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Steigende Ausgaben für Finanzielle Sozialhilfe I

WIPPTAL

Steigende Ausgaben für Finanzielle Sozialhilfe

Finanzielle Nöte, Familien und Kinder in schwierigen Lebenssituationen, Arbeitslosigkeit, Menschen mit Beeinträchtigung, psychisch kranke Menschen, Pflege und Betreuung von Senioren, Gewalterfahrungen, Sucht, Migration … Die Herausforderungen in der sozialen Arbeit sind viele und sie werden immer komplexer. Der Sozialdienst der Bezirksgemeinschaft Wipptal hat kürzlich seinen „Sozialbericht 2015“ vorgestellt.

Geldmittel in Höhe von rund 8,3 Millionen Euro hatte der Sozialdienst der Bezirksgemeinschaft Wipptal im Jahr 2015 zur Verfügung. Am 31. Dezember zählte der Dienst 87 Mitarbeiter, davon 73 Frauen und 14 Männer. Mehr als die Hälfte der Frauen arbeitete in Teilzeit. Zusätzlich waren zwei Mitarbeiter im Anvertrauungsabkommen in der Küche des Sozialzentrums bzw. in der Verwaltung beschäftigt. 29 Praktikanten sammelten im Ausmaß von 4.834 Stunden berufliche Erfahrungen. Zwölf Wipptaler haben an insgesamt 92 Tagen eine gemeinnützige Tätigkeit als Alternative oder Minderung einer Geld- bzw. Gefängnisstrafe geleistet. Auch 2015 pflegte der Sozialsprengel eine rege Zusammenarbeit mit dem Familienberatungsdienst Wipptal, mit dem Fokus auf Kinder sowie Eltern in Trennungssituationen. Zudem wurde das Projekt „Nachbarschaftshilfe für meine Kinder“umgesetzt. Der Andrang auf die Kleiderkammer, die gemeinsam mit dem Vinzenzverein geführt wird, war mit durchschnittlich 30 Personen pro Tag ungebrochen groß. Seit einigen Jahren leistet die Sozialgenossenschaft „EOS“ aus Bruneck in Zusammenarbeit mit dem Sozialsprengel „Ambulante Sozialpädagogische Familienarbeit“ im Wipptal. 2015 wurde dieser Dienst durch die Jugendberufshilfe ergänzt.

KINDERTAGESSTÄTTEN

Im Jahr 2015 besuchten 36 Kinder aus dem Wipptal die Kindertagesstätte „Wipptal“ in Sterzing, 17 Kinder die Kindertagesstätte „Ratschings“ in Stange. 27 Kinder stammten aus der Gemeinde Sterzing, 14 aus Ratschings, sieben aus Pfitsch, drei aus Freienfeld und zwei aus der Gemeinde Brenner. Mit Jänner 2015 wurden die Plätze in der KiTa „Ratschings“ vormittags auf 14 aufgestockt. Die Öffnungszeiten wurden jenen der KiTa „Wipptal“ angepasst. Der Mindesttarif blieb 2015 mit 0,90 Euro pro Betreuungsstunde unverändert, ebenso der Höchsttarif mit 3,65 Euro. Anwendung fanden diese Tarife erneut für maximal 160 Betreuungsstunden im Monat. Die vollen Kosten für eine Betreu-

Bei den Antragstellern und Ausgaben für Finanzielle Sozialhilfe ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. ungsstunde wurden ebenfalls nicht erhöht und liegen bei 7,70 Euro. Die Führungskosten für die KiTa „Wipptal“ lagen 2015 bei rund 236.000 Euro, für die KiTa „Ratschings“ bei rund 129.000 Euro. Geführt werden beide von der Sozialgenossenschaft „Casa Bimbo – Tagesmutter“.

FINANZIELLE SOZIALHILFE IM WIPPTAL HUMANITÄRE HILFE FÜR

Jahr Antragsteller Ausgaben (in Euro) FLÜCHTLINGE 2013 591 1.834.177,44 Im Auftrag des Landes führt die 2014 691 2.211.530,82 BZG Wipptal den überörtlichen 2015 726 2.507.435,80 Dienst für Humanitäre Hilfe für Menschen auf der Flucht. Dieser SOZIALES MINDESTEINKOMMEN Dienst beinhaltet die existenzielle 2013 189 449.561,08 Grundversorgung und Information 2014 201 520.299,18 für Hilfesuchende auf der Durchrei2015 188 514.276,84 se. Insbesondere richtet er sich an flüchtende Menschen mit erhöhMIETE UND WOHNUNGSNEBENKOSTEN tem Schutzbedarf, wie schwan2013 431 979.628,39 gere Frauen, Mütter mit Kleinkin2014 542 1.346.444,16 dern und unbegleitete Minder2015 577 1.504.974,80 jährige. Gestartet wurde damit

Mitte Dezember 2014 am Brenner, 2015 wurde der Dienst auf die Strecke Bozen–Brenner ausgedehnt. Mit der operativen Arbeit vor Ort ist der Verein „Volontarius“ beauftragt. Mit öffentlichen Körperschaften wie den Gesundheitsdiensten und der Polizei sowie freiwilligen Organisationen gibt es eine intensive Zusammenarbeit. Rund 27.000 Flüchtlinge, zumeist junge Männer aus Somalia, Eritrea, Nigeria und Syrien, wurden am Brenner betreut, vorwiegend in den Sommermonaten.

SOZIALZENTRUM WIPPTAL „FUGGER“ UND REHA „TRENS“

In den Geschützten Werkstätten sowie den Sozialpädagogischen Tagesfördergruppen des Sozialzentrums Wipptal „Fugger“ wurden 46 Personen mit einer Behinderung individuell begleitet. Der traditionelle Adventsmarkt und der Frühlingsmarkt waren sehr gut besucht. Seit einigen Jahren werden auch einige Dienstleistungen im und für das Sozialzentrum ausgeführt. Bei verschiedenen Kursen im Haus konnten sich die Nutzer weiterbilden. Neu aufgebaut wurde die „Gruppe 6“. Zielgruppe sind erwachsene Menschen mit Wahrnehmungs- und Autismus-Spektrum-Störungen sowie Minderjährige mit Behinderungen im Rahmen von zeitlich begrenzten Projekten mit Schulen. In dieser neu konzipierten Gruppe werden abwechselnd Menschen mit Behinderungen eingebunden, die von der individuellen Begleitung in dieser Kleingruppe profitieren. Im Sozialzentrum wurde das Essen für die Nutzer des Sozialzentrums, der Reha „Trens“ und beider KiTas zubereitet. In der Küche werden seit Jahren Personen durch Arbeitseingliederungsprojekte beschätigt und bereiten sich so auf eine Arbeit am freien Arbeitsmarkt vor. Zugestellt wurden die Mahlzeiten von einer Person im Rahmen des Projekts für soziale Wiedereingliederung. Im Arbeitsrehabilitationsdienst „Trens“ wurden insgesamt 33 Personen mit einer psychischen Erkrankung, einer sozialen Beeinträchtigung oder einer Abhängigkeitserkrankung begleitet und unterstützt. Die Tätigkeits- und Produktionsfelder in der Werkstatt liegen u. a. in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung sowie Landschaftspflege. Es werden Auftragsarbeiten für Klein- und Großbetriebe sowie für Gemeinden erledigt. Acht Nutzer aus den sozialen Einrichtungen fanden mittels Außenverlegung bzw. Praktika in einem Privatbetrieb eine Arbeit. Davon wurde eine Person mittels Anvertrauungsabkommen angestellt. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen aller teilstationären Einrichtungen beliefen sich im Jahr 2015 auf rund 120.000 Euro.

TAGESSTÄTTE UND TREFFPUNKT „CONTAKT“

Acht psychisch kranke Personen bzw. Personen mit einer Doppeldiagnose, etwa Lernschwierigkeiten und psychische Erkrankung, wurden in der sozialpädagogischen Tagesstätte „ConTakt“ fachlich begleitet. Geöffnet war die Einrichtung an 93 Tagen. Weiters trafen sich dort einmal wöchentlich Menschen mit ähnlichen Krankheitserfahrungen in Begleitung einer Fachperson. 15 Personen haben den Treffpunkt an 53 Öffnungstagen genutzt. Acht Personen nahmen an der Weihnachtsfeier für Alleinstehende teil.

WOHNHEIME UND WOHNGEMEINSCHAFTEN

Elf Personen nutzten den Wohnbereich für Menschen mit Behinderungen im Sozialzentrum, acht Personen jenes der Kurzzeitpflege in den Wohngruppen. In der Wohngemeinschaft „Haus Christophorus“ in Trens wurden neun Menschen mit psychischen Erkrankungen untergebracht. Kurzzeitig wurde eine weitere Per-

Bezirkspräsident Karl Polig, Altenheim-Leiter Haymo Beikircher, Sozialdienst-Direktorin Christina Tinkhauser und Mitarbeiterinnen des Sprengels

Am 30. September werden der neue Sozial- und Gesundheitssprengel sowie der neue Trakt des Bezirksaltenheimes eingeweiht und feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür kann der Sprengel besichtigt werden. Seit dem Frühjahr sind alle Tätigkeitsbereiche des Sozial- und Gesundheitssprengels im neuen Sitz im St.-Jakob-Weg 8 in Sterzing untergebracht. Mit seiner Errichtung wurden nach einem Konzept des Landes im Wipptal die ambulanten Sozial- und Gesundheitsdienste des Territoriums unter einem Dach vereint. Finanzielle Sozialhilfe, Sozialpädagogische Grundbetreuung, Hauspflege, Bürgerservice, Anlaufstelle für Pflege- und Betreuungsangebote, Krankenpflegedienst und Vorsorgedienst befinden sich nun in einer einzigen Struktur. „Die Bürger ersparen sich viele Wege und profitieren davon, dass die Zusammenarbeit der Dienste Hand in Hand passiert“, ist Sozialdienst-Direktorin Christina Tinkhauser überzeugt. Zudem sei der Sozial- und Gesundheitssprengel laut Bezirkspräsident Karl Polig gut erreichbar und befinde sich in strategisch guter Lage. Der neue Trakt des Bezirksaltenheimes wurde bereits im Herbst 2014 in Betrieb genommen und wird vorwiegend von Senioren mit Demenzerkrankung bewohnt. „Die großzügig gestalteten, hellen Räumen bieten den Bewohnern ein angenehmes Wohnumfeld und somit eine gute Lebensqualität. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft den Senioren auch auf diese Weise Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringt“, so Haymo Beikircher, Leiter des Bezirksaltenheimes. son aufgenommen. In den drei polyvalenten Trainingswohnungen des Sozialdienstes in Sterzing und Trens wurden drei Personen mit Beeinträchtigungen begleitet und auf ein autonomes Wohnen in einer eigenen Wohnung vorbereitet. Zusätzlich zu den Trainingswohnungen wurden eine private WG mit drei Männern sowie drei Einzelpersonen in ihrem Zuhause begleitet. Insgesamt wurden 75 Wipptaler in teilstationären Einrichtungen und 26 in stationären Einrichtungen aufgenommen und betreut, vor allem in sozialen Einrichtungen des Wipptales und im Bezirksaltenheim Wipptal, aber auch in Einrichtungen anderer Bezirksgemeinschaften. Neun Wipptaler wurden kurzzeitlich in den stationären Einrichtungen der Bezirksgemeinschaft Wipptal betreut, sieben wurden in anderen Landesteilen begleitet.

AMBULANTE SOZIALE DIENSTE

Beim sozio-sanitären Bürgerservice wurden vor allem Informationen über Weiterbildungen wie etwa Sprachkurse und Angebote im Bereich Pflege eingeholt. Bei der Infostelle zum Thema Pflege sind 2015 144 Ansuchen um Pflegegeld bearbeitet worden. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Pflege und Beratung“ wurde der „Wegweiser zum Thema Pflege“ erstellt. Er dient allen Interessierten als Leitfaden und gibt Informationen über alle Leistungen und Angebote zum Thema Pflege im Wipptal. Vor kurzem wurde die Infostelle zum Thema Pflege zur „Territorialen Anlaufstelle für Pflege- und Betreuungsangebote“ ausgebaut. Der Hauspflegedienst hat 140 Personen betreut und dabei 15.265 Stunden geleistet. Dabei war die Anzahl der betreuten Personen leicht rückgängig, während die Stundenanzahl angestiegen ist. 93 Personen haben den Dienst „Essen auf Rädern mit und ohne Zustellung“ in Anspruch genommen, wobei die Inanspruchnahme rückläufig ist. Die Zustellung nach Hause wurde von 72 Personen genutzt. Insgesamt wurden 13.909 Essen auf Rädern zubereitet. Für die Dienste Hauspflege und Essen auf Rädern wurden insgesamt 167.720 km zurückgelegt, davon 17.331 von Freiwilligen. Im Tagespflegeheim für Senioren wurden zum 31. Dezember 2015 41 Personen betreut, davon 19 Männer und 22 Frauen. Gerne in Anspruch genommen wird zudem der Dienst „Bad und Haarwäsche“ für ältere Bürger in den Tagesstätten. Auch kann die Wäsche der Nutzer gewaschen werden, falls zu Hause keine Möglichkeit besteht. Seit November 2015 bietet der Sozialsprengel Wipptal auch „Begleitetes Wohnen“ für die Bewohner des Seniorenwohnhauses „St. Elisabeth“ der Stiftung Deutschhaus an. Zum Start der Initiative waren zwei der elf Wohnungen belegt. In der Sozialpädagogischen Grundbetreuung – Bereich Minderjährige – wurden 199 Minderjährige betreut, davon 24 aus Nicht-EU Ländern, neun mit anerkanntem Flüchtlingsstatus und 19 Nomaden. Hinzu kommen Jugendliche, die bis zur Vollendung ihres 21. Lebensjahres begleitet werden. 37 Minderjährige wurden aufgrund einer Maßnahme bzw. Entscheidung des Jugendgerichts Bozen von der Sozialpädagogischen Grundbetreuung unterstützt. 26 Minderjährige erhielten erstmals Begleitung. 39 Situationen konnten abgeschlossen werden. 130 der 199 Minderjährigen waren Kinder von verheirateten bzw. zusammenlebenden Eltern, 52 von getrennt lebenden

HAUSPFLEGEDIENST

(ohne Essen auf Rädern, ohne Tagesstätten) 2013 2014 2015

bzw. geschiedenen Eltern, 13 waren Kinder alleinerziehender Eltern und vier aus anderen Situationen (Halbwaisen/ Vollwaisen/ Eltern unbekannt). Im Erwachsenenbereich haben 206 Personen die Leistungen der Sozialpädagogischen Grundbetreuung in Anspruch genommen. Die fünf häufigsten Gründe für die Kontaktaufnahme waren neben Arbeitslosigkeit und finanziellen Problemen auch familiäre bzw. Beziehungsprobleme, psychische Probleme und Wohnprobleme. Bei den Antragstellern und Ausgaben für Finanzielle Sozialhilfe ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. An 726 Antragsteller wurden rund 2,5 Millionen Euro ausbezahlt. Die Anzahl der Antragsteller für das soziale Mindesteinkommen ist etwas gesunken, da sich u. a. die Kriterien für die Anspruchsberechtigung geändert haben. 68 Prozent der ausbezahlten Leistungen gehen an italienische Staatsbürger, 29 Prozent an NichtEU-Bürger und drei Prozent an Bürger aus anderen EU-Ländern. Im Wipptal unterstützten 22 freiwillige Helfer regelmäßig die Dienstleistungen des Sozialdienstes. Insgesamt brachten sie im Tagespflegeheim sowie bei individuellen Situationen, der Vermittlung von Gebrauchtmöbeln und der Zustellung von Essen auf Rädern 2.965 Stunden auf.

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Anlaufstelle für Pflege- und Betreuungsangebote vorgestellt

Gemeinsam mit dem Gesundheitsdienst und den Seniorenwohnheimen des Bezirks hat die Bezirksgemeinschaft Wipptal die Trägerschaft für die „Anlaufstelle für Pflege- und Betreuungsangebote Wipptal“ inne. In einer Informationsveranstaltung stellten kürzlich Landesrätin Martha Stocker und die Direktorin des Amtes für Senioren und Sozialsprengel, Brigitte Waldner, die Aufgaben dieser neuen territorialen Dienststelle vor.

Die meisten Menschen beschäftigen sich mit dem Thema Pflege und Betreuung erst, wenn sie betroffen sind, und sind dann zumeist mit der Situation überfordert. Seit 1. Jänner bietet die „Anlaufstelle für Pflege- und Betreuungsangebote Wipptal“ in derartigen Situationen Hilfestellung, indem Fachkräfte des Sozialsprengels, des Gesundheitsdienstes und der Seniorenwohnheime Information, Beratung und Unterstützung aus einer Hand anbieten. Nach dem Umzug in den neuen Sozial- und Gesundheitssprengel Wipptal gaben die Trägerorganisationen bei einer Informationsveranstaltung für Gemeinden, Hausärzte sowie öffentliche und private Kooperationspartner vor kurzem den Startschuss für diese wichtige territoriale Dienststelle, die laut Bezirkspräsident Karl Polig „die Bürger dabei unterstützt, die geeigneten Einrichtungen, Betreuungsangebote, technischen Hilfsmittel sowie finanziellen Unterstützungsmaßnahmen, Rechte und Anspruchsberechtigungen pflegebedürftiger Menschen in Erfahrung zu bringen und nutzen zu können“. Soziallandesrätin Stocker betonte, dass Pflege und Betreuung zu den größten Herausforderungen der Zukunft zählen. „Mit der Anlaufstelle haben wir eine weitere Grundlage geschaffen, die das Miteinander der Dienste und verschiedenen Organisationen fördert und fordert.“ Im Dezember 2015 wurden in Südtirol 11.350 Personen zuhause gepflegt, davon vier Prozent im Wipptal. „Die Betroffenen und ihre Familien wissen, wie wichtig ein unkomplizierter Zugang zu Informationen rund um das Thema Pflege und Betreuung ist“, so Amtsdirektorin Brigitte Waldner.

NICHT REGISTRIERTER MIETVERTRAG EINER WOHNEINHEIT – FOLGEN

Seit 1. Jänner 2016 darf nur mehr der Vermieter einer Wohneinheit den Mietvertrag innerhalb von 30 Tagen ab Unterzeichnung bei der zuständigen Agentur der Einnahmen registrieren. Registriert der Vermieter den Vertrag nach Ablauf dieser Ausschlussfrist nicht, so hebt der Fiskus, zusätzlich zur Registersteuer und den Verzugszinsen, eine Verwaltungsstrafe in Höhe von 6 % (falls der Vertrag innerhalb der darauffolgenden 30 Tage registriert wird) bzw. von 12 % (innerhalb von 90 Tagen) der geschuldeten Registersteuer für die gesamte Vertragsdauer ein. Aus zivilrechtlicher Sicht sind die Folgen einer verspäteten Registrierung (also nach Ablauf von 30 Tagen ab Unterzeichnung des Vertrages) schwerwiegender: Der Mietvertrag ist, laut neuester Rechtsprechung, nichtig und kann keineswegs mit der nachträglichen Registrierung saniert werden, d. h. dass kein Vertrag zwischen Vermieter und Mieter besteht. Für den Vermieter wirkt sich dieser Umstand negativ aus. So kann der Vermieter bei Zahlungsverzug des Mieters das beschleunigte Räumungsverfahren nicht mehr in Anspruch nehmen (Dauer des Gerichtsverfahrens ca. 6 – 8 Monate), da die Voraussetzung hierfür das Bestehen eines fristgerecht registrierten Mietvertrages ist. Folglich ist er gezwungen, ein so genanntes ordentliches Gerichtsverfahren anzustrengen (Dauer des Verfahrens ca. 1,5 – 2 Jahre), in dem der Richter entweder das Bestehen des Mietvertrages zwischen Vermieter und Mieter feststellen sowie die Höhe des Mietzinses neu festlegen wird (in diesem Fall verbleibt der Mieter in der Wohnung) oder die Räumung der vom Mieter ohne Rechtstitel besetzten Wohnung sowie die Höhe einer Entschädigung zu Gunsten des Vermieters festsetzen muss.

MANUEL D'ALLURA, Rechtsanwalt Kanzlei D’Allura & Gschnitzer

PFITSCH

Gefahr für Fußgänger

Neben mehreren Umwidmungen des Landschaftsplanes und Verordnungen beschäftigte sich der Gemeinderat von Pfitsch auf seiner Sitzung Ende Juli auch mit einem Beschlussantrag der Bürgerliste, um die Sicherheit der Fußgänger in Wiesen zu erhöhen.

„Fußgänger leben in Wiesen gefährlich“, brachte es Renato Bussola von der Bürgerliste „Gemeinsam für Wiesen Pfitsch“ auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Pfitsch auf den Punkt. Einmal

mehr wies er darauf hin, dass einige Autofahrer die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung nicht einhalten, vor allem auf der Hauptstraße nach Pfitsch, aber auch auf den Nebenstraßen, wie etwa in der Hinteren Gasse. Teilweise würden Fahrzeuge sogar auf die Gehsteige ausweichen. Zudem erhöhe sich mit der Geschwindigkeit auch der Lärmpegel. Deshalb reichte er gemeinsam mit Claudia Raffl und Erwin Astenwald einen Beschlussantrag ein, um „weitere abschreckende Maßnahmen zu ergreifen und dort, wo bereits Geschwindigkeitsanzeigen angebracht sind, weitere Schilder mit der Aufschrift ‚Elektronische Geschwindigkeitskontrolle’ zu montieren“. Wie Bürgermeister Stefan Gufler entgegnete, seien solche Schilder nur dort erlaubt, wo die Polizeikräfte auch effektiv Kontrollen durchführen. „Gerade das wäre ja wünschenswert“, so Bussola. „Es geht aber nicht darum, die Leute zu strafen, sondern die Sicherheit für die Fußgänger zu erhöhen.“ Auch deshalb sprach sich u. a. Julian Volgger von den Freiheitlichen für den Einsatz von SpeedCheck-Boxen aus. Der Antrag der Bürgerliste wurde einstimmig angenommen.

ÄNDERUNGEN LANDSCHAFTSPLAN

Beim Bergerhof in Überwasser sollen 2,4 ha Wald in landwirtschaftliches Grün umgewidmet werden. Nach einem positiven Bescheid des Gemeindeausschusses wurde das Projekt von der Grün-Grün-Kommission nur teilweise angenommen; demzufolge dürfe lediglich ein Hektar des Grundstücks umgewidmet werden, mit der Auflage, einen rund 200 m2 großen Amphibienteich anzulegen und die neuen Waldränder mit Laubbäumen zu bepflanzen. Der Gemeinderat schloss sich mit einer Gegenstimme von Bussola dem Gutachten der Kommission an. Die Umwidmung von 1,1 ha Wald in landwirtschaftliches Grün beim Leitenhof in Afens war vom Gemeindeausschuss ebenfalls genehmigt und von der Grün-Grün-Kommission mit Auflagen versehen worden. Aufgrund eines erheblichen ökologischen Verlustes müssten die Böschung des Wassergrabens bepflanzt und Trockenmauern erneuert werden. Die Räte schlossen sich einstimmig der Meinung der Kommission an. Die Umwidmung von 2.386 m2 Wald in landwirtschaftliches Grün beim Similehof in Ried hingegen – vom Gemeindeausschuss ebenfalls gutgeheißen – war von der Grün-Grün-Kommission abgelehnt worden; der bachbegleitende Erlenbestand sei landschaftsökologisch wertvoll und solle bestehen bleiben. Der Gemeinderat indes bestätigte bei drei Nein-Stimmen der Bürgerliste (Astenwald, Bussola, Raffl) und einer Enthaltung von Bürgermeister Gufler den Ausschussbeschluss, da die Fläche bereits früher als Wiese genutzt worden sei und der Schutzwald bestehen bleibe.

HAUSHALTSÄNDERUNG

Ein Dringlichkeitsbeschluss des Gemeindeausschusses bezüglich Mehreinnahmen in Höhe von rund 79.900 Euro wurde von den Räten einstimmig ratifiziert. Diese werden u. a. für die Sanierung des Kindergartens (16.000 Euro) und der Grundschule (34.000 Euro) in St. Jakob sowie für ein geologisches Gutachten für die Quellfassung in Grube (6.800 Euro) und außerordentliche Instandhaltungsarbeiten am Gemeindehaus in Wiesen (5.000 Euro) verwendet. Nach einem positiven Gutachten des Rechnungsrevisors wurde die Sicherung des Haushaltsgleichgewichts einstimmig gutgeheißen.

IN KÜRZE

Für ein Wohngebäude in Kematen wurde eine Dienstbarkeit für den Durchgang und die Zufahrt einstimmig genehmigt. Einstimmig fiel die Abstimmung auch in Bezug auf die Genehmigung der Verordnung über das Recht auf Auskunft, über die internen Kontrollen und über das Rechnungswesen aus. Als Vertreterin der Gemeinde für den Beirat des Landeskindergartens Wiesen wurde Maria Rabensteiner Leitner entsandt. Für die kostenintensive Instandhaltung der Pfitscherjochstraße wird die Gründung eines Wegekonsortiums in Betracht gezogen, damit alle Betroffenen bzw. Nutznießer ihren Beitrag leisten. Die Einführung von Parkgebühren sei laut Bürgermeister Gufler nicht sinnvoll; er befürchtet dadurch negative Auswirkungen auf den Tourismus. Barbara Felizetti Sorg

RUDOLF PICHLER

Alptraum Massentourismus

Seilbahnen und Skilifte hinauf bis zu den höchsten Gipfeln, Hotelburgen, die halbe Dörfer verschlingen, planierte Pisten und Schneekanonen mit immensem Wasserverbrauch, wochenlange Weihnachtsmärkte mit Ramsch aus Asien, endlose Staus auf Straßen und Autobahnen, Horden von Motorradfahrern, die über die Pässe donnern, Scharen von Schwammerlklaubern, welche die Wälder plündern, Pop- und Rockkonzerte auf den Almen, Feste und Vergnügungsparks in den Talebenen, Krach, Spaß und Alkohol bis in die frühen Morgenstunden, überfüllte Altstädte, die zum Disneyland verkommen. Dies alles und mehr sind die Auswüchse des Massentourismus, hervorgerufen von abertausenden Pauschaltouristen, All-inclusive-Urlaubern, Gruppen- und Busreisenden, Tagespassanten, Billigtouristen, aber auch von zahlungskräftiger Klientel. Ihr Augenmerk gilt nicht so sehr der Schönheit und Eigenart unseres Landes, sondern vielmehr der kurzfristigen Abwechslung und Unterhaltung, wobei der eigene Lebensstil gleich mitimportiert wird. Die negativen Auswirkungen des Massentourismus auf die Umwelt, heimische Kultur und Bevölkerungsstruktur sind offensichtlich. Der Einheimische fühlt sich oft als Fremder im eigenen Land. Die Unterwürfigkeit, mit der viele Tourismustreibende auch noch dem letzten Billigtouristen zu Diensten sind, wirkt geradezu peinlich. Dem Drang nach dem ständigen Mehr wird die eigene Lebensqualität geopfert. Der Gegenpol zum Massentourismus ist der sanfte (nachhaltige) Tourismus, der Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen versucht und den unsere Politiker und Touristiker schon seit langem mit Recht propagieren, allerdings oft mit dem Hintergedanken, beide Formen über die Runden zu kriegen. Dies geht aber nicht, denn Masse und Klasse schließen sich gegenseitig aus. Selbst eine gesunde Balance herzustellen, ist schwierig genug. Der Trend geht jedenfalls in diese Richtung, und das ist gut so. Der sanfte Tourismus setzt vornehmlich auf den Individualreisenden, der sich den Urlaub selber plant, der die Kultur und Tradition seines Reiselandes kennenlernen will, der auf Ursprünglichkeit und Authentizität Wert legt, die Landschaft erwandert, die Sehenswürdigkeiten im Lande besucht, die heimische Küche auskostet, Ruhe und Entspannung sucht, ein gutes Hotel zu schätzen weiß und im Winter Alternativen zum exzessiven Skirummel anstrebt. Für all das ist er auch bereit, ein angemessenes Geld auszugeben. Der Tourismus ist und bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig in unserem Lande. Er ist und bleibt aber auch ein zweischneidiges Schwert, das gekonnten Umgang verlangt.

FRANZENSFESTE

390.000 Euro fürs Breitbandnetz

Anfang August hat der Gemeinderat von Franzensfeste die notwendigen Bilanzänderungen zur Zuweisung des Verwaltungsüberschusses von rund 2,4 Millionen Euro vorgenommen. Davon werden 391.800 Euro ins Breitbandnetz investiert.

Weitere größere Summen wurden für den Bau der Brücke in Grasstein (210.000 Euro), für die Neugestaltung des ex ANAS-Gebäudes (200.000 Euro), für Projektierungen (115.000 Euro), für die Instandhaltung des Mehrzweckhauses (90.000 Euro) und für den Platz in Franzensfeste-Süd (90.000 Euro) zweckgebunden. 45.000 Euro sind für den neuen Gehsteig in Franzensfeste entlang der Brennerstraße vorgesehen, 60.000 Euro für die Erneuerung der Mühlstraße und 30.000 Euro für außerordentliche Arbeiten am Kanalisationsnetz. Von den noch nicht verwendeten Alperia-Umweltgeldern werden u. a. 193.000 Euro für die Trinkwasserleitung aufgewendet, 192.700 Euro für die energetische Sanierung des Schulgebäudes in Franzensfeste und 130.500 Euro für eine Photovoltaikanlage. Die Bilanzänderungen wurden ebenso wie die gesetzlich vorgesehene Sicherung des Gleichgewichts im Haushalt einstimmig genehmigt.

IN KÜRZE

Der Gemeinderat gab einstimmig eine Stellungnahme zur Überarbeitung des Wassernutzungsplanes ab, wobei das Muster des Gemeindenverbandes um einige Ergänzungen erweitert wurde; u. a. wird gefordert, dass bei der Erteilung von Konzessionen die Gemeinden vermehrt berücksichtigt werden sollen. Bürgermeister Thomas Klapfer zeigte sich zuversichtlich, dass für das Projekt Fernheizwerk genügend Beteiligungen zustande kommen. Eine Entscheidung könne voraussichtlich bei der nächsten Gemeinderatssitzung getroffen werden. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten der Brücke am nördlichen Dorf-

eingang von Franzensfeste werde nach Intervention der Gemeinde nun doch auf beiden Seiten ein Gehsteig errichtet. Auch habe die Gemeinde gefordert, „intelligente Ampeln“ zur Vermeidung von langen Staus einzusetzen. Laut Gemeinderätin Bettina Cipolletta (Licht für Franzensfeste) sei es auch wichtig, während der Bauzeit die bestehenden Gehsteige an der Brennerstraße sicherer zu gestalten. Sie bemängelte außerdem das unansehnliche Erscheinungsbild des Dorfes. Viele Plätze seien verwahrlost, wie etwa der Tennisplatz. Bürgermeister Klapfer nahm die Hinweise zur Kenntnis. Man werde sich bemühen, Verbesserungen herbeizuführen. Zur Aufwertung des Schau-E-

Werkes sei ein gemeinsames Projekt mit dem Forstdienst geplant. 18.000 Euro aus den Alperia-Umweltgeldern wurden dafür eingeplant. Gemeinderat Dario Massimo (Franzensfeste lebt) wies darauf hin, dass der Römerweg durch zu hohes Gras schlecht erreichbar sei. Für die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen im

Dorf schlug er erneut die Anbringung einer Speed-Check-Box vor. Da aber keine Ordnungskräfte zur Kontrolle zur Verfügung stünden, sei dies in Franzensfeste laut Bürgermeister Klapfer nicht möglich. Für den Abschnitt der Brenner-Radroute zwischen Mittewald und Oberau werde die Bezirksgemeinschaft über die Wintermonate die Aufträge vergeben, damit im Frühjahr mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die Ratsfraktion „Licht für Franzensfeste“ schlug vor, in Franzensfeste einen Berglauf zu organisieren. Bürgermeister Klapfer sicherte die Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung zu, sofern ein Verein die Trägerschaft übernimmt.

PROJEKT ANAS-GEBÄUDE

Die Gemeinde hat mit der ANAS (Azienda Nazionale Autonoma delle Strade) eine Konvention für die Nutzung des leerstehenden ANAS-Gebäudes in Franzensfeste abgeschlossen. Anfangs wurde die Einrichtung einer Bibliothek angedacht. Um das Gebäude aber so sinnvoll wie möglich zu nutzen, wurde kürzlich gemeinsam mit den Landesämtern für deutsche und italienische Kultur eine Initiative gestartet und eine Arbeitsgruppe gegründet. In einem gemeinschaftsbildenden Prozess der „mitgetragenen Projektierung“ sollen Ideen für die Wiederbelebung des verlassenen Gebäudes gesammelt und deren Umsetzbarkeit geprüft werden. Am 1. Oktober werden die Projektleiter Beate Weyland und Paolo Bellenzier durch einen Bürgerschalter der Bevölkerung von Franzensfeste Gehör schenken. Welches sind die Wünsche und Erwartungen an das Projekt? Wo liegen die Probleme im Dorf? Jeder Bürger ist aufgerufen, seine Meinung zu äußern. In einem dreitägigen Workshop vom 7. bis zum 9. Oktober können Interessierte in mehreren Arbeitsgruppen Erwartungen konkretisieren. „Diese Zusammenarbeit kann für das Dorf sehr bereichernd sein und ein neues Juwel schaffen“, so die Mitglieder der Arbeitsgruppe für die Wiedergewinnung des ex ANAS-Gebäudes, der neben Weyland und Bellenzier auch Bürgermeister Klapfer, Danilo Goggi, Luciana Pivetta, Magdalena Wild, Ingrid Lorenzin, Birgit Seeber, Sabina Barbuntoiu und Khadja Lachgar angehören.

NEUERÖFFNUNG!

Lebenskompass eröffnet sein „FIT in LIFE – Centrum“ in Sterzing

Was die Gesundheit wert ist, weiß heute jeder aufgeschlossene Mensch. Auch dass Gesundheit ein Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele bedeutet, ist vielen bekannt. Oft fehlt es aber an geeigneten Angeboten, um sich seine Gesundheit zu erhalten oder zurückzuerobern. Die ausgebildeten Trainer und Coaches Gabriella Genetin und Harald Markart sowie Berater Horst Stuffer haben nun mit dem „FIT in Life – Centrum“ in Sterzing einen Ort geschaffen, der sich ganzheitlich um das Wohlbefinden seiner Kunden kümmert. Aus einer Vielzahl von Kursen und Einzelangeboten kann sich jeder mit wenig Aufwand sein individuelles Programm zusammenstellen. Die Angebote wurden unter den Schlagworten „Bewegung – Ernährung – Mensch sein“ und unter Einbeziehung der neuesten Fachkenntnisse ausgearbeitet. Harald Markart, Präsident der Genossenschaft Lebenskompass, ist sich sicher: „Nur wer sich auch Zeit nimmt, sich um sein Wohlbefinden zu kümmern, kann seine Gesundheit nachhaltig erhalten. Lebenskompass ist dabei ein Wegweiser und -begleiter.“ Die Kurse beginnen am 19. September. Informationen und die detaillierten Angebote erhalten Sie auf der Homepage www.lebenskompass.it oder telefonisch unter 349 6106423.

FREIENFELD

„Asphaltplatz oder Brunnenplatz?“

Mit gleich drei Anfragen und mehreren – auch schriftlich deponierten – Stellungnahmen heizte die SVP-Opposition der regierenden Freien Liste bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Freienfeld Ende August ordentlich ein; u. a. warf die SVP Referent Anton Salcher durch seine private Tätigkeit als Bauunternehmer erneut einen Interessenskonflikt vor.

Thema der ersten SVP-Anfrage war die vor kurzem erfolgte Asphaltierung des so genannten „Brunnenplatzes“ im Bereich der Grundschule Mauls. Im Zuge des Projektes „Dorfgestaltung und Naherholung Mauls“ ist in diesem Bereich ein kleiner verkehrsfreier Platz vorgesehen, damit die Schulkinder sicher und ungehindert vom Schulgebäude aus den Schulgarten erreichen können. Geplant ist die Errichtung eines Brunnens samt attraktiver Gestaltung des umliegenden Areals. „Die Umsetzung des Dorfgestaltungsprojektes könnte in absehbarer Zeit realisiert werden, da ein Großteil davon über das „Leader“-Programm finanziert werden kann. Mit großer Verwunderung stellen wir fest, dass dieser Bereich jetzt plötzlich neu asphaltiert wurde“, so die SVP-Gemeinderäte. Als Begründung für die kurzfristige Asphaltierung nannte Bürgermeister Peter Faistnauer die vor kurzem für die Verlegung der Glasfaserrohre durchgeführten Auffräsungen. Nach wie vor halte die Gemeindeverwaltung an der Grundsatzüberlegung, den Brunnenplatz zu realisieren, fest, jedoch sei der Zeitpunkt für die Umsetzung des Projektes noch nicht absehbar. Die Kosten für die Asphaltierung

Der kleine Platz vor der Grundschule Mauls wurde vor kurzem neu asphaltiert.

gehen zu Lasten der Gemeinde. Ein diesbezüglicher Ausschussbeschluss habe nicht gefasst werden können, da das ausführende Unternehmen bereits wegen anderer Arbeiten vor Ort gewesen und eine schnelle Entscheidung notwendig gewesen sei, so der Bürgermeister. SVP-Gemeinderätin Helene Hilber Nössing kritisierte die „Verschwendung öffentlicher Gelder“, obwohl in unmittelbarer Zukunft eine andere Zweckbestimmung vorgesehen sei und der Asphalt im nächsten Jahr wieder herausgerissen werden müsse. Ihrer Meinung nach sei es durchaus realistisch, das Projekt innerhalb des kommenden Jahres umzusetzen. Zudem seien die Maulser Gemeinderäte nicht in die Entscheidung miteinbezogen worden.

ÖFFENTLICH ODER PRIVAT?

Gegenstand der zweiten Anfrage war ein den SVP-Räten vorliegendes Schreiben des Gemeindereferenten Anton Salcher, mit dem er sich „als Wirtschafts-Gemeindereferent darüber beklagt, einen Auftrag für seine private Baufirma nicht erhalten zu haben“. Das Beschwerdeschreiben sei an einen ortsansässigen Unternehmer gerichtet, der einen Auftrag an eine nicht in Freienfeld ansässige Firma vergeben hat. Salcher betone im Schreiben, dass es dadurch für die Gemeinde schwierig sei, positive Signale zu setzen und die Abgaben niedrig zu halten. Die Edelweiß-Vertreter vermuten dahinter einen „eindeutigen Versuch der Einflussnahme eines Gemeindereferenten für sein privates Unternehmen und der Vermischung von öffentlichem und privatem Interesse“. Ebenso komme es zur Vermischung von privater Tätigkeit und der Abgabenpolitik der Gemeinde. Auf die Frage, ob Bürgermeister Faistnauer eine solche Vorgangsweise der „politischen Einflussnahme auf private Geschäftstätigkeit“ toleriere, entgegnete Faistnauer, dass das Schreiben weder auf Briefpapier der Gemeinde verfasst worden sei, noch im Postausgang der Gemeinde aufscheine. „Natürlich steht auch weiterhin jedem die freie Wahl zu, den Handwerker seines Vertrauens zu beauftragen“, so Faistnauer. Martin Rainer (Mühlsteiger, SVP) bewertete die Antwort des Bürgermeisters als unzureichend. Schließlich gebe es heutzutage viele Kommunikationsmöglichkeiten, die kein Gemeindepapier erfordern würden. „Der Verdacht eines Interessenskonflikts ist noch nicht ausgeräumt. Es scheint so, als werde diese inkorrekte Arbeitsweise vom Bürgermeister auch noch gutgeheißen“, so Rainer. Salcher entgegnete, dass im Schreiben die „Salcher Bau GmbH“ mit keinem Wort erwähnt werde.

SCHUTZ GEGEN STEINSCHLAG Die dritte Anfrage der SVP-Fraktion bezog sich auf Absicherungsarbeiten zum Schutz vor Steinschlag

beim Schulhaus und in der Wohnbauzone „Ralser“ in Mauls, wo es bereits im Mai 2015 zu Steinschlag gekommen war. Am 23. Juni wurde eine Variante des diesbezüglichen Ausführungsprojektes vom Ausschuss genehmigt. Da Referent Salcher Besitzer einer Grundparzelle in Mauls ist, auf der ein Teil der Maßnahmen realisiert werden soll, hätte er an der Abstimmung nicht teilnehmen dürfen. Zudem hätte die genehmigte Variante laut SVP-Räten zur Folge, „dass die beiden Einheiten im geförderten Wohnbau nicht mehr realisiert werden könnten und die Gemeinde somit auf beträchtliche, bereits vorgestreckte Einnahmen verzichtet, dass durch diese Variante wertvoller Kulturgrund verloren geht und die Wartung der Beregnungsleitung nicht mehr gewährleistet ist“. Die in der Variante angegebene Kostenersparnis von 70.000 Euro sei nicht nachvollziehbar, „da wesentliche Kostenfaktoren wie z. B. Kosten der Grundenteignung bzw. Auferlegung einer Dienstbarkeit im Projekt nicht aufscheinen und auch die fehlenden Einnahmen durch die Wohnbauzone nicht berücksichtigt wurden“. Die Sachlage war bereits in der Gemeinderatssitzung vom 25. Juli kurz angesprochen worden. Laut Bürgermeister Faistnauer und Referent Salcher sei der besagte Beschluss aus Urlaubsgründen unter dem Rechtsbeistand eines vertretenden Gemeindesekretärs getroffen worden, der mit dem Projekt nicht vertraut gewesen sei. Zudem fehle es den Ausschussmitgliedern noch an Erfahrung. Wie der Bürgermeister mitteilte, wurde der Beschluss am 2. August widerrufen. Zudem seien in naher Zukunft Treffen mit Anrainern und Grundeigentümern gemeinsam mit Landesgeologe Volkmar Mair geplant. Der im vergangenen Sommer angestrebte Lösungsansatz, der u. a. einen Raumordnungsvertrag vorsieht, werde wieder aufgegriffen. In zwei schriftlichen Stellungnahmen fordert die SVP-Fraktion explizit eine möglichst rasche Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen, da die geologische Gefahr als „akut“ eingestuft und als rote Zone im Gefahrenzonenplan ausgewiesen werde. Dies sei der Gemeinde auch mehrmals schriftlich mitgeteilt worden. Die SVP-Gemeinderäte sprachen sich dafür aus, dass „zwischen der Gemeinde und von den Baumaßnahmen betroffenen Grundbesitzern eine Grundsatzvereinbarung ausgearbeitet wird, in der über einen Raumordnungsvertrag die Zufahrt und die Schutzmaßnahmen geregelt werden sollen – unter der Bedingung, dass mit den Maßnahmen sofort begonnen werden kann“. In einer Besprechung Anfang August habe Referent Salcher angeregt, die Sicherungsmaßnahmen durch eine Direktvergabe an die „Salcher Bau GmbH“ zu beschleunigen. In der Ratssitzung bekräftigte Salcher, diesen Vorschlag lediglich eingebracht zu haben, da die Gemeinde dadurch Zeit sparen könne. SVP-Rat Ulrich Burger war von dieser „Umgehung des Vergabegesetzes“ nicht gerade begeistert. Auch die Gemeinde könne unter Einhaltung der kürzest möglichsten Fristen schnell reagieren. Auch Alfred Sparber (SVP) drängte auf eine schnelle Lösung.

PROGRAMMATISCHES DOKUMENT

Im Rahmen der Sitzung wurde das programmatische Dokument des Bürgermeisters genehmigt. Laut Faistnauer handle es sich dabei um das vervollständigte und erweiterte Koalitionsprogramm aus dem Vorjahr, in das erneut Vorschläge der Bevölkerung eingebunden worden seien. Die fünf SVP-Räte stimmten gegen das Dokument, da darin der von der SVP Freienfeld ausgearbeitete Teil des Koalitionsprogrammes 2015 komplett fehle. „Zudem finden wichtige Bereiche wie Höfezufahrten, Tourismusentwicklungskonzept und Landschaftsschutz keine Erwähnung“, so Helene Hilber Nössing. Auch würden die wichtigsten Vorhaben der Regierungsperiode, wie etwa die Verlegung der Terna-Leitung in Mauls, die Einhausung der Eisenbahn samt Entwicklungskonzept, die Verbindung Mauls-Pfulters, fehlen; schriftlich deponierte Vorschläge von Bürgern und Vereinen seien nicht berücksichtigt worden. Laut Bürgermeister Faistnauer sei das Programm so weit wie möglich gehalten, damit jedes Projekt Berücksichtigung finden könne. „Detaillierte Auflistungen würden den Rahmen sprengen. Zudem ist das Dokument nicht starr und wird ständig aktualisiert“, so Faistnauer.

IN KÜRZE

Einstimmig genehmigt wurde eine Abänderung des Landschafts- und Bauleitplanes auf Initiative von Maria Aigner im so genannten Grün-Grün-Verfahren. Ebenfalls einstimmig wurde Vizebürgermeisterin Verena Überegger als Gemeindevertreterin im Bibliotheksrat ernannt. Als erste Gemeinde im Bezirk verabschiedete der Rat bei neun Ja-Stimmen (FLF) und fünf Enthaltungen (SVP) ein begründetes Gutachten zum Entwurf des Landesgesundheitsplanes 2016 – 2020. Die ausführliche Stellungnahme sei laut Vizebürgermeisterin Überegger in Rücksprache mit Primar Dr. Franz Ploner, ärztlicher Leiter am Krankenhaus Sterzing, mit dem ASGB und weiteren Experten erarbeitet worden. Darin fordert die Gemeinde das Land u. a. dazu auf, seine Zuständigkeiten im Rahmen der Autonomie voll auszuschöpfen und die wohnortnahe Versorgung im Sinne einer angemessenen Grundversorgung in der Peripherie konkreter zu definieren. Die SVP enthielt sich der Stimme, da das Dokument nicht vorab für Überprüfungen übermittelt worden sei. Bei einer Gegenstimme (Ulrich Burger, SVP) und zwei Enthaltungen (Alfred Sparber, Martin Rainer, Mühlsteiger, SVP) wurde der Stellenplan der Gemeinde geändert. Dabei wurde eine Vollzeitstelle in eine Teilzeitstelle umgewandelt und der Plan um eine weitere Vollzeitstelle erweitert, die bei Bedarf im nächsten Jahr ausgeschrieben werden kann. Zur Sprache kam dabei die Sinnhaftigkeit der Aufstockung des Stellenplans, wenn voraussichtlich im kommenden Jahr das Land neue Verwaltungseinheiten schaffen und dabei Ämter zusammenlegen will. Vizebürgermeisterin Überegger zeigte sich dennoch davon überzeugt, dass die neue Stelle der Gemeinde mehr Planungsspielraum ermögliche und sinnvoll sei.

Schlangen im Wipptal

von Ivan Plasinger

Schlange – ein Begriff, der sowohl Unbehagen als auch Faszination und Interesse auslöst: die schlängelnde Fortbewegungsart, oft versteckt in der Vegetation, der schuppenbedeckte Reptilienkörper, den sich viele als glitschig, kalt und leblos vorstellen, die Giftigkeit, die oftmals als große Bedrohung empfunden wird. Ohne die Tiere völlig zu verharmlosen, können die meisten Vorurteile und Ängste als unbegründet bewertet werden – wenn man einige einfache Verhaltensregeln beachtet.

Italienweit gibt es 22 Schlangenarten, acht davon kommen auch in Südtirol vor. An den Augenpupillen und den Kopfschuppen ist die Familie der giftigen Vipern (Ottern) von jener der ungiftigen Nattern leicht unterscheidbar. Vipern haben senkrecht geschlitzte Pupillen, während die der Nattern rund sind. In Südtirol leben drei Giftschlangenarten: Kreuzotter, Aspisviper und Hornviper. Als Giftschlangen verfügen sie zwar über ein Gift, ein Biss stellt jedoch kein Todesurteil dar, sondern eine Verletzung, die es für eine schnelle Genesung bestmöglich zu behandeln gilt.

GIFTIG: ASPISVIPER UND KREUZOTTER

Im Wipptal gibt es fünf Schlangenarten. Während die Ringelnatter, die Schlingnatter und die Würfelnatter völlig harmlos sind, handelt es sich bei der Aspisviper und der Kreuzotter um Giftschlangen. Wird man von einer Giftschlange gebissen, gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren und auch den Betroffenen zu beruhigen. Im Normalfall ist ein Biss nicht gefährlich, lediglich bei Personen mit einer Kreislaufschwäche oder bei Kindern ist es wichtig, umgehend ärztliche Hilfe aufzusuchen. Ist an der Bissstelle ein halbkreisförmiger Zahnkranzabdruck zu sehen, hat eine ungiftige Natter zugebissen. Bei einem Giftbiss hingegen finden sich ein oder zwei kleine Giftzahneinstiche. In diesem Fall sollte die Bissstelle nicht abgebunden werden. Vielmehr ist es ratsam, ähnlich wie bei einem Bruch einen Druckverband anzulegen, ausreichend Wasser zu verabreichen und den nächsten Arzt aufzusuchen. Dieser muss über Ort und Zeitpunkt des Bisses informiert werden, auch eine Beschreibung der Schlange ist hilfreich.

BEI GEFAHR: BISS!

Der langgestreckte Körper einer Schlange ist mit einer verhornten Schuppenhaut bedeckt. Ihr Skelett besteht neben dem Schädel aus Rippen und bis zu 400 Wirbeln. Die Augen werden von einer durchsichtigen Schuppe überzogen. Das Herz besteht aus zwei Vorkammern und einer unvollständig geteilten Kammer. Schlangen sind Lungenatmer. Ihr wichtigster Sinn ist der Geruchssinn. Wichtiger als die Nase ist das so genannte „Jakobson’sche Organ“ am Gaumendach. Beim Züngeln mit der tief gespaltenen, zweizipfeligen Zunge nehmen die Tiere Geruchsstoffe aus der Luft auf und führen sie beim Zurückziehen in das Geruchsorgan. Schlangen wachsen auch nach erreichter Geschlechtsreife ein Leben lang weiter, wobei der Hauptpanzer nicht mitwächst und deshalb regelmäßig gewechselt werden muss. Bei der Häutung bleibt die alte Haut, auch „Natternhemd“ genannt, zurück. Schlangen haben im Laufe der Evolution ihre Gliedmaßen verloren. Trotz ihrer unbeweglichen Erscheinung sind sie aber sehr wendig und flink. Sie ernähren sich fast ausschließlich von lebender Beute. Auf

RINGELNATTER (Natrix natrix) harmlos Die Ringelnatter erreicht eine Länge bis zu 150 cm. Sie ist durch helle Halbmondflecken am Hinterkopf erkennbar. Bevorzugte Lebensräume sind mit Schilf bewachsene Ufer stehender Gewässer. Wird die Ringelnatter überrascht, hebt sie zischend ihren Kopf. Fühlt sie sich bedroht, bespeit sie ihren Feind mit Erbrochenem oder mit einem übel riechenden Sekret der Analdrüsen. ASPISVIPER (Vipera aspis) giftig Die Aspisviper wird bis zu 70 cm lang. Sie ist grau bis rotbraun. Ihre Zeichnung an der Oberseite zeigt vom Nacken bis zum Schwanz zwei Reihen von dunklen Querbinden. Die Aspisviper kommt in trockenen, warmen Geröllhalden und Weinbergmauern vor. Ihre Lebenserwartung liegt bei 15 bis 20 Jahren. Sie lebt einzelgängerisch, scheu und streng an ihr Territorium gebunden. WÜRFELNATTER (Natrix tessellata) harmlos Die Würfelnatter wird bis zu 120 cm lang und bewohnt fischreiche Gräben und Seen. Das Würfelmuster auf dem Rücken gibt der Schlange ihren Namen. Sie ist eine ausgezeichnete Schwimmerin und kann dank eines eigenen Luftsackes an der Lungenbasis stundenlang unter Wasser auf Fische und Amphibien lauern.

ihrem Speiseplan stehen große Insekten, Fische, Lurche, Eidechsen, Jungschlangen, Vögel und deren Gelege sowie kleine Nagetiere. Die Zähne der Schlangen werden nicht zum Kauen verwendet, sondern dienen dem Festhalten der Beute oder – im Falle von Giftzähnen – der Injektion von Toxinen. Da die beiden Kiefer mit elastischen Bändern verbunden sind, können Schlangen das Maul extrem weit aufreißen und das Beutetier als Ganzes verschlingen. Schlangen wenden hauptsächlich zwei Jagdmethoden an: das Auflauern und das Erjagen. Beim Auflauern setzen Giftschlangen einen tödlichen Biss und folgen nach einiger Zeit der Duftspur des inzwischen verendeten Tieres. Beim Erjagen verfolgen die Nattern die lebende Beute und erdrosseln sie. Sie selbst werden von Greifvögeln, großen Stelzvögeln, Katzen, Igeln, Mardern, Wieseln und Iltissen gejagt. Wie so oft ist aber der Mensch ihr größter Feind, indem er sie tötet oder ihre Lebensräume zerstört. Während der Paarungszeit nehmen Schlangen keine Nahrung zu sich. Die Weibchen sondern Botenstoffe ab, denen die Männchen mittels ihres Geruchssinnes folgen. Der Begattungsakt kann sich über Stunden hinziehen. Während die im Wipptal vorkommenden Arten Aspisviper, Kreuzotter und Schlingnatter lebend gebärend sind, legen die meisten Schlangen Eier. Diese werden an Orten mit konstant warmer Temperatur und Feuchtigkeit abgelegt, etwa in Komposthaufen. Am Morgen legen sich die Schlangen zum Aufwärmen in die Sonne. In der Mittagshitze verkriechen sie sich gerne unter Steinen oder Büschen, um eine Überhitzung zu vermeiden. Schlangen sind wechselwarme Tiere, d. h. ihre Körpertemperatur passt sich der Außentemperatur an. Erst bei einer bestimmten „Betriebstemperatur“ werden die Tiere optimal bewegungsfähig. Um diese Temperatur zu erreichen, suchen Schlangen vor allem morgens sonnenbeschienene Stellen auf. Um nicht zu überhitzen, ziehen sie sich tagsüber in die Bodenvegetation sowie unter Stein- oder Holzhaufen zurück. Im Herbst suchen sie sich im Erdboden oder in geschützten Felsspalten, Ställen und Schuppen einen Platz, wo sie mit herabgesetzter Lebensaktivität bis zum Frühjahr ausharren. Die Tiere sind taub, reagieren aber sehr sensibel auf Bodenvibrationen, die u. a. durch Schritte ausgelöst werden, indem sie fliehen oder sich ducken. Hier gilt: Das Tier nicht anfassen oder an der Flucht hindern! Bevor man sich irgendwo hinsetzt, sollte kurz der Boden kontrolliert werden. Eine Schlange beißt nur, wenn sie in die Enge getrieben wird und keinen anderen Ausweg mehr sieht.

DER VEREIN HERPETON

Was die Lebensweise und vor allem die Verbreitung der einheimischen Reptilien betrifft, gibt es noch viele Wissenslücken. Unter dem Motto „Was kriecht denn da?“ ruft der Südtiroler Herpetologen-Verein Herpeton mit Sitz in Auer Naturliebhaber und Wanderer dazu auf, Sichtungen und Beobachtungen von Reptilien und Amphibien zu melden – gerade die warmen Tage locken die wechselwarmen Tiere aus ihren Verstecken hervor. Da eine Vielzahl von Amphibien und Reptilien in Südtirol zu den gefährdeten Tierarten gehören, ist es umso wichtiger, über die Verbreitung der Tiere Bescheid zu wissen. Zu einer seiner Hauptaufgaben hat sich Herpeton die Kartierung von Reptilien und Amphibien gemacht. Jeder einzelne kann durch die Meldung von Beobachtungen zum Erfolg dieses aufwendigen Projekts beitragen. Sichtungen können seit kurzem auch über www.herpeton.it (Projekte – Kartographie) übermittelt werden. Aus den eingesandten Meldungen lassen sich wertvolle Daten über die Verbreitung von Amphibien und Reptilien ableiten, wodurch gefährdete Arten zukünftig besser geschützt werden können. Für Interessierte bietet der Verein zudem eine Bestimmung der gefundenen Tiere an: Fotos und Beschreibungen können dem Verein jederzeit für eine Analyse zugeschickt werden. Durch Sensibilisierungsprojekte und Aufklärungsarbeit kommt Herpeton seinem Ziel, die Lebensbedingungen einheimischer Amphibien und Reptilien zu verbessern sowie die heimischen Arten zu erhalten, einen großen Schritt näher.

SCHLINGNATTER (Coronella Austriaca) harmlos Die bis zu 75 cm lange Schlingnatter bewohnt trockene und sonnige Böschungen. Die Grundfärbung des Männchens ist rotbraun, jene des Weibchens ist graubraun. Auf dem Rücken befinden sich zwei oder vier Reihen dunkler Flecken. Ihre bescheidene Körperlänge und ihre Färbung tragen dazu bei, dass sie häufig mit einer Viper verwechselt wird. KREUZOTTER (Vipera berus) giftig Die Kreuzotter, die am weitesten verbreitete Giftschlange Europas, erreicht eine Länge von 60 cm. Sie trägt ein dunkles Zickzackband auf grauem oder braunem Grund, im Gebirge gibt es auch schwarze „Höllenottern“. Sie bewohnt Moore, Waldlichtungen, Zwergstrauchheiden und steinig bewachsene Hänge bis zu einer Höhe von 2.600 m. Sie bevorzugt kühle Temperaturen und Feuchtigkeit.

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