REGJO - Musik bewegt die Stadt

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Das Magazin für Mitteldeutschland

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RegJo-Spezial: Leipziger Notenspur

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Musik bewegt die Stadt


Impression aus dem Mendelssohn-Haus  Fotografie: Werner Schneider

ii ????? RegJo


RegJo eDiToRiAL 1

Leipzigs einzigartige Musikhistorie erleben

inhalt 3

grußwort des oberbürgermeisters

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Wie die Musik Leipzig prägte: Leipzigs traditionsträchtige Musikgeschichte

Liebe Leserinnen und Leser,

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Von der Physik zur Musik: Prof. Dr. Werner Schneider über Motivation, Ehrenamt und die Zukunft der Notenspur

Am 12.05. ist es soweit: entlang der Notenspur lockt Leipzig mit einem faszinierenden Angebot zwischen Stadterkundung und Musikerlebnis. grund genug, ihnen in diesem Heft die Leipziger Notenspur-initiative vorzustellen und Sie einzuladen, mit uns auf die Musik- und Architekturgeschichte der Stadt zu blicken, mit den Protagonisten und Förderern zu sprechen und über gemeinschaftliche Unternehmungen, über ehrenamtliche Tätigkeit und über städtische Netzwerke nachzudenken. Haben Sie schon einmal versucht, sich Musik bildlich vorzustellen? Welche Farbempfindungen Klänge hervorrufen, können Sie beispielsweise in Wassily Kandinskys und Paul Klees Werken wie „improvisation“, „Komposition“ oder „Fuge in Rot“ betrachten. Doch nicht nur Farbempfindungen ruft die Musik auf, auch vermag sie, wie jede Beschäftigung mit Bildender Kunst, auf den Menschen positiv einzuwirken: Musik befördert das sinnhafte erleben und die entspannung, das hat jeder schon erfahren. Die eingehende Beschäftigung mit Musik regt sogar komplexe Denkprozesse an, bildet die sensorischen Fähigkeiten und stärkt soziale Kompetenzen wie Toleranz und Teamfähigkeit. gemeinschaftssinn, Vernetzung und sinnhaftes erleben sind nicht nur Leitlinien der Leipziger Notenspur-initiative, sondern sie selbst ist aus diesen Parametern entstanden – durch Menschen, die mit ihrer Begeisterung für Musik halfen, selbige in die Stadt zu tragen, sie in der Stadt erlebbar zu machen. entlang des Notenspur-Wegeleitsystems, bestehend aus geschwungenen Bändern im Straßenpflaster, können Sie den musikgeschichtlichen impulsen folgen und die verschiedenen Wege der Notenspur erkunden, musikalische Stätten erschließen, Kunstwerke, objekte, Architekturen, die im Zusammenhang mit Komponisten oder der Musik stehen, entdecken, in Konzerte hineinhören, gar selbst Musik spielen. Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, wir möchten Sie zu weit mehr als nur zu einem Leseerlebnis über die Notenspur führen; wir möchten Sie anregen, sich an unserer Musiktradition zu beteiligen: Kommen Sie am 12.05.2012 zum Auftakt nach Leipzig und wandeln Sie fortan entlang der Notenspur: hören Sie, sehen Sie, erleben Sie – Musik!

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Musikgeschichte Stein um Stein: Musikalische Inspirationsorte in Leipzig

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… mehr Bebop wagen!: Produktives Stadtmanagement braucht geordnete und chaotische Kompetenzen

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Musik als Herausforderung für die Stadtentwicklung: Prof. Dr. Silke Weidner über Städtewettbewerb und Positionierung der Stadt Leipzig

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Musikbegeisterte Förderer

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Denkwürdige Musik-geschichte(n): Ein virtueller Stadtspaziergang

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Kultur als überregionaler Wirtschaftsfaktor: Staatsminister Sven Morlok über Tourismusstrategien

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Weltkulturerbe im Blick: Wird Leipzig UNESCO-Weltkulturerbe?

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Zukunftsmusik i: Der Leipziger Notenbogen: Schritt für Schritt Musik entdecken

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Die Leipziger Notenspur: Ein Band zur Musik knüpfen

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Musik bewegt die Stadt: Auftakt zur Leipziger Notenspur am 12. Mai 2012

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Zukunftsmusik ii Das Leipziger Notenrad: mit Bewegung zu mehr Musik

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Melodischer Pfad: Was kulturell interessierte Gäste nach Leipzig lockt

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Die Kraft der Musik in die Stadt hineintragen: Die Kulturamtsleiterin der Stadt Leipzig über Bürgerprojekte

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erfolge werden gemacht: Warum man Standortentwicklung nicht verschlafen sollte

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Musik verbindet: Dem Bürgerengagement auf der Spur

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Bürgerschaftliches engagement auf der Notenspur: vom Management ehrenamtlicher Helfer

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Die Kleine Leipziger Notenspur: Kinder entdecken die Notenspur

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Musik macht Mut – und klug!: Mit Musik frühkindliche Entwicklung fördern

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Adressen, Partner, impressum

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Sherlock Holmes im Schumann-Haus: Eine historisch-kriminalistische Spurensuche

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einen ohrwurm finden: Ein Klanglogo für die Leipziger Notenspur

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Wissen für die idee: Forschung für die Notenspur

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Unterstützung

Dr. Zita Ágota Pataki Chefredakteurin


Impression aus dem Klanglabor des Museums für Musikinstrumente (Museen im GRASSI)  Fotografie: LTM/Dirk Brzoska


regjo Grusswort 3

Einzigartige Entdeckungen

Bildquelle: Stadt Leipzig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit Eröffnung der Leipziger Notenspur am 12. Mai erhält unsere Stadt eine touristische Attraktion, wie sie an keinem anderen Ort der Welt vergleichbar realisiert werden könnte. In Leipzig gaben sich die Größten der klassischen Musikgeschichte gleichsam die Klinke in die Hand, existieren authentische Komponistenhäuser und berühmte Musikstätten auf engstem, fußläufig zu erkundendem Raum. Johann Sebastian Bach, Edvard Grieg, Albert Lortzing, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn Bartholdy, Clara und Robert Schumann, Richard Wagner, Max Reger wirkten hier – diese Aufzählung ließe sich fortführen. Sie alle prägten Leipzigs legendäre Musikhistorie über rund 300 Jahre und wurden in ihrem Schaffen maßgeblich von dieser Stadt, ihrem freien Geist und Bürgertum, einer besonderen Atmosphäre von Offenheit und Gastlichkeit beeinflusst. Auch heute wird die Musiktradition durch Gewandhaus, Oper, Kirche, Thomanerchor, Musikhochschule und Musikschule sehr lebendig gelebt. Nicht weniger als 23 Wohn- oder Schaffensstätten berühmter Leipziger Komponisten und Musiker wird die Leipziger Notenspur auf einem rund fünf Kilometer langen Weg verbinden: Zur Erkennbarkeit sollen kurz- bis mittelfristig 155 Edelstahl-Intarsien im Boden sowie repräsentative Tafeln und Informationsstelen an den ausgewählten Sehenswürdigkeiten beitragen. Besonders zu danken ist Prof. Werner Schneider von der Universität Leipzig, der diese Idee gemeinsam mit Kultureinrichtungen, Hochschulen, Institutionen, Vereinen sowie vielen Privatpersonen engagiert umsetzt. Wiederum ein herausragendes Beispiel für das traditionelle bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt, welches in enger Verbindung zur Entwicklung ihrer honorigen Musikgeschichte steht und dem ich auch an dieser Stelle gern meinen höchsten Respekt zolle. Liebe Leserinnen und Leser, es ist viel Einzigartiges zu entdecken auf der neuen Leipziger Notenspur und im Hinblick auf ihre nicht minder faszinierenden Schwester-Projekte Leipziger Notenbogen, Leipziger Notenrad oder Kleine Leipziger Notenspur. Einen ersten Überblick gibt Ihnen das vorliegende Themenheft des Magazins REGJO, weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.notenspur-leipzig.de. Überzeugen Sie sich, dass unsere Stadt eines der aufregendsten kulturellen Zentren in Deutschland war – und es in der Gegenwart noch immer ist. Leipzig: Hier spielt die Musik!

Ihr Burkhard Jung Oberbürgermeister der Stadt Leipzig


Wie die Musik Leipzig prägte gestern und heute Text: Zita Ágota Pataki  Fotografie: Sven Winter, Innenansicht der Nikolaikirche von der Empore

Wenn man sich der Leipziger Musikgeschichte zuwendet, kann man auf über 800 Jahre institutionelles(!) Musikschaffen zurückblicken. Für Leipzig prägend war die Gründung einer Schule an der Thomaskirche im Jahre 1212, um dort Knaben vor allem für den musikalischen Dienst in der Kirche zu übernehmen. Mit dieser Institution begründete sich seit der Einführung der Reformation die Tradition der Thomaskantoren, die gleichzeitig das Musikleben der Stadt verantworten, und unter denen Johann Sebastian Bach der wohl bekannteste ist. Als erste städtische Institution für die Instrumentalmusik kann man die Installierung von drei Stadtpfeifern 1479 vom Rat der Stadt ansehen, deren Aufgabe es war, öffentliche Feste und Ehrenbekundungen und die Kirchenmusik musikalisch zu begleiten. Musikalisches Leben nach der Universitätsgründung Auch die Laien trugen zum musikalischen Ruhm der Stadt bei; einen Haupttreffpunkt für Musikbegeisterte bildete die 1409 gegründete Universi-

tät. Seit der Gründung der Alma Mater Lipsiense spielte die Musik eine herausragende Rolle. Sie war nicht nur Teil des Studiums sondern auch eine wichtige Freizeitbeschäftigung. Die Studenten übernahmen gelegentlich Musikdienste in der Universitätskirche oder in einer der Hauptkirchen, so konnten sie sich etwas Taschengeld verdienen. In der über 600 jährigen Musikgeschichte der Universität war über Jahrhunderte für einige Studenten das Studium sogar nur Mittel zum Zwecke, Musik zu betreiben. Allen bekannt ist, dass Richard Wagner, der in der Alten Nikolaischule durch schlechte Leistungen, aber auch durch eine besondere musikalische Begabung aufgefallen ist, 1830 in die Thomasschule wechselte, ja sich sogar in der Universität einschrieb, um sich nur noch dem Studium der Musik zu widmen. Weniger bekannt ist hingegen, dass zahlreiche junge Menschen, so zum Beispiel Georg Philip Telemann, die Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann, Johann Adam Hiller oder Robert Schumann in der Musik-

stadt Leipzig Jura studierten und später professionelle Musiker wurden. Seit Ende des 17. Jahrhunderts gab es studentische und bürgerliche Vereinigungen für Musik. So fanden sich 1743 engagierte und gebildete Bürger zusammen, um das Große Konzert zu gründen; ab 1744 fanden die Konzerte im Haus Drey Schwanen am Brühl statt, 1781–1884 in dem Kaufhaus, in dem auch die Tuchmacher ihre Ware lagerten, wodurch das Gewandhausorchester seinen Namen bekam. Wirtschaftsfaktoren Begünstigend auf die Musikgeschichte Leipzigs wirkte der Reichtum der Stadt und ihrer Bürger, welcher durch die Lage der Pleißemetropole an zwei Fernhandelsrouten und durch das Messeprivileg, das der Stadt im 15. Jahrhundert verliehen wurde, begründet war. Die weitere strukturelle Entwicklung Mitteldeutschlands, und die Nähe zum an Silber reichen Erzgebirge trugen ebenfalls zur Entfaltung bei, denn es gehörte aufgrund des Reichtums der Region, zum guten Ton, sich den Luxus der Musik zu lei-


sten. In der Zeit der Reformation erhielt die Musik weitere Impulse. Auswirkungen Mit der Musikergeschichte Leipzigs verbindet sich auch eine über 600 Jahre lange Tradition des Instrumentenbaus – und des Instrumentenhandels. Die einzigartige Gemengelage von vielen fähigen Musikern, von regelmäßigem Messe- und Tourismusbetrieb wirken bis heute begünstigend auch auf die Tätigkeit von Musikverlagen. Hervorzuheben sind der Musikverlag Breitkopf & Härtel und das ehemalige von Franz Anton Hoffmeister und Ambrosius Kühnel gegründete Bureau de Musique, das der Buchhändler Carl Friedrich Peters erfolgreich weiterführte und dessen Ruhm heute noch in der Publikationsreihe der Edition Peters weiterlebt, sowie das Musikantiquariat von Maximilian Oelsner, das schon Max Reger und Arthur Nikisch zu seinen Kunden zählte. Musiker wie Edvard Grieg kamen nach Leipzig, um am im Jahre 1843 gegründeten Konservatorium zu stu-

dieren, und Kompositionen zu veröffentlichen. Das reiche Musikleben der Stadt führte letztlich auch zur Konservierung von musikalischem Gut: Leipzig weist heute eine nahezu unvergleichbare Museumslandschaft an authentischen Wirkungsorten und Spielstätten wie das Bach-Archiv oder das Museum für Musikinstrumente im GRASSI genießen weltweiten Ruf. Musik in der Stadt – Einst und Jetzt Und heute? Die Tradition ist nicht abgebrochen, immer noch kommt ein hoher Prozentteil der Studierenden in die Stadt – nun nicht mehr an die Universität, sondern an die renommierte Hochschule für Musik. Vor allem Musiker aus den asiatischen Ländern kennen, schätzen und genießen die musikreiche Tradition in Mitteldeutschland und das seit dem Mittelalter bewahrte musikalische Erbe in Leipzig und Umgebung. Leipzigs Musikeinrichtungen wie die Thomasschule, das Gewandhausorchester oder die Oper sind immer noch Anziehungspunkt für Musiker

und Musikliebhaber. Für Studierende der Orchestermusik bietet das Gewandhausorchester mit Substitutenstellen eine gute Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Gesangsstudenten können hoffen, an der Oper vorzusingen oder Aushilfsverträge zu bekommen. Ideal für sie ist die Vielfalt der Leipziger Chorlandschaft. Im bundesweiten Vergleich ist Leipzig die Stadt mit den meisten Profichören: Gewandhauschor, Rundfunkchor, Sinfonieorchester, und die Musikalische Komödie bieten eine Möglichkeit zur Praxis wie Musiktheater, Opernchor oder das westsächsische Sinfonieorchester. Daneben besitzt Leipzig eine hohe Dichte an Kirchenchören, die insbesondere zur Weihnachtszeit das Publikum in den Oratorien, Passionen, Requiemaufführungen begeistern. Eine Vielzahl an Konzertreihen finden an vielen unterschiedlichen Orten statt: Konzerthäuser, Kirchen, gar Museen wie das Mendelssohn-Haus, das Schumann-Haus oder das Gohliser Schlösschen offerieren ein reichhaltiges Angebot und verlocken in die seit 800 Jahren lebendige Musikstadt.


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Interview RegJo

Von der Physik zur Musik Nach langjährigem persönlichem Engagement und kontinuierlicher Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig sieht sich der geistige Ziehvater der Notenspur, Prof. Dr. Werner Schneider, mit dem Projekt der LNS einer hohen Akzeptanz seitens der Bewohner und der Politik gegenüber. Keine Selbstverständlichkeit und kein Selbstläufer für einen Physiker, der damit nicht nur seiner Hochschätzung der Musik Ausdruck verlieh, sondern dem es auch ein ureigenes Bedürfnis war, mit der Leipziger Notenspur (LNS) eine Hommage an die Musiker, die unsere Welt mit Musik bereicher(te)n, zu kreieren. Wir sprachen mit ihm über Programmatik, Erfolge, Hürden aber auch über prekäre Arbeitssituationen. Interview: Zita Á. Pataki, Giorgos Kalaitzis  Fotografie: Antje Kröger

Sie haben die LNS mithilfe eines Netzwerks aus Institutionen und ehrenamtlichen Helfern nach vorne gebracht. Sind Sie mit dem Ergebnis am heutigen Tag zufrieden? Sehr zufrieden, denn der Erfolg war nicht zu erwarten. Nach insgesamt 13 Jahren Arbeit bin ich dankbar, dass sich das Projekt so entwickelt hat. Natürlich bin ich überzeugt von der Idee, aber es gibt viele andere gute Ideen, die in der Schublade bleiben, weil sie nicht in übergeordnete Konzepte passen. Der Erfolg ist damit nicht nur eine Frage der Beharrlichkeit, sondern vielmehr auch der glücklichen Umstände, aber auch der Zusammenarbeit mit vielen Menschen, die ihr Interesse und Engagement und Emotionen in das Projekt eingebracht haben. Für mich ist der das Schönste an dem Projekt, dass es kein Einzelprojekt mehr ist, sondern dass sehr viele unterschiedliche Menschen mitwirken. Schauen Sie sich die soziale Zusammensetzung des Unterstützernetzwerkes an, die verschiedenen Berufe, die unterschiedlichen Strukturen, aus denen sie kommen. Nur durch sie konnte sich das Projekt als generationsübergreifend, spartenübergreifend, sogar milieuübergreifend entwickeln. Ein Erfolg ist für mich auch das Arbeitsklima, das Miteinander der Institutionen, die sonst um Fördermittel konkurrieren. Welche Hürden gab es bei der Umsetzung des Projektes? Die klassische Situation: „Zwei Schritte vorwärts, einen zurück“ ist eine Hürde. Eine weitere ist der Unterschied der Herangehensweise in der Zusammenarbeit mit Institutionen und Behörden: Wissenschaft trifft auf Verwaltung ­– da gibt es sowohl strukturelle als auch gedankliche Unterschiede. Ständig müssen das gegenseitige Verständnis geschärft, teilweise auch Ideen übersetzt werden. Wichtig ist, dass man seine Begeisterung auf andere übertragen kann. Es gibt auch Teilprojekte, die nicht realisiert werden konnten, z. B. der Notenspurspielplatz.

Sehr unglücklich war ich über die Veräußerung des Schulhoff-Hauses durch den Kulturbund an einen privaten Investor zum Einbau hochwertiger Wohnungen, ohne dass die Stadt trotz Stadtratsbeschluss ihre Einflussmöglichkeit genutzt hätte, das Haus als Station des Leipziger Notenbogens und damit den verfolgten jüdischen Komponisten einen Gedenkort in unserer Stadt zu erhalten. Auch unterschiedliche Interessenlagen der Parteien sind nicht immer förderlich, gerade bei einem parteiübergreifenden Projekt. Wie ist ihr Rezept für die Überwindung der Hürden? Die Persönlichkeit: es ist wichtig, die Leute, mit denen man zusammenarbeitet und besonders auch die, die Kritik üben, wertzuschätzen. Wichtig ist, den roten Faden nicht zu verlieren, besonders weil das Projekt mit viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden ist. Gerade für die ehrenamtlichen Unterstützer müssen immer wieder Erfolge sicht- und spürbar sein, denn für sie steht am Ende der ideelle Gegenwert. Auch das Arbeitsklima, die kooperative Verantwortung in der in- und externen Zusammenarbeit ist von Bedeutung. Man muss eine Melodie finden, wie man das soziale Leben in der Projektarbeit organisiert. Mit Leipzig verbinden sich viele Profilierungsansätze, wie Sport, Musik, Wissenschaft und Wirtschaft. Wie kann die LNS als Dachmarke zur Profil- und Markenbildung Leipzigs beitragen und die Beteiligten fördern? Indem wir das Projekt ganz bewusst Leipziger Notenspur genannt haben, formulierten wir ein Bekenntnis zur Stadt. Ich sehe mich nicht in Konkurrenz zu weiteren historischen Wurzeln und Einrichtungen, die diese Wurzeln auf hohem Niveau vertreten. Die LNS ist nicht museal gedacht, sondern soll die Menschen einbeziehen; sie zeigt, dass die musikalische Tradition in Leipzig nicht durch historische Verwerfungen abgerissen ist, sondern dass

Musik zur städtischen Identität Leipzigs gehört. Musik ist eine Sprache, die weltweit jeder ohne Übersetzung versteht. In der heutigen, technisierten Zeit brauchen wir die emotionale, soziale, kulturelle Bildung von früher Kindheit an, denn wer auf ein anderes Instrument im Zusammenspiel hört, wer davon angesprochen wird, wird für seine Mitmenschen sensibilisiert. Die mit der LNS verbundenen Institutionen fungieren als Träger der Idee, denn eine Idee setzt sich nicht von selbst durch. Ehrenamtliche Tätigkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Werden mit ehrenamtlichen Strukturen, wie sie auch die LNS prägen, nicht prekäre Arbeits- und Sozialverhältnisse (u. a. im Kultursektor) zementiert? Wir bündeln im Projekt Kräfte sowohl aus dem ersten als auch dem zweiten Arbeitsmarkt und durch freiwilliges Engagement. Das macht das Projekt zugegebenermaßen schwierig: einer bekommt für seine Mitarbeit viel Geld, einer weniger, mancher gar nichts. Dass muss jeder für sich entscheiden. Wer im ersten Arbeitsmarkt ist, sollte sich generell ehrenamtlich engagieren, das ist für mich normal. Viel schwieriger ist, wenn Menschen aus dem zweite Arbeitsmarkt ohne angemessene Bezahlung mitarbeiten. Andererseits ermöglicht man für diese Menschen Vorteile, z. B. Kontakte zu gewinnen und bietet ihnen eine sinnvolle Tätigkeit. Es gibt bei uns keine Hierarchie zwischen allen, die ihre Arbeitsleistung einbringen. Wir haben das Projekt mit ehrenamtlichen Helfern bis hierher gebracht. Das Projekt hat jetzt eine Größe erreicht, bei der wir es professionalisieren müssen. Dies ist eine Herausforderung für das Arbeitsklima. Ich kenne kaum gelungene Beispiele dafür, wie man in diesem Prozess den Geist des gleichberechtigten Miteinanders zwischen bezahlt Beschäftigten und ehrenamtlichen Unterstützern erhalten kann. Wie motiviert man Menschen, die keinen monetären Gegenwert erhalten oder nur partiell eingebunden sind?


regjo Interview 7

Indem man den Mitarbeitern vertraut und ihnen Verantwortung überträgt. Auch das persönliche Gespräch ist wichtig. Ich habe mir vor Jahren einige Leitlinien aufgeschrieben, eine davon ist: Menschen sind wichtiger als Projekte.

Innen ist mir mindestens ebenso wichtig wie nach außen. Die LNS ist nicht unter touristischem Gesichtspunkt konstruiert, sondern soll bei den Leipzigern spartenund milieuübergreifend die Wurzeln stärken, und so ein Gefühl von Stolz erzeugen.

Die finanzielle Unterstützung des Freistaats für die bauliche Umsetzung, also für die statische Verortung im Stadtraum, beträgt 226.000 EUR (Gesamtkosten 406.000 EUR). Fehlen nicht Investitionen, die den Netzwerkgedanken fördern? Durch die Sichtbarkeit im Stadtraum wird eine neue Situation, eine sichtbare Klammer geschaffen. Die teilnehmenden Institutionen rücken in einen neuen Zusammenhang. Somit wird durch die Zugehörigkeit zur LNS ein zusätzlicher Wert geschaffen. Die Häuser bilden die LNS, sie sind die LNS. Weitere Projekte sind anvisiert: der Notenbogen, das Notenrad; wir machen mit der Stadt weiter und werden defizitäre Projektschienen weiter bearbeiten: so die jüdische Musik in Leipzig. Wir achten darauf, die LNS ideell durchlässig zu halten und weiterhin interessierte und engagierte Bürger mit einzubeziehen.

Wie könnte man den Erfolg der LNS messen? Messen kann man nur quantitative, nicht qualitative Kennwerte. Die touristische Nutzung kann man über DEHOGA und die Institutionen der Notenspur erfragen. Wir hoffen auf eine regionale und internationale Ausstrahlung, denn wir benötigen ein stetiges Angebot, das auch jenseits der bekannten Musikfestivals und außerhalb der saisonalen Hoch-Zeiten die Marke Leipzig bzw. das Leipziger Kulturgut stärkt und Interessierte nach Leipzig bringt. Die Institutionen vermerken bereits erste Erfolge durch höhere Besucherzahlen. Wir haben auch viele Anfragen von Schulklassen. M.E. steht nicht nur der wirtschaftliche Faktor im Vordergrund: ist es messbar, ob jemand ein anderes Verhältnis zur Musik bekommt? Für mich sind ideelle Werte wichtig. Wirtschaftlichkeit wird zu einer Frage, wenn wir die LNS professionalisieren wollen, aber dazu gibt es noch keine Modelle.

An welchen Stellen gelingt es, mit der LNS über das Museale und Institutionelle hinaus zu wachsen? Die LNS hat museale Komponenten, aber erschöpft sich nicht darin. Wir halten die Musiktradition lebendig. Wir verbinden Leute, die Musik machen, geben denen Möglichkeiten für Projekte. Es sind weitere bauliche Verankerungen angedacht – z. B. die Notenwand. Das Musikerlebnis-Leitsystem zeigt, dass die Menschen,die die Musik geschaffen haben, unter uns gegenwärtig sind. Das Projekt LNS wird das Gefühl für die Stadt sowohl für die Einwohner als auch Gäste positiv beeinflussen. Die Wirkung nach

Was passiert nach dem 12. Mai 2012? Wie wirkt die Programmatik der LNS über den Auftakt hinaus? Gibt es konkrete Kooperationsprogramme zwischen den einzelnen Institutionen? Auf welchen Plattformen vollziehen sich die Leitgedanken der LNS? Wie kann ich als Besucher oder als Leipziger die LNS wahrnehmen? Wir werden z.B. die Notenspursalons weiterführen. Sie bieten eine einzigartige Gelegenheit, an authentischen Stätten eine Musikwerkstatt für Gespräche,

Informationen, Literatur, Musik zusammen zu erleben. Wir werden immer wieder Grenzen überschreiten und verschiedene innovative Subkulturen mit der Musik in Verbindung bringen, wir verfolgen das jüdische Musikleben, das Notenrad und den Notenbogen. Ein wichtiges Thema ist Musik und menschliche Behinderung: gemeinsam mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde haben wir einen Ausstellungsraum konzipiert, in dem wir unsere Hochachtung vor blinden Menschen bezeugen. Wir beziehen auch bewusst andere Institutionen ein. Bei einem Projekt in der Eisenbahnstraße haben wir versucht, Kinder mit Migrationshintergrund über Musik zu erreichen, gemeinsam Projekte über ihre Musik der Heimat zu entwickeln. Solche Projekte erscheinen mir sinnvoll. Wir wollen nicht Musikveranstalter werden. Es gibt viele defizitäre Themen der Musik und in der Stadt, die wir versuchen, über den Verbund der verschiedenen Institutionen zusammenzubinden. Für mich ist es wichtig, Zusammenhänge zu schaffen. Der Zusammenhang ändert alles. Indem etwas in einen anderen Zusammenhang gerückt wird, wird es auch anders, ändern sich die Dinge. Für die Besucher erschließt sich durch die LNS ein völlig neuer Zusammenhang der Gebäude, der Musik und der Komponisten – auf einmal wird Musik und die Menschen, die sie transportieren, anschaulicher, das Geflecht wird offensichtlicher und gegenwärtig am authentischen Ort. Was würde Sie veranlassen, aufzuhören? Wenn ich anfange, Menschen für das Projekt zu opfern, wenn mich das Projekt innerlich so stark korrumpiert, dass ich davon meinen Lebenssinn abhängig mache.


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MUSIKGESCHICHTE RegJo

Augustusplatz – Gewandhaus; MDR-Kubus; Das Operngebäude vom Schwanenteich aus gesehen

Musikgeschichte Stein um Stein Die Stationen der Leipziger Notenspur sind veranschaulichte Architekturgeschichte, Zeitzeugen und Inspirationsorte zugleich Text: Salina Philipp  Fotografie: Werner Schneider

„Architektur ist erstarrte Musik.“ Was anmutet als sei es ein Slogan findiger Marketingexperten, ist in Wahrheit anderthalb Jahrhunderte alt und stammt von keinem geringeren als Friedrich Willhelm Schelling. Fast scheint es, als hätte der große Philosoph das Potential der Musikstadt bereits 1859 erkannt, während er als Student an der Universität Leipzig weilte. Sein Ausspruch lässt sich treffend auf die Leipziger Notenspur beziehen. Vergangenheit als Teil Leipzigs „Durch die Gebäude der Notenspurstationen ist die Musik der großen Vergangenheit ein Teil Leipzigs geblieben. Die Atmosphäre der Entstehungszeit ist so für die Gegenwart erlebbar geblieben!“, bringt es Werner Schneider, Vorstandsvorsitzender des Leipziger Notenspur-Fördervereins, auf den Punkt. Tatsächlich liegen in keiner anderen deutschen Stadt so viele Wohnund Wirkungsstätten von berühmten Komponisten und Musikern so eng beieinander wie in Leipzig.

Wandel der Zeiten Zu insgesamt 23 Stationen zusammengefasst, haben sie einiges miterlebt. Als ältestes Gebäude kann die Nikolaikirche auf eine fast 850-jährige Geschichte zurückblicken. Das jüngste Gebäude ist der MDR-Kubus auf dem Augustusplatz. Er wurde 2001 fertiggestellt und ist ein Werk des Stararchitekten Peter Kulka. Von Gotik und Renaissance über Barock und Klassizismus bis hin zu Historismus und zeitgenössischer Architektur ist bei den Stationen jeder Baustil vertreten. Als musik- und steingewordenes Zeitgefühl spiegelt sich der Wandel der Zeiten im Wechsel der Architektur ebenso wider wie in der Veränderung der Musik. Durch die erhaltenen authentischen Wirkungsstätten der Leipziger Notenspur können sich aufmerksame Spurensucher von der großen Musikgeschichte inspirieren lassen. In den detailgetreu sanierten Gebäuden können sie ein Gefühl dafür bekommen, wie die Schöpfer der großen

Salina Philipp M.A., ist Promotionsstudentin an der Universität Leipzig und mit der Notenspur seit 2011 verbunden

musikalischen Werke gelebt haben. Sie können in die Zeit eintauchen, als Felix Mendelssohn Bartholdy als Kapellmeister des Gewandhausorchesters wirkte oder in der Hector Berlioz und Franz Liszt bei den Schumanns zum Tee erschienen. Auf der Notenspur Doch die Leipziger Notenspur macht auch die Lücken im steinernen Gedächtnis der Stadt sichtbar, erfasst sie auch die Standorte von Stätten, die verloren gegangen sind. Zu diesen verschwundenen Musikorten zählen das Hotel de Saxe, das Geburtshaus von Clara Wieck, das Alte Konservatorium und das Erste Gewandhaus. Auch ein großer Teil des Grafischen Viertels mit seinen bedeutenden Musikverlagen hat die Zeiten nicht überdauert, sondern fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Als Teil der Leipziger Notenspur werden sie in der Erinnerung bewahrt, wachgehalten im Geist der Menschen durch die Musik, die diese Orte eins beseelte.


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regjo STADTMANAGEMENT 9

… mehr Bebop wagen! Plädoyer für ein integrierendes und lebendiges Stadtmanagement Text: Giorgos Kalaitzis

Wie oft gehen gute Ideen für Stadträume verloren, landen in Schubladen von Verwaltungen oder gehen unter in seitenlangen Verträgen? Wie können Visionen im Stadtmanagementprozess also wachsen, statt geschmälert zu werden? Was hat Bebop-Jazz mit so etwas Komplexem wie Stadtmanagement zu tun? Folgen Sie einer musikalischen Versuchsanordnung, die Musik und Stadtmanagement zusammenbringt. Was Bebop kann Der Bebop-Jazz der 40er Jahre war radikal neu, voller Tempo, spontan, virtuos und basierte auf Improvisation, Können, Intuition, Individualität und Mut zum Experiment. Die Suche nach neuen musikalischen Formen zeichnete ihn aus. Bebop-Jazz löste die Ruhe und Gemütlichkeit der Swing-Ära auf. Bebop war ganz eng an die Coolness, Urbanität und Hektik von New York gebunden. Bebop vermittelte zwischen Traditionen europäischer und afroamerikanischer Musik. Im Bebop ging es um die Interaktion zwischen den Musikern. Dazu zählten bestimmte Übergabepunkte, von denen ab ein anderer Solist das musikalische Thema übernahm und individuell weiter formte. Dazu war es notwendig ein auf Wahrnehmung beruhendes Zusammenspiel zu organisieren. In den Jam-Sessions fungierten die Musiker als Kollektiv, die gemeinsam das Thema phrasierten, bis sie kurz darauf wieder zu Solisten wurden.

Was die Stadt ist Kultur verbindet in Städten verschiedenste Interessengruppen und stiftet Identität – so wie Leipzigs reiche Musiktradition. Kultur ist ein Identitätsund Wirtschaftsfaktor zugleich und prägt das Image von Städten - nach innen für die Bewohner und nach außen für Touristen und Investoren. Wirtschaft, Kultur, Bürger und die Stadtpolitik verfolgen jedoch ganz eigene Zielsetzungen. Häußermann stellt 2008 fest: „Im internationalen Standortwettbewerb wird die Imageproduktion für eine Stadt immer wichtiger.“ Daraus folgt, die Aktivitäten im Stadtmarketing auf ein festgelegtes Profil zu konzentrieren. Nur ein fest umrissenes Profil ermöglicht die Wahrnehmung einer Stadtmarke. Die „Wege zur menschlichen Stadt“ lassen sich mit Stadtmarketing steuern. Veränderungen benötigen jedoch Zeit, denn Städte werden durch die Menschen gemacht, die in ihr leben. Wofür steht Leipzig ist eine Frage, die andere – um die es hier gehen soll – ist, wie managt man die Prozesse der Markenbildung? Was die Stadt braucht Gefragt ist ein Managementansatz, der den Akteuren einerseits Kreativität und Freiraum einräumt und alle Prozesse andererseits durch ordnende Strukturen zum Erfolg führt. Stadt-

management erfordert einen Bezug zur jeweiligen Urbanität. Nur so entsteht Stadtidentität. Die Kulturtechniken des Bebop-Jazz sind der eine Teil eines integrierenden Stadtmanagements. Sie stehen hier als Chiffre für Kulturtransfer und -vermittlung und sichern ein besseres Verständnis des Stadtraums. Die Managementkompetenzen des Stakeholderansatzes, der die Bedürfnisse aller Partner berücksichtigt, sichern Stabilität und Planbarkeit. Dies führt zu Vernetzung, Führung und Kommunikationsfähigkeit. Für ein produktives Stadtmanagement werden geordnete und chaotische Kompetenzen gebraucht. Vier Pole können nach Stahl hier ein Gleichgewicht herstellen: Stabilität dient dem Erhalt von Identität. Flexibilität dient dem Erhalt der Anpassungsfähigkeit. Sicherheit macht Planung möglich. Ungewissheit macht Planung notwendig. Dies entspricht auch den interdisziplinären Realitäten in Stadträumen. Gerade im Übergang zwischen hierarchischen und chaotischen Zustand liegen die Quellen für neue Ideen. Die Leipziger Notenspur bezieht sich auf vorhandene Ressourcen und verankert die Musiktradition Leipzigs im Stadtraum. Die Markenbildung dieses neuen Projektes wird an Ergebnissen gemessen werden, die etwas Neues entstehen lassen, das mehr ist, als das Einzelangebot der beteiligten Partner.

Giorgos Kalaitzis ist Inhaber der Agentur TOPOS Productions in Berlin und Berater der Leipziger Notenspur in Fragen der strategischen Ausrichtung. www.toposproductions.de


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INTERVIEW RegJo

Musik als Herausforderung für die Stadtentwicklung Im Zuge des Städtewettbewerbs, in dem der Kampf um Einwohner, Unternehmer und Touristen vehement gefochten wird, steht auch Leipzig vor wichtigen Entscheidungen zur Positionierung der Stadt – sowohl nach Innen, als auch nach Außen. Dabei besinnt man sich zunehmend darauf, dass die Stärken einer Stadt nicht nur in der Wirtschaftskraft, sondern auch in der Kultur liegen. Über den bloßen Eventcharakter jedoch soll Kultur zur Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung beitragen. Inwiefern dies gelingt, und die LNS hierbei einen Beitrag leisten kann, erfuhren wir in einem Gespräch mit Prof. Dr. Silke Weidner vom Institut für Städtebau und Landschaftsplanung der BTU Cottbus.

Interview: Zita Á. Pataki, Giorgos Kalaitzis  Fotografie: C.J. Hoffmann (li.); Irina Hoppe (re.)

Was sind die wichtigsten Herausforderungen für Städte in der Stadtentwicklung in Europa bzw. in Deutschland – auch in Abgrenzung zu den großen Metropolen wie Asien und Amerika? Die wichtigsten Herausforderungen orientieren sich an den Megatrends: Demografische Entwicklung und Integration, Klimawandel und Energiewende sowie Wahrung des (bau)kulturellen Erbes in unseren europäischen Städten bei gleichzeitiger Offenheit für Neues. Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklungsplanung erfordert dieses Spektrum eine intensive Kooperation der verschiedenen Stakeholder – das ist dann eine weitere große Herausforderung! Denn die Themenfelder sind inhaltlich verflochten, werden in der Bearbeitung aber häufig isoliert angegangen. Für Deutschland und Europa steht vor diesen Megatrends noch das Vorzeichen der Schrumpfung, wohingegen insbesondere asiatische Städ-

te immenses Wachstum zu verkraften haben. Die Leipziger Notenspur verbindet das musikalische Erbe Leipzigs mit einem Stadtrundgang im öffentlichen Raum. Inwiefern ist eine solche Verbindung für die Stadtentwicklung sinnvoll? Warum eignet sich die musikalische Tradition hierfür besonders? Die Sichtbarmachung der zahlreichen Stätten mit vielschichtiger musikhistorischer Prägung im Öffentlichen Raum Leipzigs bringt eine besondere Erlebbarkeit. Das Zusammenspiel von Stadterkundung und Musikerlebnis schafft die besondere Atmosphäre der Leipziger Notenspur und verhilft dabei manchem Stadtquartier zu (erneuter) Beachtung. Die drei konzipierten Rundwege (Notenspur, Notenbogen und Notenrad) der Notenspur bieten dabei unterschiedliche Maßstäblichkeiten sowie differenzierte Angebote

der Raum- und Zeit­überwindung, sowohl für die Bürger der eigenen Stadt, als auch für Touristen. Über diese Formate (inklusive natürlich der angelagerten Aktionen) werden Stadtgeschichte und -entwicklung sowie Musik in ihrer Verschneidung auch für die Menschen erllebbar, die nicht unbedingt regelmäßig Konzertsäle aufsuchen. Die musikalische Tradition bietet hier sehr gute Anknüpfmöglichkeiten. Welcher Stellenwert kommt Initiativprojekten wie der Leipziger Notenspur zu, Impulsgeber für Stadterneuerung zu sein? Was bewirken solche Projekte in der Stadtgestalt? Und: Woran erkennt man, dass solche Projekte die Stadt – wie Leipzig – verwandeln? Die Leipziger Notenspur ist aus der Bürgerschaft heraus als Projekt entstanden. Glücklicherweise hat die Bürgerstadt Leipzig viele dieser engagierten und kreativen Bewohner, die


Fotografie:Irina Hoppe

regjo INTERVIEW 11

in Eigeninitiative Dinge auf den Weg bringen und somit ihre Stadt mitgestalten. Über zunächst klein anmutende Ideen können Triebkräfte entwickelt und zusammengeführt werden, die Impulse für die Stadtentwicklung geben. Es sind in diesen Zeiten nicht mehr ausschließlich die großen, lange strategisch geplanten Großprojekte, die Stadtentwicklung ausmachen. Vielmehr gewinnen informelle Aktivitäten mehr und mehr an Bedeutung – sie sind wichtiger Bestandteil des Instrumentenkoffers im Stadtumbau. Wie gelingt es, über das bloße Stadtmarketing hinaus durch solche Projekte tatsächlich zu einer Stadtentwicklung bzw. Stadterneuerung beizutragen? Das Institut für Stadtentwicklung sprach seinerzeit von den „Wegen zur menschlichen Stadt“. Versteht man Stadtmarketing so wie es in der betriebswirtschaftlichen Litera-

tur definiert wird, so fokussiert es nicht nur als eine Form der Vermarktung Imagepflege und Außenwerbung. Es basiert vielmehr auf dem integrativen Ansatz, Beteiligte, Betroffene, Interessierte mitzunehmen in einen Prozess, der zu baulichen und räumlichen ebenso wie zu funktionalen Maßnahmen führt. Und das hat die NotenspurInitiative von Anfang an gemacht, das zitierte „menschliche“ drückt sich in dem partizipativ-kooperativen Ansatz ebenso wie in der vielfältigen Nutzbarkeit der geplanten Elemente und Aktivitäten aus. Alle Altersgruppen können mit ganz spezifischen Maßnahmen angesprochen und hoffentlich zum Mitmachen angeregt werden. Die Stadt wird sprichwörtlich zur Bühne, so wie es unserem Europäischen Stadtgedanken originär inne wohnt – das ist in Zeiten der Tendenz zur Privatisierung von öffentlichem Raum auch ein schönes Zeichen!

Ist die Leipziger Notenspur mit ihren Ansätzen in diesem Sinne auf dem richtigen Wege? Welche Aktivitäten sind besonders prädestiniert, im Sinne der Stadtentwicklung erfolgreich zu sein? Welche Risikofaktoren müssen solche Projekte bewältigen? Die größten Hürden sind dank immensem Engagement und großem Durchhaltevermögen sicherlich genommen. Für die Zukunft wird es wichtig sein, die Notenspur entsprechend bekannt zu machen und verlässlich zu bespielen. Eine Verknüpfung mit anderen Ansätzen auch aus dem Bereich der Stadtentwicklung und -sanierung (z.B. die bereits angedachte Verbindung mit dem Spielraum-Konzept des Stadtplanungsamtes durch Klanginstallationen oder durch die interaktive Notenwand in einem Stadtteil, der weiterer Aufwertung bedarf) sollte weiterhin bedacht werden, um möglichst große Synergien zu schaffen.


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FÖRDERER RegJo

Musikbegeisterte Förderer Leipziger Notenspur – Musikstadt Leipzig

Bildquelle: privat

von Rolf Ahrendt, Geschäftsführer forum thomanum

Der Bildungscampus forum thomanum liegt auf dem Notenbogen. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Kinder und Jugendliche eine vertiefte, an den Thomaneranwärtern orientierte musika-

Kolumne zur Notenspur

Bildquelle: LTM/Dirk Brzoska

von Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller

Auf der Notenspur tun sich viele Wege auf, die große Fülle der Leipziger Musikgeschichte den Leipzigern wie auch den Besuchern nahe zu bringen. Selbst uns Musikern fällt es gelegentlich schwer, angesichts der vielen bedeutenden Persönlichkeiten, die hier in Leipzig gewirkt haben, den Überblick zu bewahren. Die Oberflächlichkeit, die mit unserer schnelllebigen Gesellschaft einhergeht, tut ihr Übriges dazu, kulturelles Gedächtnis einfach nur rudimentär zu entwickeln. Die

Unterstützung für die Notenspur

Bildquelle: privat

von Holm Retsch, Geschäftsführer DEHOGA Leipzig

Die Notenspur wird vom Hotelund Gaststättenverband Sachsen Regionalverband Leipzig

Fotografie: Mahmud Dabdoub

Wagners Notenspur von Thomas Krakow, Vorsitzender Richard-Wagner-Verband Leipzig

Die Faszination Leipzigs traf in mir als Historiker mit der Faszination des Leipziger Musikgenies Richard Wagner zusammen.

lische Ausbildung erhalten. Denn: Musik geht alle etwas an und deshalb sollte jedem ein Zugang zur Musik ermöglicht werden. Dieses Credo greift die Notenspur wunderbar auf und zeigt, dass es nirgendwo besser umgesetzt werden kann als in der Musikstadt Leipzig. Durch die drei Routen der Notenspur wird die Musikstadt endlich begreifbar, erfahrbar und hörbar. Darüber hinaus kann die Notenspur als Dachmarke die Musikstadt Leipzig durch eine einheitliche Ansprache der Touristen verkaufen. Damit hat die Notenspur eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt. Das Engagement Professor Werner Schneiders und seines Teams verdient deshalb jede Unterstützung. Was machen Sie?

Notenspur-Initiative ist eine Möglichkeit, sich diesen Schatz, den wir mit unserer großen Geschichte besitzen, durch eigenes Erleben bewusst zu machen. Natürlich dürfen wir Leipziger nicht den Fehler begehen, diese Initiative nur für die Besucher bereitzuhalten. Wir selbst sind es, die sich klar darüber sein sollten, in welch bedeutsamer Stadt wir leben. Mir selbst wurde dieser glückliche Umstand einmal mehr bewusst, als ich 2009 in Sydney, von meinem Hotel aus über die Harbour-Bridge zur berühmten Oper blickend, einen Beitrag für eine Leipziger Zeitschrift verfasste: Während das Panorama vor mir den Charakter einer Metropole ausstrahlte, dachte ich an unser eher mittelstädtisch wirkendes Leipzig. Und dennoch führten wir in eben jenem Opernhaus einige Tage später Werke von drei weltberühmten Leipzigern auf: Bach, Telemann und Mendelssohn Bartholdy. So betrachtet ist Leipzig mehr „Weltstadt“ als Sydney – und diese Tatsache kann das Notenspur-Projekt jedem Menschen vermitteln.

unterstützt, weil sie einem breiten Publikum die Vielfalt unserer Musikstadt Leipzig vermittelt. Seit 30 Jahren bin ich in der Leipziger Hotel- und Gaststättenbranche tätig und stets an neuen Ideen zur Weiterentwicklung des Tourismus interessiert. Ich setze mich im Namen des Verbandes intensiv für regionale Tourismusprojekte ein, gerade weil unsere Branche von den attraktiven touristischen Angeboten profitiert, die den Hoteliers und Gastronomen Umsatz bringen.

Er spiegelt den Charakter dieser Stadt: Krämerseele und Weltgeist, Selbstfindung und -vermarktung, Kommerz und Kultur als Einheit. Hier wurde er Komponist. Sein Leipziger ‚Ring der Nibelungen’ begann hier 1878 den Siegeszug um die Welt. Eine echte Notenspur. Wagner ist institutionell und emotional ein Teil davon. Aus bürgerschaftlichem Engagement erwachsen, erste und endgültige Klammer, macht die LNS nun die Musikstadt Leipzig als Einheit wahrnehmbar. Mit Richard, dem Leipziger.


regjo FÖRDERER 13

Musik mit allen Sinnen erleben von Dr. Thomas Kahlisch, Direktor Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Bildquelle: privat

Blinde Menschen und Musik, das gehört häufig zusammen. Wie erschließen sich blinde professionelle Musiker oder Laienkünstler musikalische Werke? Wie erhalten sie zeitnahen Zugang zu Musiknoten? Und was können sehende Menschen von nichtsehenden lernen? Mit unserem Engagement beim Aufbau eines

Im Einklang

Bildquelle: privat

von Ingo Jahnel, Geschäftsführer Limes Wohnbau GmbH, Vorstand Gemeinsam für Leipzig e.V.

Fühlen, erleben, bewundern – Musik und Architektur sind eng miteinander verbunden. Emotional und kulturhistorisch erfolgte ihre Entwicklung stets im Einklang. Die Musikstadt Leipzig

Tradition und ebendige Gegenwart

Bildquelle: privat

von Jürgen Ernst,Direktor Internationale Mendelssohn-Stiftung

Nichts unterscheidet Leipzig mehr von anderen deutschen und den meisten anderen Städten in der Welt als seine musikalische Tradition und deren le

Statement zur Leipziger Notenspur

Bildquelle: privat

von Volker Bremer, Geschäftsführer Leipzig Tourismus Marketing GmbH

Mit der „Leipziger Notenspur“ wird eine touristische Attraktion geschaffen, die ein Alleinstellungsmerkmal für die

Anlaufpunktes im Rahmen der Notenspur unterstützt die DZB die hervorragende Initiative, die facettenreiche historische und moderne Musikkultur Leipzigs für jedermann erfahrbar zu gestalten. Besucher des Notenspur-Standortes in der DZB erfahren, wie Musiknoten via Internet in die für blinde Musiker so wichtige Braillenotenschrift übertragen werden. Mittels einer audiovisuellen Präsentation wird die Musiknotendarstellung veranschaulicht, welche auf den 6 Punkten des von dem selbst blinden Franzosen Louis Braille bereits vor 200 Jahren entwickelten Alphabetes basiert. Damit alle Anlaufpunkte des entstehenden Notenspur-Netzwerkes für jedermann erfahrbar werden, unterstützt die DZB die beteiligten Organisationen und Einrichtungen bei der weitestgehend barrierefreien Ausgestaltung der Exponate und Installationen.

ist weltweit bekannt für ihr kulturhistorisches Erbe. Die Idee, eine Verbindung zwischen Musik und Tradition in Form einer Notenspur zu schaffen, ist die Krönung ihrer Wahrnehmung, zieht Menschen aus der ganzen Welt in unsere Stadt und belebt so den Wirtschaftsstandort auf besondere Art und Weise. Gemeinsam für Leipzig e.V. ist es daher ein großes Anliegen, dieses Band zu festigen und die Initiative mit allen möglichen Mitteln in ihrer Bekanntheit und Umsetzung zu unterstützen. Gemeinsam für die Notenspur engagieren sich Unternehmer mit besonderer Verbundenheit zu Leipzig und seiner Musiktradition.

bendige Gegenwart. Die klassische Musik mit ihrer sinnlichen Erlebbarkeit in einer digitalen Welt für die Menschen sichtbar zu machen, ist aus diesem Grund für Leipzig eine Verantwortung in hohem Maße. Deshalb haben wir das NotenspurProjekt von Anfang an mit besonderem Einsatz unterstützt. Persönlich trete ich seit Beginn meiner Tätigkeit am Mendelssohn-Haus im Jahre 1994 für die Darstellung Leipzigs als Musikstadt ein. Die Notenspur wird diesem Gedanken einzigartig gerecht. Ich hoffe, dass durch eine beherzte nationale und internationale Präsentation des Projektes die Bekanntheit der musikalischen Schätze Leipzigs zunimmt.

Musikstadt Leipzig darstellt und die einzelnen Wohn- und Wirkungsstätten bedeutender Komponisten auf originelle Weise miteinander verbindet. LTM hat aufgrund der positiven touristischen Effekte das Projekt von Beginn an unterstützt und aktiv kommuniziert, zum Beispiel auf den Tourismusmessen, bei Presse- und Studienreisen oder in Werbemitteln. Es freut mich sehr, dass mit der „Leipziger Notenspur“ zukünftig die Vorzüge der Musikstadt Leipzig noch intensiver abgebildet werden können.


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STADTSPAZIERGANG RegJo

Das Bachdenkmal hinter der Thomaskirche; Detail von Klingers Sockel für das Wagner-Denkmal; Eingang zu den Grassi-Museen; Denkmal C.F. Zöllners im Rosental; Grabepitaph der Mutter und Schwester R. Wagners; Das Bachmonument von C. Seffner

Denkwürdige Musik-Geschichte(n) Ein virtueller Stadtspaziergang auf den Spuren erhaltener, verschwundener, vergessener und wiederentdeckter Musiker, Denkmäler und Architekturen Text: Zita Ágota Pataki  Fotografie: Werner Schneider

Als Kunsthistorikerin vermittele ich in Stadtbegleitungen meinen interessierten Gästen, mit denen ich kulturhistorische Spaziergänge unternehme, die Geschichten, die sich um öffentliche Bild- und Bauwerke, Plätze, Orte, Straßen ranken: dabei fasziniert es mich immer wieder, die Verknüpfungen zwischen ihnen herzustellen, den Bogen zwischen vergangener und gegenwärtiger Form und Nutzung zu schlagen, aber auch Leerstellen zu überbrücken. Von den hoch Gelobten … Musik nahm ich als Zugezogene in der ersten Zeit an den vertrauten Orten wie dem Gewandhaus, der Oper und in diversen Räumen hinter geschlossenen Türen wahr, doch bald entdeckte ich immer mehr Spuren, die mich auf die Pfade der Musikgeschichte Leipzigs führten. Die Fährte legten mit dem Stadtplan hadernde asiatische Touristen, die das Bach-Archiv suchten, das heute ein würdiges Domizil im Bosehaus direkt neben der Wirkungsstätte des wohl berühmtesten Thomaskantors gefunden hat. Das Areal um die Thomaskirche ist ein Hauptknotenpunkt der musikalischen Erinnerungskultur: hier stand ehemals das Gebäude der Thomasschule und auf dem Platz erblickt man die von Carl Seffner gegossene Statue Bachs, der heute bezeichnenderweise geradewegs auf das Bach-Archiv blickt. Viele nehmen das andere Bach-Denkmal nicht wahr, das sich versteckt inmitten der Promenadenbegrünung befindet und das aus der Zeit stammt, als Bach erst wieder

den Leipzigern in Erinnerung gebracht werden musste – von dem aus Berlin kommenden Felix Mendelssohn Bartholdy. Dessen Wirkungsstätte war ab 1835 das Gewandhaus und ihm hat Leipzig 1843 die Gründung des Konservatoriums als höhere Bildungsanstalt für Musiker zu verdanken. Sein Denkmal stand bis in 1936 vor dem alten Gewandhaus, heute befindet sich eine Kopie ebenfalls auf dem Promenadengrün hinter der Thomaskirche, sodass Mendelssohn einstweilen auf das von ihm selbst initiierte Denkmal seines Kollegen – freilich nur im Winter – blicken kann. Ein anderer Musiker, einst in Leipzig wenig beachtet, dann zum großen Sohn der Stadt ausgerufen, hat es bis heute in Leipzig aufgrund widriger Umstände immer noch zu keinem opulenten Denkmal gebracht: Richard Wagner. Bereits 10 Jahre nach seinem Tod wurde der zweite große Sohn der Stadt, Max Klinger, mit der Aufgabe betraut, das Denkmal zu erreichten, hat sie aber nicht vollendet, und auch ein neuer Versuch zum 100. Todestag blieb unvollendet – heute obliegt das Projekt in den Händen des Wagner Vereins. Eine Wirkungsstätte hatte er in der Stadt nicht; er hatte wohl die Leitung des Gewandhausorchesters im Sinn, aber die Anstellung bekam Mendelssohn. … zu den Vergessenen Zahlreiche Direktoren, die dem Gewandhausorchester seit seiner Gründung bis heute vorstanden, sorgten für eine hohe Qualität der Konzerte, und der Genuss war


regjo STADTSPAZIERGANG 15

seit Arthur Nikisch nicht mehr nur noch dem reichen Publikum vorbehalten: Der Dirigent führte Konzerte für Arbeiter ein. Heute gehört er eher zu den ,vergessenen’ Musikerpersönlichkeiten der Stadt, sein Denkmal ist zerstört worden. Mit einem Denkmal bedacht sind auch die heute nicht mehr allen bekannten Musiker Carl Friedrich Zöllner, der seit 1822 die Gesanglehre an der Ratsfreischule leitete und einen Männerchorverein gründete oder Heinrich Pfeil, der Chorleiter, Komponist und Musikschriftsteller war. Bei einem Spaziergang durch das Rosental kann man am Froschteich das Denkmal Zöllners und am Kickerlingsberg das Denkmal Pfeils entdecken. Altes neu entdecken … Nicht alle Musiker wurden in Ehren gehalten: Von Albert Lortzing wandten sich die Leipziger sogar schon zu Lebzeiten ab, als sie ihn des Amtes als Kapellmeister enthoben, heute erinnert nur noch eine Tafel im Waldstraßenviertel an der sog. Groß-

en Funkenburg an das Haus, in dem Albert Lortzing seine berühmten Opern, u.a. Zar und Zimmermann schuf. Viele andere Komponistenstätten lassen sich en passant entdecken, beispielsweise das Wohnhaus Gustav Mahlers, ebenfalls im Waldstraßenviertel. Einkehren kann man gar in das Haus in der Inselstraße, das die Räume beherbergt, die Clara und Robert Schumann bewohnten. Man sah von hier aus Schumann seinerzeit öfter zu Mendelssohn laufen, mal mit der Partitur unterm Arm, oft auch seine Kinder an der Hand, denn die musizierten gemeinsam bei den Mendelssohns, die eine weitaus geräumigere Wohnung hatten, wie man ebenfalls heute im Mendessohnhaus sehen kann. Wieder bei Mendelssohn angelangt, ließen sich weitere Geschichten aus seiner Zeit, über seine Kollegen, oder über das von ihm gegründete Konservatorium, in dem zahlreiche weitere bedeutende Musiker, unter anderem auch Edward Grieg, studierten, anknüpfen, aber auch Themenfelder wie die Verbindungen der Musiker zu Verlegern eröffnen.

… und Kreise schließen Auf meinem Lebensweg führte mich die Spur der Noten zu einem Projekt in das Grassi Museum für Musikinstrumente. In den Pausen schlenderte ich oft über den Johannesfriedhof, wo ich nicht nur die stilistische Vielfalt der Grabmale bewunderte, sondern auch Namen wie Carl Friedrich Zöllner, Johann Adam Hiller wiederbegegnete oder Namen wie die der Mutter und der Schwester Richard Wagners entdeckte. Und hier schließt sich ein weiterer Kreis zu Bach, der 1750 hier bestattet wurde. Nicht nur weil dessen Gebeine 1949 in die Thomaskirche transloziert wurden, sondern auch weil das Bachdenkmal am Thomaskirchhof zum großen Teil aus dem Nachlass des 1880 verstorbenen Leipziger Kaufmanns Franz Dominic Grassi, der einen erheblichen Großteil seines Vermögens und seine Kunstsammlung der Stadt hinterließ, bezahlt worden ist. Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie viele epochenübergreifende und topographische Rückbezüge sich auf einem kurzen Weg durch Leipzig aufzeigen lassen.

Dr. Zita Ágota Pataki ist freiberufliche Kunsthistorikerin und bietet thematische Rundgänge durch Leipzig an. www.projektzukunst.de


INTERVIEW RegJo

Bildquelle: SMWA

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Kultur als überregionaler Wirtschaftsfaktor Bei der Bedeutung und insbesondere bei der Umsetzung von Kulturprojekten in der Stadt steht auch stets die Wirtschaftliche Komponente zur Diskussion. In einem Interview mit dem stellv. Ministerpräsidenten, Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) sind wir der Frage nachgegangen, inwiefern Kulturprojekte wie die LNS zur Wirtschaftskraft in der Region, aber auch um Land beitragen können. Interview: Zita Á. Pataki, Giorgos Kalaitzis

Welche Signalwirkung an die Wirtschaft entsteht durch touristische Initiativen wie die der Leipziger Notenspur? Bürger engagieren sich für ihre Stadt, pflegen Traditionen und setzen gemeinsam neue, interessante Projekte um. Das zieht nicht nur mehr Touristen an, sondern verbessert auch die Lebensqualität und damit die sogenannten weichen Standortfaktoren, die bei Investitionsentscheidungen der Wirtschaft mit in Betracht gezogen werden. Bei der Leipziger Notenspur ist es gelungen, breite Kreise – angefangen von kulturinteressierten Privatpersonen über Schulen und Vereine bis zur Wirtschaft – ins Boot zu holen. Das ist eine gute Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass solche Initiativen Mut machen, sich zu engagieren und weitere Vorhaben auf den Weg zu bringen. Welche Rolle spielen Ihrer Erfahrung nach kulturtouristische Leuchttürme in Gesprächen mit Investoren im Land Sachsen national und international? In allen Gesprächen mit ausländischen Gästen in Sachsen oder bei meinen Auslandsreisen ist der kulturelle Reichtum Sachsens ein Thema, das sowohl Politiker als auch Vertreter der Wirtschaft interessiert. Als sich die weltweit agierenden Unternehmen BMW, Porsche und DHL für einen Standort in Leipzig entschieden haben, hat dazu auch der gute Ruf als Messe-, Medien- und Musikstadt beigetragen. Wer Führungs- und Fachkräfte binden will, braucht ein attraktives kulturelles Umfeld.

Der Freistaat Sachsen ist in vielen Technologien ein Land der Innovationen. Was können touristische und kulturelle Projekte von der Wirtschaft und Unternehmen von touristischen und kulturellen Initiativen beim Erfinden neuer Innovationen lernen? Wer neue Wege gehen will, darf das Risiko nicht scheuen und muss auch den möglichen Misserfolg einkalkulieren. Das ist in der Wirtschaft nicht anders als im kulturellen Bereich. Für die Wirtschaft sind Innovationen Grundvoraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Darum würde ich mich freuen, wenn noch mehr Unternehmen „kreativ“ neue Produkte und Technologien entwickeln. Dagegen könnte sicher so manches Projekt im kulturellen Bereich oder auch im Tourismus puncto Marktanalyse oder Finanzierungskonzept noch einiges von der Wirtschaft dazulernen. Wichtig für beide ist es, kompetente, finanzstarke Partner zu finden. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial der wirtschaftlichen Leistungskraft des Kulturtourismus für Sachsen in den nächsten 10 Jahren ein? Der Kulturtourismus ist eines der prioritären Handlungsfelder in Sachsens Tourismusstrategie 2020. Unser Ziel ist es, auch weiterhin Kulturreiseziel Nr. 1 in Deutschland zu sein. Dazu werden wir unsere hochwertigen Reiseziele und die Produktqualität weiter ausbauen, damit und mit der authentischen, weltoffenen Lebensart der Sachsen auf dem nationalen und internationalen Markt werben.


regjo INTERVIEW 17

Warum sollten sich Unternehmer/innen in kulturellen Projekten engagieren? Wie könnte man aus der Beziehung zwischen Kultur und Wirtschaft zukünftig weitere Erfolgsgeschichten entwickeln? Nach jüngsten Marktforschungserkenntnissen kommt der typische inländische Übernachtungsgast überdurchschnittlich häufig im Rahmen eines Kultururlaubes oder einer Städte- und Studienreise nach Sachsen. Das ist ein Beispiel dafür, wie Kunst und Kultur und Tourismuswirtschaft im Freistaat bereits gemeinsam Erfolgsgeschichte schreiben. Ein weiteres gutes Beispiel ist das Engagement der Wirtschaft in den Regionalkonventen der Kulturraumförderung. Kunst und Kultur brauchen Förderer, Mäzene. Darum freue ich mich über regional engagierte Unternehmer, die mit dem Werben für den starken Standort auch von sich selbst überzeugen. Partnerschaften aus Kultur und Wirtschaft stärken die regionale Identität durch die Vernetzung regionaler Akteure. Das ist der richtige Weg. Bei der konkreten Umsetzung, wie dem Aufbau des Informations- und Leitsystem der Notenspur, stehen wir den Akteuren dann gern mit Mitteln der EU, des Bundes und des Freistaates zur Seite.

Creative City Leipzig ist das bessere Berlin, sagen die Medien. Großstadt – das muss nicht heißen: jeden Morgen Stau auf der Stadtautobahn oder eine Stunde U-Bahn bis zum Arbeitsplatz, sagen wir. Großstadt – das heißt: eine Stadt, in der Ideen groß werden können. Ideen zu wirtschaftlichen Erfolgen. Eine Stadt mit kurzen Wegen, vielen Möglichkeiten und einem besonders lebenswerten Umfeld. Egal ob Schriftsteller oder Journalist, Verlagsmitarbeiter oder Grafiker, Maler, Architekt, Designer, Filmschaffender oder Musiker – Sie sind nicht allein: Etwa 30.000 Leipziger arbeiten heute in der Kultur- und Kreativwirtschaft und machen die Branche damit zu einer der lebendigsten in der Stadt. Wir haben nicht nur Raum zum Leben und Arbeiten, wir haben auch die richtige Atmosphäre

dazu. Dass am Ende zum Beispiel der Preis der Leipziger Buchmesse steht oder wie für Neo Rauch eine Einzelausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art, das können wir natürlich nicht versprechen. Aber dass Leipzig und seine einzigartige Lebensqualität Sie inspirieren werden, das können wir versprechen. Denn das ist Leipziger Freiheit. Sie haben Lust auf Leipzig bekommen? Wir haben das Angebot: bunte Spinnerei, hohe Kultur, kleine Kunstbühnen, spannende Architektur, quirlige City. Leistungen: 2 Ü/F in einem 4-Sterne City-Hotel, „Leipzig kompakt“-Sightseeing Tour (2,5 h) ab 129,00 I p. P. im DZ · EZ-Zuschlag ab 35,00 F Gültigkeit: ganzjährig, vorbehaltlich der Verfügbarkeit Anmeldeschluss: vier Wochen vor Anreise

weitere Informationen: www.leipzig.travel


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WELTKULTURERBE RegJo

Detail der Säulen der Nikolaikirche; Relief am Türsturz des Hauses zum Arabischen Coffe-Baum; Detail aus dem Bachgemälde (1746) von E. G. Haußmann im Alten Rathaus; Detail aus dem Mendelssohn-Haus; Detail der Fassade des Bosehauses

Weltkulturerbe im Blick Leipzig bewirbt sich um Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste Text: Dajana Trapp  Fotografie: Werner Schneider (li., Mitte o.), Sven Winter (Mitte u., re. o.), Utz Schlicht (re.u.)

Das Ziel ist klar: Die Stadt Leipzig will mit der Notenspur auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO. Am 31.01.2012 reichte Oberbürgermeister Burkhard Jung den Bewerbungsantrag beim Freistaat Sachsen ein und erklärte: „Wir dürfen zurecht stolz auf die einmalige Tradition unserer Stadt sein. Leipzig stellt die Entwicklung der europäischen Musik wie sonst keine andere Stadt dar.“ Acht ausgewählte Stationen … Für die sächsische Vorschlagsliste wurden acht der insgesamt 23 Stationen der Leipziger Notenspur ausgewählt: das Bosehaus, die Thomas- und die Nikolaikirche als Wirkungsstätten Johann Sebastian Bachs, das MendelssohnHaus als einzige erhaltene, letzte Wohnung Felix Mendelssohn Bartholdys, das Schumann-Haus als erste gemeinsame Wohnung von Clara und Robert Schumann, das Verlagshaus C.F. Peters als Leipziger Domizil von Edvard Grieg, die Hochschule für Musik und Theater als Wirkungsstätte Max Regers und das Kaffeehaus Zum Arabischen Coffe Baum als Treffpunkt von Musikern,

Künstlern und Schriftstellern. Werner Schneider, einer der Gründungsmitglieder der Leipziger UNESCO-Initiative, betont: „Das sind alles authentische Orte, in denen auch heute noch Musik stattfindet.“ Der Statik-Professor gründete die UNESCO-Initiative im Jahr 2007 mit dem ehemaligen Schulrat Rainer Manertz. Dieser hatte sich schon vorher um einen UNESCO-Titel für die Leipziger Bachstätten bemüht, während Schneider mit der Notenspur auf die Komponistenstätten des Barock und der Romantik gesetzt hatte. Mit einer Projektgruppe des WelterbeStudienganges der BrandenburgischTechnischen Universität Cottbus untersuchten sie die Chancen einer musikbezogenen Bewerbung der Stadt Leipzig bei der UNESCO. … von europäischer Bedeutung Es zeigte sich: Viele Gebäude der Notenspur sind mit den zentralen Entwicklungen der europäischen Musikgeschichte verbunden. Sie haben die Musikwelt in Europa und der Welt entscheidend geprägt. Werner Schneider hofft: „Wenn wir die Musik mit den

Orten ihrer Entstehung verbinden, ist das ein Anker für die Erinnerung, bis jetzt vor allem für uns Leipziger und Musikliebhaber, aber in Zukunft könnte das auch für die ganze Menschheit gelten.“ Auch die Stadt sieht große Chancen in der Leipziger UNESCOBewerbung. „Bisher ist auf der Kulturerbeliste kein Baudenkmal zu finden, das wegen seines Musikbezuges aufgenommen wurde. Das ist ein großer Vorteil“, so der Oberbürgermeister. Den „richtigen Schwung“, so erklärt er, habe die Bewerbung durch das Notenspur-Projekt bekommen, denn durch das bürgerschaftliche Engagement hätte das UNESCO-Vorhaben ein breites Einverständnis in der Bevölkerung. Bis zu einer Entscheidung über den Leipziger Antrag wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Im Herbst 2012 kann der Freistaat Sachsen zwei Projektvorschläge an die deutsche Kultusministerkonferenz weitergeben. Diese prüft die Bewerbungen aller Bundesländer und setzt dann die Hälfte der Projekte auf eine deutsche Vorschlagsliste, die ab dem Jahr 2017 von dem Pariser UNESCO-Sekretariat entgegengenommen und bearbeitet wird.


RegJo NoTeNBogeN 19

Zukunftsmusik i: Der Leipziger Notenbogen Schritt für Schritt Musik entdecken als das ,Zweite gewandhaus’ als internationales Musikzentrum Komponisten wie Peter Tschaikowski, edvard grieg und Richard Strauss nach Leipzig zog, noch spürbar. Auf dem Notenbogen liegen im Unterschied zur Notenspur keine Museen, und es können nur wenige innenräume besichtigt werden. Der Notenbogen führt zudem zu zwei traditionsreiche Ausbildungsstätten für den musikalischen Nachwuchs: im Forum Thomanum leben und lernen die Sänger des Leipziger Thomaschores – gegründet im Jahr 1212 – der bereits zu Bachs Zeiten eine geschichtsträchtige musikalische in-

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Der 5 km lange Leipziger Notenbogen ist ein die Notenspur ergänzender musikalischer Stadtspaziergang, bei dem das ausgehende neunzehnte und beginnende zwanzigste Jahrhundert fokussiert wird. Auf dem Notenbogen wird die Zeit lebendig, in der Arthur Nikisch als gewandhauskapellmeister, gustav Mahler als opernkapellmeister und Max Reger als Universitätsmusikdirektor wirkten. Beim Weg durch die von gründerzeithäusern gesäumten Straßen des Waldstraßen- und Musikerviertels und durch Parkanlagen wie dem Clara-Zetkin-Park ist die Atmosphäre der Stadt um die Jahrhundertwende,

13. 14. 15. 16.

Standort geburtshaus Richard Wagner Standort Altes Theater Wohnhaus von Heinrich Marschner Deutsche Zentralbücherei für Blinde Wohnhaus von gustav Mahler Wohnhaus von Albert Lortzing Haus Wohnhaus von erwin Schulhoff Standort Pianofortefabrik Blüthner Forum Thomanum Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Standort Zweites gewandhaus, Mendelssohn-Ufer Standortder ehem. ezChaim-Synagoge Nikischplatz Standort Synagoge gottschedstraße Mendelssohn-Denkmal an der Thomaskirche Max-Klinger-Treppe


20

NoTeNSPUR RegJo

Die Leipziger Notenspur ein Band zur Musik knüpfen mit den originalschauplätzen, die das Potenzial musikalischen Weltkulturerbes in sich tragen. Die weltweit einmalige örtliche Dichte der wichtigsten Schaffensstätten ermöglicht es, auf kurzem Weg einen Spaziergang durch 800 Jahre Musikgeschichte und auf 300 Jahre alten Spuren berühmter Komponisten zu wandeln. Die Leipziger Notenspur bietet generationsübergreifend neue erfahrungen und erlebnisse für jedermann, nicht zuletzt tragen dazu auch die Kleine Leipziger Notenspur und das Musikerlebnis-Leitsystem bei. Die 5,3km lange Leipziger Notenspur kann zu Fuß und in mehreren etappen erkundet werden, der durchschnittliche Stationsabstand beträgt 225 m.

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regjo AUFTAKT 21

Musik bewegt die Stadt Auftakt zur Leipziger Notenspur am 12.05.12. Die Bürger der Stadt sind herzlich aufgerufen mitzufeiern, wenn die Leipziger Notenspur als neues musikalisches Wahrzeichen in das öffentliche Bewusstsein der Stadt gebracht wird. Der Auftakt soll das Interesse an ihrer Erkundung in der Bürgerschaft wecken und diese als Teil der Musikstadt Leipzig präsentieren. Die Leipziger Notenspur versteht sich nicht nur als ein touristischer Pfad, sondern wirkt in starkem Maße identitätsstiftend in der Stadt, zumal sie als Projekt auf dem jahrelangen bürgerschaftlichen Engagement vieler Leipziger fußt. Die Verbindung der Bürger mit ihrer Stadt über Musik im öffentlichen Raum steht damit im Fokus des Festes und bildet auch eine inhaltliche Klammer der Veranstaltungsteile. Mit der Notenspur-Initiative kann man erleben, dass Leipzig nicht nur eine sehr facettenreiche, von Bürgerkultur geprägte Musikstadt war, sondern immer noch ist.

Das Fest startet am Vormittag des 12. Mai mit einem bunten Programm für die ganze Familie rund um den Thomaskirchhof. Dort lädt Thomaskantor Georg Christoph Biller zum 800jährigen Bestehen der Thomaskirche Jung und Alt zum öffentlichen Singen ein und für unsere Kleinsten wird ein vergnüglicher Stadtspaziergang musikalisch in Szene gesetzt. Gleichzeitig öffnen die Komponistenhäuser von Schumann, Grieg und Mendelssohn ihre Türe, Schlösser und Pforten, um interessierte Gäste eintrittsfrei in historische Zeiten zu entführen. Zudem ziehen kleinere Musikergruppen durch die passagenreiche Innenstadt Leipzigs, mischen die ersten schwungvollen Töne unter das hektische Treiben und informieren über die NotenspurInitiative.

lisches Profil geben: neben klassischer Musik werden auch moderne Stile, wie Jazz oder Weltmusik, einbezogen. Die Verlagerung konzertanter Aufführungen in den öffentlichen Raum betont die enge Korrespondenz von Kunst und Stadtraum, Musik wird an ungewöhnlichen Orten und jenseits traditioneller Kontexte erfahrbar. Auch die großen Musikinstitutionen rund um den Augustusplatz, so Oper, Gewandhaus und MDR laden erstmalig mit ihren Chören die Leipziger Bürgerschaft zum Mitsingen ein. Als weiteres Highlight soll die längste Klangkette der Welt entstehen, bei der ein Ton von Musiker zu Musiker weitergegeben wird. Kinder werden mit dem neuesten Notenspur-Entdeckerpass zu einer Stadtrallye geladen. Weitere kind- und familiengerechte Angebote runden das Programm ab. Da kann selbst das Lama Horst aus dem Leipziger Zoo nicht widerstehen und wird deshalb persönlich anzutreffen sein.

FANFARE (ab 14 Uhr)

FINALE (ab 18 Uhr)

Am frühen Nachmittag wird die Leipziger Notenspur auf dem Markplatz festlich eröffnet. In der Tradition der Leipziger Stadtpfeifer erklingen Bläser von den Balkonen der Anrainer. Das Quintett Amarcord spannt dabei einen Bogen über 800 Jahre Musikgeschichte bis in die Gegenwart. Der Oberbürgermeister gibt vom Balkon des Alten Rathauses aus das Startsignal für die im Stadtbild eingeprägte Notenspur mittels Intarsien und Beschilderungen. Begleitet wird der Festakt durch Tänzer/innen der Musikschule Johann Sebastian Bach, die Notenspurbänder aus Fallschirmseide über den Platz und in alle Richtungen der Spur ziehen und so zur Entdeckung der Feststrecke einladen.

In den Abendstunden, wenn die Musik auf der Spur langsam verhallt, wird die Notenspur-Initiative den gesamten architektonisch außergewöhnlichen Ort der Grassi-Museen einnehmen und final erklingen lassen. Stand am Nachmittag der Aspekt des spannungsreichen Mitmachens im Fokus der Veranstaltungen, geht es am Abend mehr um den Aspekt des außergewöhnlichen Genießens. Die BigBand der Universität wird die Architektur des hinteren Innenhofes bespielen, während A-Cappella-Ensembles das weitläufige Foyer und die Treppenaufgänge zum Klingen bringen. Im Zimeliensaal wird Alte Musik geboten, während in der Pfeilerhalle Klassische Musik auf moderne Videoinstallationen trifft. Im Kinosaal wird zu Stummfilmen an der Kinoorgel improvisiert, während stündliche Führungen in das Klanglabor des Museums für Musikinstrumente entführen. Auch ein romantischer Nachtspaziergang über den Alten Johannisfriedhof mit seinen zum Teil musikgeschichtlich bedeutenden Grabanlagen ist möglich. Zum mitternächtlichen Abschluss des Eröffnungsfestes lädt die Notenspur-Initiative alle Besucher und Beteiligten zum gemeinsamen „Mondscheintanz“ in den vorderen Innenhof des Grassi-Komplexes ein.

OUVERTÜRE (ab 10 Uhr)

MUSIK AUF DER SPUR (ab 15 Uhr) Entlang des Rundwegs der Notenspur sind die Besucher zu einem musikalischer Stadtspaziergang eingeladen, bei dem sie verschiedene Angebote entlang der Strecke wahrnehmen können, denn an nahezu alle Stationen finden kleinere Programmteile statt. Zusammen zu musizieren und den Spaß daran an die Besucher zu übertragen, die hier und da auch live mitmachen können, darum geht es jetzt! Dabei wird die Initiative der Feststrecke ein abwechslungsreiches musika-

Denn: Musik bewegt die Stadt, weil sie die Herzen ergreift!


22

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entfaltet sich ein Potpourri der vielfältigen Schätze Leipzigs, die bisher nicht oder kaum im Brennpunkt touristischen interesses stehen: gründerzeitviertel und gartenanlagen, verzweigte Flussläufe und artenreicher Auenwald, Landgüter und Parkanlagen, Herrenhäuser und Kunst im öffentlichen Raum. entlang des Leipziger Notenrades werden elster- und Pleißeradweg sowie zukünftig über ausgebaute Verbindungswege auch mit Mulde- und Saaleradwanderweg miteinander vernetzt und laden zu vielfältigen musikalischen Radpartien ein. Das Leipziger Notenrad ist 36,6 km lang und besteht aus einer westlichen Schleife (Stationen 1–11) und einer etwa gleichlangen östlichen Schleife (Stationen 12–16), die beide an das Stadtzentrum anschließen. dan-

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Als Wohn- und Schaffensort herausragender Komponisten des 18. bis 20. Jahrhunderts weist Leipzig eine große Vielfalt musikgeschichtlich interessanter orte auf. einige Stätten voll klingender Atmosphäre liegen außerhalb der innenstadt. Diese sind zum großen Teil landschaftlich reizvoll eingebettet in die von vielen Wasserläufen durchzogene Auenlandschaft, in das über 30 km lange grüne Band, das die Stadt bewächst und umgibt. Den doppelten Vorzug des erlebens landschaftlicher Schönheit und des erkundens historischer erinnerungsorte können Leipziger und gäste entlang der Route des Leipziger Notenrads genießen. Die Tour beginnt an der Thomaskirche und endet am Neuen gewandhaus und umschließt damit zwei Brenn- und gipfelpunkte Leipziger Musikgeschichte. entlang des Notenrads

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Impression aus dem Saal im ehemaligen Verlagshaus C.F. Peters/Grieg Gedenkstätte; Wie schön leuchtet der Morgenstern… Impression aus der Nikolaikirche; Impression aus dem Bosehaus/Bachmuseum

Melodischer Pfad Klangfülle für die Gäste Leipzigs Text: Helge-Heinz Heinker  Fotografie: Werner Schneider (li. und re.), Sven Winter (Mitte)

Im Städtetourismus stimmt Leipzig eine besondere Melodie an: Nirgendwo sonst auf der Welt finden Besucher eine solch einzigartige Dichte von Wohn- und Wirkungsstätten berühmter Komponisten. Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Edvard Grieg, Richard Wagner und andere klangvolle Namen sind mit prägenden Abschnitten ihres Lebens und Wirkens auf immer mit Leipzig verbunden.

zig außerdem das Internationale Mahler-Festival anlässlich des 100. Geburtstages des Meisters statt. Innerhalb von 14 Tagen führten zehn renommierte internationale Orchester alle Sinfonien aus der Feder Gustav Mahlers im Gewandhaus auf. Nicht wenige der 25.000 Besucher aus aller Welt lauschten sämtlichen Aufführungen.

Zentrum europäischer Musikkultur

Ist eine Steigerung denkbar? Leipzig stimmt sie am 12. Mai 2012 in festlicher Weise mit seiner Notenspur an. Die Grundidee der Leipziger Notenspur basiert auf dem 1849 von Robert Schumann vertonten Gedicht von Eduard Mörike „Er ist‘s“, einer Hymne an den Frühling, der einem blauen Bande gleich durch die Lüfte schwebt. Auf reichlich fünf Kilometer Länge verbindet der Rundgang bemerkenswerte Stätten der Musikgeschichte miteinander. 13 unübersehbare, aber nicht dominante Metallstelen enthalten die wichtigsten Informationen auf Deutsch und Englisch. Ein Audio-Guide sorgt für die klangvolle Begleitung. Denn jeder einzelne Ort ist einen speziellen Besuch wert. Leipzig und die Musik – dieses Thema inspiriert, und es bringt Musikfreunde aus aller Welt zusammen. Wer eines der großen Leipziger Musikereignisse erlebt hat, insbesondere in den Sommermonaten, wenn die öffentlichen Aufführungen ein besonderes Flair auf historische Plätze zaubern, wird wiederkommen. Die Stimmung ist beschwingt und sie beschwingt die Zuhörer. Erneut über zwei Millionen Übernachtungen zählten die Leipziger Touristiker im Jahr 2011. Unter den Besuchern waren viele Musikliebhaber, die dem Städtetourismus eine besondere Note geben. Und 2012 lockt das Jubiläum „800 Jahre THOMANA.“ Wenn acht Jahrhunderte des Thomanerchors kein Anlass sind, die Musikstadt Leipzig zu besuchen und hineinzuhören in ein prächtiges Stück europäischer Musiktradition.

Seit dem 17. Jahrhundert war die Handelsstadt ein exzellentes Zentrum der deutschen und der europäischen Kultur, und die Musik spielte dabei eine besondere Rolle. Sie lieferte sozusagen die Hintergrundmelodie für das Wachsen und das Wohlergehen dieser Stadt. Vor allem die wohlhabenden Kaufleute leisteten sich Musik-Kultur und ließen viele weitere Zeitgenossen am Wohlklang teilhaben. Das Gewandhausorchester war von Beginn an ein bürgerliches Orchester und gehört unbestritten zur Spitzengruppe der Klangkörper in der Welt; das Leipziger Konservatorium war das erste in Deutschland. Diese Traditionen pflanzen sich in der Aufführungspraxis, im Wirken der Hochschule für Theater und Musik und ihn vier herausragenden, authentischen Stätten fort – Bach-Museum, Edvard-Grieg-Begegnungsstätte, Mendelssohn-Haus und Schumann-Haus. Publikumsmagnet Manche Städte sind stolz darauf, ihren Besuchern einen besonderen Akkord der Musikgeschichte bieten zu können, Leipzig offeriert seinen Bürgern und Gästen ein Feuerwerk der Musikgeschichte. Immer mehr Besucher zieht es wegen der Musik hierher, und sei es als hochkulturelles Begleitprogramm wichtiger Fachkongresse. Das Bachfest in seiner heutigen Form gibt es seit 1999. Im Jahr 2011 fand in Leip-

Auftakt für die Notenspur

Dr. Helge-Heinz Heinker ist seit 1991 publizistisch tätig, zunächst als Ressortleiter Wirtschaft der Leipziger Volkszeitung, seit 1998 als freier Journalist und Autor


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INTERVIEW RegJo

Die Kraft der Musik in die Stadt hineintragen Das kulturelle Erbe Leipzigs zu schützen und zu pflegen, ist wichtige Aufgabe der Kommune. Doch viele Kulturprojekte entstehen nicht am Reißbrett im Rathaus, Kreative und interessierte Bürger zeigen Eigeninitiative, um zur Lebensqualität in ihrer Stadt beizutragen, wie das Projekt „Leipziger Notenspur.“ In dem Interview mit Susanne Kucharski-Huniat, Kulturamtsleiterin der Stadt Leipzig, sprachen wir über Möglichkeiten der Unterstützung von Bürgerprojekten, über deren Wertschätzung und über Kultur als Wirtschaftsfaktor.

Interview: Zita Á. Pataki, Giorgos Kalaitzis  Fotografie: Antje Kröger

Kultur weist starke Profile auf, man spricht sogar auch von kulturellen Marken; Welche Rolle spielen kulturelle Marken und insbesondere auch die Leipziger Notenspur für Leipzig? Ich erlebe seit vielen Jahren eine kontroverse Debatte um das Leitbild der Stadt Leipzig. Leipzig hat eine Vielzahl von Stärken vorzuweisen und es fällt schwer, sich auf eine oder eine Auswahl zu begrenzen. Am besten wäre es, die Stadt würde sich so entwickeln, dass am Ende „Leipzig“ die Marke ist. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Kraft/Bedeutung von Kul- Das heißt, „Leipzig“ als Begriff würde ausreichen, um in den turprojekten wie die Notenspur in den Städten (in Sachsen) ein? Köpfen der Menschen ein Potpourri von Assoziationen aufKultur wird gerne als weicher Standortfaktor auch bei der zurufen, die alle für Stärken und Anziehungspunkte der Stadt Ansiedlung von Unternehmen angesehen. Kultur hat sich stehen. Die Leipziger Notenspur als kulturelle Marke stärkt das jedoch über den Status als weicher Standortfaktor hinaus Musikprofil Leipzigs und damit den Standort. Sie richtet sich weiterentwickelt und ist nicht nur in Leipzig längst selbst sowohl an Musikliebhaber, als auch an Architekturbegeisterte Wirtschaftsfaktor geworden. Beispielsweise lag in Leipzig im und natürlich an die Leipzigerinnen und Leipziger selbst. Sie Jahre 2010 der Gesamtumsatz in dem Cluster Medien- und ist ein Angebot an alle Generationen, auf musikalische EntdeKreativwirtschaft zwischen 3 bis 4 Mrd. EUR. Projekte wie die ckertour zu gehen und hat den Nebeneffekt, dass sich entlang Leipziger Notenspur steigern die Attraktivität der Stadt, zie- der Notenspur auch andere Sehenswürdigkeiten erschließen. hen Gäste an und haben damit auch einen wirtschaftlichen Ich hoffe, dass es der Leipziger Notenspur gelingt, die musikalische Vergangenheit und Tradition Leipzigs zukunftsfähig Effekt. Zentrales Thema der Leipziger Notenspur ist die Musik. Warum hat die Musik gerade in Leipzig einen so hohen Stellenwert? Das liegt in erster Linie an der langen und bedeutenden Musiktradition. Die vielen Orte, die nun mit der Notenspur verbunden werden, zeugen davon. Neben den großen Musikinstituten sorgt eine lebendige Musikszene für die Vielfalt der Musikstadt Leipzig.


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zu machen und auch gerade junge Menschen zu begeistern. Welche Optionen hat die Stadtverwaltung, bürgerschaftliches Engagement in Kultur und Bildung zu stärken? Aus der Bürgerschaft kulturelle Projekte zu entwickeln hat in Leipzig Tradition. So sind z.B. große kulturelle Einrichtungen, wie Oper, Gewandhaus und die Sammlung des Museums der bildenden Künste entstanden und wurden später in kommunale Verwaltung übernommen. In Leipzig gibt es ein breites Spektrum an Vereinen und Initiativen, die mit ihren Vorhaben das kulturelle Leben der Stadt wesentlich mitprägen. Die Stadt Leipzig fördert solche Projekte jährlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Mit unterschiedlichen Förderinstrumenten,

insbesondere der institutionellen Förderung und mit dem Abschluss von Rahmenvereinbarungen können Projekte mittelfristig gesichert werden.

rinnen und Leipziger und Gäste der Stadt wird. Anspruch muss es sein, dass sämtliche Orte, die sie verbindet, dauerhaft ein Netzwerk bilden und im Sinne der Dachmarke pflegen. Die Wohin können sich Kreative mit ihren Stadt Leipzig steht zurzeit für die techIdeen in der Stadtverwaltung hin wen- nische Realisierung. Sie wird künftig den? weiter einzelne Standorte, wie die auDa muss man differenzieren. Eine An- thentischen Komponistenhäuser, silaufstelle ist das Kulturamt. Hier es gibt chern helfen. Der Förderverein der Ansprechpartner für alle Genres, die Leipziger Notenspur wird wohl mittelgefördert werden. Weitere Anlaufstelle fristig weiterhin notwendig sein, um ist z.B. das Amt für Wirtschaftsförde- das Netzwerk in Gang zu bringen und rung, das sich um die Akteure der Kul- übergreifende Aktivitäten zu managen. tur- und Kreativwirtschaft kümmert. Ich hoffe, dass sich die Leipziger Noten spur innerhalb der nächsten fünf Jahre Was wünschen Sie für die Zukunft der zu einer internationalen Kulturmarke Leipziger Notenspur? etabliert. Eine Entsprechung des MarIch wünsche mir, dass die Leipziger No- kennamens auf Englisch ist dafür schon tenspur ein begehrtes Ziel für Leipzige- jetzt wichtig.


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INTERVIEW RegJo

Erfolge werden gemacht Jens Imorde studierte Soziologie, Musikwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften in Münster, Bielefeld und Köln, gründete 1993 als geschäftsführender Gesellschafter die IMORDE Projekt- & Kulturberatung GmbH. Durch seine langjährig geknüpften engen Verbindungen zu zahlreichen Kommunen, Landkreisen, Universitäten und Stiftungen ist er zu einem Kenner der komplexen Prozesse in der Stadtentwicklung, im Städtebau, in der Kultur, im Stadtmarketings und des Handels avanciert. Er war u.a. geschäftsführend im Büro für Freie Kulturarbeit des Landes NRW (Dortmund), im Landesbüro Stadtmarketing NRW (Bocholt) und in der Geschäftsstelle des Netzwerks Innenstadt NRW (Münster) tätig. Besonders gefragt ist sein Fachwissen bei Lösungen im Leerstandsmanagement, im Kulturmanagement, in individuellen Problemlagen und Anforderungen von Bundesländern, Großstädten oder Kommunen. Im Gespräch mit Jens Imorde erfuhren wir, warum man Standortentwicklung nicht verschlafen sollte.

Interview: Giorgos Kalaitzis, Zita Á. Pataki  Fotografie: Imorde Projekt- & Kulturberatung GmbH Münster

Weshalb wird aus Ihrer Erfahrung heraus Kultur als Standortfaktor immer wichtiger für Städte, Menschen und Unternehmen? Das ist in kurzer Form nicht so einfach zu beantworten, da es bei der Beantwortung eines Blickes in die Geschichte bedarf. Vielleicht ganz kurz und in einigen Punkten auch verkürzt dargestellt: Die „Europäische Stadt“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie alle Funktionen des menschlichen Zusammenlebens in sich vereint. Dabei ist die Durchmischung dieser verschiedenen Funktionen das Hauptmerkmal, d.h. Arbeiten, Wohnen, Freizeit, Kultur sind keine Angebote in unterschiedlichen räumlichen Arealen, sondern in einem räumlichen Zusammenhang möglich. Dieses Ideal der „Europäischen Stadt“ ist in den letzten 100 Jahren immer mehr abhanden gekommen. Das Wohnen verlagert sich an die Ortsränder oder in die Vororte, das Arbeiten spaltet sich auf in das produzierende Gewerbe in den Gewerbegebieten vor der Stadt und in Handel und Dienstleistungen in der Stadt. Kulturelle Angebote gibt es weiterhin in den Innenstädten. Die Architektur und die Handelsangebote in den Innenstädten haben sich mittlerweile soweit angeglichen, dass eine Unterscheidbarkeit der Städte fast nicht mehr möglich scheint. Diese Unterscheidbarkeit liefert möglicherweise das kulturelle Angebot mit Kultureinrichtungen oder aber auch Kunst im öffentlichen Raum. Kultur wird damit zu einem entscheidenden Faktor in der Identitätsstiftung für eine Stadt. Diese wiederum ist enorm wichtig für die Menschen in der Stadt und die ansässigen Unternehmen. Wie würden Sie die Wirkung beschreiben, die durch Kultur für die Standortentwicklung entsteht?

Mit dem Begriff der Identitätsstiftung habe ich die wesentliche Wirkung der Standortentwicklung schon angesprochen. Darüber hinaus gibt es natürlich andere Wirkungsgefüge, die in der Standortentwicklung eine Rollre spielen. Der erste Kulturwirtschaftsbericht des Landes NordrheinWestfalen in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts förderte eine überraschende Interdependenz zu Tage: In Städten mit einem breiten kulturellen Angebot gab es mehr kulturwirtschaftliche Ansiedlungen als in Städten mit einem eingeschränkten kulturellen Angebot. Hier wurden direkte Zusammenhänge von kulturellem Angebot und Wirtschaft dargestellt. Demnach wäre Kultur nicht nur ein „weicher“ Standortfaktor, wie das häufig beschreiben wird, sondern ein „harter“. Sie sind selbst Kultur-Unternehmer: welche „Unternehmerqualitäten“ brauchen Kulturinstitutionen bzw. –projekte, die etwas an ihrem Standort bewirken wollen? Grundsätzlich gilt: Engagement! Ich selbst sitze mit meinem Unternehmen seit fast 20 Jahren in Münster. Vor Ort habe ich in dieser Zeit drei Projekte betreut. Für mich spielt der Standort auf einer ganz anderen Ebene eine Rolle und ich denke, das gilt für viele Unternehmen: Münster ist eine Stadt, in der es sich sehr gut leben lässt, in der das kulturelle Angebot gut ist, außerordentliche Angebote in erreichbarer Nähe und die durch die große Universität eine ewig junge Stadt ist. Was ist wichtig für Arbeitnehmer, wenn Sie ihre Berufskarrieren planen? Kann man behaupten, dass kulturell entwickelte Orte und Regionen mehr Chancen auf qualifizierte Arbeitnehmer haben?


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Ich bin immer vorsichtig bei Empfehlungen hinsichtlich Berufskarrieren. Ich habe in einer Zeit studiert, als jeder mir die vorprogrammierte Arbeitslosigkeit konstatierte. Ob mein Werdegang was mit dem kulturell aufgeladenen Ort zu tun hatte oder mit anderen Dingen, wage ich nicht zu entscheiden. Aber sagen wir so, das kulturell gute Umfeld hat mir auf keinen Fall geschadet. Welche Erwartungen stellen im Gegenzug Unternehmen an die kulturelle Infrastruktur in Kommunen und Städten, wenn sie Standortentscheidungen treffen? Das kann ich nur aus einigen Beispielen darlegen. Je nachdem, in welchem Umkreis ein Unternehmen seine Mitarbeiter requiriert, entwickelt sich natürlich auch eine eigene Dynamik. Ein Leipziger Unternehmen, das in Sachsen auf die Suche nach neuen Mitarbeiter ist, braucht die Vorzüge dieser Stadt nicht wirklich herausstellen. Ein global player, dessen Suche sich z.B. auf die USA oder auf den asiatischen Raum ausweitet, hat es da sehr viel schwerer, die Vorzüge einer Stadt wie Leipzig darzustellen. Auf die Frage, wo diese Stadt denn überhaupt liegt, folgen weitere nach Möglichkeiten für die Familie, der

Infrastruktur und auch der Bildung und der Kultur. Die Leipziger Notenspur eint die vielschichtige Musiktradition Leipzigs im öffentlichen Raum: Spielt die Klassische Musik als Kultursparte eine besondere und hervorgehobene Rolle als Standortfaktor und warum? Die Klassische Musik gehört nach Leipzig wie in kaum eine andere Stadt in Deutschland. Die Musiktradition ist nicht erst mit Johann Sebastian Bach begründet, wird aber heute oft daran festgemacht. Aus diesem Grund ist die Musik ein wesentlicher Standortfaktor, weil sie identitätsstiftend und vor allem authentisch ist. Die klassische Musik ist nichts Aufgesetztes oder importiertes, sie gehört als Marke nach Leipzig. Aus dem Blickwinkel Ihrer Beratertätigkeit: Welche Trends sollten Städte in den nächsten 5 Jahren nicht verschlafen in der Standortentwicklung durch Kultur? Das lässt sich so nicht sagen, weil das für jede Stadt anders ist. Aber mit der Verabschiedung der Leipzig Charta vor drei Jahren hat die Europäische Union ein klares Bekenntnis für die Entwicklung der Innenstädte abgegeben. Diese Entscheidung betrifft auch

die kulturellen Angebote, denn sie beschwört ein Präjudiz für „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Sie beschreibt eine stärkere Rückbesinnung auf die Werte der „Europäischen Stadt“ und forciert die Einbindung aller möglichen Bausteine in sogenannte „Integrierte Handlungskonzepte“. Diese Entwicklung sollte die Kultur und vor allem die Kulturpolitik nicht verschlafen. Haben die Städte mittlerweile verstanden, Kultur als Faktor und Marken anzuerkennen (und nicht immer nur als Haushaltstitel)? Kultur ist in fast allen Bundesländern eine freiwillige Aufgabe der Städte und Gemeinden. Damit haben alle Kommunen, die nicht mehr über einen ausgeglichenen Haushalt verfügen, grundsätzlich Argument­ ations­ schwierig­ keiten. Viele Städte haben das verstanden, die Politiker vielerorts nicht. Grundsätzlich muss die Kultur und die kulturelle Bildung in den Landesverfassungen nicht mehr nur als freiwillige Aufgabe, sondern als Pflichtaufgabe eingestuft werden. Dann reden wir auch wieder über Konzepte und nicht nur über Geld, das nicht vorhanden ist.


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BÜRGERENGAGEMENT RegJo

Musik verbindet Warum sich Bürger engagieren

Warum ich mich bei der Leipziger Notenspur engagiere? Weil in meinem Leben zwei Dinge erste Geige spielen. Ganz oben allerdings: Fußball. Knapp dahinter dann doch: die klassische Musik. Für den Profi-Fußball hat es leider nicht gereicht und für ein Klavier-Studium konnte ich mich letztlich auch nicht entscheiden. Nun, als Wissenschaftler im eher theorielastigen Bereich der vergleichenden Kultur- und Gesellschaftsgeschichte, bin ich sehr froh, als Leiter für Musikprojekte bei der Leipziger Notenspur einen praktischen Beitrag zur Schaffung und Weiterentwicklung eines Wahrzeichens der Musik leisten zu können. Einziger Wehrmutstropfen bei der Eröffnung der Notenspur am 12. Mai: Ich kann nicht dabei sein, wenn Borussia Mönchengladbach im Berliner Olympiastadion (hoffentlich) den DFB-Pokal gewinnt. Dr. Daniel Grabic

In meinem Leben spielt Musik eine sehr wichtige Rolle. Am meisten mag ich, dass Musik es schafft, so viele unterschiedliche Leute zusammen zu bringen. Sei es durch das gemeinsame Musik machen, das Erleben eines Konzertes, oder durch den Austausch über Musik. Dieses Verbindende von Musik, das habe ich auch in den Stunden mit den Kindern in der Ostvorstadt bemerkt. Aus so unterschiedlichen Ländern und Verhältnissen sie auch kommen, über das gemeinsame Musizieren und Instrumente ausprobieren haben sie angefangen miteinander zu kommunizieren, und so ist unter ihnen ein guter Kontakt entstanden. Am stärksten ist mir ihre Neugier in Erinnerung geblieben, wenn sie durch die Musik und Instrumente etwas über fremde Länder erfahren konnten oder einfach den Freiraum hatten, sich musikalisch auszutoben. Besonders schön war, wie sich ganz in das Trommelspielen in der Runde und das Dirigent Spielen versenken konnten und am liebsten gar nicht mehr aufgehört hätten. Diese Energie war höchst ansteckend und irgendwann hat sich unser „Orchester“ nicht mehr auf den Stühlen halten können! Maria Langner

Bildquelle: privat

Bildquelle: privat

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank Dehn, Geschäftsführender Gesellschafter der MFPA Leipzig GmbH

Bildquelle: privat

Die Notenspur-Initiative ist für mich Ausdruck der Leipziger Bürgerinnen und Bürger für die Identität mit der kulturellen und musikalischen Geschichte dieser Stadt. Die Idee, diese Geschichte für alle jeden Tag sichtbar, begehbar und somit begreifbar zumachen, macht die „Notenspur“ für mich so universell und einzigartig. Deshalb unterstütze ich und engagiere ich mich für die „Notenspur“! Als Vorstandsmitglied des Notenspur-Fördervereins möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, dass die Notenspur über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt und somit nachhaltig die Region gestärkt wird.


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Bürgerschaftliches Engagement auf der Notenspur Vom Management ehrenamtlicher Helfer Text: Heide Luckmann  Fotografie: Sven Winter

Für mich ist das Faszinierendste an dem Notenspur-Projekt die enorme Energie und Triebkraft, welche durch ehrenamtliches Engagement entstehen kann. Die Begeisterung der Notenspur-Mitstreiter und besonders das Arbeitsklima sind so ansteckend, dass man schnell mit dem „Notenspur-Virus“ infiziert ist. Allein unser allererstes Kinderfest „Mit Toni auf der Leipziger Notenspur“ 2009 wurde von ca. 140 ehrenamtlichen Helfern unterstützt, obwohl dieses Fest damals noch gar nicht etabliert war! Die Helfer haben verschiedenste logistische und organisatorische Aufgaben übernommen, die Kinder an den einzelnen Erlebnisstationen betreut, sich um die Technik gekümmert und somit ein wunderschönes Fest realisiert, für das nur ein minimales Budget zur Verfügung stand – Allein durch (Wo) Manpower! Projekte … Die Begeisterung der helfenden Hände und die Motive des ehrenamtlichen Engagements bei der Notenspur sind dabei sehr vielseitig. Viele unterstützen das Projekt, weil Sie eine starke emotionale Bindung zur (klassischen) Musik haben oder besonders gerne mit

Kindern zusammenarbeiten. Andere wiederum sehen ihre Leidenschaft bei der Migrationsarbeit – beispielsweise ist ein Projekt im Leipziger Osten entstanden, welches sich der Musikvermittlung und dem interkulturellen Austausch in einer Grundschulklasse widmete. Über ein knappes Jahr waren ,Notenspur-ler’ alle zwei Wochen für 2 Stunden in Hortgruppen der „Wilhelm-Wander-Schule“ und vermittelten Kindern zwischen 6 und 11 Jahren Musik in Verbindung mit Basteln, Länderkunde und vielen – z.T. selbst gebauten – Instrumenten. Die Rückmeldungen zum Projekt waren durchgehend positiv und die Kinder hatten eine Menge Spaß. Bürgerschaftlichem Engagement ist es zu verdanken, dass die Leipziger Notenspur derzeit fünf Freiwillige dauerhaft und mit einem enormen Zeitvolumen an das Projekt binden kann. Anfänglich war ich die einzige Mitarbeiterin und habe nun riesige Unterstützung, dafür bin ich wahnsinnig dankbar und darauf bin ich vor allem auch stolz. … managen Das Management ehrenamtlicher Helfer birgt natürlich auch Hürden

Dipl.-Geografin Heide Luckmann ist Geschäftsführerin des Notenspur-Fördervereins e.V.

und ist nicht immer einfach. Es erfordert Offenheit und ein flexibles Miteinander. Z. B. hat jeder individuelle Interessen und Herangehensweisen, aber auch Erwartungen und eigene Ziele. Im Gesamtprojekt sollen sich diese natürlich nicht widersprechen und müssen daher irgendwie unter einen Hut gebracht werden. Auch wenn das schwierig sein kann, überwiegt natürlich der Spaß an der Arbeit bei weitem. Für alle Beteiligten ist das verbindende Element die Projektidee der Leipziger Notenspur: Sich vernetzen, Kräfte sammeln und Synergien erzeugen, um gemeinsam etwas in unserer Stadt Leipzig zu bewirken! Als Geografin kommt für mich natürlich auch noch der Aspekt der Stadtbelebung hinzu. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass mit der Notenspur unbelebte Straßenzüge aktiviert und kulturell bespielt werden. Ohne gewichtige Entwicklungskonzepte oder Stadtumbaumaßnahmen wird hier deutlich, wie die Bürgerschaft den öffentlichen Raum ihrer Stadt nutzen und zurückerobern möchte. Dafür setze ich mich nicht nur gern sondern auch mit Überzeugung ein.


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KLEINE LEIPZIGER NOTENSPUR RegJo

Die Kleine Leipziger Notenspur Mit Toni Noten aufspüren Text: Zita Ágota Pataki Entwurf Notenwand: AG Moosbauer & Huennerkopf

Weil sich die Leipziger Notenspur als ein generationsübergreifendes Projekt versteht, sollen auch Kinder Anknüpfungspunkte für eigene Erfahrungen mit klassischer Musik finden. Viele der Leipziger ,Notenspur-Komponisten’ wie Richard Wagner, Clara Wieck, Robert Schumann, Edvard Grieg, Leo Janacek und Georg Philipp Telemann lebten als Kinder, Jugendliche und Studenten in Leipzig und nicht zuletzt wurden zahlreiche Komponistenkinder hier geboren. Weil Kinder Projekte lieben, die sie selbst mitgestalten können, haben wir sie sowohl bei der Auswahl des Namens als auch bei der Entwicklung des Maskottchens TONI miteinbezogen. Die konkrete Umsetzung der Kleinen Notenspur sieht neben einer ansprechenden Gestaltung der Wegemarkierung zahlreiche interaktive Angebote für Kinder vor, z.B. einen Notenspur-Entdeckerpass mit kindgemäß aufgearbeiteten Informationen, Aufgaben und Rätseln zu den

einzelnen Stationen wie die Rätselinstallation Notenwand in der Dörrienstraße, aber auch spezielle Hörszenen über das Musikerlebnis-Leitsystem sowie familiengerechte Aktionen der beteiligten Museen. Die Kleine Leipziger Notenspur unterstützt die Bemühungen verschiedener Musikinstitutionen, gezielt auf die Musikliebhaber von morgen zuzugehen. Die Kleine Leipziger Notenspur trägt dem Anliegen Leipzigs in besonderem Maße Rechnung, Aktivitäten für Familien und Kinder unter dem Schlüsselwort ,junge Stadt’ zu fördern. Auf der Notenwand spielerisch Noten entdecken Die geplante Installation der Notenwand bietet mit vielen Informationen und spielerischen Mitteln Wissenswertes zu sichtbaren musikalischen Spuren, insbesondere zum Festhalten von Tönen in Schriften, d.h. von

der Entwicklung der Notenschrift bis hin zur technisch unterstützten Aufzeichnung unterschiedlicher Klänge. Neben bekannten Fakten gibt es hier viel Überraschendes und Neues zu erfahren und zu erkunden, beispielsweise die Braille-Notenschrift, das auf dem gleichen 6-Punkte-System wie die Blindenschrift basiert. Die Notenwand wird die erste Installation der Leipziger Notenspur im Öffentlichen Raum sein, der hoffentlich in Zukunft noch weitere folgen werden. Als ein solcher Zukunfts(t)raum ist ein NotenspurSpielplatz geplant, wo man sich mit vielen Klanggeräten spielerisch einen Zugang zu Tönen, Klängen, Rhythmen erschließen kann. In jedem Fall bieten solche Projekte einen Mehrwert sowohl für Kinder als auch für Jugendliche und Erwachsene bis ins hohe Alter. Den spielerischen Mehrwert der Notenwand hat auch die „Stiftung Lebendige Stadt“ sofort erkannt und fördert daher das Projekt finanziell.

Seitdem wir 2007 den ausgeschriebenen Wettbewerb für uns entscheiden konnten, sind wir, Bernhard Moosbauer (re.) und Heiko Huennerkopf (li.), die Designer der Notenspur und somit für alle gestalterischen Belange verantwortlich. Über die Jahre sind wir mit dem Projekt und den beteiligten Personen eng verbunden und hängen mit viel Herzblut daran. Die Notenspur verbindet die Tradition mit der heutigen Lebendigkeit der Musikstadt Leipzigs. Die Stadt wird durchzogen von Bändern; sie leiten und laden ein, sie machen neugierig und schmücken. Die starre, geradlinig architektonische Struktur wird durchzogen von einem schwingenden Band.


Musik macht Mut – und klug! Auf der Kleinen Leipziger Notenspur entdecken nicht nur Kinder, was Musik bewirkt Text: Elke Leinhoß  Fotografie: Werner Schneider

Können Sie sich noch erinnern, was Sie gemacht, haben, wenn Ihre Mutter Sie zum Marmelade holen in den Keller geschickt hat? Haben Sie – aus Angst vor Gespenstern, Vampiren, Fledermäusen und Ratten – gesungen, um sich Mut zu machen? Wir schicken unsere Kinder heute nicht mehr in den Keller zum Marmelade holen, sondern in den Supermarkt. Und trotzdem: es ist erwiesen – Musik macht Mut. Musik und frühkindliche Entwicklung Was noch? Inzwischen gibt es zahllose Untersuchungen zum Einfluss der Musik auf die frühkindliche Entwicklung, beginnend im Mutterleib, auf kognitive und kommunikative Fähigkeiten, biologische Veränderungen im Gehirn, emotionale Kompetenz, das Sozialverhalten, Fingerfertigkeit, Gedächtnisleistung, Kreativität, Selbstbewusstsein. Alle enden mit dem gleichen Ergebnis – Musik ist für die Entwicklung unserer Kinder ein unverzichtbarer Bestandteil. Dabei ist es nahezu egal, ob man ein Instrument erlernt oder gemeinsam mit anderen Kindern in einem Chor singt. Das Konzept der Musikkindergärten In einigen Städten – wie z. B. in Berlin und Hamburg – sind auf Initiative des Dirigenten Daniel Barenboim „Musikkindergärten“ entstanden. Keine Eliteeinrichtungen für hochbegabten Musikernachwuchs, sondern offen für alle Interessierten. Die Wartelisten für einen Kindergartenplatz sind lang. Musik ist hier kein Unterrichtsfach, einmal wöchentlich montags von 10-11 Uhr, sondern Teil des Alltags. Sprechen lernen durch Singen, Zählen durch Geschichten; stampfend im Rhythmus afrikanischer

Lieder schulen sie ihre Motorik, und nach einem solchen Lied wird auch noch Landeskunde vermittelt. »Musik hilft uns, die Welt zu verstehen«, ist Barenboims Credo. Mit der Kleinen Leipziger Notenspur den Weg des klugen Mutes gehen und Musik entdecken Und was hat das alles mit der Kleinen Leipziger Notenspur – der Route speziell für Kinder – zu tun? Musik macht klug! Auch das ist ein Aspekt moderner Musikerziehung. Teilabschnitte der vorhandenen Leipziger Notenspur werden als für die Entdeckung mit Kindern besonders geeignet gekennzeichnet, spezielle Hörund Rätselangebote gemacht. Das Kinderangebot unterstützt die Bemühungen verschiedener Musikinstitutionen an der Notenspur, gezielt auf die Musikliebhaber von morgen zuzugehen. Außerdem ist es ein deutliches Signal gegen die Begrenzung der klassischen Musik auf so genannte „Musentempel“ und die Generation 50plus. Und schließlich trägt die Kleine Leipziger Notenspur dem Bemühen Leipzigs Rechnung, Aktivitäten für Familien und Kinder unter dem Schlüsselwort „Junge Stadt“ besonders zu fördern. Die Kleine Leipziger Notenspur passt gut zum Innenstadt-Spielraumkonzept „Spielen am Wege“. Mit der interaktiven Rätselinstallation „Notenwand“, dem Maskottchen „Toni“ sowie dem „Notenspur-Entdeckerpass“ wird bespielter öffentlicher Raum über das Stadtzentrum hinaus in die innere Ostvorstadt hineingetragen, was Stadtplaner wegen dort noch vorhandener Entwicklungsdefizite besonders zu schätzen wissen. Kleiner Tipp zum Schluss: Gehen Sie mit Ihren Kindern gemeinsam auf Spurensuche! Singen Sie dabei, und Sie werden es selbst merken: Musik macht Mut – und klug!

Dr. Elke Leinhoß ist Germanistin, Gästeführerin und Geschäftsstellenleiterin des Notenspur-Fördervereins e.V.


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ADRESSEN RegJo

Die Stationen der Notenspur •

Neues Gewandhaus

(Gewandhaus zu Leipzig ) Augustusplatz 9 0341/1270280 ticket@gewandhaus.de www.gewandhaus.de •

Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig

Johannisplatz 5-11 0341/9730750 musik.museum@uni-leipzig.de www.mfm.uni-leipzig.de •

Alter Johannisfriedhof Haupteingang Johannisplatz, hinter Grassi-Museum

Schumann-Haus Inselstraße 18 0341/3939620 info@schumann-verein.de www.schumann-verein.de

Hôtel de Saxe Standort: Klostergasse 9

Erstes Gewandhaus Standort: Universitätsstraße 16, Städtisches Kaufhaus

Paulinum Aula und Universitätskirche St. Pauli Adresse: Büro der Leipziger Universitätsmusik, Goldschmidtstraße 12 0341/9730190 unimusik@uni-leipzig.de www.uni-leipzig.de/unimusik

Museum der bildenden Künste Leipzig – Beethoven Katharinenstraße 10 0341/216990 mdbk@leipzig.de www.mdbk.de

Wagner-Denkmal Georgiring, am Schwanenteich hinter dem Opernhaus

Altes Konservatorium Standort: Innenhof des Städtischen Kaufhauses, Zugang über Universitätsstraße 16 oder Neumarkt 9

Altes Rathaus Markt 1 0341/9651320 stadtmuseum@leipzig.de www.stadtgeschichtlichesmuseum-leipzig.de

Bach-Museum Thomaskirchhof 15/16 0341/9137202 museum@bach-leipzig.de www.bach-leipzig.de

Nikolaikirche Nikolaikirchhof 3 0341/1245380 kg.leipzig_stnicolai_stjohannis@ evlks.de www.nikolaikirche-leipzig.de

Thomaskirche Thomaskirchhof 18 0341/222240 info@thomaskirche.org www.thomaskirche.org

Goldschmidtstr. 26 •

Zum Arabischen Coffe Baum Kleine Fleischergasse 4 0341/9610060/61 kontakt@coffe-baum.de www.coffe-baum.de

Alte Nikolaischule Nikolaikirchhof 2 0341/2118518 kulturstiftungleipzig@t-online.de www.kulturstiftungleipzig.de

Musikbibliothek Peters

Oper Leipzig Augustusplatz 12 0341/12610 service@oper-leipzig.de www.oper-leipzig.de

Grieg-Begegnungsstätte Talstraße 10 0341/9939661 info@edvard-grieg.de www.edvard-grieg.de

Breitkopf & Härtel Nürnberger Str. 36-38 C.F. Peters Verlag Talstraße 10 F. Hofmeister Musikverlag Büttnerstraße 10

Mendelssohn-Haus Goldschmidtstraße 12 0341/1270294 ims@mendelssohn-stiftung.de www.mendelssohn-haus.de

Grafisches Viertel – Musikverlage

Geburtshaus von Clara Wieck Standort: Preußergäßchen, Ecke Neumarkt

MDR Studio – Rundfunkklangkörper Augustusplatz 9a 0341/3008732 mdr-klangkoerper@mdr.de www.mdr-konzerte.de


regjo ADRESSEN 33

Impressum

Partner 8. Jahrgang ISSN 1614-2837 Hauptredaktionsschluss: 25. Februar 2012

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Leipzig e. V.

Grünewaldstraße 19 0341/22540313 info@adfc-leipzig.de www.adfc-leipzig.de •

Dehoga Sachsen e. V. Regionalverband Leipzig e. V.

Grassistraße 8 0341/2144645 presse@hmt-leipzig.de www.hmt-leipzig.de

Herausgeber REGJO – Das Magazin, Magazinverlag Mitteldeutschland GmbH Moschelesstr. 7, Steche-Haus, 04105 Leipzig Telefon: 0341/975 69 39; Telefax: 0341/974 72 58 REGJO ist eine eingetragene Marke (39867052) des

Web: www.regjo-leipzighalle.de Mail: info@regjo-leipzighalle.de Mitherausgeber Notenspur-Förderverein e.V. 
 c/oUniversitätLeipzig,
InstitutfürStadtentwicklungu. Bauwirtschaft,
GrimmaischeStr.12,04109Leipzig;Tel.: 0341/97 33 741

Web: www.notenspur-leipzig.de Chefredaktion Dr. Zita Ágota Pataki projektzukunst, Leipzig Idee, Konzept Giorgos Kalaitzis M.A. TOPOS Productions Berlin Autoren Dr. Daniel Grabic, Dr. Helge-Heinz Heinker, Giorgos

Musikschule Leipzig „Johann Sebastian Bach“ Petersstraße 43 0341/141420 info@musikschule-leipzig.de www.musikschule-leipzig.de

Kalaitzis,M.A.,Dr.BerndLandmann,MariaLangner,Dr. ElkeLeinhoß,Dipl.-Geogr.HeideLuckmann,Dr.ZitaÁgota Pataki,SalinaPhilipp,M.A.,AnnelieseSinger,SteffiEmde Cover © Ergün Özsoy - Fotolia.com Fotografie SvenWinter,AntjeKröger,C.F.Hoffmann,IrinaHoppe,

Stadtgeschichtliches Museum Leipzig - Neubau Böttchergäßchen 3 0341/9651338 stadtmuseum@leipzig.de www.stadtgeschichtlichesmuseum-leipzig.de

Thomasschule zu Leipzig Hillerstraße 7 0341/1246831 sekretariat@thomasschule.de www.thomasschule.de

Leipzig Tourismus und Marketing GmbH Augustusplatz 9 0341/7104-260 oder 265 info@ltm-leipzig.de www.ltm-leipzig.de

Thomanerchor Leipzig Hillerstraße 8 0341/9844222 info@thomanerchor.de www.thomanerchor.de

Erscheinungstermin: 07. März 2012

Mail: mail@notenspur-leipzig.de

forum thomanum Leipzig e. V. Thomaskirchhof 18 0341/22224260 info@forum-thomanum.de www.forumthomanum.de

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig Karl-Liebknecht-Straße 132 0341/30760 poststelle@htwk-leipzig.de www.htwk-leipzig.de

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7 0341/71130 info@dzb.de www.dzb.de

Anzeigenschluss: 27. Februar 2012

REGJO-Magazinverlags Mitteldeutschland GmbH

Rosa-Luxemburg-Strasse 23-25 0341/3913547 info@dehoga-leipzig.de www.dehoga-leipzig.de •

Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

MahmoudDabdoub,DirkBrzoska,UtzSchlicht,Werner Schneider Karten GabyKirchhof,atelierfürkommunikationunddesign,www. atelier-kirchhof.de Layout Uwe Stange Geschäftsführung

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig Wächterstraße 11 0341/21350 hgb@hgb-leipzig.de www.hgb-leipzig.de

Universität Leipzig Ritterstraße 26 0341/97108 oder 97109 presse@uni-leipzig.de www.zv.uni-leipzig.de

Claus-Peter J.O. Paulus Verlagsassistenz Franziska Krüger Anzeigen Claus-Peter J.O. Paulus, Giorgos Kalaitzis, M.A. Druck rohdesohn Ges. f. Komm. opt. mbH Leipziger Str. 7, 04519 Rackwitz Auflage 7000 Exemplare


Sherlock Holmes im Schumann-Haus Eine kriminalistische Spurensuche Text: Bernd Landmann und Anneliese Singer  Fotografie: Sven Winter, Impression aus dem Schumann-Haus

Die Welt kennt ihn als Holmes. Eigentlich aber heißt er Köhler. Er hatte auch nie etwas mit der Baker Street 221 b zu tun. Dafür umso mehr mit der Inselstraße 18. Hier hat er auch seinen wohl spektakulärsten Fall gelöst. Eine Frage … Die Frage lautete anfangs: In welcher Wohnung dieses Hauses wohnte von 1840–1844 Robert Schumann mit seinem ihm frisch angetrauten Weibe Clara? Am vergeblichen Bemühen sie zu lösen, waren bereits Heerscharen von Spurensuchern verzweifelt. Köhler kann kaum etwas zum Aufgeben bringen, wenn er sich erst einmal festgebissen hat. Den entscheidenden Tipp bekam er von einem städtischen Referenten. Diesem folgend durchforstete er akribisch das Leipziger Hauptbuch der Stadtschuldentilgung, das in fünf dicken Bänden die damaligen Leipziger Einwohner verzeichnete, und zwar säuberlich getrennt nach Vermietern und Mietern. In Mieter-Band 5, gewidmet der Universität und dem sog. Städtischen Anbau, womit die Friedrichstadt gemeint war, aus der später das Graphische Viertel hervorgehen sollte, fand er mit seinem untrüglichen Spürsinn den Gesuchten im Haus Inselstraße 5 (heute Nr. 18) eingetragen als Componist Robert Schumann, mit dem Vermerk: Logis Erste Etage rechts. Doch wo rechts oder links ist, hängt bekanntlich von der Betrachterperspektive ab. Der heutige Besucher bemerkt, wenn er über die historische Treppe in den Flur der ersten Etage gelangt ist, dass sich die Schumannsche Wohnung linker Hand befindet. … und die Antwort Gewissheit darüber, dass aber die Straßenseite als der maßgebliche Blickpunkt zu betrachten ist, brachte erst das korrespondierende Vermieterverzeichnis. Die Wohnung von

Schumanns Hauswirt, dem ehrenwerten Baumeister Scheidel, findet man dort mit Eigenth. Part, links angegeben. Diese Bestimmung konnte zweifelsfrei nur von der Straßenseite erfolgt sein. Doch nun sollte es kniffliger werden. Welches Zimmer der nun identifizierten Wohnung war das Arbeitszimmer des Komponisten? Der ebenso raffinierte wie verblüffende Findungsweg ist inzwischen in eben diesem Raum dokumentiert, den der heutige Hauseigentümer, die Rahn Dittrich Group, dem Schumann-Verein großzügig zur Einrichtung eines Memorialraums überlassen hat. Der zum Ziel führende Fingerzeig stammte diesmal von Robert Schumann selbst. Doch ihn zu finden und richtig zu deuten erforderte schon eine meisterliche Spürnase. Im Ehetagebuch von Robert und Clara notierte der Komponist am 28. Juni 1842: „Das Wetter ist merkwürdig wegen seiner anhaltenden Schönheit und Wärme seit 10 Wochen. Ich bin aus meinem Schwitzloch ausgezogen und befinde mich glücklich in dem Stübchen vornheraus, das mir meine Clara auf das Gemüthlichste hergerichtet hat … Überhaupt gefällt es mir in meiner Inselstraße, dass ich gar kein Verlangen nach anderem trage.“ Das Zimmer, in dem die Frühlingssinfonie entstanden ist, lag mithin zur Gartenseite zu. Hans im Glück … … wäre auch ein guter Titel für diese märchenhafte, gleichwohl absolut wahre Geschichte. Denn dass er nicht nur nicht Holmes, sondern auch nicht Sherlock heißt, hat der mitdenkende Leser sicher schon vermutet. Er ist auch nicht Detektiv, sondern Musikwissenschaftler. Sein Vorname lautet, wie es bei dieser glücklichen Geschichte ja auch gar nicht anders sein kann, Hans. Wirklich! Naja, genau genommen: Hans-Joachim. Aber wer möchte denn in diesem Fall so pingelig sein, wenn ansonsten alles stimmt?!

Dr. Bernd Landmann ist Vorstandsvorsitzender des Schumann-Vereins, Anneliese Singer ehrenamtliche Mitarbeiterin im Schumann-Haus


regjo KLANGLOGO 35

Einen Ohrwurm finden Ein Klanglogo für die Leipziger Notenspur Text: Torsten Krause

Am 27.11.2011 war die Entscheidung gefallen. Der Wettbewerb Klanglogo der Leipziger Notenspur hatte einen Gewinner. Aus zahlreichen Einsendungen, die nach dem Aufruf zur Teilnahme am Wettbewerb eingegangen waren, wählte die Wettbewerbsjury den Gewinnerbeitrag. In einer spannenden Entscheidungsfindung hatte sich der Leipziger Johannes Raschpichler, Doktorand an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, mit seinem Vorschlag durchsetzen können. Die Idee Die Leipziger Notenspur-Initiative wächst stetig mit ihren Projekten und ist auf dem Weg zu einer Dachmarke für die Musikstadt Leipzig. Die Eröffnungsveranstaltung der Notenspur und das angebundenen Stadtfest im Zentrum Leipzigs am 12.5.2012, markieren feierlich den Zeitpunkt, an dem die Notenspur als ein dauerhaftes, touristisches Element im Stadtbild Leipzigs etabliert wird. Das verlangt nach einer prägnanten und identifikationsstiftenden medialen Klammer, die implizit Bezug nimmt auf die Inhalte und Ziele der Notenspurinitiative. So entstand die Idee, das etablierte grafische Logo, durch eine Art klingendes Signet zu ergänzen – eine klangliche Klammer für die Notenspur. Neben der allgemeinen medialen Verwendung, sollte das Klanglogo zudem als akustisches Erkennungszeichen in die Hörszenen des Musikerlebnisleitsy-

stems eingearbeitet werden. Zahlreiche verschiedene Vorschläge zur Findung eines Logos wurden im Anschluss überdacht. Die vorteilhaften Kriterien einer breiten Verankerung und Identifikation in der Bürgerschaft gaben den Ausschlag dafür, einen offiziellen Wettbewerb auszuloben. Die Entscheidungsfindung sollte eine fachkundige Jury übernehmen, deren Mitglieder für das freie und institutionalisierte Kulturleben der Stadt Leipzig stehen. Begünstigt durch den eher ungewöhnlichen und reizvollen Wettbewerbsgegenstand, erklärten sich alle angefragten Personen bereit, in der Jury mitzuwirken. Der Wettbewerb Am 5.9.2011 startete der Wettbewerb. Gesucht war ein Klanglogo von einer maximalen Länge von zehn Sekunden, mit einem hohen Wiedererkennungswert, Prägnanz, Ausdrucksstärke und Eignung zur universellen medialen Verwendung. Dabei stand das Anliegen, neben dem fachkundigen Publikum, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen und zur Teilnahme einzuladen, an oberster Stelle. Zahlreiche Einsendungen aus dem In- und Ausland erreichten die Notenspur in der Folgezeit. Eine spannende, nicht leichte Aufgabe war die Kür des NotenspurKlanglogos, denn die Bandbreite der eingesandten Vorschläge war erfreulich groß und farbig. Große Orchestersätze, kleine einstimmige Melodien, verschie-

dene Instrumentierungen, elektronisch generierte Klangbilder, diverse, an den Komponisten auf der Notenspur angelehnte Bearbeitungen, Stile, Einflüsse. Die Entscheidung Die achtköpfige Jury unter dem Vorsitz von Prof. Martin Kürschner, Komponist und Professor für Tonsatz an der HMT, kam am 27.11.2012 zusammen. Die Entscheidungsfindung verlief, begünstigt durch das wohltemperierte Klima zwischen den Beteiligten, zügig und ausgerichtet auf die Findung eines Siegerbeitrags. Die Bewertung einzelner Beiträge gestaltete sich in kultvierter und anregender Debatte mit abnehmender Zahl der verbliebenen Einsendungen immer spannender. Aus zwei verbliebenen Vorschlägen wurde letztlich das Gewinnerlogo gewählt. Der Abgleich von Wettbewerbsnummer und Einsender nannte Johannes Raschpichler als Gewinner des Wettbewerbs. Die endgültige Präsentationsform des Klanglogos in den Medien ist noch in Vorbereitung. Für diese und die Verwendung im Musikerlebnisleitsystem, integriert in die einzelnen Hörszenen, wird es derzeit von Leipziger Komponisten und Arrangeuren bearbeitet. Spätestens mit der Eröffnung der Notenspur am 12.5.2012 wird auch das Klanglogo in seiner finalen Fassung an das Ohr der Öffentlichkeit dringen und als unverwechselbare „Hörmarke“ in der Kulturund Medienlandschaft präsent sein.

Torsten Krause M.A., Absolvent der Universität Leipzig, Hauptfach Musikwissenschaft, ist ehrenamtlich für die Leipziger Notenspur seit 2011 tätig


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FORSCHUNG RegJo

Wissen für die Idee Auf den Spuren der Notenspurforschung Text: Salina Philipp  Fotografie: Werner Schneider  Plakat: Sebastian Billhardt und Tina Schulze

Schön sehen sie aus, die geschwungenen Edelstahlintarsien. Wenn sich in Kürze 155 von ihnen durch die Innenstadt Leipzigs schlängeln und zahllose Begeisterte zu den musikhistorischen Schauplätzen leiten, liegt das vor allem daran, dass Wissenschaftler aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Musikwissenschaft und Marketing, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Kultur- und Werkstoffwissenschaft sowie Bauingenieurwesen sich hinter den Kulissen der Leipziger Notenspur zu einem verzweigten Netzwerk zusammen geschlossen haben. Spurensuche … So begaben sich beispielsweise Historiker und Musikwissenschaftler um Dr. Barbara Wiermann von der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy auf Spurensuche. Wo hat Mozart 1789 in Leipzig übernachtet, wo Beethoven 1796? Sind Häuser erhalten, in denen Johannes Brahms bei seinen vielen Aufenthalten in Leipzig wohnte? War Gustav Mahler 1887 bei der Einweihung des neuen Konservatoriumsgebäudes in der Grassistraße anwesend? Wo hat Schulhoff während seines Studiums bei Max

Reger gewohnt? waren die Fragen, die das Forscherteam beschäftigten. Die Ergebnisse flossen in die Konzeption der musikalischen Stadterkundung ein. … in der Universität Die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Leipziger Notenspur verfolgte ein Semesterprojekt am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Unter der Leitung von Madlen Manteufel entwickelten Studierende eine Plakatkampagne, die dank einer Kooperation mit der Ströer Deutsche Städte und Medien GmbH zwei Wochen lang in der Praxis getestet werden konnte. Sebastian Billhardt, dessen gemeinsam mit Tina Schulze gestaltetes Plakat den griffigen Slogan „Grieg auf St. Pauli“ trug, meint: „Wir haben bewusst mit Doppeldeutigkeiten gearbeitet und wollten neugierig machen. Krieg mit „G“? St. Pauli in Leipzig? Ein Bild von Albert Einstein? All dies passte nicht zusammen und die Menschen wurden neugierig.“ Am Ende stellte man dann fest, dass es um Eduard Grieg und die Universitätskirche St. Pauli ging.

für die Notenspur Damit schön bleibt, was schön ist, prüften Forscher von der Fakultät für Bauwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig die edlen Intarsien auf ihre Dauerhaftigkeit. „Es sollten Befestigungslösungen gefunden werden, die das ästhetische Erscheinungsbild dauerhaft und sicher gewährleisten, trotz Eis und Regen, Sonne und Schmutz, Kehrmaschinen- oder Streusalzeinsatz, denn für Nachbesserungen und teure Pflege hat die Stadt keine Mittel“, so Prof. Elke Reuschel. Die Untersuchungen ergaben, dass der vorgesehene Polymerbeton als Trägermaterial keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt, aber der zunächst angedachte Epoxidharzkleber ersetzt werden musste. Auch von Architekten, Stadtgestaltern und Museologen, Stadt- und Kulturgeschichtlern, Designern und Pädagogen erfuhr die Leipziger Notenspur tatkräftige Unterstützung, sodass am Ende viele Menschen mit Stolz sagen können, dass sie dabei mitgewirkt haben, wenn die Leipziger und ihre Gäste die musikalischen Spuren der Stadt erkunden.


Notenspur-Intarsie Fotografie: Werner Schneider

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UNTeRSTÜTZUNg RegJo

Mit starken Partnern eine idee umsetzen Die Leipziger Notenspur ermöglicht es, Leipzigs reicher Musiktradition in neuer Weise auf den Fersen zu bleiben und diesen Schatz überregional für die Leipziger und die gäste der Stadt noch bekannter zu machen. Die initiative setzte in der Umsetzung ganz bewusst auf das Miteinander zwischen Musikinstitutionen und Stadtverwaltung und wird und wurde dabei tatkräftig von Bürgerinnen und Bürgern und von Unternehmerinnen und Unternehmen unterstützt. Bei ihnen, liebe Unterstützer, Sponsoren und Partner, möchte sich der RegJo Verlag an dieser Stelle auch im Namen der Leipziger Notenspur ganz herzlich für ihr vielfältiges engagement bedanken. Sie ermöglichen der Leipziger Notenspur diese umfassende publizistische Referenz. (S.e.)

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Directed by Enrique Sánchez Lansch Produced by Paul Smaczny

running Time 90:35

Picture Format NTSC 16:9

Sound Formats DoLBy DigitaL 5.1 DtS 5.1 PCM StEREo region Code 0 (worldwide) Disc Format DVD 9

A Production of ACCENTUS Music in Co-production with ZDF, in Co-operation with ARTE and Klavier-Festival Ruhr / © 2011 ACCENTUS Music / Artwork & Editorial © 2011 ACCENTUS Music / Front Cover: Franz Liszt, woodcut by Franz Seraph Hanfstaengl, Austrian National Library, Vienna, Pf 1556: B(4) / Dolby and the double D logo are trademarks of Dolby licensing Corporation. DTS, the Symbol, and DTS-HD are registered trademarks of DTS, Inc. / Design: Anna Lena von Helldorff [buero total] WARNING: The copyright proprietors have licensed the film and sound recordings contained in this videogram for private use only. All other rights reserved. Any unauthorized use including copying, editing, exchanging, exhibition, renting, lending, diffusion, hiring, public performance, radio or television or other ways of dealing with this videogram or any part thereof is strictly prohibited. Made in Germany

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For the very first time Daniel Barenboim tackled Franz Liszt’s two highly virtuosic piano concertos in a single concert. With Pierre Boulez, his friend and esteemed colleague of many years, conducting Barenboim’s own orchestra, the Staatskapelle Berlin, they were showered with praise on their tour across Europe. For both musicians, Liszt was one of the most important pioneers of modern music, as composer, conductor and pianist. He influenced revolutionary contemporaries such as Robert Schumann and Richard Wagner. Two examples of the latter’s magnificent orchestral work round off this concert programme celebrating Liszt’s bicentenary.

Daniel Barenboim Liszt & Wagner

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Daniel Barenboim Pierre Boulez, Staatskapelle Berlin

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