7 minute read

KURMUSIK GEHÖRT EINFACH DAZU

Next Article
YES

YES

KURMUSIK

gehört einfach dazu

Advertisement

Die Bayerische Staatsbad Bad Reichenhall KurGmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain war in Bayern einer der ersten Veranstalter, der bereits im Juni 2020 wieder den täglichen Konzertbetrieb eines Profi orchesters auf die Beine stellte – trotz der enormen hygienetechnischen Vorschriften und Regelungen. Damit nimmt das Staatsbad eine Vorreiterrolle in der Konzertkultur des Freistaats ein. Wie sie die Wiedereröff nung vorantrieb und warum, erzählt Geschäftsführerin Gabriella Squarra im Interview.

Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns im Frühjahr erlebt?

Wir haben an der Pfl ege der Kuranlagen sowie der Frühlings- und Sommerbepfl anzung ganz normal weitergearbeitet und für uns stand immer fest: Sobald es irgendwie möglich ist, werden wir auch wieder Kurkonzerte veranstalten. Diesbezüglich haben sich unsere Mitarbeiter der Hygienearbeitsgruppe früh mit dem Geschäftsführer der Philharmonie Felix Breyer und dem Chefdirigenten GMD Christian Simonis zusammengesetzt und ein Veranstaltungskonzept ausgearbeitet. Dafür wurden von uns alle Studien, die spezielle Erkenntnisse für Musiker liefern, einbezogen. Oberste Priorität war: Wie können wir den gesamten Konzertablauf und den täglichen Regelbetrieb so organisieren, dass Gäste, Künstler und Mitarbeiter den größtmöglichen Schutz in dieser besonderen Zeit erleben?

Warum waren Ihnen die Kurkonzerte so wichtig?

Weil für uns im Gesundheitsort nicht nur die Kuranlagen wie beispielweise das Gradierhaus sondern eben auch die Kurmusik ein essentielles Wohlfühlerlebnis darstellt, das den Gästen und Patienten jeden Tag zur Verfügung stehen sollte. Ich bin überzeugt, dass die Heilkraft der Musik seit über 150 Jahren ein wesentliches Element unseres Kurortes und genauso wichtig wie die Heilsole ist. Ich erlebe, sehe und spüre immer wieder, in welchem völlig anderen Gefühlszustand Gäste aus den Konzerten herauskommen. Ob bewusst oder unbewusst: Sie tun etwas für ihre Immunkraft und insgesamt für ihre Regeneration.

Musik kann also heilsam wirken?

Ich habe hierzu sehr viel Gespräche mit Professor Stefan Kölsch geführt. Viele Dinge, die er als Musiker und Neurowissenschaftler erforscht hat, haben mittlerweile in etlichen Universitäten in der Auseinandersetzung mit Krankheitsbildern Eingang gefunden. Sie zeigen, wie man klassische Konzerte und die verschiedenen Arten von Musik in der Medizin gezielt einsetzen kann. In unserer Broschüre „Musik tut gut“ regen seine Tipps und Anregungen zum gesunden persönlichen Musikgenuss unserer Kurkonzerte an.

In Zeiten von Covid-19 ist Kurmusik natürlich umso wichtiger?

Ja. Für uns als Staatsbad waren drei Dinge sehr wichtig: Unseren Königlichen Kurgarten und alle Kuranlagen top gepflegt zu haben, um gerade in einer Zeit, in der man nirgends hinkonnte, den Menschen stärkende visuelle Sinnesreize in der Natur bieten zu können. Das Gradierhaus in Gang zu bringen – natürlich auch mit Sicherheitsvorkehrungen – und die Kurkonzerte mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern wieder anbieten zu können. Aber nicht als einzelne Veranstaltungen, sondern als ganz normalen, täglichen Regelbetrieb.

Wie sieht ihr Veranstaltungs- und Hygienekonzept aus?

Es gibt Wege- und Lüftungskonzepte. Wir haben einen Tagungsraum umfunktioniert, wo jeder Musiker für das Konzert einen Tisch zugewiesen bekommt. Dort kann er seine Jacke und die Instrumentenhülle ablegen. Alles wird vorher und nachher desinfiziert und der Raum entsprechend gelüftet. Über die Notausgangstreppe und einen wettergeschützten Weg durch ein Zelt geht es durch den Eingang in der Salzburger Straße mit entsprechendem Abstand in die Rotunde. Dort nehmen die Musiker Platz, alles ist genauestens definiert, jeder Stuhl ist markiert und es gibt Spukschutzwände zwischen den Plätzen. Die Philharmoniker spielen in reduziertem Umfang mit nur 23 Musikern, trotzdem mussten wir einen Teil des Zuschauerraumes dazu nehmen, damit jeder genug Platz hat. Nach dem Konzert verlassen die Musiker den Saal so, wie sie gekommen sind und die gesamte Rotunde und auch der Tagungsraum werden gelüftet und desinfiziert.

Und welche Vorkehrungen gibt es auf Seiten der Gäste?

Die Wandelhalle haben wir ausgeräumt und die Stuhlreihen in der Rotunde aufgelöst und neu geordnet, damit wir die 1,5 Meter Abstand sicherstellen können. Anfangs durften wir nur 50 Gäste unterbringen, jetzt waren es 69. Normal wären es 400. Die Gäste müssen bis zu und auf ihren Plätzen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und einzeln sitzen. Notausgänge und Lüftungsmöglichkeiten gibt es im Saal glücklicherweise genug. Außerdem haben wir den Onlineverkauf verstärkt und um die Kontaktdatenerfassung ergänzt. So können unsere Gäste Tickets frühzeitig kaufen, da meist kurz vor dem Konzert am Staatsbad Shop&Tickets keine Karten mehr erhältlich sind. Unser gesamtes Konzept umfasst 15 Seiten und die Bad Reichenhaller Philharmoniker waren das erste Orchester, das wieder in den Regelbetrieb gegangen ist.

Wie haben die Gäste das angenommen?

Das war für uns die große Unsicherheit – auch wenn ich gewusst habe, dass sich viele nach den Konzerten sehnen. Trotzdem wussten wir nicht, wie viele Leute zum ersten Konzert am 16. Juni kommen würden. Aber wir waren ausverkauft und sind es bis auf wenige Ausnahmen bis heute. Die Konzerte haben etwas sehr Privates und dadurch, dass man alleine sitzt, kann man sich vielleicht sogar noch mehr auf die Musik einlassen. Ich habe eine ganz besondere Intensivität erlebt. „Bad Reichenhall kann glücklich sein, so ein Orchester zu haben“, ist nur eine der vielen positiven Rückmeldungen, die wir bekommen.

Wie sind die Aussichten für den Winter?

Es werden weiterhin alle Kurkonzertformate, vom Wunschkonzert bis zum Matinee, stattfinden – sofern sich an den staatlichen Vorgaben nichts ändert. Die Bad Reichenhaller Philharmoniker haben in diesem Jahr ihren Urlaub in den ersten beiden Novemberwochen genommen und die Zusammenarbeit mit dem neuen Dirigenten hat im Sommer bereits begonnen. Gemeinsam mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern planen wir zeitnah und sind sehr flexibel. Unsere gemeinsame Intention trägt uns durch diese besondere Zeit: mit großem Engagement und viel Kreativität unseren Gästen regelmäßige außergewöhnliche Erlebnisse zum Auftanken und Regenerieren ermöglichen zu können. Kathrin Thoma-Bregar

Foto: BRPHIL Unsere gemeinsame Intention trägt uns durch diese besondere Zeit: mit großem Engagement und viel Kreativität unseren Gästen regelmäßige außergewöhnliche Erlebnisse zum Auftanken und Regenerieren ermöglichen zu können.

Gabriella Squarra

MARTIN A. FUCHSBERGER GASTIRIGENT

KURMUSIK KONZERTE

Bad Reichenhaller Philharmoniker Künstlerischer Leiter & Chefdirigent: Daniel Spaw

BAD REICHENHALL Unvergessliche Musikerlebnisse in fröhlicher Gelassenheit: Ob leichte Klassik, Filmmusik, Musical, Jazz oder bayerische Blasmusik - die Kurkonzerte in der Konzertrotunde / im Musikpavillon im Königlichen Kurgarten bieten eine große Auswahl verschiedenster Musikstile.

EINMALIG FACETTENREICH…

Die Bad Reichenhaller Philharmoniker sind das europaweit einzige Sinfonieorchester, das ganzjährig Kurkonzerte spielt. Mit viel Liebe und Hingabe pflegen die gut 40 Musiker/Innen die stolze Tradition dieses Genres und spielen jährlich über 350 Konzerte in Bad Reichenhall - mit unterschiedlichen Ensembles und Musikstilen: Kurkonzerte, Salonkonzerte, Matinéen, Wunschkonzerte, Kammermusikabende und Sinfoniekonzerte.

AKTUELLES PROGRAMM + TICKETS

• Staatsbad Shop & Tickets, Wandelhalle im Königlichen Kurgarten • Tourist–Infos Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain • Abend-/Tageskassen • vorverkauf@bad-reichenhall.de

VERANSTALTER KURMUSIK

Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall Kur-GmbH Bad Reichenhall/ Bayerisch Gmain Wittelsbacherstr. 15 83435 Bad Reichenhall

www.bad-reichenhall.de

Spielzeiten

SOMMER

1. MAI - 31. OKTOBER

MONTAG KONZERTFREI DIENSTAG 15:30 19:30 MITTWOCH 19:30

DONNERSTAG 19:30

FREITAG 15:30

SAMSTAG 19:30

SONNTAG 11:00 15:30

WINTER

1. NOVEMBER - 30. APRIL

MONTAG KONZERTFREI DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SAMSTAG 15:30

SONNTAG 15:30 19:30 19:30 19:30

19:30

I N N E H A L T E N

ALS CHANCE

Die Kunstakademie Bad Reichenhall strahlt wie die Philharmoniker weit über ihre beschauliche Kurstadt hinaus. Beide Institutionen arbeiten auch immer wieder bei Kunstprojekten zusammen und veranstalten die Gesprächsreihe „Reichenhaller Resonanz“. Corona war für die Akademie eine große Prüfung, wie ihr Direktor Stefan Wimmer berichtet.

Immer wieder hält die Hand mit dem Pinsel inne. Die Malerin tritt zurück, betrachtet ihr Bild. Was braucht es noch? Eine ganz normale Szene des Kunstschaffens in den großen Ateliersälen der Kunstakademie Bad Reichenhall in der Alten Saline. Und zugleich ein Sinnbild für die Ruhe und Besonnenheit, mit der Direktor Stefan Wimmer das im Frühjahr jäh gebeutelte Schiff durch die unberechenbaren Wellen der Corona-Krise lenkte. „Es war ein massiver Einbruch“, räumt Wimmer ein. Die Zeit des Lockdowns fiel in die am besten gebuchten 2,5 Monate der Kunstakademie. Die Kosten für Miete und Personal liefen unerbittlich weiter. Der 53-jährige Soziologe mit über 20 Jahren Erfahrung im internationalen Kunstmarkt verspürte zugleich eine Verantwortung gegenüber den freien Künstlerinnen und Künstlern, die im Haus unterrichten. Nach Geschäftsführerpositionen in nationalen und internationalen Galerien sowie Lehraufträgen an der Kunstakademie in Kassel und dem Mozarteum in Salzburg leitet er seit Oktober 2017 die Kunstakademie Bad Reichenhall und seit September 2019 zusätzlich die VHS.

„ES WAR VÖLLIG UNKLAR, WANN DIESE SITUATION ENDET“,

beschreibt Wimmer die größte Herausforderung des Lockdowns. „Meine Grundhaltung war: Wir können das eh nicht ändern.“ So nutzte er mit seinem Team diese Phase für den Aufbau der neuen Homepage und die Planung eines außergewöhnlichen Programms für 2021, das Jahr des 25-jährigen Akademie-Bestehens, mit knapp 150 Präsenzkursen.

Und Wimmer ging in die Offensive: „Wir dürfen nicht in der Versenkung verschwinden. Kunst und Kultur sind insbesondere in Krisenzeiten zur inneren Orientierung wie auch als gesellschaftliche Gradmesser für sinnhafte Zukunftsausblicke elementar.“ 14 Tage nach der Schließung startete der erste Online-Kurs. Nach dem ersten Newsletter zum Thema „Abstand halten! Ein Lob der Distanz“ verschickte Wimmer jede Woche per

This article is from: