Servus Garten 2025

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GARTEN

einfach gut leben

Balkongärten für Anfänger

Die besten Blumen, Kräuter und Gemüsesorten

Frisch aus dem Beet

Salate pflanzen und ernten – und vergessene Sorten neu entdecken Kugelrunde Blütenwunder ∙ Rezepte mit feinem Wildobst Zusammenhalt statt Konkurrenz: die jungen wilden Gemüsebauern

Mutter Natur ist die geniale Schöpferin dieser kugelrunden Blütenwunder, die von der wieder rund

Frühling

Erste Ballspiele. An riesige Kirschen oder kleine Gummibälle erinnern die Blüten der blasslila Kugelprimeln (Primula denticulata). Wer ihre Blattrosetten genau betrachtet, sieht es: Der Frühblüher gehört zu den Schlüsselblumengewächsen. Links: Zierlauch (Allium giganteum).

MONDKALENDER FÜR DEN GARTEN

Vom richtigen Tierkreiszeichen

Nicht nur die jeweilige Phase des Mondes, auch seine exakte Position im Tierkreis beeinflusst Pflanzen und ihr Gedeihen.

Daher ist es ratsam, beim Säen, Jäten oder Ernten einen Blick auf das himmlische Gestirn zu werfen.

Text: Johanna Paungger & Thomas Poppe Illustration: Andreas Posselt

Gärtnern

mit dem Mond

Unsere Vorfahren waren Meister darin, ihren Alltag nach den Rhythmen der Natur zu gestalten und in Harmonie mit dem Mond zu leben. Steinkreise, Gebäude, Gerätschaften und Kalender aus allen Jahrtausenden bezeugen dies. Auch Gärtnerinnen und Gärtner vertrauen seit jeher auf die Kraft des Mondes. Die nachfolgenden wichtigsten Regeln zu den Tierkreiszeichen sind eine Einladung, das wertvolle Erbe unserer Vorfahren neu zu entdecken.

Widder, Löwe, Schütze – die Fruchttage

Diese Tierkreiszeichen laden besonders bei abnehmendem Mond zum Ernten und Einlagern von Getreide ein, speziell bei Löwe. Wenn Ihre Obstbäume stets reiche Frucht tragen sollen, dann schneiden Sie sie an diesen Tagen – am besten im Winter, und zwar bei abnehmendem Mond. Das Veredeln dagegen gehört in Fruchttage mit zunehmendem Mond. Auch Trockenobst profitiert in Geschmack und Haltbarkeit von Fruchttagen bei abnehmendem Mond.

Zwillinge, Waage, Wassermann – die Blütentage

Das sind ideale Tage fürs Setzen, Pflanzen und Säen von allem, was sich ranken soll (bei zunehmendem Mond). Aber auch fürs Blumensetzen und ­säen eignen sich diese Tierkreiszeichen. An Zwillinge könnten Sie zwischendurch Blumen düngen, die nicht mehr recht blühen wollen (bei abnehmendem Mond) – jedoch nicht zu oft, sonst droht Läusebefall. Wassermann dagegen ist ein eher neutrales Zeichen, an dem man den Garten eher in Ruhe lassen sollte.

Stier Jungfrau, Steinbock – die Wurzeltage Jungfrautage sind Arbeitstage im Garten! Fast alle Tätigkeiten sind dann begünstigt. Es ist die beste Zeit für Arbeiten, die mit Setzen, Umsetzen und Einpflanzen zu tun haben. Günstig ist auch das Ansetzen eines Mistoder Komposthaufens (bei abnehmendem Mond, von Mai bis Oktober). Wer Ungeziefer, das in der Erde vorkommt, bekämpfen möchte, tut dies am besten ebenfalls an Wurzeltagen bei abnehmendem Mond. Auch um Blumen mit schwacher Wurzelbildung zwischendurch zu düngen, sind Wurzeltage bei abnehmendem Mond bestens geeignet.

Krebs, Skorpion, Fische – die Blatttage

Blatttage sind günstig fürs Setzen und Säen von Blattgemüse (bei zunehmendem Mond). Nur Salat tanzt aus der Reihe, denn an Blatttagen gesetzter Salat kopft nur bei abnehmendem Mond schön, bei zunehmendem Mond dagegen neigt er zum Schießen. Günstig bei diesen Tierkreiszeichen ist auch Rasenmähen, wobei sich der zunehmende Mond besser eignet als der abnehmende Mond. Blatttage sind Gießtage für Zimmer­ und Balkonpflanzen! Ungünstig wäre an Blatttagen das Setzen und Säen von Pflanzen, die in die Höhe wachsen sollen. Einkellern, Lagern und Konservieren bei zunehmendem Mond ist ebenfalls ungünstig (gilt übrigens auch für den Einkauf auf Vorrat). Viel Freude beim Experimentieren!

Zum Ausdrucken auf: servus.com/mondgarten­kalender Zum Nachlesen: „Gärtnern mit der Kraft des Mondes“, von Johanna Paungger und Thomas Poppe, Servus Verlag Johanna Paungger & Thomas Poppe über das Garteln mit dem Mond – im Servus­Podcast: servus.com/mondgarten

33 SALATE UND BLATTGEMÜSE

Da haben wir den Salat

Noch im letzten Jahrhundert existierten mehr als 200 Salatsorten, übrig geblieben sind davon nur wenige. Doch jetzt werden Teufelsohr, Hirschzunge, Portulak und Co neu entdeckt. Was für ein Glück!

Text: Carolin Giermindl

Sie trugen Namen wie „Struwelpeter“ und „Bunkerlschluss“, „Trotzkopf“, „Unikum“ oder „Attraktion“. Es gab ganz spezielle lokale Sorten wie „Neusiedler Gelber Winter“, „Augspurger“ oder „Grüner aus Maria Lankowitz“. Noch im letzten Jahrhundert kultivierte man mehr als 200 Salatsorten – bis ihnen eine Verordnung über Saatgut im Jahr 1934 den Garaus machte. Schluss mit dem Sortenwirrwarr, hieß es damals von Amts wegen. Mit dem Resultat, dass nur etwa 30 Sorten überlebten, der Rest geriet in Vergessenheit. Doch jetzt werden historische Sorten von Gärtnerinnen und Gärtnern neu entdeckt: Man pflanzt wieder Teufelsohr und Spargelsalat, Hirschzunge und einstige Wildkräuter wie Pimpinelle, Scharbockskraut oder Brunnenkresse. Sogar Kohlgewächse

(Brassica) und Malve (Malva) werden ihrer Blätter wegen gepflanzt.

Bereits die Römer sollen liebend gern knackiges Blattgrün verspeist haben. Zubereitungsart damals: roh, mit einer Prise Salz. Darauf lässt zumindest das Wort „Salat“ – es stammt von salsus, lateinisch für „gesalzen“, ab – schließen. Von Norditalien aus über die Alpen gelangte der Salat im Mittelalter zu uns. Urmütter aller heimischen Salate sind zwei Wildpflanzen: der Stängellattich und die Zichorie, auch als Wegwarte bekannt. Bis heute werden alle klassischen Salatsorten einer dieser beiden Pflanzen zugeordnet. Zur Familie der Wegwarten (Cichoria) etwa zählen Chicorée, Endivien, Zuckerhut oder Radicchio, also Salate mit vielen Bitterstoffen, die vor allem im Winter gut gedeihen.

Die weit größere Gruppe allerdings zählt zur Familie der Lattiche (Lactuca): Kopfsalate wie „Butterhäuptel“ oder „Maikönig“, Pflücksalate wie „Eichblattsalat“ und Römersalate wie der „Forellenschluss“ beispielsweise. Eigen ist dieser Familie der typische weiße Milchsaft. Ihr Gattungsname leitet sich vom lateinischen Wort für Milch (lac), ab. Die beste Zeit, sie zu pflanzen, ist Frühling und Sommer.

Auch der mit Abstand beliebteste heimische Salat stammt aus der Familie der Lattiche: Es ist der Eisbergsalat, auch gern Bummerlsalat genannt. Wie viel davon im letzten Jahr in Österreich geerntet wurde? Exakt 25.282 Tonnen. Mindestens genauso schmackhaft: die 33 fast vergessenen Sorten, die wir Ihnen auf den nächsten Seiten vorstellen.

1. BEHAARTES SCHAUMKRAUT

Cardamine hirsuta

Das einjährige Wildkraut wächst schon zeitig im Jahr nah am Boden in Rosetten. Im Garten bevorzugt es halbschattige Plätze, dazu humushaltige, leicht feuchte Erde. Es enthält viel Vitamin C und K, Magnesium sowie Ballaststoffe und ist eine Futterquelle für viele Wildbienen.

Aussaat: von März bis Oktober

Geschmack: leicht scharf, würzig

Verwendung: für Wildkräutersalate, in Kräuter topfen oder aufs Jausenbrot

2. BLATTZICHORIE

Cichorium intybus

Die rasch und kompakt wachsende Pflanze, auch Riesenlöwenzahn genannt, ist winterhart und mehrjährig. Ihre gezackten dunkelgrünen Blätter können auch einzeln geerntet werden. Zichoriensalat wird oft bis zu 50 Zentimeter hoch.

Aussaat: von Mai bis Juli

Geschmack: aromatische, bittere Note

Verwendung: roh als Salat, gekocht als Spinat, in Risotto oder Omelett

3. ROTER BLATTSENF

Brassica juncea

Eine schnell wachsende Gemüsepflanze, reich an Vitaminen. Sie gedeiht im Halbschatten ebenso wie in voller Sonne. Ihre knackigen grünen und rot geäderten Blätter lassen sich bis in den Spätherbst hinein ernten. Blattsenf mag lockere, nährstoffreiche Böden.

Aussaat: von März bis September

Geschmack: senfartig, scharfes Aroma

Verwendung: als Salat, Spinat oder kurz angebraten in Pfannengerichten

GARTEN IM TOPF

Balkongärtnern für Anfänger

Umgeben von duftenden Blüten, Gemüse und würzigen Kräutern kann man auf dem Balkon wunderbar die Seele baumeln lassen und: ernten! Das geht auch ohne grünen Daumen.

Text: Elke Papouschek

In luftiger Höhe. Mit viel Sonne und reichlich gegossen, wachsen Zucchini, Tomaten, Chili, Kapuzinerkresse und andere Kräuter auch im Topf auf dem Balkon prächtig.

Foto: Friedrich Strauss Gartenbildagentur

ERFRISCHUNGSGETRÄNKE

Limonaden aus Beere, Blatt und Blüte

Wir feiern den Sommer mit prickelnder Bowle aus Waldmeister, köstlichem Johannisbeersirup und frisch-fruchtigem Preiselbeersaft.

Rezepte für das süße Leben mit selbst gemachten Getränken.

Zwei stellen einen Tisch unter einen Baum, ein weißes Tischtuch drüber, noch schnell ein paar Stühle aus dem Haus getragen – und fertig ist der perfekte Sitzplatz für eine Nachmittagsrunde, die rückblickend vielleicht zu den schönsten Momenten des Sommers zählen wird. Was dabei nicht fehlen darf – und man daher am besten griffbereit und kühl lagert: fruchtig-frische Durstlöscher. Sirup vom Wohlriechenden

Labkraut etwa, besser bekannt als Waldmeister. Sein feinwürziger Geschmack verleiht Bowlen das gewisse Etwas – ein, zwei Glaserl davon können sogar Kopfschmerzen verfliegen lassen. Verantwortlich dafür: sein Inhaltsstoff Cumarin, der allerdings in Maßen genossen sein will. Was Waldmeister noch sein soll? Magisches Mittel, um die Liebe wachzuküssen.

Mit so viel Zauber können Preisel- und Johannisbeere natürlich nicht aufwarten. Fix ist: Beide enthalten viel Vitamin C –die Schwarze Johannisbeere sogar dreimal so viel wie die Zitrone –, und beide lassen sich im Frühsommer ernten. Juni, Juli ist auch die Zeit des Lavendels. Seine duftenden lila Blüten zaubern fantastische Rosatöne in Saft und Sirup. Nachfolgend vier Rezepte für Erfrischungsgetränke aus Wald und Garten.

Waldmeisterbowle

Zutaten für 10–12 Personen Zeitaufwand: 35 Minuten

• 100 ml Waldmeister-Sirup

• 1 Flasche guter kalter Weißwein

• Saft von 1 Zitrone

• 1 Schalenspirale von 1 Bio-Orange oder 1 Bio-Zitrone

• 1 Handvoll frische Melissenblätter

• 1 Flasche guter kalter Sekt

Zubereitung

1. In einem großen Bowleglas Sirup, Weißwein und Zitronensaft verrühren, Orangen- oder Zitronenschale und Melissenblätter zufügen und 30 Minuten ziehen lassen.

2. Dann mit dem Sekt aufspritzen und sofort eiskalt servieren.

RÜBENANBAU

Unterirdisch gut

Außen unscheinbar, innen fröhlich bunt und voller Saft und Kraft: Rüben gehören zu den Hauptdarstellern im herbstlichen Gemüsegarten. Ein Besuch bei Bäuerin Gabi Wild-Obermayr.

Text: Silvia Pfaffenwimmer Fotos: Barbara Ziegelböck

Schatzheberin. Gabi Wild-Obermayr kultiviert auf ihrem Hof im Traunviertel Rüben aller Art.

Wenn die Tage kühler werden und sich die ersten Nebel über die Wiesen und Felder legen, ist ihre große Zeit gekommen. Unbeirrt vom nahenden Winter setzen sie mit ihrem Laub rote und grüne Farbtupfer in die Landschaft, während unter der Erde unbemerkt, aber stetig ihre sanft gerundeten Knollen der Ernte entgegenreifen. Es ist ein kleiner Schatz, der hier schlummert – Rüben sind alte Kulturpflanzen mit einer jahrtausendelangen Geschichte und ernährten in kargen Zeiten Mensch und Tier. Noch heute sind sie ein beliebtes Herbst­ und Wintergemüse.

Gabi Wild­ Obermayr, die mit ihrem Mann Klaus einen Bio ­ Gemüsehof im oberösterreichischen Traunviertel bewirtschaftet, ist mit den unterirdischen Schätzen bestens vertraut. Auf ihren Feldern wachsen Speiserüben (Brassica rapa subsp. rapa) in vielen Varianten, von der gelbfleischigen Kohlrübe bis zur ursprünglich aus Venetien

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