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Der Charme der Patina

Dort ein Säulengang, da eine Loggia, hier eine Truhe, ein Fresko oder ein Porträt. Historische Gemäuer bergen nicht nur Schätze, sie sind selbst ein wahrer Schatz, den es zu erleben und zu erhalten gilt.

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In einem Schloss logieren und sich die Wünsche von den Augen ablesen lassen, in einem prunkvollen Saal ein rauschendes Fest feiern und mitnichten an morgen denken müssen: All dies war früher – wie wir vielleicht glauben wollen – nur dem Adel und den vornehmen Herrschaften möglich. Vielleicht ist die Anziehungskraft der historischen Ansitze, der Burgen und Schlösser gerade deshalb bis heute ungebrochen. In die Welt von damals einzutauchen ist heutzutage aber einfacher denn je. Und dies vor allem im ansitzreichsten Landstrich Europas, in Eppan. Ob ein kulinarisches Event Feinschmecker in den Ansitz Zinnenberg lockt, eine besondere Ausstellung Kulturbeflissene ins Lanserhaus oder zum Festival ans Schlössl am Montiggler See: Wer Interesse zeigt, dem öffnen sich zahlreiche Türen. Wanderfreudige kommen im Drei-Burgen-Eck (Burg Hocheppan, Burg Boymont und Schloss Korb) in vielerlei Hinsicht auf ihre Kosten und selbst nachts öffnen altehrwürdige Strukturen für die müden Gäste ihre Gemächer, bieten von B&B bis zu luxuriösen Suiten Unterkunft für jedes Budget, etwa in den Schlössern Freudenstein, Korb, Warth, Englar und Paschbach. Wie es dazu kam und was den Reiz des Antiken ausmacht, erklärt ein Kenner der Szene.

Eppan ist das burgenreichste Gebiet Europas: Warum treten historische Gebäude, Ansitze, Schlösser, Kapellen hier in so einer Dichte auf?

Baron Carl-Philipp von Hohenbühel, Präsident des Südtiroler Burgeninstituts: Das liegt wohl am mediterranen Klima, der lieblichen Landschaft und auch an einer gewissen Modeerscheinung. Ab dem Ende des 16. Jh. bzw. zu Beginn des 17. Jh. wurde auch das Überetsch – und damit Eppan – von einem „Bauboom“ erfasst, der andernorts schon etwas früher eingesetzt hatte. Alte, bäuerlich-bürgerliche Familien, die sich

Geschichte, die einlädt: Viele historische Ansitze in Eppan sind in Privatbesitz, manche werden touristisch genutzt und sind für Gäste zugänglich, wie hier Schloss Warth.

ES IST EIN LEBEN DER 1000 SCHRITTE UND 1000 HANDGRIFFE.

Baron Carl-Philipp von Hohenbühel, Präsident des Südtiroler Burgeninstituts anlässlich einer Karriere im Dienste des Landesherrn durch repräsentative Bauten gesellschaftlich manifestieren wollten, holten sich Baumeister aus dem Lombardischen, wie Silvestro del Gallo und dessen Sippschaft. Die Handwerker überzeugten mit ihrer Arbeit und der Bau zog häufig den Eintritt der Familie in den Adel nach sich. So wollte der nächste auch so einen Ansitz. Und es folgte der nächste. Hier greift das Gesetz der Serie.

Gibt es bei dieser Vielzahl an mittelalterlicher Bausubstanz so etwas wie ein architektonisches Grundmuster?

Es gibt eine große Dichte an Ansitzen, die sich ähneln. Der Hausbereich zu ebener Erde war für den wirtschaftlichen Teil vorgesehen. Über schöne Freitreppen ging es in den ersten Stock. Dieser war geprägt durch einen mittigen Saal in Nord-Süd-Ausrichtung mit Bi- oder Triforen (= gekuppelte Fenster) und einer Zimmeranordnung zur linken und rechten Seite. Dann gab es den Teil für die Seele, einen Hofraum, häufig eine einladende Loggia oder einen angenehmen Garten – und, wo möglich, eine Kapelle, oft integriert, oft freistehend.

Nicht zu vergessen die viele schmucken Elemente …

Es gibt Renaissanceelemente aus Sandstein, Tür- und Fenstereinfassungen, Säulchen, Kapitelle und Kegel. Als besondere Zeichen des „Herrschaftlichen“ werden symbolisch auftretende Wehrelemente in den Bau eingefügt: Ringmauern, Zinnen und Scharten, zu denen die typischen „Ochsenaugen“ (=Rundfenster) unter dem Dach zählen, ferner Gräben, Brücken und Türmchen. Diese Formensprache wird auch später – letztlich bis heute – als „romantisch“ empfunden.

Um die Ansitze zu errichten, war in jedem Fall genügend Kleingeld erforderlich …

Die Herrschaften waren gewiss gut situiert. Auffallend ist aber, dass Adelssitze in Österreich oder Deutschland zumeist von sehr viel mehr Landbesitz umgeben sind. Bei uns konnten durchschnittlich gerade einmal ein bis zwei Familien angenehm davon leben.

Sie selbst sind Baron und auf einem Ansitz aufgewachsen: Wie lebt es sich so in historischen Gemäuern?

Es ist sehr schön, aber auch ein großer Aufwand. Es ist ein Leben der 1000 Schritte und 1000 Handgriffe. Man versucht, vieles selbst zu erledigen, einen kaputten Ziegel auch selbst zu ersetzen. Die Erhaltung ist nicht einfach. Das sind keine Klimahäuser. Allein das Heizen ist ein enormer Aufwand.

Was macht für Sie das besondere Flair historischer Mauern aus?

Es ist die Ehrfurcht vor dem Schönen, vor der Architektur, vor der Landesgeschichte. Es handelt sich nicht um ein Fertighaus für eine Generation. Die Struktur ist verknüpft mit einem Generationendenken. Das bedeutet einen tiefen Zugang, Verwurzelung und Tradition.

Wurzeln reichen oft weit zurück: Was ist heute noch konkret aus dem Mittelalter erhalten?

Viele Häuser haben sich weiterentwickelt. Aber sie haben noch den spätmittelalterlichen Wohnturm. Der war nicht sonderlich bequem und so wurde ringsum dazu gebaut. Aber der Kern reicht oft bis ins 14. oder sogar ins 13. Jahrhundert.

Warum übt das Antike diese Anziehung aus?

Die Menschen leben heute sehr zukunftsorientiert. Doch um die Zukunft zu gestalten, muss ich die Brücke zur Vergangenheit schlagen. Sei es durch eine Kritzelei an der Wand, ein Bild oder einen Gegenstand. Den einen oder anderen gab es hier schon vor 500 Jahren und das hat Gewicht. Generationsüberschreitende Strukturen berühren die Seele.

Warum sind Ansitze so beliebt, etwa für besondere Festlichkeiten?

Jeder geht gerne ins Theater, ins Kino, liebt den Tapetenwechsel. Wenn es um eine Feier geht – möglicherweise gar um eine Hochzeit, so hat man gerne eine Choreografie dazu. Solche alten Gemäuer erlebt man mit allen Sinnen. Es riecht anders. Es hört sich anders an. Es geht um das sich Wohlfühlen, das Verträumt-Sein.

Ein besonderer Platz für einen speziellen Anlass: Schlösser und Ansitze sind beliebt für Feierlichkeiten und Events (im Bild oben: das Schlössl am Montiggler See; im Bild unten: der Ansitz Zinnenberg).

SOLCHE ALTEN GEMÄUER ERLEBT MAN MIT ALLEN SINNEN. ES RIECHT ANDERS. ES HÖRT SICH ANDERS AN.

Einen Besuch wert ist die Burg Boymont.

… und träumen lässt es sich besser auf einem Schloss?

(lacht) Wenn es rein um die Ernährung ginge, könnte ich mich auch an einem Würstelstand eindecken. Wenn ich aber eine schöne Zeit verbringen will, dann wähle ich einen besonderen Ort und ich denke auch oft daran zurück. Das Wohlfühlerlebnis im historischen Kontext ist sehr prägend.

Alte Mauern sind also prädestiniert für eine touristische Nutzung?

Nun, entweder trägt Grundbesitz mit Obst-und Weinbau zum Erhalt bei, oder gegebenenfalls ein touristischer Nutzen. Es ist schließlich viel Kubatur vorhanden. Vom B&B über Pensionen bis Hotels und Restaurants haben wir in Eppan dahingehend ein vielfältiges Angebot.

Alte Strukturen müssen also sinnvoll genutzt werden, um sie nicht dem Verfall preiszugeben?

Wenn man so ein Objekt besitzt, muss man sich fragen: Kann ich es mir leisten? Wie bezahle ich Steuern, Wartung und Neuinvestitionen? Da fließt jedes Jahr der Wert eines Kleinwagens und mehr in die Erhaltung. Und allen Bemühungen zum Trotz lebt die Patina.

Eingriffe und Umbauten an historischen Gebäuden gestalten sich schwierig?

Man steht vor großen denkmalpflegerischen Auflagen. Sehr oft ist es eine Kostenfrage, Massenware greift nicht, der spezielle Kalk, die spezielle Farbe, die hochwertigen Materialien sind kostenintensiv.

Und viele Instanzen reden mit …

Das stimmt. Wenn man verkaufen will, so hat das Land (=die Provinz Bozen) das Vorkaufsrecht. Will man etwas verändern, muss man alles melden, sich einen Architekten nehmen und es gibt strenge Auflagen. Grundsätzlich ist das gut, denn es kann aus Unverständnis auch zu Schäden kommen. Wenn mir das Fresko an der Wand egal ist, dann wäre es unwiederbringlich verloren. Doch es besteht ein Interesse, dass es nicht dazu kommt und es gibt mehrere Instanzen: das Land, das Denkmalamt und den gesellschaftlichen Anspruch.

Dieser positive Zugang zu alten Häusern war nicht immer da …

Nein. Die 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre waren in dieser Hinsicht eine sehr schlechte Zeit. Heute ist es so, dass man das auf breiten Schultern als schön empfindet. Auf Ansichtskarten aus Eppan ist nicht etwa die Handwerkerzone oder die „Spaghettata“ (=Autobahnausfahrt von Bozen-Süd) abgebildet. Es sind vor allem die Ansitze, Schlösser, Burgen, Kapellen, die intakte Landschaft mit alten Häusern, die Identität stiften.

Im Rahmen von Events wie Castelmusika öffnen die Besitzer historischer Ansitze in Eppan ihre Tore und lassen Einblicke in sonst unzugängliche Bereiche zu. Eine gute Sache?

Gewiss. Denn allzu oft hieß es: Da sitzt der Graf und lässt niemanden hinein. Für den Besucher ist es eine glückliche Fügung, dass man hineinkommt und das erleben darf. Aber auch für den Besitzer ist es schön und wichtig. Denn die Leute, die angetan sind von der Struktur, werden selbst zum Anwalt für das Anwesen, sie zeigen Verständnis und schätzen den Einsatz für die Erhaltung. Jeder profitiert davon.

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