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Jubiläum: 20 Jahre Frei.Wild

„Danke, dass ich das machen kann, was ich liebe“

Frei.Wild gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands. Sie spielen in ausverkauften Arenen, werden für Echos nominiert, verkaufen millionenfach Tonträger und haben insgesamt 13 Gold-Awards und sieben Platinauszeichnungen erhalten. Der Erker hat sich mit Schlagzeuger Christian Forer (Föhre) aus Thuins über 20 Jahre Frei.Wild unterhalten.

Interview: Renate Breitenberger

„Der Würstelstand Börgers & Kings ist mein Herzensprojekt.“

Erker: Christian, 20 Jahre

Bandgeschichte. Wie fühlt sich das an?

Christian Forer: Unglaublich, wenn man bedenkt, dass wir vor 20 Jahren nur ein einziges Ziel hatten: zweimal in der Woche im Stall oberhalb vom Kinderdorf in Brixen ein paar Bier trinken, ein bisschen Rockmusik machen und einfach Spaß haben. Es war ein reines Hobby, wir haben es von Anfang an geliebt, Musik zu machen, und haben uns super verstanden.

Wie habt ihr zueinander gefunden?

Eigentlich wollte Philipp nach der „Kaiserjäger-Zeit“ mit Musik nichts mehr zu tun haben. Jonas, damals Zivildiener, wohnte neben Philipp und schubste ihn an, es doch noch einmal zu probieren. Ich habe Philipp über einen Kollegen in Brixen kennengelernt. Er wusste, dass ich Schlagzeug spiele, und hat mich gefragt, ob ich dabei sein will. Zegga kennt Philipp über einen Bekannten. Philipp meinte, wenn jemand acht Jahre lang Klarinette gespielt hat, versteht er etwas von Musik und kann deswegen genauso gut Bass

spielen (lacht). Wir sind alles Autodidakten, haben aber Musik im Blut, das macht den Unterschied.

Ihr verpackt Gefühle und Lebenssituationen in Liedern.

Wie haben sich eure Themen im Laufe der vergangenen 20

Jahre verändert?

Am Anfang ging es um banale Themen wie Alkohol, Gratis-Saufen, Frauen, Feten, Wochenendparties ... Themen eben, die einen mit 19, 20 Jahren interessieren.

Singt ihr diese Lieder noch immer mit derselben Begeisterung?

Logisch, aber man muss natürlich auch sagen, dass wir nur einzelne Songs aus den Anfangsjahren spielen. Wir haben damals die Songs gelebt und tun es teilweise noch heute. Über unsere Songs sagen wir die Dinge geradlinig, bodenständig und ungekünstelt heraus, wie wir sie meinen, und ermutigen jeden, so zu sein, wie er ist, egal was andere davon halten.

Welche Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch die

Bandgeschichte?

Fast alle unserer Songs haben lebensbejahenden Inhalt. Wir haben aber auch viele gesellschaftskritische Themen aufgegriffen. An den Texten merkt man, dass wir reifer geworden sind. Wir sehen vieles anders als noch vor 20 Jahren. Es gibt auch Lieder, die wir heute wahrscheinlich nicht mehr machen würden.

Welche?

„Rache muss sein“.

War der Inhalt zu heftig?

Vom Text her ist es ein primitives Lied, voller Gewalt. Wir haben es schon viele Jahre nicht mehr gespielt. Auch bei der Neuauflage der CD haben wir es weggelassen, das sind nicht mehr wir und wir wollen es auch nicht sein. Zu allen anderen Songs stehen wir zu 100 Prozent.

In euren Liedern geht es oft um Angriff, Protest und Gegenwind. Wie geht ihr selbst in der Band mit Konflikten um?

Konflikte und Reibereien sind normal, vor allem wenn man zwei oder drei Wochen lang auf Tour ist und auf engstem Raum zusammenwohnt. Wir führen dann ja fast eine Ehe zusammen (lacht). Der Streit dauert aber nie lange. Jeder muss mal die Luft rauslassen und allen seine Meinung kundtun. Danach wird ein Bier getrunken und alles ist wieder gut.

„Es gibt Lieder, die wir heute wahrscheinlich nicht mehr machen würden.“

Viele Bands brechen schon bei kleinen Konflikten auseinander...

In vielen Bands verbringen die Mitglieder Beruf und Freizeit miteinander. Wir haben den Vorteil, dass Jonas in Lajen, Zegga in Schabs, Philipp in Brixen und ich in Sterzing wohne, jeder hat seinen eigenen Freundeskreis. Wir fahren zwar ab und zu miteinander in den Urlaub oder treffen uns zum Pizzaessen, im Endeffekt geht aber jeder seinen eigenen Weg. Auch das hat dazu beigetragen, dass wir 20 Jahre durchgehalten haben.

Welches sind deine Top 3 der schönsten Momente, die du erlebt hast?

Auf drei zu reduzieren, ist echt nicht einfach. Das erste Mal auf Tour gehen, in den Tourbus einsteigen, jeden Tag in einer anderen Stadt, in einer anderen Halle ein anderes Konzert vor anderen Leuten spielen, jedes Mal ein anderes Feeling, das war schon etwas Besonderes. Gewaltig war das Metal-Festival „Wacken“ vor 80.000 Leuten, ein wahnsinniges Erlebnis war die Fanmeile Berlin mit 500.000 Leuten. „Wuhlheide“ war der Moment, bei dem uns bewusst wurde, dass wir Großes alleine schaffen können. Einzigartig war auch das Stadionkonzert in Frankfurt. Unglaublich, was wir in 20 Jahren alles erlebt haben!

Deine Top 3 der Momente, die du nicht noch einmal erle-

ben möchtest?

Ein solcher Moment war sicher die Geschichte mit den Freiheitlichen 2008, als wir vor der Bandauflösung standen. Philipp hatte sich für einen Kollegen in Brixen eingesetzt und ist irgendwie auf einer Parteisitzung der Freiheitlichen gelandet, wo er seine Meinung kundtat, was in Brixen schiefläuft. In der Presse stand dann gleich, dass er Parteimitglied ist. Kurz darauf hat uns die Freiheitliche Jugend gefragt, ob wir ein Konzert in Meran spielen. Sie versicherte uns, dass das Konzert nichts mit der Partei zu tun hat, deswegen haben wir zugesagt. Als auf dem Plakat überall das Logo der Freiheitlichen zu sehen war, wurde daraus ein riesiger Skandal. Vieles ist in die Brüche gegangen. Wir hatten keine Plattenfirma und keinen Manager mehr, die halbe Crew war weg, das war schon ein einschneidendes Erlebnis. Wir sahen keinen Ausweg mehr, als unsere Band aufzulösen.

Wie ging es trotzdem weiter? Zwei Wochen nach dieser Episode hatten wir ein Konzert in Villanders. Wir haben lange überlegt, ob wir da überhaupt spielen sollen. Dann kamen Reste von unserem Fanclub nach Südtirol und schenkten uns eine riesige Fahne mit dem Geweih als Zeichen des Rückhaltes. Das hat uns gezeigt, dass es Leute gibt, die hinter uns stehen. Kurz darauf gingen wir auf Tour. Man hat uns mit Schlägen gedroht, wenn wir nach Deutschland kommen, am Ende ging aber alles gut. Die Leute waren begeistert, es waren echt coole Konzerte. In diesem Zug haben wir auch unseren jetzigen Manager kennengelernt, mit ihm ist eigentlich alles so richtig gestartet.

Habt ihr damals Bodyguards gebraucht?

Die brauchen wir immer noch, aber nicht nur zu unserem Schutz. In jeder Stadt, wo wir auftreten, mieten wir Securities dazu. Unsere zwei fixen Securities weisen die anderen 80 bis 100 Securities ein, wo und wie sie ihre Arbeit zu verrichten haben.

„Mittlerweile müssen wir uns weniger für unsere Musik rechtfertigen. Irgendwann ist jeder Skandal ausgelutscht.“

Ihr seid gehasst und geliebt.

Gewöhnt man sich daran, ständig im Rampenlicht zu stehen und Kritik ausgesetzt zu sein?

Ja, man gewöhnt sich daran. Mittlerweile müssen wir uns auch weniger für unsere Musik rechtfertigen. Irgendwann ist jeder Skandal ausgelutscht. Kritik mussten wir von Anfang an einstecken, schon als wir das Südtirol-Lied und „Heimat“ herausgebracht haben. Dabei haben wir nichts anders gemacht als die Kastelruther Spatzen, auch sie singen davon, wie schön es in Südtirol ist. Nur wir verpacken das ganze in Rockmusik und deshalb klingt es sicher für den ein oder anderen etwas aggressiver. Wir sind oft mit Vorwürfen konfrontiert worden, mit denen wir nichts zu tun haben wollten, und wurden in die rechtsextreme Ecke gedrängt. Das hat uns betroffen gemacht. Mittlerweile haben wir gelernt, damit umzugehen, und sind daran gereift.

Hast du immer noch Lampenfieber vor dem Auftritt?

Ja, immer noch und das ist auch gut so. Der Nervenkitzel und das Adrenalin, wenn du auf die Bühne gehst und die vielen Leute siehst, das pusht dich total. Ohne dieses Gefühl würden wir das alles nicht mehr machen. Natürlich gibt es Konzerte, bei denen die Aufregung größer ist, etwa bei Stadionkonzerten, vor einem Tourstart, wenn Aufnahmen gemacht werden oder gewisse Personen im Publikum sind. Je länger die Tour dauert und je besser eingespielt das Team ist, desto weniger nervös ist man, aber ein bisschen Aufregung ist immer dabei.

"Von Null auf 100". Frei. Wild, die Band (v.l.): Jochen „Zegga“ Gargitter (E-Bass), Jonas Notdurfter (E-Gitarre), Philipp Burger (Gesang, E-Gitarre) und Christian „Föhre“ Forer (Schlagzeug)

Muss herausfordernd sein, immer auf Knopfdruck zu funktionieren und 200 Prozent zu geben – die Fans zahlen dafür und kennen euch nur so.

Wir sind recht schnell draufgekommen, dass wir Verantwortung zu tragen haben. Vor 20 Jahren war das noch anders. Dort stand oft die halbe Band besoffen auf der Bühne, der eine stürzte ins Schlagzeug, der andere spielte Gitarre ohne Kabel. Heute gibt es eine klare Regel: Vor dem Konzert gibt es kein Bier, erst danach eines oder zwei oder, wenn wir am nächsten Tag frei haben, ein paar mehr.

Welches ist dein absolutes

Lieblingslied?

Da gibt es viele. Spontan fällt mir „Unvergessen, unvergänglich, lebenslänglich“ ein. Im Lied geht es um die Vergangenheit, die Erinnerung und Erfahrung eines jeden Menschen an sein bisheriges Leben. Ich liebe es, diesen Song live zu spielen. Die Fans lieben ihn auch und feiern ihn bei jedem Konzert lautstark.

Welches Album ist am besten

gelungen?

Das neue Album „20 Jahre Frei. Wild - Wir schaffen Deutsch. Land“. Ich weiß, jede Band behauptet, das nächste Album sei das beste. Aber dieses ist echt besonders. Für viele Fans ist „Mitten ins Herz“ das absolute Lieblingsalbum. Es war der Startschuss für unsere Karriere und hat gewaltig eingeschlagen. Das neue Album kommt im Dezember heraus.

Wie habt ihr die Coronazeit erlebt?

Nach der Still-Tour 2019 hatten wir für 2020 ein Freiwild-freies Jahr geplant und wollten 2021 zum 20-jährigen Jubiläum wieder losstarten. Aber daraus wurde nichts. Als Corona kam, waren wir schon dabei, das Jubiläumsalbum vorzubereiten. Wir hatten aber das Gefühl, die Leute brauchen uns jetzt, genau in diesem Moment, und so haben wir im Studio das Lied „Corona Weltuntergang“ und danach ein ganzes Corona-Album herausgebracht. Das ist gut angekommen, genauso wie die Fortsetzung „Corona Tape II – Attacke ins Glück“. Zwischendrin haben wir mit den Orange County Choppers das Debütalbum „Brotherhood“ reingeschoben und haben so das Jahr voller beendet als erwartet. Wir haben auch ein eigenes Mode-Label gegründet. Ende 2020 kauften wir einen Imbiss in Brixen und bauten ihn zum „Börgers & Kings“ um. Dieses Projekt betreue ich im Namen der Band, auch weil ich ein Kulinarikfan bin. Ganz nach unserem Slogan „brutal regional“ verwenden wir ausschließlich Produkte aus Südtirol, von den Saucen übers Fleisch bis hin zu den Getränken. Die Hütte ist immer voll. Heute habe ich auf der Terrasse die Hecke geschnitten, gelernt ist gelernt, ich war früher Gärtner (schmunzelt). Der Würstelstand ist mein Herzensprojekt.

„Wenn wir nächstes Jahr im Juli in Dresden im Stadion auf der Bühne unser 20-Jähriges feiern dürfen, sind wir alle wunschlos glücklich.“

Eigentlich wolltet ihr heuer

Pause machen.

Auch das hat nicht ganz funktioniert. Stattdessen sind wir das erste Konzept-Album unserer Band-Geschichte angegangen. Jedem Jahr widmen wir einen passenden Song. Die ersten Songs sind einfacher gestrickt, zum Schluss wird die Musik verstrickter und verspielter. Wir haben auch für jedes Jahr eine kleine Doku gedreht, die wir zum Schluss zu einer großen Doku zusammenfassen und im Dezember als Package mit Hörbuch und Buch herausbringen werden. Bis das Album erscheint, veröffentlichen wir jede Woche eine kleine Doku und die Woche drauf das passende Lied zum Jahr. Die Vorbereitung war eine Riesenarbeit. Wir waren oft im Studio, um das Album fertig zu machen, das Hörbuch einzusprechen und das Buch zu gestalten. Für die Doku war das Filmteam in Deutschland und auch hier in Südtirol wochenlang unterwegs, um Interviews mit 160 Personen zu führen und zu drehen, auch wir haben Interviews gemacht. Es war bis jetzt ein wirklich vollgestopftes Jahr.

Wie kriegst du Familie und

Beruf unter einen Hut?

Das geht ganz gut. Natürlich war

dieses Jahr intensiver. Sonst verbringe ich sicher mehr Zeit daheim als andere Berufstätige. Wir arbeiten meistens am Vormittag in Brixen, am Nachmittag hab ich frei. Nach zwei, drei Wochen Tour bin ich einen Monat lang mehr oder weniger zuhause. Wenn wir produktiv sein müssen, hauen wir uns voll rein und hocken oft bis spätabends im Studio. Ich habe gut zu tun, nehme mir aber für die Familie die Zeit, die es braucht.

Wochenlang auf Tour sein, wenig Schlaf, lautes Leben ...

Steht das auch in den nächsten zehn Jahren auf dem Programm?

Das hoffe ich doch, am liebsten noch 20 Jahre oder mehr. Wenn ich auf Tour gehe, fühle ich mich wie im Urlaub. Dort kann ich mich voll auf jeden Tag konzentrieren. Ich stehe auf, gehe Mittagessen, danach ist Soundcheck. Im Endeffekt warten wir den ganzen Tag lang herum, aber ich genieße das. Der Fokus liegt auf der Tour, du bist nicht mit Anrufen und anderen organisatorischen Dingen abgelenkt. Natürlich bin ich zwei, drei Wochen von zuhause weg, aber es gibt nichts Schöneres als das Tourleben. Mittlerweile sind wir mehr Unternehmer als Musiker, das muss man klar sagen. Unsere Auftritte sind ein Hobby geworden. Wir haben unser eigenes Plattenlabel, sind unser eigener Herr und haben die volle Entscheidungsfreiheit, alles läuft über uns. Wir kriegen x E-Mails am Tag, diese werden von allen vier plus Manager abgesegnet, erst dann geht es raus. Das ist natürlich alles sehr zeitaufwendig.

Ihr habt zahlreiche Preise abgeräumt. Egal was ihr rausbringt, es landet ganz vorne in den Charts. Habt ihr überhaupt noch Ziele?

Das einzige Ziel ist, wieder spielen zu können. Wir waren nie eine Band, die zu weit nach vorne geschaut hat. Wir planen von Jahr zu Jahr, step by step. Wenn wir nächstes Jahr im Juli in Dresden im Stadion auf der Bühne unser 20-Jähriges feiern dürfen, sind wir alle wunschlos glücklich.

Gibt es schon Details zur nächsten Tour?

Wir haben noch kein Konzept. Wenn die laufenden Projekte einigermaßen abgeschlossen sind, werde ich mir mit dem Lichtdesigner und Bühnentechniker Designs überlegen. Die Live-Auftritte sind mein Bereich. Philipp ist mehr im Studio zuständig, er macht die Songs und schreibt auch für andere. Jonas ist unser Rechnungsschreiber und führt die Bankgeschäfte, Zegga hat den Rookies and Kings Store in Brixen unter seine Fittiche genommen. Jeder hat seinen Aufgabenbereich. Für die nächste Tour überlegen wir, in der Mitte eine drehende Bühne aufzubauen. Wenn alles so läuft, wie wir es uns vorstellen, wird es richtig cool. Alles hängt aber davon ab, ob wir das Konzert überhaupt machen können, und wenn ja, in welcher Form, wie viele Leute rein dürfen. Im Moment ist es total schwierig abzuschätzen. Unsere Tour startet im Dezember 2022 bzw. im Jänner 2023, bis dahin sind es noch fast eineinhalb Jahre. Auch für unsere Crew ist es derzeit nicht einfach. Sie leidet richtig. Jeder muss schauen, wie er weiterkommt. Der eine arbeitet wieder bei der Tankstelle, der andere ist LKW-Fahrer, einer verkauft Solarzellen. Die Veranstaltungsbranche ist momentan echt im Keller. Ich hoffe vor allem für sie und für unsere Crew, dass es wieder losgeht.

Ein letztes Wort an deine

Fans?

Die Fans ermöglichen uns, das zu tun, was wir lieben, dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Wir hatten in den letzten 20 Jahren wahnsinnige Momente, das ist nicht selbstverständlich. Bedanken möchte ich mich aber auch bei meiner Familie, meinen Freunden, meinen Bandkollegen, einfach allen. Danke! Ich hoffe, dass wir sobald wie möglich auf der Bühne wieder richtig Gas geben können. Das wär das Schönste.

40 Jahre Spolpo Blues Band

Spolpo Blues Band 2021 (v. l.): Eric Siviero, Paolo „Jack” Alemanno, Agostino „Ago” Accarino, Alex Trebo und Werner „Haifisch” Heidegger.

Der Blues schweißt zusammen. Er ist weit mehr als Musik, er ist ein Lebensgefühl, das trägt. Wie sonst wäre es möglich, dass die 1981 gegründete und bereits heute legendäre Splopo Blues Band in all den Jahren ohne Unterbrechung zusammengespielt hat. Da hat eine Band ihren ganz eigenen Weg gefunden, um ehrlich, schnörkellos und authentisch Emotionen, Freude und rundum positive Energie zu verbreiten. Und dabei für einige Zeit alle negativen Dinge um sich herum vergessen zu lassen. 2020 begann die Spolpo mit der Planung der Konzerte für ihr 40-jähriges Bestehen. Bei der Geburtstagsfeier für Bassist Werner Haifisch Heidegger am 24. April dieses Jahres im Music Lab in Sterzing entschied man sich für zumindest drei Konzerte. Gar nicht so einfach in Zeiten der Pandemie und einer immer stärker ausufernden Bürokratie mit ständig neuen Verordnungen. Zuerst mussten freie Termine für Alex Trebo gefunden werden, der für eine mittlerweile auf 2022 verschobene Tournee in der Band von Hubert von Goisern verpflichtet war, dann die Locations: Die Wahl fiel auf das Pidocchietto in Meran, das Sterzingerhaus am Roßkopf und das Würzjoch. Allesamt besondere Orte, in denen die Spolpo Blues Band bereits aufgetreten ist und sich immer wohl fühlte. In Meran war die Band zu Gast des Komitees Emergency, am Roßkopf von Walter Polig und in der Ùtia de Bòrz am Würzjoch von einem Cousin von Alex Trebo. Ein weiteres Konzert spielte die Band in Leifers, organisiert von der Vereinigung Pro Positiv (Music and More Stop Aids), welche die Band genauso wie Emergency Meran stets unterstützt hat. „Der Spolpo“, so Schlagzeuger Paolo „Jack“ Alemanno, „war es stets auch ein Anliegen, soziale Belange durch gute Musik zu unterstützen. Unsere größte Belohnung war es dann, ein glückliches Publikum zu sehen, das gute Musik schätzt, darin mitlebt, mittanzt und so Teil unserer Konzerte wird.“ Die Jubiläumskonzerte – alle vier waren ein großer Erfolg – spielte die Band in ihrer langjährigen Besetzung mit Bandgründer Agostino „Ago“ Accarino (Gesang), Eric Siviero (Gitarre, Gesang), seit 1987 Mitglied der Blues-Formation, Schlagzeuger Paolo Jack Alemanno (seit 1990), Bassist Werner Haifisch Heidegger (seit 1995) und Keyboarder Alex Trebo (seit 2000).

WIPPflash

150 Jahre Pustertalbahn

Vor 150 Jahren, am 30. November 1871, wurde die Pustertalbahn offiziell eröffnet. Der fast 200 Kilometer lange Abschnitt von Villach nach Franzensfeste, mit Anbindung an die Brennerbahn, hat Wien, die Hauptstadt der damaligen k. u. k. Monarchie mit der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck verbunden. Die Pustertalbahn ist ein Teilabschnitt der Südbahn und hat maßgeblich die wirtschaftliche Entwicklung im Pustertal vorangetrieben und beeinflusst. Höhepunkt im heurigen Jubiläumsjahr ist eine Fahrt mit einer historischen Dampflokomotive am 2. Oktober von Franzensfeste nach Innichen und retour.

„Unsere Herzenssache“

Sterzing Haydns „Schöpfung” mit den Wiltener Sängerknaben

Die Stadtpfarrkirche von Sterzing war Ende August Schauplatz einer besonderen Aufführung.

Schon seit über zehn Jahren werden dort herausragende Aufführungen dargeboten, veranstaltet von der Brixner Initiative Musik & Kirche. In diesem Jahr wurde das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn aufgeführt. Chor und Solisten der Wiltener Sängerknaben und die Academia Jacobus Stainer unter der Leitung von Johannes Stecher haben die Erwartungen des Publikums in jeder Hinsicht erfüllt, ebenso wie die Solisten Vanessa Waldhart als Eva, David Kerber als Uriel, Oliver Sailer als Raphael und Florian Spiess als Adam. „Die Schöpfung“ ist ein Bekenntnis zum Schöpfer, zur Natur und zum Menschen. Gerade weil es um die Schöpfung derzeit in mancherlei Hinsicht eher schlecht steht, tut die wunderschöne Musik Haydns den Menschen von heute gut. Der biblische Schöpfungsbericht wird vom Erzengel Gabriel, von Uriel und Raphael erzählt: Die Entstehung des Universums und der Erde, die Schönheit der Natur, der Pflanzen und Tiere werden staunend und freudig besungen. Schließlich schildern die Stimmen des Menschenpaares Adam und Eva eindrucksvoll die menschliche Liebe. Das Publikum war sichtlich angetan von den klaren Knaben- und Männerstimmen der Wiltener Sängerknaben, vom engagierten Dirigat ihres Leiters Johannes Stecher und von den Solisten, zu denen auch solistisch ausgebildete Sängerknaben gehörten. Mit den strahlenden Jubelchören entfachte der Chor Begeisterung bei den Zuhörern, die ungemein vielfältigen Klangmischungen des Orchesters bei den Schilderungen der Natur und der menschlichen Liebe beeindrucken immer wieder aufs Neue.

© Musik & Kirche

Bei einer feierlichen Vesper im Priesterseminar in Brixen erhielten vor kurzem sieben Absolventen ihr Abschlussdiplom als Chorleiter. Darunter waren auch Renate Seeber und Eva Maria Haller, beide aus Ratschings, welche die dreijährige Ausbildung besucht und erfolgreich abgeschlossen haben. Mit viel Einsatz und Leidenschaft engagieren sie sich bereits in der Kirchenmusik. Für beide ist es eine Herzenssache, mit der sie einen sozialen, musikalischen und kulturellen Beitrag leisten. „Es ist sehr wichtig, Menschen für die Kirchenmusik zu gewinnen, damit viele durch die erlebte Gemeinschaft ihre Begeisterung weitergeben“, so Verbandsvorsitzender Heinrich Walder. Bei der Jahresversammlung des Kirchenchores Mauls ehrte Chorleiter Wolfgang Girtler unlängst zwei langjährige Sänger. Sepp Pichler trat schon mit neun Jahren dem Kirchenchor Mauls bei und ist somit mit seinen 85 Jahren bereits seit 76 Jahren aktives Mitglied im Maulser Chor. Karl Girtler begann seine Chortätigkeit mit 14 Jahren beim Kirchenchor Jaufental und ist seit seinem Umzug nach Mauls aktives Mitglied des Maulser Chores. Er feierte heuer seinen 88. Geburtstag und singt seit 74 Jahren im Chor. Beide Sänger sind sehr fleißig, verlässlich und begeistert und immer noch eine wichtige Stütze für den Chor.

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