Leseprobe AD 11/21: "Gemeinsam"

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ARCHITECTURAL DIGEST. Stil, Design, Kunst & Architektur

Gemeinsam


Inhalt November

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Cover: Alexis Armanet; Fotos: Campbell-Rey; Thibaut Dini / Amelia Tavella Architectes; Porträt: Thomas Lohr

58 22 Editorial 24 Impressum 28 Agenda 32 AD stellt vor

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Stil 39

Stil Neuheiten Supersalone in Mailand, Maison & Objet in Paris, London Design Week, 3 Days of Design in Kopenhagen: Hier kommen die schicksten News von den Designmessen – direkt auf Ihren Coffeetable!

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Art to go

Meisterschülerin

Louis Vuitton präsentiert die dritte Auflage seiner Edition von Künstlerhandtaschen, die „Artycapucines“.

Unterstützt von Sir David Adjaye, baut Mariam Kamara ein Kulturzentrum in Niger.

ARCHITECTURAL DIGEST. Stil, Design, Kunst & Architektur

Gemeinsam

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Pracht und Abstraktion

Von Marmor und Möbel-Solisten

Cartier und die islamischen Wurzeln des modernen westlichen Schmuckdesigns.

Doppelte Premiere: Erstmals öffnet Hannes Peer die Türen zu seinem Mailänder Studio und zeigt skulpturale Entwürfe für La Chance. 64 Bethan Laura Wood 66 Bitossi 75 Talent 76 Architektur

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Paris staunt Interiordesignerin Laura Gonzalez verlieh dem Hotel „Saint James“ eine Noblesse, die höchst selten geworden ist.

Auf dem Cover: Christophe Delcourts Refugium in der Normandie ist zugleich ein Experimentierfeld für seine Designs. Holzstuhl: Jean Touret.

98 Reise

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Inhalt November

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144

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118

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Leben

Eine Box voller Licht

Vertraute Gesten

Wie auf Wolken

Wie Stéphanie Coutas ihr Appartement mit Blick auf den Invalidendom in einen Hort der Ruhe verwandelte.

Villa Magdalena, ein volkstümlicher Bau mit spontanen Linien und reichem handwerklichen Erbe, ist das Refugium des argentinischen Architekten Luis Laplace auf Menorca.

Weiche Polster und zarte Farben prägen das New Yorker Apartment von Topmodel Martha Hunt, sensibel inszeniert von Interiorstar Giancarlo Valle.

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Fotos: Robert Rieger; Daniel Schäfer; Porträt: Stephen Kent Johnson

Friedliches Refugium 50 Hektar Normandie? Für den Designer Christophe Delcourt und seinen Partner, Möbeléditeur Jérôme Aumont, gibt es nichts Schöneres!

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Poesie mit Schuss In ihrem Ranchhaus gibt Schauspielerin Kirsten Dunst zartem Vintage-Chic charmant die Sporen.

Village People Gisbert Pöppler baute ein Dorf hoch über den Dächern Berlins. Eine Art Siedlung, verpackt als lichtdurchflutete und zugleich behagliche Dachgeschosswohnung.

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Traum & Zeit Mit einer aufmerksamen Renovierung holte eine Architektin den alten Glanz Venedigs zurück in einen gotischen Stadtpalast.

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Less is Boring

Innere Horizonte

Dass das Haus, in dem Sir Paul Smith mit Pauline Denyer lebt, ein Ort der Ruhe wurde, ist dem Einklang des ungleichen Paars zu verdanken.

Durch den Einsatz von Kunst, Design und Farbe hält der Architekt Lúcio Rosato seinen palazetto aus dem frühen 18. Jahrhundert auf Kurs im Wandel der Zeiten.

180 Summaries 184 Apropos 186 Flashback

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Editorial

enn es etwas gibt, das uns seit jeher in der Welt von AD über alle Länder, Grenzen und Zeitzonen hinweg zutiefst verbindet, ist es ganz sicher die unauslöschliche Neugier auf die vielfältigen und kunstvollen Formen unserer Lebenskultur. Die Lust an gestalterischer Schönheit, an Design, Kunst, Architektur, an gelungenem Spiel mit Materialien und Proportionen, verbunden mit einem spürnasigen Entdeckergeist, der uns seit über 100 Jahren immer wieder neue Türen öffnen lässt zu Lebensräumen und Menschen – das ist es, was uns antreibt. Besonders in dieser Zeit, die geprägt ist von tiefgreifenden Veränderungen. Auch unsere Arbeit bleibt davon nicht unberührt. Umso aufregender ist es, dieser Entdeckerlust fortan und erstmalig in der Geschichte unseres Hauses wirklich gemeinsam nachgehen zu können, in einem über die Länder- und Kulturgrenzen hinweg zusammenwachsenden Team. „Kultur“, notierte der österreichische Journalist Egon Friedell einmal, „Kultur ist Reichtum an Problemen, und wir finden ein Zeitalter umso aufgeklärter, je

O liver Jahn

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mehr Rätsel es entdeckt hat.“ Dies bringt für mich sehr treffend eine Welt (auch der Lebens- und Wohnkulturen) auf den Punkt, in der es unendlich viel Raum gibt für Vielstimmigkeit und all diese kulturtreibenden Rätsel eben, die sich allzu einfachen Antworten verweigern und die uns auch nach 3000 Jahren Kulturgeschichte noch zu überraschen, herauszufordern und zu beglücken vermögen. Schon immer galt unser Blick dabei ausdrücklich dem ganz individuellen Ausdruck dieser Kreativität in einem Land, einer Stadt, einer Wohnung, einer einzelnen gestalterischen Geste. Alles beginnt immer an einem konkreten Ort und mit einem Menschen und strahlt dann in die Welt. Daran wird sich nichts ändern. Im Gegenteil. Ich freue mich darauf, diesen Blick sogar noch zu schärfen mit einem Team, dessen führende europäische Köpfe wir auf den folgenden Seiten vorstellen. Ihnen und all den anderen wachen Köpfen hinter dieser AD gilt mein besonderer Dank. Gemeinsam – insieme – conjunto – ensemble, das ist unser Leitbild.

Porträt: René Fietzek

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Gemeinsam


Maite Sebastia

Inka Baron

Sally Fuls

Alessandra Pellegrino

hatte es mit einem guten Bekannten zu tun: Bei den diesjährigen Designawards von AD Spanien wurde Luis Laplace als bester Architekt ausgezeichnet. „Wie könnte man das besser feiern als mit einem Besuch seines Refugiums auf Menorca?“ AD Spaniens Head of Editorial Content beeindruckte vor allem die große Leidenschaft des Argentiniers für eine Wiederbelebung des menorquinischen Handwerks. „In seiner Villa greift er volkstümliche Traditionen auf – zugleich wirkt das Anwesen fast still.“ Seite 144

galoppierte auf „wildem Ritt durch schöne Landschaft“. So beschreibt sie die analytische Vorbereitung auf diese AD. „Gemeinsamkeit schaffen, aber Identitäten bewahren“, darum ging es Inka, die als Art Director Europe gemeinsam mit ihrem Team die Layouts der italienischen, spanischen, französischen und deutschen Ausgaben verglich, filterte und nun zu einem Best of AD verwob. Ihrer klaren Vision (und enormen Nervenstärke) sei Dank, entstanden so: vier ADs aus einem Guss. Ab Seite 1

schätzt den Berliner Architekten Gisbert Pöppler seit Jahren. Doch als sie dessen neustes Projekt für diese Ausgabe besuchte, musste sie feststellen: „Unglaublich slick! Hier haben er und sein Team sich neu erfunden.“ Was für Sally als Head of Editorial Content Germany und ihre Mannschaft auch gilt, denn: „Dies ist die erste AD auf europäischer Basis. Die Redaktionskonferenzen finden nun zwischen Mailand, Paris, Madrid und München statt. Unglaublich, wie unter Zeitdruck von überall die tollsten Themen kamen!“ Seite 110

kann nicht lange innehalten. „Ständig stehe ich unter Strom und bin auf der Suche nach dem Schönen“, sagt AD Italiens Digital Deputy Director. „Vielleicht liegt es daran, dass ich in Rom geboren wurde, einer Stadt wie ein riesiges Freilichtmuseum.“ Heute lebt Alessandra in Mailand. In dieser Ausgabe berichtet sie über einen palazetto aus dem 18. Jahrhundert, den sie in Lanciano entdeckte. „Ein Haus, in dem die mit Pigmenten gestrichenen Wände zu atmen scheinen und Engel einen von Deckenfresken beobachten.“ Seite 154

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Porträts: Sergio Martinez; Ösel; Cosimo Buccolieri; blende11

AD stellt vor


Marina Hemonet

Andreas Kühnlein

Elena Dall’Orso

ist eine richtige Großstadtpflanze. Und doch: „Wenn ich nicht in Paris bin, zieht es mich in die Natur – in die umliegenden Wälder oder an die Klippen der Normandie.“ Eine Region, die es auch Christophe Delcourt angetan hat. In diesem Monat stellen wir das Anwesen vor, das der Designer dort Gebäude für Gebäude in ein ideales Refugium verwandelt. „Genau diese Suche nach dem Ideal“, sagt Marina, AD Frankreichs Head of Editorial Content, „hat uns auch bei der Produktion dieser ersten europäischen AD geleitet.“ Seite 102

muss eine Zeitmaschine besitzen. Direkt unheimlich: Seine Tage haben 28 Stunden! Anders ist nicht zu erklären, wie unser frischgebackener Digital Director Europe alles schafft, was er so schafft. Die OnlineStrategie aufrollen, Texte abnehmen (und schreiben!), hier eine Präsentation, dort ein Meeting. Neben all den täglichen Turbulenzen zog nun auch noch die Website auf ein neues System in neuem Look um. Seine Strategie? „AD ganz neu denken.“ ad-magazin.de

wurde am Meer geboren, wuchs im Schatten des Kolosseums auf, lebt in Mailand – und träumt davon, eines Tages ein Haus in Venedig zu besitzen. Als Senior Editor bei AD Italien war sie die Idealbesetzung für einen Besuch bei Elisabeth Regnault de la Mothe, die einen kleinen Palast in Cannaregio renoviert hat. „Ich stellte mir vor, was wäre, wenn die Kohlezeichnung, die sie hinter einer Wand fand, wirklich von Dürer stammte. Denn das Wertvollste an einem Haus sind für mich die Geschichten, die es erzählt.“ Seite 138

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Porträts: Dorothea Bethke; privat (2)

AD stellt vor


Stil ALLE NEUNE schafft

Molly Molloy spielend mit der „Bowling Vase“ für ihr Label Colville – hier auf den Punkt in Szene gesetzt mit Paolo Rizzattos „265 Chromatica“ von 1973, die Flos gerade in Mondrian-Tönen relauncht. colville of f icial.com

Back for Good

Foto: Ambra Crociani

Salone del Mobile, Maison & Objet, London, Kopenhagen: die schicksten Möbelneuheiten – direkt von den Designmessen auf Ihren Coffeetable!

R E D A K T I O N Sally Fuls

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Stil

… Or Not to Swing Es kann kein Zufall sein, dass Lewis Kemmenoes Werkstatt in Londons Wood Lane liegt. Bei seinem „Cantilever Chair 01“ sorgen hölzerne Rundstäbe dafür, dass die planen, harten Flächen aus Birkenschichtholz tatsächlich Sitzkomfort bieten. Mit der Freischwinger-Assoziation in Optik und Namen indes schickt uns der junge Absolvent des Royal College of Art gekonnt auf den, nun ja, Holzweg! lewiskemmeno e.com

„LE DUE FACCE D E LL A LU NA“

… das sind bei Afra und Tobia Scarpas wiederentdecktem Besteck von 1979 das Sterlingsilber der Griffe und der Stahl von Laffe und Klinge. Messer um 315 Euro. c as sina.com

… sagte sich Marta Sala – und hat mit Lazzarini & Pickering nicht nur ein gestandenes Architektenduo aus Rom im Portfolio ihres Mailänder Designverlags, sondern nun auch deren Poufs (rechts vor Tapeten aus der mit Fromental realisierten Kollektion „Contemporary Frescoes“). „René“ ist zylindrisch und geradlinig, „Tancredi“ quadratisch und leicht tailliert. Gemeinsam ist den zweieiigen Zwillingen die angedeutete Lehne, die eigentlich ein Griff ist. Noch ein klassischer Fall von zwei in eins. Preise auf Anfrage. — Reinhard Krause mar tasalae ditions.it

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Fotos: George Baggaley; Cassina (3); Giovanni Mocchetti

Nimm zwei!


Stil

Don’t Call It a Comeback

… denn Lindsey Adelman war nie weg. Doch nach eineinhalb Jahren Stillstand fühlte sich die Mailänder Designwoche an wie ein Klassentreffen nach sehr langen Sommerferien. Eingerostet ist Adelman, deren vielteiliger Kronleuchter in der Gruppenschau „Alcova“ sein Debüt feierte, ohnehin nicht. Die Idee zu den an Messingketten baumelnden Glaskugeln kam der New Yorkerin, als sie Ende 2019 von einem Roadtrip durch Kalifornien träumte. Und die Wanderlust mit „Paradise“ ausagierte. — Valerie Präkelt

Foto: Nigel Cox

lindseyadelman.com

42


Stil Experimentierfreudig, eklektisch, exzellent: Wie kein anderer steht Hannes Peer für die nächste Generation italienischer Designer. Auf dem Supersalone, der Special Edition des Salone del Mobile im September, war der brillante Architekt und Interiordesigner, der längst auch mit Möbeln und Objekten reüssierte, der Mann der Stunde. In der Ausstellung „Alcova“ begeisterte er mit Bouclé-Sofas für Sem Milano und einem 1,2 Tonnen schweren Kronleuchter. Der hängt in kleinerer Ausführung auch im Studio des Südtirolers, das er während der Designwoche zum ersten Mal für Besucher und Besucherinnen öffnete. In seinen heiligen Hallen (Peer betrachtet das Studio als zweites Zuhause) zeigte er die Ergebnisse seiner ersten Zusammenarbeit mit dem französischen Label La Chance: re. u. ein Esstisch, rechts ein Stuhl und eine Chaiselongue aus Marmor. Letztere wird aus Verde Alpi, Bianco Carrara und Fior di Pesco gefertigt und ist schön für die Ewigkeit: Nimmt man das Polster von Lelièvre Paris ab, wird sie zum skulpturalen Centerpiece.

Doppelte Premiere: Erstmals öffnet Hannes Peer die Türen zu seinem Mailänder Studio und zeigt skulpturale Entwürfe für La Chance. TEXT

Valerie Präkelt

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Fotos: Nathalie Krag, La Chance

Von Marmor und Möbel-Solisten


Stil

TEXT

Federica Tattoli

In der Galerie Nilufar beschwört Bethan Laura Wood den Geist moderner Weiblichkeit.

A

n einem sonnigen Augustnachmittag treffe ich Bethan Laura Wood in der Via della Spiga. Sie beaufsichtigt dort den Aufbau einer Ausstellung, die noch bis zum 27. 11. ihre Verbundenheit mit Nina Yashar und deren Mailänder Galerie Nilufar feiert: zehn Jahre gemeinsame Projekte, Schauen und ausgefallene Designs. „Ornate“ ist ein Dialog, der von Yashar ausgewählte ältere Arbeiten mit Woods neusten Stücken (o. eine Auswahl) zusammenbringt. Die beiden schaffen eine intime Umgebung, die Geborgenheit

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vermittelt – eine Art room of one’s own, wie er einst Virginia Woolf vorschwebte. Entwickelt wurde das Ganze vor dem Hintergrund einer Zeit, in der wir alle, vorübergehend vom Berufsalltag entkoppelt, unsere häusliche Umgebung besonders intensiv erlebt haben. Konsequenterweise kreisen Woods neue Designs, die sich an den Jugendstil und das britische Aesthetic Movement der vorletzten Jahrhundertwende anlehnen, um die Idee des Boudoirs und der Objekte, die darin zu Hause sind. „Als ich über die geplante Ausstellung und die dafür vorgesehenen Stücke nachdachte“, sagt Bethan Laura Wood, „war mein Grundgedanke, dass Nina und ich Frauen sind. Ich stellte mir vor, dass alles von einem feminin gehaltenen Raum umschlossen ist,

und dieser Ort nennt sich Boudoir. Bewohnt wird er allerdings von einer Frau von heute. Beim Wort ,Boudoir‘ denkt man ja an Widersprüchliches: Es ist nicht nur ein Raum für Puderquasten und Parfums, sondern auch für Reflexion und Selbstausdruck. Besonders wichtig sind mir die Details und Kleinigkeiten, mit denen ich unseren Raum geschmückt habe. Die Griffe der Kabinette zum Beispiel sind wie Schmuckstücke – flüchtige Objekte, die üblicherweise mit Weiblichkeit assoziiert werden und die den Status, die Unabhängigkeit und die Identität von Frauen betonen.“ Woods Boudoir 2.0 machen sie jedenfalls zu einer glanzvollen Würdigung der zehnjährigen Kreativliaison zwischen zwei großen Frauen des internationalen Designs.

Porträt: © Mark Cocksedge; Fotos: Emanuele Tortora (4); Angus Mills

Boudoir 2.0


Zu Hause in Berlin bei dem Stylisten Tobias Frericks – die junge Wohnserie, jetzt auf ad-magazin.de


Fotos: Volker Conradus; Produktion: Valerie Präkelt

#thirtysomething

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OPEN OFFICE: Betritt man die Dachgeschosswohnung (links hinter der Teakwand liegt der Eingang), steht man sofort im offenen Büro des Hausherrn – der am liebsten mit Klassikern arbeitet: Eiermann-Tisch, Nouvel-Leuchte und Vitra-Stuhl.


„Ich weiß genau, was Sie wollen.“ Als der Besitzer dieses Dachgeschosses auf Architektensuche war, wurde er von einem Bewerber überrascht. Ach ja? Er wusste ja nicht einmal, was er wollte! Also suchte er weiter – und fand Gisbert Pöppler, der gemeinsam mit ihm auf die Suche ging und so selbst ein Herzensprojekt gewann. Mit seinem Team erdachte der Architekt und Interiordesigner ein Dorf über den Dächern Berlins. Eine Siedlung, verpackt als Wohnung, die Akkuratesse mit Großzügigkeit ausbalanciert, Sixties-Charme versprüht und doch klar für morgen ist, behaglich und lichtdurchflutet zugleich. Genau das, was der Hausherr suchte. Das zeigten Pöppler schon die Meetings: „Wir wussten immer, es war ein guter Termin, wenn der Bauherr sich gar nicht verabschieden mochte.“ TEXT

Sally Fuls Robert Rieger

FOTOS

Berlin

Village People

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Fotos: Matthias Schwinn; Markus Drößler; Mara Fischer (2); Jan-Michael Quammie; Ragnar Schmuck

STIL—— SCHULE

IDEEN & STOFFE & KONZEPTE—— DEKORATION—— MATERIALIEN——

WAND– GESTALTUNG——

INTERIOR & FASHION——

RAUMIDEEN——

So wollen wir wohnen: Tipps von Profis für ein schöneres Zuhause. Hier geht‘s zur VIDEOSERIE auf dem AD Germany YouTube-Kanal.

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CARAT Uhren & Juwelen


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—Inhalt

14 Editorial 16 Impressum

18 Uhren & Schmuck Neuheiten Faszination, Innovation, Inspiration! Hier stellen wir sie vor: Das sind die aktuellen Kostbarkeiten aus der Welt der Uhren und des Schmucks. 19 Pump up the volume 20 Zeichen der Zeit 22 Sag es mit Schmuck 24 Um den Finger gewickelt 26 Schwarze Magie 28 Schönste Schichtarbeit 30 Dunkle Träume 32 Stimmungsaufheller 34 Tradition & Moderne

32 Schmuck und Farbe

36 Probier’s mal mit Vergnüglichkeit Diese fröhlichen Schmuckstücke wollen nicht zu ernst genommen werden – sondern lieber mit Humor.

38 High Five! 100 Jahre „Chanel N°5“

19 Dick auftragen ist die feine Art

Die „Collection N°5“ feiert die Haute Joaillerie – und die magische Zahl Fünf.

40 In der Ruhe liegt die Pracht

42 Das kultige Teilzeitmodell:

Die Reverso von Jaeger-LeCoultre.

44 Die Juwelenjägerin Lucia Silvestri, Bulgaris Kreativdirektorin, im Interview.

20 Farben des Regenbogens

Fotos: Boucheron; João Avila; Breitling

Seit 2001 zelebriert Bucherer naturbelassene Pastell-Saphire. Zum 20. Jubiläum ist die Kollektion „Pastello“ facettenreich wie nie.


12

—Inhalt 46 „Paraiba Dragon“ von Bulgari

48 Wellendorff

Gold und Flexibilität

50 Starke Stücke überirdisch schön Von großen und kleinen Häusern: traumhafte Juwelen neu auf dem Markt. 66 Spitzenleistung

Van Cleef & Arpels' Gespür für Tanz.

67 Hard Luxury – Hard Facts Schmuck ist subjektiv, ein paar Tatsachen sollten Sie aber trotzdem kennen. Der Guide durch die Welt wertvoller Steine und edler Metalle. 73 Schönheit im Alter

Ein Big Player und die Vintage-Uhr: Bucherer kauft und verkauft Certified Pre-Owned Watches.

Uhren-Know-how Punkt für Punkt leicht gemacht: Überblick über die wichtigsten Regeln im Kosmos der mechanischen Zeitmessung.

84 Die Kunst der Stunde Sonne, Mond und Steine: eine Auswahl der schönsten neuen Uhrenmodelle des Jahres. 94 Mega Pearls

Perlen sind altmodisch? In diesen innovativen Designs sicher nicht. 96 Internationales Impressum 98 Von Stein und Sein

Das Horoskop für alle, die Diamanten & Co. lieben.

88 Glashüttes Mondphase

Links auf dem Cover: die Automatik-Uhr „Calatrava“ aus Weißgold und Brillanten kommt von Patek Philippe, der „Parhelia Ring“ aus Platin mit einem Saphir, Smaragden und Diamanten ist aus der „Sixième Sens“-Kollektion von Cartier. Rechts auf dem Cover: das Set aus Collier und Ohrringen mit Pastell-Saphiren feiert das 20. Jubiläum der „Pastello“-Kollektion von Bucherer Fine Jewellery.

Cover Illustrationen: Merijn Hos; Fotos: Bulgari; Sophie Bille Brahe; Glashütte Original

94 Perlen der Innovation

76 So ticken Sie richtig


14

—Editorial

„In den Ateliers der Juweliere tut sich gerade unglaublich viel – das wollen wir Ihnen zeigen.“ Oder wussten Sie, dass manche Edelsteine Jahrzehnte verwahrt werden, bis die Frauen und Männer, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, etwas Schönes damit anzustellen, sagen können, wie sie diese Wunder der Natur verwenden möchten? Bei all der Veränderung ist nur eines sicher: Schmuck, Juwelen und aufwändige mechanische Uhren werden immer besonders sein – Geschenke, die man sich und anderen zu Anlässen macht, an die wir uns noch lange erinnern. In diesem Sinn, haben Sie viel Freude mit der neuen AD Carat!

Oliver Jahn

Porträt: René Fietzek

W

er schon einmal eine Ausgabe von AD in Händen hielt, weiß, dass Schmuck, Juwelen und hochwertige Uhren seit Langem zu unseren Kernkompetenzen gehören. Mit der neuen AD Carat wollten wir die Dinge diesmal trotzdem ein bisschen anders angehen. Auch weil sich in den Ateliers der Juweliere und Werkstätten der Uhrmacher gerade so unglaublich viel tut. Auf einmal werden alte Techniken des Kunsthandwerks wie das Einbrennen von Email von jungen Kreativdirektorinnen und Designern ganz neu interpretiert. Das Gleiche gilt für Perlen oder ein Edelmetall wie Gold: Wir können heute praktisch in Echtzeit dabei zusehen, wie sie sich plötzlich von ihrem leicht angestaubten Image befreien und in ungeahnte gestalterische Sphären katapultieren, um mit der aktuellen Lust auf Innovation Schritt zu halten. Uhren werden zu Dingen, die Kunstwerken ähneln.


In neuem —Glanz

Faszination, Innovation, Inspiration! Für all das und mehr stehen die aktuellen Kostbarkeiten aus der Welt der Uhren und des Schmucks.

Jean Schlumberger, Paloma Picasso, Elsa Peretti – die New Yorker Institution Tiffany war schon mit den Namen kreativer Menschen verflochten, bevor die coole „Collab“ ihren Weg in die Welt des Schmuckde­ signs fand. Und so ist die aktuelle Zusammenarbeit mit Daniel Arsham eine konsequente Fortführung der visionären Unternehmensphilosophie. „Mein ers­ ter Eindruck war: Mit diesem Material sollte so eine

Form doch gar nicht möglich sein“, staunte der New Yorker Künstler über das Können des Ateliers. Ar­ shams auf 49 Exemplare limitierte Interpretation der neuen „Knot“­Linie ist mit Weißgold, Diamanten und grasgrünen Tsavoriten nur ein Teil seines Debüts bei Tiffany. Er dekonstruierte auch die ikonische Box zu einem archäologischen Fundstück aus oxi­ dierter Bronze. Mehr auf ad-magazin.de MT

Foto: Toby McFarlan Pond für Tiffany & Co.

Fest verbunden


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—Juwelen

Goldige Geste Die kunstvoll aus Gelbgold und Diamanten gefertigten „Cipó“Ohrringe haben ein Vorbild: die gleichnamige Urwaldranke. Im Amazonasgebiet hat sie starke Symbolik und wird auch „Liane der Geister“ genannt. Deshalb pflanzt Sauer für jedes verkaufte Stück aus der „Amazônia Collection“ einen Baum und einen Kaffeesetzling, 5200 Euro

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sauer1941.com

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Fotos: João Avila; Schubart Goldschmiede; VRAM; Martin Klimas; Ana Khouri

4 1 Der Ring „The Curve“ aus blank poliertem Rotgold hat was Fesselndes, 9800 Euro goldschmiedeschubar t.de Immerblüher: Der „Colony VIII Ring“ aus der „Moment 2 Collection“ verführt mit floralem Touch und Diamanten, 11 092 Euro vramjewelry.com Kunstobjekt und Begierde: Der voluminöse „Balloon“Ring looks like Koons, 6800 Euro georghornemann.com Der verrückte Diamant auf HochglanzGelbgold macht wahnsinnig Spaß: „Diamond Phillipa Ring“, 44 000 Dollar anakhouri.com MW

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Pump up —the volume Dick auftragen ist jetzt die feine Art. Stattliche Statement-Pieces geben den Ton an – in glänzendem Design.


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—Uhren

3 Fotos: Chanel Watches; Breitling; Audemars Piguet; Hublot

1

2 Zeichen —der Zeit Der Regenbogen steht für Frieden und Toleranz. Nun hat er auch in der Welt der Uhren einen großen Auftritt. 1 Die „Première Electro“ ist eine Ode an die Club-Kultur der 1990er-Jahre, 5900 Euro chanel.com 2 Schillernde Schönheit: „Breitling Chronomat Automatic 36 South Sea“, 8100 Euro breitling.com Florentiner Veredelung und Farbedelsteine im Baguetteschliff machen die „Royal Oak Frosted Gold Double Balance“ zum Schmuckstück, 136 600 Euro audemarspiguet.com Sieben Farben, 304 Steine, ein Regenbogen: die spektakuläre „Big Bang Integral Tourbillon Rainbow“, 779 000 Euro hublot.com MW

3

4

4


—Juwelen

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1 Der „XXL Smiling Face“-Anhänger aus Roségold von Cada lockt mit einem Lächeln – und 210 gelben Saphiren, 12 500 Euro cada.de Die punkige Sicherheitsnadel ist Kult. Anita Ko hat ihr ein Upgrade verpasst. Die „Safety Pin Earrings“ gibt es in unterschiedlichen Legierungen, mit Diamanten oder ohne, ab 636 Euro anitako.com Nadine Ghosn zeigt mit ihrem Ring „The Bare Block“, was verspieltes Design macht: eine Menge Spaß. Roségold, Quartz und farbige Saphire, 5620 Dollar nadineghosn.com

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Probier’s mal —mit Vergnüglichkeit Diese fröhlichen Schmuckstücke wollen nicht zu ernst, sondern mit Leichtigkeit und Humor genommen werden.

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Fotos: Misha Taylor (2); Anita Ko; Nadine Ghosn; Stefania Verriopoulous; Dimitris Vergis; Retrouvaí; Caroline Fayette; Marina Melentieva & Diana Lange; Eéra (2)

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4 Die Ohrringe aus Anastasia Kessaris’ „Lollipops“-Kollektion feiern den Sommer das ganze Jahr: Gold, Silber, Resin und Farbedelsteine nach Wahl, ab 640 Euro anastasia kessaris.com Kantig, kunterbunt, cool: „Impetus Puzzle Pendants“ von Retrouvaí aus Gelbgold, Diamanten und Farbedelsteinen, 3206 Euro retrouvai.com Ein frischer, zuckersüßer „Pfefferminz“-Ring aus Gelbgold, Chrysopras und Mini-Saphiren aus der „Sugar High“-Kollektion von Alina Abegg, 2850 Euro alinaabegg.com Die Ohrringe „Tokyo“ und „Key“ aus Gold, Silber und Diamanten von Eéra sind eindeutig Key-Pieces. Und das in jeder Hinsicht. 1278 Euro und 1318 Euro @eera MW

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—Juwelen

Text —Mira Wiesinger Illustrationen —Merijn Hos

Starke Stücke —überirdisch schön Ein Ring wie eine Sternschnuppe, ein Collier als Kragen und Ohrringe, die liebäugeln: Poetisch, voller Hingabe und Fantasie präsentiert sich die Haute Joaillerie in diesem Jahr. Mit unbändiger Passion für das Goldschmiedehandwerk verwandeln die großen und kleinen Juwelenhäuser Edelsteine und Metalle in Kunstwerke wie nicht von dieser Welt.


67

Hard Luxury —Hard Facts Die Welt der Uhren und des Schmucks ist voller aufregender, faszinierender und illustrer Geschichten. Sie erzählen von Menschen, Handwerkskunst, Hingabe und Poesie. Hören Sie also auf Ihr Herz, tun Sie es aber stets mit Köpfchen: ein paar harte Fakten für den Connaisseur.


—Juwelen

Mit diesem Wissen —können Sie glänzen Schmuck ist Emotion und Leidenschaft. Schmuck ist persönlich und sein Wert deshalb immer subjektiv. Diese paar Tatsachen sollten Sie trotzdem kennen.

Das Wort Karat leitet sich ab von den griechischen Worten „keras“ und „keration“, die zusammen genommen „kleines Horn“ bedeuten. Hörnchenförmig sind auch die Hülsen des Johannesbrotbaums, in denen seine Samen gedeihen. Was das mit Gold und Edelsteinen zu tun hat? Viel! Beide sind tief in unserem Dasein verankert, und von jeher will der Mensch seine Schönheit, seine Macht oder gesellschaftliche Stellung mit Juwelen unterstreichen. Schmuck hatte also längst ein Gewicht, bevor im Jahr 1793 die universelle Maßeinheit in Gramm und Kilogramm festgelegt wurde. Gewogen wurden Gold und Edelsteine mithilfe der Samen des Johannisbrotbaums, die lange Zeit als verlässliches Gegengewicht galten. Der Legende nach soll jeder einzelne Samen genau 0,2 Gramm wiegen. Bis heute entspricht ein Karat exakt diesem Gewicht.

„Schönheit ist, was auch immer jemand als schön empfindet.“

Rei Kawakubo

Porträt: Bernard Weil / Toronto Star via Getty Images

Was bedeutet das Wort Karat?


—Uhren

„Egal ob Uhr, Kamera oder Auto: Umso intensiver man mit diesen Dingen lebt und sie benutzt, desto mehr werden sie ein Teil von dir.“ Lenny Kravitz


77 Text —Alexander Stilcken

So ticken —Sie richtig In der Uhrenwelt gelten eigene Regeln. Sie müssen sich nicht zwanghaft danach richten – aber sie sollten sie kennen.

Porträt: Rich Fury / AMA2018 / Getty Images for dcp

Welches Modell ist das richtige für mich?

Die Basketballlegende Kobe Bryant sagte einmal: „Jeder schaut auf deine Uhr. Sie repräsentiert, wer du bist, sie zeigt deine Werte und deinen persönlichen Stil.“ Generell sollten Sie deshalb den Standard-Rat guter Juweliere beherzigen: „Kaufen Sie, was Ihnen gefällt, nicht, was ein Hype oder Social Media Ihnen nahelegt.“ Bei der Wahl des Modells helfen auch Antworten auf die folgenden Fragen: Wozu brauche ich die Uhr? Für die Arbeit, für die Abendgarderobe, für den Sport, für mein Renommee, für die Erfüllung meines Traumes von Perfektion und Schönheit – oder eigentlich für alles und immer? Wie ist mein persönlicher Stil? Wie wichtig ist mir uhrmacherisches Handwerk? Und gibt es Marken, die mir besonders sympathisch sind?

Anders ausgedrückt: Ein Bauhaus-Fan wird im Sortiment von Nomos oder Junghans mit Sicherheit glücklicher werden als ein Freizeittaucher, der auf der Suche nach etwas Sportlichem ist. Am Ende sollten Sie es sein, der den Takt vorgibt – und nicht die aktuellen Trends.

Wahre Größe: Wie finde ich zu ihr? Grundsätzlich sagt man: Ragt das Gehäuse an den Ansätzen des Armbandes, den sogenannten Hörnern, über das Handgelenk hinaus, dann ist die Uhr zu üppig. Gemeinhin gilt aber ebenso: Hauptsache, der Trägerin oder dem Träger gefällt es. Gewissheit bringt der Live-Test: Denn auch wenn das eigene Handgelenk und der MillimeterDurchmesser des jeweiligen Exemplares Indizien liefern, so gibt es zu viele Variablen, die das Endergebnis beeinflussen. Manche Uhr hat zum


—Uhren

Die Kunst —der Stunde 1

Text —Ulrich Clewing Illustrationen —Fabienne Meyer

Sie messen die Zeit, sind kleine Wunder der Handwerkskunst und Mechanik. Eine Auswahl der schönsten Uhren-Neuheiten.


85 1 Um die „Rendez-Vous Dazzling Moon Lazura“ kreisen 190 Diamanten, 77 500 Euro jaegerlecoultre.com Hat Klasse, Datum, Wochentag und Mondphase und ist eine Stoppuhr: „Premier B25 Datora“ aus der Heritage-Kollektion, 11 350 Euro breitling.com Ein neues Zifferblatt für die „Datejust 36“, inspiriert von den Palmen verwunschener Urwälder, 6550 Euro

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Fotos: Jaeger-LeCoultre; Breitling; Rolex

rolex.com

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ARCHITECTURAL DIGEST. Stil, Design, Kunst & Architektur

Cover: Illustration: Merijn Hos; Fotos: Cartier; Patek Philippe; Alexis Armanet

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