SCHWEIZ
JETZT NU
ABSEITS DES ALLTÄGL
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3,80 CHF
EISBERGALARM
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Snowboarden in der Antarktis
STUNDEN PARTY
DANIEL KEHLMANN
SO ÜBERSTEHST DU 200.000 BASS-SCHLÄGE
JANUAR 2015
CHF 3,80
schreibt in The Red Bulletin
MADS MIKKELSEN
HANNIBAL Und was wir von Dr. Lecter lernen können
Ziehen Sie die ersten Spuren in den Schnee. Der neue GLA mit dem Allradantrieb 4MATIC. Jetzt als «Swiss Star Edition» mit CHF 7220.–* Preisvorteil. Machen Sie den Winter zu Ihrem Abenteuer. Der neue GLA mit 4MATIC behält immer volle Traktion – egal, welche Strassenverhältnisse Sie erwarten. Und als Sondermodell «Swiss Star Edition» ist er jetzt bereits für CHF 42 900.–* erhältlich. Erleben Sie den neuen GLA bei Ihrem Mercedes-Benz Partner. www.mercedes-benz.ch/4matic
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DIE WELT VON RED BULL
26 SNOWBOARD ANTARCTICA
Atemberaubende Bilder eines eiskalten Snowboard-Trips ans südliche Ende der Welt.
KENNETH WILLARDT/CORBIS OUTLINE (COVER), TERO REPO, MATT GEORGES
WILLKOMMEN! „Abgesehen von seinen Ernährungs gewohnheiten ist Hannibal Lecter kein typischer Psychopath. Machen Sie nicht den Fehler, ihn zu reduzieren!“ Sätze wie diese machen Mads Mikkelsen zum Glücksfall eines Interview-Partners: schlagfertig, ironisch, ernsthaft, offen. Beim Red Bulletin-Termin in London war der Däne zudem rührend um unser aller Fortkommen bemüht. Er verriet etwa, wie man jene Stufe der Weisheit erreicht, auf der man „nur den eigenen Gedanken und der inneren Musik“ zu folgen gelernt hat: „durch Radfahren“ nämlich. Mehr ab Seite 40. Viel Vergnügen mit diesem Heft! Die Redaktion THE RED BULLETIN
„Schmerzen und Spass schliessen einander nicht aus.“ KILIAN JORNET, SEITE 60
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JANUAR 2015
AUF EINEN BLICK BULLEVARD 16 CHANGE Das Leben ist Veränderung. (Auch wenn man sein Leben ändert.)
FEATURES
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26 Snowboard Antarctica Wie man Eisberge mit dem Snowboard befährt: hier die Bilder.
40 Mads Mikkelsen
MADS MIKKELSEN
Europas aktuell grösster (und fleissigster) Filmstar im Exklusiv-Interview.
Der Däne ist Hannibal Lecter. Und mag ihn sogar. Ein Interview über Leben und Tod.
46 Jesse Hughes
Ein Tag und eine Nacht in der Wüste. Mit dem Ober-Eagle of Death Metal.
54 Stéphane Peterhansel liebt Dakar, wo immer Dakar ist.
56 Baauer
58 Undiscovered Soul
wollen sich nicht entdecken lassen. Und haben Erfolg damit.
76 72 30 STUNDEN PARTY
200.000 Bass-Drum-Schläge, 20 DJs, 8500 Tänzer: Wenn das Fabric in London Geburtstag feiert, dann ordentlich.
60 Kilian Jornet
kann Berge lesen. Und schneller hinauflaufen als sonst jemand.
KTM FREERIDE E
Mountainbike-Trial-Superstar Danny MacAskill ist frisch verliebt: in eine KTM, die mit Strom fährt.
46 54 EAGLES OF DEATH METAL
Jesse Hughes sieht sich als legitimer irdischer Statthalter der Götter des Rock ’n’ Roll. So was interessiert uns. 6
STÉPHANE PETERHANSEL
„Unterm Helm bist du immer allein“: Der elffache Dakar-Sieger ist 49. Und fährt den Jungen immer noch davon.
ACTION! 72 73 74 75 76 82 83 84 86 88 90 93 96 98
PROFI-GEAR Danny MacAskill TRAINING NBA-Star Harrison Barnes TRAVEL Schweizer jumpen Woopy CITY-GUIDE Auf nach Danzig! NIGHTLIFE 30 Stunden im Fabric CLUB Lürzer Alm, Obertauern MUSIK Pop-Genie Ariel Pink GAMING Wie Gott in der Sandkiste WINGS FOR LIFE WORLD RUN Winterfit SAVE THE DATE Was so ansteht TV-HIGHLIGHTS Red Bulls TV-Fenster READ BULL von Daniel Kehlmann IMPRESSUM MAGIC MOMENT
THE RED BULLETIN
KENNETH WILLARDT/CORBIS OUTLINE , ALEX DE MORA (2), KTM, FLAVIEN DUHAMEL/RED BULL CONTENT POOL
sucht Töne, die es im Web nicht gibt.
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Passat Limousine 1.4 TSI BMT, 125 PS, 6-Gang manuell, Energieverbrauch: 5.4 l/100 km, CO2-Emission: 125 g/km (Durchschnitt aller verkauften Neuwagen: 148 g/km), Energieeffizienz-Kategorie: k.A. Homologation in der Schweiz noch nicht abgeschlossen. Abgebildetes Modell Passat Variant Highline 2.0 TDI BMT, 150 PS, 6-Gang manuell inkl. Mehrausstattung (R-Line Exterieur, Metallic-Lackierung, LED-Scheinwerfer, 19" Leichtmetallräder, Panoramadach): Fr. 51’320.–. Preisänderungen vorbehalten.
*
CONTRIBUTORS MIT AN BORD IM JANUAR
„Ich hing am Tandem-Para gleiter-Piloten und fotografierte die Eisberge der Antarktis von oben.“ Tero Repos Ausflug hat sich gelohnt. „Snowboard Antarctica“, Seite 26.
NORMAN HOWELL
TERO REPO
DANIEL KEHLMANN
Der britische Journalist hat eine Menge Top-Athleten interviewt, doch nur wenige beeindruckten ihn so wie der spanische Extrem-Bergläufer Kilian Jornet. „Ich bat ihn, ein steiles Bergstück voller Dickicht und Felsen hinauf zulaufen, und traute meinen Augen nicht. Mühelos schien der Kerl den Hang schier hinaufzufliessen, sein Laufstil blieb dabei stets elegant. Was ihn noch auszeichnet? Demut, Bescheidenheit, bedingungslose Liebe zur Natur – ein faszinierender Typ.“ „Athlet, Ästhet, Asket“, ab Seite 60.
Dass er als Finne kein besonderes Problem mit Kälte hat und als langjährig erfahrener Freerider ein Gefühl für Tiefschnee, waren nur zwei Voraussetzungen, um diesen Job zu meistern: eine SnowboardExpedition per Segelboot in die Antarktis („Snowboard Antarctica“, ab Seite 26). Für den 36-Jährigen hielt der Trip dennoch eine echte Herausforderung bereit: „Wir hatten einen Tandem-Paragleiter dabei. Ich hing am Piloten dran und fotografierte während unseres Flugs die Eisberge von oben.“
Ein Besucher nimmt in einem dänischen Museum einige Tage Quartier: Für seine Kurzgeschichte hat der mehrfach preisgekrönte Autor vom Leben abgeschrieben. „Ich war in Dänemark im Wohnhaus einer Dichterin, tatsächlich war es dort so schön, dass mir der Gedanke kam, einzuziehen.“ Hier enden die Parallelen: Tanja Blixens Bücher in ihrem Museum/Wohnhaus haben wenig mit jenen der Dichterin in Kehlmanns Story gemeinsam, und auch der Held ist wagemutiger. „Im schönen Haus“, ab Seite 93.
THE RED BULLETIN WELTWEIT
The Red Bulletin erscheint in elf Ländern. Im Bild: das Winterspecial-Cover in den USA
BACKSTAGE
Fotoshoot des Monats mit Alex de Mora „Dass ein Club 30 Stunden offen hat, ist verrückt. Dort 30 Stunden zu shooten ist noch verrückter“, sagt der Londoner Fotograf Alex de Mora über seinen jüngsten Job in Londons Partytempel Fabric, wo er Samstag bis Drei Tage wach beim Partymarathon Montag Gäste und DJs knipste. „Zum Glück hält dich der konstante Techno-Rhythmus wach. Bei Folkmusik hätte ich nie so lange durchgehalten.“ „30 Stunden Party“, Seite 76.
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30 Stunden feiern: Autor Florian Obkircher (li.) und Musikfotograf de Mora in London
THE RED BULLETIN
Julien Absalon
2014 World Champion fourstroke | World Champion Weaponry Equipped with BMC’s Advanced Pivot System (APS)
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K AL AHARI -WÜ STE , S Ü DAFRI K A
BLITZSTART „Du, dein Auto und der Horizont“ – mit diesem Slogan lockt die Kalahari Desert Speedweek seit 2012 Oldtimer-Fans aus der ganzen Welt in die Trockensavanne. Das Versprechen: Gas geben ohne Verkehrsregeln – ob im Klassiker-Boliden oder auf dem Bike. Die Jagd nach dem Speed-Rekord startet im südafrikanischen Teil der Wüste. Vorteil der Location: Sie ist doppelt so groß wie Spanien. Platz zum Ausrollen gibt’s also genug. www.speedweeksa.com Bild: Tyrone Bradley
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LO N D O N , G RO S S B RITAN N I EN
STREET-STYLE Das Konzept der Red Bull Local Heroes-Tour ist simpel: Vier BMX-Profis bereisen Großbritannien auf der Suche nach lokalen Skateparks und Talenten. Fehlt der Skatepark, trickst man auf artfremdem Terrain – etwa der Westminster Bridge vor dem britischen Parlament. Die Radwege-Markierungen werden dabei mitunter optimistisch ausgelegt, wie die Pros Anthony Perrin, Simone Barraco, Bruno Hoffmann und Kriss Kyle (v. li.) zeigen. www.redbull.com/bike Bild: Rutger Pauw/Red Bull Content Pool
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YU C ATÁN , M E XI KO
FALL-STUDIE Ein gigantisches Tauchbecken mitten im Dschungel? Diese für Mexiko typischen „Cenotes“ entstehen, wenn Decken von Kalksteinhöhlen einstürzen und sich der Krater darunter mit Süßwasser füllt. Ein perfekter Ort für das Finale der Red Bull Cliff Diving World Series 2014. Im Bild sehen Sie die Aufwärmsprünge der Athleten. Abgesprungen wurde in 19 Meter Höhe, der zu dem Zeitpunkt bereits als Weltmeister feststehende Gary Hunt (GBR) rotiert als Zweiter von links. www.redbullcliffdiving.com Bild: Romina Amato/Red Bull Cliff Diving
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B U L L E VA R D
* Sagt Mark Twain. (Der übrigens seinen Namen geändert hat.)
REVOLUTION
JETZT BIST DU DRAN!
NST DIE D U K A NÄ N D E R N . W E LT H S E L B S T. C O D E R DZI W E I T E I S T D A S I E R I G E R .* SCHW
Der Schnellsprecher als Buchautor: Russell Brand macht der Welt Lust auf politischen Aktivismus. In seinem früheren Leben ging er als Terrorist verkleidet zur Arbeit, war heroinabhängig und prahlte öffentlich mit seinen Bettgeschichten. Heute scheint Russell Brand geläutert: Das britische Multitalent isst vegan, praktiziert Transzendentale Meditation. Und nimmt sich jetzt die Welt zur Brust: In seinem Buch „Revolution“ ruft der Jesus unter den Comedians zum radikalen Wandel des politischen Systems auf. Und wie? Fang am besten bei dir selbst an! BUCHTIPP: Russell Brand, Revolution. Erschienen bei Cornerstone, 2014.
BULLEVARD
DEINE ENTSCHEIDUNG
Sexy Seitenwechsel
MUSST DU DICH VERÄNDERN? NIMM ES IN DIE HAND!
Die wichtigsten Fragen im Leben lassen sich einfach beantworten. Wenn du ehrlich bist.
Demonstranten weltweit zeigen: Wenn du etwas bewirken willst, musst du auch etwas tun. Das:
BIST DU UNGLÜCKLICH?
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N
ZEIG GRÖSSE! Aktivisten gegen das Freihandelsabkommen TTIP schleppen schwer an ihrem „Chlorhuhn“.
WÄRST DU GERNE GLÜCKLICH?
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WILLST DU DEIN LEBEN VER ÄNDERN?
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ZIEH DICH AUS! Da Radfahren in Madrid immer gefährlicher wird, entblättern sich Radler für mehr Radwege.
MACH WEITER WIE BISHER.
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N
BIST DU BEREIT, FÜR EINEN NEU START ZU LEIDEN? SO RICHTIG?
N
J
THE RED BULLETIN
Nein
SCHREIB ES AUF! FEMEN demonstrieren gegen sexuelle Aus beutung von Frauen. Da schaut kein Polizist weg.
WIE? ERFÄHRST DU AUF DEN NÄCHSTEN SEITEN.
N
Lass dich überraschen! Andreja Pejić heißt dieses Model aus Australien, das es liebt, unsere Vor stellungen von „männlich“ und „weiblich“ durch einanderzuwirbeln. Geboren und aufgewachsen als Junge, entdeckte Andrej als Teenager seine weibliche Seite und eroberte schließlich die Laufstege von Paris – in Männer- und in Frauenmode. Vom Männer magazin „FHM“ unter die 100 Sexiest Women gewählt, lebt die 23-Jährige heute ganz offiziell als Frau.
CHANGE YOUR LIFE!
Ja
MACH STUNK! Misthaufen vorm Ber liner Reichstag: ATTACGlobalisierungsgegner haben die Nase voll.
J
DEAN CHALKLEY, GETTY IMAGES, FOTOLIA, REUTERS(4), CORBIS
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BULLEVARD
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ENTDECKE DEIN WAHRES ICH UND ENTFALTE DEIN VOLLES POTENTIAL Wir zeigen dir, wie du in sieben Tagen zu einem völlig neuen Menschen wirst. Und zu einem viel, viel besseren.
MONTAG
DIENSTAG
MITTWOCH
FINDE DEN FEHLER!
SUCHE DEN SINN!
RAUS AUS DEM ALLTAG!
Kein Mensch ist perfekt. Und du schon gar nicht, oder? Antwortest du auf nur EINE dieser Fragen mit JA, dann bleiben dir nur noch sechs Tage, endlich NEIN sagen zu lernen.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Hinterfrag deinen Alltag und sei ehrlich zu dir selbst. So wirklich ehrlich!
Das Leben beginnt erst außerhalb der Komfort zone. Also: Geh raus und mach genau das Gegenteil von all dem, was du sonst machst. Spür den Wind of Change!
DU … … bist zu schüchtern, dein eigenes Spiegelbild anzusprechen? … aktualisierst deine Status meldungen nur noch per Copy and Paste? … stehst morgens nur auf, damit du dich am Abend wieder hinlegen kannst? … schaffst es nicht mal im Sitzen, deine Zehen zu berühren? … betrachtest den abwechseln den Verzehr von Fertigpizza und Chicken Nuggets als ausgewogene Ernährung? …d enkst bestenfalls dann an Neustart, wenn dein Com puter abstürzt?
Dann wird’s höchste Zeit, die Ärmel hochund dein Leben umzukrempeln.
1. Wenn du eine Sache an dir schlagartig ändern könntest, wäre das: A mein Körper B mein Charakter C meine Intelligenz
Und änderst du im Alltag jetzt schon was d aran?
2. Gibt es eine Sache, die du immer schon tun wolltest, aber nie getan hast – obwohl sie kein Geld kostet? A Ja.
Worauf wartest du also? B Nein.
Weil du so einfallslos bist?
3. Hast du ein Geheimnis, das deine Beziehung gefährdete, wenn es öffentlich würde?
Ist dein Geheimnis so krass oder deine Beziehung so schwach? B Nein. Ist deine Partnerin/dein Partner so verständnisvoll oder dein Leben so glatt gebügelt?
A Weltberühmt,
aber unglücklich. B Steinreich, aber unbeliebt. C Im Beziehungsglück, aber
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Geh in eine Boutique, zieh in der Garderobe alle deine Kleider aus, lege sie ins Regal neben der Kasse, zwinkere der Verkäuferin „Stimmt so!“ zu und spaziere nackt bei der Tür hinaus. Sag deinem Chef, du würdest ernsthaft dar über nachdenken, sein Gehalt zu kürzen. Ruf deine Mutter an und erkundige dich, ob sie immer brav ihren Teller leer isst. Frag deine Freundin, was sie gerade denkt. Wenn du keine hast, frag deine Therapeutin.
A Ja.
4. Welches dieser Schicksale würdest du wählen?
Nur wer seinen eigenen Stil findet, kann mit beiden Beinen im Leben stehen.
Schleich dich in eine Selbst hilfegruppe für ehemalige Sektenmitglieder ein und stell dich als ihr neuer A nführer vor.
mittellos. Und welches der drei kommt deinem echten Leben am nächsten? Wirklich C? Bist du dir sicher?
„Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.“ LEO TOLSTOI (1828 – 1910)
THE RED BULLETIN
FOTOLIA(2), REUTERS, CORBIS
DER PERFEKTE WOCHENPLAN
BULLEVARD
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DONNERSTAG
FREITAG
SAMSTAG
SONNTAG
KNÜPFE KONTAKTE!
BEWEG DEINEN HINTERN!
AKZEPTIERE DEINE LASTER!
WILLKOMMEN IM NEUEN LEBEN!
Soft Skills sind eine harte Währung: Nur wer seine Mitmenschen begeistert, kann sein Sozialkapital maximieren. Also, misch dich unters Volk!
Widme diesen Tag deinem Körper. Geh Rad fahren. Oder schwimmen. Mach einen Klimmzug. Oder lauf zumindest die letzten zehn Meter zum Bus.
Fünf Schritte vorwärts, ein Sprung zurück: Komm dem Jo-Jo-Effekt zuvor und schließ Frieden mit deinem inneren Schweinehund!
Und, spürst du schon, wie die Kraft deines neuen Selbst in deinen Adern pulsiert? Dann lass dich einfach fallen und genieße jeden Moment!
Schmeiß den Ofen an und leg eine Pizza ein – belegt mit Chicken Nuggets. Trink vierzehn Flaschen Wein wie Gérard Depardieu. Wenn du dann noch stehen kannst (zwinker!), hab hemmungslosen Sex. Am Ende des Tages schreibst du einen Brief an dich selbst. Die Zeilen erinnern dich dar an, dass du für dein früheres Leben zu alt geworden bist.
Entblöße dein wahres Ich – und deine Mitmenschen werden auf dich fliegen!
EISBRECHER
FOTOLIA(2), REUTERS, GETTY IMAGES, NASA
Betretenes Schweigen ist dein Markenzeichen? Bald nicht mehr! Versuche heute, mit fünf wildfremden Leuten ins Gespräch zu kommen. SMALLTALK-TIPPS Streue interessante Fakten ein, am besten übers Wetter. Beispiel: „Wussten Sie, dass über 80 Prozent der Men schen, die vom Blitz getrof fen werden, Männer sind?“ Mach deinem Gegenüber ein nettes Kompliment. Etwa: „Schickes Toupet! Darf ich das mal anprobieren?“ Interessante Fragen halten jedes Gespräch am Laufen: „Wann haben Sie zuletzt über die Endlichkeit Ihrer Existenz nach gedacht?“
THE RED BULLETIN
ENTSPANNUNG MIT YOGA Die Skorpion-Übung in drei einfachen Schritten: 1 Einatmen. 2 Ausatmen. 3 Skorpion-Stellung
einnehmen.
Am Montag sehen wir uns wieder !
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BULLEVARD
QUANTIFIED ART
LESE-STOFF Für Karrieristen: Diese Klassiker führen dich zur Macht. Merk dir jeweils nur einen Satz!
NICCOLÒ MACHIAVELLI: IL PRINCIPE „Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindruck des Augenblicks ab, dass einer, der sie täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen lässt.“
ES GIBT IMMER EIN ERSTES MAL
AVANTGARDE IM ALLTAG Joggen, Hände waschen, T-Shirts tragen: Ja, auch diese Dinge mussten erst erfunden werden. Unser Dank den drei Helden.
IGNAZ SEMMELWEIS Der Budapester Arzt bat seine Kol legen, sich vor OPs die Hände zu waschen. Und erntete Spott dafür.
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JERRY MORRIS Konnte in den 1950ern nach weisen: Regelmäßig laufen ist ge sund. Und nicht bloß anstrengend!
ROBERT GREENE: 48 LAWS OF POWER „Von Wagemut ver ursachte Fehler lassen sich durch noch mehr Wagemut korrigieren. Alle bewundern den Tapferen; niemand ver ehrt den Feigling.“
DEIN NEUES, ECHTES SELFIE Mit Bewegungsdaten lässt sich einiges anstellen: Missbrauch oder Kunst. Schritte, Likes, Suchanfragen: Alles, was wir tun, lässt sich in Zahlen messen. Oft ohne unsere Zustimmung. Die USKünstlerin Laurie Frick macht das Beste aus ihren Daten, nämlich Kunst. Für alle, die es ihr gleichtun wollen, hat sie eine App entwickelt, die den Blick auf dich verändern wird. FRICKbits sammelt deine Standortdaten. Je mehr du dich bewegst, desto bunter werden die Bilder.
Du kannst deine Kunst mit ande ren teilen. Oder sie löschen. Mit samt deinen Da ten, hoffen wir.
KOBAL COLLECTION, GETTY IMAGES, IMAGO
MARLON BRANDO trug in „A Streetcar Named Desire“, was damals als Unter wäsche zu verbergen war: ein weißes T‑Shirt. Heute ist es total normal.
DALE CARNEGIE: HOW TO WIN FRIENDS AND INFLUENCE PEOPLE „Sprechen Sie zu den Menschen über sie selbst, und sie werden Ihnen stundenlang zuhören.“
THE RED BULLETIN
BULLEVARD
KARRIERE-KNICK
ZURÜCK AN DEN START
MICHAEL JORDAN beendete 1993 seine Basketball-Karriere, um, ja, BaseballProfi zu werden. 1995 war er zurück in der NBA.
Nicht jeder Kurswechsel führt an bessere Ufer. Wir lesen immer nur von Menschen, die ihr Leben komplett geändert und so zum Erfolg gefunden haben. Doch bei diesen Berühmtheiten ist es genau umgekehrt gelaufen – vielleicht, weil sie ihre wahre Berufung schon längst entdeckt hatten.
NAOMI CAMPBELL wollte auch als Sängerin durchstarten, doch ihr DebütAlbum floppte. Wer es anhört, weiß, warum.
LUDWIG WITTGENSTEIN fühlte sich zum Lehrer berufen – fünf mühsame Jahre später war er wieder Philosoph. Logisch.
„Das Leben ist nirgends leicht.“ LUDWIG WITTGENSTEIN (1889 – 1951) FRANKIE MUNIZ beschloss 2006, eine Karriere als Profi-Rennfahrer einzuschlagen. Und gewann prompt – einen Fairness-Award.
GETTY IMAGES(4)
DIETMAR KAINRATH
KAINRATH – DAS KLEINE 2 × 2
BEZIEHUNG
THE RED BULLETIN
ERZIEHUNG
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BULLEVARD
UPDATE FÜRS LEBEN
Mehr Zukunft ins Heute! Bitte.
GIBT’S DA KEINE APPS DAFÜR?
Wie sollen wir unser Leben ändern, wenn es diese Dinge noch immer nicht gibt? Okay, das mit der Liebe: Liebe gibt es, fehlt nur der Mut.
BEAMEN STATT FLIEGEN Spart Zeit und vielleicht auch Energie. Doch die TomatensaftLobby ist einfach zu mächtig.
MUND AUF, DAMIT WAS AUS DIR WIRD!
Doch. Hier sechs Buttons, die dein Leben besser machen.
Diese drei Delikatessen verändern dich von innen. Glaub uns das!
SCHÖNER Diese Hanfsamen be rauschen zwar nicht, lie fern aber den perfekten Proteinflash. Dein Körper verbrennt kein Gras, sondern Fett – und wird schön schlank und fit.
STÄRKER In Asien ranken sich Mythen um Schlangen blut, das neben der Immunabwehr auch die Manneskraft stärken soll. Harte Fakten freilich gibt es dazu keine. Bleibt nur der Selbstversuch.
SCHWITZEN Sieben Minuten am Tag reichen für den Adoniskörper. Mit „FitnessCoach“.
WINGMAN „BroApp“ schickt deiner Freundin SMS, wenn du es vergessen hast.
ARSCHTRITT Egal welches Ziel du hast: „Beemin der“ erinnert dich, am Ball zu bleiben.
STECHUHR „Toggl“ misst deine Arbeitszeit und merkt genau, wenn du herumtrödelst.
ENDLOS-PARTY Findet immer den besten Club, die beste Bar in deiner Nähe: „event0“.
GLÜCKSBRINGER Beginne den Tag positiv mit einem Eintrag im „Five Minute Journal“.
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FREIE LIEBE Es lebe die Polyamorie! Wie man mit nur einem Partner ewig glücklich wird, bleibt uns nämlich ein Rätsel.
ALLESKÖNNER Waschmaschine und Computer waren ein guter Anfang. Aber wo bleibt er denn nun, der Haushaltsroboter?
Und was bringt das neue Jahr?
CORBIS(3), FOTOLIA(3), GETTY IMAGES(3)
NACHWUCHS Mit ihnen hätten wir gut lachen: Zähne, die ewig nachwachsen. Kann doch kein Problem sein, Biotech-Nerds!
DIETMAR KAINRATH
DIALOG DER DOSEN
KLÜGER Weinbergschnecken sind das Brain Food schlecht hin. Ihre Omega-3-Fett säuren regen das Ge dächtnis an, und das Schilddrüsenhormon T3 steigert unsere Hirn aktivität. Blitzschnell!
THE RED BULLETIN
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INSPIRED PERFORMANCE
Abgebildetes Modell: Infiniti Q50 Eau Rouge Concept. Dieses Modell ist ein Konzeptfahrzeug und nicht im Handel erhältlich. Serienfahrzeuge können von der Studie abweichen. Für mehr Informationen zum Infiniti Q50, besuchen sie www.infiniti.eu
BULLEVARD
WIRKLICH GUTE VORSÄTZE
TU DAS IM NEUEN JAHR! Mit dem Rauchen aufhören, weniger trinken, mehr Sport: Gähn! Wir haben fünf echt hilf reiche Tipps für den Rest deines Lebens.
Ach du heilige Schei*e! Auf diese Gadgets können wir gern verzichten.
Denkkappe Kraniale Neurostimulation, so nennen Wissenschaftler das, was dieses Ding mit dir anstellt. Einfacher gesagt: Foc.us regt mit Stromstößen dein Gehirn an und soll dich so leistungsfähiger machen. Elektro-schockierend!
Nervensäge
HAB VIERMAL SEX! (RELAX – PRO WOCHE!) Eine griechische Studie zeigt: Menschen, die mindestens viermal die Woche Sex haben, verdienen um drei Prozent mehr als solche, die nur einmal in der Woche dürfen. Oder wollen. Oder können.
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LASS DICH NICHT BEFÖRDERN! Wer mehr kann, als sein Job ihm abverlangt, wird befördert. So lange, bis die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht ist. Besagt das sogenannte Peter-Prinzip – und so mancher Chef ist der lebende Beweis.
PROKRASTINIERE – ABER RICHTIG! Schiebst du gern Dinge auf? Wissenschaftler haben herausgefunden: Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Wer bewusst vertagt, kann mit Druck besser umgehen. Und surft auf der Adrenalinwelle.
HAPIfork schlägt Alarm, wenn du zu viel Essen in dich hineinschaufelst. Wer sich von der Gabel nicht bevormunden lassen will, muss mit der Hand essen. Das macht wirklich happy!
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VERLASS DICH NICHT AUF DEIN BAUCHGEFÜHL! Intuition führt in die Irre, weil wir uns auf unsere Umwelt nicht verlassen können. Deshalb: Nur überlegte Entscheidungen treffen! Nobelpreisträger Daniel Kahneman hat darüber lange nachgedacht.
Fotokanone Wiegt 20 Gramm, ist nicht viel größer als ein Daumennagel und schießt pro Minute zwei Fotos. „Narrative Clip“ speichert also jeden Moment deines Lebens. Da vergeht einem das Lächeln. CORBIS(5)
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TRAG MEHR ROT! Psychologen haben festgestellt, dass Menschen auf Fotos mit rotem Rahmen attraktiver wirken. Kein Glück in der Liebe? Dann helfen im neuen Jahr ein paar rote Klamotten. Spätestens rote Boxer-Shirts!
THE RED BULLETIN
silvretta-montafon.at
SNOWBOARD
„Dieses Bild schoss ich in den ersten Tagen der Reise“, erzählt Tero Repo. „Ich blieb am Hauptschiff, während die Jungs im Schlauchboot zu diesem Eisberg gefahren sind. Sie mussten sich beeilen – raufklettern, ein paar Schwünge machen, und dann nichts wie runter. Denn Eisberge können verdammt instabil sein.“
ANTARCTICA
EISBERGE RUNTERZUFAHREN IST DIE EINE SACHE. RIDER BEIM RUNTERFAHREN VON EISBERGEN ZU FOTOGRAFIEREN DIE ANDERE. FOTOGRAF TERO REPO ÜBER EIN EISIGES ABENTEUER. TEXT: PAUL WILSON
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„ D IESES FOTO MACHTE ICH ALS PASSAGIER IN EINEM TANDEM-PARAGLEITER.“ 28
„Wir hatten Christoph dabei, einen Piloten, und seinen Tandem-Paragleiter. Er flog, ich hing mit ihm drin und habe fotografiert. Auf diesem Foto aus der Paragleiter-Perspektive sieht man Lucas und Xavier auf ihren Splitboards (ein Snowboard, das sich in zwei Skier teilen lässt, Anm.). Splitboards waren durchaus sinnvoll, weil man auf langen ebenen Strecken auf Skiern viel schneller vorankommt, als würde man das Snowboard herumtragen.“
E s gibt drei Dinge, die man als Fotograf bei extremen Reisen in Schnee und Eis beherzigen sollte. „Meide jedes Risiko, das du meiden kannst. Hol dir keine Frostbeulen. Und bleib am Leben.“ Das sagt Tero Repo. Und Tero Repo weiß, wovon er spricht. Er fotografiert seit Jahren Snowboard- und Ski-Expeditionen in aller Welt. „Ich war schon oft in gefährlichen Situationen“, sagt der 36-jährige Finne – Lawinenabgänge, schwere Stürze, ernsthafte Verletzungen der Rider. „Je mehr Zeit du in den Bergen verbringst, desto mehr schlimme Dinge erlebst du.“ Der jüngste, einmonatige Trip in die Antarktis hätte besser nicht verlaufen können: lange Tage, viel Sonne, die Snow boarder Xavier de Le Rue aus Frankreich und Lucas Debari aus den USA konnten Eisberge und Inseln nach jungfräulichen Abfahrten erkunden. Repo war früher selbst Skifahrer. Mittlerweile fühlt er sich hinter der Kamera wohler. „Zum bloßen Vergnügen fahre ich kaum noch Ski. Jetzt nütze ich meine Skills, um meine Arbeit besser machen zu können.“
Links: „Der Ausblick am Morgen von unserer ‚Golden Fleece‘. Ein schweres, 19 Meter langes Segelboot. Kein Eisbrecher, aber eine 20 Zentimeter dicke Schicht kann sie durchbrechen. Wir haben sie auf den FalklandInseln gekauft.“ Oben: „Links Lucas, in der Mitte Xavier, rechts der Kapitän des Schiffs, Jérôme Poncet.“ Rechte Seite: „Im Schlauchboot der Erste Offizier, Lucas ist am Klettern, bereits oben sind Xavier und unser Reiseführer Tony Lamiche. Der Eisberg war ein ziemlich großes Ding.“
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THE RED BULLETIN
„DER KAPITÄN WAR NICHT BEGEISTERT DAVON, DASS WIR AUF EISBERGE KLETTERN. ‚SIE FALLEN OFT IN SICH ZUSAMMEN‘, MEINTE ER.“
„ D IE MEISTEN ABFAHRTEN WAREN SEHR STEIL UND GEFÄHRLICH, ABER WIR HATTEN MIT DEM WETTER IRRES GLÜCK.“
Links: „Ich habe auch ein paar gute Bilder ohne Snowboarder gemacht, zum Beispiel dieses hier von einer Pinguin-Kolonie.“ Oben links: „Dieses Bild ist an Land entstanden, nicht auf einem Eisberg. Xavier und Lucas klettern gerade die besichtigte Line hinauf. Sie trugen während des Trips immer die gleiche Montur: Xavier Gelb, Lucas Blau. Hinter ihnen, das sind keine Pinguine, sondern Antarktikscharben, glaube ich, eine Art Kormoran.“
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THE RED BULLETIN
„Wir sind meist ein oder zwei Tage an einem Ort geblieben, um zu sehen, wo die Sonne auftrifft. Das war wichtig, denn es war 22 Stunden am Tag hell. Zu früh am Tag war der Schnee zu hart, zu spät war er zu weich. Jeder kleine Fehler hätte böse enden können, also haben wir uns Zeit für alles genommen. Und jedes Risiko vermieden, das sich vermeiden ließ.“
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Oben: „Mit einem Bier in den Sonnenuntergang. Aber natürlich erst nach den Aufnahmen, zurück am Schiff.“ Rechts: „Unser Reiseführer Tony macht Lucas eine Art Bandage. Bei einem Sturz war eine alte Handgelenksverletzung wieder akut geworden.“ Hauptbild: „Lucas bei einem Frontside 360. Für ihn kein besonders aufwendiger Trick, aber in dieser Landschaft sieht er einfach unglaublich aus.“
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„IN DIESER LANDSCHAFT SIEHT JEDER TRICK EINFACH UNGLAUBLICH AUS.“ THE RED BULLETIN
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„ D AS LICHT DER ANTARKTIS IST GENIAL FÜR EINEN FOTOGRAFEN.“
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„Das Schlauchboot bei der Rückkehr zur ‚Golden Fleece‘. Das war ein Platz, an dem wir übernachteten. Dank dem Wetterglück waren die Vor bereitungen der Shootings ganz einfach. Wir mussten nicht für ein paar Augenblicke Licht durch die G egend jagen. Wir konnten einfach jeden Tag zwischen vier Uhr nachmittags und zehn Uhr abends fotografieren.“
„ S O KNAPP AM MEER SUCHST DU DIR DEINE LINES GANZ B ESONDERS SORGFÄLTIG AUS.“
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Oben: „Xavier bei einer Abfahrt an Land. Wir kehrten übrigens auch tagsüber immer wieder aufs Schiff zurück. Wir waren insgesamt zu zehnt auf dem 19 Meter langen Segelboot.“ Links: „Lucas bei unserer Schwimm-Session. Wir sprangen einfach von Deck. Das Wasser hatte ein paar Grad über null – es fühlte sich gar nicht so kalt an, wirklich.“ Linke Seite: „Wieder Xavier. Wir suchten nach Lines wie dieser, mit Kanten, auf denen ich sicher stehen und doch einen guten Eindruck von der Steilheit geben konnte.“ terorepo.com
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WAS MAN VON HANNIBAL LECTER LERNT Mads Mikkelsen geht im Red Bulletin-Interview die größeren Themen an: Leben und Tod, Gott und die Welt. Und das Radfahren. INTERVIEW: RÜDIGER STURM B I L D E R : K E N N E T H W I L L A R D T/ CORBIS OUTLINE 40
„ Abgesehen von seinen Ernährungsgewohnheiten, ist Hannibal Lecter kein typischer Psychopath. Machen Sie nicht den Fehler, ihn zu reduzieren!“
M ads Mikkelsen, 48 Jahre, Däne, Sohn einer Krankenschwester und eines Gewerkschaftsfunktionärs, wahrscheinlich derzeit der größte europäische Filmstar. Zum Red Bulletin-Gespräch erscheint er ein wenig ungekämmt, unrasiert, das Hemd lose in die Jeans gestopft, aber hellwach und blendend gelaunt. „Bevor wir beginnen, sollte ich Sie vorwarnen“, sagt er. „Wir Dänen sind sehr gut darin, über uns zu lachen. Hinter allem, was wir sagen, steckt ein böser Sinn für Humor.“
the red bulletin: Herr Mikkelsen, Sie waren Bond-Bösewicht, Michael Kohlhaas, Held im Wilden Westen und der griechischen Mythologie, aktuell sind Sie Hannibal Lecter. Woher kommt Ihr Faible für extreme Charaktere? mads mikkelsen: Die Antwort ist ganz einfach: Mein Leben ist langweilig. Also muss ein Projekt dramatisch sein, aufregend, verrückt. Ich brauche diesen Kontrapunkt. Komödien zum Beispiel mag ich eigentlich gar nicht. Außer sie sind wirklich durchgeknallt. Keine ausgesprochene Komödie ist „Hannibal“. Aktuell drehen Sie die dritte Staffel der extrem erfolgreichen Serie. Hatten Sie gar keine Bedenken, diese legendäre Rolle zu übernehmen? Nicht nachdem ich Bryan Fuller getroffen hatte, den kreativen Kopf der Serie. Er wollte mir die Geschichte in zehn Minuten präsentieren. Nach zwei Stunden sprach er immer noch. Er schwärmte von Hannibal wie von einer Liebesaffäre. Nach diesem Gespräch war mir klar: Mit diesem verrückten Kerl gemeinsam will ich das machen. Wie sehr muss man sich und wie sehr darf man sich auf die Rolle einlassen, wenn man einen Kannibalen spielt? Hahaha, Sie meinen, ob ich …?
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Mann mit Ausdauer: Seinen Durchbruch als Schauspieler feierte Mads Mikkelsen erst mit siebenunddreißig im dänischen DogmaStreifen „Für immer und ewig“.
… nicht bis in die letzte Konsequenz, natürlich. Abgesehen von seinen Ernährungsgewohnheiten, ist er kein klassischer Psychopath. Hannibal Lecter ist keine eindimensionale Bestie. Machen Sie nicht den Fehler, ihn zu reduzieren. Er liebt Kunst, Musik, Essen, Sprachen – und eben auch das Töten. Das ist eine Leidenschaft für ihn. Es liegt sogar eine gewisse, hm, Liebe darin. Die versuche ich auch zum Ausdruck zu bringen … Klingt das jetzt zu verrückt? Vielleicht wollen Sie diesen Gedanken ja ein wenig erläutern. Er ist eines der schrecklichsten Monster, die wir je gesehen haben. Klar. Aber wir können, abgesehen von dieser Grausamkeit, viel von Hannibal lernen. Dass das Leben an der Schwelle zum Tod interessanter ist, zum Beispiel. Weil wir uns dadurch bewusst werden, dass wir das Leben jeden Tag voll auskosten sollen. Hannibal hat auch keine Zeit für Banalitäten, er verschwendet keine Zeit für dumme Menschen. Von einer solchen Einstellung kannst du lernen. Dazu kommt, dass mich persönlich sein immenses Selbstbewusstsein einfach fasziniert. Wieso? Weil ich ein unsicherer Mensch bin. Ich bin unsicher, jedes Mal, wenn ich etwas ausprobiere, jedes Mal, wenn ich arbeite. Das Gefühl der Unsicherheit ist ein ständiger Begleiter. Jetzt flunkern Sie. Nein, keineswegs! 44
„ Wenn ich merke, dass ich nachzudenken beginne: ganz schlecht. Dann muss ich die Einstellung wiederholen. Egal was der Regisseur sagt.“ Unsicherheit könnte ja hilfreich sein, wenn Sie ängstliche, zweifelnde Typen spielen. Aber Sie spielen Helden. Wie können Sie zugleich unsicher sein und einen Helden darstellen? Ich muss die Unsicherheit vergessen. Ich weiß, das klingt einfacher, als es ist. Mein Weg ist, zu versuchen, beim Spielen in eine Art Flow-Zustand zu kommen. Dann denke ich nicht, dann bin ich. Wenn ich nachzudenken beginne, wenn mir bewusst wird, was ich tue: ganz schlecht. Sobald ich merke, dass so etwas passiert, muss ich die Einstellung wiederholen. Außer der Regisseur ist begeistert. Keine Ausnahme, nein, ich bestehe darauf, sie zu wiederholen. Ich weiß dann, dass es nicht gut war. Ich weiß das, verstehen Sie? Da kann der Regisseur noch so zufrieden sein. Neigen Sie ein wenig zum Einzelgängertum? THE RED BULLETIN
Unser Job ist auf besondere Weise zugleich sehr sozial und sehr antisozial. Wenn wir arbeiten, sind wir nonstop von Leuten umgeben. Sonst könnten wir unseren Job gar nicht machen. Gleichzeitig durchlebt man als Schauspieler seinen ganz eigenen Prozess. Du musst ein fremdes Leben in dir finden und aus loten. Dabei muss man komplett allein sein, und man muss das auch können, egal wie viele Leute rund um einen sind. Das muss man lernen. Wenn man mal gelernt hat, nur den eigenen Gedanken zu folgen und nur der inneren Musik zuzuhören, dann hat das etwas enorm Inspirierendes. Wie lernt man so was? Innere Reife? Meditation? Durch Radfahren. Ah. Mache ich jeden Tag. Ein oder zwei Stunden allein, länger, wenn ich in einer Gruppe bin. Radfahren ist meine Droge. Sie können jeden Marathonläufer oder Triathleten fragen – wir alle kennen dieses Gefühl. Wenn du auf deinem Rad sitzt und fast Blut spuckst, dann produziert dein Gehirn diese Endorphine. Tolle Dinger. Nach denen wirst du süchtig. Wenn ich ein paar Tage nicht Rad fahren kann, bin ich ein verzweifelter Mensch. Herr Mikkelsen, Sie legen gerade ein Drogen geständnis ab! Hahaha, bis zu einem gewissen Grad, ja. Natürlich gibt es Fälle, wo du vor Erschöpfung einfach nur schwach wirst und dir eine Grippe einfängst. Das ist dann ein schlechter Trip, wenn Sie so wollen. Aber meistens bekommst du einfach eine feine Dosis Adrenalin ab. Manche Leute brauchen die Gefahr für diesen Kick und klettern Berge hoch. Das finde ich überhaupt nicht interessant. Was mich inter essiert, ist, mich bis zu jener Grenze zu puschen, an der wirklich nichts mehr geht. An der ich einfach nicht mehr kann. Das erfüllt mich. Was daran, genau? Ich habe schon drüber nachgedacht, was es ist. Aber ich weiß es nicht. Ehrlich. Ich bin wohl tatsächlich einfach süchtig nach Sport. Selbst wenn ich nicht auf dem Rad sitze, mache ich irgendeinen Ballsport –
Fußball, Handball, Tennis. Und wenn ich Pause mache, schaue ich Sportfernsehen. Ein Rad-Trip, an den Sie sich besonders erinnern? Das war in Los Angeles. Ein Freund hatte zwei Renn räder dabei und forderte mich zu einer Wettfahrt heraus. Ich war davor einige Zeit nicht gefahren, aber machte mir trotzdem keine Gedanken. Ich bin ja üblicherweise ordentlich in Form. Dann fuhren wir los … die Hügel rund um Los Angeles rauf und runter. Und es war elend. Ich bin fast gestorben. Aus sichtslos, ihn zu schlagen. Fürchterlich frustrierend. Nach dem Rennen sagte ich zu mir: Das kannst du nicht auf dir sitzen lassen. Also kaufte ich mir ein Rennrad, bereitete mich vor, und als ich wiederkam, machte ich ihm die Hölle heiß. Das war ein Heiden spaß, ich sag’s Ihnen. Man darf sich das so vorstellen, dass Mads Mikkel sen rund um Los Angeles auf öffentlichen Straßen private Radrennen gegen seine Freunde fährt? (Lacht.) Nicht als Alltagsbeschäftigung. Aber da war es mir ein echtes Anliegen, die Scharte auszuwetzen. Das konnte ich doch nicht auf mir sitzen lassen! Ich will Ihnen nicht nahetreten. Aber es hat einen Sinn, dass Straßen für Rennen gesperrt werden. Es war auch gefährlich, muss ich zugeben. Mitten auf der Straße gibt es in Los Angeles ja diese riesigen Abflussgitter fürs Regenwasser. Die sind zu groß, als dass du mit dem Rad drüberfahren könntest. Da bleibt dein Vorderrad stecken. Das kann auch bei geringeren Geschwindigkeiten als 50 Stundenkilo metern unangenehme Folgen haben. Aber ich raste mit knapp 50 Sachen auf so ein Gitter zu. Und sah es zu spät, um ausweichen zu können. Ich wusste: Jetzt gibt es entweder eine kapitale Bruchlandung, oder ich schaffe es drüberzuspringen. Das ist mir dann zum Glück auch tatsächlich gelungen. Das Gitter erwischte nur einen kleinen Teil meines Hinterrads. Das war wirklich ziemlich knapp damals. Dankt man in solchen Situationen dem Schicksal, seinem Schutzengel? Ich bin so was von unreligiös, unreligiöser geht gar nicht. Klar, es wäre schön, wenn es ein gütiges höheres Wesen gäbe. Aber bis wir in diesem Punkt Gewissheit haben, sollten wir unser Leben besser selbst in die Hand nehmen. Eigene Taten, eigene Verantwortung, ich halte es lieber so. Muss dennoch ein herrliches Gefühl gewesen sein, nach so einem Schock heil geblieben zu sein … Überhaupt nicht! Ich war verärgert und erschrocken. Ich sagte doch vorhin schon: Ich bin nicht an Gefahren interessiert. Mir gibt das keinen Kick. Aber Sie meinten auch, dass das Leben an der Schwelle des Todes interessanter sei. Was nicht heißt, dass du es fahrlässig riskieren sollst. Herr Mikkelsen, bei allem Respekt, Sie sagen das, während Sie eine Zigarette rauchen. Punkt für Sie, hahaha. Ich hab auch versucht auf zuhören. Hat aber nicht geklappt. Überlegen Sie doch mal, wem aller Sie auf dem Rad mit sauberer Lunge die Hölle heiß machen könnten. Sie haben recht. Würde ich aufhören, könnte ich möglicherweise schneller fahren. Vielleicht gelingt’s mir ja, wenn ich es so sehe. 45
WÜSTEN GOTT JESSE HUGHES wurde von den Göttern des Rock ’n’ Roll als ihr Statthalter auf die Erde entsandt. Zumindest glaubt er das. Und es gibt einen Haufen Indizien, die s eine Theorie stützen. Ein Tag und eine Nacht in Kaliforniens Wüste mit dem Frontmann der EAGLES OF DEATH METAL. Text: Andreas Tzortzis Bilder: Alex de Mora
Jesse Hughes, Kopf der Eagles of Death Metal, prophetenhaft in der W端ste
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ES IST BALD MITTERNACHT IN DER HIGH DESERT. Das „Pappy and Harriet’s“ hat tatsächlich geschlossen. Einerseits ein wenig eigenartig, weil hier regelmäßig Gigs steigen. Andererseits: Es ist ein Werktag. Okay. Jemand vom Kaliber eines Jesse Hughes lässt sich von Dingen wie geschlossenen Bars nicht aus der Fassung bringen. Er drückt das Gaspedal seines weißen Toyota Scion mit über 300.000 Kilometern auf dem Tacho bis zum Anschlag durch und raunt: „Okay, dann Low Desert.“ Genauer gesagt meint er Palm Desert, die 50.000-EinwohnerStadt, in die er mit seiner Mutter zog, nach ihrer Scheidung von seinem Dad in South Carolina, lange her. Die Stadt, in der er Josh Homme – Stichwort: Queens of the Stone Age – an der Highschool traf, und die Stadt, in der seine Karriere als Rockstar begann. Die State Route 62 von Joshua Tree in die Low Desert ist reich an Kurven und hält die eine oder andere Herausforderung für das Fahrwerk des Scion bereit. Während Jesse mit unbeeindrucktem Tempo fährt, zündet er sich seine Zigaretten an und scrollt durch sein iPhone, auf der Suche nach den Nummern, die gerade gut zum Gespräch passen, Prince, James Brown. Wir reden über den ersten Auftritt seiner Band beim Coachella Valley Music and Arts Festival, ein paar Kilometer von hier. Die Eagles of Death Metal spielten vor all den Leuten, die sich auf der Highschool wie Arschlöcher verhalten hatten. „Ich wusste nicht, ob ich dankbar oder selbst ein Arsch sein sollte“, so Hughes. „Ich entschied mich für Ersteres. Danny DeVito kündigte uns an, und es war einfach nur geile, abgefahrene Schei*e!“
Der Oldsmobile Cutlass gehört Jesses Freund und Bandkollege Dave Catching, im Bild parkt er vor dessen Studio Rancho de la Luna. Jesse zieht seinen Toyota Scion mit über 300.000 Kilometern auf dem Buckel vor.
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esse Hughes’ Persönlichkeit mag nicht Mainstream sein, sagen wir es vielleicht so. Aber sie hat ihm zu einer Karriere in der Musikindustrie verholfen, um die ihn 99 Prozent der Bands da draußen beneiden: vier Alben (einschließlich jenes, an dem er aktuell arbeitet), Tracks, die es in Werbespots für Microsoft und Nike geschafft haben, weltweite Tourneen an der Seite der Großen der Branche. (Eagles of Death Metal wurden von den Foo Fighters in den Himmel gehoben und von Axl Rose in der ersten Konzertnacht rausgeschmissen – ein Ereignis, das Hughes in Form eines Tattoos verewigt hat.) Mit ein bisschen Hilfe von Josh Homme, einem seiner besten Freunde, der nebenbei ein höchst erfolgreicher, umtriebiger Musiker und Produzent ist, wurde Jesse zur Rockprominenz. Seine grundsätzliche Bereitschaft zur Reizbarkeit wird durch große Neugier, scharfen Verstand und eine fast wissenschaftliche Herangehensweise an das Thema Erfolg im Rock ’n’ Roll überdeckt, nämlich: Schreib gute Songs, nimm dich als Typ nicht wichtig und lebe insgesamt nach der Devise „Kill Rock and Rape Roll“. „Mein Dad hatte ein Credo“, sagt Jesse. „‚Die eine Rock-’n’-Roll-Band besorgt es sich vor Publikum selbst. Und die andere versucht, es dem Publikum zu besorgen. Zu welcher der beiden würdest du gern gehören?‘ – Ich versuche, es dem Publikum zu besorgen. Alle ein wenig zum Schwitzen zu bringen, du verstehst?“ Die Songs der Eagles of Death Metal sind eingängig, der Sound ist schlicht: tighte Snare, methodische Bass Drum, plärrende Gitarre, schleifender Bass … rauf und runter. Die Texte sind raffiniert, voll Hollywood-Herzschmerz und Nächte der Suche nach einer speziellen heiligen Dreifaltigkeit (eine davon ist Sex). Musik zum Tanzen. Unkompliziert. Poprock. Dieser Fu-Manchu-Typ in engen Jeans und Hosenträgern am Steuer des Scion macht pure, simple, kompromisslose Musik, die einem durch und durch geht. „Die Beatles haben Popmusik definiert“, sagt er. „Und wir müssen sie noch besser machen. Das ist es, was ich versuche, Baby. Ich mag keine Musik, die einem Zucker in den Arsch bläst. Ich mag kein versnobtes Getue.“
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Sechs Monate bevor Jesse Hughes die Songs für das erste Eaglesof‑Death-Metal-Album schrieb, brachte er sich mit Anfang dreißig selbst das Gitarrespielen bei.
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ückblick: zehn Stunden zuvor in Jesses Apartment im hinteren Teil eines Zweifamilienhauses in e iner beschaulichen Gegend des Stadtteils Silver Lake in Los Angeles. Ein Teil des weiß gestrichenen Garagentors ist von etwas ziemlich mitgenommen, was nach Messerwerfen aussieht. Jesse nennt diesen Ort, an dem die Nächte zwangsläufig lang werden und Dramen Teil der Geschichte sind, ein „Haus für unberechenbare Rocker“. Erst am Wochenende zuvor musste seine Freundin, der ehemalige Pornostar Tuesday Cross, eine Betrunkene zur Ordnung bringen, die angefangen hatte, sie anzupöbeln. „Es war großartig!“, erzählt Jesse. „Man könnte es so sagen: Die eingedellte Nase war von Anfang an vorhersehbar.“ In einem in verschiedenen Rot- und Schwarztönen gestrichenen Raum hinter einer Fliegengittertür bewohnt Jesse ein Sammelsurium an Kitsch, Kunst und Büchern. Auf einer zerschlissenen Couch ein mit Perlen versehenes Totenkopfkissen – ein Geschenk von Jay Leno –, in einem Regal ein Schrumpfkopf. In einem weiteren Regal ein MAK-90-Sturmgewehr und zwei Paar Vorderladerrevolver. (Ein Paar für Jesse, ein Paar für Tuesday. Die Sechsschüsser sind Replikate jenes 1851erColt-Modells, das auch der konföderierte General Robert E. Lee und Revolverheld „Wild Bill“ Hickok an der Hüfte trugen.) An der Wand eine Naziarmbinde. Jesse ist davon überzeugt, dass Hitler selbst sie einst getragen hat. Besitzt er doch eine Aufzeichnung, die belegt, dass sie von einem Bediensteten Hitlers entgegengenommen wurde. Die Armbinde ist umrandet von Sternen. Warum das? „Weil wir sie in den Arsch getreten haben“, sagt er. „Deshalb können wir ihren Scheiß jetzt zur Schau stellen.“ Der Schrumpfkopf stammt vom selben reichen kanadischen Raritätensammler wie die Armbinde. „Er wollte einen unserer Songs für einen Werbespot verwenden“, erzählt Hughes, „und hat THE RED BULLETIN
„ EHRLICH: ICH WAR SICHER, ICH WÜRDE SENATOR WERDEN.“ gefragt, zu welchen Konditionen wir damit einverstanden wären. Ich antwortete: ‚Damit ich dir den Song überlasse, müsste ich ein verschrumpeltes Gehirn haben.‘“ Ein Gespräch mit Jesse Hughes besteht aus Attacken auf die Errungenschaften der Popkultur, witzigen Beobachtungen und jeder Menge ziemlich rechter politischer Ansichten. „Eigentlich ging ich immer davon aus, Senator zu werden“, sagt er. Er ist davon überzeugt, der rechte Mann zu sein, um Amerikas Konservative aus der Krise zu führen. Und dass Obama nicht an der Macht wäre, hätte er, immerhin Frontmann der Eagles of Death Metal, die Fäden der republikanischen Maschinerie in der
Hand gehalten – obwohl man sich ehrlich gesagt nicht vorstellen kann, dass Hughes die Fäden von überhaupt irgendetwas in der Hand halten könnte. „Hey Mann, im Grunde wollte ich der ultimative Extremist am rechten Flügel werden“, sagt er. „Ich sage, was ich denke, und würde nie für etwas eintreten, woran ich nicht glaube. Als Rassisten oder so was kannst du mich aber nicht bezeichnen, da hast du keine Chance. Weißt du, warum? Ich hab meine ganze Zeit damit verbracht, cool zu bleiben – das hält mich fürs Erste auf der sicheren Seite.“ Pause. „Zumindest eine Zeitlang.“ Sollte er es tatsächlich je an die Spitze der amerikanischen Rechten schaffen, wäre er gewiss eine spannende Besetzung: ein durchaus gewinnender proreligiöser Anti-Klimawandel-Theoretiker, Förderer der Waffenlobby, der Musik macht, zu der die Leute tanzen und die Sneakerfirmen für globale Werbekampagnen verwenden.
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ber die Sache mit der politischen Karriere ist Zukunftsmusik. Derzeit arbeitet Jesse am ersten Eaglesof-Death-Metal-Album seit fünf Jahren. Die Songs hat er schon 2012 geschrieben, aber er wartete auf den richtigen Moment, sie zu Tracks zu formen. „Der Zeitpunkt muss passen. Immer. Egal worum es im Leben geht. Wenn wir einen Saal für tausend Leute vollkriegen könnten, buche ich einen für 500, weil es besser aussieht, wenn ein Haufen Leute vor der Tür steht und wartet. Du siehst: Ich denke tatsächlich über die Zukunft nach.“ Hughes heiratete jung, seine Scheidung war ein Desaster, brach ihm das Herz und zog ihn in einen Sumpf aus Alkohol und
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Old School trifft Hightech am Rancho de la Luna: Jesse spielt seinem Kumpel Dave Catching ein paar neue Tracks vor.
Drogen. Als er ganz unten war, traf er Josh Homme wieder, der Interesse an einigen von Jesses Songs zeigte, die der daheim mit dem Computer aufgenommen hatte. „Hast du mehr davon?“, fragte er ihn. „Für das erste Album habe ich mich an Barry Manilows Ratschlag gehalten: ‚Jeder Song ist ein kommerzieller Popsong‘“, sagt Jesse. „Wenn du was klaust, ist das kein Problem, solange du es zugibst. Ich hab nie etwas von Leuten geklaut, die ich scheiße fand, ehrlich! Außerdem: Alle Songs existierten ohnehin bereits in meinem Hirn – warum sollte ich mir also das Leben schwermachen? Ich versuche nicht Poison nachzueifern, sondern den Stones. Meine Chancen stehen nicht schlecht. Glaube ich zumindest.“ In den frühen nuller Jahren begann Jesse das, was man Karriere nennen könnte – in einer Industrie, in der kein Stein auf dem anderen geblieben war. Einfach nur zu versuchen, den ultimativen Rock-’n’-Roll-Avatar zu verkörpern, reichte da nicht aus. Es war erst sein Hang zur Provokation, der ihn tatsächlich ins Rampenlicht beförderte. 2006, nach Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Death by Sexy“ wurde die Band zu einer Tour mit Guns N’ Roses eingeladen. Und gleich der erste Auftritt in Cleveland, Ohio, sollte in einem RockGAU enden. Nach deren Auftritt kam Axl Rose auf die Bühne und fragte die Menge, was sie von den „Pigeons of Shit Metal“ halten würde. Anschließend verkündete er ihren Rausschmiss. „Einen Moment lang war ich panisch. Aber dann dachte ich, wenn mir Adolf
„ ES WAR WICHTIG, DASS AXL ROSE MICH HASST.“ Hitler einen Brief geschrieben hätte, um mir zu sagen, dass ich’s verbockt habe, dann würde ich den Brief rahmen und aufhängen. Verstehst du, was ich meine? Ich wollte, dass Axl Rose mich hasst“, sagt Jesse. „Ich brauchte das. Mit dem Wissen konnte ich sicher sein, dass alle anderen Respekt vor mir haben würden.“ Dave Grohl, Freund von Homme und Hughes, stellte sich öffentlich an die Seite der Eagles of Death Metal. Zwei Jahre darauf veröffentlichte die Band „Heart On“. Die Single „Wannabe in L. A.“ ist jene Nummer der Eagles, die einem Welthit am nächsten gekommen sein dürfte, immerhin schaffte es der Song in „Guitar Hero 5“. Für Hughes jedoch definiert sich Erfolg in Form EODM-dominierter RadioPlaylists, ausverkaufter Stadien und grenzenloser öffentlicher Präsenz. Daher sind ihm auch Spots so wichtig wie „Winner Stays“ von Nike mit derzeit über 70 Millio nen YouTube-Klicks. Und jeder Menge Fragen nach dem Song in den Kommen taren (die Antwort: „Miss Alissa“). „Nach Ansicht der meisten Radio verantwortlichen bedeuten zehn Millionen YouTube-Klicks so viel wie ein Platin album“, sagt Jesse. „Wenn sie 71 Millionen sehen, reicht das aus, um sie so zu beeindrucken, als hätte man sieben Platin alben. Dieser Scheiß macht sie fertig.“
Das Rancho ist voll mit Dingen, die einem auf angenehme Weise die Zeit vertreiben. Hughes’ Freundin Tuesday Cross probiert den Schießstand aus.
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ie Eidechsen in der Sommersonne würden am liebsten zu schwitzen beginnen, als Jesse im Studio Rancho de la Luna in Joshua Tree seinen Freund, den Gitarristen Dave Catching, trifft. Genauer gesagt treffen wird. Denn er verspätet sich. „Jesse ist ein verdammtes Genie, aber er lebt in seinem eigenen Zeituniversum“, erzählt Catching, Rockveteran, Inhaber des Rancho-Studios – eines Hauses mit marodem Charme auf 30 Hektar Wüstenland. Catchings Bart lässt ihn aussehen, als hätte sich der Weihnachtsmann als ZZ‑Top-Roadie verkleidet. Er hat fast alle Touren mit den Eagles mitgemacht. „Jesse gibt auf der Bühne 100.000 Prozent“, sagt er. „Er ist der beste Frontmann, der mir je begegnet ist.“ Endlich fährt Jesse im Scion vor. Er hat Tuesday dabei. Die beiden sind seit fünf Jahren ein Paar, sie ist mittlerweile Künstlerin und Musikerin und der Ruhepol in seinem Leben. „Tuesday ist der absolute Wahnsinn für mich“, sagt er. Die Wild-BillHickok-Colts waren sein Geschenk an sie. Jesse begrüßt Catching. Die beiden hantieren zunächst mit einem Tomahawk herum, das er mitgebracht hat, bevor sie nach drinnen verschwinden. In einem Raum voll mit billigem Krempel, Skelettpuppen, Gitarren und kitschigen Gemälden stöpselt Jesse sein iPhone ans Mischpult und lässt einige Songs des nächsten Albums laufen. Die Tracks sind rein instru mental. Einer erinnert an Gwen Stefanis „Hollaback Girl“, ein anderer klingt wie grollender New-Orleans-Sumpfrock. Jesse steht wippend und rauchend neben dem Mischpult und summt einige der Refrains. Jesse Hughes’ Image ist eine ironiefreie Huldigung der Vergangenheit. Ein bisschen Joan Jett, ein bisschen Rocka billy. In gewisser Hinsicht ist es schade, dass er nicht zwei Jahrzehnte früher zur Welt kam und mit Leuten wie Freddie Mercury oder David Bowie in die RockRuhmeshalle katapultiert wurde. Warum ist er hier und tut, was er tut, während das Genre langsam stirbt? Einer wie Jesse hat natürlich auch darauf eine Antwort. „Die Götter des Rock haben mich dazu auserkoren, die Flamme am Lodern zu halten“, sagt er. Im Hintergrund ist die Melodie von Stevie Wonders „I Believe (When I Fall in Love It Will Be Forever)“ zu hören. Er macht eine Pause, dann fährt er mit seiner Predigt fort und zitiert: „You have to be killing rock and raping roll. Du musst wirklich scharf drauf sein. Wirklich dran glauben. Und ich glaube dran. Mann, ich glaube dran.“ eaglesofdeathmetal.com
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Name Stéphane Peterhansel Geburtsdatum/-ort 6. August 1965 in Échenozla-Méline, Haute-Saône Dakar-Debüt 1988 auf Yamaha Dakar-Erfolge 1991, 1992, 1993, 1995, 1997 und 1998 auf Yamaha in der Bike-Kategorie. Wechsel zu den Autos 1999. Siege 2004, 2005 und 2007 auf Mitsubishi, 2012 und 2013 auf Mini. Zusätzlich zwei zweite und ein dritter Platz. Bei 25 Starts nur 2 (!) Ausfälle.
„Wird Ihnen die Dakar eigentlich nie fad, Herr Peterhansel?“ 25-mal am Start, 11-mal als Erster im Ziel. Kein Pilot in der Geschichte der legendären Rallye war erfolgreicher als der 49-jährige Franzose Stéphane Peterhansel. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Was treibt ihn an?
FLAVIEN DUHAMEL/RED BULL CONTENT POOL
Text: Werner Jessner
the red bulletin: Also, haben Sie i nzwischen nicht schon alles gesehen? Seit 1988 fängt Ihr Jahr gleich an. stéphane peterhansel: Ach, meine große Leidenschaft ist das Erkunden neuer Länder. Da sich die Streckenführung jedes Jahr ändert, gab es bislang noch immer etwas Neues zu entdecken. Aber dazu müsste man nicht unbedingt Rallyefahrer werden. Stimmt. Im September habe ich zum Beispiel Lesotho mit dem Fahrrad durchquert. Warum das? Lesotho wird komplett von Südafrika umschlossen. Ich war da noch nie, und da die Dakar in Südamerika fährt, wird sie mich auch nicht so schnell hinbringen. Warum mit dem Fahrrad? Irgendwie muss man sich ja körperlich auf die Dakar vorbereiten. Trotzdem: 25 Dakar-Starts … Meine zweite Leidenschaft ist eben Motorsport. Für mich ist die Dakar die perfekte Kombination. Irgendwann wird man es dann trotzdem gesehen haben, im Wesentlichen. Die Dakar in Afrika bin ich 19 Mal gefahren. Jedes einzelne Mal war der Himmel anders, vom Sand und den Gerüchen ganz zu schweigen. Wo war es am schönsten? Landschaftlich hat mir Algeriens Süden sehr gut gefallen. Als komplette Ver anstaltung war die Route von Paris nach Kapstadt am abwechslungsreichsten. In Südamerika ist alles rund um die Kordilleren sehr spektakulär. Nass, trocken, extreme Höhe: Als Reisendem wird dir da schon was geboten. THE RED BULLETIN
Das ideale Alter, die Dakar zu gewinnen? Als ich 35 Jahre alt war, habe ich meinen Landsmann Jean-Louis Schlesser (geb. 1948, Rallye-Dakar-Sieger 1999 und 2000; Anm.) für einen alten Mann gehalten. Heute bin ich noch immer jünger als er bei seinem letzten Sieg. 49 ist doch kein Alter! Im Kopf bin ich noch jung, und körperlich fühle ich mich auch tadellos. Wie lange fahren Sie noch? Einen sechsten Sieg in der Auto-Kategorie hätte ich schon noch gerne. Am Bike habe
„Algeriens Süden gefiel mir sehr gut, die Kordilleren auch. Da wird dir als Reisendem was geboten.“ ich auch sechsmal gewonnen. Das ergäbe ein rundes Bild. Mein Vertrag mit Peugeot Sport läuft jedenfalls über drei Jahre. Haben Sie einst aus Angst Motorrad gegen Auto getauscht? Eher aus Überlebensinstinkt. Bei zehn Starts am Bike hatte ich keinen einzigen schweren Unfall. Ich habe Fahrer vor mir sterben sehen, andere sitzen im Rollstuhl. Subjektiv hatte ich immer das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Doch das war vielleicht trügerisch. Und dann war noch diese Langeweile … Langeweile?!? Ja. Unter deinem Helm bist du immer allein, im Himmel und in der Scheiße. Im
Auto kannst du deine Gefühle mit dem Copiloten teilen. Ihr Lieblingsauto? Ich hatte immer sehr schnelle Autos, lauter Allradler. 2015 starte ich zum ersten Mal mit einem heckgetriebenen Buggy, dem Peugeot 2008 DKR. Selbst wenn ich jetzt, drei Monate vor dem Start, nicht das Gefühl habe, dass das Auto schon siegfähig ist, ist es doch jenes, das mir am meisten Spaß macht. Muss der Werksfahrer wohl sagen. Im Ernst! Buggys gesteht das Reglement mehr Federweg als den allradgetriebenen Autos zu, das kommt meinem weichen, ruhigen Fahrstil entgegen. Je schlechter die Piste, desto besser der Peugeot. Wer wird eigentlich schneller sein: Teamkollege Carlos Sainz oder Sie? Derweil noch er. Er hat schlicht mehr Erfahrung mit Buggys. Sie könnten ja immer noch auf Trucks umsteigen. Hab ich letztes Jahr einmal probiert. Da geht nix weiter. Kann man mit Autofahren nicht vergleichen. Kein Bedarf! Oder Skateboard. Zum letzten Mal bin ich vor zehn Jahren geskatet, als ich beim Aufräumen der Garage über mein altes Board gestolpert bin. Es ging zwar noch ganz gut, aber der Sport hat sich seit meiner Blütephase vor fast vierzig Jahren doch sehr verändert. Wir sind noch Slalom-Bewerbe gefahren. Der junge Mensch von heute weiß gar nicht mehr, dass es das einmal gegeben hat. Ein Eingeständnis des Alters? Eher, dass man ständig dranbleiben muss, will man den Zug nicht verpassen. www.peugeot-sport.com
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„… die Ziege spielen“ Der Mann, der den „Harlem Shake“ erfand, über seine Suche nach den vergessenen Sounds einer digitalen Welt.
„Teil meines Jobs ist es, viel Zeit im Internet zu verbringen, Stunden über Stunden, es ist eine ewige Suche nach Sounds, mit denen du arbeiten kannst. Und im Netz findest du ja auch einfach alles“, sagt Baauer, 25 Jahre alt, Musikproduzent. „Aber ich wollte etwas finden, das es im Netz nicht gibt … und das ist furchtbar schwierig.“ Baauer, der aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammt und derzeit in Los Angeles an seinem ersten Album arbeitet, ging die Sache mit der Suche wirklich ernsthaft an. Seine Expedition zu neuen Sounds führte ihn und sein Aufnahme gerät von Japans antiken kaiserlichen Residenzen bis zu den Wüstenstämmen vor den Toren Dubais und auf den Balkan. Er nahm das Blubbern eines Schwefel beckens auf, das Rauschen des Flügelschlags eines fliegenden Falken und den Sound seltener traditioneller Instrumente – die mitunter aus durchaus überraschenden Materialien gefertigt waren. „Da gab es zum Beispiel diesen Dudelsack, der aus einer toten Ziege gemacht war – tatsächlich aus dem konservierten Körper der Ziege. Das Ding hatte sogar noch die Form einer Ziege, ziemlich schräg. Die Ziege wird wie ein Dudelsack gespielt, man muss in ein Röhrchen blasen. Mein Freund, der mich auf der Reise begleitete, spielte ein wenig drauf, und es klang wirklich gut, unglaublich cool!“ Wie kam Harry Bauer Rodrigues, wie Baauer mit bürgerlichem Namen heißt, eigentlich auf die Idee zu dieser besonderen Expedition? „Ganz sicher nicht, weil ich der Meinung bin, dass es zu wenige Sounds auf dieser Welt gibt“, sagt er. Sondern in erster Linie, um seinem bisher größten Coup zu 56
entkommen: Baauer ist der Mann hinter dem Welterfolg „Harlem Shake“. Weit über eine Milliarde YouTubeKlicks innerhalb weniger Monate – sogar die Ermittlung der US-Billboard-Charts musste geändert werden! –, eine beispiellose weltweite virale Welle, am Höhepunkt des Hypes wurden an einem einzigen Tag im Februar 2013 mehr als 4000 „Shake“- Videos mit Baauers Track auf YouTube hochgeladen. Baauer war in der Folge zwar Gast in den populärsten amerikanischen TVMorgenshows, aber reich wurde er von
„Ich suchte Sounds, die es im Netz nicht gibt – furchtbar schwierig.“ seinem Welterfolg nicht – nicht einmal annähernd. „Harlem Shake“ brachte ihm so gut wie gar keine Einnahmen. Denn das Video, das den Hype in Gang setzte, stammt nicht von ihm, sondern von ein paar Australiern, und vor allem hatte Baauer auf Sample Clearing verzichtet – ein im Nachhinein betrachtet Millionen Dollar teurer Fehler. Sample Clearing ist ein mittlerweile in der Musikindustrie gängiges Verfahren, mit dem Rechts streitigkeiten über verwendete Samples vermieden werden, ohne dass die explizite Zustimmung des Originalinterpreten eingeholt werden muss. „Wenn ich aus ‚Harlem Shake‘ etwas gelernt habe, dann das: Sample Clearing
ist ein absolutes Muss. Und, wann immer es möglich ist: Verwende deine eigenen Recordings. Nimm überhaupt dein eigenes Zeug auf“, sagt Baauer. „Aber anderer seits: Ich wäre doch niemals auf die Idee gekommen, dass das Ding so durch die Decke geht. Ich saß damals einfach bei mir daheim rum und spielte mit Sounds. In tausend Jahren hätte ich nicht geahnt, was passieren würde.“ Baauer sieht seine Reise natürlich auch unter diesem Aspekt: „Dieses Projekt jetzt, diese Suche nach neuen Sounds, das ist für mich perfekt. Denn es sind meine Sounds, die ich in aller Welt sammle.“ Baauers Soundsuche, die ihn rund um die Welt führte, wurde von einem Kamerateam von Red Bull TV begleitet, im November wird die Dokumentation ausgestrahlt. Und mehr noch als die Sounds an sich bedeuten Baauer die Inspirationen, die er auf seinem Trip sammelte. Sie haben Baauers Verständnis für seine Arbeit enorm vertieft. Die Begeisterung über diese neuen Sounds ist sowohl in den Tracks, die er seit der Rückkehr abliefert, als auch in seiner Stimme spürbar, wenn er von seinem Projekt erzählt. „Es macht Spaß, einen Song nur mit diesen Sounds zu machen. Ich habe schon drei oder vier auf diese Art produziert“, sagt er. „Ich verwende sie auch in anderen Produktionen, Remixes, anderem Zeug. Das Spektrum ist erstaunlich. Wie bei einem Maler, dem plötzlich eine völlig neue Palette an Farben zur Verfügung steht, nachdem er jahrelang mit den selben, eher eindimensionalen zurechtkommen musste.“ Baauers fünf Lieblings-Sounds von seiner Reise sind auf redbulletin.com zu hören. THE RED BULLETIN
BALAZS GARDI
Text: Brandon Perkins
YouTube-Rekordhalter „Harlem Shake“ Binnen bloß zwei Monaten zählten die mit Baauers Track gedrehten Videos eine Milliarde (!) YouTubeKlicks. Zum Vergleich: Psy erreichte mit seinem „Gangnam Style“ diese Klickzahl erst nach sechs Monaten.
‑UNDISCOVERED SOUL
„12.000 Zuschauer? Fühlt sich richtig an“ Die Thuner Rockband verzichtet bewusst auf Werbung, Major Labels und Kommerz-Sound. Und macht stattdessen „grundehrliche Musik“. Mit Erfolg.
Undiscovered Soul ist eine sechsköpfige Alternative-Rock-Band mit einer – in der Musikbranche – ungewöhnlichen Philo sophie. Die Thuner meiden seit Jahren konsequent, was sie zu schnell ans Ziel bringen könnte: kurzfristiges Denken, sogenannte 360-Grad-Verträge und Major Labels – und setzen auf Nachhaltigkeit. Was ihren Erfolg nicht beeinträchtigt: Neben dem Gewinn des Nachwuchsband-Contests Red Bull Roof Bandits (mit Juror Luk Zimmermann) traten sie als Vorgruppe für 1975 oder Silbermond auf. Im Februar erscheint ihre dritte EP. Ein Interview mit Souls-Frontmann Jay und Gitarrist Luk über gute Musik, DJ Antoine und das Leben eines Traums. the red bulletin: Was braucht man heutzutage, um als Rockmusiker reich und berühmt zu werden? jay: Viele Kontakte in der Musikbranche. Dann einen Manager, der dir Auftritte organisiert. Und dann, irgendwann, einen Vertrag bei einem grossen Label, das deine Sachen produziert, PR macht … und dich so gut vermarktet, dass du von den Live-Gigs ordentlich leben kannst. Und was davon habt ihr? jay: Fast nichts. Klingt irgendwie gut … luk: … ist auch gut. Im Moment. Wir machen seit Jahren Musik, zuvörderst der Musik und nicht des Profits wegen. Keine Kompromisse, kein Verbiegen – wir komponieren eigene Songs, versuchen uns mit innovativen Ideen jeden Tag weiterzubringen. Noch haben wir alle Jobs, doch irgendwann wollen wir von der Musik leben können. Wir sind uns treu, und es fühlt sich richtig an. Wie promotet man sich als junge Band selbst? 58
jay: Anfangs rufst du in verschiedenen Schweizer Clubs an und bietest Gratis- Konzerte an. Dann spielst du, lernst Leute kennen, gewinnst Fans … und irgendwann kommt dann der erste Anruf von jemandem, der dich selbst buchen will. Zu eurer Promo gehörte auch eine selbst finanzierte Großbritannien-Tour … luk: … wo wir auf der Strasse gespielt und sämtliche Pubs zwischen London und Leeds abgeklappert haben. Wie kann man sich das vorstellen? Ihr seid einfach in die Pubs rein und habt gesagt: „Here we are.“? luk: Genau. Wie hat man euch aufgenommen?
„Die Stones sind mega, nach dem Motto: ‚Ich zieh das durch, bis ich nicht mehr stehen kann.‘“ luk: Extrem cool. In Großbritannien ist der Respekt vor Musikern einfach grösser als hier. Das Feedback war immer positiv. Egal ob nach einem Gig in Liverpool vor 200 Leuten oder in einer verrauchten Waliser Bar vor drei Typen … beides war inspirierend. Wir lebten dort unseren Traum. Mittlerweile habt ihr über 300 Konzerte in der Schweiz gespielt, und Luk Zimmermann sagt über euch: „Ihre Songs berühren mich.“ Wie gelingen einem solche Songs? jay: Indem man immer versucht, gute Musik zu machen. Ohne Kompromisse. Was ist gute Musik? jay: Grundehrliche Musik. Hundert
prozentige Leidenschaft. Keine Fakes oder Phantasien, dafür wahre Geschichten, mit denen sich die Menschen identifizieren. Musik ist nicht allein zur Unterhaltung da. In ihr und mit ihr kannst und sollst du Emotionen verarbeiten und ausdrücken. Wenn das gelingt, berührst du deine Zuhörer tatsächlich auf eine magische Weise. Euer Lied „Run Baby Run“ handelt von der Trennung von einem eurer Band mitglieder … jay: 2012 verliess unser Cellist uns völlig überraschend. Wir waren verzweifelt und diskutierten nächtelang, ob wir die Band auflösen oder ohne ihn weitermachen sollten. In diesem Lied steckt alles. Wut, Trauer, Hilflosigkeit, aber auch ein Blick nach vorne. Es war dieses Lied, mit dem wir die Red Bull Roof Bandits gewannen. Welche Band machte die beste gute Musik? jay: Die Beatles. Ganz klar. Vier Genies, die sich während ihres Schaffens auch noch weiterentwickelten. Und wer ist genau das Gegenteil? luk: Hmmm … DJ Antoine fällt mir da ein. Seichte Texte mit wenig Inhalt, keine Magie, kein Groove, und wo sind die Gitarren? Ich stehe auf handgemachte Musik. Wen bewundert ihr? luk: Die Stones sind mega. Könnten sich längst zurücklehnen, machen aber jedes Jahr weiter. Und man spürt, was sie denken: „Ich zieh das hier durch, bis ich nicht mehr stehen kann.“ Das ist eine Band. Euer persönliches Highlight bisher? jay: Als uns Silbermond aus hunderten Schweizer Kandidaten als Vorgruppe für ihr Zürich-Konzert auswählten. Wir spielten vor 12.000 Zuschauern und … was soll ich sagen? Es fühlte sich richtig an. Release-Date der neuen Undiscovered-Soul-EP: Februar 2015; Info: www.undiscoveredsoul.ch THE RED BULLETIN
TABEA REUSSER
Text: Arek Piatek
Undiscovered Soul: Drummer Dominik (li.), Sänger Jay (Mi.), Bassist Rease …
… und Raly (Keyboards)
… Gitarristen Luk (li.) und Mitch …
THE RED BULLETIN
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BERGSTEIGER, LÄUFER, SKIFAHRER, ALLES EINZIGARTIG EXTREM: DER SPANIER KILIAN JORNET LIEF DEN MONT BLANC IN WENIGER ALS FÜNF STUNDEN RAUF UND RUNTER, DAS MATTERHORN IN WENIGER ALS DREI. THE RED BULLETIN LUD ER ZUM WANDERN EIN. TEXT: NORMAN HOWELL BILDER: MATT GEORGES
ATHLET ÄSTHET ASKET
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Kilian Jornet, 27 Jahre alt, wurde von seinen Eltern als Dreijähriger im Pyjama in den Wald geschickt. Heute legt er in der Natur pro Jahr 15.000 Kilometer zu Fuß zurück.
„... BEIM BERGABLAUFEN GEHT ES MEHR UM DIE HERANGEHENSWEISE ALS UM DEN EIGENTLICHEN SCHRITT. ES GEHT MEHR UM DEN KOPF ALS UM DEN KÖRPER. DEINE FÜSSE MÜSSEN MIT DEM BERG SPIELEN.“
K
ilian Jornet fährt im Winter Ski und läuft im Sommer. Er gewinnt extreme Langstreckenrennen, sprintet über Gletscher, hat einige der berühmtesten Gipfel der Welt bezwungen – in unvorstellbaren Rekord zeiten, ohne fremde Hilfe, mit einem lachhaften Minimum an Ausrüstung. Wenn er kann, bleibt er stehen, genießt die Aus sicht, isst Beeren und trinkt aus Wildbächen. Manche verehren ihn als besten Ausdauersportler der Gegenwart. Andere werfen ihm Respektlosigkeit gegenüber den Traditionen des Bergsteigens vor. Kilian Jornet selbst hält es simpel: Er sagt, er ist einfach jemand, der Spaß in den Bergen hat. Spaß zu haben bedeutet (für Kilian Jornet, wohl gemerkt) zum Beispiel, den Mont Blanc in 4:57 Stun den hinauf und wieder hinunter zu rennen. Oder das Matterhorn in 2:52 Stunden. Oder über die Pyrenäen zu laufen, vom Atlantik bis zum Mittelmeer, 850 Kilo meter und 42.000 Höhenmeter in acht Tagen. Oder wie zuletzt in Alaska Nordamerikas höchsten Berg, den Mount McKinley, in dichtem Nebel zu besteigen und mit Skiern runterzurasen – in 11:48 Stunden. Sein Körper ist ideal für das, was er tut: 1,71 Meter, 58 Kilo, 5,3 Liter Lungenvolumen, ein Ruhepuls von 34. Solche Werte haben Radprofis und andere Aus dauersportler auch. Was Jornet einzigartig macht, ist die Bandbreite seiner Top-Leistungen: Neben seinen Erfolgen bei Speed-Begehungen ist Jornet Weltspitze
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im Ultrarunning (Läufe über Distanzen zwischen 80 und 160 Kilometern), im „Vertical Kilometer“ (einem Sprint über 1000 Höhenmeter) und Skyrunning (Rennen im Gebirge über 20 bis 42 Kilometer). Außer dem hat er die meisten großen Alpen-Rennen im Ski bergsteigen in Rekordzeit gewonnen. Diesen Winter nimmt er den Aconcagua ins Visier, nächstes Jahr den Elbrus in Russland und den Everest. Lesen Sie Auszüge aus einem Gespräch mit Kilian Jornet während einer Tour in Le Tour nahe Chamonix. Ein blauer Mercedes-Van mit spanischen Nummern schildern hält am Parkplatz. Kilian Jornet trägt Trailschuhe, Shorts, Laufweste und eine Daunenjacke. Er ist klein und zurückhaltend, trotzdem vermittelt er Präsenz: offenes Lächeln und die Aura von jemandem, der viel erreicht hat, aber nur wenig spricht. the red bulletin: Erzählen Sie von Ihren Eltern. kilian jornet: Mein Vater ist Bergführer und küm mert sich um eine Schutzhütte. Sein Zugang zum Bergsteigen ist klassisch, feste Bergschuhe, Rucksack. Meine Mutter ist anders. Sie ist Lehrerin, sieht das Bergsteigen undogmatisch, mit tiefem Naturverständ nis. Als Kinder, von drei Jahren an bis vielleicht zehn, gingen wir nach dem Abendessen in unseren Pyjamas immer hinaus in den Wald. Ich erinnere mich, wie viel Angst ich zu Beginn hatte. Meine Schwester und ich klammerten uns an unsere Mutter. Aber nach einiger Zeit gewöhnten wir uns an die Umgebung, an den
„SPASS IST WICHTIG. DOCH SCHMERZEN UND SPASS SCHLIESSEN EINANDER NICHT ZWINGEND AUS.“ nebenen Boden, die Geräusche, den Regen, den u Wind. Langsam fingen wir an, daran Spaß zu haben. Wenn wir wandern waren, mussten meine Schwester und ich vorausgehen. Wir mussten die Route ent scheiden. Es machte Spaß. Wir lernten, uns Blumen, Tiere, Orientierungspunkte einzuprägen. Sie verwenden das Wort „Spaß“ auffallend oft. Ist der so wichtig für Sie? Es ist wichtig, glücklich zu sein. Etwas zu tun, das einen unglücklich macht, wäre Schwachsinn. Das bedeutet aber nicht, dass es im Leben nur um den Augenblick geht. Es kann sehr hart sein und weh tun. Aber Schmerzen und Spaß schließen einander nicht zwingend aus. Macht der Spaß, den eine Sache bereitet, die Schmerzen währenddessen leichter erträglich? Wenn dir von außen Schmerzen zugefügt werden, ist es schwieriger. Aber wenn du bei einer Expedition extremer Kälte und Stürmen ausgesetzt bist, weißt du: Es war deine eigene Entscheidung, jetzt hier zu sitzen. Dann kommst du besser klar damit. Man weiß nie so recht, ob man Sie als Sportler bezeichnen soll, im herkömmlichen Sinn. Ich verstehe, was Sie meinen. Da ist auch was dran. THE RED BULLETIN
Kilian Jornets 2010 erschienenes Buch „Lauf oder stirb“ ist auf Deutsch erhältlich (Malik), „The Invisible Border“ von 2013 vorläufig noch nicht.
„ALS ICH DANN OBEN WAR, FÜHLTE ES SICH PHANTASTISCH AN, DIE SKI ANZUSCHNALLEN. DOCH DAS WETTER WURDE IMMER SCHLECHTER. ICH KONNTE NUR ZWEI, DREI METER WEIT SEHEN. UND ICH MUSSTE SCHNELL FAHREN, UM DEN REKORD ZU BRECHEN.“
Form & Funktion: Jornet ist ideal für seinen Sport gebaut. Er wiegt 58 Kilo, ist 1,71 Meter groß, hat einen Ruhepuls von 34 und 5,3 Liter Lungenvolumen.
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Bergsteigen ist nicht einfach nur ein Sport. Es ist eine Art zu leben. Der Fotograf bittet Jornet, einen besonders steilen Anstieg hinaufzulaufen, weil der Gletscher im Hintergrund eine tolle Kulisse abgibt. Jornet zieht seine Daunenjacke aus und rennt los, mühelos, leicht, federnd. Er scheint den Berg regelrecht hinaufzufließen. Sie haben einmal gesagt, laufen sei wie fließen. Ich dachte immer, Sie hätten das als Metapher gemeint. Jetzt habe ich gesehen: Sie fließen tatsächlich. Es ist schön, Tieren dabei zuzusehen, wie sie sich bewegen. Ihre Bewegungen sind so geschmeidig, sehen so mühelos aus. Wir Menschen gehen viel technischer ran: Man muss sich konzentrieren, wo man hinsteigt, man muss sich anstrengen. Wenn man eine Gämse über Felsen springen sieht, wird einem bewusst, dass wir nicht wirklich dafür gebaut sind, in den Bergen herumzulaufen. Beim Berglaufen geht es mehr um die Herangehensweise als um den eigentlichen Schritt, mehr um den Kopf als um den Körper. Du musst darüber nach68
denken, wie und wo du hintrittst, deine Füße müssen mit dem Berg spielen. Ihr Rekord am Mount McKinley – oder Denali, mit offiziellem athapaskischem Namen – kam unter ziemlich widrigen Bedingungen zustande. Von 20 Tagen am Denali hatten wir nur drei Tage Sonne. Am Tag des Aufstiegs war gutes Wetter vorhergesagt. Am frühen Morgen war es auch noch wunderbar. Auf 5000 Metern schlug es dann aber um: dichte Wolken, Sturm, es fing an zu schneien, nur noch 20 Meter Sicht. Die letzten 1500 Höhenmeter waren wirklich hart. Ich war allein, musste mir meinen Weg bahnen. Das war anstrengend. Ich wusste nicht, ob ich es bis zum Gipfel schaffen würde. Als ich dann oben war, fühlte es sich phantastisch an, meine Ski anschnallen zu können. Doch das Wetter verschlechterte sich weiter. Ich konnte im Nebel nur zwei, drei Meter weit sehen, dazu schneite es stark. Ich musste aber schnell abfahren, um den Rekord zu brechen. Also fuhr ich praktisch auf meinem Hinterteil runter, weil ich sonst keine Chance gehabt hätte, irgendwas vom Boden zu sehen.
„... ERST MIT DEN JAHREN KOMMT EINE GEWISSE KENNTNIS DER NATUR DAZU. DU LERNST, DEN BERG ZU LESEN.“
Ich hatte mir einige Orientierungs punkte eingeprägt und folgte meinen Fuß spuren. Wenn ich weder Orientierungs punkte noch Fußspuren ausmachen konnte, kreuzte ich einfach nach links oder rechts, bis ich wieder welche fand. Dabei versuchte ich die ganze Zeit, so schnell wie möglich zu fahren. Und dann, ganz plötzlich, sah ich das Zelt an der Ziellinie, nur fünf Meter vor mir. Das war eine unglaubliche Erleichterung. Hatten Sie Angst? Angst nicht. Nennen Sie es konstante Besorgnis. Wer nicht auf Risiko steht oder nicht bereit ist, es zu akzeptieren, sollte diese Dinge ja auch gar nicht tun. Wie viel Zeit man auch im Gebirge verbringt, dort trainiert und lebt: Man wird nie alles über die Berge wissen. Das muss man akzep tieren. Wenn du jung bist, schaust du einen Berg an und siehst nichts als Schön heit. Erst mit den Jahren und der Erfah rung werden dir die Gefahren bewusst. Und es sind nicht die, vor denen dich die Bücher gewarnt hätten. Wie meinen Sie das? Als Kletterer weißt du um deine tech nischen Fähigkeiten. Was du nicht weißt, ist, ob der Fels in deiner Hand zerbröseln wird. Genauso wenig weißt du, ob du mit deinen Ski gerade über eine nur dünn mit Schnee bedeckte Eis- oder Felsschicht fährst. Erst mit den Jahren kommt eine gewisse Kenntnis der Natur dazu. Du lernst, den Berg zu lesen. Pause, weil der Fotograf die Beleuchtung einrichten muss. Jornet hockt sich zu einem Strauch und pflückt Beeren. Er macht das im Verlauf des Gesprächs häufiger. Heidelbeeren, Preiselbeeren. Er sammelt eine Handvoll und bietet sie uns an. „Die haben viel Vitamin C! Es gibt so viel gutes Essen in
„Summits of My Life“ ist Jornets aktuelles Projekt: Auf sieben der weltweit wichtigsten Berge will er Rekordzeiten für Auf- und Abstieg aufstellen.
Sie scheinen Genuss aus einer Art Askese zu beziehen. Je weniger man besitzt, desto weniger Probleme hat man. Man führt ein simpleres Leben. Ich bin in meinem Leben schon 16 oder 17 Mal umgezogen. Das Gute daran ist, dass man alles, was man besitzt, ein packen muss – dabei sieht man, was man „Summits of My Life“ – wie fing es mit benutzt und was nicht. Ich mag kein Zeug diesem Projekt an? haben, das ich nicht benutze. Es begann vor drei Jahren, aber darüber Übertragen Sie diese Philosophie auch nachgedacht habe ich schon sehr, sehr aufs Skifahren, Bergsteigen und Laufen? lange davor. Als ich ein Kind war, hing ein Ich unterscheide nicht zwischen Diszi riesiges Poster vom Matterhorn in meinem plinen. Mir geht es nur darum, in den Zimmer. Und die Bücher, die ich las, han delten vom Bergsteigen – ich kannte die Bergen zu sein. Also wozu braucht man Namen all dieser Gipfel, ihre Geschichten. Laufhosen, Bergsteighosen und Kletter hosen? Es sollte doch eine Hose für alles Diese Berge waren schon als Kind Teil mei passen. Das sage ich auch meinem Be ner Kultur. Als ich mit dreizehn mit diesem kleidungssponsor ständig. Sport anfing, war ich fasziniert von Bruno Brunods Matter (Lacht.) Ich bin überzeugt, horn-Rekord und von Stéphane dass Einfachheit und Leichtig Brosse’ Mont-Blanc-Rekord. keit das sind, was nötig ist, um die Berge zu genießen. Ein Eispickel reicht doch, warum Stéphane Brosse starb, während Mont-Blanc-Querung zwei? Ich liebe es, unabhängig er gemeinsam mit Jornet auf Kreuzung von Cour zu sein. Ich will nicht, dass Skiern die acht Gipfel des Montmayeur (Aostatal) nach Sherpas meine Ausrüstung Blanc-Massivs überqueren Chamonix. 8:42 Std. (übliche Zeit: drei Tage) schleppen müssen. Wenn wollte. Eine Schneewechte gab ich mit meiner Freundin auf unter ihm nach, und er stürzte Matterhorn (4478 m) Schlug den 1983 auf Urlaub fahre, machen wir das 700 Meter in die Tiefe. gestellten Rekord seines nach dem gleichen Prinzip. Jugendidols Bruno Wir teilen uns zum Beispiel Nach welchen Kriterien Brunod. 2:52 Std. einen Löffel. Jeder glaubt, haben Sie die Gipfel aus Mont Blanc (4810 m) es sei so teuer, in den Hima gewählt? Höchster Berg der laja zu reisen. Aber das ist Das Matterhorn, nun ja, weil Alpen. 4:57 Std. es nur wegen der Kosten für es das Matterhorn ist. Den McKinley (6168 m) Sherpas, Köche und diverse Mont Blanc, weil er einen fixen Höchster Berg Nord Extras. Wenn du einfach den Platz in der Geschichte des amerikas, arktische Flug zahlst und deine Aus Bergsteigens hat. Den Acon Bedingungen. 11:48 Std. rüstung selbst trägst, dann cagua, weil er Lateinamerikas Aconcagua (6959 m) bist du vielleicht zwischen höchster Berg ist. Den Elbrus, Höchster Gipfel Süd amerikas. Rekordver durch etwas hungriger und weil er der höchste Berg am such noch 2014 geplant. leidest ein bisschen, aber es europäischen Kontinent ist. Elbrus (5642 m) wird viel günstiger und – noch Und weil ich die Tatsache mag, Europas höchster Berg. wichtiger – eine ganz andere dass man in Russland die Teil Ein Rekordversuch Erfahrung. nehmer einer Expedition aus scheiterte bereits. zuwählen pflegt, indem man Neuer Anlauf 2015. Es ist an der Zeit: Jornet muss sie eine Speed-Begehung Mt. Everest (8848 m) dieses Gipfels machen lässt. noch ein paar Filmaufnahmen Das Dach der Welt. Man stelle sich mal ein Rennen auf dem Parkplatz erledigen, Rekordversuch für 2016 vorgesehen. von Chamonix zum Gipfel des auf dem wir uns getroffen hatten. Es wird bald dunkel. Er Mont Blanc vor … undenkbar. greift sich einen der schweren Aber genau das passiert in Rucksäcke des Fotografen, vollbeladen Russland. Deshalb reise ich so gerne hin. mit Fotoausrüstung. Er schultert ihn Der Denali ist ein Polarberg, die Bedin gungen sind wirklich hart. Und dann ist und beginnt, den Weg hinunterzulaufen. da noch der Everest als höchster Berg der Währenddessen singt er, wie in seinem Film Welt. Heute, mit all den kommerziellen „Déjame Vivir“ („Lass mich leben“) und in Expeditionen, ist er fast schon leicht zu den vielen YouTube-Clips, in denen er zu besteigen. Aber wenn man die normale sehen ist. Mühelos springt er den felsigen Route und die Fixseile meidet, nun ja, und matschigen Pfad hinab. Wie ein Kind, dann ist es immer noch ein riesengroßer glücklich, bald ist er verschwunden. Nur Berg. Wir werden auf dem Everest auch sein Gesang hallt nach. www.summitsofmylife.com nur zu viert sein, ohne Träger. den Bergen. Deshalb nehme ich selten etwas mit. Und Wasser gibt es auch überall!“ Dann schießt er ein Foto von den Beeren in seiner Hand und postet es auf seiner Instagram-Seite. Was er in den Bergen erlebt, teilt er dort mit über 60.000 Followern.
SUMMITS OF MY LIFE
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/redbulletin
Visual Storytelling Abseits des Alltäglichen
Ellinor Olovsdotter has the flu. The rising star known as Elliphant often gets sick when she visits LA, she explains, raspy-voiced and half naked, completely unself-conscious about her
THE CAPTAIN OF ADVENTURE ALL-ROUND ACTION HERO WILL GADD IS A LIVING LEGEND IN THE TRUEST SENSE.
„MEINE EINZIGE ANGST IST DIE ANGST SELBST“
„MEINE EINZIGE ANGST IST DIE ANGST SELBST“
body. The globe-trotting former model from the wrong side of the tracks is part of a Nordic
SIMPLY THE BEST
new wave of fierce dance-pop divas, alongside fellow Swedes Icona Pop, Robyn, Lykke
Entdecke die neue
redbulletin.com
Das sind Ihre Begleiter, wenn es mal wieder richtig laut wird. Seite 83
Ihr Programm im Januar
AC T I O N ! REISEN / EQ U I PM ENT / PARTY / WO RKO UT / C ITY GU I D E / M USI K / EVENTS / TV
Power Ranger
ANSTECKENDE BEGEISTERUNG: MOUNTAINBIKE-TRIAL-HERO DANNY MacASKILL LIEBT DIE STROM-KTM.
MARCO CAMPELLI
PROFI GEAR, Seite 72
THE RED BULLETIN
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ACTION!
PROFI-GEAR
DANNY ’S STUFF VOM GLEICH GEWICHTS-GURU EMPFOHLEN Hinterbremse Dort, wo bei Benzin-Bikes die Kupplung ist.
Akku Wiegt rund 28 Kilo, ist in einer Minute getauscht. Power für bis zu zwei Stunden.
SENNHEISERHEADPHONES
Kein Auspuff Leise, umweltfreundlich – und: Man kann sich nicht verbrennen.
Ein altes Modell, das nicht mehr produziert wird, aber auch nicht kaputtgeht. Über die Jahre sind wir zusammen gewachsen. sennheiser.com
Motor Leistet bis zu 22 PS. Reicht im Gelände!
RUMBLE ROLLER Sehr unkomfor tabel. Massiert das Bindegewebe wunderbar. Habe ich bei der Reha entdeckt, hilft aber auch nach einem langen Bike-Tag.
Ladegerät Nachtanken an der Steckdose ohne Ausbau.
rumbleroller.com
Megaskill & Kilowatt KTM FREERIDE E TRIAL-SUPERSTAR DANNY MacASKILL IST VERLIEBT IN SEIN MOTORRAD, DAS MIT STROM FÄHRT. Danny MacAskill, der 28-jährige Trial-Profi aus Schottland, ist nun auch motori siert unterwegs.
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Die KTM Freeride E machte mir als Radfahrer den Umstieg denkbar leicht. Keine Gänge, keine Kupplung, kein heißer Auspuff, am Lenker zwei Bremshebel wie beim Fahrrad. Nach ein paar Tagen fuhr ich schon Wände hoch! Andere Dinge, die ich am Fahrrad blind kann, etwa Fakie Manuals, brauchen mit der
KTM eine perfekte Abstimmung. Ich benutze die KTM Freeride E, um Trails frei zu fahren, auf denen ich dann mit meinem Mountainbike trainiere. Ob es je ein Motorrad- Video von mir geben wird? Ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt. Dafür muss ich aber noch ein wenig üben! www.ktm.com
FIVE TEN FREERIDER Der Schuh mit dem perfekten Grip in allen Lebenslagen, auch im schotti schen Regen. Und er trägt meinen Namen! fiveten.com
THE RED BULLETIN
ACTION!
WORKOUT
Warum Harrison Barnes Schnellkraft trainiert? Darum.
Harrison Barnes, 22, ist Small Forward des NBATeams Golden State Warriors.
Hochsprung BASKETBALL SO BRINGT SICH HARRISON BARNES, FORWARD DER GOLDEN STATE WARRIORS, FÜR DIE NBA-SAISON IN FORM. „Die Fähigkeit, das Maximum aus dem Körper rauszuholen, unterscheidet die außergewöhnlichen von den guten Ath leten“, sagt NBA-Profi Harrison Barnes. „Im Profi-Basketball heißt das vor allem: Explosivität und Schnelligkeit.“ 2013, in seiner ersten Saison beim Team aus Oakland, Kalifornien, erreichte Barnes in den Playoffs einen 16-Punkte-Schnitt. Nach einer durchwachsenen Folgesaison sicherte sich der 2,03 Meter große Forward die Dienste von Personal Coach Travelle Gaines, der über 300 Football-Profis be treute und auch Stars wie Sean „P. Diddy“ Combs fit machte. Sein Hauptaugenmerk: die Beinarbeit und der schnelle Übergang von der Defensive in die Offensive. „Wir trainieren viele Sprungkraft- und Lauf übungen“, so Gaines. „Entscheidend: star ke Knöchel und Zehen für einen schnell kräftigen Absprung.“ www.nba.com
I N D I E K N I E! „Kniebeugen mit Schulterdrücken sind ein großartiges Ganzkörper-Workout“, schwärmt Coach Gaines. „Die besten Ergebnisse erzielt man mit 2 bis 3 Sätzen zu 12 bis 15 Wiederholungen.“
Trainieren wie ein NBA-Profi. In einem Video gibt Harrison Barnes Einblicke in sein persönliches Workout. Jetzt auf www.redbulletin.com
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FUSSFESSEL
GETTY IMAGES(2)
HERI IRAWAN
SKLZ LATERAL RESISTOR „Dieses Widerstandsband habe ich immer dabei“, sagt Gaines. „Einfach über den Knöcheln fixieren und für einige Sekunden hochintensive Schrittmuster – z. B. Sidesteps, Sternschritte, Ausfallschritte – ausführen … das kräftigt die Hüften und verbessert die Schnellkraft.“
THE RED BULLETIN
Aufrechter Stand, Füße hüftbreit, Kurzhanteln auf Schulterhöhe, Arme nah am Körper
Kniebeuge ausführen, Oberkörper bleibt aufrecht, Knie über den Füßen
Beim Hoch kommen Hanteln über den Kopf stoßen. Zum Abschluss in die Ausgangs position zurückkehren
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ACTION!
TRAVEL
Eine zunehmend beliebte Art, den Belag des Wintersportgeräts zu schonen
HÖHEN & TIEFEN ADRENALIN-RAUSCH AUF SCHWEIZER ART
GESCHÜTTELT Sich einmal wie James Bond in „GoldenEye“ fühlen? Der 220-MeterBungee-Jump vom Locarno-Damm im Südschweizer Tessin macht’s möglich. trekking.ch
Big Air, aber sehr Snowboard- oder Ski-Spaß, kombiniert mit dem Adrenalinkick des Drachenfliegens? Gibt es seit ein paar Jahren. Nennt sich Woopy Jump und bekommt in den Schweizer Alpen mehr und mehr Aufwind – und Anhänger, die mit rund 50 km/h einen eisigen Hang runterbrettern, Board oder Ski an den Füßen und einen deltaförmigen, aufblasbaren Flügel auf den Rücken geschnallt. Damit verwandeln sie Sprünge in schwerelose Segelphasen mit bis zu 30 Sekunden Airtime. „Es fühlt sich an, als würde man fliegen“, erzählt Emma Shore, eine kanadische Snowboarderin, die Woopy Jumping im Westschweizer Skigebiet Schwarz see (Lac Noir; Kanton Freiburg) ausprobiert hat. „Der Drachen ist federleicht, und während des Gleitens fühlt man sich einfach schwerelos.“ Noch steckt der Sport in den Kinderschuhen. Nur eine Handvoll Wintersportresorts in der Schweiz, der Heimat des Woopy Jumping, bieten entsprechende Kurse und Leih-Equipment. Aber die Begeisterung derjenigen, die ihre ersten Höhenflüge schon hinter sich haben, ist riesig. „Ich bin schon viel geboardet und habe einige Jumps hinter mir“, sagt Shore. „Aber mit einem Drachen auf dem Rücken ist das was ganz anderes. Es ist wirklich der Hammer.“ jump.woopyjump.com
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INSIDER-TIPP GANZ ODER GAR NICHT „Das Wichtigste ist, dass du dich zwischen Schnee und Luft entscheidest“, sagt Emma Shore. „Denn wenn du beim Abheben zögerst, klappt es nicht. Also lass dich auf den Drachen ein und flieg los!“
GESPRUNGEN Helikopter-Rundflug über die Alpen, Ausstieg auf 4500 Metern für einen atemberaubenden Tandem-Fallschirmsprung. helicopterskydive.com
Die Guten schaffen bis zu 30 Sekunden Airtime.
Und so lenkt man
„Es gibt zwei Arten zu lenken“, sagt Laurent de Kalbermatten, Erfinder des Woopy-Drachens. „Entweder wie beim Drachenfliegen den Schwerpunkt verlagern oder unabhängig an den Steuerbügeln ziehen und so den Neigungswinkel des Drachens verändern.“
GEPICKELT Sich in Gletscherspalten abseilen und selbst wieder rausklettern – unter Anleitung der erfahrensten Eiskletter-Guides der Schweiz ein unvergessliches Erlebnis. swissalpineguides.ch
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GETTY IMAGES(2), FOTOLIA(2)
W OOPY JUMPING LUFTIGE IDEE: SNOWBOARDEN ODER SKIFAHREN MIT DRACHENFLIEGEN VERBINDEN.
ACTION!
MY CITY
Sopot
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DANZIG, POLEN
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„Eine Million gute Bekannte“ DANZIG FEINER JAZZ, IRRE ARCHITEKTUR, FAMILIÄRES FLAIR – WAS DIE POLNISCHE HAFENSTADT ZUM REISE-GEHEIMTIPP MACHT.
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„Auf den ersten Blick erinnert Danzig an westeuropäische Hafenstädte wie Amsterdam oder Brügge“, sagt der polnische Star-DJ Tomek Hoax über seinen Geburtsort, „wegen der Backsteinkirchen und der Kanäle hier. In Wahrheit aber ist Danzig einzigartig: Es bildet mit den Nachbar-Citys Sopot und Gdynia die aufregende ‚Dreistadt‘ (‚TrÓjmiasto‘), die für jeden Geschmack etwas parat hat: Sopot, die Party metropole, Gdynia, die Ruheoase, Danzig, die Altstadt mit Cafés, Pubs und Jazzbars. Die Menschen? Eine Million Dreistädter leben hier, und jeder scheint jeden zu kennen. Zu den Touris ist man offen, und denen gefällt’s: Es werden von Jahr zu Jahr mehr.“
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1 SFINKS 700 Al. Franciszka Mamuszki 1 „Danzigs bester Club. Hier spielen internationale wie lokale Top-DJs. Chef ist der welt berühmte Jazzpianist Leszek Moz˙dz˙er. Er ist oft vor Ort und improvisiert gern am Piano mit den DJs. Einzigartig.“
EXTR A KI C K ACTION IN UND UM DANZIG
THE RED BULLETIN
2 KRUMMES HAUS Jana Jerzego Haffnera 6 „Touristisch – aber ein Mustsee: das irre Konstrukt bauten zwei polnische Architekten, inspiriert von bizarren Grafiken des Schweden Per Dahlberg. Innen? Shops, Kneipen, Spielhallen … und viel Trubel.“
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Resident DJ: Tomek Hoax, 35, aus Danzig
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3 MURALE Stadtteil Zaspa „Ein Bezirk mit einmaligem Flair: Hier verzierten Street- Artists die grauen kommunistischen Wohnblocks mit riesigen Graffiti. Wer alle sehen will, sollte zwei Stunden Gehzeit einplanen. Es zahlt sich aus.“
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4 NEIGHBOUR’S KITCHEN Szafarnia 11 „Frage: Essen in Danzig? Antwort: Neighbour’s Kitchen. Der Laden ist mega-beliebt und bietet Luxusmenüs wie auch Burger – für hohe Ansprüche: Selbst die Burger-Brötchen werden hier selbst gemacht.“
5 FOOD TRUCKS Dreistadt
„Unsere Food Trucks sind legendär. Es sind mobile und knallbunte Imbisswagen, die dort auftauchen, wo was los ist. Mein Lieblings-Truck? ‚Mukabar‘ mit seinen genialen Falafel-Sandwiches.“
EISSEGELN
WRACKTAUCHEN
WINTER-SKATEN
Segelboote auf Kufen, blankes Eis, Speed … Die zugefrorenen masurischen Seen sind ein Paradies für Eissegler.
Versunkene Meeresschiffe tauchend erkunden? An der Danziger Küste ist dies auch im Winter möglich.
Der 1500-m²-Outdoor-Skate park ist neu. Dank des milden Meeresklimas macht Skaten hier sogar im Winter Spaß.
icesailing.org
balticdive.pl
abiskatepark.pl
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30 Stunden Seth Troxler (oben) ist einer von 20 hochkarätigen DJ-Gratulanten. Beim Fabric-Geburtstag spielt er zwei Sets: die Frühschicht um zehn Uhr morgens und die Afterparty 20 Stunden später.
PARTY
200.000 Bass-Drum-Schläge, 8500 Tänzer, 20 DJs, drei Floors: Im Oktober feierte Londons bester UndergroundClub Fabric seinen 15. Geburtstag. Mit einem Party-Marathon von Samstagnacht bis Montag früh. Text: Florian Obkircher Bilder: Alex de Mora
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Samstag, 23:00
Oliver Bourke ist gerüstet. Im Jutebeutel hat er Zahnbürste, Haargel und Sonnenbrille da bei. „Ungewöhnliche Nächte verlangen nach ungewöhn lichen Maßnahmen“, sagt er. Der 25-jährige Grafikdesigner ist hier, um zu feiern. 30 Stun den lang. Denn Londons bester und größter Underground-Club Fabric feiert sein 15-jähriges Bestehen mit einem Party- Marathon bis Montag früh. Seit einer Stunde steht Bourke in einer 150-MeterSchlange an. „Seit ich 18 bin, komme ich her. Die DJs im Fabric haben mich musikalisch erzogen“, sagt er. „Und heute sind 20 der weltbesten am Start: Ricardo Villalobos, Seth Troxler, Craig Richards …“
23:02
Ein dreistöckiges viktoriani sches Backsteingebäude, dezenter „Fabric“-Schriftzug über der schweren Metall doppeltür, davor Absperrgitter. 78
Rechts werden die Karten besitzer abgefertigt, links drängen sich die, deren Namen auf der Gästeliste stehen. Und die, die darauf hoffen. „Hier!“, brüllen vier Leute der zier lichen jungen Frau mit GlitzerMake-up entgegen, Jo Neill, 25, unter der Woche Architek tin, samstags Wächterin an der Party-Himmelspforte. „Name?“ „Andy Harris.“ „Leider nicht auf der Liste.“ „Aber … Seth Troxler hat mir versprochen …“ „Sorry, Darling, bitte stell dich auf der anderen Seite an.“ In normalen Nächten stehen 300 Namen auf Neills Liste, heute sind es 842. Wer Neill passiert hat, muss durch einen Metalldetektor, bevor die Leibesvisitation durch den kastengroßen Türsteher folgt, samt Taschenkontrolle.
Sonntag, 00:14
Der Spitzname des Clubs ist Labyrinth, und das nicht ganz ohne Grund. Die drei unter
irdischen Dancefloors sind durch zwei breite BacksteinTreppengewölbe miteinander verbunden. Es sind die Haupt verkehrsadern des Clubs. Dazwischen Balkons, Bars, Toiletten – und ausreichend verwinkelte Wendeltreppen und enge Gänge, um sich gründlich zu verlaufen. Be schilderungen gibt es keine. „Raum 3? Hier links, durch den Gang rechts, die Treppe hoch. Alles klar?“
00:18
In Raum 3 lehnt Keith Reilly an der Bar. Kurzhaarschnitt, Dreitagebart, schwarzes T‑Shirt, der Fabric-Chef. Nach dem 19. Oktober 1999 befragt, schmunzelt er. „Die erste Nacht war chaotisch. Drei Stunden vor Einlass hatten wir noch keinen Strom“, sagt der 55-Jährige. „Am Ende der Party stellten wir fest, dass keiner von uns wusste, wie man das Gebäude verriegelt. Also blieben wir einfach und feierten weiter.“
Reillys Idee damals war, e inen Underground-Club von Musikliebhabern für Musik liebhaber zu betreiben. „Einen Ort, an dem der Besucher nicht nach seinem Outfit be urteilt wird“, sagt er. „Und das zu einer Zeit, als es in London fast nur Schnösel-Clubs gab, in denen HandtäschchenHouse lief.“ Über 4000 Künstler traten seither bei 2600 Events auf, annähernd fünfeinhalb Millio nen Besucher tanzten in dem ehemaligen Fleischkühlhaus. Allein beim Geburtstagsfest werden 8500 erwartet. 2007 und 2008 wurde das Fabric vom Szene-Organ „DJ Magazine“ zum besten Club der Welt gewählt. Nach dem Erfolgsrezept befragt, sagt Reilly nur ein Wort: Authen tizität. Und führt aus: „Die Guettas und Aviciis dieser Welt legen nicht bei uns auf, auch wenn viele dieser gelackten Superstar-DJs gerne würden. Wir buchen nur DJs mit Vision und Leidenschaft.“
01:15
Raum 1 ist das Zentrum der Party-Kathedrale. Zehn Meter hohe, unverputzte Ziegel wände, über die Decke ziehen sich dicke Metallrohre. Grüne Laserstrahlen schneiden durch die Nebelwand. Die DJ-Kanzel ist kaum erhöht und von einem zwei Meter hohen Metallgitter umgeben, sodass man den DJ eigentlich nicht sieht. Soll auch so sein. Denn der Star hier ist die Musik. Und die schießt aus vier riesigen hängenden Lautsprechern aus allen Ecken auf die hunderte Tänzer nieder. Der Fußboden ist mit 400 Sensoren aus gestattet, die Schallwellen in Vibrationen umwandeln. Der Bass wumst so arg, dass beim Tanzen die Knie schlottern.
04:15
Ein bulliger Security-Typ bewacht die Metalltür neben dem clubeigenen Bankomaten. Nur wer ein goldenes Plastikarmband mit der Aufschrift „Rockstar“ trägt, darf passieren. Der Backstage-Raum. Wer hier rumhängt, ist wichtig. Oder fühlt sich so. An die 40 Szenegestalten drängen sich in dem 15 Quadratmeter großen, dunkelrot ausgemalten Zimmer. Es ist stickig und heiß. Der kleine Ventilator in der Ecke heillos überfordert.
04:18
Tatsächlich ein Rockstar unter den Rockstar-Band-Trägern ist Normski. Angegrauter Vollbart, kratzige Stimme, leuch tende Augen. Ständig klopft
„DIE GUETTAS UND AVICIIS DIESER WELT LEGEN NICHT BEI UNS AUF, AUCH WENN SIE DAS GERNE WÜRDEN.“
ihm jemand auf die Schulter, immer wieder wird er umarmt. Vielen der hier Anwesenden brachte Normski bei, was House-Musik ist. In den späten 1980er Jahren moderierte er die erste Dancemusic-Sendung im britischen Fernsehen. Das selbstbewusste Lebensmotto des Party-Veteranen: „Ich brauch das Nachtleben nicht, das Nachtleben braucht mich.“ Im Fabric ist er seit 15 Jahren Stammgast. „Äußerlich hat sich der Laden kaum ver ändert, er ist immer noch so abgefuckt wie am Anfang“, sagt er. „Und das ist gut so, die Leute kommen wegen der Musik. Um die Champions League der DJ-Welt spielen zu sehen. Frag britische DJs nach ihrem Karriereziel. Die Antwort ist immer die gleiche: einmal hier aufzulegen.“
Bei der größten Party des Jahres arbeiten 245 Leute im Fabric. Vom Barpersonal über den Pizzabäcker bis zu den DJs. Einer davon ist Craig Richards (Mitte, oben). Seit der Eröffnungsnacht vor 15 Jahren steht er jeden Samstag hinter den Plattenspielern in Raum 1. Rechts unten: DJ James Jackson und Szene-Veteran Normski plaudern im Backstage-Raum über die Anfangstage des Super-Clubs.
09:32
Super Marios kleiner HipsterBruder betritt den BackstageRaum: Seth Troxler. Lockenkopf, Schnauzbart, Hüftgold. 79
„Seth! Seth!“ Zwei hübsche Frauen fallen ihm zur Begrüßung um den Hals. Der US-DJ sieht erschöpft aus, obwohl sein Set erst in einer Stunde beginnt. Wie plant man einen Gig um 10.30 Uhr? Schläft man vor oder gleich gar nicht? „Letzteres. Ich komme direkt vom Flughafen. Vor ein paar Stunden hab ich noch bei einem Festival in Amsterdam aufgelegt.“
11:45
Laut Plan hätten Marcel Dettmann und Ben Klock schon vor zwei Stunden abdrehen sollen. Die beiden Stamm-DJs aus Berlins legendärem Club Berghain schwitzen seit elf Stunden hinter den Plattenspielern in Raum 2. Als Abschluss nummer spielen sie „Idioteque“ von Radiohead. Als Dettmann von der Kanzel steigt, wirkt er erstaunlich frisch. „Die ersten drei Stunden haben sich etwas gezogen, aber dann ist die Zeit verflogen“, sagt er. War das heute das längste Set seiner 80
Karriere? „Nein. Im Berghain hab ich einmal 16 Stunden am Stück gespielt.“ Die Dienst woche ist für ihn noch nicht zu Ende. In drei Stunden geht sein Flieger nach Amsterdam, weiter zur nächsten Party.
14:00
Halbzeit. 15 Stunden Party sind geschafft, Zeit zu verschnaufen: Drei junge Frauen machen auf den Lederfutons in Raum 2 Yoga-Übungen. In Raum 1 hockt eine Gruppe junger Männer an der Wand, wie Embryos, Beine angewinkelt, Kopf zwischen den Knien. Einer von ihnen ist Oliver Bourke. Seine Augen sind klein und rot. Er muss nicht erwähnen, dass er vergessen hat, Deo-Spray in seine Tasche zu packen. Er ist entschlossen durchzuhalten. „200.000 Bass-Drum-Schläge“, murmelt er. „Ich hab’s mir ausgerechnet. 30 Stunden Techno. Das bedeutet zirka 200.000 BassDrum-Schläge. Ich will keinen einzigen verpassen.“
16:05
Wie stärkt man sich beim Party-Marathon, wenn man den Club nicht verlassen will? Im Raucherhof gibt’s einen Pizza-Truck. An die 100 Pizzas hat der Koch mit gezwirbeltem Schnurrbart in den letzten drei Stunden gebacken. Der Bestseller bislang: „Smokey Seth“ mit würzigen Schweinefleischstreifen und scharfer Jalapeño-Salsa-Sauce, nach einem Rezept Seth Troxlers. „Deftige Kost“, sagt der Koch beim Anblick von Bourke. „Vielleicht nimmst du besser ein Stück Margherita, das verträgt der Magen leichter.“
19:00
Ein Pharao mit Dreadlocks und Sonnenbrille schleppt
Pappkartons auf die Tanz fläche. Der Inhalt: Perücken in allen Farben der Geschmacksverweigerung, Bauarbeiter helme, Pferdemasken, Zwergmützen, Priesterkutten, Riesenschnuller. Eine Geburtstagstradition im Fabric: Es ist die einzige Nacht des Jahres, in der Kostüme im Club erwünscht sind. Die kleine Geste hat großen Effekt: Binnen weniger Minuten drängen sich die Gäste wie kleine Kinder um die Kisten und kramen darin. Die Müdigkeit des Nachmittags ist wie verflogen. Normski steckt in einem engen roten Cocktailkleid, sein Oberkörper glänzt vor Schweiß. Er schreit mit heiserer Stimme: „Ich brauch noch eine Perücke, gebt mir eine Perücke!“
„30 STUNDEN TECHNO. DAS BEDEUTET 200.000 BASS-DRUM-SCHLÄGE. UND ICH WILL KEINEN VERPASSEN.“
21:05
Ein Hase betritt die Bühne und stellt sich an eine Burg aus analogen Synthesizern: Mathew Jonson, kanadischer Techno-Spezialist. Der Beat kickt los. Wie besessen schraubt er an den Reglern. Beim Headbangen fällt ein Ohr seines Hasenkostüms ab.
22:00
Der Wahnsinn bricht los: Ein zwei Meter großer rosa Barbapapa klettert auf die Bühne und fordert den Ein-Ohr-Hasen zum Tanzen auf. LederhosenBayern messen sich mit Obenohne-Bauarbeitern im Breakdance. Seth Troxler tanzt im Publikum – mit Babyhaube und Stripperinnen-Negligé. „Herrlich!“, brüllt Bourke. Er trägt ein Batman-Kostüm. „So muss es damals im Studio 54 zugegangen sein.“
Montag, 01:32
Die 26 Party-Stunden machen sich bemerkbar: Der Fußboden
klebt, es riecht nach Schweiß, das Balzverhalten junger Männer verliert letzte Hemmungen. Sie strecken den Kopf wie Gockel nach oben und suchen angestrengt den Augenkontakt vorbeitanzender Frauen.
04:59
Die letzte Minute bricht an, der chilenische Minimal-TechnoPionier Ricardo Villalobos spielt seinen größten Hit: „Easy Lee“. Viele strecken Smartphones in die Luft, um den finalen Moment des PartyMarathons auf Video einzufangen. Drei … zwei … eins … uuund? Nichts passiert. Der Beat poltert weiter.
05:20
Bourke, dem man den Batman mittlerweile nicht mehr abnimmt, sagt: „Beim Endspurt einer Party schaltest du in den Marathonläufer-Modus: nicht denken, einfach weitermachen.“ Sein Blick legt die Vermutung nahe, dass er in diesem Modus angelangt ist.
06:10
Der DJ dreht den Platten spieler ab. Der Beat wird langsamer und endet in einem dumpfen Grollen. Das Licht geht an. Die Tänzer blinzeln und zucken zusammen, Vampire bei Sonnenaufgang. Bourke zückt seine Sonnenbrille und verabschiedet sich, verschwitzt und überglücklich. Die Party ist aus – nach 32 Stunden.
Die längste DJ-Schicht der Marathon-Party haben die Berliner Techno-DJs Marcel Dettmann und Ben Klock (unteres linkes Bild auf dieser Seite) ausgefasst: satte elf Stunden, von ein Uhr nachts bis zwölf Uhr mittags. Das Durchhalterezept? „Am Nachmittag vor schlafen“, sagt Dettmann und grinst.
06:30
Raum 1 ist leer, der Putztrupp längst im Einsatz. Es ist still, abgesehen von diesem Piepsen im Ohr. Da geht die BackstageTür auf. Eine kleine Gruppe übriggebliebener Goldarmbandträger taucht auf, zieht um in Raum 3. Auf der Tanzfläche stehen Kartons mit Getränken bereit – das Barpersonal ist schon auf dem Heimweg. Seth Troxler eröffnet die After-Party mit einer sexy Space-Disco-Platte. www.fabriclondon.com
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ACTION!
FEIERABEND Feiern in der Edelweissalm: mit DJs, Tänzerinnen und Konfetti
KURIOSE CLUBS UNTER WASSER, AUF EIS, IM BAUM: DIE UNGEWÖHNLICHSTEN BARS DER WELT.
SUBSIX
Niyama, Malediven 6 Meter unter der Meeresoberfläche: Im weltweit ersten Unterwasser-Club können Besucher beim Tanzen Fischschwärme durch die Glaswände beobachten.
Dirndl-Dance L ÜRZER ALM DIE LÜRZER-BRÜDER SIND DIE ERFINDER DES MODERNEN APRÈS-SKI. IN IHREN LOKALEN IN OBERTAUERN TRINKEN UND TANZEN 3500 GÄSTE. TÄGLICH.
LÜRZER ALM Ringstraße 51 5562 Obertauern www.luerzer.at
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CHILLOUT
INSIDER-INFO GERHARD LÜRZER, 46, BETREIBT U. A. DIE LÜRZER ALM UND LEBT IN OBERTAUERN.
DIE BESTE SKIPISTE IN OBERTAUERN IST … … Gamsleiten 2, eine der steilsten Buckelpisten Europas. Auch super: Nachtskifahren am Montag und Donnerstag bis 22 Uhr. DER BESTE ORT FÜRS ERSTE DATE IST … … die Kaminstube der Lürzer Alm. Abseits des PartyLärms, für romantische Stunden am offenen Feuer. DIE OBERSTE REGEL BEIM APRÈS-SKI IST … … Einteilung. Zwischendurch Wasser trinken und sich im Hotel ausruhen – nur so schafft man es durch die Nacht.
Dubai, Vereinigte Arabische Emirate Eine Eisbar in der Wüstenstadt: eine Raumtemperatur von 6 Grad unter null, 40 Grad kälter als draußen. Am Eingang erhalten die Besucher Mäntel und Mützen.
TREE BAR
Limpopo, Südafrika 1700 Jahre alt, 47 Meter Durchmesser: Einer der ältesten und größten Affenbrotbäume der Welt beherbergt in seinem Inneren eine Bar. Und bis zu 15 Gäste.
THE RED BULLETIN
ALEXANDER MARIA LOHMANN(5), FOTOLIA(3)
Bis 1986 war es üblich, dass in Skiorten zweimal pro Woche Unterhaltungsbands zum Fünfuhrtee aufspielten. Gerhard Lürzer und seine zwei Brüder erkannten 1986 das Potential des Kränzchens. Und verwandelten es in eine Party: Sie ersetzten die Band durch einen DJ, der fortan allabendlich die Lürzer Alm rockte. Das war die Geburtsstunde des modernen AprèsSki. „Für die Gäste war’s eine Sensation. Und für uns praktisch: Der DJ war billiger als die Live-Kapelle“, sagt Lürzer. In der Folge bauten sich die Brüder ein Gastronomie-Imperium in Obertauern auf. In vier Betrieben versorgen sie heute 3500 Gäste täglich: vom Frühstück bis zum Absacker um vier Uhr morgens. Getanzt wird nachts zu Schlagern (People Bar), Après-Ski-Hits (Edelweissalm, Lürzer Alm) und HouseBeats (Mundwerk). Und: zu Beatles-Songs. Als Tribut. 1965 drehte die Band ihren Film „Help!“ in Obertauern. Paul McCartneys Pisten-Double war ein lokaler Skilehrer: Herbert Lürzer senior, der Vater der drei.
ACTION!
LADEN & LAUSCHEN
DURCHBRUCH Als Jugendlicher nahm Ariel Pink schräge FolkPunk-Songs auf Kassette auf, die Beats kamen aus seiner Achselhöhle. 2003 wurde er von den US-Indie-Stars Animal Collective entdeckt, die sogar ein Plattenlabel gründeten, um Pinks Musik groß herauszubringen. Nun erscheint das zehnte Album des letzten begnadeten Wirrkopfs der Popmusik: „Pom Pom“ ist ein durchgeknalltes Sammelsurium aus New Wave, Schnulzen, Werbemelo dien und räudigem Freak-Rock. Pinks Querschlägerstil wird mittlerweile auch im Mainstream geschätzt: Madonna lud ihn ein, Songs für ihr nächstes Album zu schreiben. Als Tribut wählt er fünf Songs der Pop-Queen, die seine Jugend prägten.
Ariel Marcus Rosenberg alias Ariel Pink, 36, durchgeknalltes Pop-Genie aus Los Angeles
KaugummiKirchenmusik PLAYLIST VON ANTONIO BANDERAS BIS MICKY MAUS: MADONNAS NEUER SONGSCHREIBER ARIEL PINK UND SEINE FÜNF LIEBLINGSHITS DER POP-QUEEN.
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Eigentlich war Madonna in meiner Schule als MädchenMusik ver rufen, aber mir war das egal. Dieser Song verkörperte für mich als Kind Glückseligkeit. Wenn er im Radio lief, schloss ich meine Augen. Ich stellte mir vor, dass Micky Maus zu mir singt – vermutlich wegen Madonnas Stimme – und dass meine Eltern mit mir Spielzeug kaufen gehen. Herrlich!
Was hat mich dieser Song als Teenager gepackt! Madonna singt über ihre Jugend, den Tod der Mutter, die Konflikte mit dem Vater, das Ausbrechen aus dem katholischen Umfeld. Das Stück ist autobiografisch – und das spürt man. Kommerziell gesehen war die Single ein Flop. Aber ich halte sie für ihren berührendsten Song überhaupt.
Wieder ein trauriger Song, und wieder ein unglaublich schöner. Sie ist eigentlich nicht für ihre Balladen bekannt, dennoch ist ab dem ersten Takt klar: Das ist Madonna. Unverkennbar. Egal dass sie ihre Produzenten damals wechselte wie ihre Liebhaber. Ihr Gefühl für simple, griffige Melodien war in den Anfangsjahren unwiderstehlich stark.
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Niemals klang eine Urlaubsphantasie sinnlicher. Wenn ich „La Isla Bonita“ höre, möchte ich mit Antonio Banderas am Strand von Cancún Martinis trinken. Natürlich strotzt der Song nur so vor Klischees: Flamenco-Gitarren, spanische Textfloskeln. Es lohnt, die auszublenden. Dahinter liegt einer der besten Popsongs der achtziger Jahre.
Für mich der letzte große Madonna-Klassiker, 1989 erschienen. Als ich mit der Schule fertig war und in einem Plattenladen arbeitete, interessierte ich mich statt für MTV und Madonna-Songs für Thrash Metal und noch abartigere Musikgenres. Zeitlos großartig: Durch den gospelartigen Chor klingt es wie perfekte Kaugummi-Kirchenmusik.
„Borderline“
„La Isla Bonita“
SASHA EISENMAN, WARNER MUSIC, ROGER SARGENT
www.ariel-pink.com
THE RED BULLETIN
„Oh Father“
„Cherish“
DIESE DREI NEWCOMER WERDEN 2015 RICHTIG DURCHSTARTEN.
ILOVE MAKONNEN Von Miley Cyrus verehrt, von Drake gefördert: Der 25-jährige Rapper vermählt verträumte Klangflächen mit hartem Hip-Hop. Für Fans von: Future, Drake. Anspieltipp: „Tuesday“
„Live to Tell“
FAT WHITE FAMILY Nacktauftritte, Raufereien mit Fans: Das BluesPunk-Sextett ist Englands wildeste neue Live-Band. Für Fans von: Nick Cave, The Fall. Anspieltipp: „Bomb Disneyland“
LÄ R M S C H UTZ GADGET DES MONATS
DUBS Die ersten High-Tech-Ohrenstöpsel der Welt: DUBS blockieren den Schall nicht einfach, ein Frequenz-Filtersystem in den Silikon-Polymerschaum-Stöpseln erhält das Original-Klangbild, reduziert es aber um 12 Dezibel. Perfekt für laute Clubs und Konzerte. www.getdubs.com
TINASHE Model, Schau spielerin, Sängerin: Mit düsteren R & BBalladen stürmt die 21-Jährige direkt in die Superstar-Liga. Für Fans von: Aaliyah, Weeknd. Anspieltipp: „Pretend“
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ACTION!
GAMES
Unendliche Weiten – und unendliche Möglichkeiten
CHIC KLICK RAUMSCHIFF ODER GAMING-MAUS? SCHAUT NICHT SO AUS, ABER: MAUS.
TT ESPORTS LEVEL 10 M Tt eSports ent wickelt Keyboards und Mäuse für Profi-Gamer – für dieses Schmuckstück aus Alu hat man Unterstützung von der BMW- Designabteilung bekommen.
Das Universum im Sandkasten U NIVERSE SANDBOX ² WER WÜRDE NICHT GERNE MAL GOTT SPIELEN? DIESER WELTRAUM-SIMULATOR MACHT’S MÖGLICH. Was passiert, wenn plötzlich ein riesiger Asteroid am Himmel erscheint und auf Kollisionskurs mit der Erde geht? Beim Ein schlag produziert er einen Krater größer als Australien. Und eine Feuerwand, die um die Erde rast, alles Leben auslöscht und die Ozeane verdampfen lässt. Was von unserem Planeten übrigbleibt, ist ein lebloser Fels mit der Temperatur eines Pizza ofens. Klingt nicht unbedingt nach einem gelungenen Sonn tagnachmittag – außer es passiert bei „Universe Sandbox ²“. Darum geht es bei allen Sandbox-Spielen: die Freude am Erschaffen – und Zerstören! Da gibt es keine Punkte, Levels oder Endgegner. Die brauchen Kinder im Sandkasten schließ lich auch nicht, um Spaß zu haben. Bei „Universe Sandbox ²“ ist, wie der Name schon sagt, das ganze Universum der Sand kasten. Doch da lassen sich keine Sandburgen zertrampeln – sondern Asteroiden auf die Erde schießen oder ganze Gala xien ineinander krachen. 2008 ist der erste Teil von „Universe Sandbox“ erschienen, als Freizeitprojekt eines einzelnen Pro grammierers: Dan Dixon aus Seattle. Dass so viele Menschen Spaß daran hät ten, Sonnensysteme aufzubauen (und wieder kaputtzumachen), hat ihn selbst überrascht. Drei Jahre hat er jetzt mit einem Team, darunter ein Astronom und eine Klimatologin, an der Fortsetzung ge arbeitet: „Universe Sandbox ²“. Und eines Universe Sandbox ² für ist klar: Alles Leben auf der Erde auszu Windows, Mac & Linux löschen hat nie schöner ausgesehen. 84
MEHR SANDKÄSTEN IM WELTRAUM LOGITECH G502 PROTEUS CORE Für Chirurgen hände: Die Proteus Core ist mit einer Abtastrate von 12.000 dpi derzeit die präziseste Maus am Markt – und sieht zudem aus, als würde sie gleich abheben.
„Space Engineers“ Raumschiffe und -stationen bauen mit realistischer Technologie, wie sie vielleicht in 50 Jahren kommt: Das ist mit „Space Engineers“ möglich. Derzeit ist das Spiel noch in der Early-Access-Phase, es wird laufend verbessert und erweitert. Und es spielt sich ein bisschen wie „Minecraft“ im Weltraum.
„Kerbal Space Program“ Die Kerbals sind kleine grüne Männchen vom Planeten Kerbin, und von dort aus starten sie ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm. Aber die Raketen dafür müssen erst mal ent worfen und getestet werden. Raketenwissenschaft hat nicht gerade den Ruf, einfach zu sein, aber mit diesem Spiel macht sie überraschend viel Spaß.
MAD CATZ R.A.T. 9 Wenn es um irres Design geht, ist Mad Catz die erste Adresse – und bei diesem kabellosen Monster von einer Maus lassen sich noch dazu Gewicht und Griffe individuell einstellen.
THE RED BULLETIN
ERHÄLTLICH AB easportsfussball.ch © 2014 Electronic Arts Inc. EA, EA SPORTS, and the EA SPORTS logo are trademarks of Electronic Arts Inc. in the U.S. and/or other countries. © The FIFA name and OLP Logo are copyright or trademark protected by FIFA. All rights reserved. Manufactured under license by Electronic Arts Inc. All sponsored products, company names, brand names and logos are the property of their respective owners. Microsoft, Xbox, Xbox One, Xbox 360, Xbox LIVE, and the Xbox logos are trademarks of the Microsoft group of companies and are used under license from Microsoft. All trademarks are the property of their respective owners. Manufactured under license by Electronic Arts Inc.
25.09.2014
ACTION!
WINGS FOR LIFE In Form kommen für den Wings for Life World Run: Nütze die Nacht.
GOOD GEAR EIN PAAR AUS REDEN WENIGER: SO MACHT LAUFEN IN DER NACHT SPASS.
PETZL TIKKA XP Stirnlampe mit bis zu 160 Lumen, 85 g leicht, rote und weiße Lichtfarbe und konstantes Licht auch bei abnehmender Batterieleistung: petzl.com
7 W INGS FOR LIFE WORLD RUN IN DEN WINTERMONATEN LEGT MAN DAS FUNDAMENT FÜR GUTE FORM IM FRÜHJAHR. 10 TIPPS, UM RECHTZEITIG ZUM WINGS FOR LIFE WORLD RUN IN BESTFORM ZU SEIN. Trotze der Dunkelheit. Lang im Büro, draußen ist es finster, und die ewig gleiche Joggingrunde ver lockt so gar nicht? Probiere es trotzdem aus. Die bekannte Umgebung wirkt in der Dunkelheit völlig anders. Das Gehirn kompensiert fehlende optische Reize. Plötzlich bist du hellwach. Das Altbekannte wird wieder spannend.
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Zieh dir was an. Angst vor einer Ver kühlung? Kluge Kleidung, in Zwiebelschichten getragen, hält die Körpertemperatur im grünen Bereich. Wichtig: Ohren, Hände und vor allem Füße nicht vergessen! Richtig fies sind kalte und nasse Zehen. Dagegen helfen gute Outdoor-Lauf schuhe und Gore-Tex-Socken.
Sei sichtbar. Reflektoren auf Jacke, Hose und vor allem an den Schuhen geben Autofahrern eine faire Chance, dich recht zeitig zu sehen. Ähnliches gilt auch für Waldläufer, von denen der eine oder andere von einem ambitionierten Jäger schon mit einer Wildsau verwechselt worden sein soll. Siehe dazu auch Punkt 6.
Schau genau. Dunkelheit ist nicht gleich Dunkelheit: Schon ein kleiner Schritt abseits des planierten oder asphaltierten Weges kann ausreichen, um böse umzuknöcheln. Moderne LED-Stirnlampen wiegen nur ein paar Gramm, stören so gut wie gar nicht und erleuchten deinen Pfad.
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Orientiere dich. Dunkelheit verändert das Gefühl für Raum und Zeit. Verlasse dein vertrautes Terrain in konzentrischen Kreisen, um im Zweifelsfall rasch genug wieder nach Hause zu gelangen. Night Running bemisst sich eher in Zeit als in Strecke.
Lass Schlafende schlafen. Nicht einmal das größte Formtief rechtfertigt es, in tiefster Winternacht quer feldein durch den Wald zu hetzen. Vor allem Hase, Hirsch und Reh sehen das genauso: Läufer haben in der Nacht im Wald nichts verloren. (Das gilt im Übrigen auch für die Jägerschaft. Und Tourengeher. Und Mountainbiker. Und Hunde.)
DER WELTLAUF
Ein Startschuss für sechs Kontinente: Am 3. Mai 2015 steigt der zweite globale Laufbewerb der Sportgeschichte. Die Zielgruppe: alle, die sich mit der ganzen Welt messen wollen. Mehr Infos: www.wingsforlifeworldrun.com
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Neigungsgruppe Nachtaktiv. Training in der Gruppe ist ein großartiger Motivator. Es gibt weniger Ausreden, weniger Gründe, dem Schweine hund die Oberhand zu über lassen. Nie ist das Gemeinschaftserlebnis stärker als in der Nacht.
Laufe ein Rennen. Es gibt mehr davon, als du glaubst. In vielen Städten haben sich Organisatoren gefunden, die Läufern wie dir einen Wettkampf in der Dunkelheit bieten. Es gibt bei weitem mehr Nachtläufer, als der ein sam Trainierende ahnt. 20.000 Starter und mehr sind keine Seltenheit (Wien).
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Tu dir was Gutes. Die heiße Dusche hinterher, das Prickeln auf der Haut, der Tee mit Honig, das Stück Lebkuchen auf dem Sofa: Wer in der Nacht draußen spielen war, wird die heimatliche Höhle umso mehr genießen. Alle jene, die, statt zu laufen, mit Lebkuchen in der Hand auf dem Sofa lümmeln & krümeln, sollten zu Recht ein schlechtes Gewissen haben …
PUMA PURE NIGHTCAT Atmungsaktive Laufjacke mit Mesheinsätzen und einem Glasfaser kabel im Schulter bereich (wahlweise konstantes Leuch ten oder Blinken). de.puma.com
PUMA FAAS 600 V2 NC POWERED Reflektierende Ele mente am Schaft des LeichtgewichtLaufschuhs und ein wiederaufladbares LED-Element auf der Zunge verbes sern die Sichtbar keit bei Nacht. de.puma.com
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BALASZ GARDI/RED BULL CONTENT POOL
Night Running
Hör zu. Okay: Du bist gewohnt, mit Kopfhörern zu laufen. Ohne Musik geht bei dir gar nichts. Probiere es bei Dunkelheit trotzdem ohne. In der Nacht sind deine Ohren auf maximalen Empfang gestellt. Die Nacht klingt anders als der Tag.
You’ll Never Feel the Same. ab 11.9.2014 im handel
© 2014 Electronic Arts Inc. EA, EA SPORTS and the EA SPORTS logo are trademarks of Electronic Arts Inc NHL, National Hockey League, the NHL Shield, the word and image of the Stanley Cup and the word mark NHL Winter Classic are registered trademarks and the NHL Winter Classic logo is a trademark of the National Hockey League. All NHL logos and marks and NHL team logos and marks depicted herein are the property of the NHL and the respective teams and may not be reproduced without the prior written consent of NHL Enterprises, L.P. © NHL 2014. All Rights Reserved. Officially Licensed Product of the National Hockey League. National Hockey League Players' Association, NHLPA and the NHLPA logo are trademarks of the NHLPA and are used under license by Electronic Arts Inc. © NHLPA. Officially licensed product of the NHLPA. KINECT, Xbox, Xbox 360, Xbox One, Xbox LIVE and the Xbox logos are trademarks of the Microsoft group of companies and are used under license from Microsoft. All other trademarks, copyrights and other forms of intellectual property belong to their respective owners.
ACTION!
EVENTS
Schweizer Skicross-Meisterin 2011, Weltmeisterin 2013: Fanny Smith im Luftkampf 17./18. 1., Morgins
Skicross Tour 2015 Die Audi Skicross Tour startet 2015 mit den Schweizer Meisterschaften. Was die Zuschauer erwartet? Sprünge von 30 Metern und mehr, Geschwindigkeiten bis 90 km/h und Schweizer Läuferinnen und Läufer der Weltklasse, die sich jeweils in Vierer-Heats die mit zahlreichen Rollern, Jumps und Highspeed-Passagen gespickte Strecke hinunterstürzen. Info für interessierte Hobbyfahrer: An den vier Tour-Wochenenden der nationalen Rennserie (Morgins, Davos, Hoch-Ybrig, Zweisimmen) werden neben FIS- und Europacup- auch Open-Rennen für ambitionierte Skicross-Einsteiger organisiert. Alle Infos und Anmeldungen unter: audiskicross.ch 88
19. 12., Club Bonsoir, Bern
Krizzli Er schlüpft in seiner Freizeit gern in Tierkostüme, sampelt den Sound von Strassenlärm und zerbrechenden Toilettenbrillen und macht „rhythmusorientierten, eher düsteren“ Techno: Der Lausanner Krizzli alias Valentin Besier zählt zu den aufregendsten, innovativsten Welschschweizer DJs und ElectroProduzenten. Jetzt kann man den frischgebackenen Red Bull Music Academy-Absolventen live in Berns Club Bonsoir erleben. Special Guest: der britische Star-DJ Benji B. Eine Empfehlung. bonsoir.ch
THE RED BULLETIN
SAVE THE D ATE
19. – 22. 2., Messe Zürich
Swiss Moto
WEITERE PFLICHTTERMINE IN DEN NÄCHSTEN WOCHEN
Vier Tage lang trifft sich in Zürich, was Rang und Namen hat in der Schweizer Motorradszene: Auf 30.000 m² gibt es Fahrzeugneuheiten von 400 (!) Marken zu sehen, Custombikes und Trends aus dem Kleidungs- und Zubehörsektor. Highlights: die Sonderaustellung „Speed“ mit den in Beschleunigungsrennen eingesetzten Dragbikes und Top-Fuel-Dragster-Geräten, Tuningshows sowie eine spektakuläre Jet-Bike-Burnout-Show – jede Menge Rauch und ohrenbetäubender Lärm inklusive. swiss-moto.ch
12 JANUAR
EUROPACUP IN BOB UND SKELETON 20. 12., Bernexpo, Bern, 21 – 6 Uhr
Customised Bikes für Feuerstuhl-Vernarrte
Sonic 23 Das grösste Dancefestival der Schweiz findet erstmals in der Bernexpo statt. Grosser Vorteil der neuen Location: ganze vier Hallen, in denen Techno-Fans zu Sounds von The Avener („Fade Out Lines“), Hardstyle-Shootingstar Radical Redemption oder dem deutschen DeepHouse-DJ Oliver Schories abfeiern können. SonicBonus: Der Eintritt ist für über Dreißigjährige frei. sonic.ch
Europas beste Bob- und Skele tonathleten messen sich auf dem Olympia Bob Run St. Moritz-Cele rina, der einzigen Natureis-Bobbahn der Welt. 12. – 25. 1., St. Moritz
17
DEZEMBER
16. – 18. 1.,Lauberhorn
BROILERS LIVE
DOMDAHER/RED BULL CONTENT POOL, GUILLAUME MEGEVAND/RED BULL CONTENT POOL, MCH MESSE SCHWEIZ, SONIC.CH, DANI FIORI, THOMAS STÖCKLI/RED BULL CONTENT POOL
Ski-Weltcup Wengen
Einst von den oten Hosen entT deckt, sind die ExPunkrocker aus Düsseldorf längst aus dem Schatten ihrer Förderer getreten: Ihr Album „Noir“ belegte im Februar 2014 Platz eins der deutschen Charts.
Jährlich steigende Zuschauerzahlen, TVRekordeinschaltquoten, die unglaubliche Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau: Das Lauberhornrennen nimmt unter den Abfahrtsklassikern eine Sonderstellung ein – als mit 4,5 Kilometern längste und wegen ihrer Exponiertheit unvergleichlich anspruchsvolle Abfahrt im Ski weltcup. Die Schweizer Hoffnung 2015: Patrick Küng. Der Glarner sorgte 2014 in Wengen vor 29.000 Fans mit seinem ersten (und bisher einzigen) Abfahrtssieg für eine Sensation.
17. 12., Volkshaus, Zürich
17 JANUAR
Filmstart Schweiz: 25. 12.
7. – 10. 1., Gstaad
17. 1., Komplex 457, Zürich
LA DIAGONELA
Kino: „Exodus“
Gstaad Winter Games
Royal Blood Live
Freestyle-Show, FIS-Weltcup, Freeride-Filmfestival und ein Fettes-Brot-Konzert: Mit genialem Programm begeisterten die Gstaad Winter Games Anfang 2014 die Fans vor Ort. Neu im Programm 2015: der Big-AirContest, bei dem es für Elias Ambühl und Co um wertvolle Weltcuppunkte geht.
Das Bluesrock-Duo erfreut sich aktuell eines globalen Hypes: 2013 gegründet, bereits für den „BBC Sound of 2014“ nominiert, in diesem Jahr mit dem Album „Royal Blood“ auf Platz eins der UKCharts. Markenzeichen der Briten: Sie kreieren ihren Sound mit nicht mehr als Vocals, Bass und Drums.
Der traditionelle, im klassischen Stil ausgetragene Langlaufmarathon führt durchs Oberengadin und kann sowohl von Profis (über 65 km) als auch von Amateuren (über 30 km) in Angriff genommen werden.
Ridley Scott hat einige der ganz grossen HollywoodBlockbuster gedreht – man denke etwa an „Gladiator“ oder „Alien“. In der aktuellen epochalen Bibelverfilmung „Exodus“ erzählt der Ausnahmeregisseur nun die Geschichte von Moses (Christian Bale) und Pharao Ramses (Joel Edgerton). cineman.ch
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Elias Ambühl
17. 1., St. Moritz
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ACTION!
TV-HIGHLIGHTS
M UST SEE
Volles Programm
HELDEN AUF IHREM BILDSCHIRM
DAS RED BULL TV-FENSTER BEI SERVUS-TV Freeskier Bene Mayr (Bild) startet mit den anderen „Wild Ones“ ins Finale der 2. Staffel.
ALEXANDER MAZZA lässt für Sie das Jahr 2014 Revue passieren und präsentiert die Highlights aus 365 Tagen Red Bull TV. 20. 12., 9.15 Uhr
startet in Sydney in die 8. Saison der Extreme Sailing Series. 22. 12., 0.35 Uhr
Samstag, 20. 12., 12.00 Uhr
Wild Ones – Staffelfinale Zum Finale der 2. „Wild Ones“-Staffel nimmt Sie Red Bull TV noch einmal in die professionelle und private Welt fünf aufstrebender Spitzenathleten mit. Die Sportler Maya Gabeira (BRA/Big-Wave-Surfen), Bene Mayr (GER/ Freeskiing), Peter Henke (GER/Mountainbiken), Ken Roczen (GER/Motocross) und Andi Mikkelsen (NOR/Rallye) ließen sich zehn spannende Epi soden lang auf ihrem harten Weg an die Spitze ihrer jeweiligen Sportart begleiten – am 20. 12. erfahren Sie, ob sie dort auch angekommen sind. Mittwoch, 10. 12., 21.15 Uhr
Mission to Mars
Montag, 15. 12., 23.50 Uhr
Mittwoch, 17. 12., 21.15 Uhr
Mittwoch, 7. 1., 21.15 Uhr
Diamond Series
Der KrokodilFlüsterer
Sieben Mal Ewigkeit
In der „Diamond Series“ messen sich die weltbesten Freestyle-Mountainbiker. Red Bull TV zeigt die Highlights der Saison 2014.
Nachdem ein Costa-Ricaner einem Krokodil das Leben rettete, entsteht eine beispiellose Freundschaft zwischen Mensch und Tier.
Der renommierte Physiker und Astronom Dr. Francisco Diego erzählt die unglaubliche Geschichte des Lebenszyklus der Sterne.
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Nach Expeditionen zum Mond und zur International Space Station bleibt die Besiedlung des Mars einer der großen Menschheitsträume. Ein Traum, der zugleich eine gewaltige Herausforderung ist – allein die Reise zum Roten Planeten würde derzeit gut drei Jahre dauern. In der Dokumentation „Mission to Mars“ kommen nun Wissenschaftler der NASA zu Wort, die erklären, wie sie Astronauten diese Reise dennoch ermöglichen wollen.
JOSH SHEEHAN feiert gemeinsam mit seinen Mitkämpfern den 50. Stopp der Red Bull X‑Fighters. 27. 12., 9.30 Uhr Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter
0800 100 30 70 THE RED BULLETIN
PALLY LEARMOND/RED BULL CONTENT POOL, CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL, ROGER HORROCKS, BBC(2), MARCO RIEBLER, MARK TEO/RED BULL CONTENT POOL, PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL
ROMAN HAGARA
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Musthaves! 1
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ALBRIGHT SKI JACKE
Die junge Schweizer Marke des Weltmeisters Dani Albrecht steht für trendige & zugleich funktional hochwertige Skimode. Die Albright-Topline-Jacke in strahlendem Blau mit feurig roten Details setzt auf klare Linien und schlichte Sportlichkeit. Trendy Optik, praktisch umgesetzt: Die Leader jacke kommt mit leistungsstarken Mem branen und bequemem 4-Wege-Stretch für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit daher. Erhältlich bei Ochsner Sport. Verkaufspreis: CHF 579,– www.albright-sports.ch 2
F LOWER CAP FÜR MANN & FRAU
Das Flower Cap von Love your neighbour ist ein superschönes Snapback mit einem Logo-Patch aus Leder. Der Verschluss kann individuell angepasst werden. Love your neighbour verfolgt mit der Marke eine Vision: Kleider herstellen, Teile des Ertrags an Obdachlose weitergeben, um ihnen ganz praktisch im Alltag zu helfen. Aktuell gehen jeder fünfte Artikel, der verkauft wird, sowie zusätzliche zehn Prozent vom Betriebsumsatz an Obdachlose. Verkaufspreis: CHF 59,– www.loveyourneighbour.ch 3
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EEF BUDDIES – DAS KOCHB BUCH FÜR ECHTE KERLE
Turban statt Kochmütze, offenes Feuer statt Induktionsherd, Taschenmesser statt Schneidemaschine und das Feeling von Freiheit und Abenteuer. Wenn sich Chakall, Frank Buchholz und Tarik Rose ans Kochen machen, geht es zur Sache. Rau, aber herzlich, unkonventionell und spannend. Drei unterschiedliche Typen mit Ecken und Kanten, die eines verbindet: die Lust auf Fleisch. Männersache eben, klare Ansage. Tough guys don’t dance. They cook! Erhältlich überall im Buchhandel oder in gängigen Onlineshops für CHF 42,50. www.umschau-buchverlag.de 4
ALBRIGHT SKI HOSE
Die Skihose Modell Adelboden aus der Albright Snow Collection 2014/2015 ist ein regelrechtes Ausstattungswunder. Für Tragekomfort sorgen das 4-Way-StretchMaterial, die Atmungsaktivität sowie eine wärmende Wattierung. Aber auch in der Funktionalität überzeugt die Skihose dank verschiedenster Eigenschaften wie Schneefang, Lüftungssystem, Schnittschutz, verschweissten Nähten, Imprägnierung und, und, und. Verkaufspreis: CHF 399,– www.albright-sports.ch
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R E A D BULL
Im schönen Haus Von Daniel Kehlmann
HEJI SHIN
Daniel Kehlmann Geboren 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München. 1981 kam er mit seiner Familie nach Wien, wo er das Kollegium Kalksburg, eine Jesuitenschule, besuchte und danach an der Universität Wien Philosophie und Germanistik studierte. 1997 erschien sein erster Roman „Beerholms Vorstellung“. Daniel Kehlmann hatte Poetikdozenturen in Mainz, Wiesbaden und Göttingen inne und wurde mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, seine Rezen sionen und Essays erschienen in zahlreichen Magazinen und Zeitungen. Sein Roman „Ich und Kaminski“ war bereits ein inter nationaler Erfolg, der Nachfolger „Die Vermessung der Welt“ wurde – in bisher 40 Sprachen übersetzt – zu einem der erfolg reichsten deutschen Romane. Kehlmann lebt als freier Schrift steller in Wien und Berlin. THE RED BULLETIN
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achdem seine Frau ihn mit der schwer abweis baren Begründung verlassen hatte, daß er zwar liebenswürdig sei, aber für ein erfülltes Leben zu langweilig, beschloß der Steuerberater Karl Kredel aus Duisburg, alleine Ferien zu machen. Es war das erste Mal in seinem Leben: Als Kind war er mit den Eltern gereist, später mit seinen Freunden Martin und Klaus (Klaus war inzwischen Anwalt in Köln, Martin hatte er schon lange aus den Augen verloren), dann mit seiner ersten Freundin und danach, als er seine erste Freundin geheiratet hatte, mit seiner Frau. Sie hatten keine Kinder gehabt. Die Jahre waren schnell vergangen. Er war weder glücklich gewesen noch besonders unglücklich. Das unerwartete Alleinsein hatte auch Vorteile: Zum Beispiel war da jetzt morgens keine Person, die er Tag für Tag fragen mußte, ob sie gut geschlafen hatte. Andererseits fiel es ihm unerwartet schwer, sich daran zu gewöhnen, daß er jetzt überall hindurfte, ohne jemand anderem die Entscheidung überlassen zu können. Aber irgendwohin mußte man ja reisen im Sommer, also flog er, ohne eigentlich selbst zu wissen, warum, nach Kopenhagen. Dort tat er alles, was ihm der Lonely Planet vorschlug. Er spazierte zwischen den bunten Gebäuden von Christiania, er besuchte Museen, die aussahen wie alle Museen, in denen er gewesen war, und natürlich machte er eine Führung durch den königlichen Palast. Er nahm einen Bus und fuhr eine Dreiviertel stunde zu jenem Kunstmuseum am Meer, von dem der Lonely Planet sagte, daß man es auf keinen Fall versäumen dürfe, aber leider zeigte die Ausstellung bloß Ziegelsteine, die ein Konzept künstler in einer gewaltigen Halle verteilt hatte. Nicht weit vom Museum konnte man das Haus einer großen dänischen Dichterin besichtigen; der Lonely Planet gab ihm bloß zwei von fünf Sternen, aber Karl ging hin, kaufte einer ältlichen Frau, die mit hochgesteckter Frisur an der Kasse saß, eine Eintrittskarte ab und schlenderte durch die Räume. Es war ein schönes Haus. Nicht zu groß war es und nicht zu klein, alles darin fühlte sich richtig und passend an. Die große Dichterin hatte noch vor nicht allzu langer Zeit hier gelebt, eine berühmte und gefürchtete Dame, sehr alt, sehr dünn, geistreich, exzentrisch und reich. Es gab alte Fotos von ihr als Mädchen im kolonialen Burma, es gab ein Bild von ihr mit Ernest Hemingway, es gab Urkunden in fünf Sprachen, und es gab Vitrinen mit Manu skriptblättern in spinnwebdünner Handschrift. Die Sofas waren bespannt mit teuer aussehendem Stoff. Da war ein sehr weich aussehender Polsterstuhl und natürlich ein Schreibtisch, von dem aus ein Fenster den Blick aufs weit ausgespannte Blau des Meeres freigab. An den Decken hingen Luster, auf Tischchen standen chinesische Lampen, und weil kein Wächter zu sehen war, faßte Karl sich ein Herz und schaltete eine davon ein. Zu seiner Überraschung leuchtete die Glühbirne folgsam auf. Karl wußte selbst nicht, was ihn überkam. Er war sonst immer so zurückhaltend. Doch plötzlich setzte er sich in den Lehnstuhl. Er schloß die Augen. Ganz still war es. Er war der einzige Besu cher. Draußen hörte man ein Auto starten, hupen, davonfahren. Ein Vogel schrie. Dann hörte man nichts, für eine ganze Weile. Knarrendes Parkett weckte ihn. Eine junge Frau ging langsam vorbei. Sie betrachtete die Blätter in der Vitrine, betrachtete ein Bild an der Wand, betrachtete ihn einen Augenblick mißbilligend, betrachtete die Lampe und ging in den nächsten Raum. Fünf Minuten später ging sie wieder durchs Zimmer, auf dem Weg zum Ausgang. Karl sah auf die Uhr. Er hatte über eine Stunde geschlafen. Er fühlte sich ausgeruht und fast zufrieden. Zögernd stand er auf. Er dachte an seine Frau, er dachte an die letzten Ferien, die sie in Neapel verbracht hatten. Es war viel zu heiß gewesen. Aus Gewohnheit versuchte er, sie zu vermissen, 93
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aber auf einmal fehlte sie ihm weniger als in all den Wochen zuvor. Karl sah zum Fenster: Es war Abend. Er ging zur Haustür und bemerkte mit einer Freude, die ihn selbst überraschte, daß er eingeschlossen war. Er hatte vier Müsliriegel in seinem Reiserucksack, drei davon aß er, einen hob er auf. Er probierte die Toilette aus: Sie war sauber, und es gab frische Handtücher, so daß man sich waschen konnte. Danach setzte er sich in den Lehnstuhl.
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m nächsten Morgen kam eine Putzfrau, wischte, kehrte, schrubbte und achtete nicht auf ihn. Er streckte sich. Er hatte sehr tief geschlafen. Wenig später sah er durchs Fenster die ältliche Dame, von der er gestern die Eintrittskarte gekauft hatte, aufs Haus zugehen. Er zog sich ins Arbeitszimmer zurück. Auf dem Meer tanzten Lichtreflexe, die Sonne schwebte feurig über dem Horizont. Er hörte die alte Dame durchs Wohnzimmer gehen; er öffnete eine weitere Tür und trat in den Korridor. Als sie ins Arbeitszimmer kam, wich er in die Bibliothek aus. Er hörte sie etwas zurechtrücken, dann ging sie wieder zu ihrer Kasse beim Eingang. Den ganzen Vormittag las Karl in einem Buch der großen Dichterin. In der großen Bibliothek gab es nämlich nur Bücher von ihr, auf Dänisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Griechisch, Serbisch und Chinesisch. Karl zog eines heraus. Es handelte von zwei Männern und zwei Frauen. Jeder war auf verwickelte Art verliebt in jeden der drei anderen, es gab lange Spaziergänge und Gefühlsausbrüche und Diskussionen. Während er las, kamen manchmal Besucher herein. Als zwei Kinder nicht aufhörten, auf dem Parkett Fangen zu spielen, fühlte Karl sich gestört, als wären sie in seinem eigenen Wohnzimmer. Also ging er zu den Auto maten in der ehemaligen Garage, wo noch das alte Auto stand, das die große Dichterin besessen, wenn auch nie selbst gefahren hatte. Ein Automat verkaufte ihm drei Wasserflaschen, ein anderer einen Becher mit heißem Café, ein dritter ein Schinkensandwich in durchsichtigem Plastik. Das Sandwich war alt und trocken. Karl aß es mit Genuß. Am nächsten Morgen entdeckte ihn die ältliche Dame. Er hatte wieder im Lehnsessel übernachtet. Wieder hatte er so tief geschlafen, daß er völlig überrascht war, als sie plötzlich vor ihm stand und ihn fragte, zuerst auf Dänisch und dann auf Englisch, ob er um Himmels willen die Nacht hier verbracht habe. Karl nickte. Die Frau war imposant. Er fragte sich, ob sie wohl mit der Dichterin verwandt war, eine Enkelin gar. Mit spitzer Stimme kündigte sie an, daß sie die Polizei rufen werde. Karl zeigte seine Eintrittskarte und fragte, ob sie eigentlich die Geschäftsbedingungen ihres Museums kenne. Er habe sie durchgelesen, sie seien ja neben der Tür angeschlagen, und in ihnen stehe nur, daß der Kauf einer Karte bloß zu einmaligem Besuch, nicht zur Rückkehr berechtige. Von einem Limit der Dauer stehe dort nichts. Außerdem stehe da ausdrücklich, daß es verboten sei, Schubladen zu öffnen oder Papiere aus den Vitrinen zu nehmen, was aber wiederum per Implikation bedeute, daß es nicht verboten sei, die Möbel zu benützen. Zudem stehe dort, daß man nicht telefonieren dürfe, auch daran habe er sich gehalten, sein Telefon sei seit vorgestern ausgeschaltet. Die alte Dame fragte, ob er verrückt sei. Das, sagte Karl, sei ein dehnbarer Begriff. Wortlos ging sie hinaus. Durchs Fenster sah er sie auf dem Kiesweg auf und ab gehen und in ihr Telefon sprechen. Er rieb sich die Augen, holte ein anderen Buch der großen Dichterin aus der Bibliothek und las bis in den frühen Nachmittag. Zu seiner Verblüffung tauchten keine Polizisten auf. Nur einmal schlenderten drei Besucher durchs Zimmer. Karl ging zu den Automaten, kaufte vier Wasserflaschen, einen Becher Tee und drei Schinkensandwiches. Er dachte an seine Frau. Wo sie 94
Er ging ins Schlafzimmer. Das Bett der Dichterin war staubig, aber die Matratze war angenehm hart. jetzt wohl war? Als er ihr zu ihrem Geburtstag einen Glückwunsch aufs Telefon geschickt hatte, hatte sie nicht geantwortet. Erst am Abend kam die alte Dame zurück und kündigte mit scharfer Stimme an, daß das Museum nun schließen würde. Karl zuckte die Achseln. Sie wies auf die Tür.
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arl lächelte höflich. Er wollte keinen Streit. Aber es war spät, und er hatte kein Hotel, und ihm war, als müsse er noch ein wenig vom Arbeitszimmer aus aufs Meer sehen, damit seine Seele gesund würde. Also schüttelte er den Kopf. Die alte Dame ging wortlos hinaus, aber nach einigen Minuten kam sie mit einer zweiten alten Dame zurück. Die beiden flüs terten und starrten ihn wütend an. Karl ging ins Arbeitszimmer. Das Meer sah heute dunkel und metallisch aus; er stellte sich vor, wie es wäre, immer hier zu sein, von morgens bis abends, im Winter und im Sommer, im Herbst und im Frühling. Schließlich hörte er die Frauen hinausgehen und die Tür versperren, und als er das Licht einschalten wollte, merkte er, daß sie den Strom unterbrochen hatten. Aber Wasser gab es noch. Während es dunkel wurde, wusch er sich sorgfältig. Dann ging er ins Schlafzimmer. Das Bett der großen Dichterin war staubig, aber die Matratze war angenehm hart, und die Bettwäsche bezogen mit teurer Seide. In einem Seidenbett hatte er noch nie geschlafen. In Unterwäsche legte er sich hin und deckte sich zu und grinste in die Dunkelheit. Auf die Geschäftsbedingungen zu verweisen, das hatte er sich vorher nicht überlegt, das war ihm einfach so in den Sinn gekommen, er hatte sie nicht einmal gelesen. Steuerberater sein, das hatte Vorteile. Stolz wie lange nicht schlief er ein. Am nächsten Morgen warf er seinen Rucksack über die Schulter. Die alte Dame brachte gerade eine neue Version der Hausordnung neben der Eingangstür an und blickte verblüfft, ja beinahe enttäuscht auf, als er mit kurzem Gruß an ihr vorbeiging. Der Kiesweg knirschte unter seinen Schuhen, eine Allee führte flirrend vor Licht auf das Blau des Meeres zu. Heute nachmittag ging sein Flug zurück. Die Ferien waren schnell vergangen. Er war nur froh, daß er so bald nichts mehr von der großen dänischen Dichterin lesen mußte, ihre Bücher waren doch ziemlich langweilig. Während er zur Bushaltestelle ging, holte er sein Telefon heraus, wählte unter den gespeicherten Nummern jene seiner Frau und betrachtete sie eine Weile, als wollte er sie auswendig lernen, bevor er sie mit einem bedächtigen Knopfdruck löschte.
READ BULL Lesevergnügen im Red Bulletin: Jeden Monat widmet ein namhafter Autor unseren Lesern eine Kurzgeschichte. Diesmal ist es der deutsch-österreichische Bestsellerautor Daniel Kehlmann. Der aktuelle Roman Kehlmanns, „F“ (Verlag Rowohlt), handelt virtuos von Lüge und Wahrheit, von Familie, Fälschung und der Kraft der Fiktion.
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MAGIC MOMENT
Golden, British Columbia, Kanada, 25. März 2014
„ 4000 Watt Lila. 3 Uhr nachts. Pep fuhr seine Linie.“ Fotograf Mike Brown über die „Afterglow“-Aufnahmen in British Columbia
DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 13. JANUAR 2015. 98
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AFTERGLOW SCREENGRAB
Zehn Monate Arbeit und vier Tonnen Equipment stecken im Kurzfilm „Afterglow“, der Lichtkunst und Freeskiing eindrucksvoll vereint. „Wir bestrahlten Hänge mit 4000-Watt-Scheinwerfern in verschiedenen Farben“, erzählt der kanadische Fotograf Mike Brown. „Free skier Pep Fujas jagten wir um drei Uhr früh über den in Lila erstrahlenden Berg.“ www.sweetgrass-productions.com
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