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Die Weinbereiterinnen
from Eppan Magazin 2022
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Sie sind Weinbäuerinnen, Winzerinnen, Weinhändlerinnen und in erster Linie: Weingenießerinnen. In vielen Eppaner Betrieben sind Frauen am Werk. Sie begleiten den Wein von seinen Anfängen am Rebstock bis hin zum Genuss im Glas. Eine Begegnung mit Frauen, die dem Wein den Weg bereiten.
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Besonders in den familiengeführten Weinhöfen sind die Frauen längst zu ebenbürtigen Partnerinnen in allen Belangen der Weinerzeugung geworden, wie Marlies Pohl Abraham (i.B.) vom Weingut Abraham in St. Michael.
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Erika Call, Urlaub am Bauernhof “Call am See” „Jede Jahreszeit hat ihre schönen Momente“, sagt Marlene Ausserer Niedermayr und erzählt vom Winter, wenn im Weinberg alles schläft, zugedeckt vom Schnee. Sie berichtet vom Frühling, wenn alles erwacht und staunt im Sommer über die Kraft der Natur und die großen Pflanzen, die aus den zurückgeschnittenen Rebstöcken erwachsen sind. „Am magischsten ist aber der Herbst, wenn alles auf den Moment hinausläuft, in dem die Trauben gelesen werden“, schwärmt die 33-Jährige von der Ernte als gesellschaftlichem Ereignis. Am Hof Gandberg oberhalb von St. Michael betreiben ihr Mann und sie das Bioweingut Thomas Niedermayr und haben keinen einfachen Weg gewählt, doch den einzigen für sie stimmigen: ein natürlicher, pestizidfreier Weinbau. Sie produzieren Naturwein – spontanvergärt, ungeschönt und unfiltriert. Von der Rebe bis in die Flasche wird alles pur belassen. Basis bilden pilzresistente Sorten. „Die Natur liefert eigentlich alle Antworten für die Probleme der Zeit“, sagt die Weinbäuerin über das Leben und Arbeiten in einer – wenn man sie denn in eine gewisse Ecke drängen will –„wunderschönen Nische.“ Man müsse schon rausgehen und erzählen, was man mache.“ Ausserer selbst ist vor allem im organisatorischen Bereich bemüht. Das Zielpublikum sind Genussmenschen, die das Natürliche suchen und wertschätzen. Was sie finden, sagt Ausserer fasziniert, ist das „Lebendige im Wein, die Tiefe von Naturwein.“
Weinherstellung ist ein Prozess über Jahre „Immer wieder ein Neuanfang“ ist es für Marlies Pohl Abraham vom Weingut Abraham in St. Michael. Mit besonderer Spannung erwartet sie den Moment der Ernte, aber auch jenen, „wenn der Wein abgefüllt wird. Dann wird es wirklich
konkret.“ Denn die Weinerzeugung ist ein langer Prozess, der über Jahre geht und die Bestätigung für all die Arbeit gibt es erst zum Schluss. Ein besonderer Neuanfang steht den Abrahams 2022 bevor, wenn erstmals ein Sauvignon abgefüllt wird, 2023 folgt der Chardonnay. „Dann stellt sich heraus, ob man mit der Überzeugung, die man selbst hat, punkten kann“, sagt die quirlige Weinbäuerin, die vor allem im Marketing und Verkauf ihre kreative Ader einbringen kann. Eigenständig Wein herzustellen ist für die 44-Jährige „Lebenstraum und Lebensaufgabe zugleich.“ Eine besondere Passion und Verantwortung verknüpft Pohl mit den 70 Jahre alten Weißburgunderpergln(= traditionelle Rebgerüste). „Es ist die vierte Generation, die daran arbeitet“, unterstreicht die Weinbäuerin die Verbindung zu den Vorfahren und scheut nicht die Herausforderung, die alte Rebanlagen hinsichtlich der Qualität mit sich bringen. Das Ziel ist klar: Weine mit starkem, natürlichem Charakter.
Eppan Wein als gemeinsamer Nenner „Es ist die Klarheit, das Graziöse beim Weißwein, die Einfachheit beim Vernatsch, die mich immer wieder für unsere Weine begeistert.“ Es sind Sätze wie diese, die zeigen, wie sehr Erika Call den Eppaner Weinen zugetan ist. Südtirols größte Weinbaugemeinde bringt Spitzenerzeugnisse hervor, „die natürlich gereift sind, nicht gekünstelt“, stellt Call immer wieder fest und spricht von einem besonderen Feeling beim Weingenuss. Sie selbst greift am liebsten zu einem Glas Vernatsch, der ist „unkompliziert und trinkig“. Erika Call ist Weinbäuerin und hat die Dachmarke Eppan Wein, ein Zusammenschluss der örtlichen Wein-, Sekt- und Schnapsproduzenten, nach ihrem Start 2019 als Vorsitzende begleitet. „Besonders begeistert hat mich, dass alle Kellereien, DAS SPEKTRUM REICHT VOM KLASSISCHEN WEINFÜHRER BIS HIN ZUR WEITEN WELT DES INTERNETS ALS WICHTIGE INFORMATIONSQUELLE.
Katja Bicciato, Kellerei St. Michael-Eppan
Eppan Wein
Südtirols größte Weinbaugemeinde Eppan ist bekannt für ihre Spitzenerzeugnisse. Die Dachmarke Eppan Wein vereint Weinproduzenten, Sekthersteller und Brennereien. Sie ist Schnittstelle für Weinliebhaber und Produzenten, Gäste und Partnerbetriebe, den Tourismusverein und die Gemeinde: www.eppanwein.it
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Frauen gelten aufgrund ihrer feineren Geschmacksknospen als die besseren Verkosterinnen. Fachkundig geht auch Marlene Ausserer Niedermayr vom Bioweingut Thomas Niedermayr den edlen Tropfen auf den Grund.
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Hinter der Entscheidung, Qualitätswein auch glasweise auszuschenken, stand sehr oft die vorausschauende Denke von Frauen wie Elke Morandell Schwarzer vom Gasthof Paulserhof in St. Pauls, die hier im antiken Weinkeller edle Tropfen kredenzt.
Genossenschaften und Private, an einem Tisch saßen“, sagt die 53-Jährige. Die Dachmarke sei wichtig für einen gemeinsamen Nenner, einen gemeinsamen Auftritt. Calls „Urlaub auf dem Bauernhof“-Betrieb am Montiggler See ist umgeben von Weinreben. Die Ernte wird gleich an drei Kellereigenossenschaften geliefert, nicht aus Unschlüssigkeit, nein. „Das hat sich durch die verschiedenen Lagen so ergeben“, sagt sie, die als Mitglied somit Verbindlichkeiten mit gleich drei Abnehmern hat. Die Bezahlung erfolgt je nach Menge und Qualität. Und so ist auch der Moment der Ernte für Call ein entscheidender: „Es ist schön zu sehen, wenn im Weingut alles abgeerntet und sauber ist und es ist spannend zu erfahren, welche Benotung man für die gelieferten Trauben bekommt.“ Im Vorstand der Kellerei St. Pauls ist Call die erste und einzige Frau. Sie findet es schade, dass die Frauen in der Weinwirtschaft vor allem in der Präsentation, im Marketing, im Verkauf zu finden sind. Doch auch dort leisten sie hervorragende Arbeit.
Guter Wein braucht auch ein gutes Marketing Auf eine starke und bekannte Marke baut frau in der Kellerei St. Michael. „Wir haben Weine, deren Bekanntheit und Nachfrage so groß sind, dass sie schon frühzeitig ausverkauft sind“, berichtet die Marketingverantwortliche Katja Bicciato. Das trifft auf Kultweine, wie den Schulthauser oder die Premiumlinie Sankt Valentin zu. Ideenreicher muss das Marketing im Zusammenhang mit Produkten ausfallen, die komplexer und deshalb auch hochpreisig sind. „Da gilt es zu vermitteln, warum wir Wein von dieser Qualität und zu diesem Preis haben und was den Wein besonders macht“, so die 29-Jährige. Schließlich bestimmt der Endkonsument die Nachfrage. Ein medienaffiner Kellermeister wie Hans Terzer, Koryphäe und Gesicht der Kellerei, kommt dem Ganzen natürlich sehr entgegen. Auch über die Auszeichnungen kann sich ein Hersteller profilieren. Doch auch Pressearbeit und Fachzeitschriften, die Bindung durch Testimonials und Social Media spielen eine wichtige Rolle. „Das Spektrum reicht vom klassischen Weinführer bis hin zur weiten Welt des Internets als wichtige Informationsquelle“, weiß Bicciato. Ihr Wirtschafts- und Managementstudium deckt den marketingstrategischen Teil ihrer Arbeit ab, der Sommelierkurs das in diesem Sektor unabdingbare Weinwissen. Und i-Tüpfelchen ist „die Leidenschaft für das Naturprodukt Wein aus meiner Heimatgemeinde.“
Weinempfehlung und Beratung als Steckenpferd „Frauen haben in den vergangenen 15 bis 20 Jahren sehr viel für den Erfolg der Weinwirtschaft beigetragen“, ist Kathrin Oberhofer überzeugt. Sie führt seit 18 Jahren die Vinothek und das Restaurant Pillhof in Frangart und das so gekonnt, dass sich dort Gäste wie Weinproduzenten die Klinke in die Hand geben. Von Anbeginn an hat sich die Gastronomin getraut, auch Qualitätsweine offen anzubieten: „Ich schenke auf Nachfrage jeden Wein glasweise auf und das schätzen meine Gäste.“ Von den 700 Etiketten kennt Kathrin – ganz nahbar von allen beim Vornamen genannt – jeden einzelnen Wein. „Ein gutes Erinnerungsvermögen“
Kathrin Oberhofer, Vinothek und Restaurant Pillhof
Sylvia Rauch Lentsch, Weingut Klaus Lentsch
hilft ihr dabei. Und natürlich die Ausbildung zur Sommelière. Im Unterschied zu früher stellt sie fest, dass der Kunde heute sehr viel professioneller und informierter an den Weingenuss herangeht – auch junge Leute. Um so spannender ist es für sie, „wenn sich jemand nicht auskennt und für alles offen ist“. Dann sprüht ihr Sommelière-Herz Funken. Gefragt ist die 45-Jährige auch als Weinfachfrau, die etwa andere Gastronomen in der Zusammenstellung ihrer Weinkarten berät: „Aktuell sind vor allem Schaumweine und Blauburgunder hoch im Kurs.“
Zu jedem Gericht den passenden Wein „Ein Wein kann noch so gut sein, entscheidend ist, dass er getrunken wird“, sagt Elke Morandell Schwarzer vom Gasthof Paulserhof in St. Pauls. Dort führt sie das Regiment im Service und im Keller und sieht im Betrieb ein Bindeglied zwischen Hersteller und Kunden. Im Weinkeller lagert eine Unzahl von hochwertigen Weinen heimischer Produzenten. Dazwischen finden sich Raritäten älterer Jahrgänge. Bereits seit vielen Jahren werden im Paulserhof Südtiroler Qualitätsweine aus der 7/10-Flasche glasweise serviert. „Das war damals ein vielbeäugter Schritt und ist heute nicht mehr wegzudenken“, sagt die Wirtin überzeugt. Auszeichnungen mit dem Südtirol-Preis für Weinkultur 2013 und für die „Beste Vernatschkarte“ zeugen von Morandells Engagement. Dem Gast serviert sie die genussvollen Hausmannsgerichte ihres Ehemanns Stefan Schwarzer und die dazu harmonierenden edlen Tropfen, „denn zu jedem Gericht gibt es den passenden Wein.“
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Gekauft wird nur, was auch selbst schmeckt 500 Etiketten zur Auswahl hat der Gast von Margot Rabensteiner Hintner. Seit über einem Vierteljahrhundert wird das Restaurant Zur Rose im Zentrum von St. Michael mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Das liegt einerseits an der kreativen Küche von Herbert und Daniel Hintner, andererseits an Margot, der Chefin im Service und beim Wein. „Wein ist Emotion, ist Spaß. Ich kaufe nur, was mir auch selbst schmeckt“, sagt die 64-Jährige. Das lässt sich schon dadurch belegen, dass sich auf der umfangreichen Weinkarte kein einziger Rosé findet, „den mag ich nämlich nicht.“ Sie schwärmt jedoch für „Prickelndes, für Riesling und für besondere, alte Tropfen“, die es in der Rose auch glasweise zu verkosten gibt. Das Verkosten ist es auch, wie die Weinfachfrau zu ihren im Handel oft vergriffenen Schätzen im Keller kommt. 5000 Flaschen lagern dort und warten darauf, dass Rabensteiner sie für reif für den Genuss hält. Ihr Wissen hat sich die Wirtstochter im zarten Alter von 19 Jahren bei der Freitagsverkostung in einem reinen
Bei der Weinempfehlung geben oft die Frauen den Ton an, in der Küche die Männer: So gelagert ist es im Restaurant Zur Rose in St. Michael, wo Margot Rabensteiner Hintner gerade ihrem Mann und Sternekoch Herbert Hintner reinen Wein einschenkt.
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Auch mit 600 Etiketten bester Weine im Verkauf verliert Stefanie Ebner Schwarzer vom Wein- und Genusshaus Vis à Vis in St. Pauls nie den Überblick. Enormes Fachwissen hilft ihr, ihre Kunden bestes zu beraten.
Männerreigen und bei zahlreichen Weinreisen angeeignet. Ein Wissen, das sie sich notiert und ihrem Gast zum Glas Wein serviert.
Mit Ausdauer und Ausbildung zum Fachwissen Durch enormes Fachwissen punkten kann auch Stefanie Ebner Schwarzer vom Wein- und Genusshaus Vis à Vis in St. Pauls. Den zehnjährigen Werdegang der familiengeführten Enothek hin zum Paradies für Feinschmecker hat die 49-Jährige entscheidend mitgestaltet. Das Leitbild: Wein und alles, was damit harmoniert. So finden sich 600 Etiketten bester Weine im Verkauf. „Gut 30 davon haben wir offen. Die können jederzeit verkostet werden“, sagt die Weinfachfrau mit Blick auf den professionellen Weindispenser in einer hinteren Ecke der altehrwürdigen Struktur, prall gefüllt mit ausgewählten (Nischen-)Produkten. „Sie selbst verkostet gut“, attestiert ihr Ehemann Martin Schwarzer. Weinreisen und Besuche bei den Produzenten sorgen für zusätzlichen Input, der für die fachkundige Beratung der Kunden essenziell ist. Die gelernte Betriebsbuchhalterin braucht auch keine Notizen: „Ich habe ein visuelles Gedächtnis.“ Und das zapft sie an, wann immer es um eine der zahllosen Spezialitäten geht. Sie selbst bezeichnet sich als „Vernatschfrau“, hat eine Leidenschaft für autochthone Sorten, aber auch für Sekt, Weißburgunder und ausgefallene Weine. „Im Kommen sind auch Alternativen für Leute, die keinen Alkohol trinken“, verweist Ebner auf Traubensäfte mit dem Prädikat „Sparkling“.
Ein besonderer Zugang zur Weinkultur Eine Frau der Weinkultur in mehrfacher Hinsicht ist Sylvia Rauch Lentsch vom Weingut Klaus Lentsch in St. Pauls. Die Inszenierung der Kellerei als Ausstellungsraum für Holzschnitzereien, für Bilder oder als Bühne für Theateraufführungen ist mit den Jahren und durch das Engagement gewachsen. „Das Tolle ist, dass auch Gäste kommen, die an sich mit Wein nicht soviel am Hut haben“, zeigt sich die Hausherrin begeistert von den Begegnungen mit Künstlern und Besuchern und der Möglichkeit, die Vinothek, den Keller oder den Innenhof als Schauplatz der Kultur auch Nichtkennern der Weinszene zugänglich zu machen. Die großen Stahl- und Holzfässer, die Weinpresse und aufgestockte Weinkartone werden zur Kulisse. „Ein bleibender Eindruck, der nach außen getragen und mit dem Weingut verknüpft wird“, ist die gelernte Bankkauffrau überzeugt. Von Beginn an ist sie nun im Familienbetrieb mit ihrem Mann Klaus Lentsch aktiv, hat die finanztechnischen Kenntnisse mitgebracht und sich über Kurse auch in die landwirtschaftliche Seite eingearbeitet. Der schönste und auch herausforderndste Moment ist für sie „der Rebschnitt. Dann, wenn der Kreislauf wieder jedes Jahr von Neuem beginnt.“
„Wo der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens“
Bereits der griechische Dichter Euripides wusste um den Wert guten Weines. Vermutlich hätte er den preisgekrönten Weinen des Weinguts Klaus Lentsch in St. Pauls einiges abgewinnen können.
Entdecken Sie bei unseren wöchentlichen Weinverkostungen die Vielfalt unserer Weine aus dem Überetsch, Unterland und Eisacktal. Tauchen Sie einen Moment ab in unsere bezaubernde Weinwelt.
Wir nehmen Sie gerne mit und öffnen für Sie unsere Tore:
Entdecken Sie die Welt eines Freien Weinbauern immer mittwochs um 16.30 Uhr und immer freitags um 14.30 Uhr Dauer 1,5 h; Preis: 15 € pro Person, mit WeinPass 7,5 €
Wine Talk in gemütlicher Runde immer samstags ab 11 Uhr Dauer 1,5 h; Preis: 20 € pro Person, mit WeinPass 10 €
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Weingut Klaus Lentsch Reinspergweg 18/a 39057 St. Pauls | Eppan Tel. +39 0471 967 263 info@klauslentsch.eu www.klauslentsch.eu
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