2004_06_anschlaege

Page 1

an.schläge06/2004

an.schläge DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN juni

roma

EuropaWeit Roma-Gruppen sind die größte Minderheit in der erweiterten EU thema

LilaStörche Lesbischer Kinderwunsch gewinnt auch in Österreich an Bedeutung e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,–



an.schläge an.spruch

Falsch abgebogen Österreichische Frauenpolitik auf dem falschen Weg

05

österreich.slowenien

Von Nachbarinnen zu Partnerinnen SANwork vernetzt österreichische und slowenische Frauen

08

töchtertag

Jobs für coole Girls „Journalistin für einen Tag“ – die Ergebnisse des Workshops

auf.takt

10

eu.roma

Aus dem Verborgenen

forum

thema

politik

Die Roma sind die größte Minderheit in der erweiterten EU

14

an.sage

Wahlgang Grüne und Rote Positionen zu Frauenpolitik in Europa

24

lesben.kinderwunsch

Lila Störche Lesbischer Kinderwunsch wird auch in Österreich Thema

16

forum.wissenschaft

Frauen in nationalen Parlamenten Wie wirkt sich das Wahlsystem auf den Frauenanteil aus?

22

arbeit

milena

„Weibliche Wissenschafter“ Wissenschafterinnen der EU-Erweiterungsländer im Austausch

28

geburtstag

Bunte Paare FIBEL, Fraueninitiative Bikulturelle Paare, feiert zehnjähriges Jubiläum

32

lesben.motorrad

Die Spitze der Parade Die Dykes on Bikes sind wieder auf Österreichs Straßen unterwegs

34

interview

Soziale Kunst-Figur Tanja Ostojic´ über ihre provokanten Kunst-Aktionen

36

an.klang

We Are Disco Beats für laue Tanznächte – mit viel Glamour und Diskurs

38

lese.zeichen

Jubiläum? Ein Resümee über dreißig Jahre Frauenhausbewegung in Europa

39

ge.sehen

kultur

Alles hat ein Ende – auch die Gabi-Karin-Periode als Koordinierende Redakteurinnen der an.schläge. Und mit dieser Ausgabe ist es soweit: Renate Billeth und Martina Madner haben die koordinierenden Funktionen in der Redaktion übernommen und werden sich den Leserinnen in der nächsten Ausgabe auch via Foto vorstellen. Martina ist durch mehrere Beiträge in der letzten Ausgabe ja bekannt, Renate hat zum Einstand gleich das vierseitige Thema übernommen und schildert sehr persönlich ihre Erfahrungen mit lesbischem Kinderwunsch (ab Seite 16). Übrigens werden auch Gabi und Karin nicht von der Bildfläche verschwinden: Beide bleiben Bestandteil des an.schläge-Redaktionskollektivs. Die aktuelle Ausgabe steht einerseits anlässlich der vollbrachten EU-Erweiterung im Zeichen unserer Nachbarländer (z.B. slowenisch-österreichisches Netzwerk ab Seite 8, Roma in der EU ab Seite 14, Frauen in nationalen Parlamenten ab Seite 22, Milena Talks ab Seite 28). Gleichzeitig bringen wir dieses Mal etwas mehr aus lesbischwulem/ queerem Leben, schließlich steht neben dem Sommer auch die Regenbogen-Parade am 26. Juni vor der Tür. Drei Seiten der Juni-Ausgabe wurden von acht Schülerinnen gestaltet, die im Rahmen des Wiener Töchtertages am 29. April einen Workshop in der an.schläge-Redaktion absolvierten: „Einen Tag Journalistin sein“ wollten die jungen Frauen. Verena Fabris, amtierende Redakteurin, und Angela Heissenberger, Redakteurin a.D., haben sie dabei gerne begleitet. Gemeinsam verbrachten sie einen spannenden wie vergnüglichen Nachmittag und das Ergebnis kann sich sehen lassen (Seiten 10, 11, 20). Würde uns freuen, der einen oder anderen in einigen Jahren als Kollegin wieder zu begegnen! Alles Gute bis dahin wünscht Euch Eure an.schläge-Redaktion

Wer ist Lynndie England? Ansichten zur visuellen Darstellung folternder Frauen

42


an.an.schläge Betrifft:„Fremd Daheim“ in an.schläge 5/04

Anlaufstellen

an.schläge Herausgeberinnen und Verlegerinnen: CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik A-1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/920 16 76 Fax: 01/ 715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege.at, office@anschlaege.at, http://www.anschlaege.at

Redaktionskollektiv: Renate Billeth/reb (Gesamtkoordination), Martina Madner/mm (Gesamtkoordination), Karin Eckert/keck (Koordination anriss.international), Verena Fabris/vab (web, Koordination anriss.wissenschaft), Gabi Horak/GaH (Abos ), Petra Öllinger/PÖ, Helga Pankratz/ pan

Inserate, PR: Lea Susemichel, inserate@anschlaege.at Ständige Mitarbeiterinnen: Daniela Fohn/DF (Koordination anriss.kultur), Kerstin Kellermann/kek , Claudia Saller/cs, Eva Steinheimer/ESt (Koordination anriss.österreich)

Mitarbeiterinnen dieser Nummer: Flora Fohringer, Svenja Häfner, Joana Haiduck, Maggie Jansenberger, Nicole Jurjew,

Liebe Frauen von den an.schlägen, liebe Autorinnen! Wir haben in eurer letzten Ausgabe den Artikel „Fremd Daheim“ von Paula Bolyos und Martina Madner gelesen.Wir finden es toll, dass ihr einen Artikel über die Situation von gewaltbetroffenen Migrantinnen geschrieben habt. Kritisieren müssen wir aber, dass ihr bei den „Anlaufstellen“ die Frauenhäuser und Interventionsstellen aufgenommen habt; die vier Migrantinnenorganisationen (Orientexpress, Peregrina, Miteinander Lernen und Lefö) sind aber leider nicht genannt. Migrantinnenorganisationen sind oft die erste Anlaufstelle in solchen „Fällen“, und sie bieten kompetente Beratung und Betreuung – muttersprachlich, mit kulturellen Mediatorinnen, mit einem Schwerpunkt auch auf die Migrationserfahrung der betroffenen Frauen. Zwischen den genannten Migrantinnenorganisationen und den Anlaufstellen in eurem Artikel besteht natürlich eine gute Zusammenarbeit. Als eine dieser Migrantinnenorganisationen würden wir uns wünschen, diesen Aspekt bei künftigen Berichten über Migrantinnen zu berücksichtigen. Mit lieben Grüßen Lefö-Frauen

Sabine Klein/bik, Lena Kuglitsch, Viki Leeb, Zoraida Nieto, Kerstin Oberhauser, Renée Julia Parenti, Maria Rath, Susanne Roeck, Karel Young

an.sage: Eva Lichtenberger & Christa Prets neu.land: Jasmina Jankovic’ heim.spiel: Eva Steinheimer lesben.nest: Ursula Raberger ge.sehen: Charlotte Eckler an.klang: Sonja Eismann plus.minus: Helga Pankratz Cartoon: Borges Unsere Werbung: Magdalena Blaszczuk Cover: Gabriele Szekatsch Fotos: an.schläge-Archiv, Maja Bajevic, Magdalena Blaszczuk, Michaela Bruckmüller, DOKU Graz, Pez Hejduk, Gabi

Machen wir! Und so kann frau zu den angesprochenen Anlaufstellen Kontakt aufnehmen: Lefö: 01/581 18 81. http// www.lefoe.at; office@lefoe.at Miteinander Lernen: 01/493 16 08. http://www.miteinlernen.at; mitein.lernen@nextra.at Orientexpress: 01/728 97 25. orientexpress@chello.at Peregrina: 01/408 33 52. http://www.peregrina.at; beratung.peregrina@netway.at

Betrifft:„lese.zeichen“ in an.schläge 5/04

Horak, Borut Krajnc, Kunsthaus Wien, milena, Renée Julia Parenti, Schauspielhaus Salzburg/Elisabethbühne,

Geschlechtergerechte Sprache

Eva Steinheimer, Hans Jürgen Wege

an.schläge Schrift: Martha Stutteregger Grafisches Konzept: Beate Schachinger für Layout: Andrea Gadler Druck: Reha Druck, Graz © an.schläge: Titel, Vorspänne und Zwischentitel von der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion entsprechen. Kürzungen vorbehalten.

04 an.schlägejuni 2004

Guten Tag Frau Öllinger, guten Tag Frau Horak, freundlichen Dank für die Rezension meines Buches „Es war die Frau“. Das mit der geschlechtergerechten Sprache stimmt sicher. Vor 65 Jahren erlernt, ist die Umorientierung im Sprachzentrum ja erst vor wenigen Jahren erfolgt. Ich wollte übrigens nie „Feminist

spielen“. Auslöser für das Buch war ein Versuch, die Frauenfeindlichkeit der Männer zu ergründen. Deshalb enthalte ich mich (fast) der Klassifizierung, was für eine gutes Magazin Sie machen. Mit freundlichen Grüßen Gerhard Habarta

Betrifft:„Ansichten“ in an.schläge 5/04

Nur ein Stück Stoff? Ich bin entsetzt. Ich kann es nicht fassen, was Sie da schreiben. Sie sagen das Kopftuch ist nur ein Stück Stoff und mokieren sich über die Diskussionen. Ist das Ihr Ernst? Im vorletzten Absatz heißt es: „Das Problemfeld rund um das Kopftuch ist weder kulturell noch religiös, sondern politisch und hat einen soziologischen Hintergrund. [...] Es handelt sich dabei also nicht nur um eine banale Unterdrückungs- und Emanzipationsgeschichte der Frau.“ Natürlich ist die Kopftuchdebatte eine politische. Ebenso wie Unterdrückung von Frauen und Emanzipation politisch sind. Und noch etwas. Diese ganze Kopftuchgeschichte ist ja nur ein Teil. Was ist mit der Burka? Ist das auch kein Symbol von Männermacht und Frauenunterdrückung? Ist das auch nur ein Stück Stoff? Hat das nichts mit dem Islam zu tun? Ich habe gestern den Film „Osama“ gesehen. Obwohl ich wusste, was damals unter den Taliban geschehen ist, hat mir der Film so zugesetzt, dass ich erstarrt bin. Der Kloß im Hals steckt tief. Und ist es nicht sehr weit hergeholt, Fotos von Bäuerinnen mit Kopftuch und verschleierten Musliminnen nebeneinander zu stellen? Wollen Sie das allen Ernstes vergleichen? Oder geht es Ihnen nur um Provokation? Wenn Sie schreiben „aber zu glauben, das Nicht-Tragen des Kopftuchs sei schon die Emanzipation schlechthin, ist arrogant und gibt man oder frau nicht das Recht, über andere Menschen Urteile zu fällen“, dann ist das für mich nicht ganz logisch. Ist es nicht vordergründig eine Frage der Möglichkeit, darüber überhaupt entscheiden zu können? Ulrike Vransak

an.schläge werden gefördert von: FRAUEN BURO MAGISTRAT DER STADT WIEN


an.spruch

Gabi Horak

Falsch abgebogen Es war schon absurd, welche Schwerpunkte diverse Veranstaltungen von institutionalisierten Stellen, die eigentlich für Frauenförderung zuständig sind, zum heurigen internationalen Frauentag hatten. Da ging es um Männergesundheit, Männer als Väter oder Täter, Gendermainstreaming-Strategien, die leider des öfteren zur Männerförderung mutieren und immer mehr FrauenförderungsStrategien ersetzen. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Es ist prinzipiell nichts gegen die Förderung von Männergesundheit oder Täterarbeit zu sagen – das alles ist selbstverständlich notwendig. Aber nicht, wenn diese Maßnahmen anstelle von Frauenförderung gesetzt werden. Nicht, wenn die ohnehin mageren Ressourcen für Fraueninitiativen, Empowerment, Beratung und Förderung von Frauen zugunsten der Stärkung von Männern gekürzt werden. Genau das passiert immer wieder, immer öfter – Diskussionen über Männerprobleme zum 8. März sind nur die sichtbare Spitze eines Eisberges. Jüngstes Beispiel ist die von Justizminister Böhmdorfer initiierte, finanzierte und von der Rechtsanwaltskammer eingerichtete Gratis-Hotline für Opfer von Gewaltverbrechen. Etwa ein Dutzend Rechtsanwälte (und -anwältinnen?) werden gegen einen Stundenlohn von dreißig Euro Gewaltopfer juristisch beraten. Keine Frage: Eine notwendige Einrichtung. Aber rund um den scheinbar heroischen Einsatz von Minister Böhmdorfer für Gewaltopfer gibt es einiges zu beachten: Opfer von Gewaltverbrechen, die nicht sofort zur nächsten Polizeistelle gehen, um Anzeige zu erstatten, sondern sich zunächst an eine anonyme Hotline wenden, sind in den meisten Fällen Frauen, die von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. Für genau diese Zielgruppe gibt es jedoch bereits mehrere Angebote: die autonomen österreichischen Frauennotrufe sowie die Frauenhelpline gegen Männergewalt. Die Frauenhelpline ist seit fünf Jahren täglich und rund um die Uhr österreichweit erreichbar, bietet kostenlose und anonyme Beratung für Opfer häuslicher Gewalt. Am Telefon sitzen ausnahmslos Frauen – keine Juristinnen, sondern diplomierte Psychologinnen, die sofort zur akuten Stabilisierung der Frauen beitragen können, sowie Sozialarbeiterinnen, die auch juristisch geschult sind und vor allem jede Menge Erfahrungen genau im Bereich häuslicher Gewalt mitbringen.

„Wir wurden nicht informiert und haben zufällig von der neuen Hotline erfahren“, empört sich Maria Rösslhumer, Koordinatorin der Frauenhelpline, in einer Aussendung. Ihr Ärger ist verständlich: Die bestehenden Helplines ringen jedes Jahr wieder um Förderungen, um irgendwie über die Runden zu kommen – von langfristiger vertraglicher finanzieller Absicherung können sie nur träumen. Vom Justizministerium bekommt die Frauenhelpline keinen Cent, weil sie nur die spezielle Gruppe Frauen und Kinder berät, so die Begründung. Anstatt also bestehende und gut funktionierende Angebote zu fördern, werden lieber Gelder frei gemacht zum Aufbau neuer Infrastrukturen. Die neue Hotline für Gewaltopfer, deren NutzerInnen wohl auch in erster Linie Frauen sein werden, lässt sich Böhmdorfer jährlich etwa 500.000 Euro kosten. Währenddessen kämpft die Frauenhelpline seit Monaten darum, dass die KÜRZUNGEN der Förderungen vom Frauenministerium nicht so massiv sind wie ursprünglich angekündigt. Auf der einen Seite werden neue, wenig durchdachte Angebote finanziert und auf der anderen Seite werden stark genutzte Angebote gekürzt. Den Helplines wird ein neues Projekt vor die Nase gesetzt und den Expertinnen damit unverholen die Kompetenz abgesprochen. Es ist unmöglich, diese Vorgehensweise nicht als Teil einer Strategie zu identifizieren, zumal sie ins größere Bild passt: Frauenministerin Rauch-Kallat diskutiert am Frauentag über Männerprobleme und vertröstet seit einem Jahr bei Anfragen zu konkreten Anforderungskatalogen für Frauenprojektförderung auf unbestimmte Zeit. Seit langem geförderte Frauenprojekte werden auf Null gekürzt, um Ressourcen frei zu machen für „Neues“ wie etwa RauchKallats jüngste Erfindung, das Frauen-Business-MentoringProjekt, das mit viel Aufwand präsentiert wird, während seit Jahren bestehende Frauenberatungen – mühsame Errungenschaften der Frauenbewegung – zu Grunde gehen. Das einzige Frauenhaus in Innsbruck, das kurz vor dem Aus steht, ist nur ein Beispiel. Politischer Wille kann Berge versetzen – dafür gibt es unzählige Beispiele – aber auf den kurvigen Straßen zwischen Gendermainstreaming und Männerförderung ist die „Frauenpolitik“ hierzulande irgendwo falsch abgebogen. ❚ juni 2004an.schläge 05


Fo t o : p r i v a t

österreichan.riss

regenbogenparade

Motto gesucht!

2. feministische frauenlesben-wanderung

Spurensuche Zum zweiten Mal organisiert das FZ – FrauenLesbenMädchenZentrum von 17. bis 27. Juni eine feministische FrauenLesben-Wanderung auf den Spuren der PartisanInnen im Salzkammergut und in Südkärnten. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus werden häufig vergessen oder nur als Zuarbeiterinnen erwähnt. Wie essenziell ihr Anteil an der Informations- und Versorgungsarbeit war, soll auf dieser Wanderung sichtbar gemacht werden. Gewandert wird auf von den PartisanInnen benutzten Versorgungswegen oder auch Fluchtwegen in Wäldern und Bergen. In Südkärnten etwa gab es in den Wäldern ein Bunkersystem als Treffpunkt und Versteck. Frauen, die aufgrund der typischen Rollenzuschreibung länger für unverdächtig gehalten wurden, blieben an ihrem Wohnort, von wo aus sie die Versorgung und das Informationsnetz organisierten, aber auch die Flucht von KZ-Häftlingen und ZwangsarbeiterInnen planten. Die feministischen Wandersfrauen treffen außerdem Zeitzeuginnen oder deren Nachkommen und besuchen verschiedene Gedenkstätten, die BesucherInnen jederzeit offen stehen, wie das Widerstands-/Zeitgeschichtemuseum in Ebensee (Oberösterreich) oder das PartisanInnenmuseum am Persman-Hof (Kärnten). ESt Infos zur Wanderung: T. 01/492 12 72 (Lisa)

„Das ist dem Heiligen Vater gleich,

plus.minus

Am Samstag, den 26. Juni findet in Wien wieder die alljährliche Regenbogenparade statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr beim Stadtpark, um 15 Uhr geht´s dann los. An der Spitze fahren die „Dykes on Bykes“. Diesmal verläuft die Route in Richtung Urania, über den Kai zum Ringturm und dann den Ring entlang bis zur Babenbergerstraße und dem Musemsquartier, wo ab 18 Uhr die Schlussveranstaltung stattfindet. Die Veranstalterin HOSI-Wien hat heuer kein Motto festgelegt, sondern lässt auf Rainbow.Online die Community darüber abstimmen. Gut im Rennen liegen: „Gleiches Recht für gleich viel Liebe“ und „Liebe kennt keine Grenzen“, während „Rosa-lila statt Schwarz-blau“ weit abgeschlagen liegt. Auch die an.schläge werden wieder an der Parade teilnehmen, also: hinkommen und mittanzen! ESt Info: http://www.hosiwien.at/, Abstimmung: http://www.rainbow.or.at

abtreibung

Lucina in Konkurs Bei einer Podiumsdiskussion der Sozialistischen Linkspartei (SLP) im Wiener Cafe Tachles gab Therese Beham, Leiterin der Lucina Klinik, bekannt, dass die Klinik nun endgültig ihre Pforten schließt und am 2. Juni deren Inventar versteigert wird. „Es war ein täglicher Kampf um die Patientinnen“, resümiert Therese Beham. Die Frauen seien von AbtreibungsgegnerInnen der Organisation Human Life International (HLI), die vor den Klinikräumen „demonstrierten“, unter anderem als Mörderinnen und „Kindeszerstücklerinnen“ diffamiert und in manchen Fällen sogar mit Plastikembryos beworfen worden. Einige Patientinnen wurden auch in das „Lebenszentrum“ in der Postgasse gelockt, um sie dort von ihrem Vorhaben abzubringen. Vorgänge, die Claudia Sorger einstmals in

plus.minus Reaktionen und Anregungen an die Redaktion per Brief oder e-mail, mit dem Betreff:„plus.minus“

... dem lieben Gott gleich, ... dem

bauchfrei

pofrei

Nationalratspräsidenten gleich.“

Aktion Kritischer SchülerInnen

Vöslauer Balance

... antwortete ÖVP-Nationalratspräsident Andreas Khol auf eine „Standard“-Frage, ob er sich geärgert hätte, dass SPÖ-Klubobmann Cap beim Papst ohne Krawatte antrat. Khols Neuinterpretation der Heiligen Dreifaltigkeit macht vor allem Eines deutlich: Bescheidenheit ist nicht jedermanns Sache!

Freilich ist die Debatte um den „Kleidererlass“ an der Hauptschule Ohlsdorf (OÖ) aus feministischer Warte differenziert zu führen. Faktum ist aber, dass hier ein Männerblick auf weibliche Körper definitionsmächtig werden hätte sollen, und zwar dafür, was diesen „erlaubt“ und „verboten“ ist. Fakt ist auch, dass junge Frauen mit fast jeder Konfektionsgröße zur Zeit gern den Hosenbund tief und das Shirt kurz tragen, womit sie ihren Bauch eben nicht als „Tabu“- oder „Problemzone“ sehen, sondern als schön und okay. Deshalb ist der Einsatz der Aktion Kritischer SchülerInnen für „Bauchfreiheit“ durchaus feministisch okay . (+)

Der jüngste „Vöslauer Balance“-Spot gleicht einem Lehrfilm für die sexistische Vermarktung des weiblichen Körpers: Strümpfe-Anziehen in Großaufnahme, gefolgt vom an Verrenkungen reichen Anziehen eines hautengen Sommerkleides. Dann kommt die Flasche ins Bild, mit dem Design des Kleiderstoffes als Etikett/Bauchbinde und danach wieder die Frau, die ihr Kleid verliert und – nur in Strümpfen – ihre nackte Kehrseite präsentiert. Die unabsichtlich fallende Hülle, weil Cremes zu straffend, Rasuren zu glatt, Diäten und Abführmittel zu wirksam sind, war schon zu Tode kopiert, bevor Vöslauer auf den abgefahrenen Zug aufsprang. (-)

06 an.schlägejuni 2004


an.rissösterreich einem Artikel in der Volkstimme als „alltäglichen Terror“ beschrieben hatte, was ihr eine Klage wegen übler Nachrede von Dietmar Fischer, dem Leiter von HLI einbrachte. Die Klage wurde zwar im März 2004 – nach eineinhalb Jahren – endgültig zurückgewiesen, politische und rechtliche Maßnahmen zur Entschärfung der Situation blieben, so Sonja Grusch (SLP), aber nach wie vor aus. Eine Bannmeile rund um Abtreibungskliniken, wäre – sofern sie von Polizei, AnwohnerInnen und Klinikpersonal durchgesetzt würde – ein wirksamer Schutz vor Belästigung durch militante AbtreibungsgegnerInnen, käme allerdings zumindest für die Lucina Klinik zu spät. MM

an.ruf Martina Madner sprach mit Gabi Burgstaller

Feministisches Selbstverständnis

Die SLP plant weitere Aktionen. Infos unter T. 01/524 63 10

scheidungsrecht

Alleinige Obsorge erschwert In der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Welt der Frau“ sprach sich Franz Mauthner, Vorsitzender der österreichischen FamilienrichterInnen gegen die alleinige Obsorge für Kinder nach einer Scheidung aus. Eine Trennung der Eltern bedeute nicht das Ende der Vater- oder der Mutterschaft, denn: „Eltern bleibt man ein Leben lang“. Demnach hätten künftig auch gewalttätige Väter Anspruch auf eine gemeinsame Obsorge für ihre Kinder. Das Sorgerecht solle Vätern nicht als Strafe entzogen werden, so Mauthner, da auch gewalttätigen Vätern deutlich gemacht werden müsse, dass sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Damit werden aber nicht nur die Rechte jener Männer über das ihrer Kinder gestellt, sondern auch Frauen, die von Gewalt betroffen sind, gezwungen, sich in Fragen der Erziehung weiterhin mit einem gewalttätigen Ex-Mann auseinanderzusetzen. MM

In einem Standardinterview sagten Sie:„Ich bin eine Feministin und stehe auch dazu.“ Was meinten Sie damit? Der Begriff Feministin steht für mich für das neue Selbstverständnis der Frau und die Aufhebung der traditionellen Rolle der Frau. Frauen führen selbst Regie in ihrem Leben und werden nicht in eine Rolle gedrängt. Sie sollen als eigenständige, emanzipierte Personen gesehen werden. Dieses neue Selbstverständnis der Frau lebe auch ich. Was bedeutet Feminismus für Sie im politischen Alltag? Bei Entscheidungen die Wirkung für Frauen abzuschätzen, zu versuchen einen Interessensausgleich herbeizuführen, wachsam und parteiisch für Frauen zu sein. Zum Beispiel habe ich mich sehr stark für die Kandidatur von Erika Scharrer zur Nationalratswahl eingesetzt. Viele junge Frauen sind durch meine Unterstützung in die Politik eingestiegen. Ich kann zwar Strukturen nicht radikal verändern, aber versuchen, das Beste für Frauen zu erreichen.

Info: http://www.welt-der-frau.at/

Welche frauenpolitischen Themen planen Sie für die kommende Legislaturperiode in Salzburg?

gewaltschutzgesetz

Schwerpunkte werden die Gewaltbekämpfung, der Neubau eines Frauenhauses, die mittelfristige Absicherung der Frauenhäuser, die Bekämpfung der Frauenarmut und die konsequente Unterbringung von Frauen in Führungspositionen bilden.

Eine Bilanz Im Rahmen einer Enquete diskutierten am 12. Mai ExpertInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz unter dem Titel „Wer schlägt, muss gehen“ in Linz über sieben Jahre Gewaltschutzgesetz und die Interventionsstellen in Österreich. Das Gesetz bietet Polizei und Gendarmerie die Möglichkeit, GewalttäterInnen aus der gemeinsamen Wohnung wegzuweisen und zehn Tage lang am Betreten derselben zu hindern. Dies habe geholfen, die Gewaltspirale zu unterbrechen und Gewaltopfer zu unterstützen, bilanziert Birgit Haller, Verfasserin einer Begleitstudie zum Gesetz. „Die neuen gesetzlichen Regelungen sind ein taugliches Instrument für mehr Schutz vor häuslicher Gewalt und sie sind ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal“, so Haller. Auch die Leiterin der Interventionsstelle in Oberösterreich, Maria Schwarz-Schlöglmann, hatte Positives zu vermelden. Sie würdigte die erfolgreiche Kooperation mit der Exekutive. Handlungsbedarf bestehe im Aufbau einer Vernetzung der verschiedenen Einrichtungen, was schwierig sei, da die Mitarbeiterinnen an den Grenzen ihrer Kapazität angelangt seien. Denn obwohl die Anzahl der Wegweisungen in OÖ und damit der Betreuungsbedarf der Gewaltopfer in den letzten Jahren kontinuierlich anstieg, ist das Budget in diesem Jahr um fünf Prozent gekürzt worden. MM

Bei welchen frauenpolitischen Anliegen werden Sie einen parteiübergreifenden Konsens anstreben? Ich werde versuchen, für bessere Arbeitsbedingungen von Frauen in Projekten und für die Umsetzung des gesetzlich möglichen Schwangerschaftsabbruchs in öffentlichen Krankenhäusern einen Konsens herbeizuführen. Für eine moderne Frauenpolitik gibt es jedoch noch viele Gespräche zu führen und viel zu diskutieren. Mehr qualifizierte Frauen in der Politik sollte ebenfalls zum parteiübergreifenden Anliegen werden. Die finanzielle Unterstützung feministischer Projekte wurde vom Bund stark gekürzt. Wird das Land Salzburg ausgleichend eingreifen? Es gibt einen Regierungsbeschluss, der besagt, dass wir grundsätzlich keine Bundesaufgaben übernehmen. Das Land kann nicht ausgleichend eingreifen, da die Mittel gar nicht vorhanden sind. Ich werde mich jedoch als Landeshauptfrau beim Bund für bessere Förderungen einsetzen und versuche das Bestmögliche zu erreichen. Gabi Burgstaller ist Landeshauptfrau von Salzburg.

Info: http://www.interventionsstelle.org

juni 2004an.schläge 07


Fo t o s : D O K U G R A Z

netzwerkösterreichslowenien

Von Nachbarinnen zu Partnerinnen Was wissen wir über die frauenpolitische Situation in Slowenien? Der Aufbau eines Netzwerks zwischen österreichischen und slowenischen Frauenorganisationen soll Antworten geben. Eine Zusammenfassung von Maggie Jansenberger

08 an.schlägejuni 2004

über Best-Practice-Modelle ermöglicht. Gleichzeitig werden neue Wissensgrundlagen geschaffen über Aktivitäten, Praktiken und Herangehensweisen an frauen- und genderspezifische Themenstellungen mit dem Schwerpunkt Qualifizierung und Beschäftigungspolitik unter besonderer Berücksichtigung der Grundsätze des Gender Mainstreaming. Langfristig will SANwork die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei der Umsetzung von grenzüberschreitenden Projekten zur Förderung der Gleichstellung von Frauen in den Bereichen Qualifizierung und Arbeitsmarkt mit aufbauen. „Die Anfangsphase war geprägt von intensiven Recherchen zur arbeitsmarktpolitischen Situation in Slowenien und dem Aufbau von Kontakten mit slowe-

nischen Organisationen zur Erhebung des Ist-Zustandes und der gemeinsamen Interessen“, erklärt Projektleiterin Angela Resch-Reisinger. Nachdem die Partnerinnen in Slowenien gefunden waren, stellten sie ihre Aktivitäten und Arbeitsweisen in bilateralen Vernetzungstreffen vor und berichteten über aktuelle Problemstellungen. Unterstützung boten das Regionalmanagement Graz & Graz-Umgebung und Entwicklungsagenturen in Slowenien. Organisationen mit frauenspezifischen Tätigkeitsbereichen und mit Engagement in den Zielregionen Podravje, Koroska und Pomurje wurden eingeladen. „Parallel dazu konnten wir – neben intensiver Internetrecherche – auch auf bestehende steirische Netzwerke wie den Frauenrat zurück grei^

Im Herbst 2003 begann der Aufbau eines slowenisch-österreichischen Frauennetzwerkes, in welchem frauenspezifische Einrichtungen, Behörden und bereits bestehende Netzwerke auf beiden Seiten der Grenze miteinander verknüpft wurden. SANwork (Slovenian Austrian Neighbourhood Network) wurde vom Verein DOKU GRAZ und Daniela Jauk, bis März unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz, initiiert. Hier soll der Informationsaustausch zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der Erfahrungsaustausch über bestehende Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen vorangetrieben werden. Den Teilnehmerinnen wird der Austausch


slowenienösterreichnetzwerk ^

Karnicnik (EIM, Fonds zur Entwicklung und Entfaltung von Humanressourcen), für die Steiermark Herta KindermannWlasak (Frauenreferentin des AMS Steiermark) und Renate Frank (Gender Mainstreaming, ESF und Internationale Beziehungen). Das slowenische Modell der Promotorinnen präsentierte Vanja Hazl vom Förderungszentrum für Kleinbetriebe. Die Arbeiten in den Workshops Kennenlernen. Im November 2003 fand das „Ausbildung & Frauennetzwerk“ und erste gemeinsame SANwork-Treffen mit 31 „Frauen am Land“ wurden von slowenischen und steirischen Expertinnen geFrauen aus Slowenien und Österreich in Maribor statt. Dabei wurden Themen für meinsam geleitet. „Bei diesem Treffen entstand die mögliche slowenisch-österreichische ZuIdee zur Messe in Celje“, erinnert sich sammenarbeiten gesammelt, fokussiert und gemeinsam wie folgt gereiht: Ausbil- Angela Resch-Reisinger. Vom 8.-12. Sepdung, Frauennetzwerke, Frauen am Land, tember wird es unter dem Motto „creativity and entrepreneurship of women“ Unternehmerinnen, Frauenforschung, Prostitution, Gender Mainstreaming und wieder jede Menge Raum für slowenisch-österreichischen Austausch gespezielle Zielgruppen. Daraus ergaben sich die Arbeitsschwerpunkte und Work- ben. Geplante Inhalte sind beispielsweise die Präsentation österreichischer shopthemen für das nächste Treffen. Zu (Jung)unternehmerinnen, das EU-Projedem Thema sollten Expertinnen aus Slowenien und aus Österreich referieren. jekt „Ausbildung zur interkulturellen Grenzüberschreitende Projektideen wur- Kindergartenpädagogin“ sowie die Präsentation des steirischen Tagesmütterden geboren: von der Radio-Sendung bis modells. zur Organisation eines Familienservices. fen“, so Daniela Jauk, die in dieser Phase, noch Frauenbeauftragte der Stadt Graz und somit Koordinatorin des rund achtzig Organisationen starken Frauenrates war. Insgesamt fanden bisher drei Vernetzungstreffen im Rahmen von SANwork statt, an denen insgesamt 112 Frauen (etwa je zur Hälfte aus Österreich und Slowenien) teilnahmen.

Ist-Analyse. Im Jänner 2004 traf sich SANwork zum zweiten Mal in Maribor, um die gewählten Themen zu behandeln und die Arbeitsmarktsituation von Frauen in Slowenien und in der Steiermark zu vergleichen. Für Slowenien sprach Mateja

Kooperationen. Beim dritten und vorläufig (!) letzten Treffen am 16. März in Graz nahmen sechzig Frauen teil, wobei Konkretisierung und einzelne Maßnahmen zur Umsetzung der bislang entstandenen Projektideen im Zentrum standen.

Derzeit arbeitet DOKU GRAZ an einer Datenbank, die alle Informationen und Fakten über die Netzwerkpartnerinnen beinhaltet und unter www.womensweb.at abrufbar sein wird. „Erfolgsrezept von SANwork ist der offene Zugang zu den Nachbarinnen und die Bereitschaft des gegenseitigen Lernens. Es wurde immer versucht, auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen einzugehen und das SANworkangebot anzupassen. Ebenso wichtig waren die flexible Planung und die prozessorientierte Vorgehensweise“, resümiert Angela ReschReisinger. Mit nur drei Vernetzungstreffen ermöglichte SANwork Kooperationen, wichtige Kontakte und gemeinsame Zukunftspläne. „Eine Fortführung erscheint sinnvoll, um das Entstandene zu stärken und weitere Impulse zu geben. Dabei muss die Themenauswahl aktuell gehalten und weiterhin an die Interessen der Netzwerkteilnehmerinnen angepasst sein“, so Beatrix Grazer, Geschäftsführerin von DOKU GRAZ, „bei konkreten Themenstellungen empfiehlt sich eine breite Streuung an Interessentinnen und Partnerinnen. Die Fokussierung auf ein Thema, z.B. SANwork „Aus- und Weiterbildung“, ermöglichen ein konzertiertes und gezieltes Arbeiten“. Mit SANwork ist ein erster Schritt getan, jetzt müssen wir in der Kooperation weitergehen! ❚

DOKU GRAZ Verein Frauendokumentations-, Forschungs- und Bildungszentrum Graz, Hans-Sachs-Gasse 12/III, 8010 Graz http://www.doku.at angela.resch@doku.at T. 0316/82 06 28 - 11

SANwork – Ergebnisse & Zukunftspläne - DOKU-Datenbank: mit allen Informationen und Fakten über die Netzwerkpartnerinnen unter www.womensweb.at Vernetzung von Unternehmerinnen: - Gemeinsame Exkursion zu „Weiberwirtschaft“, Berlin - Know-How-Transfer zum Thema „Mädchen in technischen Berufen“ - Grenzüberschreitende Sensibilisierungskampagne - Zweisprachige Publikation/Broschüre/Homepage zum Thema „Sozial- und Einkommensunterschiede von Frauen in Österreich und Slowenien“, um Interessensgruppen zu unterstützen - Ein steirisch-slowenischer „8. März 2005“ Aus- und Weiterbildung: - LernpartnerInnenschaftsprojekt von DOKU GRAZ und ANIMAIJA - Einzelne Kooperationen zu „Technische Ausbildung für Frauen“ und „Ausbildung zu/für Unternehmerinnen“ Landwirtschaftliche Produkte & Frauen im ländlichen Bereich: - Exkursionsrunde in die Steiermark und nach Slowenien Kinderbetreuung/Familienservice: - „Kinderdrehscheibe“ als Infopool für gemeinsame Projekte, wie etwa grenzüberschreitender Kinderbetreuung

juni 2004an.schläge 09


Fo t o : Re n é e J u l i a Pa r e n t i

töchtertagwien

Jobs für coole Girls Der Wiener Töchtertag , der heuer zum dritten Mal abgehalten wurde, war wieder ein voller Erfolg. Von Renée Julia Parenti und Maria Rath

Seit 1993 findet in der USA der „Take your daughters to work day“ statt. Frauenstadträtin Renate Brauner führte den „Töchtertag“ vor zwei Jahren auch in Wien ein. „Wir wollen, dass Mädchen auch einmal andere Berufe kennen lernen“, meint Marie Spreitzer vom Organisationsbüro. Im letzten Jahr machten 17 Betriebe mit, dieses Jahr 55. Die Zahl der teilnehmenden Mädchen stieg von 500 auf 1.200. Unter den Betrieben finden sich große Unternehmen wie auch zum Beispiel Austrian Airlines, ÖBB, Tele-

Die aktiven Journalistinnen: Kerstin, Vikki und Nicole

10 an.schlägejuni 2004

kom Austria, Wiener Linien und die Wiener Rettung. Die Lehrerin Franziska Binder erfuhr vom Töchtertag durch den Direktor der Mittelschule Kinkplatz und leitete dies sofort an die Mädchen weiter. „Ich als Lehrerin halte den Töchtertag für eine sehr gute Initiative“, sagte sie. Brigitte Rath erfuhr es durch den „Standard“ und erzählte ihrer Tochter davon. Für Mädchen, die ihre Eltern nicht in die Arbeit begleiten können, gibt es verschiedene Workshops, zum Beispiel „Journalistin für einen Tag“, „Mach dir ein Bild von deinem Beruf“,

Renée und Maria beim Arbeiten

„Gestalte ein Online-Spiel“ und viele andere. Pia Strauß, Lehrerin der Hauptschule Brüsselgasse, erfuhr es aus der Bezirkszeitung. Ihre Schülerin Sandra Antonic, die am Elektrikworkshop teilnahm, wollte eigentlich Frisörin werden, doch als sie hörte, dass man da schlecht verdient, entschied sie sich anders. „Immer mehr Mädchen interessieren sich für technische Berufe“, sagt Silvia Meierhofer, die Leiterin des Elektrikworkshops. Marie Spreitzer erwartet sich für nächstes Jahr, dass mehr Mädchen und mehr Betriebe mitmachen. ❚

Joana, Lena und Flora: Die SpaghettiTrägerinnen


wientöchtertag

Sportlehrerin, Zahnärztin und Co Nur wenige Frauen haben den Beruf erlernt, den sie sich wünschten. Wir sind am 29. April, dem Wiener Töchtertag, auf die Straße gegangen, um Frauen zum Thema TRAUMBERUF zu interviewen. Eine Umfrage von Kerstin Oberhauser, Nicole Jurjew und Viki Leeb

Bettina H. ist gelernte Bankkauffrau, die gerne eine Ausbildung in Richtung Sportlehrerin gemacht hätte: „Zum entscheidenden Zeitpunkt wäre eine solche Ausbildung zu kompliziert gewesen.“

Nina A. ist in Österreich, um Deutschdolmetscherin zu werden: „Ich bin in Österreich, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern.“

Pensionistin Margarete M. (80) ist nach der Matura in die kaufmännische Branche gegangen. Diesen Beruf führte sie, ohne es zu bereuen, bis zu ihrer Pension aus.

Martina macht gerade die Ausbildung zu ihrem Traumberuf, Zahnärztin: „Als ich noch klein war, wollte ich Schaffnerin werden.“

Seminarmanagerin Tina arbeitet bei einem Verlag. Eigentlich wollte sie Journalistin werden: „Mein Job ist aber auch ganz lustig.“

Irene H. ist momentan in Karenz und hat ursprünglich in einer Bank gearbeitet: „Mein Traumberuf wäre es gewesen, in einer Steuerberatungskanzlei zu arbeiten.“

Birgit H. arbeitet in einer Unternehmensberatung und ist darüber sehr glücklich. „Als ich noch jung war, wollte ich etwas mit Theater machen.“

Krankenschwester Ivone B. ist ganz glücklich über ihren Beruf: „Vorher hatte ich mit Kindern zu tun, das wollte ich, als ich klein war. Allerdings wäre ich noch offen für anderes.“

juni 2004an.schläge 11


internationalan.riss bei der Thronfolge zu einer Gleichstellung von Frauen und Männern kommen. Eine entsprechende Verfassungsänderung sei in Planung. Allerdings gibt es auch noch Defizite in manchen Bereichen: Die Diskriminierung von Frauen bei den Löhnen ist stärker als in anderen EUStaaten. 28 Prozent der Spanierinnen werden trotz gleicher Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Ein Dauerproblem ist die Gewalt gegen Frauen. 2003 wurden über achtzig Spanierinnen von ihren Partnern ermordet. Kurz nach Amtsantritt hat die Zapatero-Regierung ein Sofortprogramm zum Schutz von Frauen vor gewalttätigen Ehemännern verabschiedet. 570 PolizistInnen werden dazu abkommandiert, akut gefährdete Frauen zu beschützen, teilte Sozialminister Jesus Caldera mit. Künftig droht Männern, die sich über richterliche Auflagen, z.B. sich ihren Frauen bis auf eine bestimmte Distanz nicht zu nähern, hinwegsetzen, Untersuchungshaft. Außerdem kann Gewalttätern in bestimmten Fällen das Recht abgesprochen werden, ihre Kinder zu sehen. Der Kampf gegen Gewalt in der Ehe habe für die sozialistische Regierung Priorität, versprach der spanische Sozialminister. Madrid plane dazu ein umfassendes Paket von Gesetzen. Das Sofort-programm soll lediglich als Überbrückung dienen. keck

usa

Vorreiterrolle

spanien

Rosige Zukunft Da staunte mensch nicht schlecht, als der neue Regierungschef Spaniens, der Sozialist José Luis Rodríguez Zapatero, den Ankündigungen im Wahlkampf auch nach seinem Sieg treu blieb. Er hatte versprochen, dass seiner Regierung ebenso viele Frauen angehören würden wie Männer. Überraschend wurde der konservative José María Aznar, der nach den Anschlägen in Madrid an Vertrauen verloren hatte, von Zapatero geschlagen. Dieser hielt sein Wort: Die neue spanische Regierung besteht aus jeweils acht Ministern und Ministerinnen. Spanien schließt damit zu Schweden auf, das beim Frauenanteil in der Regierung weltweit zu den führenden Staaten gehört und übertrifft sogar Länder wie Dänemark oder Norwegen. Mit der Juristin María Teresa Fernández de la Vega wird erstmals eine Frau Vizepremier. Noch vor dreißig Jahren, während der Franco-Diktatur (1939- 1975), waren die Spanierinnen praktisch entrechtet und in fast allen Bereichen der Gesellschaft dem Mann unterworfen. Erst 1981 wurde die Möglichkeit der Ehescheidung eingeführt, die Politik war allerdings auch damals noch reine Männerdomäne. Die Spanierinnen mussten bis 1988 warten, bevor erstmals Frauen dauerhaft ins Kabinett berufen wurden. Die Zukunft sieht hingegen nicht schlecht aus: Von 350 Sitzen im Kongress sind ab nun 126, also 36 Prozent, von Frauen besetzt. Die SozialistInnen haben (unter klerikalem Protest) versprochen, das Abtreibungsgesetz zu liberalisieren. Bisher sind Abtreibungen nur für Frauen zulässig, für die die Schwangerschaft als physische oder psychologische Gefahr erachtet wird; Zapatero möchte sie für jede Frau im ersten Drittel der Schwangerschaft legalisieren. Weiters kündigte der frischgebackene Regierungschef an, es werde 12 an.schlägejuni 2004

Als erster US-Bundesstaat und gegen heftige Widerstände des konservativen Lagers legalisierte Massachusetts Mitte Mai die gleichgeschlechtliche Ehe, nachdem der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates das Verbot von Homo-Ehen im vergangenen November als Verstoß gegen Antidiskriminierungsgesetze beurteilt hatte. Das löste landesweit eine heftige Debatte aus. Die Verfassungsänderung in Massachusetts kann aber frühestens in zwei Jahren wirksam werden, bis dahin kann noch viel passieren und es wird sich erst zeigen, ob die Verbindungen Bestand haben werden. So wurden die Homo-Ehen unter anderem in San Francisco und in New Paltz im Bundesstaat New York gerichtlich gestoppt. Und auch im Bundesstaat Oregon wurden nach einem Vorstoß ähnliche Erfahrungen gemacht. Derzeit beschäftigen sich nicht nur zahlreiche Gerichte in den USA mit den umstrittenen Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. Sie sind auch Thema im Präsidenten-Wahlkampf. So drängt George W. Bush weiter auf eine Verfassungsänderung, um die Eheschließung homosexueller Paare künftig zu verhindern. „Die heilige Institution Ehe darf nicht durch einige militante Richter neu definiert werden“, reagierte Bush auf die Legalisierung in Massachusetts. Er habe den Kongress gebeten, über eine „dringende“ Verfassungsänderung abzustimmen, erklärte Bush. Die Ehe solle als Bund zwischen Mann und Frau definiert und besonders geschützt werden. Amen. keck

serbien montenegro

Absage In Reaktion auf die neuerlichen Unruhen im Kosovo Mitte März zogen etwa 200 RandaliererInnen auch durch Belgrad. Sie demolierten Autos und setzten sie in Brand, beschädigten Schaufenster und lieferten sich tätliche Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sogar die 500 Jahre alte Bajrakli-Moschee, die einzige in Belgrad, wurde nicht verschont. Die Moschee und ein Nebengebäude wurden schwer beschädigt. Fast 10.000 Bücher fielen den Flammen zum Opfer. Daraufhin und als Antwort auf


an.rissinternational das zur Zeit herrschende gesellschaftliche Klima, in dem Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen teils massiven Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind, haben sich die OrganisatorInnen der „Belgrade-Pride 2004“ zur Absage entschlossen. Zu groß wäre das Risiko, die Regenbogen-Parade tatsächlich abzuhalten. Vielleicht nächstes Jahr? keck Infos unter http://www.lgbt.at

indien

Beinahe Ministerpräsidentin Einen überraschenden Wahlsieg konnte die oppositionelle Kongresspartei unter Sonia Gandhi gegen die hindu-nationalistische BJP bei den drei Wochen lang andauernden Parlamentswahlen in Indien einfahren. Während das indische BürgerInnentum vor allem für die BJP unter

wyber.space

www.lauterlinke

Atal Behari Vajpayee stimmte, konnte die Kongresspartei in den ärmeren Bevölkerungsschichten punkten. Denn vom Wirtschaftsboom der letzten Jahre profitierte nur eine kleine Bevölkerungsgruppe, während der Großteil der Menschen in Indien neben IT-Hochburgen immer mehr verarmte. Die Kluft zwischen Arm und Reich war in Indien noch nie so tief wie heute. Nun verpasste die Bevölkerung der Vajpayee und seiner BJP einen gehörigen Denkzettel. Wahlsiegerin Sonia Gandhi wird allerdings nicht neue Ministerpräsidentin Indiens. Sie selbst gab nach Gesprächen mit Präsident A.P.J. Abdul Kalam am Dienstag, den 18.5., den Verzicht auf das Amt bekannt: „Der Posten des Premierministers war nicht mein Ziel. Ich folge meiner inneren Stimme“, begründete Gandhi ihren Rückzug. Der wirkliche Grund dürfte aber in der Herkunft der Politikerin liegen: Es wurde kolportiert, dass die gebürtige Italienerin dem massiven Widerstand der hindu-nationalistischen Partei BJP, der sich nach den Wahlen bereits formierte, zuvor kommen wollte, möglicherweise auch unter Druck gesetzt und bedroht wurde, und deshalb um ihr Leben fürchtete. Der ehemalige Berater des scheidenden Ministerpräsidenten Vajpayee hatte bereits eine „Bewegung für nationale Selbstachtung“ gegründet. Außerdem hatten einige ParlamentarierInnen angekündigt, ihr Mandat niederzulegen, sollte Gandhi Regierungschefin werden. Folge des Rückzugs waren wütende Proteste der AnhängerInnen der Politikerin, die am Mittwoch, den 19. Mai, die Parteizentrale stürmten sowie der Rücktritt von mehreren Mitgliedern der Kongresspartei. Sonia Gandhi bekräftigte tags darauf allerdings ihre Entscheidung. Obwohl die 57-jährige zwar auch weiterhin eine führende Rolle in der Kongresspartei spielen möchte, unterstützte sie den früheren Finanzminister Manmohan Singh. Dieser war zwar vorerst auch unter jenen, die ihre Ämter zurückgelegt hatten, nun aber steht er für das Amt als Premier zur Verfügung und soll am Samstag, den 22. Mai, vor dem Parlament vereidigt werden. Mit dem 71-jährigen Singh, der eine Fortsetzung einer investitionsfreundlichen Politik, eine weitere Entspannung mit dem Nachbarland Pakistan sowie harmonische Beziehungen zwischen Hindus, Moslems und den anderen Religionsgemeinschaften in Indien plant, wird erstmals ein Vertreter einer Minderheit – jener der Sikh – das Amt des Premiers innehaben. Allerdings steht nun auch fest, dass die größte Demokratie der Welt künftig nicht (wieder) von einer Frau vertreten wird. keck

Es scheint wie verhext zu sein: Die ÖVP verliert eine Wahl nach der anderen, unsensible Frauen wollen unsere Volkspartei offensichtlich nicht recht(s) verstehen, und auf dem Datenhighway herrscht auch wieder verstärkt Linksverkehr! Am Anfang war Benita, und schon folgte linke-emanzen.at, eine spontan gegründete Plattform der SPÖFrauen für eben jene bösen (Wahl-)Spielverderberinnen, die unsere Frau Fastbundespräsidentin und Nochimmeraußenministerin so maßlos enttäuscht haben. Doch damit nicht genug: auch Österreichs KommunistInnen zeigen sich mit ihrer aktuellen Europawahlplattform linke.cc nicht nur klassen- sondern auch ganz schön modebewusst. Dass der neue Linkstrend selbst vor der heimischen Jugend nicht mehr haltmacht, beweisen junge-linke.at, denen es allerdings leider noch an Inhalten fehlt. Egal, der hype ist jedenfalls nicht mehr zu stoppen, und selbst unsere nördlichen Nachbarinnen fahren diesen Sommer mit www.emanze.de ausschließlich links. Benita sei Dank! Abschließend der aktuelle an.schläge Tipp für die diesjährige Sommerkollektion: auf www.wien.gruene.at ein knallrosa „Linke Emanze“ Shirt bestellen, anziehen, rausgehen und Farbe bekennen! reb

juni 2004an.schläge 13


Fo t o : A r c h i v

romaeuropa

Aus dem Verborgenen Seit der EU-Erweiterung zählen die Roma mit geschätzten acht Millionen Angehörigen zur größten Minderheit in der EU. Eine Bestandsaufnahme von Gabi Horak „Roma“ wird heute als zusammenfassende Bezeichnung verwendet für Angehörige verschiedenster Gruppen, die etwa ab dem achten Jahrhundert begannen ihre Heimat Indien zu verlassen. In Europa wurde ihnen zunächst mit einigem Respekt begegnet: Roma präsentierten sich als friedfertige Leute und brachten beispielsweise neue Technologien der Eisen- und Metallverarbeitung mit. Bald ging die Mehrheitsbevölkerung jedoch dazu über, die „Fremden“ im besten Falle links liegen zu lassen. Vorurteile, aber auch die Exotisierung der Roma als fahrende, immer glückliche MusikantInnen haben die Konstruktion einer der größten Minderheiten in Europa begünstigt. Die abwertenden 14 an.schlägejuni 2004

Bezeichnungen als „ZigeunerInnen“ (im deutschsprachigen Raum) oder „Gypsies“ (im englischsprachigen Raum) taten ihr Übriges. Österreich. In Österreich leben heute schätzungsweise 20.000 Roma. Ceija Stojkas 1988 erschienene Autobiografie „Wir leben im Verborgenen“, die erstmals die Erlebnisse einer Romni, die das KZ überlebt hat, in die breite Öffentlichkeit trug, trat eine Lawine los, die den Roma in Österreich endlich mehr Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein brachte. Bekannten sich bei der Volkszählung 1991 österreichweit nur 145 Menschen zur Umgangssprache Romanes, waren es zehn Jahre später bereits über 6.000. Den Anstrengungen der zahlreichen Ro-

ma-Vereine ist es auch zu verdanken, dass Österreich das einzige Land in der EU ist, das 1993 Roma offiziell als Volksgruppe anerkannt hat. Die gesellschaftliche Anerkennung als gleichberechtigte BürgerInnen ist hingegen noch lange nicht erreicht. Immer noch ist die Lebenssituation der Roma von Armut, Arbeitslosigkeit, schlechter Gesundheitsversorgung und beschränktem Bildungszugang geprägt. Diese ethnische Segregation ist leider sehr europäisch, wie ein exemplarischer Blick auf andere EU-Staaten zeigt. Tschechien. Schätzungsweise eine Viertelmillion Roma leben in der Tschechischen Republik. Die Aufbruchstimmung nach 1989, als die Roma ihre Kul-


europaroma tur auslebten und ihnen der Status der nationalen Minderheit zuerkannt wurde, wurde von der Realität eingeholt. Nach den Parlamentswahlen 1992 war nur noch ein Roma-Abgeordneter im Parlament vertreten, wenige Jahre zuvor waren es noch elf gewesen. Schlechte Lebensbedingungen wirken sich nicht zuletzt auf die Lebenserwartung aus, die für Roma-Frauen bei 59,5 Jahren liegt (75,4 Jahre für tschechische Frauen). Der Stärkung und Förderung von Roma-Frauen widmet sich die 2001 gegründete „Womens Roma Group Manushe“ mit 120 Mitgliedern und drei regionalen Zentren in Prag, Chomutov und Brno. Im Zentrum der Bemühungen stehen die Bildung der Frauen sowie Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen. „Wir wünschen uns gut ausgebildete, selbstbewusste, unabhängige und emanzipierte Roma-Frauen“, erläutert Lidija das Hauptziel der Mitarbeiterinnen von Manushe. Im Zuge der Teilung der Tschechoslowakei 1993 versuchten Slowakei und Tschechien, sich die Minderheiten gegenseitig zuzuschieben, indem sie die Staatsangehörigkeit der Roma nicht anerkannten, und ihnen damit staatliche Sozialleistungen aberkannten. Dass diese Angst vor zuviel Roma-Präsenz keineswegs abgebaut ist, zeigen die Reaktionen auf die jüngsten Roma-Proteste in der Slowakei. „Droht eine Migrationswelle der Ärmsten des Nachbarlandes?“ fragten tschechische Medien im Februar 2004. Schon im Dezember 2003 trafen sich die Regierungschefs der beiden Länder zu einer Krisensitzung, bei der sie sich diplomatisch gaben: der Abgang der Roma aus der Slowakei nach Tschechien sei zwar ein Problem, „aber kein außergewöhnlich ernstes“. Eine Sonderkommission wurde eingerichtet, die sich auf „Prävention“ konzentrieren soll. Slowakei. Die „Roma-Aufstände“ in der Slowakei vor einigen Wochen brachten die großteils prekären Lebensbedingungen der Roma in der EU einen Moment lang in den Blick der Medien. In der Ostslowakei in der Nähe von Kosice befindet sich das mit 5.000 EinwohnerInnen größte Roma-Ghetto, das zu den zehn ärmsten Gebieten Europas zählt. Die Arbeitslosigkeit in der Roma-Bevöl-

kerung liegt zwischen siebzig und hundert Prozent. Geschätzte neun Prozent der slowakischen Gesamtbevölkerung sind Roma. Als am 1. März dieses Jahres neue Sozialgesetze in Kraft traten, die unter anderem eine Halbierung der Sozialhilfe festlegten, machten die Roma ihrem aufgestauten Ärger Luft: Sie plünderten Supermärkte und gingen auf die Straße. „Die Sozialreformen sind hart für jene Menschen, die nur passiv auf Sozialhilfen warten und sich nicht zur Arbeit motivieren lassen“, reagierte der slowakische Sozialminister auf den Frust der Ärmsten. „Für die Roma, die aufgrund ihres schlechten Rufes und der gängigen Vorurteile nicht einmal dann eingestellt werden, wenn Arbeitskräfte gesucht werden, dürfte diese Aussage wie Hohn klingen“, kommentierte die deutsche Tagesschau das Statement. Schon im Oktober letzten Jahres mischte sich der Europarat in die slowakische Minderheitenpolitik ein und verlangte Entschädigungen für jene rund 140 Roma-Frauen, die in den 1990er Jahren zwangssterilisiert wurden. Der slowakische Gesundheitsminister erklärte noch im Herbst 2000, dass diese Maßnahmen notwendig gewesen wäre, denn „die hohen Geburtenraten der Roma-Frauen könnten die Qualität der Bevölkerung der Slowakei verschlechtern“. Auch in der Slowakei gibt es zahlreiche Frauen-Organisationen, wie den „Romani Women´s Club in Slovakia“, wo Programme zu Bildung, Gesundheitsvorsorge und Kultur realisiert werden. Die „Lucia for Roma Women“ arbeitet seit 1999 im Raum Kosice. Ein Hauptziel ist die Pflege und Stärkung der kulturellen Identität der Roma-Frauen, denn „kulturelle Ereignisse bauen Brücken des Verständnisses, der Toleranz und des Vertrauens“, sind die Frauen von Lucia überzeugt. Großbritannien. Der Zuspruch zur Ost-Erweiterung der EU war in Großbritannien am niedrigsten und dementsprechend massiv sind auch die Vorbehalte und Vorurteile. Im Jänner startete die britische Presse eine Hetzkampagne gegen Roma: Schlagzeilen wie „Die Zigeuner kommen“ oder „Die große Invasion“ waren etwa im Daily Express zu lesen – illustriert mit einer Europakarte, auf der dicke rote Pfeile von den osteuropäischen

EU-Ländern Richtung Insel zeigten. „Knapp vier Monate vor dem Stichtag, dem 1. Mai 2004, wird in Großbritannien schon die Wäsche hereingeholt und die Kinder werden in Sicherheit gebracht“, schrieb Karin Waringo für die RomNews Network Community. Handlungsbedarf. Mit dem „International Roma Women´s Network“ (IRWN) hat sich im November 2002 ein unabhängiges Netzwerk gegründet, das die Anliegen und Interessen von Roma-Frauen in Europa bündeln will. Immer wieder bringen die Aktivistinnen ihre große Sorge über den schlechten Gesundheitszustand der Frauen zum Ausdruck. Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich zehn bis siebzehn Jahre unter jener der Gesamtbevölkerungen. Kranke Frauen und Kinder werden häufig aus öffentlichen Krankenhäusern verwiesen, und die Armut zwingt eine steigende Anzahl von Roma-Frauen in die Prostitution. Roma-Frauen sind häufig Opfer häuslicher und sexueller Gewalt und es fehlt ihnen an grundsätzlichen Informationen über reproduktive Gesundheit. Im Februar 2004 legte der Ausschuss für die Rechte der Frau und Chancengleichheit im Europäischen Parlament einen Initiativbericht über die Situation von Frauen, die Minderheiten in der EU angehören, vor. Darin forderten die Abgeordneten unter anderem „die Anhörung der Roma-Frauen bei der Ausarbeitung aller Programme und Projekte, die sie betreffen könnten“. Es wird auf fehlende Daten hingewiesen, was das „Verständnis des Ausmaßes der Diskriminierung … insbesondere der RomaFrauen“ erschwere. Im Laufe der Beitrittsvorbereitungen der EU-Kommission mit den zehn künftigen Mitgliedsstaaten, wurde immer wieder auf mangelhafte Minderheitenpolitik hingewiesen. Nach einem der letzten Treffen im März 2004 sahen die EU-Abgeordneten „erheblichen Handlungsbedarf hinsichtlich der Integration von Minderheiten und dabei insbesondere der Roma“. Tatsächlich kämen Roma auf der Liste der Herausforderungen, denen der Kontinent gegenübersteht, kaum vor, meint die österreichische EU-Abgeordnete Christa Prets. Und wenn, dann als Problem.„Und genau das ist das Problem.“ ❚

Buchtipp: Ceija Stojka:Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer RomZigeunerin. Hg. von Karin Berger, Picus 2003 (4. Auflage)

Kulturverein österreichischer Roma: http://www.kv-roma.at

Roma Women´s Group Manushe in Prag, e-mail: manushe@centrum.cz

Romani Women´s Club in Slovakia, e-mail: romskezeny@post.sk

Lucia for Roma Women, T. 00421/55 646 13 71

RomNews Network Community: http://www.RomNews.com

European Roma Information Office: http://www.erionet.org

International Roma Women´s Network: http://www.romawomen.org

juni 2004an.schläge 15


A l l e Fo t o s : A r c h i v

themakinderwunsch

Lila Störche Lesbischer Kinderwunsch ist in Österreich (noch) kaum Thema. Ob sich daran bald etwas ändert und auch hierzulande Regenbogenfamilien im Aufwind sind, fragte sich Renate Billeth

Homosexuelle Initative Wien: http://www.hosiwien.at

Wiener Antidiskriminierungsstelle: http://www.wien.gv.at/queerwien Broschüre „Dein Recht im Alltag“ kostenlos unter wast@gif.magwien.gv.at

16 an.schlägejuni 2004

„Wenn das mit dem Kind in Wien nicht klappt, bleibe ich in Berlin.“ Mit dieser klaren Ansage reagierte meine Freundin auf die Nachricht, dass ich als Redakteurin bei den an.schlägen anfangen könnte. Ja, wir hatten uns für ein Leben mit einem gemeinsamen Kind entschieden, in Berlin alle notwendigen Informationen ausgeforscht und standen kurz davor, unseren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Und plötzlich war wieder alles anders. Die Verlockung eines feministischen Jobs in Wien war zu groß, um nicht zurück zu kommen. Meine Freundin, in Berlin von der Arbeitslosigkeit bedroht, hätte in Wien ebenfalls bessere Job-Aussichten. Und wir wollten weiterhin zusammenleben, soviel war klar. Blieb also nur noch die Sache mit dem Kind. Also packte ich meine Koffer und begab mich auf eine vom Kinderwunsch getriebene Recherchereise. Bei meiner Ankunft in Wien stellte ich fest, dass das für seine provokante Werbelinie bekannte Schuhhaus Humanic gerade mit einem Spot warb, der ein Frauenpaar bei der Auswahl eines geeigneten Samenspenders via Internet zeigte. Die heimische lesbischwule Bewe-

gung reagierte prompt und nützte die Kampagne, um auf die rigide Benachteiligung lesbischwuler Lebensentwürfe in Bezug auf Kinderwunsch erneut aufmerksam zu machen. So kritisierte die Homosexuelle Initiative Wien (HOSI) in einer Stellungnahme zur Fortpflanzungsmedizingesetz-Novelle 2004, dass diese weiterhin ausschließlich auf in heterosexuellen Lebensformen lebende Paare abzielt und lesbischen (ebenso wie allen nicht in einer eheähnlichen PartnerInnenschaft lebenden) Frauen jede Form der alternativen Befruchtung verwehrt.

durch Selbstinsemination (mit dem frischen Samen eines befreundeten/bekannten Spenders oder mit einer über das Ausland bestellten Samenspende) tatsächlich gesetzwidrig ist. Eine diesbezügliche Anfrage beantwortete Michael Stormann, Leitender Staatsanwalt im Bundesministerium für Justiz, eher kryptisch. Demnach sei die Anwendung des FmedG auf lesbischen Kinderwunsch nicht zulässig und mit verschiedenen Rechtsfolgen belegt. Detaillierte Antworten auf detaillierte Fragen blieben aus, „da Anleitungen zur Umgehung österreichischer Rechtsvorschriften nicht vom Penetrante Wirklichkeit. Tatsächlich schließt Informationsauftrag österreichischer das österreichische Fortpflanzungsmedi- Bundesministerien umfasst sind“. Delphi zingesetz (FmedG) den genannten Perso- lässt grüßen, und eine Umgehung nenkreis von der „Herbeiführung einer scheint denkbar. Ich suchte weiter, wollte wissen, ob Schwangerschaft auf andere Weise als durch Geschlechtsverkehr“ aus. Mit an- es hierzulande Frauen gibt, die sich bei deren Worten:Will frau schwanger wer- der Verwirklichung ihres Kinderwunsches vom FmedG nicht beeindrucken den, muss sie sich IHM hingeben – so ließen. Ich fand Karin, Mutter eines achtwill es die Natur (des Gesetzes). Doch jährigen Sohnes und Gottseibeiuns aller während die Insemination, also die künstliche Befruchtung, einer lesbischen rechtschaffenen TraditionalistInnen dieses Landes. Als alleinstehende Lesbe wagFrau durch GynäkologInnen eindeutig verboten ist, scheint sich der Gesetzge- te sie bereits vor knapp einem Jahrzehnt ber selbst unsicher zu sein, inwiefern die den Tabubruch. Sie wurde schwanger, ohne PartnerIn, ganz ohne Penetration. Herbeiführung einer Schwangerschaft


kinderwunschthema

Ein langjähriger Freund verstand ihren Lebensentwurf und seine Rolle darin. Er spendete Samen, sie inseminierte. Karin wurde Mutter und der Freund auch irgendwie Vater. Denn die Vorstellung, dass ihr Sohn vielleicht mal in der Pubertät nach seinen biologischen Wurzeln forschen würde, entpuppte sich rasch als unrealistisch. Viel früher kamen die Fragen nach seinem Vater, zu stark war (und ist) die Prägung durch eine heterosexualisierte Gesellschaft. Und so baut sich abseits der – mittlerweile durch eine Partnerin mit Kind bereicherten – Regenbogenfamilie auch eine Kind-Vater-Beziehung auf, die für beide Teile bedeutsam ist. Interessenskonflikte zwischen Karin und dem biologischen Vater ihres Kindes sind bislang ausgeblieben. Denn bereits vor der alternativen Befruchtung war klar, dass das alleinige Erziehungsrecht bei der Mutter sein sollte, eine Abmachung, an die sich der Vater stets gehalten hat. Gespräche mit Freundinnen führten mich zu Martina. Sie – Mitte Dreißig – und ihre Partnerin denken seit einiger Zeit über eigene Kinder nach. Karins Weg würden sie jedoch nicht gehen wollen. Zu groß ist die Angst vor den möglichen Konsequenzen biologischer Verflechtungen mit einem bekannten Mann.„Wenn mir etwas zustoßen sollte, möchte ich nicht, dass meine Freundin in unserer sehr auf biologische Herkunft orientierten Gesellschaft die Nummer zwei ist“, befürchtet Martina. Konkrete Schritte haben die beiden noch nicht unternommen, denn erst wollen sie sich beruflich weiterentwickeln,„aber in zwei Jahren ist das sicherlich ein Thema“. Informiert ha-

ben sie sich schon jetzt. Dabei erwies sich vor allem das Internet als wertvolle Quelle: Die richtigen Suchbegriffe bei Google eingegeben und schon landet frau auf den Sites ausländischer Institute, die auch lesbische Kinderwünsche erfüllen. Martina fand Gefallen an einer dänischen Samenbank, die ihre Informationen auch auf englisch und deutsch anbietet und für Frauen außerhalb Kopenhagens auch gleich Links zu ein paar netten Gay-Pensionen parat hält. Offensichtlich ist sich das Institut seiner Marktchancen bei Interessentinnen aus gleichstellungspolitischen „Entwicklungsländern“ wie Österreich durchaus bewusst. Mit der Insemination bei einer ausländischen Samenbank (vor allem dänische, holländische und US-amerikanische Institute sind lesbischen oder partnerlosen Frauen gegenüber sehr aufgeschlossen) ist frau jedenfalls rechtlich auf der sicheren Seite. So weist die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (WASt) in ihren Publikationen darauf hin, dass es nicht strafbar ist, sich in einem anderen Land künstlich befruchten zu lassen. Allerdings rät die WASt, in diesem Fall in Österreich den Vater als unbekannt anzugeben.

müssen 2.000 bis 4.000 Euro einkalkuliert werden. Doch auch wenn finanziell vorgesorgt ist, bleibt der Frau mit Kinderwunsch (und in vielen Fällen auch ihrer Partnerin) eine weitere Sorge nicht erspart. Sich monatlich termingerecht zum Eisprung ein paar Tage freizunehmen, das tatsächliche Urlaubsziel womöglich vor den KollegInnen geheimhalten zu müssen, stellt in vielen Fällen sicherlich eine beinahe unüberwindbare Hürde auf dem Sprung zum Wunschkind dar. Vermutlich gibt es nur wenige ArbeitgeberInnen, die auf dieses ungewöhnliche Begehren Rücksicht nehmen.Will frau im eigenen Land schwanger werden, bleibt ihr immer noch die Selbstinsemination, wobei sie – ebenso wie der private Spender – eine hohe Verwaltungsstrafe riskiert (Nähere Details wollte das Justizministerium wie gesagt nicht offenbaren!). Martina war erstaunt, wie professionell Selbstinsemination im Internet beschrieben wird. Zuvor hatte sie nicht gewusst, wie einfach das eigentlich geht. Karin wusste es, und sie erinnert sich noch gut, wie überrascht viele Freundinnen über ihre Schwangerschaft waren: „Manche konnten es erst gar nicht glauben, dass so etwas ohne Sex überhaupt möglich ist.“ Glauben manche Lesben noch an Zeit und Geld. Auch wenn die Erfolgschan- den lila Storch? Auch die HOSI weiß um die weitverbreiteten Wissensdefizite und cen einer professionellen Insemination überlegt, in Hinkunft Informationsveranmit 15-25% recht hoch liegen, sollte frau sich auf eine längere Wartezeit einstellen staltungen zum Thema „Alternative Befruchtung“ anzubieten, sollte der Gesetzund vor allem rechtzeitig ein Sparkonto geber nicht in absehbarer Zeit von seieinrichten. Denn billig ist die Sache keinem diskriminierenden Rechtsweg abneswegs. Und je nach Institut, Anzahl gehen. Denn nach wie vor stellt die der Versuche und Höhe der Reisekosten

Samenbanken: http://www.thespermbankofca.org http://www.ivfkliniek.nl http://www.jordemoderklinikken.de http://www.mannotincluded.com

Referat für Adoptiv- und Pflegekinder (RAP): http://www.wien.gv.at/ma11/seitenpflegfam/index.htm

juni 2004an.schläge 17


themakinderwunsch

Befruchtung durch private Samenspender für die Initiative nur den zweitbesten Weg zur Schwangerschaft dar. Oftmals werden die gesundheitlichen und rechtlichen Risiken unter- bzw. auch falsch eingeschätzt. So kann bei einer Insemination mit frischem Samen nicht ausgeschlossen werden, dass der Spender zu diesem Zeitpunkt etwa mit dem HI-Virus infiziert ist, ebensowenig ist der Spender vor späteren finanziellen Forderungen der Mutter/des Kindes/des Staates verlässlich geschützt. Aber offensichtlich stellt die heile Welt der heterosexuellen Kleinfamilie in unserem Land einen höheren Wert dar als das Recht auf alternative Lebensentwürfe, und die Kriminalisierung und gesundheitliche Gefährdung von Lesben, die sich fortpflanzen wollen, wird in Kauf genommen. Pflege(Co-)mutter? Offen gestanden war ich einigermaßen überrascht, als ich erfuhr, dass es in Wien zwei lesbische Frauen geschafft hatten, Pflegeeltern zu werden.Wenn Lesben unserer Gesellschaft noch immer so suspekt erscheinen, dass man ihnen sogar per Gesetz das Recht auf eigene Kinder verwehren musste, wie konnte man ihnen dann fremde Kinder anvertrauen? Dann fiel mir Patrick Lindner ein, ein deutscher Schlagersänger, der vor etwa fünf Jahren gemeinsam mit seinem Lebensgefährten ein Kind adoptiert hatte.Wäre so eine Adoption etwa auch in Österreich möglich? Ich meldete mich beim Referat für Adoptions- und Pflegekinder (RAP) der Stadt Wien und fragte nach. Die Referatsleiterin, Martina Reichl-Roßbacher, war weder überrascht noch peinlich berührt, sondern nahm zu 18 an.schlägejuni 2004

meiner Anfrage offen und wohlwollend Stellung. Sie klärte mich über die Unterschiede bei der Vergabe von Pflege- und Adoptionsstellen auf. In beiden Fällen ist Homosexualität der BewerberInnen kein Ausschließungsgrund. Doch während für die Pflegeelternschaft sowohl alleinstehende Personen als auch Lebensgemeinschaften in Frage kommen, sieht das Adoptionsrecht nur alleinstehende und verheiratete Personen als mögliche Adoptiveltern vor. Mit anderen Worten: alleinstehende Lesben können sich um eine Adoption bemühen, Lesbenpaare nicht. In der Praxis, so Reichl-Roßbacher, hätten aber weder homo- noch heterosexuelle Alleinstehende große Chancen auf ein Adoptivkind. Zu lang ist dafür die Warteliste der bei der Vergabe bevorzugten Ehepaare, deren Zahl die der Adoptivkinder bei weitem übersteigt. Bedenken, Adoptivkinder homosexuellen Paaren anzuvertrauen, hätte Reichl-Roßbacher jedoch nicht. Auch in ihrem Referat sei diesbezüglich ein Umdenkprozess im Gange, der allerdings auch seine Zeit brauche. Wie viele lesbische Pflegeeltern es in Wien tatsächlich gibt, konnte Reichl-Roßbacher nicht sagen, denn Statistiken darüber werden nicht geführt. Interessentinnen rät sie, sich darüber im Klaren zu sein, dass „Pflegefamilien-Sein immer ‚Öffentlichkeitscharakter’ hat“. Denn Pflegeeltern sollen und müssen, anders als bei einer Adoption, sich auch mit den leiblichen Eltern des Kindes auseinandersetzen. Der Kontakt soll eine spätere Rückkehr des Kindes in seine Herkunftsfamilie möglich machen, wenn das Gericht einem diesbezüglichen Antrag der leiblichen Eltern entspricht. Dies setzt

Offenheit und Konfliktfähigkeit ebenso voraus, wie die Bereitschaft, sich unter Umständen auch irgendwann wieder vom Kind zu trennen. Dass sich lesbische Paare in den letzten Jahren verstärkt für diese Form der (bedingten) Elternschaft interessieren, merkt man auch im RAP. Allerdings, so Reichl-Roßbacher, unternehmen wenige weitere Schritte. Generell würde sie sich über mehr PlegeelternwerberInnen freuen. „Für uns ist wichtig, dass eine Person/Paare als Pflegemutter/-vater geeignet ist“, die sexuelle Orientierung spiele dabei keine Rolle – eine Antwort, die hoffen lässt und glaubwürdig rüberkommt. Lobbying. Zurück zur Wiener Antidiskriminierungsstelle und deren Beauftragten, Angela Schwarz.Wie sehr setzt sie sich in ihrer Arbeit für die Bedürfnisse jener Lesben ein, in deren Lebensplanung Kinder vorgesehen sind? Die WASt-Broschüre „Dein Recht im Alltag“ widmet dem lesbischen Kinderwunsch und seinen (Un-) Möglichkeiten zwar mehrere Seiten Information, vorrangigstes Thema der politischen Arbeit ist er derzeit allerdings nicht. Dahinter steckt auch teilweise Realismus, ein Gefühl dafür, was Lobbying erreichen kann und was nicht. Denn nach wie vor gelte es, Ungleichbehandlung auf viel zentraleren Ebenen zu beseitigen. Die rechtliche Gleichstellung homosexueller PartnerInnenschaften mit Ehe oder eheähnlichen PartnerInnenschaften ist da ein großes politisches Ziel, das selbst in Österreich in absehbarer Zukunft erreichbar scheint.„Bis 2010 rechne ich mit einer eingetragenen PartnerInnenschaft, die dem deutschen Vor-


kinderwunschthema

bild um nichts nachsteht, es eher noch überragen wird. Bevor wir das nicht erreicht haben, brauche ich mit Themen wie Adoption oder Zulassung zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung gar nicht erst zu kommen.“ Dass Angela Schwarz mit ihrer Einschätzung nicht ganz falsch liegt, zeigt das benachbarte Deutschland. Denn dort scheint die Einführung der gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaft mit ein Grund dafür zu sein, dass eine politisch gestärkte Community verstärkt auch dem Wunsch nach eigenen Kindern nachgeht. Baby Boom? Lesbische Mütter zählen in manchen Bezirken Berlins mittlerweile zum Alltag und rollen ihre Kinder selbstbewusst durch Kreuzberg oder Neukölln. Zugegeben, offiziell handelt es sich zumeist um alleinerziehende Mütter, die aus Kostengründen eine „Mitbewohnerin“ bei sich beherbergen. Denn auch in Deutschland werden Co-Mütter (noch) nicht als Elternteil anerkannt und genießen demnach auch keine Elternrechte, wie etwa Obsorgerecht, steuerliche Kinderfreibeträge oder AlleinverdienerInnenabsetzbetrag. Dennoch nehmen sie in der Öffentlichkeit – sei es im Kreissaal oder bei der Anmeldung im Kindergarten – ihren Platz als Elternteil ein, ohne dabei Irritationen hervorzurufen.Wer die „Siegessäule“, Berlins lesbischwules Monatsmagazin, aufschlägt, stößt im Anzeigenteil auf die Rubrik Familie, wo private Samenspenden gesucht, angeboten und gefunden werden. Und mit guten Kontakten zur Szene lässt sich auch die eine oder andere fortpflanzungsmedizinische

Einrichtung finden, die nicht unbedingt nach dem Trauschein ihrer Patientinnen fragt. Wie stark der Kinderboom unter Deutschlands Lesbenszene ist, lässt sich auch an den zahlreichen Aktivitäten von „ILSE“ ablesen, der Initiative lesbischer und schwuler Eltern, die vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland gegründet wurde und mittlerweile in zahlreichen Landkreisen Ableger hat. ILSE berät in Sachen Familienplanung, Familienalltag und Familienrecht, bietet regelmäßige offene Treffen für Eltern und deren Kinder an und organisiert in Berlin wöchentlich den FamilienFreitag, an dem Regenbogenfamilien rege Kontakte knüpfen. Mamazonen. So groß wie ILSE waren die Wiener „Mamazonen“ bei weitem nicht. Vor etwa fünf Jahren wurden sie als lose Gruppe lesbischer Mütter gegründet, vor einem Jahr schlief die Initiative allmählich ein. Auch Karin und ihr Sohn waren Teil der Mamazonen, verabredeten sich regelmäßig mit anderen Regenbogenfamilien, unternahmen gemeinsame Ausflüge, trafen sich Sonntags zum Brunch oder zeigten Präsenz auf der alljährlichen Demo zum Frauentag. Als „sehr bereichernd für uns beide“ empfand sie die Verbindung zu Frauen und Kindern in ähnlichen Lebenssituationen und „die Mamazonen-Kinder verbindet eine ganz besondere Freundschaft zueinander“, auch wenn sie sich heute nicht mehr so regelmäßig treffen. Zeitmangel und fehlende Impulse haben das Regenbogenprojekt, das es nie bis zur Vereinsgründung geschafft hatte, dann langsam einschlafen lassen.

Auf Frauen, die über alternative Befruchtung schwanger wurden, ist Karin bei den Mamazonen nie gestoßen. Vorwiegend Frauen mit Kindern aus vorangegangenen heterosexuellen PartnerInnenschaften interessierten sich für die Gruppe. Lesben mit Kinderwunsch verirrten sich nur selten zu ihnen. Eine Generationenfrage? Schon möglich, denn Bettina Nemeth, Obfrau der HOSI-Wien, bemerkt vor allem unter den jungen Lesben den verstärkten Wunsch nach eigenen Kindern. Auch wenn viele noch ratlos darüber sind, wie sie diesen Lebensentwurf verwirklichen sollen, beginnen sie zumindest das vorhandene politische Unrecht offen zu kritisieren. „Einerseits werden sie über die Medien mit der politischen Forderung nach höheren Geburtenraten zur Sicherung des Pensionssystems konfrontiert, andererseits verwehrt ihnen der Staat ihren Kinderwunsch. „Und das“, so Bettina abschließend, „macht sie ziemlich wütend!“ Und jetzt? Zurück zum Anfang. Meine Freundin und ich sind zuversichtlich, was unsere gemeinsame Wiener Zukunft zu dritt betrifft. Wir werden wohl noch einige Zeit nach Berlin pendeln, aber in absehbarer Zeit gemeinsam einen Kinderwagen über den Naschmarkt rollen. Selbstbewusst, und hoffentlich bald in guter lesbischer Gesellschaft. Vielleicht rufe ich dann Karin an, und vielleicht treffen alte Mamazonen auf viele neue und gründen gemeinsam doch noch einen Verein. Auch wenn das manche ziemlich wütend machen wird… ❚

webtipps: Initiative lesbischer und schwuler Eltern, http://www.ilse.lsvd.de Konnys Lesbenseite, http://www.lesben.org http://www.lesbian.org/lesbianmoms/alt.html http://www.siegessaeule.de

Treffen: 7. Juni, 19.30 Uhr. „Zwischen den Welten“ - Lesbische (Co-)Mütter treffen sich in der Frauensache (1150 Wien, Reindorfg. 29). Anmeldung unter: http://www.frauensache.at

juni 2004an.schläge 19


Fo t o : A r c h i v

töchtertagwien

Nackte Haut unerwünscht! Umstrittene Bekleidungsvorschriften sorgen in vielen Schulen für Diskussionen. Joana Haiduck, Flora Fohringer und Lena Kuglitsch haben sich umgehört Mode in den 1930er Jahren: Wieviel nackte Haut frau zeigen darf, war schon immer umstritten.

20 an.schlägejuni 2004

Derzeit gibt es sehr viel Unruhe in den Schulen Österreichs. Die DirektorInnen sind der Meinung, dass die SchülerInnen sich zu freizügig anziehen. Deshalb ist in ein paar Schulen eine Kleidervorschrift eingeführt worden. Doch Edith Weichelbauer vom steirischen Landesschulrat sagte, dass es kein Gesetz dafür gibt. Deswegen sind wir zur Mittelschule Hörnesgasse in Wien 3 losgezogen und haben den stellvertretenden Direktor Roland Bernauer befragt: ,,Es gibt keine Richtlinien, die man in Worte fasst. Wenn jemand übertreibt oder provoziert, dann ist es dieser Person bewusst.“ In dieser Schule muss man eine Bluse über ein Spaghetti-

leibchen tragen. ,,Wenn jemand ein Spaghettileiberl trägt, ist es für mich in Ordnung. Aber: Wie geht es weiter? Wieviel Zentimeter Spaghetti darf ich haben?“ sagt Bernauer. Er will nicht, dass die SchülerInnen in Monokultur enden. Die Schülerinnen Lisa Maria Weinpappel und Claudia Pammer sind nicht sonderlich begeistert, aber sie nehmen es, wie es ist. Jedoch finden sie es unfair, dass man keine Spaghettileibchen tragen darf. Savic Dragana und Melanie Jöchel sind der Meinung, jeder soll das tragen, was er will. Melanie wird weiter anziehen, was sie will und demonstriert so gegen die Vorschriften.Balicèvic und Uslu Tugba finden sie sogar gut:

„Schule ist wie ein Arbeitsplatz und man sollte sich angemessen anziehen. Schule muss man von Freizeit trennen.“ Sanela Tanosèvio und Cansu Alegören finden das überhaupt nicht gut: „Wenn es heiß ist, möchte man dem Klima entsprechend angezogen sein.“ Wir finden, dass die Kleidungsvorschriften Einfluss auf die persönliche Freiheit haben. Einer der Gründe, weshalb die Direktorin sie eingeführt hat, ist, dass die Buben uns sexuell belästigen könnten. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Buben lernen müssen, mit ihren Hormonen umzugehen. Allerdings können sie es so garantiert nicht lernen. ❚


an.risswissenschaft fFORTE

Löcher stopfen Maßnahmen zur Förderung von Frauen im Bereich (Natur-)Wissenschaft und Technik setzen das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie mit dem Programm „fFORTE – Frauen in Forschung und Technologie“, das es seit Februar 2002 gibt. Vergeben werden zum Beispiel DOC-fFORTE Stipendien für Wissenschafterinnen aus den Bereichen Technik, Naturwissenschaften und Medizin. FEMtech zielt darauf ab, Frauen in Unternehmen der industriellen und der außeruniversitären Forschung, in Fachhochschulen und in Forschungs- und Technologieprogrammen zu fördern. Erzielt werden soll mit solchen Maßnahmen das Schließen von Löchern in der „leaky pipeline“. Als solche wird das Phänomen bezeichnet, dass Frauen zwar EU-weit die Hälfte aller Studierenden ausmachen, der Frauenanteil aber auf jeder Stufe nach oben in der wissenschaftlichen Laufbahn weniger wird. Bis die Pipline so dicht ist, dass das Wissen und die Fähigkeiten von Frauen nicht gleichsam „versickern“, müssen wohl noch viele Löcher gestopft werden. vab

Das Lesben-, Schwulen- und Transgender-Tutorium findet einmal monatlich statt und stieß bisher auf reges Interesse. Außerdem gibt es zusätzliche Veranstaltungen (z.B. Filmabende, Vorträge von WissenschafterInnen etc.). Weiter so! Damit es irgendwann nicht mehr heißt: Im Zweifel für die Heteros. vab http://oehwww.uibk.ac.at/gesellschaftspolitik/Seiten/tutoriumskonzept.html Das Lesben-, Schwulen-, Transgender-Tutorium findet jeden letzten Freitag im Monat im Besprechungszimmer der ÖH Innsbruck, 2. Stock in der Josef-Hirn-Strasse 7. statt.

Mehr Infos unter: http://www.fforte.at/

Fo t o : M i c h a e l a B r u c k m ü l l e r

milena.talks.

Frauen-Netzwerke Milena, das von der Stadt Wien initiierte transnationale Frauennetzwerk, hat mit milena.talks eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Schwerpunkt Bildungs- und Berufsperspektiven von Mädchen und jungen Frauen in der erweiterten EU ins Leben gerufen. Die milena.talks am 6. Mai 2004 im math.space des Wiener Museumquartiers widmeten sich dem Thema „Frauen in Wissenschaft und Forschung – Perspektiven der neuen EU“ (siehe Artikel auf Seite 28 in dieser Ausgabe). Die kommenden milena.talks am 3. Juni 2004 im Presseclub Concordia stehen unter dem Motto „Frauen in den Medien der erweiterten EU“. vab http://www.milena.at/ Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien, T. 533 85 73

uni innsbruck

„in dubio pro hetero“ Seit diesem Semester gibt es auf der Uni Innsbruck ein Tutorium, das der Unsichtbarkeit von Lesben, Schwulen und Transgenderpersonen entgegenwirken will. Es soll „für lesbisch-, schwul- oder transgender-lebende StudentInnen sowohl eine Anlaufstelle für Probleme/Fragen mit dem eigenen Outing, ihrer marginalisierten/unsichtbaren Position an der Universität dienen als auch die Gelegenheit zum intensiven Gedankenaustausch mit anderen bieten.“ Darüber hinaus ist es ein Anliegen, lesbian/gay/queer-Studies an der Universität Innsbruck zu fördern und zu verankern. Das Tutorium soll dabei eine Plattform für die Vernetzung von WissenschafterInnen und AkteuerInnen sein.„Es geht uns darum, Lesben-, schwule und Transgenderthemen in den Innsbrucker Universitätsdiskurs und Wissenschaftsdiskurs zu bringen.“

prostitution

Forschung Dem Thema „Prostitution“ wird in der Wissenschaft – auch in der feministischen – traditionell wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Gesellschaftliche Doppelmoral und Verdrängung spielen hier wohl auch eine Rolle. In Deutschland, wo es seit zwei Jahren ein neues Prostitutionsgesetz gibt, das Sexarbeit erstmalig als Erwerbsarbeit anerkennt, haben sich nun die Gewerkschaften des Themas angenommen. Die sozialwissenschaftliche Studie „Arbeitsplatz Prostitution“, die von der Gewerkschaft Vereinte Dienstleistungen (ver.di) in Auftrag gegeben und im April in Hamburg präsentiert wurde, beleuchtet die Arbeitsbedingungen von Prostituierten in Deutschland unter der veränderten Gesetzeslage. Studienautorin Emilija Mitrovic kommt zu dem Schluss, dass sich die realen Arbeitsbedingungen für Prostituierte nur in Ausnahmefällen verändern und in vielen Bereichen immer noch Rechtsunsicherheit herrscht. Mit dem Aspekt der „räumlichen Anordnung von Prostitution“ beschäftigt sich die deutsche Soziologin Martina Löw. Am 3. Mai 2004 hielt sie am Institut für Kulturwissenschaften (IFK) in Wien einen Vortrag, in dem sie Prostitutionsorte in Wien beschrieb: Während es in anderen Großstädten oft große, sichtbare Rotlichtviertel gibt, findet „Sex für Geld“ in Wien in „kleinen Konzentrationen“ und eher versteckt statt. vab Die Broschüre „Arbeitsplatz Prostitution“ kann über die Gewerkschaft ver.di, Bundesvorstand, Fachbereich 13, Besondere Dienstleistungen, Potsdamer Platz 10, D-10785 Berlin bestellt werden.

juni 2004an.schläge 21


Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

wissenschaftforum

Frauen in nationalen Parlamenten Wie sich das Wahlsystem in EU-Staaten auf die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen auswirkt, fragt Susanne Roeck

Susanne Roeck schrieb ihre Diplomarbeit zum Thema:„Die Auswirkungen des Wahlsystems auf die Mitwirkung von Frauen in den nationalen Parlamenten der Mitgliedstaaten der Europäischen Union.“

22 an.schlägejuni 2004

Frauen sind nach wie vor in vielen Bereichen der Gesellschaft unterrepräsentiert, besonders in sogenannten Machtpositionen. Eine meiner Ansicht nach gravierende Unterrepräsentation liegt im Bereich der Legislative vor: ParlamentarierInnen werden auch oft „Volksvertreter“ genannt. Das Volk, das sie vertreten, besteht meist zu fünfzig Prozent oder mehr aus Frauen. Gäbe es jedoch in einem nationalen Parlament einen Frauenanteil von fünfzig Prozent, wäre dies eine absolute Ausnahme und alles andere als selbstverständlich. Die Unterrepräsentation von Frauen in den nationalen Parlamenten hat sicherlich viele Ursachen, wie zum Beispiel gesellschaftliche Entwicklungen, Mangel an öffentlichen Kinderbetreuungsstellen, mangelnder Wille der Frau-

en, sich einer Wahl zu stellen. Aber auch Systemcharakteristika können hierbei eine Rolle spielen. Ich habe versucht herauszufinden, ob sich das Wahlsystem auf die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen auswirkt. Dazu habe ich die Situation in den nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedsstaaten vor dem 1. Mai 2004 dargestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. Wahlrecht. Dabei hat sich die Vermutung bestätigt, dass das Prinzip der Verhältniswahl die Partizipation von Frauen in den Parlamenten begünstigt. Es hat sich aber auch gezeigt, dass sich auch andere Faktoren wie die gesellschaftliche Position von Frauen, der Zeitpunkt der Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts und auch sozioökonomische Faktoren wie Arbeit und Bildung

verstärkend oder minimierend auf Wahlsysteme auswirken. So erklärt sich auch, dass einige reine Verhältniswahlsysteme einen geringeren Frauenanteil im nationalen Parlament haben als Frankreich und das Vereinigte Königreich. Griechenland liegt zum Beispiel, was den Frauenanteil im nationalen Parlament betrifft, trotz reinem Verhältniswahlsystem an EU-weit letzter Stelle. Hier spielen sicherlich auch andere Faktoren eine große Rolle, wie zum Beispiel die späte Einführung des Wahlrechts für Frauen oder die bis 1974 dauernde Diktatur. Im Zuge meiner Arbeit kam ich zu dem Schluss, dass der Zeitpunkt der Einführung des allgemeinen Wahlrechts und somit die Dauer des politischen Mitwirkens von Frauen wichtig für deren politische Akzeptanz ist. Befindet sich zum Beispiel Finnland –


forumwissenschaft Einführung des Frauenwahlrechts 1906 – bereits in einer Phase, wo die Beteilung von Frauen als völlig normal angesehen wird, und auf einzelne Bereiche der Benachteiligung abgezielt wird, so ist die Frauenbewegung in Griechenland – Einführung des Frauenwahlrechts erst 1958 – in einer Situation, in der sie sich um die grundsätzliche Akzeptanz von Frauen in der Politik bemühen muss. Wahlsysteme. Eine Besonderheit, die sich aus den Länderstudien ergab, ist die Tatsache, dass die nordischen Staaten Schweden, Dänemark und Finnland was den Frauenanteil in ihren nationalen Parlamenten betrifft im EU-weiten Vergleich am Besten abschneiden. Alle diese Staaten haben ein reines Verhältniswahlrecht. Aber auch andere Faktoren wie Frauenerwerbsquoten und der Bildungsstand der Frauen, weisen hier auf ein „frauenfreundliches Klima“ hin. All dies ergibt sich aus einer langen Tradition der Gleichberechtigung, für die skandinavische Staaten bekannt sind. Auch dies war ein weiterer Hinweis für mich, dass nicht das Wahlsystem allein als Ursache für einen hohen oder niedrigen Frauenanteil gesehen werden kann. Im Ländervergleich bezüglich des Verhältnisses zwischen Wahlsystem und Frauenanteil (siehe Kasten) zeigt sich der grundsätzliche Einfluss des Wahlsystems sehr deutlich: Alle Staaten mit einem hohen Frauenanteil verwenden die Verhältniswahl (Deutschland die personalisierte Verhältniswahl). Beide Staaten mit einem Mehrheitswahlsystem sind in dem Bereich mit niederem Frauenanteil. Auch in allen Staaten mit mittlerem Frauenanteil wird per Verhältniswahl gewählt.

In den Staaten mit niederem Frauenanteil, wo nach Verhältniswahl gewählt wird, spielen andere Faktoren eine Rolle für den Frauenanteil im Parlament. So spielt in Griechenland und Portugal sicherlich die späte Demokratisierung des Staates eine große Rolle und auch die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft wirken sich auf die Teilhabe von Frauen in politischen Institutionen aus. Staaten mit Verhältniswahlrecht haben nicht automatisch einen besonders hohen Frauenanteil in ihren Parlamenten, jedoch wenden die Staaten mit den höchsten Frauenanteilen das Verhältniswahlrecht an. Frauenanteil. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich das Verhältniswahlsystem positiv verstärkend auf die Vertretung von Frauen auswirken kann, wobei nationale Besonderheiten in der Entwicklung der Demokratie oder die politische Kultur nicht vernachlässigt werden dürfen. Denn wie könnte man sonst erklären, dass Griechenland, was den Frauenanteil im nationalen Parlament betrifft, europaweit an letzter Stelle liegt – deutlich hinter Großbritannien (relative Mehrheitswahl) und knapp hinter Frankreich (absolute Mehrheitswahl) – obwohl dort nach dem Prinzip der Verhältniswahl gewählt wird? Ein weiterer deutlicher Hinweis auf die Schwierigkeit einer Kategorisierung zeigte sich am Beispiel Spanien: Dieses weist ähnliche Vorraussetzungen wie Griechenland und Portugal auf. Alle der genannten Staaten hatten lange Zeit ein absolutes System oder eine Diktatur und in allen diesen Staaten findet das Verhältniswahlrecht Anwendung. Und dennoch: Sie haben ei-

nen unterschiedlich hohen Frauenanteil in ihren nationalen Parlamenten. Griechenland liegt weit abgeschlagen mit 8,7% EU-weit an letzter Stelle, Portugal liegt mit 18,7% an neunter Stelle und Spanien liegt mit einem Frauenanteil im nationalen Parlament von 28,3% im oberen Drittel – noch vor Österreich – an sechster Stelle. Eine weitere Tendenz, die sich im Vergleich abzeichnete, ist die, dass linke Parteien meist einen höheren Anteil von Frauen unter ihren VertreterInnen in den Parlamenten haben, als dies rechte oder christdemokratische Parteien haben. Daraus ergibt sich der Schluss, dass Staaten, welche von sozialistischen oder sozialdemokratischen Parteien regiert werden, einen höheren Frauenanteil haben als andere Staaten. Am Beispiel Großbritannien bestätigte sich dieser Verdacht: Mit der Regierungsübernahme durch Labour stieg der Frauenanteil im Parlament um neun Prozentpunkte und verdoppelte sich damit. Resümee. Die Benachteiligung von Frauen verlief und verläuft auf sehr vielen Ebenen mit sehr vielen verschiedenen Methoden, und genau deshalb kann man nicht einen Systemcharakter – das Wahlsystem – allein für einen hohen oder niedrigen Anteil von im Parlament vertretenen Frauen verantwortlich machen. Natürlich ist es eine Ursache, aber eben nicht die einzige. Frauenfördernde Maßnahmen im Bezug auf politische Partizipation sollten immer versuchen, möglichst viele Ursache-Wirkungs-Beziehungen für Frauen positiv zu verändern und nationale Besonderheiten beachten, um mit Hilfe derer vermehrte politische Partizipation von Frauen möglich zu machen. ❚

Wahlsystem (grobe Einteilung)

Hoher Frauenanteil (über 30%)

Mittlerer Frauenanteil (zwischen 20 und 30%)

Niederer Frauenanteil (unter 20%)

Verhältniswahl

Dänemark, Finnland, Niederlande, Schweden

Belgien, Österreich, Spanien

Griechenland, Irland, Luxemburg, Portugal

Mehrheitswahl

Mischsystem

Frankreich, Vereinigtes Königreich Deutschland

Italien

juni 2004an.schläge 23


an.sage

Wahlgang Wir haben die Kanditatinnen für die Wahl zum EU-Parlament Eva Lichtenberger (Grüne) und Christa Prets (SPÖ) um ihre Standpunkte zur Frauenpolitik in Europa gebeten.

Kommentare müssen nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.

Eva Lichtenberger

Christa Prets

Viele EU-Richtlinien sind sehr ambitioniert, aber in ihrer Umsetzung gibt es enorme Defizite. So ist etwa die Forderung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ bereits im Gründungsvertrag der EG von 1957 festgehalten, bis heute aber bei weitem nicht verwirklicht. Frauen sind europaweit stärker als Männer von Arbeitslosigkeit betroffen, sie arbeiten oft Teilzeit oder in nicht existenzsichernden Arbeitsverhältnissen. Ihre Pensionen werden in Folge dessen auch nicht existenzsichernd sein. Für die Ausbildung der Frauen ist mittlerweile viel getan worden, ihr adäquater Platz im Erwerbsleben muss aber erst geschaffen werden. An Positivem schlägt zu Buche: die Umsetzung des Prinzips des Gender Mainstreaming, die Verabschiedung der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie, die ein Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz vorsieht, und ein neuer Richtlinienvorschlag zu einem Diskriminierungsverbot auch außerhalb des Arbeitsbereiches. Diese neue Gesetzesinitiative ist gerade im Europäischen Parlament gebilligt worden, aber – bevor er endgültig Gesetz werden kann, müssen alle Regierungschefs der Mitgliedsstaaten den Vorschlag einstimmig (!) verabschieden, und damit droht wieder einmal das Ende einer wichtigen Initiative. Wir Grünen setzen uns deshalb schon lange für EU-weite Sozialstandards ein, gerade weil die Situation von Frauen sehr unbefriedigend ist. „Armut ist weiblich und sie ist strukturbedingt“, heißt es auch folgerichtig in einem Bericht des Europäischen Parlaments. Diese Gefährdungen sind vielfältig: Benachteiligung am Arbeitsplatz, Lohndiskriminierung, Teilzeitarbeit, ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse. Damit fehlen den Frauen genau jene Voraussetzungen, die notwendig sind, um überhaupt Zugang zu einer existenzsichernden Rente oder Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Dagegen fordern wir Grüne neue Formen der Mindestsicherungssysteme, die nicht an die lebenslange Vollerwerbstätigkeit geknüpft sind – die es in der Praxis ohnehin nicht mehr gibt. Wir wollen die Ursachen von Frauendiskriminierung und -armut beseitigen, national und auf europäischer Ebene, da beides längst nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten ist, wenn wir wirklich etwas verändern wollen. Aber auch in anderen Politikbereichen – von der Verkehrspolitik bis zur Verteidigung – muss die Sicht von Frauen endlich stärker berücksichtigt werden. Auch dafür stehen die Grünen: Wir wollen den GenderAspekt in alle Politiken der Union einbringen, damit die politische Zukunft Europas ganzheitlich und nachhaltig auch für Frauen gestaltet wird. Auch dazu brauchen wir eine Europäische Verfassung, die Frauenrechte garantiert und sichert! ❚

Wenn in den 25 EU-Ländern zwischen 10. und 13. Juni die Abgeordneten zum Europäischen Parlament gewählt werden, fällt gleichzeitig auch eine Entscheidung über die künftige Gestaltung der Frauenpolitik auf europäischer Ebene. Während der letzten Wahlperiode lag die Frauenquote im Europäischen Parlament bei 31 %. Einen noch besseren Frauenanteil mit 39 % weiblichen Mitgliedern hatte die Sozialdemokratische Fraktion Europas – darunter drei Österreicherinnen. Mit dem Ausschuss für die Rechte der Frauen und Chancengleichheit haben diese Parlamentarierinnen maßgeblich Gesetzestexte und Initiativen mitgestaltet und beachtliche Fortschritte erzielt. So konnte die Anzahl der Berichte verdoppelt werden. Bei den 46 erarbeiteten Berichten handelte es sich um 35 Initiativ- und neun Legislativberichte. Das Prinzip des Gender Mainstreaming fand Einzug in alle Politikbereiche, und die Frauenförderung wurde weiterentwickelt. Beispielsweise ist es gelungen, für DAPHNE II – das Programm gegen alle Formen der Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen – eine Verdoppelung des Budgets für den Zeitraum 2004 – 2008 zu erzielen. Eine europäische Strategie für die Brustkrebsvorsorge, Maßnahmen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit, die Förderung von Frauen im ländlichen Raum, Gleichstellung bei der Entlohnung sowie die Verurteilung der Genitalverstümmelung sind nur einige der vielfältigen Tätigkeitsbereiche. Für mich erfreulich war, dass mein Bericht zur „Gleichbehandlung von Frauen und Männern beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen“ im März vom Parlament mit großer Mehrheit angenommen wurde. Das Geschlecht soll künftig nicht mehr ausschlaggebend für unterschiedliche Prämien bei Versicherungen sein. Diese Errungenschaften für die Frauen gilt es nun in den kommenden fünf Jahren in allen Mitgliedsländern durchzusetzen und auf europäischer Ebene auszubauen, etwa im Bereich der Gesundheitsvorsorge, der Verwirklichung der Gleichstellung oder der Gewaltbekämpfung. Null Toleranz für Gewalt gegen Frauen soll wieder ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein. So streben wir für 2006 ein europäisches Jahr gegen Gewalt an Frauen und Kindern an. Auch beabsichtigen wir, weiterhin die Frauen in Afghanistan während des Demokratisierungsprozesses in ihrem Land zu begleiten. Gender Budgeting, das Instrument für den Abbau von sozio-ökonomischen Ungleichheiten, wird von uns weiterverfolgt. Die Garantie der Rechte der Frauen sind für uns Sozialdemokratinnen unabdingbar für ein soziales und demokratisches Europa – dafür werden wir auch in Zukunft arbeiten. ❚

24 an.schlägejuni 2004


an.schläge abo

, bitte!

o Schnupperabo (3 Hefte/9 e) o Jahresabo (10 Hefte/32 e ) o für Erwerbslose (10 Hefte/26 e ) o Unterstützungsabo (10 Hefte/40 e ) o Auslandsabo (10 Hefte/44 e) Absenderin

Geschenk-Abo an

Datum, Unterschrift

Abo-Angebote gelten, wenn nicht anders angegeben, nur in Österreich. Keine Sorge: Ein an.schläge-Abo endet automatisch. So ein Glück: Du kannst es jederzeit verlängern.

T. 01/920 16 76, F. 715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege.at,www.anschlaege.at

Ein

An die Redaktion

an.schläge DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN

Untere Weißgerberstr. 41 1030 Wien



an.rissarbeit ak-wahl

Verlustig Nach Vorliegen der österreichweiten Ergebnisse steht endlich fest: Die österreichischen ArbeitnehmerInnen haben von der schwarz-blauen Arbeitspolitik, die den Sozialabbau zugunsten der Wirtschaft immer mehr vorantreibt, die Nase voll. Jetzt ist Schluss mit lustig. Die schweren Verluste für ÖAAB und FA sprechen eine deutliche Sprache, ebenso der – nicht besonders überraschende – Triumph der SozialdemokratInnen und der Alternativen und Grünen. Letztere konnten erfreulicherweise trotz WählerInnentäuschung seitens der Liste „Grüne Arbeitnehmer“ punkten und die Freiheitlichen stimmenanteilsmäßig in drei Bundesländern überholen. Das könnte in Zukunft durchaus mehr Präsenz von Frauenthemen in der AK bedeuten, haben doch AUGE/UG (Alternative und Grüne GewerkschafterInnen) vor der Wahl wiederholt auf Missstände (Stellenabbau zu Lasten von Frauen im Wiener Sozial- und Bildungsbereich) hingewiesen und Gender Mainstreaming innerhalb der AK (Stichwort: Endlich wieder eine weibliche AK-Präsidentin!) gefordert. Für die nähere Zukunft bleibt außerdem zu hoffen, dass sich der Denkzettel-Trend auch auf EU-Ebene fortsetzt und den Regierungsparteien am 13. Juni weitere Stimmen abhanden kommen. bik

aus der Region anziehen. Im Vordergrund steht dabei vor allem das Schaffen von Frauenarbeitsplätzen und Zuerwerbsmöglichkeiten. Das ServiceAngebot der Initiative reicht von Informations- und Beratungstätigkeiten (etwa zu Förderungen und Kooperationen) über Projektmanagement bis hin zu Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen. bik Kontakt: Familienforum Mölltal, T. 04782/2511; http://www.fuw.at

betriebliche forschung

Förder-Initiative Laut einer Studie der EU-Kommission von 2003 beträgt der Frauenanteil in der betrieblichen Forschung durchschnittlich bescheidene 14,9%. Österreich fungiert mit noch bescheideneren 9% als Schlusslicht. Aus diesem Grund wurde vom ZIT (Zentrum für Innovation und Technologie, der Technologieagentur des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds) das mit 2,2 Mio. Euro dotierte Projekt „FemPower“ initiiert. Der Löwenanteil der Fördergelder steht dem Call „FemPower Vienna 2004“ zur Verfügung und soll explizit Forschungsprojekten mit hohem Frauenanteil zugute kommen. Die maximale Förderung beträgt pro TeilnehmerIn und Projekt 500.000 Euro. Projektanträge können von 21. – 24. Juni beim ZIT eingereicht werden. Die Antragsformulare sind als download unter www.zit.co.at erhältlich. Um den Frauen den Zugang zur betrieblichen Forschung zu erleichtern, werden vom ZIT derzeit neue Richtlinien für die Wiener Technologieförderung erarbeitet. Ab 2005 soll dann die Beteiligung von Frauen an Forschungsprojekten bei jedem Call eine Rolle spielen, wodurch bei gleichwertigen Projekten automatisch jenes mit dem höheren Frauenanteil prämiert werden soll. Heureka! bik

oberkärnten

Vernetzt Vor zwei Jahren wurde ein von der EU und Kärnten (Bund und Land) gefördertes Projekt ins Leben gerufen, das erfolgreiche Frauenorganisationen und Unternehmerinnen in Oberkärnten nicht nur unterstützt, sondern auch untereinander koordiniert. Das auf diese Weise entstandene Netzwerk mit betont ländlichem Bezug umfasst die Bereiche Soziales, Wirtschaft, Kultur, Umwelt und Bildung und soll unter dem Namen „Frauen unternehmen was“ in Zukunft noch mehr Interessentinnen

langzeit-arbeitslos

ways to work

Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

Am 4. Mai stellten Caritas, Heilsarmee und Volkshilfe in Wien ein Gemeinschaftsprojekt vor, das seit Herbst 2002 läuft und langzeitarbeitslosen SozialhilfeempfängerInnen die Reintegration in den Arbeitsmarkt erleichtern soll. „Ways to work“ wird von der EU und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gleichermaßen gefördert und konnte die Wirtschaftskammer, die Kammer für Arbeiter und Angestellte, die Gemeinde Wien, den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfond und das AMS als strategische PartnerInnen gewinnen. Dass immer mehr Arbeitssuchenden immer weniger potenzielle Jobs zur Verfügung stehen, ist bekannt. Viel seltener hört man jedoch von den möglichen Konsequenzen langer erfolgloser Jobsuche, die von physischen und finanziellen Problemen bis hin zu Sucht reichen können. „Ein Job allein ist zu wenig!“, heißt es deshalb aus den Reihen der InitiatorInnen, weshalb den Arbeitssuchenden neben einer konkreten Beschäftigung ganzheitliche Betreuung – im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe – zuerkannt wird. Insgesamt umfasst das Projekt eine Beratungsstelle und drei Beschäftigungsprojekte mit 62 befristeten Trainingsplätzen. Erste Teilergebnisse bestätigen den Erfolg des ganzheitlichen Ansatzes. Das überrascht nicht wirklich, denn wie auch der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau betont: „Die Menschen suchen Arbeit, die mangelnde ‚Willigkeit’ ist nicht das Problem.“ bik juni 2004an.schläge 27


Fo t o s : M i l e n a

milenatalks

„Weibliche Wissenschafter“ Vertrauensaufbau zu Wissenschafterinnen der EU-Erweiterungsländer ist wichtig, um den Brain Drain dieser Länder zu verringern. Von den Milena Talks berichtet Karel Young

1 milena.talks ist eine DiskussionVeranstaltungsreihe des Milena Netzwerkes, eine transnationale Kooperation von Frauen mit Fokus auf Mittel- und Osteuropa.

28 an.schlägemai 2004

Die Wissenschaft ist ein überwiegend von Männern dominierter Arbeitsraum, aber Frauen in der Wissenschaft haben sich entschlossen, zu einer Kraft zu werden, mit der man rechnen muss. Ich hatte die Möglichkeit, an den Ideen und Visionen zweier prominenter Wissenschafterinnen teilzuhaben. Diese Frauen sind dabei, äußerst wichtige Veränderungen entstehen zu lassen, indem sie die gewohnten gesellschaftlichen Perspektiven gegenüber der Wissenschaft zerschmettern. Die aktuellen milena.talks1, organisiert vom Europaforum Wien, trugen den Titel „Frauen in Wissenschaft und Forschung“ und luden hochrangige Wissenschafterinnen aus Österreich, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn und Slowenien ein, offene Statements abzugeben, an Podiumsdiskussionen teilzunehmen und ihre Ideen und Erfahrungen zu dem Thema auszutauschen. Die milena.talks boten Wissenschafterinnen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten eine Plattform, auf der sie ihre Interessen, Sorgen und ihr Know-How mit anderen Wissenschafterinnen aus dem Westen teilen konnten.

Hindernisse. Anlässlich des eintägigen Symposiums, das am 6. Mai im Museumsquartier stattfand, sprach ich mit Ezster Papp, einer Ingeneurin in der Hungarian Science and Technology Foundation, und mit Daniela Velichova, einer Mathematikerin der Slovak University of Technology. Unsere Diskussion berührte Themen wie Karrierehindernisse oder Gender Balance, Gendersensitive Indikatoren und deren Wert, Isolation und Ausgrenzung. Als ich die beiden Frauen über Hindernisse auf dem Weg weiblicher Wissenschaftskarrieren befragte, waren sie sich einig, dass es einen Mangel an weiblichen Vorbildern im Bereich der Technischen Wissenschaft gibt. Deswegen ist es möglich, dass Männer Selbstbewusstsein in das Arbeitsfeld mitbringen, während viele junge und erwachsene Frauen ein eher zurückhaltendes, gar schüchternes Auftreten haben. Ezster Papp erwähnte, wie schwierig es für sie und ihre Mitstudentinnen war, während des Studiums ernst genommen zu werden. Frau kann sich die Unsicherheit leicht vorstellen, die eine erleben kann, wenn ein Uniprofessor dich mit „kleines Mädchen“ anredet, während du mit ihm eine ernste Diskussion führen möchtest. Ezster Papp vermutet

ein mögliches psychologisches Verhalten, nämlich dass Frauen sich selbst dafür verantwortlich machen, wenn sie mit unangenehmen Situationen konfrontiert werden, während Männer typischerweise nach einem Fehlverhalten in ihrer Umgebung suchen. Daniela Velichova zitiert die slowakische Finanzministerin, die erste Frau in der slowakischen Geschichte, die dieses Amt ausübt: Frauen müssten entweder doppelt so hart arbeiten oder doppelt so intelligent wie Männer sein, um Erfolg zu haben. „Oder beides“, fügt Velichova hinzu. Brain Drain. Ein Initiative, bekannt als „Enlarge Women In Science to East“, besser bekannt als ENWISE, hat einen Bericht herausgebracht, der wichtig sein wird, um neue Standards für Gender Balance in den Bereichen der Wissenschaft zu etablieren. Daniela Velichova und Ezster Papp sind sich einig, dass der ENWISE Bericht (v.a. im Rahmen von nationalen und internationalen Konferenzen) nicht nur dazu dienen wird, die wichtigsten Themen an die Öffentlichkeit zu bringen, sondern auch den Austausch von Ideen in den neuen EU-Ländern in Bewegung zu setzen und zum Aufbau von regionalem Know-


talksmilena

Velichova glaubt, dass die EU nationale Behörden ermutigen wird, bestimmte Standards zu entwickeln. Die Kluft zwischen dem, was für männliche Wissenschafter gilt und dem, was eine weibliche Wissenschafterin gewohnt ist, kann so überbrückt werden. Kontinuierlicher Druck auf die EU-Kommission durch Lobbying-Gruppen, Frauen-Organisationen und die Wissenschaftscommunity, nähren bei Daniela Velichova die Hoffnung, „dass ein Trickle-down, besser gesagt ein Trickle-up Effekt“ (ein Durchsickern von unten nach oben) entstehen wird. Die Wissenschaft verfügt über Präsenz im Fernsehen und ist jetzt ein bekanntes Thema in Ungarn, was bedeutet, dass junge Frauen ermutigt werden, ihre Träume von atypischen Jobs auch zu leben. Die Grenzenlosigkeit der EU fördert das Networking und kreiert psychologische und soziologische Verbindungen für Frauen, konstatiert Ezster Papp. Der Vertrauensaufbau ist enorm wichtig („It’s about Confidence Building!“), damit die Anzahl jener Wissenschafterinnen, die ihr Zuhause verlassen, um Karrieremöglichkeiten im Ausland zu suchen, reduziert wird. Obwohl Daniela Velichova und Ezster Papp an die Mobilität glauben, sind sie einer Meinung, wenn es darum geht, derzeitige Rekrutierungssysteme neu zu gestalten. Es sollte mehr Unterstützung durch die EU-Kommission geben, nicht nur um den grenzüberschreitenden Austausch zu fördern, durch den ein Netzwerk für die WissenschaftsEU. Die neue EU stellt eine willkommene community erstellt werden soll, sonEntwicklung für Osteuropa dar. Daniela dern auch um mehr Gender-sensitive

How zu ermutigen. Die Betonung der Notwendigkeit von Wissen mit regionaler Basis hilft dabei, das Phänomen des Brain Drain (die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte), das Ungarn und die Slowakei zur Zeit erleben, zu minimieren. Die Hoffnung ist, laut Daniela Velichova, dass durch Konferenzen wie die milena.talks sowohl PolitikerInnen als auch die Wissenschaftscommunity auf allen Ebenen involviert werden. Durch das Entstehen nationaler Behörden, die Gender Diversity und die Gender Balance unterstützen, ist eine signifikante Verbesserung erreicht worden, insbesondere, weil es vorher nichts Vergleichbares in der Slowakei und Ungarn gegebenen hatte. Die ungarische Regierung hat nun das „Ministerium für Chancengleichheit“ eingerichtet, was Ezster Papp Anlass zu Optimismus gibt. Die Integration in die von Männern dominierte Arbeitswelt sei nicht so schwierig, wie die Perspektiven der Männer im alltäglichen Umkreis zu verändern, meint Eszter Papp. Sie glaubt aber fest daran, dass Geschlechterrollen bereits im Vorschulalter neu definiert werden sollten. Veränderungen in den Stereotypen der Geschlechterrollen könnten uns weit bringen, indem sie bestimmte Verhaltensmuster wie Isolation und Ausgrenzung im Wissenschaftsbereich reduzieren. Beide Wissenschafterinnen sind trotzdem überzeugt, dass die Ausgrenzung, die eine Frau als Wissenschafterin erlebt, ein internationales Phänomen ist und keine Frage von Ost oder West.

Indikatoren zu definieren, mit denen der Prozess besser im Auge behalten werden kann. Ausblicke. Welche Verbesserungen erhoffen sich die beiden Frauen für die Wissenschaft in der nächsten Zukunft? Ezster Papp glaubt fest daran, dass die Bildungssysteme einen starken, bisher zu wenig genutzten Einfluss haben könnten. Eltern sollten ermutigt werden, sich an der Bildung ihrer Kinder zu beteiligen. Zudem müssten Methoden erforscht werden, um die wahren Potenziale von jungen Leuten herauszufinden. Daniela Velichova sieht die Notwendigkeit für eine Kontaktperson für Frauen in den Wissenschaftsbereichen, sie erwähnte, wie wichtig z.B. das Mentoring Program, das Renée Schroeder vorgeschlagen hatte, sein wird – sollte es zustande kommen. Daniela Velichova rät auch, sich nicht von Quoten verschrecken zu lassen, denn obwohl sie ein kontroversielles Thema darstellten, seien sie wichtig, um die Gender Balance in den Vordergrund zu stellen. Selbst eine weibliche Wissenschafterin, sehe ich in den milena.talks einen beeindruckenden Prozess, um Frauen in unserem Bereich auf eine Ebene zu stellen, die die meisten männlichen Wissenschafter nicht mehr so zu schätzen wissen. Meine Hoffnung für die Zukunft ist es, nicht mehr als „Female Scientist“, also als weiblicher Wissenschafter, bezeichnet zu werden. Ob sich das in der Zukunft ändern wird, ist die Frage. Aber, wie Ezster Papp sagte, „mein Optimismus kommt in Wellen“. ❚

Nähere Infos zum Milena Netzwerk und den milena.talks: http://www.milena.at

mai 2004an.schläge 29


kulturan.riss Aimée und Jaguar

Eine Liebe im Krieg Schon oft wurde über die berührende Liebesgeschichte von Aimée und Jaguar geschrieben. Die Verfilmung mit Maria Schrader füllte die Kinosäle. Nun bringt das Wiener Kosmos Theater die tragisch endende Geschichte zwischen der Hausfrau Lilly Wust und der lebenshungrigen Jüdin Felice Schragenheim, die sich in den Wirren des 2. Weltkriegs 1942 in Berlin kennen und lieben lernten, in Form einer szenischen Lesung auf die Bühne. Die beiden Schauspielerinnen Marion Baier und Petra Mitschitczek stolpern bei dieser Lesung quasi über Originalbriefe von Felice (die 1944 von der Gestapo verhaftet und nach Theresienstadt deportiert wurde, wo sie vermutlich umkam) und Lilly, spielen Szenen aus deren Leben und schlüpfen so nach und nach in die Figuren dieser beiden Frauen. Neugedrehte Filmaufnahmen über einzelne Stationen im Leben von Felice und Lilly unterstützen die Geschichte. Die ZuschauerInnen sind mitten im szenischen Geschehen, umrahmt von Spurensuche und Lebensgefühl der beiden Liebenden. DF Mo 14.06., Di 15.06., 20.00 Uhr, Kosmos Theater, Siebensterngasse 42, 1070 Wien, T. 01/52 31 226

steiermark

Frauenliteraturwoche

Niki de Saint Phalle

Die Geburt der Nanas

Fo t o : Ku n s t h a u s Wi e n

Vor zwei Jahren starb Niki de Saint Phalle, die große Schöpferin der noch größeren Nanas. Jenen riesigen, bunten Frauenskulpturen, die seit den 1960er Jahren auf der ganzen Welt bekannt geworden sind. Das Kunsthaus Wien zeigt nun erstmals eine Werkschau der 1930 in Paris geborenen Künstlerin und dokumentiert in der ca. neunzig Werke umfassenden Ausstellung den künstlerischen Weg Saint Phalles durch die 1960er Jahre. Bekannt geworden war Niki de Saint Phalle zunächst vor allem durch ihre Schießbilder und -aktionen, bei denen sie weißgekleidet „wie eine vestalische Jungfrau“ auf alles schoss, was weiblichem Albtraum und männlicher Rationalität entsprach. So schoss sie unter anderem auf Kennedy und Chruschtschow, Priester, Generäle, Philosophen und somit auch direkt in das Gebälk des Nachkriegsbiedermeier. Inspiriert von Zeichnungen des amerikanischen Künstlers Larry Rivers, auf denen er seine hochschwangere Frau Clarice abgebildet hatte, entstanden Mitte der 1960er Jahre die ersten Nanas, anfangs noch in Patchworkkleid auf Maschendrahtskelett. Mit der Forderung „Les nanas au pouvoir“ (Nanas an die Macht) ließ Saint Phalle ihre Skulpturen ins Gigantische wachsen. „Ich werde die größten Skulpturen meiner Generation machen. Größer und stärker als die der Männer“, versprach die Künstlerin. Leider kostete sie die Umsetzung dieses Plans ihr Leben. Denn die Dämpfe des von Saint Phalle verwendeten Werkstoffs Polyester führten zu – letztlich tödlichen – Verätzungen ihrer Lungen. DF 19.5.-26.9., tägl. 10-19.00 Uhr, Kunsthaus Wien, Untere Weißgerberstraße 23, 1030 Wien, T. 01/71 20 495

30 an.schlägejuni 2004

Unter dem Titel „spielen stört. stört spielen?“ findet vom 1. bis 7. August im Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein in der Steiermark eine Frauenliteraturwoche statt. Ausgehend von der Überlegung, dass Spielarten in der Kindheit eine Mischung aus Wirklichkeit und Fantasie darstellten, stellen die beiden Referentinnen Ruth Frick-Pöder und Andrea Winkler die Fragen als Seminarschwerpunkt in den Raum, ob es denn nicht auch sein kann, dass mit diesen Spielen die Umgebung gestört wurde. „Welche Wege gibt es, sich dieses die Wirklichkeit abwandelnde Vermögen zu bewahren? Sind SchriftstellerInnen Menschen, die sich diese Fähigkeit in besonderer Weise angeeignet haben?“ Anhand verschiedener literarischer Gattungen und unterschiedlicher AutorInnen aus Vergangenheit und Gegenwart sollen diese Fragen beantwortet werden. Und wer kann sich der spielerischen Erarbeitung widmen? Eingeladen sind alle Frauen, „die das ernsthaft spielerisch lesend, schreibend und im wechselseitigen Austausch, tun wollen“. Die Kosten betragen im Doppelzimmer mit Vollpension 33,- Euro/Tag, im Einzelzimmer 3,- Euro/Tag. Die Seminargebühren: 135,- Euro für Erwerbstätige, 80,- Euro für Studentinnen. Anmeldeschluss ist der 1. Juli 2004. PÖ Infos und Anmeldung: Literarisches Forum, Otto-Mauer-Zentrum, Währinger Straße 2-4, 1090 Wien, T. 01/317 61 65-31, Fax: 01/317 61 65-17, e-mail: ka.literarisches-forum@edw.or.at.

linz

Filmpreisverleihung Blockbuster-Lawinen made in Hollywood drohen die mainstreamabstinente Filmszene wegzufegen. Gäbe es da nicht immer wieder kleine, feine Gemeinden von FilmemacherInnen und FilmliebhaberInnen, die als „Lawinenstopp“ agieren und österreichischen sowie internationalen Kreativen Auge und Ohr schenken. Linz ist diesbezüglich besonders offensehend und -hörend. So fand vom 4.-9. Mai das „Crossing Europe Filmfestival“ statt – inklusive Preisverleihung, die beweist, dass Frauen


an.risskultur keinesfalls nur als Kabelträgerinnen für Kameramänner dienen... Der Hauptpreis in der Kategorie „International Competition“, dotiert mit 10.000,- Euro, ging an Teona S. Mitevska und ihren Film „Kako Ubi Svetec“ (How I killed a Saint). Die internationale Jury, der zum Beispiel die österreichische Regisseurin Sabine Derflinger und die ungarische Journalistin Blanka Elekes Szentágotai angehörten, begründete ihre Entscheidung unter anderem damit, dass der Film als mutiger und entschlossener Versuch zu werten sei, „die schwierige aktuelle politische Lage Mazedoniens aufzuarbeiten“. Auch in der Kategorie „Local Artists“ ging eine Frau als Gewinnerin hervor: Michaela Schwentner mit ihrer experimentellen Videoarbeit „Jet“. Lobende Erwähnung fand „Blowfeld“ von Rainer Gamsjäger sowie das Dokumentarvideo „Nix gscheit’s drin“ von Regina Stefanschitz. Letztere erzählt in ihrem Film von der Begegnung zweier Frauen, die aus unterschiedlichen Generationen kommen und der fragilen Kommunikation, die sich zwischen den Beiden aufbaut. PÖ

heim.spiel

Eva Steinheimer

Jungs und Mädls Fo t o : S t e i n h e i m e r p r i v a t

Architektur

Der fotografische Blick

Fo t o : Pe z H e j d u k

Als langjährige an.schläge-Fotografin ist sie uns und unserern Leserinnen schon seit Jahren bekannt. Nun hat Pez Hejduk erstmals einen Querschnitt ihrer architekturfotografischen Arbeiten zusammengestellt, der vom 6. – 20. Juni im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein wird. In „Aussichten auf Architektur“ eröffnet sich für die BetrachterInnen, geleitet durch den Blick der Fotografin, eine spezifische Sicht auf Bauwerke unterschiedlicher Funktion und Materialität. Der Verzicht auf spektakuläre Perspektiven und die menschenleeren Räume lassen die Architektur für sich selbst sprechen. Dazu Dietmar Steiner vom Architekturzentrum Wien, wo die Ausstellung im Rahmen der Wiener Architekturtage in Kooperation mit MISCHEK in einem ausgelagerten urbanen Ort – einer Wohnhausanlage in Wien – gezeigt wird: „Pez Hejduk ist Architekturfotografin. Sie hat das Handwerk der Fotografie gelernt, und über die Jahre die sozialen und klimatischen Gefährdungen der Architekturfotografie erfahren. Daraus hat sie ihre ,Standpunkte/Viewpoints’ entwickelt. Es kommt immer darauf an, welche Haltung man einnimmt. Gegenüber dem Objekt. Man nennt dies eine qualitative kulturelle Diagnose. Aus Bildern lesbar.“ Klingt spannend! Also: Hingehen und anschauen! DF Viewpoints., 6.- 20.6., Eröffnung: Samstag, 05.6., 14.30 – 16.00 Uhr, Wohnhausanlage Linzer Straße 421A

In letzter Zeit haben’s Lenni und ich recht mühsam mit den unbekannten Leuten auf Straßen und Spielplätzen, im Geschäft und im Wartezimmer vom Kinderarzt, denn überall verfallen sie in entzücktes Staunen über das „süüüße Mädchen“. Wenn sich dann später herausstellt, dass es sich doch um einen Buben handelt, sind die einen ganz verlegen und betreten, als hätten sie etwas schrecklich Beleidigendes gesagt. Die anderen sagen entschuldigend so etwas wie: „Ach ja, er hat ja eh einen blauen Hut auf!“ Die Verwechslung stört mich nicht; aber die Tatsache, dass kein Mensch jemals: „Ein liebes Kind“ oder Ähnliches sagt, sondern immer gleich eine geschlechtliche Zuordnung passieren muss, finde ich doch recht eigenartig. Die Begleitpersonen der anderen Kinder auf dem Spielplatz könnten ja sagen: „Die Schaufel gehört dem anderen/kleinen/großen/blonden Kind mit der blauen/roten/grünen Jacke.“ Stattdessen wird aber immer nur gesäuselt: „Nicht das Mädchen/den Buben mit Sand bewerfen.“ Ist es denn bei einem einjährigen Kind so wichtig, ob es Bub oder Mädchen ist? Und wenn ja, warum wird dann nicht nachgefragt? Weil anhand irgendwelcher Kennzeichen eine Zuordnung erfolgt. Ob es bei Lenni an den roten Schuhen oder der orangen Jacke liegt, weiß ich auch nicht. Bei der pinkfarbenen Schnullerkette ist sowieso alles klar. Und die länger werdenden Haare, die sich frech über den Ohren locken, sind ein eindeutiges Mädchensymbol. Ein vierjähriges Kind hat mir vor kurzem nicht glauben wollen, dass Lenni ein Bub ist, denn nur Mädchen hätten lange Haare. Doch die Logik von Kindern ist in der Hinsicht noch recht eigenständig. Mein Bruder etwa wurde (wegen seiner kinnlangen Haare?) im Kleinkindalter auch öfter als süüüßes Mädchen angesprochen. Als er dann gelernt hatte, dass der Unterschied scheinbar für die Erwachsenen ganz essenziell war, war er ganz entrüstet. Ob die Leute denn glaubten, Mädchen würden Latzhosen tragen! Ein einleuchtendes Argument – für ihn. Lenni ist das alles noch herzlich egal. Spätestens im Kindergarten wird sich das dann aber ändern: da gibt’s dann nur noch Mädels und Jungs.

(Plan auf der AZW-Homepage), Di-Fr 16-20.00 Uhr, Sa, So 11-17.00 Uhr, Eintritt frei! Info: www.azw.at

juni 2004an.schläge 31


bikulturellepaare

Fo t o : A r c h i v

Bunte Paare Bikulturelle Paare sind in vielerlei Hinsicht anders. Oder doch nicht? Das 10-jährige Jubiläum des Vereins FIBEL (Fraueninitiative Bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften) ist Anlass, nachzufragen. Von Karin Eckert Am Anfang war Betty Mahmoody. Ihre Geschichte – sie heiratete in den USA einen Iraner, der sich in seinem Heimatland zu einem wahren Teufel wandelte – sorgte im Film „Nicht ohne meine Tochter!“ weltweit für Aufsehen und war vielleicht der Auftakt zu einer neuen Welle des Antiislamismus. Auf Basis einer individuellen Geschichte wurde hier unreflektiert und simplifizierend gegen die gesamte persische Kultur gehetzt. Dieses rassistische Machwerk war der Anlass, dass sich ein Grüppchen von Frauen zusammenfand, die eines gemeinsam hatten: Sie alle sind 32 an.schlägejuni 2004

oder waren mit Persern verheiratet und fanden bald Gemeinsamkeiten in ihren Erfahrungen mit einem persischen Mann, einem außereuropäischen Partner, einer bikulturellen Beziehung.Was als Selbsthilfegruppe begann, wurde vor nunmehr zehn Jahren zum Verein FIBEL – Fraueninitiative Bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften. Petruska Krcmar und Gerti Schmutzer schupfen seit Anbeginn den Laden und plaudern bei unserem dreistündigen Gespräch aus der Schule. Angebot. Die meisten Frauen, die FIBEL aufsuchen, sind Mehrheits-Österreiche-

rinnen. Knapp zwanzig Prozent sind Migrantinnen. Die Frauen besuchen regelmäßig abgehaltene Vorträge und Workshops zu Themen wie „Treue oder eine Frage der Ehre?“, „Tabuthemen in bikulturellen Beziehungen“ oder „Geschlechterbeziehungen südlich der Sahara“. Oder aber sie finden sich in der „Offenen Gruppe“ ein. Hier haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, mit Frauen in ähnlichen Situationen Erfahrungen und Gedanken auszutauschen. Darüber hinaus bietet FIBEL Einzelberatung an, in der vor allem rechtliche Fragen besprochen werden. Dass dieses


paarebikulturelle Thema so einen wichtigen Stellenwert einnimmt, ist kein Zufall. Fehlende Arbeitsbewilligungen bei vielen nicht verheirateten Partnern, komplizierte Nostrifizierungsverfahren, Unmöglichkeit entsprechende (bzw. überhaupt eine) Arbeit zu finden, die Schwierigkeiten, mit einem „unösterreichisch“ klingenden Nachnamen eine Wohnung zu bekommen, willkürliche Polizeikontrollen mitten auf der Straße – all dies belastet bikulturelle Beziehungen ungemein. „Familien im Ausnahmezustand“ heißt daher bezeichnenderweise eine Studie des Vereins. Nicht selten ist die Partnerin/der Partner von Abschiebung bedroht, oder aber – wenn sich das Paar außerhalb Österreichs kennen gelernt hat – sie/er bekommt, wenn überhaupt, nur unter großen (auch finanziellen) Anstrengungen ein TouristInnenvisum. Das sei auch der Grund, warum viele Paare viel zu früh heiraten, spricht Krcmar ein Kernproblem an:„Die Beziehung kann nicht reifen, die PartnerInnen sind wegen des Drucks nicht mehr in der Lage, ihre Gefühle füreinander einzuschätzen.“ Mit der Heirat ist zwar wieder eine gemeinsame Zukunftsperspektive gegeben, aber der Ausnahmezustand dauert dennoch an: Einige bekommen wegen Verdacht auf „Scheinehe“ „Besuch“ von der Polizei. Auch die bange Frage, „Geht es ihm um mich, oder nur um das Visum?“ ist eine fragile Basis für eine Beziehung. Krcmar plädiert daher für die Anerkennung der Lebensgemeinschaft. So hätten die Paare Zeit, sich kennenzulernen und würden nicht Hals über Kopf in den Rettungsring Ehe springen. „Für lesbische Paare ist die Situation noch schwieriger – vor allem in rechtlicher Hinsicht“, erklärt Schmutzer. Hier bestehe keinerlei Möglichkeit, durch eine Ehe den Aufenthalt zu sichern oder die Partnerin über Familienzusammenführung ins Land zu holen. Bisher kamen jedoch nur in Ausnahmefällen lesbische Paare zu Veranstaltungen oder Beratungsgesprächen, erzählen die beiden Mitarbeiterinnen. „Leider“, betont Krcmar im selben Atemzug, denn auch in der offenen Gruppe seien Lesben herzlich willkommen. Dass bisher nur eine Lesbe den Weg in die Heinestraße gefunden hat, läge sicher nicht daran, dass es im bikulturellen Kontext weniger lesbische Paare gäbe als im mehr-

heitsösterreichischen. Letztlich können wir uns darauf einigen, dass eine offensivere Einladungspolitik, die Lesben offiziell willkommen heißt, ein wichtiges Zeichen wäre. Erst an zweiter Stelle der Beratungsstatistik stehen so genannte „kulturelle Konflikte“.Viele beruhen auf unterschiedlichen Erwartungshaltungen der PartnerInnen (Verbringe ich die Freizeit mit der Familie oder mit FreundInnen? Wird Weihnachten gefeiert? Wird das gemeinsame Kind getauft?). Dass mancher Konflikt aber auch kulturalisiert wird, gestehen die FIBEL-Frauen ein: Stereotype Vorstellungen bewirken, dass individuelle Macken des Partners als kulturelle Merkmale fehlinterpretiert werden. Und dennoch: „Kulturelle Unterschiede gibt es“, ist Krcmar wichtig festzuhalten. „Das heißt ja noch nicht, dass ich sie akzeptieren muss.“ Natürlich sei es angesichts der politischen Situation und der Stimmung in der Bevölkerung bisweilen heikel, Probleme zu benennen, wirft Schmutzer ein. Aber den Partner deshalb als fehlerfrei zu stilisieren, wäre nicht nur kontraproduktiv, sondern auch diskriminierend. Denn „Arschlöcher gibt es überall“.

lich umgekehrt. Die Mehrheitsösterreicherinnen verfügen über mehr „soziales Kapital“. Sie haben stärkere soziale Beziehungen, wissen wohin sie sich mit Problemen wenden können, sie kennen die sozialen Regeln. Sie sind in einer machtvollen Position. Das mag auf den ersten Blick positiv erscheinen, de facto aber führt die Machtumkehr nicht selten zu Problemen.„Die Erwartungen des ausländischen Partners sind unter Umständen überzogen. Er glaubt, die österreichische Partnerin ist so machtvoll, dass sie alle Probleme lösen kann“, schildert Schmutzer einen weiteren Mythos. Nicht nur, dass die Frauen damit oft gar nicht glücklich sind, weil es um existenzielle Fragen geht und ihnen lieber wäre, ihr Partner könnte arbeiten, sie hätte ein bisschen weniger Macht und dafür gäbe es auch keine finanziellen Sorgen. Macht zu haben kann auch bedeuten, sie zu missbrauchen, den Mann in eine Abhängigkeit zu treiben, berichtet Krcmar von einer gefährlichen Haltung.„Wenn sie zusammen einen Behördenweg erledigen, schleppt sie ihren Partner hinter sich her wie eine Handtasche.“ Deshalb betonen Schmutzer und Krcmar immer wieder die Wichtigkeit, ein Gleichgewicht herzustellen. Die FIBEL-Frauen tun sich auch Mythen. Vorannahmen bestimmen also ein bisschen schwer, den Ansatz des Proimmer wieder das Zusammenleben. jektes als feministisch zu bezeichnen. Mehrheitsösterreichische Männer sind überrascht, dass ihre russische Frau doch „Emanzipatorisch“, meint Krcmar zönicht so häuslich ist, wie sie das erwartet gernd.„Wir ermuntern Frauen, zu ihren Wünschen zu stehen. Sie sollen sich hatten. Für manche Frau ist die Vorsteldurch keinerlei Erwartungen versklaven lung beängstigend, einen türkischen lassen.Weder durch kulturelle noch Mann zu heiraten. Anfragen wie „Mein Freund ist Moslem aus der Türkei.Worauf durch Geschlechterrollen.“ Im Zweifelsmuss ich mich gefasst machen?“ zeugen fall bedeutet das aber auch, sich von feministischen Vorstellungen zu verabdavon, wie sehr bikulturelle Paare von stereotypen Vorstellungen geprägt sind. schieden – wenn das der Wunsch der Frau ist. Aber auch positive Entmystifizierungen In bikulturellen Beziehungen wird gehören dazu: So zeigen die Partner in Theorie virulent: Hier wird deutlich, bikulturellen Beziehungen oft viel mehr dass Geschlecht eine HierarchisierungsBereitschaft, Haushaltstätigkeiten zu ebene unter mehreren ist, denn ein übernehmen, als mehrheitsösterreichiMann, der in seinem Herkunftsland qua sche Männer. Das sei, so Krcmar, darauf Geschlecht eine privilegierte Position zurückzuführen, dass es in den Hereinnimmt, wird in Österreich wegen kunftsländern der Partner oft andere seiner Herkunft in eine diskriminierte Trennlinien darin gäbe, was als „männPosition verwiesen. Wer ist nun diskrilich“ oder „weiblich“ gilt. Andere erlediminierter, die österreichische Frau oder gen den Haushalt, weil sie die Berufsder Mann mit Migrationshintergrund? tätigkeit ihrer Partnerin kompensieren Welche Achse der Differenz ist bedeutwollen. samer? Das kann jedenfalls am 18. Juni beim 10-Jahresfest von Fibel an/ausdisMachtumkehr. Überhaupt sind in bikultukutiert werden. And don’t forget: Ob rellen Beziehungen die Geschlechterrollen oft verschoben, bisweilen sogar gänz- queer oder straight – You’re welcome! ❚

Fest 10 Jahre FIBEL. 18.6., 18-21h im ega, 1060 Wien, Windmühlg. 26

Buchtipp: Dietmar Larcher: Die Liebe in den Zeiten der Globalisierung. Konstruktionen und Dekonstruktionen von Fremdheit in interkulturellen Paarbeziehungen. Unter Mitarbeit von Petruska Krcmar, Ruth Krcmar und Gerti Schmutzer. Drava-Verlag 2000, eur 19,50

FIBEL, Heinestraße 43, 1020 Wien, T. 01/21 27 664, e-mail: fibel@verein-fibel.at; http://www.verein-fibel.at

Offene Gruppe: jeden 1. u. 3. Dienstag im Monat 18-20.ooh

juni 2004an.schläge 33


Fo t o : A r c h i v

dykesonbikes

Die Spitze der Parade Motorrad-Lesben gibt es viele. Einige von ihnen haben vor zwei Jahren einen Verein gegründet. Die Dykes on Bikes Austria (DOB), vorgestellt von Helga Pankratz Seit der allerersten Regenbogen Parade, die 1996 in Österreich stattfand, ist es Tradition, dass dieser bunte Festzug der Lesbischwulen- und TransgenderBewegung auf der Wiener Ringstraße von Lesben auf Motorrädern angeführt wird: den Dykes on Bikes. Dykes on Bikes ist ein geläufiger Begriff. Clubs und Gruppen, die so heißen, gibt es – teils schon recht lange – auf dem amerikanischen und australischen Kontinent ebenso wie in Paris, 34 an.schlägejuni 2004

Hamburg, Köln oder Berlin. Jede Menge Dykes on Bikes – Lesben, die leidenschaftlich gern Motorrad fahren und eine Maschine besitzen – gibt es selbstverständlich auch in Österreich. Doch einen Verein dieses Namens haben motorradbegeisterte Lesben in Österreich erst im August 2002 angemeldet: „Dykes on Bikes Austria – DER Motorradclub für Lesben“ – kurz DOB. Der Verein hat zur Zeit knapp dreißig Mitgliedsfrauen im Alter zwischen 18 und fünfzig Jahren. Eine Hand voll von

ihnen ist im Vorstand aktiv und – neben Studium und Job – mit voller Power für das organisatorische Funktionieren des Vereinslebens verantwortlich: Obfrau Bianca, auch bekannt als Homo-Bi-Trans-Referentin an der Technischen Universität, fehlt mit ihrer mit Regenbogenfahnen aufgemotzten Maschine bei fast keiner Ausfahrt. Die vor allem um die DOB-Internetpräsenz sehr verdiente Obfraustellvertreterin Mady, die ebenso stille wie kompetente Kassierin Uschi und Schriftführerin


bikesondykes Martina – mit ihren 45 Jahren momentan die Seniorin im ansonsten eher jungen harten Kern des Vereins – bilden das Vorstandsteam. Ergänzt und unterstützt werden sie unter anderem von der lustigen Ulli aus Niederösterreich und Carla mit dem Münchner Dialekteinschlag. Sie alle verbindet, dass sie ihre Maschinen lieben. Ihre Motorräder sind für sie nicht bloß irgendwelche fahrbaren Untersätze mit Hubraumbezeichnungen wie 500er oder 600er oder Firmennamen wie Kawasaki, Honda oder Yamaha: sie haben Kosenamen wie „Käthe“, „Fee“, „Mel“ oder – wegen der auffällig gelben Farbe – „Biene Maja“. Men’s World? Die Welt des Motorbiking gilt immer noch als Männerdomäne – eigentlich zu Unrecht, wenn es nach dem Frauenanteil beim Neuerwerb des A-Führerscheins geht. Doch Handel und Gewerbe rund um das Motorrad sind noch immer fest in Männerhänden. Im Gespräch schildert Ulli, Anfang zwanzig, sehr lebhaft, wie auch heutzutage Mädchen mit Interesse und Begabung auf technischem Gebiet und dem Berufswunsch KFZ-Mechanikerin von Betrieben abgewimmelt werden: mit dem letztlich genauso haltlosen wie als Ausrede beliebten Argument, es gäbe leider keine Toiletten und Waschräume für weibliches Werkstattpersonal. Auch deshalb macht es Sinn, sich als lesbische Bikerinnen zusammenzutun. First-Hand-Informationen von Lesbe zu Lesbe über gute und schlechte Erfahrungen bei Service, Reparatur, Neu- und Gebrauchtkauf von Maschinen können viel Ärger ersparen – manchmal auch echte Diskriminierungserlebnisse und auf jeden Fall jede Menge Geld. Ein Service gemeinsam zu machen, sich gegenseitig zu zeigen, wie kleine Reparaturen in Eigenregie funktionieren, bereitet außerdem fast so viel Freude wie die gemeinsamen Ausfahrten selbst. Motortag. Einmal monatlich, jeweils am 2. Sonntag, gibt es eine Sonntagsausfahrt in die nähere Umgebung. Treffpunkt dafür ist zur Zeit Gina’s Weibar im 6. Bezirk. Dort wird vor dem Starterankicken bzw. Zündschlüsseldrehen noch ein guter Kaffee genossen und die Wetterprognose für den Tag disku-

tiert. Leicht verregneter Saisonstart war diesmal der 9. Mai, an dem der schon lang geplante Ausflug in die Wachau auf dem Programm stand. Bei strahlend blauem Himmel am Vormittag in Wien beschlossen Mady, ihre Sozia (=Mitfahrerin) Daniela und Ulli auf der gelben Honda „Biene Maja“, den Ausflug zu wagen und diesen Muttertag zum „Motortag“ zu machen. Unterwegs schloss sich ihnen noch eine wetterfeste DOB-Frau aus Niederösterreich an. „Der Regenguss erwischte uns am Nachmittag in Krems,“ berichtet Mady lapidar. Toy-Run. Der nächste große BikerInnenEvent, bei dem – wie schon im Vorjahr – einige DOB-Frauen mit ihren Regenbogen-beflaggten Bikes lesbische Sichtbarkeit garantieren werden, ist die niederösterreichische Benefizfahrt Toy-Run am 20. Juni. Bei dieser mittlerweile mit Preisen und Ehrungen für soziales Engagement ausgezeichneten Veranstaltung der BikerInnen-Community zugunsten bedürftiger Kinder ist vorab immer nur der Treffpunkt für den Start bekannt. Das genaue Ziel – ein Kinderheim – wird bis zuletzt geheim gehalten, um auf der Strecke Verkehrsbehinderungen durch Schaulustige zu vermeiden. JedeR MitfahrerIn spendet als Startgeld mindestens zehn Euro, BeifahrerInnen mindestens fünf Euro, und pro Motorrad muss wenigstens ein Spielzeug oder Sportgerät für die Heimkinder mitgebracht werden. Im Vorjahr nahmen vier DOBFrauen auf drei Maschinen daran teil. Treffpunkt ist heuer der SCS Parkplatz Vösendorf (ab 6.00 Uhr). Gestartet wird um 9.00 Uhr. Große Fahrt. Einmal jährlich steht bei den Dykes eine große Ausfahrt auf dem Programm. Wo genau es heuer im August hingehen soll, wird noch diskutiert. Im Vorjahr führte die dreitägige Tour auf den Großglockner. Dabei trafen sich die Vereinsmitglieder aus Österreichs Osten und Westen. Die Frauen aus Ostösterreich – Wien, Tulln, Ternitz, Vösendorf – starteten am Freitag zeitig in der Früh. Uschi aus der Schweiz auf ihrer Harley und mit einer Sozia aus Vorarlberg, sowie Christina aus Innsbruck mit ihrer Schwester am Rücksitz fuhren gemeinsam aus Innsbruck ab. Gegen 18.00 Uhr trafen dann

alle am Campingplatz von Bruck am Großglockner zusammen: Nicht nur perfektes Wetter und die landschaftliche Faszination der Großglockner Hochalpenstraße, sondern auch die Freude am Zusammenkommen und der Gemeinsamkeit machte diese Tour für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis. Parade-Lesben. „Dass es den Verein gibt, ist ausgesprochen nützlich für organisatorische Planungen im Vorfeld der Regenbogen Parade“, erklärt Obfrau Bianca. Bei der Wiener Parade am 26. Juni wird es Leihmotorräder geben, um allen Lesben die Möglichkeit zum Mitfahren zu geben, die zwar den A-Schein haben, aber kein eigenes Fahrzeug. DOB haben mit der bekannt frauenfreundlichen Fahrschule „U3ver“ vereinbart, dass diese ihre Bikes dafür zur Verfügung stellt. „Für Bikerinnen, die von weiter her zur Parade anreisen, werden wir auch private Schlafplätze anbieten“, verspricht Mady. „Unter den Lesben gibt es ja sehr viel mehr Bikerinnen als die paar, die in unserem Verein sind,“ erklärt Bianca, „gerade bei der Parade siehst du, wie viele es sind. Viele Frauen im Dykes-on-Bikes-Pulk sind überhaupt nicht Mitglied. Und das ist vollkommen okay so, es müssen nicht alle Motorrad-Lesben bei uns Mitglied sein. Weder für die Parade, noch um mit uns zusammen eine Ausfahrt zu machen.“ „Und wenn frau aber unbedingt Mitglied werden will?“, frage ich hartnäckig. Ist der A-Schein Voraussetzung? Muss ich eine Maschine besitzen? Muss eine Bikerin unbedingt lesbisch sein? Mady beantwortet sämtliche Fragen geduldig: „Weder der A-Schein, noch eine eigene Maschine sind Bedingung. Was zählt, sind Interesse und Sympathie für die Sache.“ Und: „Jede Frau kann Mitfrau werden. Sie darf auch stockhetero sein; sofern sie mit Lesben die Freude am Motorrad teilt und mit dem lesbischen Vereinsnamen kein Problem hat.“ Das Sensationellste aber sagt sie ganz zum Schluss: „Der Mitgliedsbeitrag beträgt Null Euro.“ Da schaltet sich zum ersten und einzigen Mal die stille Kassierin Uschi in unsere angeregte Unterhaltung ein:„Aber Spenderinnen und Sponsoring sind uns immer willkommen!“ ❚

Dykes on Bikes (DOB) Austria: http://beam.to/dykesonbikes Kontakt: dykes.on.bikes@firemail.de

Ausfahrten: Jeden 2. Sonntag des Monats, 11.00 Uhr, Treffpunkt: Gina’s Weibar, 1060 Wien, Marchettigasse 11

Toy Run: http://www.toyrun.at/

juni 2004an.schläge 35


Fo t o s : H a n s J ü r g e n We g e ( g r o ß ) , B o r u t K ra j n c ( k l e i n )

interviewtanja ostojic´

Soziale Kunst-Figur Die aus Belgrad stammende Künstlerin Tanja Ostojic´ nimmt Juni und Juli an der Ausstellung „Interventionen gegen Rassismen“ in der IG Bildende Kunst teil. Ein Interview von Kerstin Kellermann

Tanja Ostojic´ wurde durch ihre provokanten Aktionen bekannt. So wusch sie einem berühmten Kurator der Biennale von Venedig die Füße und heiratete live im Internet, um einen EU-Pass zu erhalten. an.schläge: Mit Deiner Arbeit „Looking for a husband with EU-passport“, die sich mit dem Heiratsmarkt für MigrantInnen beschäftigt, hast du Verbindungen zwischen Rassismus und Sexismus aufgezeigt. Kannst du mehr über deine Intentionen und die Reaktionen auf deine Arbeit erzählen? Tanja Ostojic: ´ Jahrelang lebte ich ständig eingeschränkt und gedemütigt durch die Tatsache, einen unpopulären 36 an.schlägejuni 2004

Pass zu besitzen. Mein Recht auf Bewegungsfreiheit, in den Städten zu leben und zu arbeiten, in denen ich wollte, blieb eine Abstraktion, also musste ich immer Wege finden, um dieses Ziel zu erreichen. Im Jahr 2000 gestaltete ich drei Arbeiten, in denen ich verschiedene – MigrantInnen wohl bekannte und oft benutzte – Strategien anwandte: „Illegal border crossing/Illegaler Grenzübertritt“ von Slowenien und Österreich aus, sechs Stunden „Waiting for a visa/Warten auf ein Visum“ vor dem Konsulat in Belgrad – ohne Resultate und „Looking for a husband with EU passport/Suche nach einem Ehegatten mit EU-Pass“. Meine Intention war es, den Elitismus der Europäischen Union und die hoch-

problematischen Schengen-Bestimmungen zu unterstreichen und eine Plattform für diese Diskussion zu kreieren. Mit der Kunstaktion wollte ich aber auch etwas überbrücken, was ich im wirklichen Leben nicht konnte. Für mein „Looking for a husband with EU-passport“ benutzte ich ein Foto von mir selbst, komplett rasiert und nackt, mit Blick auf den Betrachter ohne ein Lächeln oder einen verführerischen Blick. Wichtig war mir, einen Eindruck zu erzeugen, der sich ohne Zweifel von der Ästhetik von Hochzeitsfotos abhob. Mit dem klaren Statement „Suche nach einem Ehegatten mit EU-Pass“ und „Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung an hottanja@hotmail.com“. Ursprünglich war es nicht meine


tanja ostojicinterview ´ terpretiert und die direkte Kommunikation nur als Körper begreift, dann haben wir ein Problem. Weil ich sicher mehr mein Hirn als meinen Körper benutze. Muss Kunst im Kontext des Schaffens gesehen werden? Sollten die Lebensumstände der Künstlerin miteinbezogen werden? Was ich tue, ist nur dann Kunst, wenn ich es in einem Kunstkontext mache und zeige. Ansonsten ist es kultureller Aktivismus. Langzeitforschungen, in die ich eingebunden bin, sind sicherlich etwas, das sich mit meiner Lebenserfahrung überlappt. Ohne diese tiefe persönliche Einbindung und das Risiko, das ich damit immer eingehe, würde ich nicht fähig sein, ein besseres Verständnis für bestimmte Themen, über die ich arbeite, zu erreichen. Ich bin nicht am simplen Schaffen von Bildern interessiert – der Produktion von Kunstwerken, die für Unterhaltung und Verkauf benutzt werden. Der Großteil meiner Arbeit ist interaktiv. Ich habe es nicht gern, die Leute in der Rolle der BetrachterInnen zu lassen. Ich versuche sie zu involvieren, ihre Meinungen zu hören, sie an meinen Projekten mitarbeiten zu lassen. Es gibt viel sexuelle Gewalt gegen Frauen. Einige feministische Künstlerinnen beschäftigen sich mit diesem Thema. Interessierst du dich für diesen Bereich? Das ist ein sehr sensibles Thema. Als ich beispielsweise vor kurzem Interviews in der Schubhaft in Berlin Köpenick machte, konnte ich im Nachhinein keine der Stellungnahmen der Frauen für meinen Dokumentarfilm benutzen, weil deren Fälle äußerst sensibel sind und wenn man das öffentlich gezeigt hätte, wären ihr Ansehen und ihre Würde verletzt worden. Das große Problem ist, dass die EU-Staaten genderbezogene Gewalt nicht als Asylgrund oder als Grund für ein humanitäres Visum ansehen. Die „Personal Space Performance“ 1996 und „Looking for a husband with EU passport“ sind Projekte, die Bewusstsein für dieses Thema hervorrufen sollen. Die dabei verwendete Konzentrationslager-Ästhetik ähnelt Erfahrungen von Gewalt in einer unterbewussten und subtilen Art. Seit ein paar Jahren plane ich ein Projekt zum Frauenhandel in den Balkanstaaten. ❚

lesben.nest Fo t o : Pe z H e j d u k

Absicht zu heiraten, aber als ein paar interessante Vorschläge kamen, nämlich jemanden „for real“ (also echt) zu heiraten, der das Projekt verstand und meinen Mobilitätswunsch unterstützen wollte, entschied ich mich, den nächsten Schritt zu tun und nahm die Identität einer „Verheiratet für Papiere-Migrantin“ an – eine Position, in der ich bis heute lebe. Da das Projekt sehr lange lief, gab es viele verschiedene Reaktionen. Ich erhielt über 500 Briefe von Leuten aus der ganzen Welt. Es gab Kommentare völlig unterschiedlicher Art. Einige fragten, was mit meinem Haar passiert sei, andere drückten Bewunderung für meinen Mut aus. Auch perverse sexuelle Kommentare ließen sich nicht vermeiden – also lernte ich einiges über falsche Identität im Internet. Um eine Ahnung von der Spannbreite der Reaktionen zu bekommen, muss man wissen, dass einige der Kunstbetrachter meiner Aktion NATO-Soldaten im Shopping-Zentrum von Skopje in Mazedonien (im Rahmen der Ausstellung „Kapital und Gender“) waren und andere Schulkinder in Österreich, die die „Never Stop The Action“Schau in der Galerie von Rotor in Graz sahen. Feministische Kunst konzentrierte sich in den letzten dreißig Jahren sehr auf den weiblichen Körper. Warum ist der Körper für eine Künstlerin so wichtig? In den 70er Jahren standen die Grenzen des Körpers im Fokus der künstlerischen Interessen, genauso wie die Überwindung bestimmter Rollen. Ich finde es höchst problematisch, wenn die Arbeit von Künstlerinnen strikt über die Benutzung des eigenen Körpers interpretiert und auf weibliche Körper-Erfahrung beschränkt wird. Das ist speziell der Blick männlicher Kuratoren und jener, die dieses Modell übernehmen. Ich möchte unterstreichen, dass ich meine soziale Figur als Material mit allen unterschiedlichen Aspekten der sozialen Erfahrung und Definitionen benutze – eben nicht meinen Körper. Der Körper ist für mich Material, sowohl als Text, als auch als Dialog und als Dokumentarvideo – nicht mehr und nicht weniger. Die Tatsache, dass ich so oft innerhalb meiner Arbeit präsent bin, liegt in meinem Bedürfnis nach direkter Kommunikation. Und wenn jemand diese Rede als Rede in der ersten Person in-

Ursula Raberger

Chinese for beginners Die Räumlichkeiten des ehemaligen Orlando erstrahlen in neuem Glanze – wie auch die dort arbeitende Crew. Das versprach jedenfalls die Einladung zur Eröffnungsparty des queeren Restaurants „ex equo“. Und unsere fidelen Freundinnen sollten nicht enttäuscht werden. Kim war zwar sichtlich von einem langen Arbeitstag gezeichnet, hatte haufenweise Anekdötchen über lästige Kunden auf Lager, war aber ansonsten guter Dinge: „Was ich jetzt brauch ist Unterhaltung – und etwas Kaltes zu trinken.“ Ein nach Mango schmeckender Eröffnungstrunk mit einem Schuss Wodka (soweit Zoes Geschmacksnerven da richtig lagen) bewirkte das Übliche, und die Stimmung wurde bald ausgelassener. Kim merkte nicht, wie sich zwei alte Bekannte auf Zehenspitzen näherten – und zwar mit eindeutig bösen Absichten. Ein lautes Kreischen: „Aaaah, Kim! Schon lange nimma g’sehn!“ brachte es zustande, dass ein lecker schmeckendes Lachsbrötchen seinen Weg auf Kims Schoß fand. Anfangs verärgert, löste sich dieser Zustand bald in freudiges Rumgehüpfe auf. Vor Kim standen jahrelang nicht mehr gesehene Kumpaninnen aus alten Zeiten: Shi und Sandra! Das musste gefeiert werden – da waren sich auch die anderen Tischgesellinnen einig! Schampus für alle überstieg dann aber doch die finanziellen Möglichkeiten und Bier musste genügen – schnell serviert von einem erfreulich sympathischen und flotten Kellner. Shi berichtete gerade von ihren Shanghai-Aufenthalten, als eine fatale Idee geboren wurde: „Wie wär’s mit einem ChinesischSchnellkurs für leicht angeheiterte Frauen?“ Gesagt – getan. Frau lernte wichtige Sätze wie: „Meine linke Brustwarze ist gepierct“ und erfuhr, dass dies als Bagger-Spruch wohl ins Röckchen gehen würde, aber sei’s drum. Kim und ihre Freundinnen genossen den Abend zwischen Träumen von der Chinesischen Mauer samt Angelina Jolie auf dem Motorrad und einer netten Musikuntermalung. Tombolawünsche gingen in Erfüllung und frei heraus gesagt: ex equo hat trotz anfänglicher Skepsis nicht enttäuscht. Weiter so – wir kommen wieder!

juni 2004an.schläge 37


an.klang

We Are Disco Yippie! Die Nächte werden endlich wärmer – und länger. Sonja Eismann hat bei Rhythm King And Her Friends, Miss Kittin und Catarina Pratter die richtigen Beats für laue Tanznächte gefunden, die mehr Diskurs und Glamour auf die Tanzfläche bringen.

Rhythm King & Her Friends : „Get Paid“ Miss Kittin: „I Com“ Catarina Pratter: „Maybe You Don’t Exist“

38 an.schlägejuni 2004

„I could quit the job if I want to, but it`s more fun to do it as I do. Extend my breaks, feeling sick the next day but watch out so I’m gonna get paid. Could put machines out of order or load a virus on the computer, bother the boss by senseless discussions, be creative to cut the production.“ Was die Berliner Band Rhythm King And Her Friends im Song „Get Paid“ mit rotziger Attitüde und knallenden Beats skizziert, ist wohl der heimliche Wunschtraum aller Lohnsklavinnen, die im Neoliberalismus ihr karges Dasein fristen: sich zwar bezahlen lassen, aber Tag für Tag ein wenig mehr Sand ins Getriebe streuen, um die Profite zu schmälern und sich dabei hämisch die Hände zu reiben. Die drei Wahlberlinerinnen Linda, Pauline und Sara haben sich schon vor mehreren Jahren als Band zusammengefunden, weil sie „mehr Glamour“ auf „queere Dancefloors“ zaubern wollten und davon überzeugt waren, dass man Genderdebatten und Ökonomiekritik auch in catchy Elektropopsongs verpacken kann. Mit ihrem ersten Longplayer „I Am Disco“ (Kitty-Yo), auf dem auch ältere, damals noch in Eigenregie veröffentlichte Stücke zu finden sind, treten sie den Beweis an, dass ihnen dieses Vorha-

ben perfekt gelungen ist. Mit ihrem melodiösen, kontrapunktischen mehrstimmigen Gesang, sehr direkten ElectroBeats, Gitarre, Bass und allerlei Spielzeuginstrumenten besetzen sie das Feld elektronischer Popmusik mit ihren eigenen Themen, wenn sie etwa über ihr „boyish closet“ oder die Freundlichkeit als Ware philosophieren: „I Am Disco“, sagen sie selbstbewusst, und wir rufen begeistert zurück:„Hell yeah!“ Nicht weniger glamourös, dafür aber ein bisschen weniger diskursiv, geht es bei Miss Kittins erster Soloplatte zur Sache. Mit „I Com“ (novamute/gb) hat die Französin, die als gefeierte DJ rund um den Globus jettet und bereits mit allen Größen der elektronischen Musik zusammen gearbeitet hat, ein lupenreines Popalbum vorgelegt, in dem sie verschiedenste Stile wie Detroit-Techno, Ambient, französischen 80er-Disko und New-Wave-Rock zu einem stringenten Ganzen fusioniert. Assistiert wurde ihr dabei von Thies Mynther und Tobi Neumann, die auch das letzte Chicks-on-Speed-Album produzierten, weswegen „I Com“ streckenweise auch so klingt, als hätten die Chicks höchstpersönlich Hand angelegt – was ja nicht die übelste Referenz ist.

Auch wenn die vor 31 Jahren im französischen Grenoble als Caroline Hervé geborene Künstlerin mit dieser Platte, bei der sich Hit an Hit reiht, endgültig die Herzen der Massen erobern wird, bleibt sie auf dem Boden und definiert sich weiterhin als UndergroundDJ. Très sympa. Aus Wien kommt die Musikerin Catarina Pratter, die auf dem kleinen, feinen Berliner Vinyl- und Online-Label Sue Mi jetzt eine 12“ mit dem mysteriösen Titel „Maybe You Don’t Exist“ veröffentlicht hat. Vor kurzem machte Catarina durch ihre Band 550 Rondy von sich reden, die Anfang des Jahres auf dem neugegründeten Wiener Label temp~records ihr beachtenswertes erstes Album herausgebracht hatten. In ihrer Arbeit als Solo-Künstlerin, die auch schon in einer 7“-Single mit verspielt-experimentellen Miniaturen auf dem Sue-Mi-Label resultierte, agiert Pratter düsterer und elektronischer, baut aber auch Versatzstücke aus Bandproben mit 550 Rondy ein. Das Ergebnis sind fünf spannungsgeladene Tracks mit Beatstrukturen von Triphop über Breakbeats bis zu Industrial, die von Pratters toll jazziger, schmelzender und doch ganz dominanten Stimme beherrscht werden. ❚


lese.zeichen

Jubiläum? Ab sofort liegt im Buchhandel ein Resümee über dreißig Jahre Frauenhausbewegung in Europa auf. Warum das im Grunde genommen aber gar kein Anlass zum Feiern ist analysiert Bibi Klein

2002 fand im Wiener Rathaus eine Tagung zum Thema „30 Jahre Frauenhausbewegung in Europa“ statt, bei der Expertinnen aus dem deutschsprachigen Raum, der Türkei, Ungarn, Kroatien, Schweden und Großbritannien zu Wort kamen. Jetzt sind die gesammelten Beiträge in Buchform auch all jenen zugänglich gemacht, die an der Tagung nicht teilnehmen konnten. Besonderes Plus der Dokumentation: ein ausführlicher Anhang mit Kontaktadressen aus ganz Europa. Außerdem wurde erfreulicherweise ein Vorschlag der Tagungsteilnehmerinnen aufgegriffen und zur finanziellen Unterstützung der Frauenhausinitiativen in Osteuropa das Solidaritätskonto SAVE eingerichtet. Die so genannte „häusliche Gewalt“ in Europa hat viele Gesichter. Einigkeit herrscht jedenfalls über die gesamtgesellschaftliche Komponente des Problems und grundsätzlich auch darüber, dass das Ausmaß an Gewalt gegen Frauen in einem Land durchaus als Indikator für dessen Entwicklung im Bereich der Gleichberechtigung der Geschlechter verstanden werden kann. Dass die Sache nicht ganz so einfach ist, wird während der Lektüre jedoch bald klar. Die einzelnen Beiträge liefern Zahlen und Fakten zur weltweiten Gewalt gegen Frauen, listen die gesetzlichen Regelungen in Europa auf, stellen Initiativen und Maßnahmen vor. Eine Skizze des Forschungsstan-

des macht die Problematik im Zusammenhang mit Dunkelziffern und Erhebungsmethoden deutlich. Die Referentin aus der Türkei erläutert, warum das einzige Frauenhaus in Istanbul heute ehrenamtlich geführt wird, aus Ungarn erfahren wir, dass es zur Zeit keine Institution gibt, die die Referentin „als Frauenhaus bezeichnen würde“, und die Leiterin des autonomen Frauenhauses in Zagreb schildert eine beispiellose Medienkampagne, die das Fortbestehen des Frauenhauses – zumindest auf absehbare Zeit – zu sichern vermochte. Außerdem weist sie auf die spezifische Ausformung von Gewalt an Frauen hin, die in der kriegsbedingten Präsenz von Waffen in privaten Haushalten begründet ist. Der schwedische Beitrag bemüht sich u.a. um die Klärung des Begriffs „häusliche Gewalt“, und die Britin Kate Arnot lässt uns daran teilhaben, „wie es begann“, also das erste Frauenhaus in London eröffnet wurde. Der letzte Beitrag kommt von Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie. Sie widmet ihre Ausführungen einer von ihrem Ehemann ermordeten Frau und macht solcherart deutlich, wie mangelhaft das an sich so lobenswerte Gewaltschutzgesetz in Österreich exekutiert wird. Sie konstatiert, dass eine Bagatellisierung der Gewalt an Frauen einer Missachtung der Menschenrechte

gleichkommt und zeigt sich betroffen über diese negative Entwicklung in Österreich, wo besonders Migrantinnen einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt seien (vgl. an.schläge 05/2004). Logars Beitrag bringt das österreichische Dilemma gezielt auf den Punkt und bietet Lösungsvorschläge an, die der Referentin selbst „utopisch“ vorkommen, weil sie damit ohnehin nirgends Gehör findet. Besonders bitter ist dabei die Tatsache, dass Logar bereits 2002 kritisiert hat, dass regierungsseitig ein „mittel- und langfristiger Aktionsplan zur Umsetzung effektiver Maßnahmen fehlt“. Und wir wagen kaum danach zu fragen, welche Entwicklungen es in den Ländern der anderen Referentinnen zwischenzeitlich gegeben haben mag. Die Dokumentation über dreißig Jahre Frauenhausbewegung in Europa kommt also genau zur richtigen Zeit, weil sie den Finger auf die offenen Wunden der Frauenpolitik legt. Ob das Jubiläum an sich Grund zum Feiern bietet, sei also vorerst dahingestellt. ❚

Interventionsstelle gegen Gewalt (Hg.): 30 Jahre Frauenhausbewegung in Europa Milena Verlag 2004, E 18,90

Solidaritätskonto SAVE: Kto.-Nr.: 610 782 047; Bank: BA-CA; BLZ: 12000 Kontakt: verena.kaselitz@wave-network.org

juni 2004an.schläge 39


lese.zeichen Ad Feminismus Ein großer Teil der Begriffe, die sich auf Kämpfe und Praxen der Frauenbewegung(en) beziehen, sind in keinem herkömmlichen Wörterbuch aufgehoben. Dem soll mit dem Wörterbuch des Feminismus Abhilfe geschaffen werden. Im ersten Band (bis zum Buchstaben H) sind 53 Begriffe gesammelt, die ausführlich erklärt und hergeleitet werden: Von „Abtreibungskampagne“ und „Erinnerungsarbeit“ über „Feminisierung der Arbeit“ und „feministische Theologie“ bis zu „Geschlechterdemokratie“ und „Hausfrauisierung“. So wie im Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus, auf das Frigga Haug aufbaut, sind auch hier die Begriffe zunächst ins Arabische, Englische, Französische, Spanische, Russische und Chinesische übersetzt. Ein nächster Schritt wäre wohl die komplette Übersetzung des Bandes unter Berücksichtigung neuer Begriffe aus nicht-deutschsprachigen Frauenbewegungen. Bis dahin freuen wir uns auf Band zwei auf Deutsch. Gabi Horak

Perspektiven erzählt, Beschreibungen von Unterdrückung und Emanzipation, von Hass und Liebe. Bewundernswert erscheinen der westlichen Leserin vor allem die palästinensischen Frauen in ihrem täglichen Überlebenskampf: die Witwe Sadija, die Journalistin Rafif und die Prostituierte Chadra. Sie alle nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen den Kampf gegen die Unterdrückung auf sich. Für Rafif, die Intellektuelle, verkörpert er den „Angriff auf alles, was heilig ist“. Chadra nimmt ihn auf sich, weil eine, die alles verloren hat, ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Sadija hingegen muss ganz einfach „ihren Mann stehen“, weil sie Kinder zu versorgen hat und seit dem Tod ihres Mannes zwar „ein Land ohne Hüter“ zu sein scheint, aber männlichen Schutz dennoch aus tiefster Überzeugung ablehnt. Doch der Weg ist lang und steinig und an so mancher Station heißt es: Weine nicht Tränen, Auge, weine glühende Kohlen. Bibi Klein

Sahar Khalifa: Die Sonnenblume Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich und Edward Badeen

Frigga Haug (Hg.): Historisch-Kritisches Wörterbuch

Unionsverlag 2003, E 12,90

des Feminismus Band 1: Abtreibung bis Hexe Argument Verlag 2003, E 20,10 (Ö)

Schweizer Pionierin Land ohne Hüter Das arabische Original der „Sonnenblume“ erschien 1980 und widmet sich neben der Annäherung an das politische Dilemma im Westjordanland der nicht weniger heiklen Frage nach der Identität der Frau in der arabischen Welt. Dramaturgisch aufwändig und stilistisch vollendet verschränken sich, aus verschiedenen

40 an.schlägejuni 2004

„Zum bevorstehenden Abschluss am Mädchengymnasium der Stadt Zürich wünscht sich Gertrud Heinzelmann (1914-1999) von ihren Eltern zwei Dinge: einen Eispickel und dazu bar auf die Hand vier Schweizer Franken, die sie selbst auf das Konto des Züricher Frauenstimmrechtsvereins einzahlen will.“ Der Eispickel führt sie sehr bald auf den Gipfel des Matterhorns. Für die Einführung des Frauenstimmrechtes in der Schweiz setzt sich die Dokto-

randin der Rechtswissenschaft allerdings die meiste Zeit ihres Lebens ein. „Unbeirrbar“, fast schon stur, kämpft Gertrud Heinzelmann für dieses Ziel, denn erst knapp vierzig Jahre später, Anfang der 1970er Jahre, haben die Schweizer Frauen zumindest auf eidgenössischer Ebene ein Stimmrecht. Ihre Aufsehen erregende Forderung nach der Zulassung von Frauen zum Priestertum vom Zweiten Vatikanischen Konzil wird allerdings nicht erfüllt und die Diskriminierung durch die katholische Kirche bleibt für die gläubige Frau Zeit ihres Lebens eine Kränkung. „Am Ende bleiben vier Buddhas und die Maria mit ihrem Kind.“ Svenja Häfner

Barbara Kopp: Die Unbeirrbare Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und die Schweiz das Fürchten lehrte. Limmat Verlag 2003, E 25,70 (Ö)

Kunstvoll lustvoll Mit diesem Bildband eröffnet die australische Feministin Germaine Greer, die 1968 mit ihrer Kampfansage zur sexuellen Befreiung der Frau „Der weibliche Eunuch“ weltbekannt wurde, den Blick auf das ihrer Ansicht nach wichtigste männliche Objekt weiblicher Begierde: nicht der Mann, sondern der Knabe. Das Buch handelt von männlicher Schönheit. Es geht um die Erotik von Knabendarstellungen in der Antike bis heute, wobei sich zeigt, dass die Geschichte der westlichen Kunst eine Geschichte von bekleideten Frauen und nackten Knaben ist. Der Darstellung letzterer haftet nichts Steifes oder Unnatürliches an. Sie lassen sich genauso spielend lässig mit dem Python kämpfend abbilden wie sie es mit ausgebreiteten Armen und


lese.zeichen gespreizten Beinen schlafend tun. Ausführliche kunst- und kulturgeschichtliche Abhandlungen werden illustriert mit etwa 200 Beispielen aus Kunstgeschichte und Popkultur, von Apollo bis Jim Morrison, von ganz bekleidet bis ganz nackt. Im Kapitel „Der weibliche Blick“ setzt sich Greer mit der Rolle der Betrachterin auseinander, denn die homoerotische Deutung vieler Knabenbilder beruht auf der Annahme, dass die Betrachter ausschließlich männlich sind. Greer hingegen stellt in ihrem Buch „den Anspruch der Frau auf die Lust am visuellen Genuss“, der bis ins 19. Jahrhundert auch selbstverständlich war, und versucht gleichzeitig „diesen gesunden Appetit durch erlesene Speisen zu befriedigen“.

bewusstsein stehen ebenso im Zentrum der Betrachtung wie der Versuch der Umsetzung von Menschenrechten. Für Frauen mit feministischem, entwicklungspolitischem Hintergrund und für all jene, die an solchen Projekten interessiert sind, ist dieses Buch zu empfehlen.

neu.land

Zoraida Nieto

Gertrude Eigelreiter-Jashari: Frauenwelten – Frauensolidarität Reflexionen über Nord-Süd-Begegnungsreisen Brandes & Apsel 2004, E 18,50

J a s m i n a J a n k o v i c’

Land des Lächelns?

Acht Jahre lang gab die Radiojournalistin Xinran Frauen die Gelegenheit, Eva Steinheimer über ihr Leben, ihre (meist unerfüllten) Wünsche und Träume, ihren AllGermaine Greer: Der Knabe tag, ihre Erinnerungen zu sprechen Gerstenberg Verlag 2003, E 41,10 (Ö) und war so für viele Frauen Ermutigung und erleichterndes Ventil. Die meisten Erzählungen schafften die Hürde der chinesischen ZensurbehörGlobalisierte Frauenwelten de nicht und wurden nie ausgestrahlt. Einige der Geschichten veröffentlichAus der Genderperspektive und in einem stark wissenschaftlich geprägten te Xinran, die mittlerweile in London Rahmen mit Schwerpunkt auf die öko- lebt, nun – und fügte ihre eigene hinzu. Die Geschichten sind partikulär – nomische Globalisierung von Frauen und gleichzeitig repräsentativ für die in Südamerika und mit Hilfe von InSituation vieler Chinesinnen während terviews von Teilnehmerinnen und der Kulturrevolution und danach. Die Expertinnen in „Frauenbegegnungsreisen“ versucht die Autorin, Wirklich- „verborgenen Stimmen“ berichten von Schicksalen, die so unfassbar keit und Alltag sowie Empowerment sind, dass das Buch nur auf Raten lesund Solidarität zwischen Frauen zu bar ist: Frauen, die in politisch arranbeleuchten. Die Autorin behandelt gierten Ehen leben, von sexueller Gedie Gründe für die Benachteiligung walt betroffene Frauen, wegen ihrer der Frauen im Süden innerhalb der japanischen Herkunft als potenzielle Weltwirtschaft und der ökonomischen Maßnahmen der jeweiligen politischen Spioninnen geächtete und verfolgte Frauen, zerrissene Familien, verwaisSysteme der letzten Jahrzehnte. So te Kinder. Auch wenn es schwer fällt, bearbeitet sie Themen wie alte und so sind wir es den Frauen schuldig, neue Phänomene der Globalisierung, nicht wegzuschauen, sondern uns das Geschlechterverhältnis im Konmit ihrem Schicksal zu konfrontietext von Klasse und „Rasse“, die Notren. Denn die LeserInnen müssen wendigkeit gendersensitiver Fragen sich nur durch die Worte und Sätze an den ökonomischen Umstrukturierungsprozess sowie Strategien zur En- quälen. Die betroffenen Frauen hingendering der Weltwirtschaft. Weiters gegen haben die Geschichten durchlebt! werden Aspekte wie feministische Bildung, globales Lernen und Bildung Karin Eckert durch Begegnung wie zum Beispiel bei entwicklungspolitisch orientierten Xinran: Verborgene Stimmen Frauenbegegnungsreisen analysiert. Chinesische Frauen erzählen ihr Leben. Gerade das Aufbauen von Solidaritäts- Droemer 2003, E 19,50 (Ö)

Identitätskrise. Status: permanent Ein sehr beliebtes Wort. Die Identität. In der Singularform besonders beliebt. Und gefragt. Was bist du überhaupt ohne so etwas wie Identität?! Du wirst geboren, dir wird ein Name gegeben, im Laufe des Lebens werden dir Papiere, Dokumente, Ausweise ausgestellt, die dich dann identifizieren sollen. Mit denen du dich identifizieren sollst? Identifikation mit einem Stück Papier? Ja, so einfach läuft es. So einfach ist es gestrickt, wenn Identität nach Singular schreit. Aber willst du das überhaupt? Niemand fragt dich! Die Identität wird dir zugeteilt. Zugeschrieben. Du wirst bestimmt. Einsortiert. Qualifiziert. Beschrieben. Charakterisiert. Geordnet. In einem Ordner abgelegt. In eine Schublade gesteckt. Die sich in einem Schrank namens Land, Staat, Nation, Kultur befindet. Und du sollst dich zugehörig fühlen. Gefühle dafür haben. Stolz sein. Das immer wieder betonen. Dass es deine Identität ist. Ja, die Identität. Singular. Nur, was machst du, wenn du es dir nicht logisch erklären kannst? Wenn dich ausgerechnet das, was dir durch den Überbegriff Kultur als Identität aufgetischt wird, gar nicht interessiert, wenn du das nicht so magst? Wenn du zum Beispiel auch Musik liebst, die nicht in diesem einen Schrank komponiert wurde, oder Bücher von AutorInnen aufsaugst, die in irgendwelchen anderen Schränken geschrieben wurden? Was ist dann mit deiner Identität? Hast du sie überhaupt? Nein, dann gibt es kein Singular mehr. Du bist dann nicht in einem Schrank eingesperrt, du bist keinE GefangeneR mehr, und alle Wächter dieser Schränke können nur deine Fersen sehen, wenn du dich von ihnen entfernst. Denn du glaubst zu wissen, wozu Schränke und Schubladen da sind. Um sich daraus etwas zu nehmen. Und es dann wieder darin abzulegen. Oder auch nicht. Wegwerfen. Weitergeben. Verschenken. Wie die Kleidung, die du nicht mehr tragen möchtest. Und das ist wahrscheinlich die einzige Identität, die du zulässt: die nicht singulär bleiben wollende Identifikation mit Inhalten vieler Schränke. Oder: die permanente Identitätskrise. Aus der Schubladenperspektive.

juni 2004an.schläge 41


ge.sehen

Sorry, aber wir wollen die Fotos wirklich nicht abbilden. Da geht´s uns so wie der deutschen taz, die sich auch gegen eine Veröffentlichung entschied.

Wer ist Lynndie England? Der Fall von Lynndie England, die wegen des Verdachts der Folter von irakischen Gefangenen im Abu-Ghuraib-Militärgefängnis derzeit im U.S.-Fort Bragg inhaftiert ist, ist auch ein Fall von Unfairness gegenüber Frauen. Eine Analyse von Charlotte Eckler Obwohl England nicht mehr oder weniger schuldig als andere FolterInnen ist, wird ihr besondere Bösartigkeit unterstellt – die für viele auch eine Art von Erotik beinhaltet. Ihr lächelndes Gesicht und die anscheinende Freude an der Folter wirken pornografisch, sadomasochistisch, pervers. Folter durch Männer ist zweifelsohne entsetzlich, schockiert aber offenbar nicht mehr. Obwohl auch hunderte Bilder des folternden Generalmajors Antonio Tabuga ans Tageslicht kamen, kennt die ganze Welt vor allem „Leash Lady“ England (die Lady mit der Hundeleine), wie sie sexuelle Gewalt ausübt. Tatsache ist, dass Gewalt auch sexuelle Dimensionen hat, diese müssen aber nicht unbedingt Folter bedingen. Im Gespräch mit einer Frauengruppe wurde ich vor Jahren selbst mit diesem Problem konfrontiert. Eine Frau konnte nicht verstehen, wie Männer ihre Sexualität zur Ausübung von Gewalt einsetzen können, weil sie selbst Wut oder Ärger niemals mit Sex verbinden könne. Ich meinte, dass ich selbst schon einen Zusammenhang bemerkt hätte: Im Zorn verspürte ich schon mal verstärkt sexuelle Gefühle. Danach schwiegen alle – offensichtlich sprachlos und entsetzt, als ob ich Vergewaltigung gerechtfertigt hätte. Deshalb konkretisierte ich, worin der wesentliche Unterschied für mich besteht: Ich lebe diese Gefühle nicht aus, möchte aber auch ihre Präsenz nicht leugnen. 42 an.schlägejuni 2004

Akzeptanz. Im Deutschen hat das Wort „Gewalt“ eine Doppelbedeutung – es bedeutet sowohl Macht als auch Pein. Im Englischen muss ich dagegen immer gleich entscheiden: geht es um „power“ oder „abuse of power“? Im Fall von Lynndie England und den anderen der Folter Verdächtigen geht es aber genau darum, ob sie die von ihnen für legitim erachtete Macht gebraucht oder missbraucht haben. England sagte ursprünglich aus, sie habe auf Befehl gehandelt. Später meinte sie, dass sie eigenständig gefoltert habe und dies zu diesem Zeitpunkt auch Spaß gemacht habe. Auf die Verbreitung der FolterBilder aus Abu Ghureib reagierte die Familie von England mit einer Pressekonferenz, um darauf aufmerksam zu machen, dass diese Bilder nicht alles über Lynndie England erzählen. Was die Bilder jedoch zeigen – und das bestätigt England auch in ihren Aussagen – ist, dass sie ihren Job „gut“ machen wollte. Sie strebte nach Akzeptanz oder gar Lob. Entartung. In der österreichischen Kunst gibt es ein Bild, das jenem der Mannan-der-Leine-führenden-England ähnlich ist: Eine berühmte „Valie Export“Aktion, die zeigt wie Export 1968 ihren Kollegen Peter Weibel nackt an der Leine durch die Kärntnerstrasse führt. Die Aktion sorgte damals für Aufregung, auch wenn die Absicht – die Kritik am

„entwürdigenden Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern“, wie es 1998 Anita Prammer ausgedrückt hat – heute zumindest jeder Feministin klar ist. Was bei Export eine soziologische Fallstudie war, wurde im Fall Englands Realität – sie wurde zur Demütigung instrumentalisiert. Daher zeigen die Bilder von Lynndie England nicht nur eine Folterin männlicher Gefangener, sondern auch erzwungene Pornografie. Oder wie Isolde Charim im „Standard“ beschrieb, eine „gewalttätige Entartung in billigster Inszenierung“. Das Traurige dabei: England ist mittlerweile auch eine sadomasochistische (Anti-)Heldin, eine ikonische Pervertierung der Populärkultur zum „Frauenmonster“, das in eine sexualisierte Rolle gedrängt, auch zur Weiterverbreitung der vergeschlechtlichten Machtverhältnisse instrumentalisiert wird. Anstatt die Folterbilder machtlos und abgestumpft zu „konsumieren“, möchte ich an eine These von Hanna Hackers noch unveröffentlichtem „Friedensengel“ anknüpfen: „Feminismus ist kein Pazifsmus … ,Krieg der Geschlechter’ ist verniedlichend und Teil einer antifeministischen Unterwerfungsstrategie.“ Deshalb ist die Instrumentalisierung von Lynndie England auch im Kontext von „männlicher Sexualherrschaft“ zu sehen – die Pervertierung einer Frau, die für ihr Mitwirken an der Folter auf mehrfache Weise bestraft wird. ❚


Fo t o : M a j a B a j e v i c

musik.tanz 5.6, 20.30, Wien Sapho und das Nazareth Orchester

an.künden

Ronacher, 1., Seilerstätte 9, www.festwochen.at

9., 10.6, 20.00, Wien Was bleibt von mir? Teil 2. Milli Bitterli dietheater Künstlerhaus, 1., Karlsplatz 5, T. 5870504, www.dietheater.at

19.6, ab 19.00, Wien Lange Nacht der Musik Treffpunkt Musik am Heldenplatz, Infos und Programm: http://events.orf.at

26.6, 14-17.00, Wien Lynda Gaudreau: Time Flies Tanzquartier Wien, 7. Wien, Museumsplatz 1, T. 5813591, www.tqw.at, Start alle 20 Min.

film seit Mai Zelary (Tschechische Republik/Österreich/Slowakei). Mit Ana Geislerová in den österreichischen Kinos

t h e a te r . ka b a r e t t 1., 2., 10., 13., 21., 22.6, 20.00, Salzburg Girlsnightout von Gesine Danckwart Schauspielhaus Salzburg, Foyer, 5020, Erzabt-Klotz-Str. 22, T. 0662/808585, www.schauspielhaus-salzburg.at

1., 2., 6., 10., 13, 21., 22., 25.,26.6, 20.00, Salzburg Happy. „Ein Drama“ von Doris Dörrie Schauspielhaus Salzburg, Studio, 5020, Erzabt-Klotz-Str. 22, T. 0662/80850, www.schauspielhaus-salzburg.at

1., 3., 18., 19., 20., 22., 24., 26., 27.6, 20.00, Wien Hallo Hotel...! Mit Stefanie Dvorak, Caroline Peters, Sophie Rois u.a. Kasino am Schwarzenbergplatz, 3., Am Schwarzenbergplatz 1, T. 51444-4830, www.burgtheater.at

KünstlerInnenexpeditionen An fünf Samstagen thematisieren KünstlerInnen die ewige Sehnsucht nach neuen, fremden Eindrücken und entführen zu verschiedenen Orten in und rund um Wien. Am 5. Juni geht die Fahrt mit Barbara Kraus, Performerin und Choreografin, ins Blaue. „Sie wissen also nicht, wohin Sie Ihre Reise führen wird. Kommt selten vor, denken Sie. Sind Sie da so sicher?“ (B. Kraus) Treffpunkt: 12.00, Museumsquartier, Eingang Ecke Burggasse. Anmeldung T. 01/5813591 oder tanzquartier@tqw.at

bis 5.6, Wien Männer … haben auch ihr Gutes. Von und mit Heilwig Pfanzelter

26.6., 20.00 u. 27.6, 11.00, Wien Theaterrevue: Abari Kani. Inszenierung: Grete Solar-Tiesel

Theater Drachengasse, 1., Fleischmarkt 22, T. 5131444, www.drachengasse.at, Di-Sa 20.00

dietheater Künstlerhaus, 1., Karlsplatz 5, T. 5870504, www.dietheater.at

1-4.6, 19.30, Wien Wiener Festwochen: Cruel and Tender. Nach „Die Frauen von Trachis“ von Sophokles Museums Quartier, Halle E, 1., Museumsplatz 1, T. 5892222, www.festwochen.at

21-25.6, 21.00, Wien Wien ist andersrum: Hinter Gitti. Frauen unter Druck dietheater Künstlerhaus, 1., Karlsplatz 5, T. 5870504, www.dietheater.at

s e m i n a r . w o rk s h o p

13.6 u.15.6-4.7., 20.00, Wien Heißes Wasser für alle. Von Gesine Danckwart

4.6, ab 12.00, Wien 3. Österreichischer Workshop feministischer Ökonominnen

Schauspielhaus, 9., Porzellangasse 19, T. 317 01 01, www.schauspielhaus.at, tägl. außer Mo,

WU Wien, Großer Sitzungssaal, 2. Stock, Kern D, Großer Sitzungssaal der WU, 9., Augasse 2-6, Anmeldung unter: sabine. ferdik@jku.at od. T. 0732/2468 8234, Das Programm des Workshops ist auch im Internet verfügbar: www.economics.unilinz.ac.at/Weichsel/femoek2004.htm

14.6, 20.00, Wien Bezirksfestwochen. Weiberdamen – Mütterfrauen. Mit Martina Heim, Susanna Hirschler, Isolde Rektenwald. Theater am Spittelberg, 7., Spittelbergg. 10, T. 5261385, www.theateramspittelberg.at

18.6., 20.00, Herrnbaumgarten Laute® Weiber. Kabarett von Frauen: Lasst uns aus der Rolle fallen, damit wir aus der Falle rollen Weingalerie Presshaus , 2171, Hauptstr. 49, Info: T. 02245/826 76, 0664/450 71 14, heller.brigitte@gmx.at, www.weinviertelfestival.at

18./19.6, 20.30, Schlosshof Theatercollage „Berauschte Weiblichkeit“ Reitstallungen im Schloss Hof, 2294, Schlosshof 1, Karten/Infos: T. 0676-372 572 3 od. martina.esberger@utanet.at, www.weinviertelfestival.at

5.6, 10-17.00, Saalfelden Mit allen Sinnen. Malworkshop für Mädchen und junge Frauen mit oder ohne Behinderungen. Kunsthaus Nexus, 5760, Am Postplatz 1, Kosten: 5,-, Anmeldung und Infos: make it Büro für Mädchenförderung, T. 0662/84 92 91 - 11, make.it@akzente.net od. www.akzente.net/maedchenmitbehinderungen

5.6., 9.00, Graz Wie sage ich es denn nur? Leiterin: Birgit Niko Krainerhaus, 8045, Pfeifferhofweg 28, Infos: www.birgit-niko.at od. 0699/11171318, Kosten: 180.– bzw. 150,– für PartnerInnen

5./6.6, 9-18.00, Wien Frauenkörper & Ton. Selbsterfahrung und Bildhauerei, Leiterinnen: Claudia Wielander, Barbora Slivova SDS-Gesundheitszentrum am St.Josefs-KH, 13., Auhofstr. 189, Anmeldung: T. 05522-76611 od. email: wielander@wende-punkt.at, Infos: www.wende-punkt.at, Kosten: 230.-

8.-10.6, Wels Mauern oder Brücken? Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die Frauenmigration innerhalb Europas. 9. Fortbildungsseminar des Vereins LEFÖ Bildungshaus Schloss Puchberg/Wels, 4600, Puchberg 1, T. 07242/47537, Anmeldung und Infos: Verein LEFÖ/Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen, 5., Kettenbrückengasse 15/4, Seminarbeitrag: 190,–

8./15.6, 15-18.00, Wien Ideenwerkstatt – Berufe in der Praxis Sprungbrett für Mädchen, 15., Pilgerimg. 22-24/1/1, T. 7894545. www.sprungbrett.or.at

19./20.6., ab 9.30, St. Jakob am Walde Gesundes Wochenende. Shiatsu zum Kennenlernen. Treffpunkt: 9.30 Uhr, 8255, Gasthof Orthofer Filzmoos 12, Anmeldung und Infos: T. 01/597 75 54, petra.oellinger@web.de, office@clublimone.at, www.clublimone.at, Kosten: 140.- bzw. 120.- für Club Limone Mitglieder

19.6., 10-17.00, 20.6., 10-14.00, Wien Paradox - Kreativworkshop, Leiterin: Barbara Tiwari Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, Infos und Anmeldung: T. 283 24 90, Kosten: 110.–

22.6, 15-18.00, Wien Zukunftslabor – Space shuttle Sprungbrett für Mädchen, 15., Pilgerimg. 22-24/1/1, T. 7894545. www.sprungbrett.or.at

25.6, Wien Liebesgeflüster... Sexuelle Kommunikation für Frauen. Leiterin: Elisabeth-Franziska Schanik Praxis Steinergasse 36/5/18, 23., Infos und Anmeldung: T. 0699/19 23 79 11, elisabeth@schanik.name, www.elisabeth. schanik.name, Kosten: 54.–

26.6, 10-17.00, Wien Mehr Energie mit den 5 Elementen, Leiterin: Eva Laspas Institut Dr. Beran, 1., Wipplingerstraße, 2. Termin: 7.8, 10-17.00, Kosten: 98.– incl. Seminarverpflegung, Mittagsmenü und Seminarunterlagen

v o r t r a g . d i s ku s s i o n 1.6., 19.00, Wien Soho in Ottakring. Legalisierung für Alle! Diskussion mit Vlatka Frketic (Femigra), Tanja Ostojic (Künstlerin), Georgia Sever (Peregrina). living room. Restaurant Etap – im Hof, 16., Neulerchenfelderstr. 13, T. 4064154-70, www.sohoinottakring.at

2.6., 19-21.00, Graz Reinkarnation - Sinn oder Unsinn? Vortrag von Birgit Niko Krainerhaus, 8045, Pfeifferhofweg 28, Infos: www.birgit-niko.at od. 0699/11171318, Beitrag: 10.–

2.6, 18.30, Wien Fürsorge – Politik – Vernetzung. Aspekte einer jüdischen Frauengeschichte in Wien 1900-1938. Die erste Weltkonferenz jüdischer Frauen – Wien 1923. Referentin: Dr. Elisabeth Malleier Jüdisches Institut für Erwachsenenbildung, 2., Praterstern 1, Eintritt: 6,-

2.6., 19.00, Wien Soho in Ottakring. MACHT Kunst Sozialarbeit? Diskussion mit Amina Handke (Künstlerin), Cornelia Kogoj (Initiative Minderheiten), Barbara Fereberger (Peace in Action) u.a. living room. Restaurant Etap – im Hof, 16., Neulerchenfelderstr. 13, T. 4064154-70, www.sohoinottakring.at

2.6., 19.00, Wien Veronika Bennholdt-Thomsen: „Juchitan, Stadt der Frauen“ Matriarchale Strukturen in Mexiko Festsaal im Gebäude der Bezirksvertretung Mariahilf, 6., Amerlingstrasse 11, www.thur.de/philo/juch.htm

2./5.6., 20.00, Wien Soho in Ottakring. Musik am Yppenplatz: Rotterdam mit Susanne Amann. 16., Yppenplatz, T. 4064154-70, www.sohoinottakring.at

3./4.6, 9.30-17.30, Wien Continuities and Discontinuities. Women‘s Movement and Feminism(s) in Central, Eastern and Southeastern Europe. (19th and 20th Centuries). International Conference Bruno-Kreisky-Forum, 19., Armbrusterg. 15

juni 2004an.schläge 43


an.künden 3./4.6., 19.00, Wien Soho in Ottakring. Film und Diskussion: Geteilte Territorien – Erkämpfte Gemeinsamkeit. MigrantInnen und MehrheitsösterreicherInnen im kulturellen Feld.

a u s s te l l u n g bis 30.6, Weizelsdorf „edfice 02“ – Doris Krüger, „SchnittBlumen“ – Barbara Putz-Plecko

living room. Restaurant Etap – im Hof, 16., Neulerchenfelderstr. 13, T. 4064154-70, www.sohoinottakring.at

Galerie Judith Walker, Schloss Ebenau, 9162 Weizelsdorf/Rosental, T. 04228/2110, www.galerie-walker.at, Sa-So 11-18.00

4.6, ab 19.00, Graz Sexistische Werbung – Die alltägliche Zumutung. Vortragsperformance.

bis 30.6, Salzburg Billi Thanner

Kunsthaus Graz, Medienraum. Lendkai 1, T. 0316/820 628, angela.resch@doku.at

bis 6.6, Innsbruck Mobilien. Olga Chemysheva, Tamara Grcic, Renée Green u.a

7.6, 15-17.00, Wien Komm wir gehen gendern ... GenderKompetenz durch Gender-Training Großer Sitzungssaal der WU, 9., Augasse 2-6, Anmeldung unter: margit.feibel@wuwien.ac.at od. T. 31336/5182

7.6., 20.00, Wien Gina Brandenburg: „Transgender in einer matriarchalen Gesellschaft“ TransX, Rosa Lila Villa, 6., Linke Wienzeile 102, Clubraum 1. Stock

8.6, 18.30, Wien biografiA / Frauen im Exil: Dr. Irene Nawrocka (Wien): Die weibliche Perspektive – Briefwechsel im Exil. Briefe von Carl Zuckmayer, Gottfried Bermann-Fischer, Alice Herdan-Zuckmayer und Brigitte Bermann-Fischer Institut für Wissenschaft und Kunst, 9., Berggasse 17, T. 3174342, iwk.institut@utanet.at

9.6, 18.30, Wien Feministische Theorie und Geschlechterforschung: Mag. Esther Schmidt (Klagenfurt): Deplatzierungen der Wissenschaft Institut für Wissenschaft und Kunst, 9., Berggasse 17, T. 3174342, iwk.institut@utanet.at

12.6, 19.00, Wien Vortrag: Catherine David Tanzquartier Wien, Studios, 7. Wien, Museumsplatz 1, T. 5813591, www.tqw.at

2 Stein, 5020, Giselakai 9, täglich ab 18.00

Galerie im Taxispalais, 6020, Maria-Theresien-Str. 45, T.0512/5083171, www.galerieimtaxispalais.at, Di-So 11-18.00, Do 11-20.00

bis 19.9, Innsbruck „Das Unsichtbare – Einblicke in die Kulturgeschichte der Frauenunterwäsche“ Museum im Zeughaus, 6020, Zeughausgasse, T. 0512/59489 - 311, www.tiroler-landesmuseum.at, tägl. 10-17.00

bis Ende August, Wien Starke Frauen für Nicaragua. Fotografien von Angelika Kampfer Kardinal König Haus, 13., Lainzerstr. 138, T. 8047593-649, www.kardinal-koenig-haus.at

bis 1.8., Wien Kurze Karrieren. Mit Werken von Christine Kozlov, Hilka Nordhausen, Verna Pfisterer, Charlotte Poseneske u.a. MUMOK Factory, 7., Museumsplatz 1, T. 52500, www.mumok.at, Di- So 10- 18.00, Do 10-21.00

bis 4.7, Wien Stimmungsimpressionismus, Bilder von Olga Wisinger-Florian, Maria Egner, Tina Blau u.a. Österreichische Galerie Belvedere, Oberes Belvedere, 3., Prinz Eugen-Str. 27, T.79557113, www.belvedere.at, Di-So 10-18.00

22.6, 19.30, Innsbruck AEP-Bibliotheksgespräch: Geschlechterpolitik: Vom keynesianischen Sicherheitsstaat zum neoliberalen Wettbewerbsstaat, Vortragende: Alexandra Weiss

bis 15.8, Wien Der Traum des Publikums: Theresa Hak Kyung Cha

AEP-Frauenbibliothek, 6020, Müllerstasse 26

bis 19. 6, Wien „Eintritt frei.“ Arbeiten von 12 KünstlerInnen aus Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Wien.

30.6, 18.30, Wien Feministische Theorie und Geschlechterforschung: Mag. Dr. Katharina Pewny (Wien): Verdeckte Präsenzen. Theatertheoretische Interventionen in rezentes Denken von „Geschlecht“

Borges

Institut für Wissenschaft und Kunst, 9., Berggasse 17, T. 3174342, iwk.institut@utanet.at

44 an.schlägejuni 2004

Generali Foundation, 4.,Wiedner Hauptstr. 15, T. 5049880, foundation.generali.at, Di bis So 11-18.00, Do bis 20.00

BAWAG Foundation, 1., Tuchlauben 7a, T.53453-22655, Mo-Sa 10-18.00

bis 20. 6., Wien CAROLA DERTNIG Secession, 1., Friedrichstr. 12, T. 5875307, www.secession.at, Di-So 10-18.00, Do 10-20.00

bis 26.9, Wien NIKI DE SAINT PHALLE - DIE GEBURT DER NANAS.

5.6, 19.00, Wien Claudia Rath liest aus ihrem Roman „Reise nach Yandrala“.

Politisches Café im Frauencafé

Kunsthaus Wien, 3., Untere Weissgerberstr. 13, T. 712 04 95, www.kunsthauswien.at. Tägl. 10-19.00

Buchhandlung Frauenzimmer, 7., Zieglergasse 28, T. 522 48 92, e-mail: frauenzimmer@aon.at.

Internet-Café für Frauen und Mädchen. Auch Anfängerinnen. Kinderbetreuung.

bis 31.10, Wien Wien, Stadt der Juden. Die Welt der Tante Jolesch

7.6, 19.00, Wien Marie-Thérèse Kerschbaumer: Der weibliche Name des Widerstands

Zeit!Raum, 15., Braunhirscheng. 33-37, T. 895 72 67. Jeden Mo 15.00-18.00

Jüdisches Museum, 1., Dorotheergasse 11. T.5350431, www.jmw.at, So-Fr 10-18.00, Do 10-20.00

Alte Schmiede, 1., Schönlaterng. 9, T. 5128329, www.alte-schmiede.at

2.6-7.9, Linz Ars Electronica 2004. 25 Jahre Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Ars Electronica Center. 4040, Hauptstr. 2., T. 0732/72720, www.aec.at/timeshift

6.-20.6, Wien Pez Hejduk: Viewpoints. Aussichten auf Architektur 14., Wohnhausanlage Linzer Str. 421A, Di-Fr 16-20.00, Sa-So 11-17.00

18.6, ab 19.00, Wien Frauenkunst in Meidling Brot & Rosen, 13., Ratschkyg.48

22.6-29.7, Wien Werkschau IX. – Friedl Kubelka – Arbeiten 1963-2003 Fotogalerie Wien, WUK, 9., Währingerstr. 59, T. 4985462, www.fotogalerie-wien.at, Di-Fr 14-19.00, Sa 10-14.00

26.6, ab 9.00, Herrnbaumgarten Portrait of a Lady. Nachbarschaftliche Menschenerkundung nach Käthe Kunstmaler in einer Bearbeitung für 12 Frauen und Bleistift. Galerie s´Presshaus von Gottfried Umschaid, 2171, Hauptstraße 49, Info: Betty Gall, 02555-247 37 (27 37), www.weinviertelfestival.at

lesung 3.6, 18.00, Wien Yanick Lahens. Dans la maison du père / Tanz der Ahnen Institut Francais de Vienne, 9., Währingerstraße 30, T. 502753-00, www.ambafranceat.org. In französischer Sprache. Deutsche Texte vorhanden.

3.6, 19.00, Wien Brigitta Falkner: Bunte Tuben, Anagramm Alte Schmiede, 1., Schönlaterng. 9, T. 5128329, www.alte-schmiede.at

4.6, 19.00, Wien „Now that I know“. Lesbische Jugendliteratur. Lesung von und Diskussion mit Doris MeißnerJohannknecht STICHWORT, 15., Diefenbachgasse 38/1, www.stichwort.or.at

7.6, 20.00, Wien Buchpräsentation: Doris Byer: „Essaouira, endlich“. Die Wiener Historikerin und Kulturanthropologin mit ihrer Neuerscheinung. Theater am Spittelberg, 7., Spittelbergg. 10, T. 5261385, www.theateramspittelberg.at

17.6, 19.00, Wien Karin Spielhofer: Erzählung von Wegen Alte Schmiede, 1., Schönlaterng. 9, T. 5128329, www.alte-schmiede.at

17.6, 19.00, Wien Hilde Möller „Und die Zeit stand still“ Buchhandlung Frauenzimmer, 7., Zieglergasse 28, T. 522 48 92, e-mail: frauenzimmer@aon.at.

autonomes FRAUEN zentrum, 4020, Humboldtstraße 43, jeden 1. Mo, ab 19.00

Jour Fixe für lesbische Frauen über 50, Leitung: Andrea Scheutz (Psychotherapeutin) Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 1. und 3. Mo, 19.00-20.30

„Lesbentutorium“ an der Uni Wien UniFrauenOrt, 9., Berggasse 5/24. Jeden Mo ab 19.00

Offene Encounter-Gruppe für Lesben und Frauen, die sich DA nicht so sicher sind Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T.: 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 2. und 4. Mo, 19.30-21.00, Anm. erforderlich

Tutorium für Lesben, BiFrauen und TransG an der Uni Wien UniFrauenOrt, 9., Bergg. 5/24. Jeden Montag ab 19.00

26.6, 20.00, Wien Klassischer indischer Tanz „Bharatanatyam“. Radha Anjali und Schülerinnen: „Sisya“ oder „Wie lernt man klassischen indischen Tanz an der Donau?“

Dienstag

Theater am Spittelberg, 7., Spittelbergg. 10, T. 5261385, www.theateramspittelberg.at, Eintritt: 13.–

Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA

a k t i v i t ä te n 5.6, 12-18.00, Wien „Wo sind wir, wenn wir reisen?“ 5 Künstlerexpeditionen: Eine Fahrt ins Grüne. Barbara Kraus Treffpunkt: Museumsquartier Wien, Eingang Ecke Burggasse, Dauer: ca. 6 Std., beschränkte Platzzahl, Anmeldung unter: T. 5813591 oder tanzquartier@tqw.at, Pay as you wish.

20.6, 16.00, Wien Frauenbadefreuden Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, www. sargfabrik.at, Eintritt: 14.–. Bitte um verlässliche Anmeldung bis jeweils Samstag! Per E-Mail: sonja.c@gmx.at oder Telefon: 01/ 988 98 - 214

f i x te r m i n Montag Frauencafé autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/60 22 00, http://www.frauenzentrum.at. Jeden Mo, 18.00-22.00

Frauenlaufgruppe Hollabrunn. Mit Sylvia Möstl Treffpunkt: Parkplatz des ATSV, 2020 Hollabrunn. Jeden Di 9.00

4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/55 6 40, abraxa@goplay.com. Jeden Di 14.00-18.00

Dick und fit – Sport, Spiel und Körperspass. Leiterin: Karin Weingartmann 8010 Graz, Volksschule Brockmanng. 119. Anm. erforderlich: Frauengesundheitszentrum, Joanneumring 3, 8010 Graz, T. 0316/83 79 98-30. Jeden Di, 19.00-21.00

Selbsthilfegruppe „Wenn Frauen zu sehr lieben“ Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofg. 20, T. 0316/71 60 220, e-mail: office@frauenservice.at. Jeden Di, 19.30-21.00

Geheimer Garten für Frauen und Mädchen Reichsapfelg., 15., Infos: Zeit!Raum Stadtteilprojekt, T. 895 72 67, http://www.zeitraum.co.at

Gesprächsgruppe für Frauen in Patchwork-Familien Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 89 58 440, Anm. erf., 14-tägig

Modern-Afro-Latin-Dance für Frauen aller Altersgruppen Autonomes Frauenzentrum, 9., Währingerstr. 59/Stiege 6, 2. Stock, Info: T. 54 54 393


an.künden

Fo t o : G a b i H o ra k

Mittwoch

Que(e)r -Beisl

Schreibwerkstatt für Frauen. Mit Fini Zirkovich

Ernst Kirchweger Haus, 10., Wielandg. 2-4, http://www.raw.at. Jeden Mi, 18.30-24.00

Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände 2. Jeden Mi 19.00. Anm.: T. 02626/677 10

Frauencafé Jugend- u. Kulturhaus AGATHON, 3 002 Purkersdorf, Kaiser-Josef-Str. 49, Kontakt: Ulrike Putz-Alb, T. 0664/191 61 20, Jeden 1. Mi im Monat

Mittwochs-Frauentratsch mit Netzanschluss Frauenberatungsstelle Freiraum, 2620 Neunkirchen, Wiener Str. 4/9, T. 02635/61125, e-mail: freiraumfrauen@utanet.at. Jeden 1. Mi im Monat

Dick und fit – Schwimmen. Leiterin: Karin Weingartmann Schwimmhalle ATG, 8010 Graz, Kastellfeldg. 8, Info: Frauengesundheitszentrum, Joanneumring 3, 8010 Graz, T. 0316/83 79 98-30. Jeden Mi, 17.00-18.00; Anm. erforderlich!

Dein Körper – Deine Verbündete. Leitung: Andrea Scheutz (Psychotherapeutin) Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29. T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 2. Mi, 18.00-19.30, Anm. erforderlich!

Dein Körper – Deine Verbündete. Leitung: Andrea Scheutz (Psychotherapeutin) Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29. T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 2. Mi, 18.00-19.30, Anm. erforderlich!

Frauen-Treffpunkt Familienberatungsstelle, 6., Kaunitzg. 33/8, T. 581 09 60, UKB 1,50 Jeden Mi 18-20, keine Anm. erf., Kekse/Tee willkommen

Frauenfest im U4 U4, 12., Schönbrunner Str. 222. Jeden 1. Mi im Monat, ab 22.00

Gesprächsgruppe für Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen. Leitung: Bettina Reisch.

Donnerstag HelpChat „Halt der Gewalt“ Der Helpchat: http://www.haltdergewalt.at bietet anonyme Hilfestellung. Jeden Do 20-23.00

Ungehalten – gehalten. Schwimmkurs für Frauen. Leiterin: Theresia Blatnek-Wondraczek Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstr. 2, T. 2822/522 71-0. Do 19.00-20.00

„Komm Oma – surf mit mir!“ Internet-Café für Jung und Alt, Frauentreff Rohrbach, 4150, Stadtplatz 16, T. 07289/66 55, keine Anm. erf., Surfgebühr: eur 1,50/h. Jeden Donnerstag, 15-18.00

Regenbogen Stammtisch Gasthaus Zur Brücke, 4840 Vöcklabruck, Vorstadt 18, T. 0699/11 34 12 14. Ab 20.00

HOSI-Jugendabend HOSI Wien, 2., Novaragasse 40. Jeden Do ab 19.00

Muttertag. Kostenlose Kinderbetreuung Anm.: ega, 6., Windmühlg. 26, T. 589 80/0. Jeden Do 14.00-19.00

Psychotherapeutische Selbsterfahrungsgruppe für Frauen, Lesben und Mädchen mit Barbara Tiwari FZ-Bar, 9., Währingerstr. 59/6, Eingang Prechtlg., T. 402 87 54. Jeden Do 17.30-19.00

schmökern, gustieren, plaudern, Tee trinken, Bücher kaufen Buchhandlung Frauenzimmer, 7., Zieglergasse 28, T. 522 48 92, e-mail: frauenzimmer@aon.at. Jeden Do bis 21.00

Widerstandslesung. Künstlerische Beiträge (lesen, spielen, singen, feuerschlucken etc.) willkommen: http//www.awadalla.at/el/kalender.at Botschaft der besorgten Bürgerinnen, 1., Ballhausplatz 1a. Jeden Do 17.00-19.00

Freitag Treffpunkt für junge Lesben bis 25

Räumlichkeiten des Notrufs, 17., Telefonische Anmeldung: T. 5232222, www.frauenweb.at/notruf Dauer: 1 Jahr, 14tägig. Kostenbeitrag: 16.–/ Termin.

HOSI Linz, 4020, Schubertstr. 36, T. 0732/60 98 98. Jeden 2. u. 4. Fr ab 20.00

Lesben-Fußballgruppe AufschlagBALLerinas

Schubert-Stüberl, 4600 Wels, Schubertstr. 13. Jeden 4. Fr. ab 20.00

PAHO-Halle, 10., Jura Soyfer G. 3, Garderobe 2, http://aufschlag.gay.or.at. Training jeden Mi 19.30-21.30

Frauencafé der Rosa-Lila-Pantherinnen – der Abend für Lesben und Freundinnen

Lesbengruppe

Feel Free, 8010 Graz, Rapoldg. 24, meist einmal im Monat, 19.00-23.00, Info unter T. 0316/36 66 01

HOSI-Zentrum, 2., Novarag. 40, T. 216 66 04, http://www.hosiwien.at. Jeden Mi ab 19.00

Morgengruppe „Carpe diem“ – Körpertherapeutisch orientierte Jahresgruppe für Frauen. Leiterin: Renate Frotzler-Dittrich Verein „Frauen beraten Frauen“, 6., Lehárgasse 9/2/17, Voranm.: 587 67 50, UKB: 11,-. Jeden Mi 9-10.30, Einstieg jederzeit möglich

Offene Gruppe für Alleinerzieherinnen und Frauen in Trennungssituationen

Welser Frauen-Stammtisch – gemütlicher Frauentreffpunkt

Internet-Café von Frauen für Frauen abz wien.cybercenter, 6., Gumpendorfer Str. 83, T. 595 21 55. Jeden Fr 13.00-19.00, jeden letzten Fr speziell für Mädchen

Offenes Treffen feministischer Migrantinnen Café Längenfeld, 12., Längenfeldg. 8, jeden 1. Fr im Monat

Samstag Club Anderwelt 6., Theobaldg. 10. Jeden 2. Sa ab 22.00

Kontaktstelle für Alleinerzieherinnen, 1., Stephanspl. 6/V/30. Jeden 1. u. 3. Mi, 18.00-20.00, Anm. Frauen beraten Frauen, T. 587 67 50

Frauenclub...just the girls

Offenes Atelier für Frauen

Labrys Lounge

Anna Rakos, Kunsttherapeutin, Hofstattgasse 15/10, 18., Info und Anmeldung: , T. 478 63 88, Kosten: eur 15,- pro Abend (Material inbegriffen), jeden 1. Mi von 19.00-21.00

Café Barcelona, 8010 Graz, Reitschulg. 20, Kontakt: Verein Labrys, Martina Kump, http://www.labrys.gundl.at, e-mail: labrys@gundl.at. Jeden ersten Sonntag i. Monat, 18.00

FZ-Bar, 9., Währinger Str. 59/6, Eingang Prechtlg., T. 402 87 54. Jeden 1. Sa ab 21.00

Sonntag

Ladyfest Das Ladyfest steht in der Tradition der Riotgrrrl-Bewegung und ist ein feministisches, nicht-kommerzielles Festival, das 2000 zum ersten Mal in Olympia stattfand. Vom 10. bis zum 13. Juni wird nun erstmals auch in Wien Musikerinnen, Autorinnen, Filmemacherinnen und Aktivistinnen eine Plattform für Ihre Arbeiten geboten. Drei Tage lang wird es an unterschiedlichen, teils öffentlichen Orten Musik, Ausstellungen, Filme und Workshops geben. Die letzte Soliparty fürs Ladyfest findet am 3.6. im Rhiz statt. Info und Detailprogramm: http://ladyfestwien.org/ Sonntagsfrühstück für Alleinerzieherinnen. Eltern-Kind-Zentrum, 8010 Graz, Bergmanngasse 10/1, T. 0316/37 81 40, e-mail: info@ekiz-graz-at, http://www.ekizgraz.at, So 9.00-12.00, 14.3., 11.4., 9.5., 13.6.

Sonntagsfrühstück. Für Lesben und interessierte Frauen Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2, T. 05574/45 538, e-mail: frauengetriebe@aon.at. Jeden 1. So ab 11.00

Rosa‘s TanzBar. Tanzvergnügen für Lesben und Schwule. Standard und Latein-Tanz zu ausgesuchten Lieblingsmelodien Cheek2Cheek, 8, Lange Gasse 50, 19.00 UKB: 5,-. RosasTanzBar@gmx.at, www.cheek2cheek.at. Jeden 4. Sonntag im Monat!

Selbsthilfegruppe Anonyme Ess-Süchtige 13., St. Veitg. 25, jeden So 19.30, T.: 0676/78 79 144

Weiber-Frühstück: Videos, Diskussion, Provokatiom, feministische Literatur, veganes Buffet E.K.H., 10., jeden 1. So

Nach Vereinbarung Frauenberatung Verein Frauen für Frauen Burgenland, 7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55; 7540 Güssing, Hauptstr. 26, T. 03322/430 01

Ganzheitliche Beratung zu Wechseljahren, Brustveränderungen, Myomen, u.a.m.

Frauenleserunde

Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, kostenlos

Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände 2, Infos: 02626/67 71 012

Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums Graz

Psychologische, juristische und arbeitsmarktpolitische Beratung sowie Sozialberatung für Frauen

Telefon zum Ortstarif: 0810/810 400, Mo, Do 16.00-19.00; Mi 9.00-12.00

Die Tür – Frauenservicestelle, 7210 Mattersburg, Brunnenpl. 3/2, T. 02626/62 670; 7000 Eisenstadt, Joachimstr. 11/2, T. 02682/66 124

Beratung, Gruppen, Kurse, Vorträge für Frauen. Auch muttersprachliche Beratung Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt, Raugasse 16, T. 02622/825 96. Mo, Do, Fr 9.00-12.00, Di 17.00-20.00

Beratung im Schwangerschaftskonflikt, bei Verhütungsfragen und Essstörungen ISIS, 5020 Salzburg, Willibald Hauthalerstraße 12, T. 0662/44 22 55

Schwangerschaftstest zum Selbstkostenpreis (eur 1,50), Hilfe zur Selbsthilfe und Infos zu Schwangerschaftshilfen und/oder Schwangerschaftsabbruch Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, Mo-Mi und Fr 9.00-13.00, Do 15.00-19.00

Verhütung für Frauen. Mit Monika Vucsak Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, eur 5,-

juni 2004an.schläge 45


Fo t o : S c h a u s p i e l h a u s S a l z b u r g , E l i s a b e t h b ü h n e

an.künden

aus.blick

an.schläge

im juli/august

ASF II GirlsNightOut

Österreichisches Sozialforum Drei Frauen bereiten sich gemeinsam auf einen Partybesuch vor. Während sie sich auf Fitnessgeräten abstrampeln, sprechen sie über ihre Ängste, ihre Enttäuschungen und ihre Hoffnungen. Das Stück ist von Gesine Danckwart als Monolog verfasst, der auf beliebig viele Schauspielerinnen verteilt werden kann. In der Inszenierung im Schauspielhaus Salzburg spielen Alicia Aumüller, Daniela Gnoycke und Charlott Kreiner. Aufführungen: 1., 2., 10., 13., 21., 22.6, jeweils um 20.00 Uhr, Schauspielhaus Salzburg, Foyer, 5020, Erzabt-Klotz-Str. 22, T. 0662/808585, www.schauspielhaus-salzburg.at Arbeitsgruppe für Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit

Theaterworkshop „Liebe, Sex & Co“. Leiterin: Martina Nöster, Psychotherapeutin

Frauen beraten Frauen, 1., Seitenstettengasse 5/7, Info: T. 0676/717 29 67

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/5772

Beratung, Kurse, Information für geistig oder mehrfach behinderte Frauen und ihre Angehörigen Verein Ninlil, 3., Hetzg. 42/1, T. 714 39 39

r a d i o . f i x te r m i n jeden 1. Mo 18.00-19.00 Khorschid Khanum – die persischsprachige Frauensendung

Einzelberatung für Frauen in Krisensituationen

Radio Orange, 94 MHz (Telekabel Wien 92,7)

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71; Erstgespräch kostenlos! Tel. Beratung Di 10.00-12.00 u. Do. 14.0016.00 unter T. 476 15/57 75 sowie unter fem@aon.at

Di 18.00-19.00 ta mera – an Orten wie diesen. Von Frauen für Frauen. Von Lesben für Lesben

Help – Schnelle Hilfe für junge Leute – Alles muss man nicht alleine schaffen! Leiterin: Martina Nöster, Psychotherapeutin

Mi 20.05-20.20 Das Frauenzimmer. Die Plattform für eine frauenspezifische Information

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 72, Erstgespräch kostenlos, weitere eur 4,-

Körper(Wohl-)Gefühle – Lerne Dich in Deinem Körper wohl zu fühlen. Leiterin: Martina Rainer, ShiatsuPraktikerin F.E.M, 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/5771, UKB eur 23,-

Mädchenworkshop: Besuch bei der Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71

Medizinische Sprechstunde für Mädchen und Frauen mit Essstörungen

Radio Orange 94 Mhz

Freies Radio Salzburg, FM 94 MHz

Mi 17.00-18.00 femme totale – feminist. Radioprogramm radio helsinki , 92,6 Mhz (Graz)

Mi 18.00-19.00 Abwechselnd: orangina – Fanzine zu Mädchennetzwerken in der Subkultur/bauch.bein.po – Die Sendung für die ganze Frau Radio Orange, 94 MHz

Do, 18.00-19.00 HOSI Lesbenradio ( jeden 1. Do), La manifesta (2. Do), Görls linkup (3. Do), Lourdes (4. Do) Radio Orange, 94 Mhz

tanz.fest 5.6, ab 17.00, Wien sistaDance-clubbing. 17-19.00 grundschritteinführung: Boogie – Chacha – Fox, Kosten: 15,- incl. Fest, 19-21.00 Konzert „Lesben lasst das Klagen“ oder: „Susi Meier will lieber Schokolade“, frauen.stimmen, ab 21.00: sistaDancefloor mit Publikumstanz, ab 22.00 Disco FZ – Frauenzentrum, 2. Stock, 9., Währingerstr. 59, Hofeingang, T. 402 87 54, Eintritt: 7.-, Women only

6.6, ab 15.00, Wien Open Air Benefiz für Ute Bock: Mo˚a Sisic & The Modern Gipsies und Klezmer Ensemble Pallawatsch. Spenden für Ute Bock 2., Lindenhain im Augarten (gegenüber Cafe Awawa), Infos: www.augarten-konzerte.at, Die Veranstaltungen finden nur bei Schönwetter statt!

10.6., ab 17.00, Wien Solifest für die afghanische Frauenorganisation rawa und in Wien lebende Afghaninnen Tüwi, 19., Peter-Jordan-Str. 76

3.6, Wien Ladyfest Wien Soliparty. Rhiz, 8., Gürtelbogen 37/38, www.ladyfestwien.org, Solibeitrag: 5.–

10-13.6, Wien Ladyfest Wien Programm und Infos unter: www.ladyfestwien.org

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71

Fr 16.30-17.30 SPACEfemFM. Frauenradio

Schlank & glücklich?

Radio FRO, 105 MHz (Linz). Jeden 1. u. 3. Fr.

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, Workshop n. V., Anm./Info: 476 15/57 71

Fr 18.00-19.00 Abwechselnd: Dyketime – Radiomagazin für Lesben/Frauenforum

Redaktionsschluss

radio helsinki, 92,6 MHz (Graz)

Termine 7-8/04: 9.06.04

Fr 18.00-19.00 Radio UFF. Das Radio des Unabhängigen Frauenforums

termine@anschlaege.at

Sexualberatung – Was Sie schon lange oder gerade jetzt dringend besprechen wollten. Leitung: Julia Kastenhuber, Psychologin F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71, UKB eur 10,-/Einzel-oder Paar

46 an.schlägejuni 2004

Radio Orange, 94 MHz, jeden 2. Fr.

Anfang Juni findet das zweite österreichische Sozialforum in Linz statt. Wir sind dabei und beobachten feministische Verschränkungen.

thema

Frauenhandel in Europa Ein großer Kongress in Kroation behandelt das zu oft verschwiegene Thema Frauenhandel in Europa: Diskussionsergebnisse und Strategien.

arbeit

Feministische Grafikerinnen Wie sich der Grafikerinnen-Stammtisch und artdirectorinnen mit dem zum Teil sexistischen Feld der Werbebranche auseinandersetzen.

an.schläge gibts in folgenden Buchhandlungen Winter Zentralbuchhandlung Ebbe & Flut Südwind Frauenzimmer Riedl Averroes Leporello Löwenherz Südwind Kulturver. Waschaecht

1010 1010 1030 1070 1070 1080 1090 1090 1090 1090 4600

Landesgerichtsstr. 20 Schulerstr. 1-3 Radetzkystr. 11 Mariahilferstr. 8 Zieglergasse 28 Alser Str. 39 Schwarzspanierstr. 20 Liechtensteinstraße 17 Berggasse 8 Schwarzspanierstr. 15 Dragonerstr. 22


Feministische

Bildung,

Untere Weißgerberstr. 41 A -1030 Wien Tel/Fax +43 -1-715 98 88

ausgekocht. eingedenk aller mitgiften

Body & Soul: Von Wohlfühl-Oasen und Wassernixen 18.30 Uhr, Vortrag und Diskussion Elisabeth Mixa, Soziologin Moderation: Edith Futscher

Vom Bogen zur Qualle oder wo geht dein Atem gerade hin? 15.00 -18.00 Uhr, Workshop Regina Trotz, Psychotherapeutin,

Agnès Varda: Documenteur 19.00 Uhr, Film (dt. Fassung) und Diskussion Kommentar: Edith Futscher, Kunsthistorikerin

BeraterInnengruppe Naschmarkt, Bioenergetische Analytikerin i.A.

Anti-Elektra. Über den ganz anderen Komplex 19.00 Uhr, Vortrag und Diskussion

Bunter Abend mit Überraschungen zum Thema mit den Frauenhetz-Frauen

Elisabeth Samsonow, Philosophin Moderation: Miriam Wischer

Body Memory 10.00 -14.00 Uhr, Workshop Anita Kaya, Freischaffende Performerin, Tänzerin, Choreographin Theoretischer Beitrag: Katharina Pewny, Theater- und Performancetheoretikerin

FRAUEN H ETZ

Frauenhetz –

Körper & Erinnerung Teil I:

Gruppenmatrix und phantasmatische Mutter

Der Körper als Ausdruck unserer Erinnerung 10.00 -13.00 Uhr, Playbacktheaterworkshop

18.30 Uhr, Vortrag und Diskussion

Grenzen des Erinnerns: Trauma, Gedächtnis und Narration 15.30 Uhr, Vortrag und Diskussion Martina Kopf, Afrikanistin Moderation: Miriam Wischer

Shurga Schrammel, Psychologin, Alice Pechriggl, Philosophin, Psychotherapeutin; www.playbacktheater.at Gruppenpsychoanalytikerin i. A. Moderation: Jale Akcil

Von der Seele ... 14.30 -16.30 Uhr, Workshop Birge Krondorfer, feministische Philosophin, Erwachsenenbildnerin

Die Autobiografie als unsicherer Ort. Worte am Korrekturrand

Das Eigene Erinnern. Gedenkkultur zwischen Normalität und Realität 20.00 Uhr, Vortrag und Diskussion

Passion des Erinnerns 17.00 Uhr, Vortrag und Diskussion

18.30 Uhr, Lesung und Diskussion

Eveline Goodman-Thau, Rabbinerin, Philosophin Moderation: Jale Akcil

Gabriele Sorgo, Kulturhistorikerin; Ilse Kilic, lebt im "Fröhlichen Wohnzimmer"

Arbeitsschwerpunkte: Askese,

in Wien (www.dfw.at); Text, Film, Comic

Martyrium, christliche Erotik, Konsum

Moderation: Verena Fabris

Moderation: Birge Krondorfer

Achtung: begrenzte Teilnehmerinnenzahl

> Achtung! Dieser Termin war ursprünglich für 22.6. geplant, deshalb

Wir bieten für alle Veranstaltungen Kinderbetreuung an!

Anmeldung für die Workshops bis Freitag 11. Juni 04 per e-mail: office@frauenhetz.at oder telefonisch: 01/715 98 88 Unkostenbeiträge: Einzel Vortrag/Lesung:=C 3,-; Einzel Workshop:=C 15,-; Wochenpauschale:=C 30,-

Montessori-Kinderhaus, Hetzgasse 45 (vis-à-vis Eingang Hetzgasse 42) Kinder bitte eine Viertelstunde

Die Räumlichkeiten der Frauenhetz sind seit Jänner 2004 auch für Rollstuhlfahrerinnen bequem zugänglich.


an.schläge

Nr. 06/04, juni 2004/18. Jahrgang, e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,– , P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.