Bitches get stuff done – Laurie Penny im Frauenraum S. 1 – 2 | E Bricht – über ds Riitschuufescht S. 2 | Zufällige Begegnung mit einem
Festumzug S. 3 | In die Grube, auf die Bäume! – Der Klimagipfel von linksunten in Bonn S. 4 | Was man von hier aus sehen kann – Rezension
S. 5 | Verkühl dich täglich – Kinderbuchtipp S. 5 | Dr. Rebell – megafon-stattBlick S. 6 | Kreuzworte S. 6 | ds barrikade.info-Info S. 6 | Die
Verschwörung zur allgemeinen Verblödung – Age of the Idiots S. 7 | Flashback S. 8 | Jazzcore und Mathematik Teil 2 – Onomatopoesie S. 8
Die Zeitschrift aus der Reitschule | Bern
megafon | N° 426 | Dezember 2017 | 6.–
Bitches get stuff done! Laurie Penny im Frauenraum
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Quer durch den Innenhof und bis zum Reitschultor stehen von jung bis alt unzählige Frauen, einige Männer und alle zwischendrin um in den Frauenraum zu gelangen. Voller Aufregung und Spannung warten sie auf den Einlass zur Veranstaltung mit der radikalen, politischen Schriftstellerin und Aktivistin Laurie Penny.
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Text: Anna Bouwmeester, Michèle Röthlisberger |
elten bis nie versammelten sich im Frauenraum so viele Menschen wie an diesem Abend. Mit Erstaunen wird hinten bei der Schlange aufgeschlossen, niemand hatte mit dieser Menschenmenge gerechnet. Erfreute Gesichter lächeln sich zu und tauschen sich aus. Das Thema spreche viel mehr Leute an, als sie gedacht habe, sagt jemand. Plötzlich entstehen Bedenken, dass womöglich nicht alle im Frauenraum Einlass finden könnten. Tatsächlich müssen ein paar Menschen draussen bleiben, während sich drinnen die Hitze breitmacht. Auf den Billardtisch, den Boden und sogar auf die Dachbalken setzen sich die Glücklichen, die es doch noch hineingeschafft haben. Auf der Bühne steht ein beleuchtetes rotes Samtsofa – bis jetzt noch leer, hinter den Vorhängen tut sich was, die Spannung steigt im vollbesetzten Frauenraum. Endlich, mit etwa einer Stunde Verspätung tauchen sie auf: Laurie Penny, die Autorin des Buches «Bitch Doktrin» und Leena Schmitter, die Moderatorin der Veranstaltung. Die Mikrofone fallen aus, die Aufregung im Publikum steigt, die Vorfreude auf radikale, politische, feministische Inhalte wird noch grösser. Leena Schmitter begrüsst Laurie Penny und
führt sie mit anerkennenden Worten ein. Plötzlich ergreift bezeichnend, dass sich die mediale Aufmerksamkeit wenig diese das Wort, grüsst die Anwesenden und spricht über die Befür das Empfinden der Frauen interessiert; was es heisst, deutung des Englischen, die Universalität dieser Sprache, und sexuelle Übergriffe zu erleben. Gefragt nach der Bedeutung die imperiale Selbstverständder sozialen Medien zeichnet lichkeit, die damit einhergeht. die Schriftstellerin ein posiWir können nur werden, was wir Gerade hier und jetzt werde tiveres Bild. Sie ist überzeugt, uns vorstellen können, und wir dass damit vielen Frauen und ihr wieder bewusst, dass sie können uns nur vorstellen, was wir LGBTI*2 die Möglichkeit gegediese Selbstverständlichkeit ben wird, sich zu positionieren, ziemlich anstrengend finde. artikulieren können. … Und sie bedankt sich bei der sich auszutauschen und somit Übersetzerin für ihre Arbeit. Solidarisierung und VerständDie Veranstaltung wird simultan auf Deutsch übersetzt – eine nis geschaffen werden kann. Gleichzeitig sei aber auch im virgrosse Herausforderung – viele sitzen mit Kopfhörern im Putuellen Raum eine zunehmende männliche Dominanz und blikum und schauen gebannt zur Bühne. die Versuche, Frauen auch hier zu verdrängen, zu verzeichnen. Die Hitze ist enorm. Laurie Penny fragt in die Runde: Sexuelle Gewalt in Gesellschaft und Medien «Are you okay?» und bittet darum, die Fenster zu öffnen und Laurie Penny nimmt zu Beginn zu #metoo und der daetwas frische Luft reinzulassen. Auch soll doch das Rauchen durch ausgelösten Debatte Stellung. Sie analysiert den öffenteingestellt werden. Sie erzählt von ihren Nikotinkaugummis lichen Umgang mit sexueller Gewalt: Die Öffentlichkeit beund wirft welche für die Gäste ins Publikum. schäftigt sich in erster Linie damit, wie es den Tätern ergeht, wie diese mit den Beschuldigungen umgehen. Empörend und » Fortsetzung S.2