F I R M E N N A M E
Tennistraining Die Fachzeitschrift für innovatives Kinder– und Jugendtraining in Schule & Verein
In Kooperation mit den Instituten für Sportwissenschaft der Universitäten Darmstadt und Heidelberg
Junior 04
/ 2015
Zielführende Vereinsausrichtung Vereinsmanagement Finanzierungsmodell Jugendtraining Trainingskonzept „Let´s Match“ das Jahresturnier für Vereine Spiel– und Übungssammlung Tennis in der Schulsporthalle Tennis und Inklusion Konzentrationstraining
ISSN 2195-2353
Ergänzungen und bewegte Bilder zu unseren Beiträgen im Internet unter: www.tennistraining-junior.de
EDITORIAL
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Mitgliederverluste - die häufigsten Fehler Viele Tennisvereine kämpfen mit einem immer größer werdenden Problem. Die Mitgliederzahlen stagnieren oder gehen zurück. Überalterung der Mitglieder und nur geringe Neuaufnahmen sind die häufigsten Gründe für Mitgliederverluste. Der Schrumpfungsprozess führt im Verein zu einer frustrierten Stimmung, die Vereinsmitglieder haben immer weniger Spaß sich im Vorstand zu engagieren. 1. Das Problem wird zu spät erkannt So lange die Mitgliederzahlen „im grünen Bereich“ sind, machen sich Vorstände kaum oder gar keine Gedanken über das Problem des Mitgliederschwunds. Wenn dann der Prozess begonnen hat, wird es immer schwieriger diesen aufzuhalten. Die Führungsriege der Vereine sollte deshalb regelmäßig nicht nur einen Blick auf die Mitgliederzahlen, sondern auch auf die Altersstruktur (siehe Tennistraining Junior 4/2014), werfen, um frühzeitig zu erkennen, dass man in diesem Bereich zielführend eingreifen und gegensteuern muss. 2. Austritte wurden nicht hinterfragt Verlässt ein Mitglied den Verein, muss man dies von Vorstandsseite akzeptieren. Aber man sollte klären, warum die Mitgliedschaft aufgegeben wurde. Die Gründe eines Austritts können die Ursache weiterer Austritte widerspiegeln. Die Befragung eines ausgetretenen Mitglieds kann deshalb die nötigen Informationen liefern, um schnell und effektiv zu reagieren, bevor es zu „Massenaustritten“ kommt. 3. Bei der Problemanalyse wird nur extern geforscht Wenn die Mitgliederzahlen sinken, muss man beginnen, nach den Ursachen zu suchen. In vielen Fällen werden die Fehler jedoch meist außerhalb des Vereins gesucht und die mangelnde finanzielle Mittel oder die fehlende öffentliche Akzeptanz bemängelt. Doch das ändert nichts an der Situation des Vereins. Die Probleme des Vereins müssen intern gesucht werden. Hier kann an Stellschrauben aktiv gedreht werden. Diese Veränderungen führen dann auch zu einem besseren Image in der Außendarstellung. 4. Schuldzuweisungen werden ausgesprochen Kommt es zum Mitgliederschwund, wird die Stimmung im Verein und auch im Vorstand schnell gereizt. In dieser Situation kommt es schnell zu persönlichen Schuldzuweisungen, die dem Verein in keiner Weise hilfreich sind. Das Gegenteil ist der Fall: Die persönlichen Angriffe führen dazu, dass weitere Mitglieder den Verein verlassen, und der Auflösungsprozess des Vereins wird beschleunigt.
„Denn wenn die
5. Resignation wird in den Vordergrund gestellt Es ist keine schöne Situation, mitzuerleben, wie immer mehr Mitglieder den Verein verlassen. Kein Wunder, dass sich Resignation im Vorstand und unter den verbliebenen Vereinsmitgliedern breit macht. Diese Resignation führt unweigerlich zur Auflösung des Vereins. Sobald man merkt, dass sich eine negative, frustrierte Stimmung breit macht, muss mit aller Kraft gegengesteuert werden.
das Handeln und
Nehmen Sie sich die Zeit, um für Ihren Verein ein Vereins-(Jugend-)konzept zuerstellen. Dieses ist hilfreich bei der praktischen Arbeit im Verein. In Verbindung mit einer Vereinsanalyse lassen sich Schwachstellen im Club erkennen und diese können durch gezielte Maßnahmen minimiert werden. Reimar Bezzenberger Willi Brunert Dr. Michael Müller
Begriffe und Vorstellungen nicht stimmen, dann kann auch
Verhandeln nicht stimmig sein.“ Konfizius
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Inhalt Jugendkonzept - es lohnt sich Willi Brunert, Oliver Engst
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Tennis ist rot - 13. Spielstunde Reimar Bezzenberger, Dr. Michael Müller
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Tennis in der Schulsporthalle Melanie Zwicknagel
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Tennis als Möglichkeit der Inklusion
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André Haschker
Schritte zum Erfolgskonzept
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Marc Schneider
„Let´s match“ - das Jahresturnier
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Volker Trappmann
Konzentrier dich! Lars Mosel
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Impressum Redaktion
Reimar Bezzenberger M.A., Willi Brunert, Dr. Michael Müller
Autoren dieser Ausgabe
Reimar Bezzenberger M.A., Willi Brunert, Oliver Engst, André Haschker, Lars Mosel, Dr. Michael Müller, Marc Schneider, Volker Trappmann, Melanie Zwicknagl
Gestaltung
Nora Herrmann
Verlag
Fachbuchverlag Bezzenberger / Dr. Müller Dr. Heinrich Winter Str. 17 - 64646 Heppenheim Telefon 06252-72861 E-Mail: info@bezzenberger-verlag.de Internet: www.bezzenberger-verlag.de www.tennistraining-junior.de
Erscheinungsweise
Vierteljährlich
Bezugspreis
6,00 € pro Ausgabe
Abonnementbestellung
Über die Verlagsanschrift
Urheberechtlicher Hinweise Die Zeitschrift sowie alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt.
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Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
SO ARBEITEN SIE MIT IHREM HEFT
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Tennistraining Junior Die Fachzeitschrift „Tennistraining Junior“ behandelt in dieser Ausgabe ausführlich den Themenkomplex „Jugendkonzept“. Wir zeigen Ihnen beispielhaft wie sich Vereine mit der Grundphilosophie „Mut zur Veränderung“ innovativ zukünftigen Aufgaben stellen können: Führen mit unternehmerischen Strukturen Tätigkeiten auf möglichst viele Schultern verteilen
Offen und ehrlich infor-
mieren Kommunikation nach innen – Bindung der eigenen Mitglieder Kommunikation nach außen – Gewinnung neuer Mitglieder
In diesem Zusammenhang ist das Jahresturnier „Let´s match“ des TC GW Walldorf eine ideale Ergänzung im Rahmen der Vereinsaktivitäten.
Immer wieder ist rund um die Tennisplätze die Aufforderung „Konzentrier dich!“ zu hören. Lars Mosel hat in seinem Beitrag Übungsformen für Kinder und Jugendliche zusammengestellt, die die Konzentrationsfähigkeit steigern. Folgende, in jedem Beitrag integrierte Legende macht dabei eine schnelle Orientierung im Heft für Sie möglich.
Training: Diese Rubrik ist das Herzstück jeder Ausgabe. Sie bietet Trainingspraxis zum Spielen und Üben zu verschiedenen Schwerpunktthemen des Kinder– und Jugendtennis. Betreuung: Antworten auf pädagogische Fragen sowie zum altersgerechten Umgang mit Kindern. Umfeld: Hier lesen Sie alles, was außerhalb des Trainings gefragt ist. Wettspiele: Alles Wissenswerte rund um Turniere und Wettspiele.
Bereich Altersstufen
Training blau
Betreuung rot
Umfeld orange
Wettspiele grün
Anzahl der Spieler: Raum:
Passgenaue Praxisbeispiele Die differenzierte Legende zeigt, für welche Altersklassen die Übungsformen maßgeschneidert sind.
Blau: Vorstufe zum Tennis - Kindergartenalter
Orange: Play+Stay Stufe orange - 8 bis 9 Jahren
Rot: Play+Stay Stufe rot unter 8 Jahren
Grün: Play+Stay Stufe grün unter - 9 bis 10 Jahren
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Bereich Altersstufen
Training blau
X Betreuung rot
X Umfeld orange
Wettspiele grün
Jugendkonzept - es lohnt sich Viele Vereinsverantwortliche sind der Meinung, dass es beim Kinder- und Jugendtennis nur um junge Spieler geht, die in ihrer Freizeit Tennis spielen. Doch wie sieht die Realität in den Tennisclubs tatsächlich aus? Oftmals verfolgen Eltern und Trainer im Umfeld Über die inhaltliche Gestaltung und vor allem die praktische Umsetzung eines zielführenden Nachwuchskonzeptes ist schon mancher Ten-
Abb. 1: Ein aus vier Ebenen bestehendes beispielhaftes Vereinskonzept
nisverein gestolpert. Die Hauptaufgabe besteht darin, die unterschiedliche Ansichten und Interessen aller Beteiligten „unter einem Dach“ zu vereinen. Häufig gibt es Interessenskonflikte, und nicht jeder ist bereit, seinen Standpunkt sachlich in Frage zu stellen.
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der Nachwuchsspieler andere Ziele. Eine einheitliche Zielsetzung zum Wohle aller Beteiligten ist nur dann erfolgreich, wenn sich Vereinsvorstände, Jugendwarte, Trainer, Eltern und Spieler zusammensetzen und ein gemeinsames Jugendkonzept entwickeln, das alle pädagogischen, soziGemeinsame Lösungsstrategie Nach einer Untersuchung von Prof. Dr. Werner Schmidt (Universität DuisburgEssen) hat bis zum Alter von 12 Jahren bereits die Hälfte aller Kinder, die frühzeitig mit einer Sportart begonnen haben, diese wieder aufgegeben. Entsprechend dieser erschreckenden Ergebnisse muss es das vorrangige Ziel jedes Vereins sein, dieser „Drop -out Quote“ Einhalt zu gebieten. Das „Tennis-Abitur“ im Alter von 18 Jahren zu absolvieren, bedeutet eine Tennisausbildung zu durchlaufen, die spätestens im Alter von sechs Jahren beginnt, baustein-
alen und Interessen tigt.
sportlichen berücksich-
Ziel ist es, Kinder, Jugendliche, Eltern und Trainer von Anfang an davon zu überzeugen, dass sie Teil eines Gesamtkonstrukts sind, das nur durch das Zusammenwirken aller Beteiligten funktionsfähig ist. artig aufeinander aufbaut und mit einem nahtlosen Übergang in den Aktivenbereich endet. Dies ist ein mehr als gewagter Ansatz, der viel Geduld und Zeit benötigt. Dieser hohe Anspruch ist mit sehr viel Engagement und Einsatz aller beteiligten Personen verbunden. Darüber hinaus ist er mit der Abkehr vom ergebnisorientierten sportlichen Denken im Nachwuchsbereich eng verzahnt. Die einzigen Zielsetzungen im Trainings- und Punktspielbetrieb von Kindern und Jugendlichen sind nach Martin Hägele die tennisspezifische Spiel-Entwicklung sowie die Persönlichkeitsbildung aller Schüler. Detailarbeit ist zeitaufwändig Die wichtigste Anforderung an das TennisAusbildungskonzept ist, dass alle Schüler von Beginn an von fachlich
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Teil II
X Training Bereich Altersstufen blau
Betreuung X rot
Umfeld orange
X Wettspiele X grün
Tennis in der Schulsporthalle Ziel ist es, Schüler innerhalb eines Schulhalbjahres spielfähig zum machen, dass sie in der Lage sind, miteinander Tennis zu spielen. Zu Beginn sollte der Unterricht einer „Spielwiese“ gleichen. Die Kinder sollen genügend Zeit erhalten, eigenständig den Umgang mit un-
Tab. 1: Überblick über die Inhalte der einzelnen Ausbildungsstufen
terschiedlichen Bällen (Punch ´n play Ball, Methodikball, Luftballon,…) und Schlägern (Kinderschläger, Fliegenklatsche, …) zu erfahren, um spielfähig zu werden. Wichtig ist, dass jeder Schüler einen Schläger und einen Ball zum Spielen hat. In der Test- und
Erkundungsphase entstehen je nach Spielerfahrungen unterschiedliche Spielformen. Der Lehrende sollte in dieser Lernphase wenig korrigieren und dafür vermehrt Schüler zur Ideenentwicklung anregen.
Um die Materialerfah- Praxis umzusetzen. Auf rung weitere zu stei- diese Art und Weise gern, eignet sich der setzten sie sich mit den Aufbau von Parcours Rückschlagspielen intenoder das vielfältige Spie- siver auseinander und len und Üben an Statio- lernen das Basisspiel nen. Wichtig ist hierbei, Tennis besser kennen. dass die Schüler an jeder Station ein Ziel (Tor, Kasten, Reifen, …) treffen sollen. Dies steigert die Motivation und fördert das kontrollierte Schlagen des Balles. Weiterhin fördern Spiele aus dem System der „Ballschule Heidelberg“ die Spielerfahrung und den Umgang mit Ball Abb.1: Anforderungsprofil für das Tennislernen und Schläger. Die Schüler sollen die Möglichkeit haben, eige- Aus dieser Perspektive ne Spielregeln zu entwi- ergeben sich zwei ckeln und diese in die Hauptforderungen für
den weiteren Lernprozess: Möglichst lange, fehlerfreie Ballwechsel miteinander spielen. Gemeinsam im Team Doppel-Spielen, mit der Maßgabe, dass alle Schüler mit in die Spielform integriert werden.
Inhalte für Aspekt 1 Laufen, Springen, Werfen Lauf- und Staffelspiele Kreative Aufgaben mit Kleingeräten Vielseitige Aufgaben mit dem rollenden und springenden Ball. Ballspiele aus den Übungssammlungen der Heidelberger Ballschule
Inhalte für Aspekt 2 Motivierende Aufgaben mit Ball und Schläger Umgang mit unterschiedlichen Bällen Schlagen des ruhenden und rollenden Balles auf Ziele Kleine Mannschaftswettbewerbe
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„Vielseitiges Spielen und Bewegen” ist die zentrale Zielsetzung für jede Sportstunde. Ein Mix aus motivierenden, abwechslungsreichen Bewegungsaufgaben, vielseitigen Wettbewerben und Spielen in kleinen Teams mit einfachen Regeln erfüllt diese Anforderungen.
Inhalte für Aspekt 3 Variationen der Spielidee „Schlagen des Balles auf Ziele“ Verschiedene Zielspiele (Matten, Kästen etc.).
Tennisspielen in der ganzen Halle in kleinen Teams parallel in verschiedenen Teilen der Halle.
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X Training Bereich Altersstufen blau
Betreuung rot
Umfeld X orange
Wettspiele X grün
Konzentrier dich! Einer der häufigsten Aussprüche von Trainern im Training oder im Spiel lautet „Konzentriere Dich“, aber inwieweit wird dieser auch im Training bewusst geschult. Daher
möchte Lars Mosel diese Aussage aufnehmen und versuchen Übungen und Spielformen aufzuzeigen und in den Trainingsalltag zu integrieren, denn man kann nur das abrufen, was man
auch trainiert hat. Viele der im folgenden aufgezeigten Übungen sind sicherlich nicht neu, aber in diesem Kontext einzuordnen und eventuell aus dem Fokus verloren gegangen.
Aufmerksamkeit und Konzentration
Aufmerksamkeit zu bündeln, also die Konzentrationsfähigkeit zu vertiefen, soll der innere Affe erzogen werden, und folglich kommt man so der Sache näher, auf die sie sich fokussieren wollen.
-kungen des Sportlers. Der Organismus schaltet somit im Wettkampf immer wieder von sich aus ab oder der Sportler verliert die Kontrolle über seine Nerven, was an den bereits angeführten Aufmerksamkeitsschwankungen liegt; es sei denn, dass der Spieler selbst durch gezielte Maßnahmen die Kontrolle über seine Aufmerksamkeit gewährleisten kann.
In der Welt des Yoga wird der Geist als effektivstes Werkzeug angesehen, welches uns in unserem Leben zur Verfügung steht. Aus die-
Die Konzentration ist demnach als eine intensivere Form der Aufmerksamkeit anzusehen, bei der sich die Aufmerksamkeit auf einen engen Ausschnitt des möglichen Wahrnehmungsumfanges kon“zentriert“. Diese Form der Aufmerksamkeit, d.h. diese Konzentration im engen Sinne, ist im Tennis vor allem dort gefordert, wo im Spielgeschehen der sich schnell bewegende Ball genau zu beobachten ist. sem Grund spielt die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit eine bedeutende Rolle in ihrem Unterricht. Bei den Yogis wird oftmals das Bildnis vom Affen verwandt, welcher erzogen werden muss. Durch den Versuch, die
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Im Wettkampf zeigt sich, dass der Sportler bei willkürlicher Anstrengung die volle Aufmerksamkeit nur über einen bestimmten Zeitraum aufrecht erhalten kann. Somit kommt es im Normalfall häufig zu Aufmerksamkeitsschwan
Generell lassen sich zwei Anforderungssituationen voneinander unterscheiden: Zuwendung der Auf-
merksamkeit vor dem Ballwechsel Aufmerksamkeit während des Ballwechsels Für den nachfolgenden praktischen Teil sind Übungen zusammengestellt, die sich mit der „Aufmerksamkeit während des Ballwechsels“ befassen. Beobachtet man als Außenstehender enge Spielverläufe bei Kindern und Jugendlichen fällt auf, dass zu-