten Enkelkinder an, bei intimen Fragen keine Ansprechperson zu haben. • Grosseltern sind nur in wenigen Fällen exklusive Gesprächs- und Diskussionspartner von Teenagern. Sie gehören allenfalls zu einem Set von Bezugspersonen, vor allem mit anderen Familienangehörigen und Freunden. Aber auch dies gilt nur für ausgewählte Themenbereiche wie Aktualitäten, Schulfragen und Freizeitgestaltung. Am ehesten nur mit Grosseltern diskutiert werden Beziehungsprobleme mit Eltern oder Geschwistern (wo sie als zusätzliche Familienmitglieder Rat im Umgang mit andern Angehörigen geben können). • Auch andere Familienangehörige (Eltern, Geschwister) werden nur in einer Minderheit der Fälle als ausschliessliche Bezugspersonen angeführt. Am ehesten gilt dies bei der Diskussion sozialer Probleme und der Beziehung zu Freunden, selten jedoch bei Liebesgeschichten. Letztere werden am häufigsten mit Freunden und Freundinnen diskutiert. • Am häufigsten diskutieren 12- bis 16-jährige Mädchen mit ihren Grossmüttern, am wenigsten 12- bis 16-jährige Knaben mit ihren Grossvätern. Insgesamt wird bei allen Themen jeweils nur eine Minderheit der Grosseltern als bedeutsame Bezugspersonen wahrgenommen. Befragt wurden ja alle Grosselternteile, so auch allenfalls vorhandene soziale Grosseltern. In Verbindung mit andern befragten Merkmalen wie Kontakthäufigkeit, der subjektiv empfundenen Wichtigkeit der Grosseltern und dem von ihnen manifestierten Interesse am Leben ihres Enkelkindes zeigt sich aber, dass primär engagierte Grosseltern als bedeutsame Diskussionspartner und Bezugspersonen erlebt werden. Weiter entfernt wohnende Grosseltern werden übrigens seltener als Bezugspersonen angeführt. Genauere Analysen zeigen, so die Autoren, dass dabei nicht die ausländische Herkunft, sondern ganz allgemein die Wohnortdistanz entscheidend ist. Die These, dass bei ausländischen Grosseltern die interkulturelle Differenz ein bedeutsames Hindernis darstelle, werde jedenfalls nicht bestätigt, wird festgehalten. Übers Ganze betrachtet, werden Grosseltern auch von heranwachsenden Enkelkindern, vielfach zusammen mit anderen Angehörigen, als bedeutsame Bezugspersonen angeführt. Dies entspreche der bekannten Beobachtung, dass Grosseltern kaum unabhängig von andern Familienangehörigen Fähigkeiten, Orientierungen und Werthaltungen vermitteln. Letztlich regeln aber die Eltern den Zugang zu ihren Kindern. «Diese werden dann die Beziehungen ihrer Kinder zu den Grosseltern besonders fördern, wenn sie selber sich mit den Grosseltern, also ihren eigenen Eltern verstehen», halten die Autoren fest. • # 03 ~ 2015

Vor allem engagierte Grosseltern werden als bedeutsame Diskussionspartner und Bezugspersonen erlebt.

Die vorgestellte Studie wurde von François Höpflinger, Cornelia Hummel und Valérie Hugentobler erarbeitet und vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. Die Ergebnisse erschienen 2006 unter dem Titel «Enkelkinder und ihre Grosseltern; Intergenerationelle Beziehungen im Wandel» im Seismo Verlag, Zürich. Im nächsten Dossier werden wir näher auf den Paarvergleich beider Generationen eingehen, da in der Erhebung gleichzeitig auch die in der Schweiz wohnhaften Grosseltern zu ihren Enkelkindern befragt worden sind.


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~ Kolumne ~ GROSSMÜTTERREVOLUTION

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Jedes Mal ein Wunder Sie wollten uns nichts sagen. Und doch erfuhren wir es durch Zufall. Der Sohn und die Schwiegertochter warteten ausgerechnet an Weihnachten im Spital auf die Geburt ihres ersten Kindes. Wir hörten, etwas stimme nicht, es gehe nicht recht vorwärts. Wird alles gut gehen? Das Kind gesund sein? Neben diesen Sorgen tauchten in mir blitzartig die Erinnerungen an die Geburt des werdenden Vaters auf. Der Arzt hob das Kind auf, zeigte auf seine Lippenspalte und meinte, es sei die kleinste Missbildung, sie könne später gut operiert werden.

meinem Blut. Er müsse sofort für eine Bluttransfusion mit der Ambulanz ins Kinderspital überführt werden. Als ich den Arzt weinend fragte, ob das wirklich nötig sei, meinte er wenig einfühlsam: «Wollen Sie lieber, dass Ihr Kind einen Dachschaden hat?» Ich drückte das schreiende Kind fest an mich und wusste: Ich liebe diesen kleinen Menschen und werde ihn immer lieben – so, wie er ist. Die Erfahrungen der Geburt und der ersten Lebensmonate mit dem jüngsten Sohn machten mir bewusst: Nichts ist selbstverständlich. Sie haben mich dafür

Für mich war der Anblick des durch den Schnitt entstellten Gesichtchens nicht neu: Genau so hatte ich das Kind zu Beginn der Schwangerschaft im Traum gesehen. Und doch quälten mich Fragen: War ich Schuld daran? Hatte ich etwas Falsches gegessen oder getrunken? Oder war es ein genetischer Defekt, vielleicht gar vererbbar? Der Gynäkologe beruhigte mich mit dem Hinweis, es sei eine Laune der Natur. Wenig später stellte sich heraus: Der Kleine litt zusätzlich an einer seltenen Unverträglichkeit zwischen seinem und

sensibilisiert, was es heissen muss, ein behindertes Kind zu haben. Beim Blick in den Kinderwagen fuhren die Leute jeweils erschreckt zurück und fragten: «Jesses Gott, was hat das Kind?» Ich konnte sie beruhigen mit dem Hinweis auf die korrigierende Operation. Wie aber müssen sich jene Eltern und Grosseltern fühlen, die keine solche Perspektive haben? Während dem bangen Warten auf eine Nachricht meines Sohnes aus dem Spital dachte ich daran, dass auch heute eine Geburt trotz der hoch technisierten Me-

dizin ein Risiko ist. Dass Behinderungen auch mit der pränatalen Diagnostik nicht ausgeschaltet werden können. Verstohlen schaute ich während der Mitternachtsmesse immer wieder auf mein Handy. Endlich war sie da, die erlösende Nachricht: «Mami, ich gratuliere dir zum achten Enkelkind. Sophia ist geboren.» Am Weihnachtstag durfte ich die gesunde Enkelin zum ersten Mal in meine Arme schliessen. Dankbar für das Wunder der Geburt, jedes Mal einzigartig und neu. •

MONIKA FISCHER, Reiden LU, ist Journalistin, jetzt achtfache Grossmutter und macht seit 2012 bei der GrossmütterRevolution mit. Weitere Kolumnen und Infos: www.grossmuetter.ch

~ Die Frühlingstagung der GrossmütterRevolution ~

«NÄRRINNENFREIHEIT?!» FRÜHLINGSTAGUNG 2015 An der Frühlingstagung setzen wir uns mit den verschiedensten Facetten unserer Freiheit(en) auseinander, wie zum Beispiel: • Dem gesellschaftlichen Druck standhalten
– Welchen gesellschaftlichen Druck nehme ich wahr und wie gehe ich damit um? • ( Vor-)Bilder der Freiheit
– Für welche Freiheiten habe ich Vorbilder? Und für welche werden wir dereinst Vorbild sein? • Nein-Sagen
– Müssen wir unsere (Närrinnen-)Freiheit hart erarbeiten, oder reicht es, einfach öfter Nein zu sagen?

• Freiheit und Verantwortung
 Wie geht das zusammen? Nur weil frau nicht mehr so viel muss, darf sie noch lange nicht alles, oder? • Närrin oder Weise?
Mein Närrin-Sein kommt nicht von ungefähr. Es basiert auf Lebenserfahrung und Reflexion. Ich nehme mir heraus, Närrin und Weise zu sein. • Närrinnen verändern die Welt
 Was sind die gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen, wenn immer mehr von uns sich ihre politischen und sozialen Freiheiten nehmen?

Impulsreferat:
 Am ersten Tag wird die Soziologin Tina Denninger ein Impulsreferat halten, zum Thema 
«Wo bleibt die Freiheit des Alters in der neuen Aktivgesellschaft?» Im Anschluss können die angesprochenen Themen mit der Referentin und den Teilnehmerinnen diskutiert werden. Tina Denninger ist Soziologin und Altersforscherin an der Uni München und hat, zusammen mit Silke van Dyk, viel zum neuen Altersbild und zu den gesellschaftlichen Heraus­ forderungen geforscht und publiziert.

# 03 ~ 2015

Intermezzi mit der Künstlerin Horta van Hoye (Kanada): Die Bildhauerin und Clownessa van Hoye vermag Papier zum Leben zu erwecken!
 Aus langen Bahnen Papier entstehen Skulpturen, Gesichter, Figuren. Datum: Donnerstag, 23. April, 13.45 Uhr, bis Freitag, 24. April, 16.30 Uhr. Ort: Hotel und Bildungszentrum Matt, Schwarzenberg/LU

Die GrossmütterRevolution ist ein Projekt des Migros-Kulturprozent www.migros-kulturprozent.ch


~ Service ~ UNTERWEGS

60

Von MAREN TROMM (Text) und MARIE-ANNE SPROSS (Illustration)

THUN 3 5

9

6

2

HOF BAHN

1

7 8 10

# 03 ~ 2015

4


61

Thun ist eine Stadt für kleine und grosse Entdecker: Es warten Rittersäle, historischer Luxus, berühmte Kunstwerke, Spielschiffe und spannende Schnitzeljagden. Dabei kann man gelegentlich den Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau geniessen.

WAS WIE WO 1

4

6

9

KINDERSTADTPLAN Mit dem Kinderstadtplan entdeckt man Geld auf dem Boden, eine ungewöhnliche Uhr, ein 38 Meter langes Rundbild, eine Kuhbrücke ohne Kuh, ein rundes Haus und immer wieder Kunst-

SCHIFFFAHRT Jeden Samstag fahren Kinder bis 16 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen gratis Schiff. Von April bis Oktober bietet die BLS Schifffahrt zudem diverse Angebote für Kinder wie Spiel-, Oster-,

FOXTRAIL Eine Schnitzeljagd quer durch die Stadt. An verschiedenen Stationen warten Überraschungen und knifflige Aufgaben, deren Lösungen Hinweise zur weiteren Fährte geben. Dauer

TRAMPELWURM Ähnlich zu einer Rikscha kann man in Thun eine Stadtrundfahrt mit dem Trampelwurm buchen. Das eigenwillige, verspielte und einzigartige Gefährt wird mit Muskelkraft angetrieben.

werke, auf denen man zum Teil herumklettern darf.

Dampf-, oder Konzertschifffahrten an.

2½ bis 4½ Stunden.

Ab drei Personen individuell buchbar.

Thun-Thunersee Tourismus Bahnhof Thun www.thunersee.ch

Seestrasse 9 www.bls.ch/schiff

5

2

KUNSTMUSEUM Das Museum befindet sich im Zentrum im 1870 erbauten Thunerhof, früher das Luxushotel im Berner Oberland. Die Spuren der Vergangenheit warten im Inneren auf Entdecker. Genau so wie die bunte Sehkiste. Hofstettenstr. 14 www.kunstmuseumthun.ch

3

SCHLOSSMUSEUM Einmal Schlossherr oder Schlossherrin sein. Dies darf man, sobald die Überraschung gefunden wurde. Die Erwachsenen können den beeindruckenden Blick auf Stadt, See und Alpenpanorama geniessen oder an den Ketten rasseln. Schlossberg 1 www.schlossthun.ch

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RITTER WERDEN Auf den drei Thunerseeschlössern Oberhofen, Spiez und Thun können Kinder in die Welt des Mittelalters eintauchen und sich zu Ritterinnen und Rittern ausbilden lassen. Dazu spielen sie Ritteraufgaben nach und werden Page, Knappe, Ritter. Die Stufen können in jedem der drei Schlösser abgeschlossen werden. Allerdings muss nach der Pagenausbildung in ein anderes Schloss gewechselt werden. 10 Franken (für alle drei Stufen), Mitte Mai bis Mitte Oktober. Schlossberg 1 www.schlossthun.ch

www.foxtrail.ch

SCHADAUPARK Ein 150 Jahre altes Märchenschloss, eingebettet in einen wunderschönen Park direkt am Thunersee mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, mit Spielplatz und Restaurant, das mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet ist. Jedes zweite Wochenende fährt eine Dampfbahn. www.schloss-schadau.ch

8

NATURLEHRGARTEN Auf dem Gehölzlehrpfad im Schadaupark sind 128 verschiedene heimische Bäume, Sträucher und Blumen ausgestellt, wie beispielsweise ein Mammutbaum oder eine Zaubernuss. Es gibt viel zu entdecken – insbesondere im Wechsel der Jahreszeiten. www.schloss-schadau.ch

# 03 ~ 2015

Bahnhof Thun www.trampelwurm.ch

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BONSTETTENPARK Der öffentlich zugängliche Bonstettenpark ist das ganze Jahr über ein wertvolles Naherholungsgebiet direkt am Seeufer: Grillplätze, freie Wiesen, Kinderspielplatz mit einem Kran, ein kleines Wäldchen, Alleen und das nahe gelegene Gwattlischenmoos laden zudem zu Spaziergängen ein. Gwattstrasse

Einen Stadtplan und weitere Tipps gibt es auch bei: www.thunersee.ch


~ Service ~ UNTERWEGS

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zu Fuss

~ Exkursion ~

BIBER AM KLINGNAUER STAUSEE Näher als man denkt - der Biber kommt zurück und baut und baut und baut... Dämme und Burgen. Er frisst Blätter und fällt Bäume. Warum er dies tut und wie die Landschaft mit einem Biber sich verändert und entwickelt, ist Thema der Exkursion. Der Biber kehrt in unsere Gewässer zurück. Am Rhein, an der Thur und an der Aare besiedelt er vielerorts das Ufer. Am Klingnauer Stausee kann der sympathische Nager mit all seinen Eigenheiten kennengelernt werden. Denn da stösst man auf eindrückliche Spuren seiner Nagetätigkeit. ~MB Sa, 14. März Klingnauer Stausee AG 10.10 bis 12.10 Uhr Treffpunkt: Bahnhof Döttingen beim Kiosk. Mitnehmen: Gute Schuhe, dem Wetter angepasste Kleidung, Getränk, evtl. Zwischenverpflegung, Feldstecher, falls vorhanden. Kosten: WWF-Mitglieder: 20 Franken, Nicht-Mitglieder: 25 Franken. Anmeldung bis 09.03. unter

www.wwf.ch/de/aktuell/ veranstaltungen/

Winterausflug aufs Hochstuckli

S

tellt man die Fragen: «Wer möchte schlitteln, wer Ski fahren, wer wandern?», startet man meist schwerbepackt vom grossen Parkplatz in Sattel SZ zur Drehgondelbahn Stuckli Rondo. Die erste Drehgondelban der Welt fährt und dreht hinauf auf den Mostelberg zur Bergstation. Dort angekommen können alle sogleich mit der gewünschten Aktivität starten. «Treffpunkt in zwei Stunden wieder hier?» – «Abgemacht!» Die kleineren Kinder rutschen meist direkt ins betreute Bambini- oder Kinderland. Je nach Alter und Können lernen sie zwei Stunden lang skifahren. Die Wanderer folgen derweil einem der kinderwagentauglichen Rundwanderwege und kommen nach gut 30 Minuten wieder am Kinderland vorbei. Mit dem beruhigenden Wissen, dass es den Kindern gut geht, kann man aus der Ferne ein Foto schiessen und weiterwandern. Die erfahrenen Skifahrer der Gruppe sind bereits nicht mehr zu sehen. Sie tummeln sich auf den 14 Kilometer Pisten. Zwei Stunden später berichten die Kleinen etwas müde, aber mit roten Wangen vom neuen animierten Tunnel beim Zauberteppich. Dort suchen die «Rondos» einen Schatz. Die Skilosen erzählen von # 03 ~ 2015

ihrem Wanderweg, der Ruhe, dem tollen Panorama und natürlich von der Hängebrücke. Diese möchten sogleich alle begehen. Wanderschuhe an, alle Schlitten mitnehmen, und los geht es. Zehn Minuten benötigen alle, um über die 374 Meter lange und bis zu 58 Meter hohe Hängebrücke zu laufen. Hintereinander. Denn sehr breit ist sie nicht. «Geschafft!», murmelt einer. «Wunderschön!», eine andere. Wenige Meter weiter erreicht man eine romantische Hütte mit schönem Spielplatz, Eseln, Ziegen, Picknickplätzen und Restaurant. Zum Kraft tanken, essen, erzählen und um neue Pläne zu schmieden. Ein Teil der Gruppe möchte die Talabfahrt hinabschlitteln, und der Rest möchte hinunterdrehen – mit der Stuckli Rondo. Unten angekommen, steigen alle glücklich ins Auto. Mit vollem Kofferraum wird bereits der Besuch im Frühling geplant. Wenn die Rodelbahn, die Hüpfburgen und die Sommertubing-Bahn (grosse Gummireifen) eröffnet sind. Der Fahrer murmelt leise: «Und da müssten wir dann tatsächlich nichts mitnehmen?» ~MT

www.sattel-hochstuckli.ch


~ Service ~ UNTERWEGS

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~ Besichtigung ~

HELIKOPTER GANZ NAH Welches Kind träumt nicht davon, einmal einen Helikopter von ganz nah zu sehen? Die Helikopterfirma Swiss Helicopter und Tourismus Zweisimmen wissen von diesem Kindertraum, den auch viele Erwachsene noch hegen. Sie bieten deshalb einmal in der Woche eine Führung durch die Helikopterbasis in Zweisimmen an. Vom neuen, topmodernen Hangar, der im letzen Mai feierlich eröffnet wurde, starten täglich Helikopter für Material- und Personenflüge jeglicher Art. ~MB Donnerstag, 5., 12., 19. und 26. 3.2015, 9.30 Uhr. Helikopterbasis Zweisimmen. Anmeldung bis am Vorabend, 17 Uhr, bei Tourismus Zweisimmen: 033 722 11 33 oder tourismus@zweisimmen.ch. www.gstaad.ch

~ Agenda ~

DATEN UND TERMINE ZUM MERKEN Noch bis 01.05.15 – Jona

07. 03. bis 09.05.15 – Zug

Ein überdimensionaler Teller aus Stroh-Spaghetti, ein begehbarer Käse und ein Storch bei der Mahlzeit sind zu bestaunen. Der Lehrpfad gibt spannende Einblicke in die Welt der Getreide. Bächlihof, Blaubrunnenstrasse 70.

Nach dem gleichnamigen Roman von Michael Ende. Für Kinder ab 4 Jahren, in Dialekt. Theater Arlecchino. Walkeweg 122.

STROHWELTEN

www.juckerfarm.ch 28.02.15 – Baden

JUGENDLITERATURTAG

Der abwechslungsreiche Jugendliteraturtag mit mehreren Lesungen und altersgerechten Workshops rund um das Schreiben von Geschichten richtet sich an Schulkinder von 8 bis 14 Jahren. Aktionshalle Stanzerei.

www.badenliest.ch

01. 03. bis 09.05.15 – Zug

KLEINER DODO, WAS SPIELST DU?

Geschichte nach dem gleichnamigen Bilderbuch. Mit Renata Blum und Mitgliedern des Zürcher Kammerorchesters. Für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren, in Dialekt. Theater Casino Zug.

www.theatercasino.ch

~ Ausstellung ~

PAUL GAUGUIN FÜR KINDER Die grosse Paul-Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler (Riehen/Basel) bietet Neues für Kinder und Jugendliche. Die Schau präsentiert über 50 Meisterwerke des französischen Malers, darunter die weltberühmten «Tahiti-Bilder». Erstmals wurde ein Audioguide für Kinder entwickelt, der Gauguins Bilder in einfacher Sprache und mit Bildbegleitung erklärt. Ein multimedialer Vermittlungsraum thematisiert Leben und Werk Gauguins. Musikfans können sich ebenso freuen: Prominente, darunter viele Musiker, stellen eigene Playlists zu den Meisterwerken Gauguins zusammen. Diese können beim Museumsrundgang mit dem Smartphone angehört werden. Familientag am So., 10. Mai 2015 (10 bis 18 Uhr): Workshops, Spiele und Führungen. Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre haben an diesem Tag freien Eintritt. Die Ausstellung dauert bis zum 28. Juni.

04.03.15 – Chur

ANDREW BOND

Mit den Songs von seinem neuen Album «Alli mached Mischt» kommt Bond auf die Konzertbühne von «Das Zelt». Chapiteau I, Sportanlage Obere Au.

www.daszelt.ch

05. bis 15.03.15 – Genf

AUTOMOBIL-SALON

Viele, viele Autos und einige Berühmtheiten sind da anzutreffen. Zahlreiche Nebenveranstaltungen runden den Anlass ab. Palexpo, Grand-Saconnex.

www.salon-auto.ch

06.03. bis 27.03.15 – Brigels

MIT WEISSEM HAAR DIE PISTEN RUNTER

Begleitetes Skifahren und Skiunterricht mit dem einheimischen Skilehrer Alois Cathomen, speziell für über 60-Jährige. Im Skigebiet Brigels-Waltensburg-Andiast. 10 Uhr an der Bergstation Brigels. Anmeldung: 081 920 14 14.

www.myswitzerland.com

www.fondationbeyeler.ch # 03 ~ 2015

MOMO

www.theater-arlecchino.ch 07. bis 08.03.15 – Zofingen

MINERALIENTAGE

Internationale Ausstellung mit Verkauf von Mineralien, Fossilien, Conchylien (Muscheln), Schmuck, Literatur, Maschinen und Zubehör für die Bearbeitung von Mineralien und Schmuck. Mehrzweckhalle.

www.mineralientage.ch 11. bis 15.03.15 – Zürich

GIARDINA

Ein interessanter Mix aus Gartenmesse, hochqualitativer Ausstellung und Erlebnisplattform für alle Sinne und jedes Alter. Messe Zürich.

www.giardina.ch

21. 03.15 – Frauenfeld

HISTOIRE SLAM

Mit verrückten Märchen werden die historischen Objekte in ein ganz anderes Licht gerückt. Hier zählt Fantasie mehr als Wissen. Ab 8 Jahren. Anmeldung erforderlich. Schloss Frauenfeld.

www.historisches-museum.tg.ch 22. 03.15 – Basel

FERTIG IST DAS MOND­ GESICHT

Alle Kinder können mit wenigen Strichen tolle Gesichter zeichnen. Köpfezeichnen und die Kunst des Weglassens lernen sie mit der Illustratorin Alessia Conidi und der Künstlerin Martina Gmür. Für Kinder ab 7 Jahren, mit Zvieri. Anmeldung erforderlich. Cartoonmuseum.

www.cartoonmuseum.ch

26. bis 29.03.15 – Frauenfeld

THURGAUER FRÜHJAHRSMESSE

Die moderne Familienmesse mit Erlebnischarakter bietet ein vielfältiges Ausstellerangebot, spannende Themenwelten und ein buntes Showprogramm. Areal Zuckerfabrik.

www.tg-messe.ch


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~ Service ~ BASTELN

Frühlingsboten an der Tafel Von MARIE-ANNE SPROSS (Text & Zeichnungen) und TIBOR NAD (Foto)

Grosseltern und Enkel können aus Moosgummi im Nu bunte Figuren herstellen und sie nachher auf ein Brett mit Wandtafelfarbe kleben.

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~ Service ~ BASTELN

Heute wird gebastelt!

SO GEHT`S

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DAS BRAUCHT`S

www.bastelprofi.ch Ihr Schweizer Online Bastelshop # 03 ~ 2015


~ Service ~ GARTEN

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I

N

K T E E S N

TE HO L von RUTH SCHLÄPPI (Text und Fotos)

Für Kinder ist der Bau eines Insektenhotels besonders spannend. Gleichzeitig wird ein wichtiger Beitrag für den Erhalt einer intakten Naturlandschaft geleistet.

iele Wildbienen- und Wespenarten suchen sich im März und April kleine Hohlräume, um darin ihre Brutzellen zu bauen und den Nachwuchs grosszuziehen. Als Unterschlupf bevorzugen sie

Steinspalten, Totholz, Schilfhalme oder Schneckenhäuser. Mit wenig Aufwand lässt sich aus diesen Materialien ein einfaches Insekten­hotel selber bauen. Wer sich jetzt Sorgen vor mögli# 03 ~ 2015


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chen Insektenstichen macht, kann beruhigt sein. Denn Wildbienen und Schlupfwespen sind harmlos und wenig stechfreudig. Im Gegenteil: Es ist faszinierend, die emsigen Flieger und ihre Brut zu beobachten. NISTHILFE AUS PFLANZENSTÄNGELN Für den Bau eines Hotels kürzt man hohle Pflanzenstängel von Holunder oder Schilfgräsern auf 10 bis 20 Zentimeter. Anschliessend das Mark aus den Abschnitten entfernen und diese je an einem Ende mit Lehm verschliessen. Bambusstängel schneidet man so, dass ein Knoten direkt vor dem Stängelende liegt. Auf diese Weise sind sie bereits einseitig dicht. Sämtliche Stängel werden nun mit den verstopften Enden zu einem Bündel geschnürt oder in einen Mauerstein mit Löchern gesteckt. Gut eignen sich auch leere Tetrapackungen, die man kürzt und mit hohlen Pflanzenstängeln füllt. Damit wird das Verschliessen der hohlen Stängel überflüssig. AN BESTER LAGE Insektenhotels am besten auf der Südseite platzieren oder so aufhängen, dass die ­Löcher waagerecht nach vorn liegen und durch das Dach vor Wind und Regen geschützt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Platz auf der Terrasse, in der Nähe des Komposthaufens oder am Ende des Gartens zwischen den Obstbäumen liegt. Übrigens sogar Schmetterlinge finden in einem abwechslungsreich gestalteten Insektenhotel Unterschlupf. BLATTLAUSLÖWEN EINE HERBERGE BIETEN Ein ausgewachsener Marienkäfer und seine Larven fressen gut und gern 100 oder mehr Blattläuse pro Tag. Dank den speziellen «Adalia»-Aufzuchtsets

Ein Insektenhotel beherbergt verschiedene Gäste. Beim Bau darf man richtig kreativ sein.

(www.biogarten.ch) können Kinder die Entwicklung vom Ei über die verschiedenen Larven-Stadien bis zum putzigen Käfer hautnah miterleben. Grossen Heisshunger auf Blattläuse verspüren auch die Larven von Florfliegen. Deshalb nennt man sie auch «Blattlauslöwen». Erwachsene Florfliegen besitzen durchsichtige, netzartige Flügel und goldglänzende Augen. WINTERQUARTIER FÜR FLORFLIEGEN Florfliegen überwintern meist in Rinden­

Die Enkeltochter schneidet einen Bambusstängel zu, der in der Insektenherberge Verwendung finden wird.

Ein Wellkarton in einer Petflasche bietet viele warme Plätzchen für die Florfliege.

# 03 ~ 2015

spalten, und ein solcher Unterschlupf kann mit wenig Aufwand nachgebaut werden. Dazu benötigt man lediglich eine sauber ausgewaschene und getrocknete PET­-Flasche, Draht und Wellkarton. Zuerst vorsichtig den Boden der Flasche mit einer Schere abschneiden. Ein paar dünne, auf die Länge der Flasche zugeschnittene Kartonstücke zusammenrollen und von unten in die F ­ lasche schieben. Zwischen den Kartonschichten entstehen viele warme Plätzchen, in die sich die Florfliegen zurück­ziehen können. Damit der Karton nicht herausrutscht, ein Stück Draht beidseitig am unteren Flaschenende durchziehen, bis eine Barriere entsteht. Anschliessend mit Draht eine Aufhängevorrichtung um den Flaschenhals anbringen. Mit Stroh gefüllte Tontöpfe, kopfüber an einen Baumast gehängt, beherbergen Ohrwürmer oder Ohren­ kneifer – einen weiteren Blatt- und Schildlausfresser. Ohrwürmer sind übrigens nachtaktiv, den Tag verbringen sie im warmen Lager oder unter Steinen und Brettern. • Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift «Schweizer Garten». Dieser Artikel erscheint dort ebenfalls in der Rubrik Kinder. «Schweizer Garten» ist am Kiosk oder im Abo erhältlich www.schweizergarten.ch.


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Aus «Schleckmäuler & Dreckspatzen. Kreative Ideen fürs ganze Jahr.» Werd Verlag, 192 Seiten, 49.90 Franken. www.werdverlag.ch

Osterfladen mit Griess DAS BRAUCHT`S

SO GEHT`S

... FÜR DEN TEIG

... FÜR DIE FÜLLUNG

200 g Mehl

30 g weiche Butter

40 g Zucker( 1 )

1

Prise Salz

40 g Zucker

2

3 EL Rahm

2 EL Griess

½ Zitrone (abgeriebene Schale)

Eigelb

1 Mehl, Salz, Zucker, Zitronenschale und Butterstückchen mischen und mit den Fingern zerkrümeln.

2 Ei und Rahm aufschlagen,

100 g weiche Butter

250 g Magerquark

1

2 EL Rahm

Ei

Eine zitronige, unkomplizierte Alternative zum traditionellen Reiskuchen.

1 Zitrone (abgeriebene Schale und Saft )

2

Eiweiss

1

Prise Salz

1 EL Zucker

( 2 )

... FÜR DIE GARNITUR

Puderzucker

Zuckereier

dazugeben und die Masse zu einem Teig kneten.

-saft verrühren. Eiweiss mit dem Salz steifschlagen, Zucker( 2 ) dazugeben und weiterschlagen, bis die Masse fest ist. Eischnee unter die Quarkmasse heben und diese auf dem Teigboden verteilen.

5 Osterfladen im auf 200 Grad 3 Teig in die ausgebutterte Wähen- oder Springform legen und kühl stellen.

vorgeheizten Backofen ca. 20 Minuten backen.

6 N ach dem Auskühlen mit 4 Für die Füllung Butter, Zucker( 1 ), Eigelb, Rahm, Griess, Quark, Zitronenschale und

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Puderzucker bestäuben und nach Belieben mit farbigen Zuckereiern verzieren.


Re

staurant tipp ~

~

~ Service ~ ESSEN & TRINKEN

DA MICHELANGELO ~ Zürich ~

Wo laute Kinder willkommen sind

D

as Ristorante Da Michelangelo ist wahrscheinlich das kinderfreundlichste Restaurant der Stadt Zürich.

Tomaten und Sardellen, der pikant und erfrischend schmeckt, und dazu eine Portion Brus­chetta mit Tomaten (6.50 Franken).

Niemand schimpft, wenn ein Baby schreit. Alle Kinder bekommen nach dem Essen eine Gratisglace. Und die Kellnerinnen und Kellner sind offensichtlich geübt darin, kleinen, beweglichen Hindernissen auszuweichen. Das zeigt sich, als die Kinder der drei Familien, die sich an diesem Samstagabend zum Essen treffen, mit dem Versteckspiel beginnen. Bis dahin verlief der Abend äusserst angenehm. Der Service ist aufmerksam und zuvorkommend, das Essen ausgezeichnet. Die Eltern haben Panzanella bestellt (9.50 Franken), einen Brotsalat mit Zwiebeln,

Die zu Beginn eher etwas schweigsamen fünf Kinder essen derweil bereits Pizza Margherita (je 11 Franken), die ihnen nicht nur schmeckt, sondern sie anscheinend auch aufputscht. Mit ein Grund dürften die Süssgetränke wie Rivella und Coca-Cola sein, die je 3.50 Franken kosten – ein für Zürcher Verhältnisse sagenhaft günstiger Preis. Als die Eltern den Hauptgang bekommen, sind die Kinder bereits fertig mit dem Essen und beginnen, das grosse Lokal zu erkunden. Der Vater – er will immer noch abnehmen – geniesst derweil eine kleine

und äusserst delikate Portion Linguine mit Gamberoni (20.50 Franken). Die Mutter isst Scaloppine al limone (35.50 Franken) und wirkt äusserst zufrieden, genauso wie die anderen Tischgenossen. Das ändert sich, als die Grossfamilie vom Tisch nebenan, wo Nonni, Eltern und Geschwister den Geburtstag des kleinsten Familienangehörigen gefeiert haben, das Lokal verlässt. Nun sind die eigenen Kinder die mit Abstand lautesten. Als sie beginnen, laut johlend mit den Resten der Süssgetränke, Pfeffer, Salz und anderen Gewürzen einen Zaubertrank zusammenzumischen, wird es den Eltern zu bunt. Beim Aufbruch gibt es einige kritische Blicke von anderen Besucherinnen und Besuchern. Vom Personal nicht: Das ist beim Abschied genauso freundlich und herzlich wie zu Beginn. Wir werden wieder kommen. ~GG DA MICHELANGELO Gertrudstrasse 37 8003 Zürich Tel. 044 451 32 31 Mo 11.30 bis 14 Uhr, Di bis Fr 11.30 bis 14, 18 bis 23.30, Sa 18 bis 23.30 Uhr, So geschlossen

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Das wertvollste Getreide.

Buch: UrDinkel Guetzli Die Guetzli sind lieblich, sehen attraktiv aus und haben kulinarisch so viel zu bieten. Die kleinen Köstlichkeiten und deren Gehalte, Formen und Dekorationen wechseln mit den Jahreszeiten oder sie sind für jährlich wiederkehrende Feste bestimmt.

Natürliche Zutaten bilden die Basis für einen feinen, unverfälschten Geschmack. Jedes Guetzli ist ein Unikat voller Überraschung. Und dank UrDinkel wird all das Gute noch besser.

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~ 03/2015 ~ WETTBEWERB

Gewinnen Sie 2 Nächte für 2 Personen im Resort Swiss Holiday Park Morschach

Oberhalb des malerischen Vierwaldstättersees, umgeben von der eindrücklichen Urner Alpenwelt auf dem Hochplateau Morschach im Kanton Schwyz, liegt das 15,5 Hektaren umfassende grösste und vielseitigste Ferien- und Freizeitresort der Schweiz. Das Angebot ist einfach unschlagbar. Egal ob Sie die Bäderlandschaft mit den Römisch-Irischen Thermen bevorzugen oder lieber einen Workout im grossen Fitnesscenter mögen oder die Sport & Spiel-Angebote drinnen oder draussen nutzen möchten, hier finden alle das Passende, egal bei welchem Wetter. Dabei kommt auch das kulinarische Angebot nicht zu kurz. In den drei Restaurants Schwiizer Stube, Il Gusto und Panorama geniessen Sie in schönem Ambiente schweizerische, internationale oder italienische Spezialitäten. So kommen Sie auf 3 wunderschöne und unvergessliche Tage fernab vom Alltag.

www.swissholidaypark.ch

~ Verlosung ~

SO KÖNNEN SIE GEWINNEN Schicken Sie bis am 23. März 2015 ein Mail oder eine Postkarte mit dem Betreff «Swiss Holiday Park» an wettbewerb@grosseltern-magazin.ch oder «Grosseltern», Bahnhofstrasse 7, 5400 Baden.


~ Service ~ SCHÖNHEIT

ALLES RUND UMS AUGE

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~ Interview ~

GLEICHZEITIG AUGEN UND NARBEN PFLEGEN

ANNEMARIE WIDMER, Mitinhaberin und Mitglied der Geschäftsleitung von Louis Widmer in dritter Generation, zur Besonderheit ihrer Augencreme.

O

b wir lächeln, lachen, weinen, angestrengt auf den Bildschirm starren oder in die Sonne blinzeln, stets ist die Augenpartie in Bewegung. An die zehntausend Mal pro Tag senken und heben sich die Lider. Wen wundert es, kerben sich in der extrem dünnen Haut Fältchen und Falten ein. Augenringe, Schwellungen und Tränensäcke können den Blick trüben. Augenringe sind genetisch bedingt und treten unabhängig vom Alter auf. Müdigkeit und Stress verstärken die bläulichen oder bräunlichen Schatten. Langfristig helfen Kosmetika, welche die Mikrodurchblutung anregen und die Blutgefässe stärken. Wacht man morgens mit verschwollenen Lidern auf, ist meistens ein Stau von Lymphflüssigkeit die Ursache. Das kann vererbt oder die Auswirkung von zu viel Alkohol oder Salzigem sein. Wirkstoffe wie Vitamin C, Grüntee oder Basentee unterstützen den Abbau. ~AF

Frau Widmer, Sie haben eine Augencreme im Sortiment, die nicht nur die Augenpartie verschönert, sondern auch als Narbenpflege Wunder wirkt. Wie ist man darauf gekommen? Diese zusätzliche Eigenschaft der Augencreme kennen wir schon seit über 35 Jahren. Bereits damals wurde belegt, dass die in der Augencreme enthaltenen Biostimulatoren – sie ersetzen der Haut fehlende Substanzen – geschädigtes Gewebe regenerieren und den Aufbau des Gewebes fördern. Grundlage der Studien waren In-Vitro-Untersuchungen auf Zellkulturen. Produkte von Louis Widmer werden von Hautärzten empfohlen. Was ist das Besondere daran? Da Louis Widmer ausschliesslich dermatologische Hautpflege entwickelt, produziert und vertreibt, ist es äusserst wichtig, dass die Produkte von Hautärzten getestet, geprüft und empfohlen werden. Dies unterstützt die Kompetenz der Firma und die notwendige Glaubwürdigkeit bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit der Produkte.

AVÈNE SÉRÉNAGE EYES Die Anti-Aging-Formel für reife Haut strafft die sensible Haut rund um die Augen, mildert Tränensäcke und Anzeichen von Müdigkeit, belebt und schützt die Haut und spendet nachhaltig Feuchtigkeit. 41.90 Franken, in Apotheken.

DR. KITZINGER EYE PLUS Die reichhaltige Augenpflege mit kühlendem Metallapplikator ermöglicht ein präzises Dosieren der Wirkstoffe. Die Creme reduziert die Tiefe von Falten und Augenringen, und sie steigert die Spannkraft des Unterlids. 89.90 Franken, bei Marionnaud.

LOUIS WIDMER CREME FÜR DIE AUGENPARTIE Mit bewährten Wirkstoffen in hoher Dosierung mildert die Creme Fältchen und Falten um die Augen, ebenso empfindliche und strapazierte Haut. Erhältlich mit und ohne Parfum. 38 Franken, in Apotheken und Drogerien.

# 03 ~ 2015

Mütter von Babys und Kindern schwören auf das Remederm-Ölbad. Weshalb? Kinder, Babys und speziell Neurodermitiker haben häufig eine sehr trockene Haut. Waschen und Baden trocknet die Haut zusätzlich aus. Es können Irritationen entstehen und Entzündungen. Das Remederm-Ölbad gibt der Haut die notwendigen Öle und Fette zurück. Die Haut bleibt geschmeidig und resistent gegen Austrocknung. ~AF


~ Service ~ GESUNDHEIT

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H

usten ist das willkürliche oder über den Hustenreflex ausgelöste explosionsartige Ausstossen von Luft. Die durch den Hustenreiz ausgestossene Luft kann eine Geschwindigkeit von bis zu 480 Kilometer pro Stunde erreichen. Husten ist ein Symptom und keine eigenständige Krankheit. Die Funktion des Hustens besteht darin, die Atemwege von Substanzen zu reinigen, die diese verlegen oder verengen könnten. Ein trockener Husten ohne Auswurf von Bronchialschleim wird als Reizhusten bezeichnet. Diesen unterscheidet man vom produktiven Husten, der bei einer Lungenentzündung oder Bronchitis auftreten kann. VERSCHIEDENE URSACHEN Die mit Abstand häufigsten und meist harmlosen Ursachen von Husten sind virale Infekte wie Erkältungen. Kinder im Vorschulalter haben bis zu sechs solche Infekte pro Winter. Erkältungen sind im Winter häufiger, weil man sich dann in Räumen aufhält und somit leichter anstecken kann. Weitere Ursachen für Husten können Pseudokrupp, obstrukive Bronchitis, Asthma oder Probleme der oberen Atemwege wie vergrösserte Mandeln oder eine Nasennebenhöhlenentzündung sein. Alle anderen Ursachen wie Fremdkörperaspiration oder Lungenentzündung sind sehr selten. Eine Sonderform stellt der psychogene Husten dar (sehr demonstratives, dramatisches Husten, eventuell zusammen mit einem Räusper-Tick). Psychogener Husten tritt in der Regel nicht im Schlaf auf. DIAGNOSE DES ARZTES Der Arzt stellt die Diagnose anhand von Krankheitszeichen und dem Abhören der Lunge. Er entscheidet zwischen Ursachen

Lungenentzündung kommen Antibiotika zum Einsatz, bei einem Pseudokrupp Feuchtluft und Kortison. WENIGER IST MEHR

Wenn das Enkelkind hustet Husten befördert Fremdkörper, Schleim und Bakterien aus der Lunge, ist also sehr sinnvoll. Die meisten Medikamente helfen bei gewöhnlichem Husten wenig. Von PAUL W. MEIER, THOMAS BAUMANN (Text) und DESCIENCE (Illustration)

der oberen Luftwege (Nase, Rachen, Kehlkopf, Nasennebenhöhlen) und unteren Atemwegen (Bronchien, Lungengewebe). Erstere umfassen gewöhnliche Erkältungen, letztere Bronchitis, Asthma und Lungenentzündungen. THERAPIE Die Hustentherapie richtet sich nach der Ursache des Hustens. Eine Bronchitis oder ein Asthma wird mit atemwegserweiternden Medikamenten behandelt. Bei einer # 03 ~ 2015

In den meisten Fällen, bei viralen Infekten (Erkältungen), steht keine heilende Therapie zur Verfügung. Virale Infekte heilen von selbst. Wenn Kinder jedoch stark leiden (gestörter Schlaf, Erbrechen beim Husten) kommen Medikamente zum Einsatz, die den Hustenreiz dämpfen oder den Schleim lösen. Schleimlöser und Hustenstiller sollten nicht gemeinsam verabreicht werden. Studien haben jedoch keine Unterschiede zwischen Placebo und den aktiven Substanzen gezeigt. Mit anderen Worten; Hustensirup und Schleimlöser wirken sehr unbefriedigend. Beim Codein (Hustenreizdämpfer) müsste so stark dosiert werden, dass das Kind nur noch schläft. Bei Säuglingen und Kleinkindern verbieten sich zudem ätherische Öle wie mentholhaltige Zubereitungen (Vics, Pulmex, Tigerbalsam und andere), da sie Stimmbandschwellungen und Atemwegsverengungen auslösen können. Auch die Wirksamkeit zahlreicher pflanzlicher Hustenmittel, Homoeopathica und Komplexmittel ist mehr als umstritten. Wichtig ist, auf genügende Trinkmenge, Reizvermeidung (Passivrauchen) und eine gute Nasentoilette (allenfalls Nasenspray) zu achten. Bei der Hustentherapie gilt somit: weniger ist mehr. •

Die Autoren sind Kinderärzte in Solothurn. Der Text stammt aus dem Buch «Informationen vom Kinderarzt», Verlag Hans Huber, ISBN 978-3-456-84950-8, und ist ungekürzt auch auf der Webseite www.paediatrieinfo.ch zu finden.


~ Service ~ SPIELE

~ Tipp ~

~ Aus alter Zeit ~

SCHNAPPT HUBI!

sam fangen müssen. Das Spiel wird elektronisch gesteuert. Dadurch und der drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen wegen verläuft jedes Spiel anders. Die Spieler in Form von Maus und Hase müssen auf ihrer Jagd durch Hasenfenster und Mäuselöcher kriechen. Gewonnen hat, wer Hubi vor Mitternacht fangen kann. Dann heisst es: «Huuihuuhh, was macht ihr in meinem Raum? Manno! Der Spuk ist vorbei. Lasst uns Freunde sein.» ~MT Schnappt Hubi!, Ravensburger, 59.90 Franken. Ab 5 Jahren, für 2 bis 4 Spieler.

Chäs-Stächet

von PETER GRAF (Text) und PAULA TROXLER (Illustration)

Ständig klaut das freche Gespenst Hubi den Tieren ihre Leckereien. Da machen die Hasen und Mäuse gemeinsame Sache: «Schnappt Hubi!» lautet die Devise. Das gleichnamige Spiel besteht aus zwei Teilen: Zuerst gilt es, das Spukschloss zu erkunden und eine Zaubertüre zu finden. Dadurch erwacht Hubi. Dann beginnt der zweite Teil, in dem die Mitspielenden Hubi gemein-

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C

häs-Stächet ist aus dem Simmental und aus Thun überliefert. In Aarberg spielte man es bis in die 1880er-Jahre hinein, und in der Gemeinde Pfaffeien im Kanton Freiburg war dasselbe Spiel unter dem Namen Chäs-Stächa bekannt. Das Spiel geht so: Man teilt einen Käselaib in einige Stücke. Dem Spieler werden die Augen verbunden, und man gibt ihm ein langes Messer oder einen Säbel in die Hand. Seine Mitspieler drehen ihn einige Male,

und leicht schwindlig versucht er nun, sich dem Tisch, auf dem der Käse steht, zu nähern. Immer dann, wenn er dem Käse tatsächlich näher kommt und ein Stück aufzuspiessen versucht, machen die anderen mit Trommeln oder Topfdeckeln Lärm, um ihn zusätzlich zu verwirren. Die Zahl der Versuche wird vor dem Spiel festgelegt, oder man einigt sich auf die Zeit, die jedem für seinen Versuch zur Verfügung steht. Den Käse, den man aufspiesst, darf man essen. •

Aus: «Tumme, Böckli, Stigeligumpe: 50 Schweizer Spiele aus alter Zeit.» Applaus Verlag, 144 Seiten, 48 Franken, ISBN 978-3-03774-018-7 # 03 ~ 2015


~ Service ~ FILMTIPPS

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~ Im Kino ~

~ Auf DVD ~

CONDUCTA – DAS VERHALTEN

KARAMBOLAGE

«Mach, was deine Grossmutter sagt», fährt der Taxifahrer den elfjährigen Chala an. «Sie ist nicht meine Grossmutter!», gibt dieser schnöde zurück und sagt, zu Carmela gewandt: «Aber ich wünschte, sie wäre es». Carmela ist eine Lehrerin, die längst im Pensionsalter wäre, sich aber unermüdlich für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzt. Im Besonderen für die sozial benachteiligten, wie es Chala einer ist. Der kubanische Filmemacher Ernesto Daranas erzählt in «Conducta» berührend die Geschichte einer ungleichen Freundschaft und dringt ins Herzstück der Errungenschaften der kubanischen Revolution vor. So verbindet er Sozialkritik mit bewegendem Gefühlskino. ~MB «Conducta» läuft in Zürich, Basel, Bern, Baden, Brugg und an weiteren Orten im Kino (siehe Tagespresse oder www.trigon-film.org)

Mit 76 Jahren wird Arnold Odermatt zum internationalen Star der Fotografie. Als Nidwaldner Dorfpolizist war es über Jahrzehnte seine Aufgabe, Unfälle mit der Fotokamera festzuhalten. Dabei wird in den Worten des berühmten Schweizer Kurators Harald Szeemann, der Odermatt 2001 an die Biennale in Venedig holte, «aus dem Unfall ein ästhetisches Spektakel». Dies geschieht durch präzise Bildkompositionen, in denen neben dem Hauptobjekt auch die Umgebung bewusst erfasst ist. Im kurzweiligen und musikalisch witzig untermalten Dokumentarfilm beschreibt der inzwischen 88-jährige Fotograf eine andere Zeit, als man für eine Schokolade über eine Stunde arbeiten musste und es keine Alkoholkontrollen bei Autofahrern gab. Eingeblendete Fotos aus Arnold Odermatts Oeuvre zeigen tragische, teilweise absurd erscheinende Unfallverläufe ebenso wie Porträts von Bergbauern an Viehschauen, berittene Polizisten und Kinder mit Zahnlücken. «Karambolage», ein Film von Gitta Gsell, Schild Productions, 2013. Als DVD erhältlich unter www.schildproductions.com oder in der Pro Senectute Bibliothek. Gesehen und beschrieben von Dieter Sulzer, Pro Senectute Bibliothek. Anzeige

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~ Service ~ BUCHTIPPS

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~ Dona Tartt ~

DER DISTELFINK ~ Clare Furniss ~

DAS JAHR, NACHDEM DIE WELT STEHEN BLIEB Die 15-jährige Pearl lebt ein normales, glückliches Teenagerleben, als ihre Welt zusammenbricht. Ihre Mum stirbt bei der Geburt der kleinen Schwester Rose. Pearl stürzt in ihre Trauer. Sie kann Rose nicht anschauen und nennt sie nur Ratte. Von ihrem geliebten Stiefvater fühlt sie sich plötzlich abgelehnt. Sie gibt ihm und Rose die Schuld am Tod der Mutter. Immer mehr versinkt sie in Selbstmitleid und egoistischem Verhalten. Sie lässt keinen an sich heran und brüskiert ihre beste Freundin ständig. Einzig die Gespräche, die sie in Gedanken mit ihrer Mutter führt, geben ihr etwas Halt und Trost. Als Granny, die bisher auf Distanz gehaltene Grossmutter, anreist, um sich um das Baby zu kümmern, fühlt sich Pearl noch mehr als Aussenseiterin in der Patchwork-Familie. Aber gerade die direkte Frau, die sich in alles einmischt und alle herumkommandiert, schafft es, einige unangenehme Wahrheiten auszusprechen, die schliesslich dazu führen, dass sich Pearl aus ihrer Verstrickung befreien kann. Der trotzige Ton, die Mischung aus Trauer und auch Witz lassen die Leserin Pearl, die es einem nicht einfach macht, ins Herz schliessen. ~BM Hanser Verlag, ab 14 Jahren, 26 Franken, ISBN 978-3-446-24626-3

Genau zum Zeitpunkt, als der 13-jährige Theo mit seiner Mutter das Metropolitan Museum of Art in New York besucht, geschieht das Unfassbare: Ein Terroranschlag verwüstet einen Teil des Museums und kostet viele Menschen das Leben. Theo

~ Ernst Haffner ~

wird von einem sterbenden alten Mann aufgefordert, das titelgebende Bild «Der Distelfink» eines alten niederländischen Meisters an sich zu nehmen und damit nach Hause zu flüchten. Erst nach langem Warten auf seine Mutter realisiert er, dass diese das Attentat nicht überlebt hat. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Doch dann taucht eine fast vergessene Person auf, und die Geschichte nimmt ihren überraschenden Lauf. Der Autorin gelingt es mit subtilem Können, die Leser in ungeahnte Abgründe eintauchen zu lassen. ~AK

Roman erhalten blieb und über den auch sonst wenig bekannt ist, erzählt darin die Geschichte einer Clique von Berliner Gassenjungen in den Tagen der Weimarer Republik; allesamt sind sie ausgerissen, manche vor prügelnden Erziehern, manche vor den Freiern ihrer Mütter. Jetzt saufen sie in verruchten Spelunken, prostituieren sich selber und müssen regelmässig vor der Polizei türmen. Der genauen Milieuschilderung merkt man an, dass der Autor die verheerenden Verhältnisse seiner Protagonisten aus eigener Erfahrung als Sozialarbeiter kennt. Man mag ihm vorwerfen, er moralisiere manchmal etwas zu sehr, und das von den Nazis verbrannte Buch ist sicher kein literarisches Meisterwerk. Aber es als eindrückliches Zeitdokument zu lesen, lohnt sich allemal. ~AK

Goldmann, 38 Franken, ISBN 978-3-442-31239-9

Aufbau Taschenbuch, 16 Franken, ISBN 978-3-7466-3069-4

BLUTSBRÜDER Rund 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde Ernst Haffners Roman «Blutsbrüder» wiederentdeckt. Haffner, von dem nur dieser eine

Erlesen und beschrieben von Andrea Kalt und Barbara Maurer, Buchhändlerinnen der Buchhandlung Librium in Baden. www.librium.ch # 03 ~ 2015


~ Service ~ POLITIK & RECHT

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~ Wirtschaft ~

~ Recht ~

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Menschen über 65 sind ein Trumpf gegen den Fachkräftemangel in der Schweiz, teilte die liberale Denkfabrik Avenir Suisse Ende Januar mit. Würde jeder Mitarbeiter nach der Pensionierung ein weiteres Jahr mit einem 50-Prozent-Pensum beschäftigt, könnten 15 000 Stellen besetzt werden, so Avenir Suisse. Auch der Arbeitgeberverband und Economiesuisse forderten kürzlich eine bessere Einbindung älterer Angestellter in den Arbeitsmarkt. Laut Avenir Suisse können sich fast 60 Prozent der über 60-Jährigen vorstellen, länger zu arbeiten, wenn die Bedingungen stimmen. Arbeitnehmer-Vertreter begrüssen die Bemühungen um die älteren Arbeitskräfte, fordern aber spezielle Schutzmassnahmen. Gewerkschafterin

Nach Art. 328 ZGB besteht eine Pflicht, Kinder und Enkel zu unterstützen, die sonst in Not geraten würden (Verwandtenunterstützung). Erhielt Ihr Enkel Sozialhilfe, kommt es vor, dass Gemeinden den Grosseltern Rechnung stellen. Oft bleibt unberücksichtigt, dass die Rückerstattungspflicht der Eltern vorgehen soll und dass eine Leistungspflicht nur trifft, wer in günstigen Verhältnissen lebt. Letzteres ist nach den unverbindlichen Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe erst ab etwa einem Jahreseinkommen von 120 000 Franken für Alleinstehende und 180 000 Franken für Verheiratete gegeben. Gegen die Rückforderungen können Sie sich oft erfolgreich zur Wehr setzen, Ihr Anwalt unterstützt Sie.

Doris Bianchi sagte zum «Tages-Anzeiger»: «Die Wirtschaft hat den Beweis noch nicht erbracht, dass sie ältere Arbeitnehmer tatsächlich fördern will. Jetzt müssen Taten folgen.» ~GG

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~ Service ~ VORSORGE

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Altersvorsorge 2020

Erste Schritte auf einem langen Weg

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m letzten November hat Bundesrat Alain Berset das Reformpaket Altersvorsorge 2020 vorgestellt. Die UBS

hat in einer Studie die einzelnen Massnahmen der Reform auf Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit geprüft und kommt zum Schluss, dass die Reform sicher ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung wäre, aber nicht der grosse Befreiungsschlag sei. Die Reform müsste mit weiteren Massnahmen ergänzt werden. Seit der letzten Auswertung der OECD hat die Schweiz nun sogar Japan bei der Lebenserwartung überholt. Mit 82,7 Jahren durchschnittlicher Lebenserwartung bei der Geburt sind wir nun ganz an die Tabellenspitze gerückt. Das ist natürlich äusserst erfreulich, verlangt aber nach einer grundlegenden Reform der Altersvorsorge. Die Reform Altersvorsorge 2020 wäre ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung, denn sie würde die Finanzierung der 1. und 2. Säule vorübergehend stabilisieren. In der Studie haben Ökonomen der UBS und Forscher der Universität Freiburg im Breisgau die langfristigen Perspektiven der Schweizer Altersvorsorgesysteme mit und ohne Reform analysiert. Laut ihren Berechnungen reduziert der Reformvorschlag die langfristige Finanzierungslücke der AHV signifikant um etwas mehr als die Hälfte von 173,4 auf 82 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).

DIE GRÖSSTEN EINZELMASSNAHMEN: • Die maximale Mehrwertsteuererhöhung um 1,5 Prozentpunkte bringt die grösste Finanzierungswirkung: Sie verringert die AHV-Finanzierungslücke um 72 Prozentpunkte gemessen am BIP. Diese Massnahme belastet primär die jungen und zukünftigen Generationen. • Die Harmonisierung des Rentenalters von Frauen und Männern reduziert die Finanzierungslücke um 15,1 Prozentpunkte des BIP. • Die Neuausrichtung der Witwenrenten auf die Kinderbetreuung trägt 10,2 Prozentpunkte des BIP zur Reduktion bei. • Hingegen belasten die Flexibilisierung des Rentenbezugs, die Vereinfachung der Finanzflüsse zwischen Bund und AHV und die Vorbezugs-Sonderregelung für Personen mit niedrigen Einkommen die AHV langfristig um 9,6 Prozentpunkte des BIP.

vorsorge 2020 nur vorübergehend und nicht vollständig wiederhergestellt. Um die mittel- bis langfristige Finanzierung der Altersvorsorge zu garantieren, müsste die Reform in Zukunft durch weitere Massnahmen ergänzt werden. Die Nachhaltigkeit des Vorsorgesystems wird erst erreicht, wenn versicherungsmathematische und demografische Fakten entpolitisiert Eingang in unser Vorsorgesystem gefunden haben – dies ist in der Reform Altersvorsorge 2020 noch nicht erfolgt. Ergänzende Massnahmen wie eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung oder eine zeitweise Aussetzung der Anpassung der AHV-Renten an die Lohn- und Inflationsentwicklung würden die Sanierungslast etwas gleichmässiger auf die Generationen verteilen. Trotzdem müssen sich zukünftige Generationen auf höhere Belastungen einstellen. Auf Dauer müssen auch in der Schweiz das Rentenalter und die Steuern erhöht werden, um die Finanzierung der Sozialsysteme zu ermöglichen. Erfahren Sie mehr zu der UBS Studie unter www.ubs.com/vorsorgeforum oder schreiben Sie uns auf vorsorge@ubs.com

Laut der UBS-Studie wird durch die Reform auch die Nachhaltigkeit der 2. Säule verbessert. Die vorgeschlagene Herabsetzung des Mindestumwandlungssatzes im BVG-Obligatorium von 6,8 auf 6,0 Prozent wird jedoch schon bald durch die steigende Lebenserwartung überholt sein. Die ungedeckten Leistungsverpflichtungen in der 2. Säule verringern sich durch die Reform zwischen 0 bis 30 Prozent. Die finanzielle Stabilität der 1. und 2. Säule würde aber durch die Reform Alters# 03 ~ 2015

DR. VERONICA WEISSER UBS Ökonomin und Vorsorge-Expertin.


~ Service ~ MULTIMEDIA

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MIT DIESEN APPS KÖNNEN SIE IHRE GERÄTE BEDIENEN

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MUT ZUR APP Viele Unterhaltungsgeräte lassen sich einfacher und komfortabler mit einer App statt dem gewohnten «Fernsteuer-Knochen» bedienen. Von KURT HAUPT (Text)

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iemand würde sich ein Cabriolet kaufen und dann niemals das Verdeck öffnen. Ganz anders sieht es da in der heimischen Unterhaltung aus. In der guten Stube finden sich viele «smarte» Geräte, deren Funktionen teilweise brach liegen, weil man sie lediglich mit der üblichen Infrarot-Fernbedienung steuert. Das ist zwar gewohnt und einfach. Wenn man aber auf einem Smartphone oder einem Tablet die zugehörige App installiert hat, entdeckt man neue Funktionen und geniesst mehr Komfort.

TV Remote 2 von Panasonic kopiert eine Diashow vom Handy direkt auf das TV-Gerät.

Mit der App LG TV Remote wird ein Tablet zum Touchpad für die TV-Steuerung.

Dank der Loewe Smart Assist kann man Aufnahmen sogar von unterwegs programmieren.

Philips TV Remote App bringt das Fernsehheftli auf das Tablet oder Smartphone.

WLAN ALS ERSTER SCHRITT Damit sich Unterhaltungsgeräte per App bedienen lassen, müssen sie mit dem heimischen Netzwerk verbunden sein. Dies geschieht meist drahtlos über ein WLAN (Wireless Local Area Network). Dem Gerät muss dafür einmalig beigebracht werden, wie das heimische WLAN heisst und wie dessen Sicherheitsschlüssel (WEP-Key) lautet. Diese Installation ist je nach Marke und Modell anders, wird in der Bedienungsanleitung aber meist gut erklärt. Alternativ kann man die meisten Geräte # 03 ~ 2015

Samsung SmartView kann sogar das Live-TV-Bild auf dem Mobilgerät wiedergeben.

Sony TV Sideview bringt persönlich angepasste Programmvorschläge auf Handy und Smartphone.

Toshiba Remote bietet auf Mobilgeräten alle Fernsteuerfunktionen.


~ Service ~ MULTIMEDIA

auch per Ethernetkabel ans Heimnetz anschliessen. Ist ein Heimunterhaltungsgerät – das reicht vom Radio bis zum Fernseher – mit dem Heimnetz und dem Internet verbunden, erhält es dadurch meist einen Intelligenzschub. Radios können so plötzlich tausende Internetsender abspielen, und am Fernseher hat man plötzlich auch die Videos von YouTube. FERNSEHHEFTLI AUF DEM TABLET Noch mehr Komfort erhält man, wenn man die zum Gerät passende App auf dem Smartphone oder dem Tablet installiert. Diese findet man im jeweiligen Appstore von Google, Apple oder Microsoft. Als Suchbegriff tippt man Herstellernamen oder die Modellbezeichnung ein. Die Apps sind normalerweise kostenlos. Nach dem Start der App profitiert man von vielen neuen Funktionen. Bei Fernsehern von Samsung, Philips, Loewe und Toshiba findet man beispielsweise das Fernseh-Programm-Heftli (EPG) auf dem

Tablet. Tippt man eine Sendung an, schaltet der Fernseher automatisch um oder programmiert eine Aufzeichnung. Kommt allerdings das TV-Signal via Zusatzbox eines Telefon- oder Kabelnetzanbieters, muss man für diese Funktionen die App von Cablecom oder Swisscom installieren. FERNSEHEN IN DER KÜCHE Via App bieten auch viele TV-Geräte sogenanntes Streaming. Das Bild vom TV-Gerät wird dabei auf ein Tablet oder Smartphone umgeleitet. Plagt einen also während der Lieblingssendung der Hunger, leitet man das Bild auf das Tablet um und verfolgt die Sendung in der Küche. Viele Apps streamen sogar in der Gegenrichtung. Fotos und Filme, welche mit dem Smartphone gemacht wurden, lassen sich dann einfach auf dem grossen TV geniessen. Selbst bei der alltäglichen Steuerung bieten die Apps Vorteile. Die Senderauswahl ist einfacher, weil man Logos antippen kann, die sich auch einfach umsortieren

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lassen. Wer mehrere Geräte einer Marke hat, kann diese gemeinsam in einer App steuern: Der Fernseher kooperiert so noch besser mit dem Kino-Verstärker oder der Sound-Bar. Dank Apps dürfen Unterhaltungsgeräte sogar aus dem Blickfeld verschwinden. Weil die Steuersignale via Funk und nicht mehr via Infrarot übertragen werden, ist kein Blickkontakt zwischen dem Sender und Empfänger der Befehle nötig. Verlieren kann man beim Ausprobieren der Apps übrigens nichts. Die gewohnte Infrarot-Fernbedienung funktioniert weiterhin. Wer also mit der App nicht zurecht kommt, drückt wie bisher auf die Plastiktasten.•

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Impressum

Vorschau #4 / 2015

Verlag GROSSELTERN MAGAZIN www.grosseltern-magazin.ch

Ausgabe 03/2015 Erscheinungsweise Monatlich, 10-mal im Jahr Auflage 20 000 Exemplare Preise EINZELPREIS CHF 9.50 JAHRESABO CHF 85.– (10 Ausgaben) 2-JAHRESABO CHF 160.– (20 Ausgaben) PROBEABO CHF 20.– (3 Ausgaben) JAHRESABO EUROPA CHF 120.– (10 Ausgaben) Copyright Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Für unverlangte Einsendungen wird jegliche Haftung abgelehnt. Herausgeberin 3G MEDIA GMBH Bahnhofstrasse 7 CH-5400 Baden +41 56 558 91 77 info@3g-media.ch Druck & Vertrieb AVD GOLDACH AG www.avd.ch

Erscheint am 27.03.2015

Verleger DOMINIK ACHERMANN Redaktion GEORG GINDELY –GG Chefredaktor +41 56 558 91 77 georg.gindely@grosseltern-magazin.ch MELANIE BORTER –MB Stv. Chefredaktorin +41 56 558 91 77 melanie.borter@grosseltern-magazin.ch PIUS ACHERMANN –PA Redaktor pius.achermann@grosseltern-magazin.ch Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe Thomas Baumann, Christa Camponovo, Sarah Fasolin, Monika Fischer, Annette Frisch (AF), Eva Geel, Beat Gloor, Peter Graf, Kurt Haupt, Myriam Jäger, Andrea Kalt (AK), Rolf Käppeli (RK), Katharina Ley, Barbara Maurer (BM), Paul W. Meier, Marie-Anne Spross, Liz Sutter (LS), Maren Tromm (MT), Barbara Weber-Ruppli, Veronica Weisser, Eli Wilhelm, Monika Zech Fotografie Daniel Ammann, Thomas Burla, Susanne Keller, Benjamin Manser, Esther Maurer, Dominique Meienberg, Tibor Nad, Sophie Stieger Illustrationen François Chalet, Descience, Marie-Anne Spross, Paula Troxler

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Der Wein des Jahres ist da!

69.–

DON PASCUAL NAVARRA 2012: Vollmundig, aromatisch und herrlich ausgewogen

50 % Degustationsrabatt auf 6 Flaschen + 2 Kristall-Weingläser

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Ja, ich bestelle ein Degustations-Paket mit 6 Flaschen DON PASCUAL

Navarra 2012 und 2 exklusiven Kristall-Weingläsern zum Netto-Preis von nur CHF 69.– statt CHF 139.30. (inkl. Versand). Das sind über 50% Rabatt! Max. 1 Degustations-Paket pro Haushalt. Coupon in Kuvert einsenden an: SCHULER St.JakobsKellerei, Franzosenstrasse 14, 6423 Seewen-Schwyz.

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