Biorama #18

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P.B.B. — 11Z038861 M — 1040 WIEN

KOSTeNLOS — ABer ABONNierBAr

AUSGABE 18 — MAI / JUNI 2012. WWW.BIORAMA.EU — WWW.FAcEBOOK.cOM/BIORAMA

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FÜR IMMER UND ÖKO Das umweltfreundliche Ja­Wort: eine Liebeserklärung in Grün Festivalsaison: Klimaverträglichkeit statt Bierdosen­Berge Footprint-Analyse: Nachhaltige Lebensstile am CO2 ­Prüfstand Marktplatz Kosmetik: Beauty­Tools für unterwegs

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Wissen ist f端r alle da!

www.A1internetf端ralle.at


Biorama Nº. 18

auFtakt

05 Editorial 06 Global Village Die Welt im Großen & Kleinen

inhaLt

Cover: Nachhaltig Heiraten 18 Große, grüne Gefühle Die Öko­Hochzeit im Trend 20 Der schönste Tag … Tipps für die umweltfreundliche Hochzeitsfeier 26 Altes, Neues, Gebrauchtes DIY­Tutorial 28 Faires Gold Nicht alles, was glänzt 32 Eco-Honeymoon Flitterwochen einmal anders

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Magazin

nachhaltig heiraten

Festbekleidung, Friseurbesuch, die Anreise der Gäste – und schlussendlich: die Flitterwochen. Eine Hochzeit fordert Ressourcen. Dabei ist es gar nicht so schwer, ein rauschendes Fest mit glücklichen Verwandten und Freunden zu feiern und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Denn Möglichkeiten und Anregungen für eine grüne Hochzeit gibt es mehr als genug.

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40 Es rockt im grünen Bereich Nachhaltige Festivals 44 Re-Cycle Second­Hand Bikes 46 Die Welt, die wir uns wünschen Tropicalisierung der Arbeitswelt 48 Von Grau zu Grün Stadtnatur und Vertical Farming 62 Die Kraft der Unzählbaren Freda Meissner­Blau im Interview 64 Der Tiger als Zugpferd Auf Artenschutzexpedition 70 Ganzheitlich angehen Eine Kulturgeschichte der Nachhaltigkeit 72 Die vielen kleinen Bausteine Fünf Footprints im Porträt 84 Speis & Trank Bio­Hotels

Marktplatz

vom suchen und finden

die kraft der unzÄhlbaren

Gutes Rad ist teuer? Nicht unbe­ dingt. Eine kleine Anleitung für den Gebrauchtfahrrad­Kauf. Und für mehr Mut zum Schrauben.

Freda Meissner­Blau, Umwelt­ aktivistin der ersten Stunde und Schirmherrin der Erd­gespräche, im Interview.

78 Kosmetik Schönheit aus der Tasche 80 DIY Rezept Frühlingshafter Salat mit Erdbeeren und Quinoa 82 Food Blumenwiese auf dem Teller

Kolumnen 60 Elternalltag 90 Und hinter mir die Sintflut



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editorial, impressum

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Glaubwürdigkeitsdialektik

G

Mit uns diskutieren könnt ihr auf www.biorama.eu, auf facebook.com/ biorama oder persönlich auf der biorama fair fair, unserem Markt für Fashion, Design und Food (von 13. bis 15. Juli im Wiener Museumsquartier). Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @th_weber

Making-of unserer Cover-Hochzeitstorte: Ins oberste Stockwerk hat Franka Rothaug ein lebendes Ahornbäumchen gepflanzt, das nach dem Zuckerschock weiterwachsen darf. Das Rezept – glutenfrei, laktosefrei, nußfrei und bio – gibt’s auf www.biorama.at/torte

impressum HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTION Johanna Stögmüller redaktionsleitung Maximilian Zeller AUTOREN Mirjam Bromundt, Juliane Fischer, Elisabeth Gamperl, Jubin Honarfar, Nina Daniela Jaksch, Björn Kämmerer, Micky Klemsch, Franz Knipp, Sarah Krobath, Martin Mühl, Sabine Lydia Müller, Ursel Nendzig, Stefan Patak, Philip Poigner, Karin Pointner, Nicola Powell, Sebastian Rahs, Parvin Razavi, Werner Reiter, Wolfgang Smejkal, Peter Stuiber, Erwin Uhrmann, Jonas Vogt, Maximilian Zeller PRAKTIKUM Anne Erwand, Jana Lapper, Tabea Schnell, Patricia Ziegler FOTOGRAFIE Juliane Fischer, Gersin Livia Paya, Tabea Schnell, Patricia Ziegler COVERBILD Sig Ganhoer ILLUSTRATIONEN Nana Mandl COMIC Leopold Maurer ART DIRECTOR Sig Ganhoer GESTALTUNG Manuel Fronhofer, Sig Ganhoer LEKTORAT Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Nina Daniela Jaksch, Micky Klemsch (Leitung), David Kreytenberg, Thomas Weber WEB Super-Fi, m-otion DRUCK Druckerei Janetschek, Gußhausstraße 24–26, 1040 Wien PRODUKTION & MEDIENINHABER Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Bernhard Schmidt KONTAKT Biorama c/o Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766; www.biorama.eu, www.monopol.at, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Monopol GmbH, easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200 ABONNEMENT siehe Website: www.biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien VERLAGSPOSTAMT 1040 Wien BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für Mensch und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint sechsmal im Jahr.

foto Michael Winkelmann

anzheitliche Nachhaltigkeit in einem nicht-esoterischen Sinn, das ist unser Programm. Unser blattmacherisches Credo baut auf dem Verständnis, dass journalistische Nachhaltigkeit nur durch die weitestmögliche Trennung von Anzeigenverkauf und Redaktion zu gewährleisten ist. Wobei die Formulierung weitestgehend hier nicht als kompromissbereit zu deuten und zynisch gemeint ist, sondern schlicht aufrichtig. In einem kleinen Team wie dem unseren gibt es diese Trennung allein schon räumlich nicht. Nicht zuletzt habe ich selbst als Herausgeber sowohl für die inhaltliche Integrität wie für die Finanzierung von biorama zu garantieren. Integrität findet aber ohnehin im Kopf statt, nicht in der Architektur. Warum ich das schreibe? Nun, auf die vergangene Ausgabe von biorama und unseren Verpackungsschwerpunkt gab es viel positive Resonanz, aber doch auch Kritik. In einigen Mails und von einigen Anrufern wurde in Frage gestellt, ob ein Anzeigenkunde – konkret: ein Kaffee­kapselvermarkter – auf der Umschlagrückseite seine Alu-Einweggebinde anpreisen dürfe, oder eben nie und nimmer. Und ob biorama die Anzeigen mancher Unternehmen aus Prinzip ablehnen müsse. Journalistisch betrachtet ist die Sache klar: Im Blattinneren wurde unmissverständlich darauf hingewiesen, dass Metall aus ökologischer Sicht das schlimmste Verpackungs­ material ist. Dass schlimmer als Metall nur noch Aluminium ist und dieses, wenn überhaupt, nur für Gebinde zu rechtfertigen ist, die lange in Umlauf sind. Einen besseren Beleg für die Trennung von Anzeigenverkauf und Redaktion gibt es nicht. Dennoch hat besagte Anzeigenbuchung einen intensiven Nachdenkprozess in Gang gesetzt. Wir hoffen, dass ihr euch daran beteiligt.


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global village


07 Müll im meer

Der verborgene Dreck

foto Ferdi Rizkiyanto

Bis zu 46.000 Plastikteile befinden sich in jedem Quadratkilometer der sieben Weltmeere, wobei jährlich etwa zehn Millionen Tonnen neuer Müll hinzukommen. Den Großteil des Abfalls sieht man nicht einmal, er schwebt unheilvoll wenige Meter unterhalb der Wasseroberfläche. Besonders problematisch sind die kleinen Partikel, in die sich Plastik zerreibt, anstatt sich abzubauen. Der Plastikverbrauch in Westeuropa ist enorm: Rund 100 Kilogramm verschleißt ein Bürger hierzulande jährlich. Endlager ist schließlich meist der Ozean. Aus dem Auge – aus dem Sinn? Ferdi Rizkiyanto, Digital Artist aus Jakarta (Indonesien), hat seine Gedanken zu diesem Thema visualisiert.


Pionier der Green Care: Am Franzlhof im Mühlviertel tummeln sich neben Schafen auch Kindergartenkinder.

GREEN CARE

Therapie ab Hof Nur mehr selten ist ein Bauer bloß Bauer. Oft ist er zugleich Direktvermarkter, Urlaubsgastgeber und immer öfter Anbieter sozialer Dienstleistungen. Dass Landwirtschaft einen gesellschaftlichen Mehrwert bietet, darüber herrscht in Europa weitgehend Einigkeit. Als Argumente gelten etwa Versorgungssicherheit oder Landschaftspflege. Noch verhältnismäßig selten im Spiel: soziale Aspekte. Zwar gibt es immer mehr erfolgreiche Einzelinitiativen. Doch es ist noch lange nicht nicht Prinzip, dass landwirtschaftliche Betriebe pädagogische, therapeutische oder pflegerische Angebote definieren und aktiv als Dienstleistungen anbieten. Um das zu ändern, hat die Landwirtschaftskammer Wien im Vorjahr die Initiative »Green Care« gestartet. In weiterer Folge soll diese auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Klares Ziel der Aktion: Bauernhöfe, Gärtnereien und Winzerhöfe dabei zu unterstützen, sich eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschließen und eine Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen anzuregen. »Wir erarbeiten gemeinsam mit interessierten landwirtschaftlichen Betrieben, Sozialträgern und Experten Green-Care-Produkte und Dienstleistungen«, so Nicole Prop (Projektleiterin Green Care, LK Wien). Als sinnvolle Angebote denkbar: Schul- und Kindergruppen am Bauernhof, tiergestützte Therapien, Burnout-Prävention im Weingarten oder alternative Wohnformen am Bauernhof für Ältere oder Behinderte. »Green Care – mit Leib & Seele. Natur und Landwirt­ schaft als wertvoller Gesundheitsraum«, Tagung am 20. Juni (13.00–17.00 Uhr), Wien 13., Grünbergstraße 24


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09 street talk WIR FRAGEN, 5 Paare antworten:

Wer’s glaubt wird selig. Stimme aus dem Off

Ekrem und Ümmü

Paul und Karin

ümmü:

Man sollte schon mindestens zwei Jahre vor einer Heirat zusammen sein, denn dann beginnen die Probleme. Wenn man diese Krisen übersteht, kann man eine ewige Bindung andenken. ekrem: Ansonsten beginnt es vielleicht schon nach zwei Ehejahren zu kriseln und so eine Scheidung ist ja auch nicht unbedingt das Ziel.

paul:

Die Ehe als Institution ist vielleicht überbewertet. Aber an ein Zusammenbleiben, bis dass der Tod uns scheidet, glaube ich schon. karin: Ich kann dieser Vorstellung auch einiges abgewinnen. Also ja, bis dass der Tod uns scheidet, das kann schon klappen.

Christel und Henner

Elisabeth und Philipp

christel:

elisabeth:

Birgitt und Rene birgitt:

Unsere Hochzeit war am 19. Jahrestag. Wir waren nie Hochzeitsgegner, aber es hat sich einfach nicht früher ergeben. Wir spüren jetzt eigentlich keinen Unterschied, gelegentlich verreden wir uns halt. rene: So ist der Plan. Eine Garantie gibt es nie. Wenn man ein bisschen daran arbeitet, geht das schon. Sonst hätten wir nicht geheiratet, nachdem wir schon 18 Jahre ein Paar waren.

So viele Menschen in unserem Umfeld haben sich schon scheiden lassen. Die Ehe hat ihren Wert verloren. henner: Unsere Ehe besteht seit 30 Jahren und das basiert auf Glück und viel Toleranz und Freiraum dem anderen gegenüber. So etwas ist schwer zu finden.

Ich denke schon, dass das Konzept der Ehe auch heute noch realistisch ist. Naja, wir heiraten nächstes Jahr, da muss ich ja auch daran glauben. Und ewige Treue ist auch heutzutage noch durchsetzbar, auf jeden Fall! philipp: Ich denke auch, dass die Ehe noch funktionieren kann, klar. Man muss nur daran glauben.

links fotos Nadine Poncioni — RECHTS Interview und fotos Juliane Fischer, Tabea Schnell, Patricia Ziegler

» bis dass der Tod euch scheidet?«


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Red Dot Award Winner 2012: QGate steuert und reguliert den Stromverbrauch zuhause.

SMArT hoMe

Die grüne STeckDoSe Wie das Internet der Dinge beim Energiesparen hilft und gleichzeitig mehr Komfort im Alltag bedeuten kann.

www.ndu.ac.at New Design University · Mariazeller Straße 97 · 3100 St. Pölten · office@ndu.ac.at

Die NDU ist eine Studieninitiative der Wirtschaftskammer NÖ und ihrem WIFI.

Steigende Preise und ein höheres Bewusstsein beim Thema Energie geben Anlass, dem Energieverbrauch mehr Bedeutung beizumessen. Dazu gehört neben der Erfassung des Verbrauchs auch die gezielte, bedarfsgerechte Steuerung. Zusammenfassen lässt sich das im Begriff Home Automation. Mit QGate bietet ein Wiener Start-up-Unternehmen dazu eine Plug-and-Play-Lösung an. die einfach zwischen Steckdose und Verbraucher gesteckt wird. Die Bedienung erfolgt komfortabel über das Smartphone oder einen Webbrowser und ist sowohl von zuhause als auch von unterwegs möglich. Mit einer Reihe von Applikationen kann automatisiert der Stromfluss reguliert werden, z.B. abhängig vom Verbrauch, von der Raumhelligkeit und der Temperatur. Auch auf die Lautstärke kann reagiert werden. Es gibt fertige Applikationen, die eine Zeitschaltuhr nachbauen, die Fernsehzeit der Kinder begrenzen oder Geräte im Standby-Modus komplett ausschalten. Die Verbindung zum Internet steht europaweit zur Verfügung. Diese Einfachheit hat ihren Preis, mit nutzungsabhängigen Kosten ab fünf Euro pro Monat. Die Nutzer können selbst Programme erstellen und anderen zur Verfügung stellen – und so seinen Beitrag zum Internet der Dinge leisten. QGate ist der Red Dot Award Winner 2012. www.Qgate.com


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100 Prozent biologisch abbaubar: die Sneaker von Oat Shoes.

ECO-FOOTWEAR

Der Schuh als Blumenkiste

biorama:

Welchen Zugang habt ihr zu Sneakern? Ich komme aus der nord-niederländischen Stadt Delfizijl und habe Industrial Design Engineering studiert. Mein Fokus liegt darauf, wie Produkt-Design verschiedene Ebenen von Bedeutung in sich tragen kann, wie Produkte eine Geschichte erzählen können. Für Schuhe habe ich mich dabei immer schon interessiert und ganz besonders für Sneaker. Nachhaltigkeit musste auf jeden Fall ein Teil von Oat sein, es geht dabei um einen bewussten Umgang mit unserer Umwelt. Ich wollte, dass die Geschichte von Oat die Leute mit ihrer Umwelt verbindet, mit dem Lebenskreislauf. Sie sollen daran teilnehmen, indem sie ihre lieb gewonnen Schuhe später begraben und Blumen daraus wachsen lassen. Und welchen Einflüssen folgt das Design? Mir war es wichtig, vom Start weg eine komplette Kollektion an klassischen Sneaker-Modellen anzubieten: einen High-Top, einen Chukka, einen klassischen Tennis-Schuh und einen Segelschuh / Weaver-Crossover. Die bunten Sohlen symbolisieren die vier Elemente. Wir wollen damit vorwärtsgewandte, urbane Trendsetter mit einem entspannten Öko-Mindset ansprechen. christian maats:

Für uns ist Nachhaltigkeit kein moralisches Statement, sondern eine folgerichtige und schlüssige Lebenseinstellung. Gibt es einen Hype? Ist es gerade einfach, ökologische Sneaker auf den Markt zu bringen? Wie ich lernen musste, ist in der Schuh-Industrie nichts einfach. Das Thema nachhaltiger Sneaker wurde wohl in den letzten Jahren größer – ich bin aber nicht sicher, ob man bereits von einem Boom sprechen kann. Die Händler sind immer noch zögernd, wenn die Nachfrage steigt, werden auch diese aufspringen. Wie wichtig ist E-Commerce dabei, Nischen-Produkte an die Leute zu bringen? E-Commerce ist für uns sehr wichtig. Es ist direkter Zugang zu den Käufern, die so auch Feedback geben können. Es wird dadurch einfacher, ein Produkt auf den Markt zu bringen. Andererseits hat ein kleiner privater Online-Shop eine nur sehr limitierte Reichweite und muss sehr viel investieren, um den Shop bekannt zu machen. Eine längere Version des Interviews ist auf www.biorama.at zu finden. www.oatshoes.com

Interview Martin Mühl fotos Oat Shoes

Christiaan Maats, Gründer der nachhaltigen Oat Shoes, erzählt von Produkten, die Geschichten erzählen und Schuhträger mit ihrer Umwelt verbinden.


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eco fAShion

Der biologiSche Durchblick Kalifornien – Land der Skater und Surfer. Und die tragen jetzt Sonnenbrillen, die man kompostieren kann. Der nachhaltige Sommer kann kommen.

rio+20

gerechTigkeiT in einer enDlichen WelT Im Vorfeld der UN-Konferenz Rio+20 finden unterschiedlichste Veranstaltungen statt, die aufzeigen wollen wie der ökologische Wandel gelingen kann. In Wien wurde aus Anlass der von 20.–22. Juni in Rio de Janeiro stattfindenden UN-Konferenz die Initiative »RIO+20 – Gerechtigkeit in einer endlichen Welt« gegründet. Die Initiative organisiert österreichweit über 40 Veranstaltungen, wie etwa eine Kulturwanderung entlang der Wiener Hochquellleitung. Die Wanderung erstreckt sich über fünf Tage (24.–28. Mai) und hat sich zum Ziel gesetzt, auf die Endlichkeit der überlebenswichtigen Ressource Wasser aufmerksam zu machen. In Deutschland findet unter dem Motto »Rio+20 – Zukunft leben!« das 17. Umweltfestival am Brandenburger Tor in Berlin statt. Am 3. Juni werden dort über 250 Aussteller die ganze Bandbreite des Umwelt- und Naturschutzes in Deutschland präsentieren. Die Schweiz nimmt sich dem Thema »Nachhaltigkeit fördern« auf dem World Expo Symposium in Winterthur am 15. Mai an. www.rioplus20.at www.wasser-weg.at www.umweltfestival.de www.sml.zhaw.ch

Im amerikanischen Golden State vergeht kein Tag ohne Sonne, Strand und Meer. Ein Paradies für sportliche Menschen, das übrigens auf ein – für amerikanische Verhältnisse – innovatives Umweltgesetz verweisen kann. Das 2009 in Hermosa Beach gegründete Label Dizm Eyewear hat der Symbiose von Style und Nachhaltigkeit jetzt was auf die Nase gesetzt: biologisch abbaubare Sonnenbrillen. Die Brillenrahmen bestehen zu 100 % aus erneuerbaren, pflanzlichen Rohmaterialen. Die Mischung aus Baumwolle, Holz und Palmöl zerfällt, unter den richtigen Bedingungen, zu Wasser, CO2 und Biomasse und entspricht den europäischen, amerikanischen und australischen Standards für biologisch abbaubare Produkte. Aber keine Angst – die Brillen lösen sich nicht einfach auf der Nase auf. Nur bei Nagellackentferner sollte man vorsichtig sein, denn Aceton kann dem Zellulosegemisch schaden. www.dizmeYewear.com


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Künstlerische Vision: ein Design-Modell für die Massentierhaltung der Zukunft.

Design

Wie ein kopfloses Huhn

In den meldepflichtigen Schlachtbetrieben Österreichs wurden im Jahr 2011 72,6 Millionen Hühner geschlachtet, und auch in Deutschland wurde im vergangenen Jahr so viel Geflügel gemästet wie noch nie zuvor. Die Geflügelindustrie liefert das Produkt Huhn mit teils unmenschlicher Erbarmungslosigkeit und in immer größeren Zahlen. Effektivität ist vielerorts die oberste Prämisse. André Ford nahm diese Tatsache zum Anlass für ein Kunstprojekt am Royal College of Art, das in einem radikalen Lösungsansatz Effektivität und vermeintliche Humanität vereint. Denn: Was wäre, wenn die Tiere weder Schmerzen noch Stress verspüren würden? Das kopflose Huhn ist inspiriert vom System des Vertical Farming, mit Hilfe der Lobotomie sollen Hühn-

chen wie Gemüse herangezüchtet werden. Durch das Entfernen des cerebralen Kortex aus dem Hühnerhirn werden diese geistig vollkommen ausgeschaltet – man darf sich an den Film »Matrix« erinnert fühlen –, zu Tausenden in die Mast-Vorrichtung gepackt und über Schläuche versorgt. Elektroden sollen dabei die Muskeln der Hühner stimulieren. »Die Realitäten der bestehenden Systeme der Produktion sind ebenso schockierend«, sagt André Form im Interview mit dem Magazin Wired, »aber sie sind hinter dem Deckmantel der sentimentalen Szenen der traditionellen Landwirtschaft versteckt, die wir als Verbraucher in unseren Köpfen haben.« www.rca.ac.uk

foto André Ford / The Royal College of Art

Es ist ein Kunstprojekt, das zum Nachdenken anregt: »The Headless Chicken Solution« des englischen Architekturstudenten und Künstlers André Ford zeigt einen fiktiven Zugang zur Problemlösung der Massentierhaltung.


Gell Bauer, n n je d e r a je t z t k a r t n e r s ein ! Bi o - G ä

GIBT’S BEI:


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meine Stadt

Linz

Lieblingsplätze & Eco-HotSpots von Johannes Heiml

Kleider machen Leute hebt sich nicht nur durch modische Auswahl deutlich vom Einheitsbrei großer Ketten ab. Der Laden feiert gerade seinen vierten Geburtstag und ist eine Bereicherung für die Stadt. Beim Finden des individuellen Looks helfen die ausgewählten Lieblingsteile trendiger Labels und Jungdesigner aus Wien, Berlin und Skandinavien, lässige Taschen und coole, ökofaire Mode. Zu etwas ganz Besonderem wird KML aber durch seine Inhaberin Anita, die mit viel Kreativität ihre Kunden regelmäßig mit selbstgemachten Leckereien verzaubert. www.kleidermachenleute.at

Am Pfarrplatz überzeugt der Concept Store für faire Mode, der Weltladen, mit seiner großen Auswahl an angesagter Bekleidung. Würde nicht gleich jeder vermuten, ist aber so. Vom Top zur Jeans bis zur Unterwäsche – alles da und garantiert nachhaltig produziert. www.weltladen-linz.at

Von der Herrenstraße einfach quer durchs Landhaus findet man in der Linzer Altstadt das beste Restaurant der Stadt: das Paa. Unter der Leitung von Hannes Braun vereint es seit zehn Jahren Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Fähigkeiten rund um die vegetarische und vegane Küche. Alles fair. Alles bio. Und die beste Nachricht für anspruchsvolle Vegetarier: Man kann alles auf der Karte essen! www.paa.cx

Abends lädt neben einem Eco- auch gleich ein kultureller Hotspot ein: Das Programmkino Moviemento im OÖ Kulturquartier ist Zentrum für alle Cineasten und solche, die es noch werden wollen. Direkt angeschlossen ist das Gelbe Krokodil, das regionale und vegetarische Küche in zeitlosem, urbanem Ambiente bietet. Es ist Treffpunkt der nationalen und internationalen Kunstszene. www.moviemento.at, www.krokodil.at

fotos Francesca Thurner

Johannes Heiml ist Initiator der Wear Fair, Österreichs Messe für faire und ökologische Mode, die heuer von 28. bis 30. September bereits zum fünften Mal stattfindet. Veranstaltet wird die Messe von der entwicklungs­ politischen NGO Südwind, bei der Johannes die Linzer Regionalstelle leitet und sich quasi beruflich für eine gerechtere Welt einsetzt. www.wearfair.at


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global village


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AUF DEN SPUREN DER PRODUZENTEN

FAIRTRADE NATURKAUTSCHUK

Baumtränen für ein besseres Leben Fair Deal Trading handelt mit Naturkautschuk aus nachhaltigem Anbau. Die Freizeitund Sportmarke Ethletic stellt daraus ihre Kollektionen her. Martin Kunz, Mitbegründer von Fair Deal, informierte über das Unternehmen und die beteiligten Partner.

Latexmilch für FuSSballer Das Wort Kautschuk setzt sich aus den indianischen Wörtern cao (Baum) und ochu (Träne) zusammen; also die Tränen des Baumes. Die Rinde des Kautschukbaums wird zur Gewinnung der sogenannten Latexmilch angeritzt. Im Anschluss wird die Latexmilch haltbar gemacht und zum Beispiel zu Innen-Blasen der Ethletic Fußbälle, aber auch zu anderen Produkten wie Haushaltshandschuhen weiterverarbeitet. Alle Lieferketten von Fair Deal sind Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Der Gummi stammt demnach von Anbauflächen, die verantwortungsvoll und nachhaltig bewirtschaftet werden. Darüber hinaus ist durch stete Kontrollen garantiert, dass kein Kautschuk von anderen, nicht FSCzertifizierten Quellen beigemischt wird. Da es noch kein Siegel für fair gehandelten Kautschuk gab, beschloss Fair Deal, selbst bestimmte Standards festzulegen, wie etwa für die Bezahlung von Arbeiter

und Arbeiterinnen: Zusätzlich zum Marktpreis wird so eine Fair-Trade-Prämie von 0,50 Euro pro Kilogramm DRC (Dry Rubber Content – der Gummigehalt in der Rohware) ausgezahlt. Ein von der Belegschaft der Kautschukplantage gewähltes Gremium (bzw. bei Kleinbauern der Vorstand ihrer Genossenschaft) entscheidet über die Verwendung des Fairtrade-Aufschlags. Bislang wurden mit dem Aufschlag vor allem Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung und Stromanschlüsse für Arbeitersiedlungen finanziert. Die Belegschaft des indischen Lieferanten von Fair Deal konnte den Aufschlag sogar in eine Renten-Zusatzversicherung investieren. Die erste überhaupt für Kautschuk-Zapfer in Indien, wo die gesetzlichen Renten – ähnlich wie hierzulande – nicht mehr genügen, um im Alter die Lebenskosten zu finanzieren.

Naturkautschuk vs. Kunstgummi Zusammen mit ihren Kooperationspartnern Prolana (Matratzen) und CPR (Kondome) konnte Fair Deal Trading bereits über 250 Tonnen Gummi importieren. Das entspricht einer Fairtrade-Zusatzleistung von 125.000 Euro. Fairtrade kann konventionellen Produktionsabläufen einiges entgegensetzen, wie etwa der bereits erwähnte Fairtrade-Aufschlag, der den Arbeitern sowie deren Familien einen angemessenen und langfristig abgesicherten Lebensstandard garantiert. Auch in Sachen Umwelt ist die Fairtrade-Variante die eindeutig nachhaltigere. Die Mehrzahl dessen, was heute als Gummi verkauft wird, ist aus Erdöl produzierter Kunstgummi, dessen Herstellung die ohnehin schon knappe Ressource Erdöl noch weiter dezimiert und zudem die Umwelt belastet. Auch auf schädliche Kunststoffe wie EVA und PVC wird bei Fair Deal Trading verzichtet. Von dieser Form des menschlich und ökologisch gerechten Handels profitieren also nicht nur die Produzenten, sondern nicht zuletzt auch die Konsumenten.

PROTOKOLL Anne Erwand Fotos Fair Deal Trading

Während der fußballbegeisterte Teil der Menschheit im Frühsommer des Jahres 1998 mit Spannung auf die Weltmeisterschaft in Frankreich blickte, entwickelte Fair Deal Kriterien und Lieferketten für die ersten fair gehandelten Fußbälle weltweit. Fußbälle bestehen zu fast zwei Drittel aus Gummi und dementsprechend konzentrierte sich das Unternehmen zunächst auf den Kautschukhandel mit Pakistan – auf Basis einer fairen und nachhaltigen Handelsbeziehung. Zunächst mussten die Lieferanten davon überzeugt werden, dass ein FairtradeAufschlag für die Belegschaft auch ihnen selbst langfristig nützen würde. Mehrere Reisen und zahlreiche Anläufe waren nötig, bis Fair Deal kooperationsbereite Partner für den Kautschukhandel gefunden hatte. Heute verfügt die Gesellschaft über drei Plantagen und eine Gruppe von Kleinbauern als Lieferanten. Dazu kommen rund ein halbes Dutzend verarbeitende Betriebe, alle im südasiatischen Raum.


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Nachhaltig heirateN

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JA , ICH WILL JA , ICH

WILL


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Sigrid Neudecker

illustration

Nana Mandl

Es war ein wunderbares Fest. Die Hochzeitsgäste waren aus dem In- und Ausland angereist, der Blumenschmuck in der Kirche war festlich, das strahlendweiße Kleid der Braut bezaubernd, und die Küche spielte alle Stückerl: weißer Spargel, Viktoriabarsch, Mango-Panna-Cotta.

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m Tag darauf bestiegen die Gäste wieder Autos und Flugzeuge für die Heimreise, der Blumenschmuck lag längst verrottend im Müll, und die Braut hängte ihr Kleid zurück in den Schrank, aus dem sie es die nächsten Jahrzehnte nicht herausholen wird. Die Chancen stehen gut, dass sie ohnehin nie wieder hineinpasst. Heiraten ist eine super Sache. Doch die Organisation einer durchschnittlichen Hochzeit fordert alle Ressourcen: Zeit, Geld, Material. Kaum etwas davon überlebt den Hochzeitstag. Das beginnt mit den Einladungen, die – das gehört sich so – aufwendig gedruckt werden. Nicht immer mit umweltverträglichen Druckfarben. In den USA und in Großbritannien werden die Karten sogar in zwei Kuverts verschickt, das äußere für den schnöden Poststempel, das innere für die Schönheit. Landet alles im Müll. Brautkleid und Schleier sind oft aus mehreren Metern stark gebleichter Kunstfaser hergestellt. Und bei vielen Hochzeitsmenüs mussten die Zutaten eine weitere Anreise auf sich nehmen als die Hochzeitsgäste. Wenngleich die Gäste rasant aufholen. Schließlich lernen immer mehr Paare einander – hunderte Kilometer voneinander entfernt – übers Internet kennen. Da kommt schon einiges in Bewegung, wenn man alle dabei haben will.

Die proDukTion groSSer gefühle Im Vergleich zu durchschnittlichen amerikanischen Großinszenierungen sind hiesige Hochzeiten zwar immer noch Amateurtheateraufführungen auf Provinz-Kellerbühnen. Doch das heißt nicht, dass es nicht auch bei uns ein bisschen grüner geht. Der angenehme Nebeneffekt: Meistens wird es dadurch auch individueller, kreativer, origineller. Ein herkömmliches Brautkleid mit viel Tüll und Trara verbringt den Rest seines Daseins meistens zu Recht versteckt im Schrank. Eine abgerüstete Variante darf sich hingegen noch ein paar

Jahre auf Partys amortisieren. Sie muss ja nicht gleich aus Jute sein. Die Spitzengastronomie ist längst auf dem LocavoreTrip. Da wird auf den Speisekarten nicht mehr mit dem exotischen Fisch vom anderen Ende der Welt angegeben, sondern mit dem kleinen feinen Fleischhauer, dem Gemüsebauern und dem Hühnerzüchter von nebenan, von denen man seine Produkte bezieht. Das bleibt in Erinnerung, nicht der Viktoriabarsch oder der Spargel, dessen Saison schon längst vorbei war. Querulanten werden jetzt natürlich sagen: Die grünste Hochzeit ist immer noch gar keine Hochzeit. Oder etwas wie: »Wir brauchen kein Stück Papier, das unsere Liebe beweist.« Dieser Spruch ist mittlerweile so langweilig wie ein weißes Brautkleid. Feiern diese Menschen auch nie ihren Geburtstag, weil die Augenfalten ohnehin Beweis genug dafür sind, dass sie älter werden? Seien wir ehrlich: Wir leben nicht gerade im romantischsten aller Zeitalter. Irgendwer hat vor ein paar Jahren beschlossen, dass es altmodisch ist, sich gegenseitig allzu ausufernde Liebeserklärungen zu machen. Seither ist die Produktion großer Gefühle Aufgabe von Adelshochzeiten und Rosamunde Pilcher. Das mag jetzt kitschig klingen, aber es gibt kaum ergreifendere Momente, als wenn zwei Menschen einander öffentlich versprechen, dass sie bis ans Ende ihres Lebens zusammenbleiben wollen. Selbst so coole Typen wie Kate Moss und Jamie Hince haben geheiratet, und das sicher nicht, weil sie den Rest des Jahres zu wenig zum Feiern kommen. Nicht zuletzt gibt es kaum eine nachhaltigere Lebensweise: Lebensraum, Kühlschrank und Waschmaschine zu teilen, reduziert den ökologischen Fußabdruck gewaltig. Wer auch noch gemeinsam badet und sich im Schlafzimmer anders warm hält als mit der Heizung, entspannt nicht nur sein ökologisches Gewissen. Zugegeben, dafür müsste man nicht unbedingt heiraten. Es fühlt sich aber besser an. Glauben Sie mir.

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Ganz in weiss … mit Ganz VieL Grün

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ine Hochzeit zu 100 Prozent ökologisch korrekt feiern? Das klingt gar nicht so einfach, ist doch alleine der Gedanke an ein rauschendes Fest ein hedonistischer Genuss mit verschwenderischem Ausgang. Und eine bis ins kleinste Detail umweltgerechte und nachhaltige Hochzeit mit Bio-Rindfleisch und ÖkodesignerKleid kann ziemlich schnell den finanziellen Rahmen des Brautpaares sprengen. Mit etwas Kreativität ist eine Öko-Hochzeit aber nicht unbedingt kostspieliger oder aufwendiger als die konventionelle Variante. Bereits mit Kleinigkeiten lässt sich ein Zeichen setzen und die Hochzeit in Weiß in ein grünes Event verwandeln. Das verleiht der Feierlichkeit nicht nur zusätzlich Charme, sondern unterstreicht auch die Lebenseinstellung des Brautpaares. Hier ein paar Anregungen, die eine Hochzeit nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch einmaliger machen:

kein unnöTiger pApierkrAM Eine umweltfreundliche Hochzeit beginnt schon bei den Einladungen. Als sogenannte digitale Eingeborene des 21. Jahrhunderts liegt es nahe, dass wir auch unsere Einladungen online versenden. Um die Gäste auf dem Laufenden zu halten oder »faire« Geschenkideen zu posten, kann das Brautpaar auch eine Hochzeitswebsite oder ein Forum anlegen. Nach der Feier besteht hier die Möglichkeit, die Hochzeitsfotos zum Download anzubieten. An all jene, die keinen Internetzugang haben, können immer noch Druckerzeugnisse aus recyceltem oder handgeschöpftem Papier gesendet werden. Einladungskarten aus Tabakpapier, Bananenblätterpapier etc., vielleicht mit eingearbeiteten Blütenblättern, sehen auch um einiges romantischer aus. Extrapunkte gibt es, wenn man die Einladungen bei einem Treffen per Hand überreicht: Man spart nicht nur das Porto, sondern auch das CO2, das sonst durch den Postversand verursacht wird. Ein Telefonat oder ein Mail erfüllt zudem den gleichen Zweck wie eine Antwortkarte und ist auch viel schneller.


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Elisabeth Gamperl Ulrike Binias

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illustration

Nana Mandl

Die WAhl Der locATion

reDuzierTer TrAnSporT

AuThenTiScher SchMuck

Je kleiner die Hochzeitsliste, desto weniger Müll, Energie und Stress wird produziert. Außerdem wird dadurch die Wahl der Örtlichkeiten flexibler und einfacher. Es empfiehlt sich ein Ort, der von allen Hochzeitsgästen gut und schnell erreichbar ist, am besten gleich in der Region. Das minimiert den CO2Fußabdruck gewaltig und kurbelt die ansässige Wirtschaft an.

Das höchste CO2-Einsparungspotenzial liegt beim Transport, der bei einer genauen Planung immens reduziert werden kann. Bereits eine Hochzeit mit durchschnittlich 60 Gästen verbraucht rund 8.100 Tonnen CO2, eine Eheschließung in Grün gerade mal 2.084 Tonnen (vgl. www.oekologisch-feiern.net). Bei 36.342 Eheschließungen im Jahr 2011 in Österreich brächten ein paar Öko-Hochzeiten also bereits tonnenweise Erleichterung. Um Autokolonnen entgegenzuarbeiten, sollten Gäste Fahrgemeinschaften bilden oder mit einem Bus bzw. mit dem Zug anreisen. Wenn Zeremonie und Hochzeitsfeier nicht am gleichen Ort stattfinden, kutschiert Familie und Verwandte mit einem Hochzeitsbus zur Location oder man mietet einen Veranstaltungsort in Gehnähe. Das Brautpaar kann ebenso gut mit einer eleganten Kutsche anstatt eines qualmenden Oldtimers oder einer Limousine vorfahren.

Um grün zu bleiben, muss der Verlobungs- oder Trauring nicht zwingendermaßen aus Holz sein. Mittlerweile gibt es viele Juweliere und Goldschmiede, die Gold und Silber aus ökologischem und fair gehandeltem Bergbau anbieten. Außerdem wirken Verlobungsringe aus anderen geprüften Edelsteinen als Diamanten viel origineller. Aber auch beim Trauring bietet sich Recycling an: Am besten bei Freunden und Familie nachfragen, ob nicht jemand ein kleines Goldstück erübrigen kann, das dann ein Juwelier einschmilzt und zu neuen Ringen verarbeitet. So werden keine neuen Rohstoffe verschwendet und man trägt immer ein Stück der Liebsten mit sich.

foToS zuM DoWnloADen Wer Fotopapier und Chemikalien sparen möchte, kann den Fotografen bitten, nur digital zu fotografieren. Die Bilder können so unmittelbar nach der Hochzeit auf eine Internetseite gestellt werden. Dort können sich alle Hochzeitsgäste ihre Lieblingsfotos selbst herunterladen und ausdrucken.


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nachhaltig heiraten

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ökoTAinMenT Bei einer kleinen Hochzeitsfeier sorgt eine Live-Band, die ohne Strom auskommt, für ein ganz besonderes Flair. Oder wie wäre es klassisch mit Streichquartett?

Die Suche nAch DeM perfekTen kleiD

uMWelTfreunDliche fliTTerWochen Die Hochzeitsreise muss nicht immer eine Fernreise sein. Auch in der Heimat finden sich feine ökologische Hotels mitten im Grünen. Und wenn die Flitterwochen unbedingt auf eine Sonneninsel gehen sollen, gibt es immer noch die Möglichkeit, den Ort per Bus oder Bahn und Fähre zu erreichen. Soviel Zeit sollte für grüne Flitterwochen drin sein (vgl. greenweddingcompanY.wordpress.com).

Schwieriger wird es bei der Suche nach dem passenden Brautkleid. Klar möchte jede Braut an ihrem Hochzeitstag umwerfend aussehen. Das kann sie aber ebenso gut in einem geliehenen oder wiederverwerten Second-HandKleid. Mit etwas Kreativität lässt sich beispielsweise Mamas Brautkleid umschneidern. Wer auf ein neues Kleid besteht, sollte versuchen, eines zu finden, das nach dem Hochzeitstag auch zu anderen Anlässen getragen werden kann. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Öko-Designer, die Roben aus hautfreundlichen und zertifizierten Stoffen wie Bio-Leinen, Hanf oder Pflanzenseide anbieten. Als Ökobraut sollte frau auch darauf achten, nur Naturkosmetik zu verwenden.

kreATive DekoiDeen Auch öko-faire Dekoration, die wiederverwertet werden kann, sieht originell aus. Das oberste Gebot lautet: So viel Müll wie möglich vermeiden. Statt Speisekarten kann man auch kleine Täfelchen aufstellen. Bienenwachskerzen und saisonale, regionale Topfpflanzen wie etwa Tulpen oder Gerbera statt Schnittblumen aus Holland punkten bei der umweltfreundlichen Hochzeitsdekoration. Die Topfpflanzen dürfen auch später von den Gästen mit nach Hause genommen und in den Garten gepflanzt werden. Sektkorken, Muscheln, Kastanien und andere Schätze lassen sich leicht beschriften und sehen auch als Platzschilder oder Tischdeko einmalig aus. Es gibt auch eine Alternative zu Papptellern. Mit etwas Geduld findet sich beim Durchstöbern eines SecondHand-Ladens passendes Geschirr, die sich mit etwas Geschick und Kreativität mit Hilfe von Porzellanfarben zu kleinen Kunstwerken gestalten lässt. Und bitte: Hände weg von Wegwerf-Servietten.


Die Seele baumeln lassen am Weissensee in Kärnten

Direkt am glasklaren Weissensee in Kärnten, in einem Alpental auf 930 m Seehöhe, liegt das ****s Bio-Vitalhotel Weissenseerhof. Es erwarten Sie eine einzigartige Natur, Zimmer und Suiten zum Wohlfühlen sowie ein Gourmet-Restaurant, das Sie mit regionalen Spezialitäten verwöhnt. Am Tag die malerische Landschaft des Weissensees erkunden. In unserem Wellnessbereich oder bei einem entspannenden Treatment wieder neue Energie tanken. Abends die Ruhe und das Beisammensein genießen und sich kulinarisch verwöhnen lassen.

grüne geSchenke Auch bei Hochzeitsgeschenken lautet das Motto »think green«. Entweder lässt man sie gleich ganz ausfallen oder gibt ressourcenschonende Geschenktipps, die das Brautpaar auch wirklich benötigt. Die Gäste könnten stattdessen aber auch an eine wohltätige Organisation spenden oder eine Patenschaft übernehmen. Bei den Gastgeschenken sollte auf Cellophan verzichtet werden. Kleine Topfblumen, die die Gäste später im Garten einpflanzen können, sind ein tolles Give-away, das noch lange in Erinnerung bleibt.

Sterne Award 2012

5 Übernachtungen inkl. Bio-Genuss Halbpension in der gewünschten Zimmerkategorie • 1 x geführte Wandertour mit unserem Vital Coach mit gemütlicher Hütteneinkehr zur Alm „Hinterm Brunn“ • 1 x klassische Massage pro Person á 50 Min. • 1 x vitales Bio-Überraschungsmenü in 5 Gängen inkl. Weinbegleitung • Bootsfahrt mit unseren hauseigenen Romantik E-Booten • Fitnesscoaching mit unserem Fitnesscoach Max • Freie Benützung der Wellness- & Fitnesseinrichtungen Package „Die Seele baumeln lassen“ (Preis pro Person im DZ exkl. Ortstaxe)

bio-eSSen unD bio-Wein Für das Menü greift man am besten auf lokale Produkte zurück – mit den örtlichen Bio-Bauern lässt sich dabei sicher ein guter Deal aushandeln. Oder man wählt einen Bio-Caterer. Es muss auch nicht immer Fleisch auf der Menükarte stehen; alternative vegane oder vegetarische Gerichte schmecken dem Vorurteil zum Trotz genauso gut und tun der Umwelt einen Gefallen. Wer das übrig gebliebene Essen nicht wegwerfen möchte, sollte seine Gäste dazu animieren, die Tupperboxen einzupacken oder die Speisen an karitative Einrichtungen spenden.

ab € 522,–


Biorama Nº. 18

nachhaltig heiraten: interview

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interview

Karin Pointner

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Green Bride Guide

Geschäft mit der Liebe »The Green Bride Guide« heißt ein Ratgeber für umweltbewusste Fast-Ehepaare. Autorin Kate L. Harrison im Interview über OnlineEinladungen, saisonale Blumen und das ressourcensparende Ja-Wort. biorama : Wieso ist umweltfreundliches Heiraten ihrer Meinung nach so angesagt? kate l. harrison: Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Bewusstsein für ökologische Anliegen ist durch die sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums gestiegen. Außerdem lässt sich durch »going green« wirklich Geld sparen, und das ist den Menschen momentan sehr wichtig. Wir sehen zurzeit in Mexiko, Europa und Süd­ afrika wirklich großes Interesse für unsere »Green Wedding Planning«Ausbildung für Hochzeitsplaner. Bei der umweltbewussten Hochzeitsplanung sind viele Dinge zu beachten: die Einladungen, das Essen, die Dekoration, das Make-up, die Verwendung von Glas- statt Plastikflaschen, die Wahl der Hochzeitsreise … Das klingt nach sehr viel Arbeit! Hochzeitsplanung kann immer eine gewaltige Herausforderung sein. Wir haben den Anspruch, unsere Plattform so einfach und übersichtlich wie möglich zu gestalten. Man sollte sich keine Sorgen machen, dass die Hochzeit nicht grün genug wird. Wenn jedes Paar, das heiratet, nur eine einzige umweltbewusste Entscheidung trifft, haben wir schon viel erreicht. Wie kann man durch eine umweltbewusste Hochzeit Geld sparen und Ressourcen schonen? Traditionelle Papierherstellung ist enorm ressourcenaufwendig und benötigt viele Chemikalien.

Recycling-, holzfreies und Altpapier sowie Online-Einladungen sind elegante Möglichkeiten Ressourcen zu sparen. Blumenarrangements mit saisonalen Blumen sind meist viel billiger als importierte exotische Blumen. Außerdem hilft ein regionales Menü, den CO2-Fußabdruck deutlich zu verringern.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es ein wichtiger Aspekt einer umweltbewussten Hochzeit ist, über eigene Werte und Einstellungen nachzudenken. Manchmal geht in der Hektik die wahre Bedeutung der Hochzeit verloren. Es geht doch letztendlich darum, seine Liebe mit jemandem zu teilen, der gleiche Werte vertritt. Eine grüne Hochzeit ist eine Möglichkeit, diese Werte nach außen zu tragen. Es gibt viele Paare, die ihre Hochzeit nicht als »grün« bezeichnen würden. Manchen geht es darum, Geld zu sparen, indem sie gebrauchte Artikel kaufen, manche

entscheiden sich für eine umweltfreundliche Hochzeit, weil es einfach ihrem Stil entspricht. Sie kaufen dann zum Beispiel ein Secondhand-Brautkleid aus einem lokalen Shop und verkaufen es nach der Hochzeit wieder. Jede Entscheidung macht einen Unterschied! Was hat ein Paar von einer ökologisch nachhaltigen Trauung – außer einem grünen Gewissen? Reduzierte Kosten, Gesundheit – biologisches Essen ist besser für den Körper und fair gehandelte Blumen weniger oder kaum mit Pestiziden behandelt – und die Sicherheit, die regionale Wirtschaft und umweltbewusste Unternehmen zu unterstützen. Neben sozialen und ökologischen Gründen für grünes Heiraten verweisen sie auch auf ökonomische Faktoren und empfehlen, umweltbewusste Unternehmen statt die große Hochzeitsindustrie zu unterstützen. Wie sehr sind ihr Ratgeber, die OnlinePlattform und die Kurse für Hochzeitsplaner bereits ein profitables Geschäft geworden? Seitdem wir mit der Internetseite vor drei Jahren online gegangen sind, können wir einen enormen Zuwachs verzeichnen. Unsere Datenbank beinhaltet ca. 1.500 umweltbewusste Lieferanten und jährlich besuchen mehr als 200.000 Paare unsere Seite. Momentan bereiten wir den Start unseres Webshops vor. www.greenbrideguide.com


EWAN MCGREGOR EMILY BLUNT KRISTIN SCOTT THOMAS

LACHS FISCHEN JEMEN IM

AB 17. MAI IM KINO


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nachhaltig heiraten: diy

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neues, altes chtes und gebrau

eren der Für die einen ist es Müll, für die and Stoff, aus dem Hochzeitsträume sind: Materialen zum Basteln, Kleben und Wiederver werten.


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Überraschungs-Rolle Material: Klopapierrollen / Altpapier, altes Geschenkpapier, Tapetenreste, etc. / Weißleim / Pinsel / Schere / optional: Schleife oder Bastband Schritt 1: Das Papier zusammenknüllen, um die gebrauchte Optik hervorzuheben. Schritt 2: Papier auseinanderfalten, die Klopapierrolle auf das Papier legen und ein passendes Stück Papier (genaue Breite der Rolle, jedoch etwas länger) ausschneiden. Schritt 3: Die Klopapierrolle mit Leim bestreichen und mit dem ausgeschnittenen Papier umwickeln. Schritt 4: Papierende mit Leim bestreichen und fest andrücken. Schritt 5: Auf beiden Seiten die Rolle etwas unterhalb der Hälfte eindrücken, um die Öffnungen zu schließen. Eine Lasche, die untere, ist somit etwas kleiner als die obere Lasche. Schritt 6: Mit einer Schleife oder geklebten Kreisen aus anderen Papierresten verzieren.

Kork-Platzhalter Material: alte Flaschenkorken / kleine Säge / Recycling-Karton / Schere / Stift Schritt 1: Den Korken in der Mitte auseinandersägen, damit die Hälften besser stehen. Schritt 2: Eine Korkhälfte am oberen Rand einsägen – aber Achtung: nicht durchsägen! Schritt 3: Aus dem Karton kleine Kärtchen (um zirka drei Zentimeter breiter als der Korken) ausschneiden und beschriften. Schritt 4: Kärtchen in den Korken stecken. Fertig.

Knopf-Boutonnière Material: alte Knöpfe in verschiedenen Größen und Farben / dünner Draht / eine Sicherheitsnadel Schritt 1: Die Knöpfe – beginnend mit dem kleinsten – nacheinander anordnen und den Draht durch die Knopflöcher ziehen. Schritt 2: Zirka drei bis fünf verschiedene Knöpfe zu einem Mini-Arrangement fädeln und anschließend den Draht auf der Unterseite zusammendrehen. Schritt 3: Drei verschiedene Blumenstiele formen, zusammen arrangieren und anschließend die drei Stiele mit dem Draht umwickeln. Schritt 4: Die Sicherheitsnadel auf der Hinterseite der Boutonnière befestigen.

Strumpfhosen-Anstecker Material: alte Strumpfhosen in verschiedenen Farben / etwas dickerer Basteldraht oder Kupferdraht / Drahtschneider / selbstklebendes Kreppband / Blätter Schritt 1: Zirka 15 cm Draht abschneiden, zu einer Rundung formen und in der Mitte zusammendrehen. Schritt 2: Das ist das Grundgerüst für die Blütenblätter. Für eine Blume mindestens drei Blütenblätter in ungefähr der gleichen Größe formen. Schritt 3: Aus der Strumpfhose ein zirka 10 × 10 cm großes Stück Stoff ausschneiden. Schritt 4: Den Stoff um das Drahtgerüst wickeln und am unteren Ende zusammenraffen. Schritt 5: Stoff mit Draht umwickelt und befestigen, anschließend mit Kreppband umwickeln. Schritt 6: Die drei fertigen Blütenblätter arrangieren und zurechtbiegen, die Stiele mit Draht und Kreppband umwickeln.


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faires gold

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Nicht alles, was glänzt… … ist gut. Fair gehandelte Nahrungsmittel oder Baumwolle kennt man, Nachhaltigkeit im Abbau und Handel von Edelmetallen und Edelsteinen weniger. Aber es gibt Menschen, die sich für ecofaire Alternativen und Recyclingkonzepte im Schmuckbereich einsetzen.

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Karin Pointner

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Jan Spille SchmuckAtelier


W

ie fühlt es sich an, auf über 3.500 Höhenmetern schwere körperliche Arbeit zu leisten? Wie ist es, bei Hitze und staubiger, trockener Luft Gold zu waschen? Der Hamburger Goldschmied Jan Spille wollte selbst erfahren, welch enorme Kraftanstrengung es ist, Gold zu gewinnen. Dafür reiste er für mehrere Wochen nach Lateinamerika, um mit jenen Menschen zu sprechen, die die Materialien produzieren, mit denen er tagtäglich in seinem Atelier Schmuck fertigt. »Ich empfinde große Wertschätzung für die harte Arbeit der Minenarbeiter. Umso mehr verstehe ich jetzt den hohen Goldpreis«, so das Resümee seiner Reise. Jan Spille hat sich seit sechs Jahren der Fertigung von ecofairen Eheringen verschrieben. Dafür verwendet er »Oro Verde« oder »Grünes Gold«. Darunter versteht man nachhaltig geschürftes und verarbeitetes Gold. Auch »Recycling-Gold«, also neu gefertigter Schmuck aus Altgold, fällt in diese Kategorie. »Das recycelte Material weist keinerlei Qualitätsverlust auf, durch die Wiederaufbereitung müssen keine neuen Rohstoffe abgebaut werden und somit bleiben natürliche Ressourcen unangetastet. Außerdem ist es ein schöner Kreislauf, wenn der Schmuck früherer Generationen zu neuen Eheringen verarbeitet wird«, so Spille. Ecofaires Gold stammt aus Bergbaukooperativen, die das Gold selbstbestimmt, umweltschonend und unter sozial gerechten Bedingungen gewinnen. Schmuckhersteller wie Spille zahlen den Kooperativen einen Preis, der über dem Weltmarktpreis liegt, der Zuschlag wird in soziale Projekte und Umweltschutzmaßnahmen investiert.

Nachhaltige Konzepte der Schmuckherstellung Spätestens seit dem Politthriller »Blood Diamond« mit Hollywood-Beau Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle und Berichten über chemische Abfälle und die schlechten Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter beim konventionellen Bergbau, ist das Thema Ökofairness beim Schmuckkauf näher ins öffentliche Interesse gerückt. Anteil daran hat unter anderem die Interessensgemeinschaft Fair Trade in Gems and Jewellery, eine Gruppe von Bergingenieuren, Geologen, Edelsteinkundigen und Goldschmieden, die den fairen Handel mit Edelmetallen und Edelsteinen forciert. Auch der Münsterianer Geologe Thomas Siepelmeyer unterstützt den ökofairen Aspekt bei der Schmuckherstellung mit seiner Expertise. Er reist regelmäßig nach Südamerika, um sich vor Ort ein Bild von der Gewinnung der Rohstoffe zu machen und Goldschmieden das Gold der Kooperativen anzubieten. So können diese zu 100 Prozent garantieren, dass ihr Schmuck nicht nur handwerklich hochqualitativ, sondern auch ecofair, also ökologisch nachhaltig und nach den Prinzipien des fairen Handels gefertigt wird. Auch beim Kauf von Edelsteinen können Kunden darauf

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achten, ob die edlen Steine fair gehandelt wurden. Im Gegensatz zu den Edelmetallen gibt es hier jedoch noch keine genauen Zertifizierungs-Richtlinien. Ein Unternehmen, das schon seit Jahren faire Edelsteine vertreibt, ist Brazil Gems. Inhaberin Jutta Werling-Durejka setzt sich für Kleinbergbaubetriebe in Brasilien ein. Die mit ihr befreundete Minenbetreiberfamilie betreibt ihre Mine und Schleiferei nach garantiert einwandfreien und streng kontrollierten ökologischen und sozialverträglichen Richtlinien. Noch sind fair gehandelte, chemisch nicht nachbehandelte Edelsteine eine Rarität, und die Community, die sich damit beschäftigt, ist überschaubar.

Fairgoldete Schmuckstücke Weltweit gibt es nur wenige Regionen, in denen Gold ohne den Einsatz von Zyanid und Quecksilber gewonnen wird. Mit der Ausweitung des industriellen Bergbaus verschärfen sich durch die Umweltbelastungen sowohl die ökologischen als auch sozialen Bedingungen. Doch kaum jemand denkt an Zwangsumsiedelungen, Grubenunglücke und Arbeitsrechtverletzungen, wenn man sich einen Ring an den Finger steckt. Dass giftige Chemikalien nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Schürfer schädigen und Kleinbergbau ein weltweites Verschmutzungsproblem ist, ist wenigen bewusst. Um zu zeigen, dass es auch im Schmuckbereich ökofaire Alternativen gibt, haben die beiden Goldschmiede Jan Spille und Thomas Becker die Wanderausstellung »Ethical Gold« konzipiert. Denn nur fair gehandeltes Gold garantiert, dass den Arbeitern faire Preise gezahlt werden und die Gewinnung umweltschonend durchgeführt wird. Ein Beispiel dafür ist neben der Kooperaitve Eco Andia in Argentinien die kolumbianische Genossenschaft Oro Verde. Sehen wir das Fairtrade-Siegel also schon bald auf Goldbarren kleben? Derzeit fehlt es international noch an den entsprechenden Mengen Gold, das diesen hohen Standards gerecht wird. Mariska Pryzklenk, Produktmanagerin bei Fairtrade Deutschland, kündigt die Einführung des Fairtrade and Fairmined-Siegels für Gold in Deutschland für 2013 an. Bereits jetzt haben die Fairtrade Labelling Organisation (flo) und die Alliance for Responsible Mining (arm) Standards entwickelt, um gegen Armut im handwerklichen und kleingewerblichen Bergbau vorzugehen. www.brazilgems.de


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faires gold: interview

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interview

Karin Pointner

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Thomas Becker Atelier für Schmuck

»GroSS träumen, global denken« Für Thomas Becker, Goldschmiedemeister in Hamburg, mündet die ethische und ästhetische Grundidee von Schmuck konsequent in der Verwendung von umweltverträglich gewonnenen und fair gehandelten, ecofairen Edelmetallen und Edelsteinen.

Da die Herkunftsländer der Rohstoffe oft Entwicklungsländer sind, muss uns klar sein, dass unser Handeln hier ansetzen muss. Thomas Becker

biorama: Bei den Materialien, die Sie im Atelier verwenden, achten Sie sowohl auf die ökologische Gewinnung als auch den fairen Handel. Ist es schwierig, diese beiden Kriterien zu erfüllen? thomas becker: Die Schwierigkeit ist der Engpass bei den Liefermöglichkeiten, da es nur wenige Kooperativen gibt, die als Fairtrade-Projekte zertifiziert sind. Bei den Edelsteinen gibt es noch keine offizielle Zertifizierung, hier sind persönliche Geschäftsbeziehungen wichtig. Wie nähern Sie sich dem Ziel, Ihren Schmuck zu 100 Prozent aus ecofairen bzw. recycelten Materialien herzustellen? Wir steigern den Anteil jährlich. Das ist nur möglich, weil wir den Handel mit den Fairtrade-Kooperativen ausbauen und viele Ersatzteile, wie z.B. Kettenverschlüsse, zunehmend hausintern produzieren und damit unabhängiger von industriellen Herstellern werden. Ihr Motto ist: »Groß träumen und global denken«. Mir hat es geholfen, mich zu fragen, was mir persönlich wichtig ist und welche Ideale ich verwirklichen möchte. Groß träumen ist dabei die Quelle meiner Energie. Das globale Denken fällt nicht schwer, wenn man sich bewusst macht, woher man als Goldschmied seine Materialien bezieht. Auch als »kleiner« Selbstständiger bin ich global vernetzt. Da die Herkunftsländer der Rohstoffe oft Entwicklungsländer sind, muss uns klar sein, dass unser Handeln hier ansetzen muss. Wie kann man als Konsument zu mehr Nachhaltigkeit im Schmuckbereich beitragen? Vorhandene, nicht genutzte Gegenstände recyceln, den Schmuck bewusst auswählen, nachfragen, woher die Materialien stammen und wie sie gehandelt wurden und andere darüber informieren.


Emil – die Flasche®: Ein Herz aus Glas ist seine Stärke Kein Verpackungsmüll! Schon 1990 hatte man bei Familie Weiß die Nase voll vom allgemeinen Verpackungsmüll. Deswegen erfand Agnes Ziegleder-Weiß Emil – die Flasche®, die wiederverwendbare, transportsichere Pausenflasche aus Glas, damit ihre Tochter Magdalena in der Schule weder PET- oder Aluminium-Flaschen noch Dosen benutzen musste. Tochter Magdalena arbeitet heute in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens mit. Das Herz aus Glas Nur Glasflaschen erhalten die Energie, den Geschmack und die Reinheit eines Getränks in vollem Umfang. Deswegen ist das Herz von Emil® eine immer wieder befüllbare Glasflasche, sicher „verpackt“ in einem schützenden und zierenden BottleSuit© aus Thermobecher und Textilhülle (Bio-Baumwolle oder Öko-Tex 100). Emil® gibt es in drei Größen (300ml, 400ml und 600ml) sowie als Säuglingsflasche. Tolle Designs Emil® hat nicht nur einen hohen Nutzwert, sondern sieht auch noch gut aus! Die Außenhülle gibt es in über 30 Designs für alle Gelegenheiten und alle Altersstufen.

Absolut dicht und wärmeisolierend Emil®-Flaschen haben einen Schraubverschluss — nur der ist auch bei Getränken mit Kohlensäure absolut dicht. Als Zubehör ist ein Trink-Cap zum Aufziehen erhältlich, wie ihn Kinder und Sportler gerne mögen. Der Thermobecher zwischen Bezug und Flasche schützt nicht nur vor Stößen, sondern hält auch den Inhalt länger kalt - oder warm: Emil® kann problemlos bis 60°C befüllt werden.

Für Kinder Wachtmeister Design: Rosina

lle Aus Bio-Baumwo

Service-Tel.: +49 85 74 91 044 (8-13 Uhr) Online-Shop und Händlerverzeichnis: www.emil-die-flasche.at


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eco honeymoon

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Mirjam Bromundt

illustration

Nana Mandl

Ausspannen, Ausbrechen oder Austoben – Hochzeitsreisen müssen nicht immer weiße Strände und Himmelbett bedeuten. Hauptsache, mit kleinem ökologischen Fußabdruck und als Paar die neue Zweisamkeit genießen.

MiT SchWung AufS rAD

AlleS Auf Schiene

Fahrrad gecheckt, Rucksack gepackt und schon geht es los mit dem Urlaub – direkt ab der Haustür. Raus aus der Stadt ins umliegende Grün, ohne CO2-Ausstoß und mit einem Plus für die Gesundheit. Übernachtet wird in Biohotels mit Wellnessbereich oder romantischen Gutshöfen mit uriger Atmosphäre, gegessen im kleinen Familienbetrieb mit eigenem Garten und zwischendurch auch mal ein Wein verkostet, der nach biologischdynamischen Prinzipien angebaut wurde. Und wer auf Wasser nicht verzichten kann, der sucht sich als Ziel einen der zahlreichen Seen, die sich perfekt für eine Umrundung anbieten und die man zum Beispiel auch per Bahn anfahren kann.

Wer sich nicht so gern bewegt, wird diese Variante schon lieber mögen. Mit dem Zug ganz bequem zum gewünschten Urlaubsziel im europäischen Umland – und für die Hochzeitsreise kann man sich auch mal die Erste Klasse gönnen. Zum Beispiel nach Hamburg, Zagreb, Paris oder in die Toskana, wo man sich je nach Jahreszeit und Präferenz den perfekten Urlaub zusammenstellen kann. Auch als Alternative zum Roadtrip kann die Bahn herhalten. Durch Europa mit Interrail, durch Nordspanien mit dem Transcantábrico, durch Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn oder durch Südafrika mit Rovos Rail. Dafür muss allerdings schon ein Flugticket her, das – muss es denn unbedingt sein – zumindest per CO2-Ausgleich kompensiert werden sollte.

— www.biohotels.info — www.oekohotel.ch — www.bio.de — www.fahrradreisen.de

— www.vertraeglich-reisen.de — www.interrailnet.com — www.rovos.com — www.atmosfair.de


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in AkTion

bAlkonien Ahoi

oDer Doch iDylle pur

Manche mögen’s auch in den Flitterwochen lieber abenteuerlich. Anbieter wie Realgap oder Wwoof laden zur Entwicklungsarbeit bzw. Mithilfe auf Bio-Farmen auf der ganzen Welt ein. Die Anreise ist zwar weniger ökologisch, die Arbeit vor Ort unterstützt aber nachhaltig wichtige Projekte, vom Hausbau in Guatemala bis zum Wassermelonen-Ernten in Taiwan. Mehr Action gibt’s auch bei sportlicher Betätigung: Wem das Radfahren zu langweilig ist, der kann sich zum Beispiel mit einer einwöchigen Kanufahrt auf der Moldau mit Übernachtung im Zelt versuchen oder beim Segeltrip mit einem Plattbodenschiff im holländischen Wattenmeer.

Manche finden’s zu Hause einfach immer noch am schönsten. Für die Kinder (falls vorhanden) ist kurzerhand Oma-Opa-Urlaub angesagt und ein Reiseführer sorgt für neue Ideen in der Stadt, in der man sonst die üblichen Trampelpfade nur selten verlässt. Ein, zwei Wochen mit leckerem Biobrunch außer Haus, mit Stadtführungen zu Plätzen und Themen, die man noch nicht kannte, mit Ausflügen zu Märkten, die man schon lange hinausgeschoben hatte und romantischen Sonnenuntergängen, für die bisher nie die Zeit gereicht hat. Entspannende Massagen, kleine Wanderungen, Kino- oder Museumsbesuche – manchmal liegt das Besondere gar nicht so weit weg.

Muss es wirklich Sandstrand und türkisblaues Wasser sein, dann nicht mit jedem x-beliebigen Pauschalreiseanbieter. Seiten wie Sandals oder Beaches bieten klassischen Traumurlaub mit FlitterwochenSpecials, sind immerhin Green Globe 21 zertifiziert und setzen immer wieder Schritte in Richtung ökologischeren Urlaub. Bei Elevate Destinations stehen unter dem Vorzeichen des umweltschonenden und nachhaltigen Tourismus etwas ausgefallenere Reisen rund um den Globus auf dem Programm – ebenfalls mit Specials für Honeymooner. Auch bei diesen Flugreisen bietet sich zum Beispiel auf Atmosfair ein CO2-Ausgleich an.

— www.realgap.de — www.wwoof.org

— www.sandals.com — www.beaches.com — www.atmosfair.de — elevatedestinations.com


Biorama Nº. 18

mode: let’s pretend we’re married

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Matthias Hombauer

make-up und stYlinG

Sabine Burggraf Barbara Hutter

produktion

Sebastian Rahs Johanna Stögmüller

lisi:

Kleid von Pia Mia Anzug von Jux, Hemd von Cotton Apparel, Fliege vom Flohmarkt emma: Model’s own ralph:

Vielen Dank an: Green Ground www.greenground.at — Pia Mia www.piamia.at — Mietmöbel Föhr GesmbH www.foehr.at


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Biorama Nº. 18

mode: let’s pretend we’re married

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lisi: Kleid

von Pia Mia

ralph:

Anzug von Jux, Hemd von Cotton Apparel


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marjana: Kleid

und Oberteil von GĂśttin des GlĂźcks

andreas: Anzug

von Jux, Hemd von Cotton Apparel


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Green Festivals

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Sarah Krobath

BILD

Sig Ganhoer

Es rockt im grünen Bereich In der Festivalsaison 2012 steht verstärkt Umweltbewusstsein und Naturschutz auf dem Programm.

Wie groß die Umweltbelastung eines Festivals tatsächlich ist und wie sie sich reduzieren lässt, verrät Jacob Bilabel, Gründer der Green Music Initiative. biorama: Jeder von uns kennt die Bierdosen-Berge am Campingplatz, aber wie kann man sich die CO2Bilanz eines Festivals genau vorstellen? jacob bilabel: Eine gute Frage. Ein Festival hat den CO2-Fußabdruck einer Kleinstadt. Das liegt daran, dass erstmal alles – also Bühne, Essen, Toiletten und Strom – auf die grüne Wiese geschafft werden muss, ein sehr aufwendiges Unterfangen. Auf der anderen Seite hat ein Festival auch einen starken Social-Impact: Die Menschen erleben etwas, das großen Nutzen für ihr Leben hat. Und das ist auch der Grundsatz unserer Initiative. Wir haben uns gefragt, warum man beim Klimawandel immer zuerst an die vielen Dinge denkt, die man nicht mehr darf – auf Dauer ist das recht frustrierend. Stattdessen müssen wir ein großes gesellschaftliches Experiment mit alternativer Energieerzeugung starten. Ein Festival ist so ein dreitägiges soziales Experiment mit Musik, Licht, Ton, Drogen, Liebe und Sex. Nirgendwo sonst kriegt man derart komprimiert gesellschaftliche Prozesse vor Augen geführt. Und wovon hängt bei diesem Experiment der erfolgreiche Wandel von einem Festival zu einem »Green Event« ab?

Dafür gibt es viele Einflussfaktoren. Der größte Hebel ist aber sicher die Mobilität der Fans. Wenn 30.000 Leute und 120 Künstler hin- und zurückfahren, machen die Emissionen einen großen Teil aus. Mit smarten und innovativen Ansätzen – etwa einem Hotelzug oder Mitfahrgelegenheiten, sodass man ohne Auto anreisen kann, einem guten Angebot und einem Zeltverleih vor Ort, damit man weniger Gepäck benötigt – kann man Emissionen sparen. Der zweite große Hebel ist die Frage »Woher bekommt man die Energie?«. Die Solaranlage beim Melt! (Anm.: Musikfestival in Deutschland) produziert doppelt soviel Energie wie benötigt wird, beim Glastonbury (Anm.: Festival of Contemporary Performing Arts in England) erledigen das die Windräder. Wichtig ist herauszufinden, wie man es schafft, die vor Ort produzierte Energie zu speichern. Letztes Jahr gab es am Melt! zum Beispiel eine Bühne für 400 Leute, die von Fahrrädern bepowert wurde. Mittlerweile kann man auch eine Bühne für 1.500 Leute ohne Strom betreiben. Es geht alles Schritt für Schritt. Dann gibt es noch das Müllthema rund um Flaschen, Becher und so weiter. Wenn in Wacken (Anm.: Heavy


Eine

Einladung

zur kulinarischen

Weltreise Da wächst die Freude.

d.signwerk.com

Metal-Festival in Deutschland) 60.000 Metalfreaks wieder abreisen, bleiben jedes Jahr 15.000 Zelte liegen. Um das zu ändern, werden wir 2012 erstmals Wappen für verschiedene Festivals entwickeln, die man sich vor Ort auf sein Zelt sprayen kann. So wie man auf einem Wanderstock Abzeichen von seinen Wanderungen sammelt, sollen Besucher die Wappen auf ihren Zelten sammeln. An ökologischen Möglichkeiten mangelt es ja scheinbar nicht. Welche Rolle spielen finanzielle Mittel dabei? Alle Veranstalter, die mit uns zusammengearbeitet haben – wofür wir auch bezahlt wurden – haben mit ihren neu angelegten Festivals Geld gespart. Eine Bühne mit led hat zwar einen höheren Mietpreis, benötigt dafür aber weniger Strom, was wiederum Kosten spart. Ein anderes Beispiel: Wenn man angenommen 75 Tonnen Müll produziert und 140 Euro pro Tonne für die Abholung bezahlt, ist das teurer, als wenn man 20 Prozent weniger Müll verursacht – was in der Umsetzung wiederum gar nichts kostet. Lassen sich Wertstoffe aussortieren, bekommt man sogar Geld dafür, dass jemand den Müll zum Recyceln abholen darf. Was die Mobilität angeht, sind Menschen mit Autos das größte Problem. Man muss Parkplätze anmieten, diese bewachen und koordinieren. Vier Leute im Auto sind also mehr Arbeit als 40 in einem Bus. Das Geld das man hier spart, kann man dann woanders verwenden. Ein grünes Festival sieht gleich aus wie jedes ande re, hat aber eine bessere Rendite. Nur für die Umwelt macht das ja auch keiner – jeder erhofft sich einen ökonomischen Nutzen neben einem ökologischen Vorteil. Dazu kommt, dass ein ökologisches Image gerade angesagt ist. Woran erkennt man, ob es sich um ehrliches Engagement oder fadenscheiniges Greenwashing handelt? Dazu muss man den Begriff »Greenwashing« einmal definieren: Jemand verhält sich scheinbar ökologisch, um daraus Profit zu schlagen. Aber keiner verkauft mehr Tickets nur durch Mülltrennung. Wenn eine Band ein langweiliges Album mit Solarstrom aufnimmt, verkauft es sich dadurch auch nicht besser. Man kann ein schlechtes Produkt durch »grün« nicht besser machen, ein sehr gutes wie z.B. das Roskilde (Anm.: Musikfestival in Dänemark) allerdings besser. Festivals mit nachhaltigem Anspruch werden dadurch attraktiver, interessanter und relevanter. Apropos Image: Rockbands verbindet man mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Spielen die Künstler beim Umweltschutz mit und reisen statt per Privatjet auch mal mit der Bahn an? Es wird immer Sex, Drugs und Rock’n’Roll sein. Aber ein Festival kann auch grün mit ebensoviel, wenn nicht sogar noch mehr davon sein, wenn wir manches anders machen. Keiner will bescheidene Künstler – die sollen genauso irrsinnig, verglühend und wahnwitzig sein wie immer. Klein-klein bringt uns nicht weiter. Die Künstler

Globetrottern wird das Herz höher schlagen! Sonnentor hat 10 neue, ganz besondere Gewürzmischungen zusammengestellt, mit denen man sich ferne Welten als Gaumenfreuden nach Hause holen kann – in der praktischen Streudose und in der Nachfüllpackung! Alle Sorten gibt es auch im Probierset „Würz dich um die Welt“. Erhältlich im gut sortierten BioFachhandel und auf www.sonnentor.com


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ENERGIE

▲ 1 Esslöffel Gula Java Leistungsgetränk (Matcha, Safran, Earl Grey, Rooibos und Kakao) in warmer oder kalter Milch, Wasser, im Getreidegetränk oder Fruchtsaft. In einem Glas, einer schönen Tasse oder in deiner Trinkflasche.

Gula Java Leistungsgetränke von Amanprana mit viel ORAC Das neue gesunde Sportgetränk für Topsportler Michael Phelps, 8-facher Olympiasieger im Schwimmen, trank während der Olympischen Spiele Kakao. Neue Forschungen bestätigen, dass man sich mit einem mageren Schokoladegetränk rascher von schweren körperlichen Anstrengungen erholt, und diese auch länger durchhält als mit Sportgetränken. Die James Madison-Universität folgerte, dass bei Fußballern, die magere Schokolademilch (Gula Java Cacao) trinken, weniger Muskelabbau auftritt als mit traditionellen Sportgetränken. Die Indiana-Universität veröffentlichte, dass Radrennfahrer mit magerer Schokolademilch (Gula Java Cacao) 50% länger fahren konnten und sich schneller erholten als mit Sportgetränken. Die Harrisonburg-Universität in Virginia fügte kohlenhydratreichen Sportgetränken etwas Eiweiß bei und entdeckte, dass sich die maximale Kraftanstrengung um nicht weniger als 29% bis 40% verlängerte. Gesunde Leistungsgetränke mit Gula Java sind 100% natürlich Gula Java Safran (1), Earl Grey (2), Rooibos (3), Cacao (4) und Matcha (5) entsprechen perfekt den Anforderungen für die neue Generation Sportgetränke. Verschiedene Kohlenhydrate (Zucker/Energie), einige Eiweiße (Aminosäuren) und genügend Elektrolyte (Mineralien). Amanprana jedoch stellt ein noch besseres Getränk zur Verfügung. Amanprana verwendet Gula Java, aus diesem Grund bieten diese Leistungsgetränke enorm viel gesunde Energie. Kein raffinierter Zucker und keine künstlichen Süßstoffe. Pure und gesunde Energie aus der Natur. Darüber hinaus enthalten alle Leistungsgetränke dieser Serie von Natur aus viele Antioxidantien. Sie haben

einen besonders hohen ORAC-Wert und sind damit die einzigen Leistungs-, Sport-, oder Energiegetränke weltweit, die während der Belastungen oder nach den Belastungen für ein starkes Immunsystem und einen Schutz vor äußeren Einflüssen sorgen. Die neuen gesunden Familiengetränke für bessere Leistungen Gula Java Leistungsgetränke (Matcha, Safran, Earl Grey, Rooibos und Kakao) sind lecker mit sowohl Milch, Wasser, Getreidegetränken oder Fruchtsäften. Warm, lauwarm oder kalt. Für Jung und Alt. Randvoll mit gesunder Energie. Bereits beim Frühstück ein guter Start, als energiereiche Zwischenmahlzeit, bei Erholung, Sport, Spielen, Studieren, Ausgehen und anderen Augenblicken, wenn du körperlich oder geistig eine Leistung bringen musst. Bei Burn-out oder Winterblues. Gula Java Leistungsgetränke laden deine Batterien gesund auf und lassen dich das Leben pur genießen. Die Kokosblüten stammen aus einem Fair-World-Projekt, das 850 Familien auf Java mit einem extra Einkommen unterstützt. ORAC und Antioxidantien Antioxidantien schützen vor Alterung. Sie halten die aggressiven freien Radikale in Schach. Die Menge der Antioxidantien, die ein Lebensmittel enthält, drücken wir mit dem ORAC-Wert pro 100 g aus. Frisches Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst erreichen die höchsten Werte. Die Toplieferanten sind einige Kräuter und essentielle Öle. Je weniger die Nahrung verarbeitet wird, desto höher ist der ORAC-Wert. Allgemein wird davon ausgegangen, dass wir täglich 3.000 bis 5.000 ORAC-Einheiten aufnehmen müssen, um unseren Körper vor freien Radikalen zu schützen.

ORAC 3040 ORAC 42 620 ORAC 17 740 ORAC 19 152 ORAC 35 460

GUTES GEFÜHL SUPER ANTIOXIDANT

OHNE KOFFEIN

AUSDAUER

KONZENTRATION °BE-BIO-02 EU/non-EU Agriculture

AMAN PRANA 1

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AUSGEGLICHENE LEBENSKRAFT

• Erhältlich im Reformhaus und Bioladen oder ins Haus geliefert von www.amanvida.de • Informationen: Tel. 00 32 3 653 25 41, www.noble-house.tk


haben allerdings einen großen Einfluss auf Produktionspraktiken und können bei der Planung ihrer nächsten Liveshow etwa auf ein Licht-Setup mit 40 Prozent led bestehen. seeed zum Beispiel treten nur noch in Hallen auf, in denen erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Als Künstler kann man das Angebot stimulieren. Das macht sich auch im Konkurrenzkampf der Venues bemerkbar: Viele Veranstalter machen z.B. Verträge mit Greenpeace Energy und holen sich so Künstler, die sie sonst niemals kriegen würden. Bands wie Coldplay, Jack Johnson oder die Sportfreunde Stiller finden Festivals, die sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen, sympathischer und relevanter. Und wie reagieren die feiergierigen Festivalbesucher auf die Aufforderung, sich am Gelände ökologisch zu verhalten? Wir fordern sie eben nicht dazu auf. Das Letzte, was man tun sollte, ist Besuchern etwas vorzuschreiben. Man kennt das ja vom Mülltrennen – am ersten Tag machen alle noch brav mit, aber spätestens am dritten Tag hat man Neandertaler, die über die Zeltplätze ziehen. Wenn man Dinge smarter macht und etwa auf einer Bühne besseres Licht und noch besseren Sound mit einem Drittel weniger Strom bekommt, braucht man keinen erhobenen Zeigefinger. Idealerweise merkt man als Festivalbesucher gar keinen Unterschied. Wenn du es schaffst, dass die Leute durchdrehen, es bei ihnen aber zugleich klick macht, dann erreichst du was. Wie kann man seinen eigenen CO2-Fußabdruck am Festivalgelände am einfachsten verkleinern? Der erste und wichtigste Schritt wäre wahrscheinlich, seinen Stromanbieter zuhause zu wechseln. Wir müssen einfach weg von fossilen Brennstoffen. Im Umfeld eines Festivals ist die Anreise der größte Hebel, also am besten Fahrgemeinschaften bilden. Ansonsten eine tolle Zeit haben, genau hinschauen und für sich mit nachhause nehmen, dass Klimaverträglichkeit nicht Verzicht heißt, sondern Spaß macht. Das, was man mitnimmt, ist das Wertvolle.

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HEY! HO! LET’S GO GREEN! — Diese Veranstaltungen hinterlassen dank nachhaltiger Lösungen keine bleibenden Schäden in der Umwelt, dafür aber bleibenden Eindruck bei den Besuchern.

Tomorrow-Festival: Die Zukunft feiern www.tomorrow-festival.at 25.–26. Mai, AKW Zwentendorf, Österreich Tickets: Ticketonline, Ö-Ticket, wienXtra Jugendinfo Das Tomorrow-Festival wird von der österreichischen UmweltschutzOrganisation GLOBAL 2000 zum Start des europäischen Atomausstieg-Volksbegehrens veranstaltet. Kostenlose ÖBB-Sondertickets bringen Besucher zum Gelände des nie in Betrieb genommenen AKW Zwentendorf, auf dem 50 nationale und internationale Künstler ihre Stimme gegen Atomkraft erheben. Die drei Bühnen sind mit LEDLeuchten ausgestattet und die Stromversorgung erfolgt aus einer Photovoltaikanlage in Kombination mit Dieselaggregaten.

Melt!: CO2-Reduktion mit SpaSSfaktor www.meltfestival.de 13.–15. Juli, Ferropolis, Deutschland Tickets: www.tixforgigs.com Die Veranstalter des Melt! haben zuammen mit der Green Music Initiative das Projekt »M!eco« ins Leben gerufen. Seitdem machen eine 3.000 m2 große Photovoltaikanlage, ein nachhaltiges Catering-Konzept und umweltfreundliche Anreiseoptionen wie eine Radtour von Hamburg zum Gelände das Festival klimaverträglicher. Auf dem Campingplatz wird eine Disko von Fahrrädern betrieben und im »Electric Hotel« kann man seinen Handy-Akku durch Strampeln aufladen.

Open-Air Ottensheim: Regional, sozial und nachhaltig

Green Music Initiative Die Plattform hat sich der Förderung einer klimaverträglichen Musik- und Entertainmentbranche verschrieben und erarbeit gemeinsam mit renommierten wissenschaftlichen Instituten, Stakeholdern und bekannten Künstlern Konzepte für eine Verminderung der CO2-Emissionen und Umweltwirkungen. Ihre Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem deutschen »Live Entertainment Award 2012«. www.greenmusicinitiative.de

www.openair.ottensheim.at 13.–14. Juli, Ottensheim, Österreich Tickets: Volksbanken, Ö-Ticket, lokale Vorverkaufsstellen Für das Abfalltrennsystem mit Kunststoff-, Altpapier-, Metall- und Restmüllcontainern unterstützt von einer eigenen Müllpatrouille wurde das Open-Air Ottensheim 2011 vom Klimabündnis Oberösterreich als »Event for Climate« ausgezeichnet. Bei Klima:aktiv ging es 2010 als Best-Practice-Beispiel im Bereich Mobilität hervor. In den letzten Jahren wurde mit dem Gewinn ein Festival in Vinac, Bosnien und Herzegowina, gefördert, dessen Erlös in den Wiederaufbau regionaler, sozialer Einrichtungen, die im Krieg zerstört wurden, fließt. Weitere grüne Festivals und ihre ökologischen Konzepte stellen wir auf www.biorama.at/greenfestivals vor.


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second-hand bikes

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Sebastian Rahs

Seb & Sig

re-cYcLe Gutes Rad ist teuer? Nicht unbedingt. Eine kleine Anleitung für den Gebrauchtfahrrad-Kauf.

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reihundert Euro. Das ist der Betrag, den die meisten Menschen in meinem näheren Umfeld für ein rein als Fortbewegungsmittel genutztes Alltagsfahrrad ausgeben würden. Ein Betrag, den man für einen vernünftigen Neukauf gut und gerne verdoppeln bis verdreifachen müsste. Und nein, da hilft auch das Umrechnen in alte Währungen nix. Die ehrliche und persönliche Empfehlung in diesem Preissegment muss daher unweigerlich immer auf den Gebrauchtkauf hinauslaufen.

WAS Suche ich? Ehrlich fährt am längsten. Verständlicherweise richtet man als unbedarfter Suchender gerne sein Hauptaugenmerk auf die Optik. Diese sollte jedoch ganz weit hinten gereiht werden, denn was neidische Blicke auf sich zieht, lockt auch unnötig Diebe an. Man will das Rad ja schließlich uneingeschränkt nutzen und somit auch jederzeit abstellen können, ohne es dabei ständig im Augenwinkel behalten zu müssen. Ein schnittiger Rennrad-Klassiker, das schicke Waffenrad oder ein ehemaliges Downhill-Weltcup-Gerät sind vielleicht schön anzusehen, als Commuter allerdings eher unbrauchbar. Eine vernünftige und günstige Ausgangsbasis bilden hierfür zum Beispiel die derzeit noch ungeliebten Mountain- und Trekkingbikes früherer Jahre, noch zur Gänze ohne Federelemente ausgestattet. Das hält die Wartungsintensität in Grenzen und spart obendrein noch an Gewicht. Überdurchschnittlich stabil ausgeführt trotzen sie jeder unachtsamen Abstell- und

Anlehn-Aktion, jeder unvorhersehbaren Gehsteigkante und wurden zumeist noch mit haltbaren Anbauteilen ausgestattet.

Wo Suchen? Der lokale Kleinanzeigen-Dschungel, dezidierte Fahrradflohmärkte auf öffentlichen Veranstaltungen oder der »Mistbasar« der örtlichen Müllabfuhr gelten als gutes Terrain für die Gebrauchtrad-Suche. InternetAuktionshäuser sind für unerfahrene Käufer weniger zu empfehlen, da eine Besichtigung in den meisten Fällen nicht möglich ist und ein etwaiger Versand das vielleicht günstig erscheinende Höchstgebot schnell einmal verdoppeln kann. Als beste Quelle gilt aber immer noch der eigene Bekannten- und Verwandtenkreis. Herumfragen hat schon so manchen feinen Scheunenfund ans Tageslicht geführt und das zumeist noch für mau.

unD Die DeTAilS? Um ein klein wenig mehr über das Modell zu erfahren, dienen Aufschriften auf dem Rahmen, Schaltungskomponenten, Bremsen und Felgen als Suchbegriffe für kurze Internet-Recherchen. Hierbei sind oft schon kleine zusätzliche Buchstabenkombinationen ausschlaggebend. Die Recherche sollte aber weniger auf ein ehemaliges Topmodell abzielen, sondern vielmehr darauf, No-Name-Produkte geringer Qualität ausschließen zu können. Je mehr über ein Fahrrad im Netz zu finden ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich kein Baumarkt-Rad einzutreten.


BILD: ANNA-SOPHIE BERGER

Fahrräder werden für gewöhnlich in viele verschiedene Rahmengrößen unterteilt. Um sich hier nicht schon im Vorhinein den Spaß am Fahren zu verderben, sollte man bei der Wahl keine Kompromisse eingehen. Anleitungen zur Ermittlung gibt es im weltweiten Netz unzählige, als besonders einfache und für gut befundene Variante sei hier Grant Petersons PBH-Messung empfohlen: www.rivbike.com

Die Besichtigung Um den Zustand eines Fahrrads vor Ort bestimmen zu können, muss man kein Mechatroniker sein. Oft reicht schon eine Probefahrt mit geschärften Sinnen und ein paar normal zur Drehachse durchgeführte Ruckeltests an allen rotierenden Teilen wie dem Lenklager, den Kurbeln und den Laufrädern. Hier gilt es abzuwägen: Eine rostige Kette sollte kein Ausschlussgrund sein, eine Laufrad mit starkem Seitenschlag schon.

Was darf es kosten? Eine ganz gut zutreffende Faustregel lautet, dass das Gebrauchtfahrrad in fahrbarem Zustand ein Drittel von dem Betrag kosten darf, den man schlussendlich auszugeben plant. Denn um das Ausgangsmaterial auf ein gutes Alltagsfahrrad hochzurüsten, bedarf es noch ein paar weiterer Schritte und Investitionen.

Der Aufbau Um das Projektrad alltags- und straßentauglich zu machen, sollte man schlichtweg seine Gewohnheiten bedenken. Würde ich in oder nach einem Regenguss fahren, sollten Schmutzfänger auf die Einkaufsliste. Trage ich für gewöhnlich eine Tasche bei mir oder plane ich auch Einkäufe mit dem Rad zu erledigen, ist ein Gepäckträger und ein Korb recht praktisch. Möchte ich auch in der Dämmerung oder nachts unterwegs sein, ist ein Beleuchtungsset unabdingbar. Auch auf das unverzichtbare Schloss sollte hier nicht vergessen werden. Beim Kauf über große Online-Shops wie bike-components.de kann man gegenüber dem Fachhandel viel Geld sparen, muss sich jedoch ganz ohne Beratung durch die Produktlisten quälen.

Hilfe von Experten Zu guter Letzt darf auf die Verschleißteile nicht vergessen werden. Oft sind Schläuche undicht, Mäntel porös, Bremsbacken abgeschliffen, Bowdenzüge zu erneuern und die Schaltung zu justieren. Wer seiner Einschätzungsgabe ab hier nicht mehr vertrauen möchte und bei der Montage Hilfe benötigt, wird am besten den Weg zum Fachhandel antreten. Dort angekommen, sollte man sich dann noch einen ordentlichen Sattel in der richtigen Breite empfehlen lassen und sein Taschengeld in Griffgummis in Lieblingsfarbe investieren. Das könnte auch die Haltung der Angestellten zu den selbst mitgebrachten Ersatzteilen positiv stimmen.

FASHION • DESIGN • FOOD MARKET FOR SUSTAINABLE PRODUCTS

13.–15.07.2012

mq museumsquartier, wien biorama.at / fairfair facebook.com / biorama


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Die Welt, die wir uns wünschen

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Die Tropicalisierung der Arbeitswelt Keine Anwesenheitspflicht, selbstbestimmte Gehälter, Organisation in Kleingruppen und beinahe keine Hierarchie. Was klingt wie die utopische Vision einer romantischen Wirtschaft, ist in einem Unternehmen in Brasilien tägliche Realität.

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ie Arbeitswelt ist ungesund: Druck, Stress, Depression und Burn-out nehmen drastisch zu. Psychische Erkrankungen sind inzwischen die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit. Die Flexibilitätsanforderungen erhöhen die Existenzangst und damit die Bereitschaft, schlechte und ungesunde Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Hinzu kommt: Immer weniger Arbeitnehmer müssen immer mehr Arbeit verrichten, und so bleibt schließlich jede Leidenschaft auf der Strecke. Aktuelle Untersuchungen zeigen aber auch, dass es für Unternehmen immer schwieriger wird, herausragende Mitarbeiter zu bekommen bzw. diese auch zu behalten. Geld, Macht und Status motivieren nicht nachhaltig. Die kreativsten Köpfe, die bestausgebildeten Digital Natives verlangen Entfaltungsfreiheit, wollen direkt nach ihrer Ausbildung Verantwortung übernehmen und möchten selbst etwas gestalten. Dies können traditionelle Unternehmen häufig nicht bieten. Zu hierarchisch, arbeitsteilig und starr sind ihre Strukturen. »Die Wirtschaftskrise, die wir derzeit haben, ist keine Markt-Krise, sondern eine Krise der Manager und Unternehmer«, konstatierte der deutsche Zukunftsforscher Gerd Gerken schon in Rezessionszeiten anno 1994.

Kontrolle ist eine Illusion Einige Jahre zuvor, mitten in einer der schwersten Krisen der brasilianischen Wirtschaft der 80er, übernahm der 21-jährige Ricardo Semler das fast bankrotte Maschinenbau-Unternehmen seines österreichstämmigen Vaters mit mehreren Hundert Mitarbeitern in São Paulo. Semler hatte sich bis dahin eher zum Rockmusiker als zum Manager berufen gefühlt. Seine radikale Unternehmensphilosophie: »Der Zweck der Arbeit ist

nicht, Geld zu verdienen. Der Sinn der Arbeit liegt darin, dass Mitarbeiter – gleich ob Aushilfe oder Topmanager – sich wohlfühlen in ihrem Leben.« Sein mutiges Management-Credo dazu: Vertrauen statt Kontrolle, Partizipation statt Hierarchien, Entbürokratisierung, Selbstverantwortung statt Regeln und Vorschriften. Mit der Macht des Alleineigentümers ausgestattet entließ er mehr als die Hälfte der Manager und reduzierte die Hierarchiestufen von zwölf auf drei. Heute wählen die inzwischen 3.000 Mitarbeiter von Semco ihre Vorgesetzten demokratisch, entscheiden selbst über Arbeitszeiten, Gehälter und Neueinstellungen. Eine Personalabteilung gibt es nicht und die Bilanzen und Löhne sind für alle Mitarbeiter transparent. Auch eine Aufteilung von Gewinnen findet regelmäßig statt – immerhin ist das Unternehmen längst hoch profitabel mit einer jährlichen Wachstumsrate von bis zu 40 Prozent. Fluktua­ tionsrate? Weniger als ein Prozent.

Strukturen, die viel zulassen Semco funktioniert laut Ricardo Semler, der auch mehrere Bücher über seine erfolgreiche Vision des Nicht-Management geschrieben hat, weil bedingungslos in Teams zusammengearbeitet wird, die hierarchisch gesehen flach in drei Kreisen vernetzt sind. Das Prinzip dahinter klingt einleuchtend: »Behandle deine Mitarbeitenden wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten du ihnen gibst, desto produktiver, zufriedener und innovativer werden sie.« Jede Unternehmenseinheit hat höchstens 150 Mitarbeiter. Wächst die Zelle darüber hinaus, wird sie wieder geteilt. Pro Einheit gibt es sechs bis zwölf Teams zu jeweils zwölf bis 20 Personen,


die selbstverant¬wortlich arbeiten. Ob von zu Hause, einem Cafe oder gar nicht gearbeitet wird, entscheidet jeder Mitarbeiter selbst. Es gibt keine Regeln und Richtlinien, keine fixen Büros oder Arbeitsplätze, keine Kleiderordnung, keine traditionellen Organigramme und Fünfjahrespläne, dafür viel Selbstorganisation und hohe Mitbestimmung. Als wesentliches Regulativ gelten bedingungslose Transparenz und Ergebnisorientierung in den Teams. Jeder bekommt das Gehalt, das er möchte, muss es aber vor den Kollegen rechtfertigen und selbst erwirtschaften. Jeder Mitarbeiter wird auch periodisch bewertet. Fällt eine solche Bewertung zweimal hintereinander schlecht aus, soll sich dieser freiwillig nach einer für ihn besser geeigneten Aufgabe im Betrieb umsehen. Dabei wird die Leistung nicht an den Arbeitszeiten bzw. der Dauer der Arbeit gemessen, sondern am Erfolg des Projekts. »Wenn man sich bei Semco im Büro umsieht, sind da immer jede Menge leere Plätze. Wo sind all diese Leute? Ich habe nicht die leiseste Idee und es interessiert mich auch nicht«, erklärt Semler. »Ich will nicht, dass meine Mitarbeiter der Firma eine bestimmte Anzahl an Stunden pro Tag geben. Wer braucht eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag? Wir brauchen Leute, die ein bestimmtes Ergebnis abliefern. Mit vier, acht oder zwölf Stunden im Büro, sonntags kommen und montags zu Hause bleiben – es ist bedeutungslos für mich.«

Begeisterung durch Beteiligung Um die Abhängigkeit von einem einzigen Marktsegment zu verringern, machte Semler nach und nach aus einem Metallbetrieb eine Holding mit mehreren Tochter-Unternehmen. Es begann mit einem kleinen Team von Ingenieuren, die vom Tagesgeschäft völlig losgelöst waren. Sie konnten sich frei im Unternehmen bewegen und sich ihre Arbeit selbst suchen. Die meiste Zeit waren sie damit beschäftigt, neue Produkte zu erfinden bzw. bestehende zu verbessern, Produktionsabläufe zu optimieren oder komplett neue strategische Geschäftsfelder zu entdecken. Heute ist Semco u.a. als High-Tech

Der Chef muss draußen bleiben: Ricardo Semler, Inhaber der Semco Holding, an seinem Arbeitsplatz in einem Cafe in São Paulo.

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Wolfgang Smejkal

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Semco

Behandle deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so.

Ricardo Semler

Venture, in der Kommunikationsbranche, dem FacilityManagement sowie der Finanz- und Umweltberatung tätig. Im Laufe der Zeit entstanden so selbstständige Entwicklungs- und Produktionseinheiten, die ohne zentrale Steuerung auf eigene Rechnung sowohl Aufträge für Semco als auch für Kooperationspartner ausführen. Sie arbeiten in den Gebäuden und mit den Anlagen von Semco, die sie vom Konzern leasen oder mieten. Damit war das selbstverantwortliche Unternehmen geboren: Der Großteil der Mitarbeiter arbeitet inzwischen mit Teilzeitverträgen oder zur Gänze als selbstständige Unternehmer. Eine Studie hat vor einigen Jahren festgestellt, dass die Mitarbeiter bei Semco eine gesündere Balance zwischen Privatleben und Beruf haben, sich mehr Zeit für Beziehungen, Kinder und Hobbys nehmen, aber gleichzeitig auch ungewöhnlich hohen Einsatz und bemerkenswerte Leistungen im Beruf zeigen – nicht trotz, sondern wegen der Freiheiten. Für Ricardo Semler ist das wenig verwunderlich: Menschen müssen sich eben entfalten können, um ihr Potenzial optimal einzubringen – seine Unternehmensphilosophie hat sich erfüllt. Damit das auch so bleibt, ist der 94-Prozent-Eigentümer nur mehr äußerst selten im Firmensitz anzutreffen. Und die in Heerscharen nach São Paulo pilgernden Manager aus aller Welt werden von ihm ob ihrer ständig geäußerten Zweifel, dass das alles bei ihnen zuhause nicht möglich sei, gerne mit folgendem Vergleich »tropicalisiert«: In Brasilien tickten die Uhren eben anders – die Führungskräfte bei Semco hätten sich selbst überflüssig gemacht. www.semco.com.br

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die grüne Stadt


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Mirjam Bromundt

Von Grau zu Grün… …durch Selbstorganisation und kluge Köpfe. Die Annehmlichkeiten einer pulsierenden Großstadt genießen und das mitten im Grünen. Nein, das ist nicht Utopia, sondern das Konzept einer grünen Stadt, wird es mit all seinen Facetten zu Ende gedacht.

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ie Aufteilung in die zwei gegensätzlichen Pole Natur und Stadt ist nicht länger gültig«, schreibt Alija Dürrenberger in ihrer für den Kölner Designpreis 2011 nominierten Diplomarbeit »Stadtnatur«, und sieht man sich ihre Gedanken genauer an, ist die eigene Stadt beim nächsten Spaziergang nicht mehr dieselbe. Überall entdeckt man Grün, das sich in ihre Kategorien einordnen lässt: Dort ein Büschel Löwenzahn am Randstein für die Anarchie, von der U-Bahn aus ein kleines Beet am Straßenrand für die Kultur, säuberlich zugeschnittene Buchsbäume im Museumspark für die Transformation und jenes neu gebaute Haus, dessen Fassade als Arte­ fakt natürlichen Strukturen nachempfunden ist. Von der Wildnis hin zur Abstraktion wird die Beherrschung des Menschen immer intensiver und führt zu neuen Visionen urbanen Grüns.

Von der Wildnis … Was Dürrenberger in ihrer Diplomarbeit beschreibt, wird in Städten derzeit vor allem in Form von Kultur – sprich urbanem Gärtnern – sichtbar. Politik und Wirtschaft sind zwar wesentliche Gestalter einer Stadt, ihrer Architektur und öffentlichen (Grün-)Flächen, dennoch ist Stadtentwicklung von unten ein mindestens genauso wichtiger Faktor auf dem Weg vom Grau zum Grün. Frauengärten, Gemeinschaftsgärten, Migrantengärten, Guerilla Gardening, Window Farming oder Vertical Gardens – all das sind Beispiele urbaner Gärten, die neben der Produktion von eigenen Lebensmitteln die

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die grüne stadt

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Stadt begrünen und auch eine soziale Funktion erfüllen. Gemeinsam werden bepflanzbare Orte gesucht, vergessene Gemüsesorten wie Rote Melde oder Linda-Kartoffeln angebaut, Unkraut gejätet und schlussendlich die Ernte unter den Beteiligten gerecht aufgeteilt. Und das erfolgreich, wie die Prinzessinnengärten in Berlin, das Hamburger Gartendeck am Kiez, das Projekt O’pflanzt is! in München oder Guerilla Gardening Längenfeldgasse in Wien vormachen. Steht am Anfang noch der Traum vom selbst angebauten Tomatensalat, werden ethische und politische Fragen bald genauso wichtig. Woher kommt mein Essen? Wer arbeitet auf den Feldern? Wie ist das mit dem Saatgut? Oder konkret: Wie kann ich neue Flächen in meinem Umfeld bepflanzen? So werden Gärtner zu Pionieren und inspirieren beispielsweise Stadtverwaltungen wie jene in Andernach zur »Essbaren Stadt«, in der statt Tulpen jetzt Mangold und Kürbisse auf den Grünflächen des Schlosses wachsen.

… zur AbSTrAkTion Waren grüne Häuser einst ein unter Glaskuppeln geschützt dargestelltes Zukunftsszenario, sind bepflanzte Gebäude im Sinne Dürrenbergers als Transformation wie Artefakte heute belebbare Realität. Begrünte Dächer und Balkone sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Der malaysische Architekt Ken Yeang beschäftigte sich schon in den 70er Jahren mit ökologischem Hausbau und zeichnet für Gebäude wie den Spire Edge Tower in Gurgaon oder der Erweiterung des Great Ormond Street Children’s Hospital in London verantwortlich. Seine Gebäude imitieren die Kreisläufe der Natur und verhalten sich von der Energiebilanz bis zum Abriss umweltfreundlich. Auch die Fassaden von Patrick Blanc sind mittlerweile weltweit bekannt. In Wels, Wien, Frankfurt, Genf oder Berlin kann man seinen vertikalen Gärten selbst begegnen und immer mehr Begeisterte versuchen, es ihm nachzumachen. Die grüne Stadt ist also ein Gemeinschaftsprojekt, in der selbstorganisierte Initiativen genauso gestaltend wirken wie visionäre Architekten oder aufgeschlossene Stadtplanerinnen. Für den einzelnen heißt es somit: Hände schmutzig machen! Und das war wahrscheinlich noch nie so wörtlich gemeint.

Zur Begrenzung eines Radwegs, zur Lebensmittelproduktion auf Brachland, als Dekoration zu Hause oder als Wildwuchs vor einer Wohnanlage – die grüne Stadt hat viele Facetten.

— prinzessinnengarten.net — www.gartendeck.de — www.o-pflanzt-is.de — ggardening.blogsport.eu — www.verticalgardenpatrickblanc.com — www.ldavies.com


Zeughaus

anders als geWohnt

www.architekturtage.at ww ww.architekturtage.at Am 1. und 2. Juni 2012 finden zum sechsten Mal die Architekturtage in ganz Österreich statt und laden unter dem Motto „anders als geWohnt“ wieder zu einem außergewöhnlichen Architekturereignis ein! Ein umfangreiches Programm bietet vielfältige Möglichkeiten, Architektur, mit einem Schwerpunkt im Bereich ‚Wohnen’, hautnah zu erleben, Neues zu entdecken und Ungewöhnliches zu verstehen.

Ein Projekt der Kammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten und der Architekturstiftung Österreich


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die grüne Stadt

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Der »Espai Verd« in Valencia (valenzianisch: Grüner Raum) wurde Anfang der 90er-Jahre von Architekt Antonio Cortés Ferrando erbaut. Die Wohnanlage besteht aus 108 Wohnungen, in denen mit ihren großzügigen und begrünten Terrassen die Lebensweisen »Stadt« und »Land« zusammengeführt werden.

Unkraut als wesentlicher Teil der grünen Stadt.

Um den CO2-Ausstoß zu verringern und die Temperatur im Gebäude zu senken wurde 2010 die Fassade dieses öffentlichen Gebäudes im Valenzianischen Stadtteil Cabanyal begrünt. Hier werden in einer Zweigstelle des Amts für Integralen Wasserkreislauf und Klimawandel städtische Abwässer gereinigt.


interview

Mirjam Bromundt

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Martin Rasper

Die neue Landlust Für den Journalisten und Buchautor Martin Rasper sollten Gärten urbaner werden. Sein neues Buch handelt »Vom Gärtnern in der Stadt« und den ökologischen und kulturellen Hintergründen dieses vermeintlich neuen Phänomens. biorama: Herr Rasper, was wächst denn in Ihrem eigenen Garten? martin rasper: Wir haben viel Obst, viele Kräuter, jedes Jahr ein paar Tomatensorten, ein bisschen Salat und Mangold, Kürbis und Kartoffeln, aber mehr nach Lust und Laune. Die Grundversorgung den Sommer über sichert eine Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft, in der ich Mitglied bin (waldgaertner.de). Den Rest kaufen wir im Bio-Supermarkt. Woraus entsteht Ihrer Meinung nach der Drang, sich die Hände dreckig zu machen, sich den Lebensmitteln wieder so direkt durch das Gärtnern anzunähern? Das Pflanzen ist etwas Archaisches, so wie der Umgang mit Natur allgemein. Das ist einfach in uns drin. In der heutigen Situation empfinden viele Menschen es als Verlust, von dieser Erfahrung abgeschnitten zu sein, und wollen wieder mehr daran teilhaben. Grüne Stadtentwicklung »von unten« ist immer noch eine Sache kleiner Netzwerke. Wie kann sich die Gartenbewegung gegen die Interessen von Wirtschaft und Politik durchsetzen? Die Politik, jedenfalls die kommunale, ist gar nicht so feindlich. Natürlich gibt es Grundkonflikte mit der Flächennutzung, weil die Verwaltungen Brachflächen möglichst gewinnbringend nutzen müssen. Aber jede größere Stadtregierung macht sich Gedanken, wie sie auf den Klimawandel reagiert; und wenn die sehen, dass kompetente Projekte entstehen, sind sie oft recht offen gegenüber neuen Ideen. Auf der Ebene der großen Politik dagegen, wo die Lobbys der Konzerne mitbestimmen,

muss man natürlich die Agroindustrie auf klassische 53 Weise bekämpfen: Petitionen, Aufklärung, Aktionen. In der grünen Stadt spielt der Garten eine wichtige Rolle. Wo hakt es derzeit bei der Umsetzung größerer Konzepte? Vieles muss eben erst ausprobiert werden; es gibt da auch viel Unsicherheit in den Verwaltungen. Aber es gibt auch positive Beispiele, etwa Andernach am Rhein mit seinem Konzept der »essbaren Stadt«. Vorbildlich auch London mit seinem »Capital Growth«, das bereits über 1.600 neue Gärten geschaffen hat. Der Begriff »Stadt« bzw. »urbaner Raum« wird in Zukunft neue Aspekte beinhalten müssen. Wie könnte eine neue, adäquate Definition aussehen? Ich weiß nicht, ob es neue Definitionen braucht. Gärten, in jeglicher Form, könnten stärker als etwas Urbanes wahrgenommen werden. Was wir sicherlich brauchen, sind lebendigere dörfliche bzw. urbane Zentren in den zersiedelten Ballungsräumen – dass da mehr Leben stattfindet, das zu Fuß und mit dem Rad erreichbar ist. Wie wäre denn der Idealzustand einer grünen Stadt? Der Idealzustand wäre eine Stadt, die deutlich weniger CO2 verbraucht – wobei die Gärten und das Grün nur ein Teil der Lösung sind, ebenso wichtig sind Verkehr und Wirtschaft – und die trotzdem als Stadt so lebendig und vielfältig bleibt, wie die meisten unserer Städte es im Moment sind. Haben Gärten – wie sie in Ihrem Buch sagen – wirklich das Potenzial, die Welt zu retten? Naja (lacht); man könnte zumindest den Eindruck bekommen, dass die Gärten sich vorgenommen haben, die Welt zu retten – wenn man sich anschaut, welche Vielfalt da entsteht. Ob sie es schaffen werden? Hoffen wir es! — www.capitalgrowth.org — www.agropolis-muenchen.de

martin rasper: Vom Gärtnern in der Stadt. Die neue Landlust zwischen Asphalt und Beton (Oekom Verlag)


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Vertical Farming


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Wie der Salat in den Himmel sprieSSt In London wurden internationale Architekten mit einem Wettbewerb dazu aufgerufen, sich mit einer neuen Form der Landwirtschaft zu besch채ftigen: Hochh채user als riesige Gew채chsh채user sollen an den Ufern der Themse emporwachsen.


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Jana Lapper

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Vertical Farming

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AWR Competitions

teigende Bevölkerungszahlen und starker Zuzug in die Städte, vor allem in die Metropolen von Schwellenländern, bereiten so manchem Wissenschaftler Kopfzerbrechen. 2050 sollen bereits 80 Prozent der Bevölkerung in urbanen Ballungsräumen leben. Woher nimmt man aber die gigantischen Ackerflächen für die Versorgung solcher Menschenmassen? Eine mögliche Lösung könnte Vertical Farming sein. Mit einer neuen Art von grünen Wolkenkratzern will man Landwirtschaft innerhalb der Städte integrieren. Nicht nur Gemüse soll in übereinander gelagerten Ebenen gezüchtet werden, sondern auch Hühner und Schweine. 2011 wurde von awr Competitions das Projekt loft London Farm Tower ins Leben gerufen. Im Rahmen des Wettbewerbs haben internationale Architektenteams Ideen für Vertical Villages inklusive Wohnungen und Einkaufszentren entworfen. Nun stehen die drei besten Zukunftsvisionen fest. www.awrcompetitions.com

Platz 1: VAWA Das Projekt »Vertical Agriculture with Architecture« der Gruppe SJA203.4 aus Südkorea hat nach Meinung der Jury die Idee hinter dem Wettbewerb am besten umgesetzt. Die Wolkenkratzer haben die Form von Bäumen und sehen aus, als seien sie in Spinnweben gewickelt. Wie eine Allee stehen sie entlang der Themse und verbergen im Inneren ihrer einfachen Form ein kom­ plexes System aus landwirtschaftlicher Nahrungsmittel­ produktion und Lebensraum für die Bewohner.


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plATz 2: verTicAl fielDS Die fünf miteinander verbundenen Türme des Teams rHwl Architects aus England sollen nicht nur landwirtschaftlichen Nutzen haben, sondern auch Raum für eine neue Form städtischen Lebens schaffen. Besonders wichtig ist ihnen die Verbindung von Menschen und Landwirtschaft. Die Bewohner der »Vertical Fields« nutzen ihre Wohnungen als luftdichte Produktionsstätten von Nahrungsmitteln und sind somit in ein ganz eigenes Ökosystem integriert.


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Vertical Farming

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Platz 3: Cultivated Carousel Die US-amerikanische Architektengruppe blickt mit ihrer Idee zurück ins alte London des 18. und 19. Jahrhunderts, als Märkte noch das Zentrum der Gesellschaft waren. Verbunden mit neuen Technologien und der vertikalen Form soll das Projekt Menschen, Landwirtschaft und Handel wieder zusammenführen. »Cultivated Carousel« bringt die Nahrungsmittelproduktion in die Stadt zu den Menschen und setzt dabei unter anderem auf natürliches Sonnenlicht und Algen.


BIO kann man aus vielen Gründen haben wollen: Wenn man an die Umwelt denkt, wenn man an die Tierhaltung denkt und natürlich wenn man an höchste Lebensmittelqualität denkt. Achten Sie deshalb beim Einkauf auf das AMA-BIOZEICHEN – ein Zeichen für ein gesundes Ego! Näheres auf www.bioinfo.at

FINANZIERT MIT FÖRDERMITTELN DER EUROPÄISCHEN UNION, DER REPUBLIK ÖSTERREICH UND MITTELN DER AGRARMARKT AUSTRIA MARKETING GESMBH.


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Da scheiden sich die Mütter. Oder sind es die Väter, die die Mütter scheiden machen? Oder die Kinder? Jedenfalls gibt es die einen, die Zärtlinge. Und dann gibt es die anderen, die Härtlinge – und vermeintlich unkomplizierten.

illustration Nana Mandl

Vom schmusen

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elternalltag / Ursel Nendzig

»DAS KIND ENTWIcKELT SIcH EINFAcH SO. DIESES HIER, MITTLERWEILE ZWEI JAHRE ALT, IST EIN GROSSER ScHMUSER. EIN ZäRTLING.«

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ie so oft und eigentlich fast immer beginnen die Überlegungen damit, wie man sich das in der vor-elterlichen Zeit vorgestellt und, noch schlimmer, vorgenommen hat. Und wie so oft und eigentlich fast immer kommt dabei raus: Man hatte einfach keine Ahnung, keine Vorstellung, keine Idee davon, wie es tatsächlich sein würde. Zum Glück. Das mit dem Schmusen ist so eine Sache, die man sich einfach nicht überlegt hat, nicht überlegen hat Richard schläft nachts meistens können. Das entwickelt sich einfach so. Das Kind durch. In seinem Bett. Das möchte er entwickelt sich einfach so. Dieses hier, mittlerwohl so. Nur manchmal, da weint er. weile zwei Jahre alt, ist ein großer Schmuser. Ein Und dann wird das einfach ausgesessen. Zärtling. Sucht Körperkontakt im Zweifels-, VerSchmusen will er ja sowieso nicht. Dann wirrungs-, Erschreckungs- und Müdigkeitsfall. weint er mal eine halbe Stunde und in der Braucht dann, so kommt es dem Elternteil vor, nächsten Nacht nur noch zehn Minuten einfach eine kleine Bestätigung, einen Augenund so weiter. Man kennt das ja. blick Rückhalt, einen Moment in vertrauter Die Eltern argumentieren mit dem Recht Umgebung. Ein kurzes Zurück dahin, woher auf ihre eigene Nachtruhe. Und ganz ehrlich, es gekommen ist, wenn Sie so wollen. Vor aldavon träumt das Elternteil auch, wenn es lem nachts ist das so. Da wacht der Kleine auf, schläft. Und dann beneidet das Zärtlings-Eldie Mama, die beim Einschlafen noch da war, ternteil die anderen Eltern um ihrem kleinen ist weg, und er weint. Bis die Mama kommt, Härtling. Und hat ein schlechtes Gewissen, kurzes Check-up, alles gut, weiterschlafen. weil es sein Kind verwöhnt oder verzieht oder Ein Zärtling eben. noch weicher macht, als es eh schon ist. Der kleine Richard ist nicht so einer. Der Vor Kurzem war dann aber was Spannendes ist ein Härtling. Der ist irgendwie nicht so zu beobachten. Der beschmuste Zärtling nämkörperlich. Der mag nicht gern umarmt lich hat sich auf einmal tagsüber zum total entwerden, schon gar nicht in der Nacht. spannten Kind entwickelt, das gerne mal alleine Der kommt nie auf den Schoß, der lässt herumflitzt, sich entfernt, kommt (kurz auf den sich nicht die Löckchen streicheln oder Schoß etc.) und ansonsten herumwuselt, aus dem die Händchen und einmal konnte man Sichtfeld des Elternteils verschwindet, zu anderen sehen, wie er sich, vor Schmerz, weil er Kindern hingeht und sie eine Weile beobachtet oder hingefallen war, weinend, dann doch auch mal mitspielt. bei seiner Mama trösten ließ. Sie Und der Härtling, der beginnt plötzlich zu klamnahm in den Arm und dabei – kein mern. Weint bitterliche Tränen, wenn die Mama kurz Schmäh – klopfte er ihr auf den Rüaufs Klo geht und so. Klebt an ihr, nicht körperlich, cken. Ja, das tat er. Wie ein Chef, der aber eben trotzdem. So, als hätte er Angst, sie zu verdem Mitarbeiter des Monats gratulieren oder davor, dass sie nicht wieder kommt. liert. Wahrscheinlich meint er das Irgendwie auch berechtigt. auch genau so.


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Biorama Nº. 18

Erdgespräche

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Die Kraft der Unzählbaren Sie ist Aktivistin, Galionsfigur der Ökologiebewegung und war die erste Klubobfrau der österreichischen Grünen. Freda Meissner-Blau, Schirmherrin der »Erdgespräche« über radikale Wurzeln und die neue Leichtigkeit der Dinge. biorama: Ihr ehemaliger Parteikollege Günther Nenning hat einmal gesagt: Eine Partei ist eine Partei ist eine Partei, eine Bewegung sollte sich bewegen. Ist die Politik von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn es darum geht, Dinge zu ändern? freda meissner-blau: Ganz bestimmt. Weil sie zählbar und kontrollierbar ist, man weiß alles über die Partei. Eine Bewegung ist nicht zählbar. Plötzlich sind 5.000 Leute da, wo vorher nur 200 waren. Diese Kraft der Unzählbaren, der Unkontrollierbaren habe ich immer sehr geschätzt, sie hat sich in vielen Aktionen bewährt. Der Beginn der österreichischen Ökologiebewegung und die Gründung der Grünen Partei sind eng mit ihrer Person verknüpft. Die grünen Ideen von damals sind heute teilweise von allen Parteien übernommen. Wozu braucht es heute die Grünen noch? Diese Zugeständnisse der anderen Parteien sind ja alle nur verbal. Umweltthemen werden zwar diskutiert, aber es wird viel zu wenig getan. Die Parteien gehen vor den Interessen der Finanzgruppen und der Großindustrie in die Knie und genau das nehme ich ihnen so übel. Und an dieser Stelle haken die Grünen ein? Oder sind sie selber schon Teil des Establishments? Die parlamentarische Arbeit ist sehr fordernd. Die grünen Politiker sind so eingedeckt mit der Tagesordnung, dass ihre Radikalität darunter leidet. Aber ich meine auch: Man kann nicht permanent radikal initiativ sein. Man kann nicht ununterbrochen das Bewusstsein für die globale Welt haben. Sonst kann man seine Arbeit im Parlament nicht machen. Was ist ihre Meinung zu den Piraten? Haben sie die Chance diese Strukturen aufzubrechen? Die Initiative der Piraten ist ein gutes Experiment, das ich sehr interessant finde. Da kann schon eine Kraft da sein und da ist offensichtlich auch eine Kraft. Ob und wie sie sich aber im parlamentarischen Alltag zurechtfinden werden, kann ich nicht prognostizieren. Entweder sie werden hineinfinden, mitlaufen, stiller werden und den Impetus verlieren. Oder sie machen nur Spektakel. Die Grünen waren am Anfang auch gar nicht leise. Wir sind in der Au gesessen, haben gefroren und die

Bäume umarmt, damit sie nicht gefällt werden. Das ist ein völlig anderes politisches Lebensgefühl. Würden Sie sich selbst als radikal in ihrem Denken und Tun bezeichnen? Ja, auf alle Fälle. Das sag ich auch den Grünen immer: Ihr habt eure Wurzeln verloren, eure radikalen Wurzeln. Ihr müsst wieder radikaler werden, denn es passiert so viel Schreckliches. Manche von ihnen akzeptieren meine Ratschläge dann auch. (lacht) Glauben Sie, dass Sie für andere ein Vorbild sind? Erst gestern hat mich wieder eine Frau angesprochen, die damals bei der Au-Besetzung dabei gewesen ist. Sie hat gemeint: »Freda, Sie haben uns beigebracht, dass auch Frauen Mut haben können.« Dabei hab ich selber all meinen Mut zusammennehmen müssen, als ich zum Beispiel für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert habe. Ich habe innerlich gebibbert, mir es aber nicht anmerken lassen. Wenn also wenigstens das bleibt, nämlich dass Frauen mehr Mut haben, aufzustehen und ihr Leben selbstbestimmt zu leben, dann hat alles, was ich getan habe, dafür gestanden. Alles. Funktioniert Aktionismus heute anders als vor 20 oder 25 Jahren? Grundsätzlich sogar, ja. Positiv ist, dass die jungen Leute heutzutage viel besser informiert sind. Diese Leichtigkeit der Informationsweitergabe ist toll. Die

Erdgespräche Unter dem Motto »Bottum up! Jeder kann was tun!« lädt der gemeinnützige Wiener Verein Neongreen Network (NGN) am 31. Mai 2012 zum fünften Mal in Folge zu den Erdgesprächen. Unter anderem in diesem Jahr zu Gast: Bianca Jagger, Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin, und Stefan Rahmstorf, Ozeanograph und Klimaforscher vom Potsdamer Institut fsür Klimafolgenforschung. Per Livestream können die Erdgespräche auf der Website in deutscher und englischer Sprache mitverfolgt werden. —— www.erdgespraeche.net


interview

Johanna Stögmüller

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Stephan Doleschal

Vernetzung, die über das Internet passiert, war damals unmöglich. Wir haben noch Telefonketten gemacht, um uns zu verständigen. Aber mit der Leichtigkeit der Dinge ist natürlich ein Teil des Engagements verloren gegangen – nämlich ein Engagement, das sich selbst zur Seite stellt, um hundertprozentig für die Sache da zu sein. Ein Engagement, wo einem egal ist, dass man friert, dass man nächtelang kaum geschlafen hat. Davon ging eine Leidenschaft aus, die ich nicht mehr finde. Eher sitzen alle brav am Computer, informieren sich und machen Vorschläge. Kann das vielleicht auch daran liegen, dass der Gegner ein unkonkreterer, ein größerer geworden ist, der weniger fassbar ist? Das ist sicher auch ein Grund. Aber da kommt noch was dazu: Wir konnten damals am Ballhausplatz demonstrieren und haben gefordert, den Bundeskanzler zu sprechen. Bruno Kreisky hat zwar gesagt, mit Lausbuben rede er nicht – einer der Lausbuben war übrigens der 76-jährige Nobelpreisträger Konrad Lorenz und ein anderer das damals 50-jährige Lausmädel Freda. Nach einiger Zeit hat er es dann eingesehen und hat gemeint, drei von uns dürften zu ihm. Also sind wir zu fünft zu ihm und er hat uns angehört. Da war eine geistige Auseinandersetzung möglich. Aber heute? Wollt ihr nach Brüssel gehen und denen sagen »Was ist eigentlich los?« Das nützt doch nichts. Die sind ja nicht von uns gewählt. Damals wussten wir, wen wir überzeugen müssen. Heute wissen wir das nicht mehr. Erhard Busek hat in einem Buch gefragt: Was haben wir falsch gemacht? Eine aus der aktiven Politik sich verabschiedet habende Generation stellt sich in dem Buch diese Frage. Was meinen Sie: Was haben Sie falsch gemacht? Diese Silberrücken … (lacht) Ich möchte gar nicht lange darüber nachdenken, was ich falsch gemacht habe, denn ich bin sicher, dass ich ein ganzes Paket an Naivität und Blauäugigkeit war. Ich habe ja wirklich daran geglaubt, dass man ein Parlament mit guter Arbeit, Überzeugung und guten Recherchen verändern kann. Aber man kann durch sein Verhalten dennoch etwas verändern. Das habe ich einmal gespürt, als ich in einer Sitzung nach einer Rede eines Sozialdemokraten wie wild geklatscht habe, weil ich in einer Sache genau seiner Meinung war. Daraufhin hat sich der gesamte Saal entsetzt zu mir umgedreht und mich angeschaut. Man applaudiert doch nicht einem Gegner! Das war aber der Anfang, dass man das jetzt tun kann. Man muss auch anerkennen, wenn ein anderer etwas Gescheites sagt. Ihr Enkel Adam Pawloff war maßgeblich an der Gründung der »Erdgespräche« beteiligt. Gauben Sie, gibt es so etwas wie ein Aktivismus-Gen?

Ich habe das Gefühl, dass Adam meine Ideale ein Stück weiterträgt, auch meine Sorgen und mein Engagement für die Umwelt. Nur macht er das sehr viel akademischer, als wir es damals gemacht haben. Dass Angie Rattay und er die Erdgespräche ins Leben gerufen haben, ist für mich eine erfreuliche Sache, weil ich gesehen habe, dass ihnen etwas gelingt, was so ganz bestimmt keiner Partei gelungen ist: nämlich mit und an der Basis zu arbeiten. Das war Ihnen aber auch immer Anliegen. Ja, ich habe mich nie als Politikerin verstanden, sondern als Delegierte von Bürgerinitiativen. Ich habe die Anliegen von Bürgerrechtsbewegungen, Umweltaktivisten und Friedensaktivisten ins Parlament bringen wollen. Ich habe mich verantwortlich dafür gefühlt, Veränderungen zu schaffen und gehofft, dass man im Parlament mehr erreichen kann. Was wollen Sie der jungen Generation von Aktivisten mit auf den Weg geben? Lasst nicht locker! Aber man muss sich gönnen, von Zeit zu Zeit auszusteigen, wenn es zu viel wird. Diesen Punkt habe ich leider verpasst und brauchte dann ein neues Herz, weil ich über Wochen und Monate kaum geschlafen hatte. Wir haben uns sehr verausgabt, aber es war damals auch eine Art Kampfzeit. Jetzt ist der lange Atem, die Beständigkeit notwendig. Es geht was weiter, furchtbar zäh zwar, aber es geht.


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Biosphere Expeditions


interview

Thomas Weber

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Biosphere Expeditions

Der Tiger als Zugpferd Er wollte forschen wie Grzimek und Humboldt, deshalb hat Matthias Hammer Biologie studiert. Heute organisiert er gemeinnützige Artenschutzexpeditionen und schickt dabei Laien gemeinsam mit Wissenschaftern ins Feld. Seine »Biosphere Expeditions« ermöglichen wissenschaftliche Arbeit in Weltgegenden, in denen für Forschung Geld und Arbeitskräfte fehlen. biorama: Wenn man in Oxford und Cambridge gerade sein Biologiestudium abschließt: Wie kommt einem da die Idee, Laien und Wissenschafter gemeinsam auf Expeditionen zu schicken? matthias hammer: Das war eine typische Unterder-Dusche-Idee. Ich hatte erkannt, dass die meisten Biologen doch nicht im Dschungel forschen. Ich hatte eine Identitätskrise und haderte, ob ich jetzt wirklich eine akademische Laufbahn einschlagen will. Ich stand also in Cambridge unter der Dusche, fragte mich, ob ich mit meinem Studium nicht sieben Jahre in den Sand gesetzt hatte, da meinte meine Freundin im Vorbeigehen: Warum lässt du dich nicht dafür bezahlen, Leute auf Expeditionen mitzunehmen? Auf einmal war alles an seinen Platz gefallen: Mein Biologiestudium, die Ausbildung beim Militär, mein Wissen um Menschenführung, meine Leidenschaft für den Naturschutz, mein Unabhängigkeitsbedürfnis. Alles passte perfekt. Ich hatte ja bereits Studentenexpeditionen organisiert. Was ist denn das für ein Typus Mensch, der bereit ist dafür zu bezahlen, dass er im Urlaub gemeinsam mit Wissenschaftern forschen darf? Der Markt für Freiwilligenarbeit oder Volunteering unterteilt sich in zwei Segmente: Da gibt es den Studenten, der monatelang möglichst billig an einen anderen Ort gelangen möchte, im Zelt schläft und es auch gerne

ein bisschen rustikaler hat – das ist genau nicht unser Fall. Unser Segment ist jenes, das die Engländer mit »cash rich / time poor« beschreiben. Also: hohe Bildung, genügend verfügbares Einkommen, Interesse an einer nachhaltigen Lebensweise, aber eben nicht viel Zeit. Unsere Expeditionsteilnehmer sind fast durchwegs über 30, stehen mit beiden Beinen im Berufsleben und möchten etwas Sinnvolles in ihrem Urlaub tun. Und sie kommen aus der ganzen Welt. Biosphere Expeditions ist zwar eine gemeinnützige Organisation, diese muss sich aber doch am Markt orientieren: Wissenschaftliche Projekte müssen für genügend Menschen attraktiv sein. Gibt es Projekte, die der Biologe Dr. Matthias Hammer gerne durchgeführt hätte, die der Geschäftsmann Matthias Hammer aber ablehnen musste? Klar: Entscheidend ist oft einfach der Sicherheits­ aspekt. Es hätte ein interessantes Schimpansenforschungsprojekt im Kongo gegeben. Aber du kannst derzeit einfach keine Menschen in den Kongo schicken. Wobei ich schon sage: Ich möchte nie so eine Organisation betreiben, die sich aus lauter Angst dann gar nix mehr traut. Das wird in Amerika gerade übertrieben. Ich schreibe garantiert nicht auf unsere Tassen drauf: Da ist ein heißes Getränk drin. Wir sind kein Kindergarten. Es geht um Eigenverantwortung.


Biorama Nº. 18

Biosphere Expeditions

66 Wir arbeiten in Regionen, wo Zeit eine andere Bedeutung hat.

links :

In der slowakischen Tatra unterstützen Laien Wissenschafter dabei, den Luchsbestand zu erfassen. Damit das gelingt, muss Schnee liegen. Ebenfalls im Feld: Wolf, Braunbär, Fuchs und Steinadler.

rechts :

Daten sammeln, die Wissen schaffen – unter fachkundiger Anleitung kann das jeder, der sich für sein Studienobjekt interessiert.

Matthias Hammer über ein Auswahlkriterium der Projektländer.

Natürlich gibt es auch Projekte, bei denen es mir als Biologe leid tut, dass wir sie unmöglich machen können. Du musst denken wie ein Geschäftsmann, dich fragen: Was wollen die Leute? Im Grunde funktioniert ja der Naturschutz heute auch genauso: Da gibt es Tierarten, die fungieren als Flagschiffe für ein ganzes Ökosystem: Du suchst dir einen Tiger oder Schneeleoparden als Zugpferd – und wenn mit ihm sein Lebensraum geschützt wird, schützt der wiederum alle anderen Tiere und Pflanzen. Welches sind denn solche sexy Species? Katzen gehen immer. Wale, Delfine, Korallenriffe und Meeressäuger ziehen auch. Generell gesagt: alles, was ein Fell und Zitzen hat oder im Wasser lebt. Könnte euch jeder Wissenschafter mit seinem Projekt kontaktieren und fragen, ob ihr ihn mit euren kommerziellen Expeditionen begleitet? Jederzeit, ja! Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Projekten, an denen wir uns beteiligen können. Wir haben derzeit 20 bis 30 Anfragen pro Jahr, wobei leider viele Projekte zu teuer wären oder zu gefährlich. Oder es passt die entsprechende Tierart nicht. Termiten sind halt einfach keine Zugpferde. Auch aus Malaysia haben wir einen wirklich schönen Projektentwurf bekommen: Aber vor Krokodilen haben die Leute einfach zuviel Angst. Das klappt nicht. Wie reagieren denn die Wissenschafter auf Laienhilfe? Immer öfter positiv – weil wir sie auf jeder Ebene unterstützen. Den meisten Wissenschaftern fehlt es einerseits an Arbeitskräften und Zeit. Andererseits fehlt ihnen die Kohle. Beides bringen wir ihnen. Natürlich gibt’s immer noch Betonköpfe, die bezweifeln, dass Laien beim Datensammeln behilflich sein können. Doch die werden immer weniger. Welche Anforderungen gibt es denn an Wissenschafter? Relativ wenige. Wir haben auf jeder Expedition auch einen Expeditionsleiter dabei, der sich um die gesamte Logistik kümmert. Wenn ein Wissenschafter etwa ein Problem hat zu kommunizieren, dann wird er vom Expeditionsleiter auch dabei unterstützt.


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Die von Biosphere Expeditions unterstützten Projekte sind fast alle in eher abgelegenen Weltgegenden. Warum gibt es denn keine Expeditionen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz? Weil die Wissenschafter dort keine Zeit haben. Wir haben das oft versucht. Wir sprechen seit Jahren auch mit Wissenschaftern in industrialisierten Ländern, aber du findest bei uns leider niemanden, der mit den Leuten mehrere Wochen ins Feld geht und dann auch noch einen Abschlussbericht verfasst. Es scheitert immer am Zeitaufwand. Also arbeiten wir dort, wo das Geld, das wir den Wissenschaftern zahlen, einen echten Anreiz darstellt. Wir arbeiten in Regionen, wo Zeit eine andere Bedeutung hat. Wissenschafter in der ehemaligen Sowjetunion verdienen fast nichts. Wenn dort einer für uns eine Gruppe mitbetreut, hat er dadurch ein zusätzliches Jahresgehalt und kann anders arbeiten. In Altai etwa würde ohne uns überhaupt gar keine Forschungsarbeit passieren. Die Wissenschaft dort hat nichts: keine Autos, keine Geräte, keine Zelte. Wird die ortsansässige Bevölkerung auch in die Expeditionen eingebunden? Wir stellen durchwegs Einheimische ein – ob als Köche oder Träger – und stellen sicher, dass wir in Sachen Kost & Logis nicht mit großen Konglomeraten zusammenarbeiten, sondern, dass das Geld direkt an die Leute vor Ort geht. Oft gibt es auch Stipendienprogramme für Studenten von lokalen Unis: Die können sich bewerben, arbeiten in einem internationalen


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69 Ich schreibe garantiert nicht auf unsere Tassen drauf: Da ist ein heißes Getränk drin. Wir sind kein Kindergarten.« Matthias Hammer über Eigenverantwortung auf Expeditionen

Team, verbessern ihr Englisch und sammeln Erfahrung. Zusätzlich betreiben wir Aufklärungs- und Bildungsarbeit. Gerade erst haben wir im Oman ein Schulbuch auf Arabisch produziert. Es erzählt Volksschülern die Geschichte einer Meeresschildkröte, die ihr zerstörtes Riff verlassen muss. Was Ähnliches haben wir auch schon über das Zusammenleben mit Wüstenleoparden geschaffen: Da kursieren vor Ort die wildesten Gruselgeschichten. Die Leute glauben, dass der in der Nacht kommt und ihnen wie ein Vampir das Blut aussaugt. Meistens setzen wir bei Büchern und bei Kindern an. Gibt es auch unmittelbar messbare Verdienste eurer Arbeit? Sehr viele zum Glück. In der Ukraine haben wir einen Naturpark einige Jahre wissenschaftlich dabei begleitet, dass er zum Nationalpark werden kann. Das hat schließlich geklappt. Auch aus Polen gibt es Positives zu berichten. In einer Region gab es einen Konflikt zwischen Naturschützern und Jägern über den Wolfbestand. Die Naturschützer meinten, es gäbe 50 Tiere, die Jäger berichteten von 150 Tieren und wollten 50 davon zum Abschuss freigeben. Wir wurden als unabhängige Instanz eingeladen und haben über drei Jahre ermittelt. Die Antwort war: Ihr habt Glück, wenn es bei euch 35 Stück gibt. Die Regierung hat unsere Zahlen akzeptiert. Es wurden keine Abschusslizenzen erteilt. Wobei ich sage, dass wir Jäger nicht verteufeln. Sie denken oft bloß anders. Der eine kennt sein Revier und beobachtet fünf Tiere. Der Jäger im Nachbarrevier zählt auch fünf Tiere. Dann haben sie alle gemeinsam addiert – dabei aber nicht berücksichtigt, dass es sich oft um ein und dasselbe Rudel gehandelt hat. Dessen Territorium umfasst halt mehrere Jagdreviere. Auch in Brasilien und Peru sind unsere Empfehlungen in den Jaguar Action Plan der Regierung aufgenommen worden. Das sind schöne Erfolge. www.biosphere-expeditions.org

Meist führen Matthias Hammer (oben) seine Expeditionen in entlegene Weltgegenden. Nah und weitgehend unerforscht ist aber auch das weitläufige Tatragebirge (unten).


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Jonas Vogt

Nachhaltigkeit

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Werner Reiter

Eine Kulturgeschichte der Nachhaltigkeit Wir alle haben eine Vorstellung davon, was sich hinter dem Konzept »Nachhaltigkeit« verbirgt. Verschiedene Kulturen haben aber im Lauf der Geschichte auch verschiedene Vorstellungen von dem Konzept gehabt. Und was haben Kultur und Nachhaltigkeit überhaupt miteinander zu tun? Wir haben uns auf die Suche gemacht.

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it Berichten von Kommissionen ist das so eine Sache. Sie sind oft lang, sperrig und haben ihren Platz in der Schublade schon sicher, bevor sie überhaupt fertig sind. Selten sind sie so eindringlich, dass sie es schaffen, Themen oder Begriffe zu etablieren. Der Brundlandt-Bericht ist da eine Ausnahme. Dem Report der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahr 1987 verdanken wir einen Begriff, der uns heute täglich begegnet: »Nachhaltige Entwicklung«. Verkomplizieren wir die Sache noch etwas: Nehmen wir nicht nur den Begriff Nachhaltigkeit her, sondern verbinden ihn auch noch mit dem Kulturbegriff. Was genau ist dann eine »nachhaltige Kultur«? Kultur ist nach klassischer Definition die Summe der Auffassungen, Werte und Normen der Mitglieder einer Gesellschaft, die diese Menschen erlernt haben und die ihre Handlungen beeinflussen. »Unser gesamter Lebenstil ist kulturell geprägt«, erläutert Gabriele Sorgo, Privat­ dozentin für Kulturgeschichte. »Kultur liefert uns grundlegende Handlungsmotivation.« Dies hat immer zwei Seiten: Auf der einen Seite geben uns diese Muster Anleitungen, unsere Umwelt sinnvoll zu erfassen. Auf der anderen zeigen sie uns aber auch, wie wir sie

zu erfassen haben. Kultur hat immer auch einen autoritären Charakter. Mit anderen Worten: Kultur ist Lebensweise. Und eine solche ist dann nachhaltig, wenn sie es nachfolgenden Generationen ermöglicht, auf dieselbe Art und Weise zu produzieren und zu konsumieren wie wir es tun. Ressourcen sollen nicht unwiederbringlich abgeschöpft werden. Nicht umsonst stammt das Konzept ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Fälle nie mehr, als nachwachsen kann. Schon Hans Carl von Carlowitz sah es in seinem forstwirtschaftlichen Standardwerk von 1713 als Ziel an, »daß es eine kontinuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe.« Wirtschaftsgeschichtlich gab es so etwas Ähnliches übrigens schon einmal. Historiker bezeichnen die Produktionsweise vor der weiträumigen Nutzung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen als erstes »solares Energieregime«, weil alle Energie letztlich von der Sonne kam. Aber auch dieses Regime war nie völlig nachhaltig. Der Mensch hat immer Spezies ausgerottet; und der Abbau der Kohle wurde im England des 18. Jahrhunderts unter anderem auch deshalb nötig, weil die Wälder längst abgeholzt waren.


71 Gehen wir es ganzheitlich an Ursprünglich bedeutete der Begriff »nachhaltig« eigentlich nur »von langer Dauer«. Erst die Umweltbewegung machte ihn zu einem Synonym für den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Nach dem Brundlandt-Bericht war aber klar, dass dies allein nicht reichen würde. Eine Kommission des deutschen Bundestags etablierte daraufhin das Drei-SäulenModell. Nachhaltige Entwicklung müsse die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales umfassen. Keine der drei Säulen kann auf Dauer ohne die anderen bestehen. Sie beschreiben alle einen nötigen Aspekt der nachhaltigen Entwicklung: Eine Gesellschaft sollte keinen Raubbau an der Natur betreiben; eine Wirtschaftsweise wählen, die dauerhaft betrieben werden kann; und für soziale Gerechtigkeit sorgen, sodass Verteilungskonflikte auf friedlichem Weg ausgeräumt werden können. Wirkliche Nachhaltigkeit bedeutet ganzheitlicher Zugang. Und eben nicht die Bio-Erdbeeren, die im Dezember mit dem Flugzeug eingeflogen werden. Oder die Bio-Schokolade, die unter ausbeuterischen Bedingungen geerntet wird. Auf eine einfache Formel herunter gebrochen lautet das Prinzip: Nicht energiesparende Wäschetrockner benutzen. Sondern gar keine. »Dafür bedarf es eines grundlegenden kulturellen

Wandels«, ist sich Sorgo sicher. »Das Problem ist, dass den Menschen suggeriert wird, sie könnten nachhaltig konsumieren, ohne Änderungen in ihrem Lebensstil in Kauf nehmen zu müssen. Aber der konsumistische Lebensstil ist eben nicht der Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, sondern steht ihr im Weg.« Nachhaltige Entwicklung ist ein grundlegender, gesellschaftlicher Such- und Lernprozess. Bildung muss dabei natürlich eine Rolle spielen, aber den erhobenen Zeigefinger sollte es nicht geben. »Lehrende an Schulen und Universitäten können nicht die Welt retten«, gibt sich Sorgo realistisch. »Außerdem muss man bedenken, dass kulturelle Zwänge – im Sinne von Vorschriften und Geboten, welche Lehrende aussprechen – zwar helfen, aber lang nicht ausreichen, um die Kultur zu verändern.« Die neuere Kulturwissenschaft spielt den Ball übrigens wieder weg von der Gesellschaft und an den Einzelnen zurück. Der Mensch findet zweifellos kulturelle Gegebenheiten vor. Er formt und reproduziert sie aber auch täglich. Höchste Zeit, dies auf eine andere Art zu tun. Gabriele Sorgo (Hg.) »Die unsichtbare Dimension. Bildung für nachhaltige Entwicklung im kulturellen Prozess«, Forum Exkurse Edition, Wien 2011. Zu beziehen über www.umweltbildung.at

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footprint

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Die vielen kleinen Bausteine nachhaltiger Lebensstile Mit nachhaltigen Lebensstilen lässt sich einiges erreichen. Und noch mehr, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Fünf Footprints im Porträt.

Wie müssen wir wirklich leben, damit wir nicht über unsere Verhältnisse leben? Mögliche alltagstaugliche Antworten gibt die Open-Source-Kampagne »Ein guter Tag hat 100 Punkte«. — www.eingutertag.org


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Werner Reiter

mitarbeit

Patricia Ziegler

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mmer mehr Menschen behaupten von sich, einen nachhaltigen Lebensstil zu führen. Wer schon einmal seinen CO2-Footprint ermittelt hat, weiß, dass es nicht besonders schwer fällt, den eigenen Wert deutlich unter den österreichischen Durchschnitt zu senken. Dennoch: In der Gesamtbewertung stehen dann Sätze wie »Trotzdem würde es noch 1,3 Planeten von der Qualität der Erde erfordern, um allen ErdenbürgerInnen den gleichen Zugriff auf Ressourcen und Energie zu ermöglichen.« Jeder individuelle Beitrag ist richtig und wichtig. Immerhin liegt der direkt zurechenbare Beitrag von Privatpersonen bzw. privaten Haushalten zu den CO2-Emissionen bei etwa einem Drittel. Der persönliche Gestaltungspielraum ist allerdings nicht besonders groß. Gemeinsam mit dem Institut für Soziale Ökologie der Alpen Adria Universität hat biorama einige Beispiele für nachhaltige Lebensstile analysiert und über die Rahmenbedingungen gesprochen, die es für eine nachhaltige Gesamtentwicklung braucht.

»Das Ideal« – ein Abschied Kurt Tucholsky hat 1927 ein Ideal formuliert: »Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße.« Dieser Wunsch nach einem Leben am Land mit einer voll ausgebauten Infrastruktur ist 2012 immer noch da. Seine Erfüllung ist heute zwar technisch realisierbar, stößt allerdings an neue Grenzen. Die Menschen in den Industrienationen leben eindeutig auf zu großem Fuß und selbst wenn die USA oder die Arabischen Emirate durchschnittlich die doppelte Menge an globalen Hektar (gha) pro Person beanspruchen: 4,9 gha pro Person in Österreich sind noch immer zu viel. Ein »Global Hektar« entspricht einem Hektar weltweit durchschnittlicher biologischer Produktivität. Würden alle Menschen auf der Erde so leben wie die Österreicher, bräuchte es drei Planeten dieser Art. Die flächendeckende Erfüllung des Wunsches nach einem Haus im Grünen ist schlichtweg nicht vertretbar. Willi Haas, der seit vielen Jahren am Institut für Soziale Ökologie zu dem Thema forscht, führt die Effizienzvorteile einer urbanen Lebensweise aus: Die täglichen Wege sind kurz, in dicht verbauten Gebieten können Heizung, Wärmeisolierung, Ver- und Entsorgung deutlich ressourcenschonender gestaltet werden

PIKTOGRAMME

Integral Ruedi Baur Zürich

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Werner Reiter Patricia Ziegler

und auch Aufbau und Wartung der Infrastruktur sind pro Kopf günstiger. Smart Cities ist das Zauberwort: städtische Strukturen, die Lebensqualität und Ökologie in Einklang bringen. Die autofreie Siedlung im Wiener Stadtteil Floridsdorf, in der die Pensionistin Yutica Calal lebt, ist im weiteren Sinne so eine Smart City. Willi Haas hat die Siedlung mit einer Referenzsiedlung in nächster Nachbarschaft verglichen. Die wichtigsten Ergebnisse: Die autofreie Siedlung weist geringere CO2-Emissionen pro Person und per Haushalt auf und das Umwelt­bewusstsein ist in dieser Siedlung generell höher. Das zeigt Frau Calal mit einem Wert von 2,3 Hektar auf besonders konsequente Weise. Sie betont, dass sie die selbst auferlegte »Sparsamkeit«, wie sie es nennt, in »keinster Weise an einem sehr vergnüglichen und erfüllten Leben hindern«.

Die Definition von Lebensqualität Wirtschaftliches Wachstum ist noch immer der Imperativ der gesellschaftlichen Entwicklung und die mittel­ europäischen Lebensstile basieren weitgehend auf Konsum und (Über-)Produktion. Umweltpolitik hat sich bislang primär auf die ökologischen Aspekte von Konsum und Produktionsprozessen konzentriert und sich weniger mit der Frage beschäftigt, warum Menschen Produkte wählen und wie sie sie verwenden. Auf EUEbene gibt es mittlerweile einige Forschungsprojekte, die hier ansetzen. »spread Sustainable Lifestyles 2050« versucht eine gesamthafte Sichtweise auf Konsum, Wohnen, Mobilität sowie Gesundheit und Gesellschaft zu etablieren. Dazu gehören auch Policy-Vorschläge, die ein Umfeld für nachhaltige Lebensstile schaffen und Maßnahmen, die beim Verständnis von Lebensqualität ansetzen. Mehrere Studien belegen, dass ab Erreichen eines gewissen Wertes kein Zusammenhang mehr zwischen Einkommen und subjektiver Zufriedenheit besteht. Andere Faktoren wie etwa Gesundheit, Freizeit und Sozialkontakte gewinnen an Bedeutung. Die gezielte Förderung dieser Aspekte soll langfristig den Wachstums-Imperativ eindämmen. Soziale Kohäsion hängt eng mit Verteilungsgerechtigkeit zusammen. Und diese wiederum hat auch eine ökologische Dimension: Eine Studie, die in Tschechien, Spanien und Großbritannien durchgeführt wurde, zeigt, dass die pro Kopf

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footprint

74 verursachten Umweltbelastungen in höheren Einkommensgruppen mindestens doppelt so hoch sind wie in den niedrigsten Einkommensgruppen.

Geräte mit langer Lebensdauer ist allemal besser, als wenn jede Person oder jeder Haushalt eine billige Vollausstattung wählt, die bald wieder auf dem Müll landet.

Bewusstseinsbildung

Von der Output- zur Inputseite

Das Leben am Land ist aus individueller Sicht erstrebenswert. Auch wenn es aus übergeordneter Perspektive problematisch ist, führt es doch die Auswirkungen des eigenen Tuns vor Augen. Jochen Schützenauer hat sich mit seiner Frau den Wunsch nach einem Häuschen am Rand des Wienerwalds erfüllt. Er fährt jeden Tag knapp 30 Kilometer ins Büro nach Wien, ist aber dennoch der Meinung, nachhaltiger zu leben als viele Stadtmenschen. Müll wird hier nur selten abtransportiert, die Verantwortung für die Senkgrube liegt bei ihm und jedes Holzscheit, mit dem die Schützenauers ihren Holzofen beheizen, tragen sie selbst ins Haus. »Wenn man sich selbst um Dinge kümmern muss, die einem in der Stadt abgenommen werden, lernt man wieder, dass man es auch anders machen kann«, meint er. Willi Haas kann das auf sehr abstrakter Ebene bestätigen. In Materialanalysen hat er festgestellt, dass die Produktion in wenig vernetzten Gebieten deutlich nachhaltiger ist als in modernen Strukturen. So unmittelbar wie vor 200 Jahren spürt man die Auswirkungen seines Tuns aber auch am Land nicht mehr. So sind die etwa 600 Kilogramm Emissionen verursacht durch 7.000 Kilometer Autofahrten im Jahr schnell aus den Augen aus dem Sinn.

Willi Haas arbeitet sehr viel mit der Analyse von gesellschaftlichen Input- / Output-Flüssen. Bislang hat man sich in der Umweltpolitik hauptsächlich mit der Output-Seite beschäftigt. Und auf der liegen auch die Schrauben, an denen Privatpersonen drehen können. Er ist skeptisch, ob die Ergebnisse aus Projekten wie spread so bald in der Realpolitik ankommen. Derzeit ist es noch so, dass die Politikdomänen Wirtschaft und Umwelt getrennt sind. Die Wirtschaftspolitiker kümmern sich um die Inputs, während die Hebel, mit denen Umweltpolitiker an der Output-Seite ansetzen können, relativ klein sind. Größere Änderungen erwartet Haas erst, wenn sich auch etwas an der gesamtökonomischen Situation ändert: etwa eine drastische Verteuerung fossiler Brennstoffe (die für ihn ziemlich sicher kommt) oder eine stärkere Konzentration der stark wachsenden Ökonomien China und Indien auf ihren eigenen Binnenmarkt. Europas Wirtschaft ist stark von Rohstoffimporten abhängig. Wenn deren Preise steigen, steigen damit auch die Weltmarktpreise von Gütern aus europäischer Produktion empfindlich. Solche Argumente ziehen auch bei Menschen, die ansonsten in Umweltfragen wenig sensibel sind. »Dann wird es gut sein, Forschungsergebnisse wie die aus dem spread-Projekt in der Tasche zu haben«, meint er.

Gemeinsame Nutzung von Ressourcen Die meisten Berechnungsmodelle für individuelle CO2-Footprints beziehen sich auf den jeweils aktuellen Status. Der Materialaufwand für die Errichtung von Wohnungen müsste individuell berechnet werden. Immerhin macht der Bau-Sektor in Österreich etwa 50 Prozent der Materialflüsse aus. Die Bandbreite ist groß: Lena Siebert etwa lebt mit ihrem Kind und ihrem Mann in einer Wohnwagensiedlung in der Lobau. Dafür wurden zwei alte Wohnwägen ausgebaut. Die High-Tech-Variante davon nennt sich Mikrohaus und ist ein nach modernsten Gesichtspunkten ausgestatteter Wohn­container, den das Ehepaar Smolak bewohnt. Und schließlich gibt es da noch das Haus von Elisabeth Bauer, erbaut um 1800, bei dem der Kern, eine alte Bauernstube, erhalten blieb und der Rest neu gebaut wurde. Geheizt wird mit Erdwärme. Die Wärmepumpe wird mit Ökostrom betrieben. Dass Lena Sieberts CO2-Footprint nur 2,7 gha beträgt, liegt zu einem Gutteil auch daran, dass in der Wohn­ wagensiedlung vieles wie Kühlschrank, Waschmaschine, Sanitäranlagen und Sieberts Auto gemeinsam genutzt werden. Auch das wird im spread-Projekt ausführlich diskutiert: Eine gemeinsame Nutzung hochwertiger

Schlüsselfrage Mobilität Privatpersonen können mit nachhaltigen Lebensstilen einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In den Bereichen Konsum, Ernährung und Wohnen liegen die möglichen Maßnahmen auf der Hand. Viele lassen sich bereits heute individuell umsetzen. Teilweise müssen aber auch die Rahmenbedingungen drastisch geändert werden. Haas führt als Beispiel die Barrieren bei Nutzer- und Eigentümerverhältnissen an: Bei Mietwohnungen begleichen die Mieter die Heizkosten, während die Eigentümer für die Wärmedämmung zuständig sind. Für die Politik gibt es viel zu tun. Vor allem im Bereich Mobilität, die seit Jahren das stärkste Wachstum am CO2-Inventory aufweist, werden die falschen politischen Signale gesetzt. Der motorisierte Individual­ verkehr und Transporte per LKW haben nach wie vor Vorrang und Flugreisen, die den persönlichen Footprint dramatisch vergrößern, werden aufgrund der niedrigen Preise immer beliebter. Hier müssen die individuellen Beiträge und die Rahmenbedingungen ganz besonders zusammenspielen.


Daniel, 28 Friseur Sylvia, 62 Pensionistin

Wien. Die Stadt f端rs Leben.

Daniel entspannt sich am besten bei lauter Musik. Sylvia liebt es, in aller Ruhe spannende Krimis zu lesen. Wie das auf derselben Stiege in einem Wohnhaus zusammenpasst? Genau, nur mit R端cksichtnahme und Respekt vor NachbarInnen und Mitmenschen. Das macht Wien zur Stadt f端rs Zusammenleben. Mehr Infos zum Leben von Jung und Alt in unserer Stadt auf www.wohnen.wien.at, www.wohnpartner-wien.at, www.gbstern.at


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Wenn alle wie ich wären, würde die Wirtschaft zugrunde gehen. Yutica Canal

Der Pragmatiker

Die Mutige

Die moderne Traditionalistin

Margarethe Smolak ist mit ihrem Mann von einer Neubauwohnung in ein Mikrohaus gezogen. In der Wohnung hat sie die Nachbarn durch die Wände gehört und sich mit Schimmel herumgeplagt. Der Wohncontainer mit 48 Quadratmeter Wohnfläche ist eine perfekt ausgestattete Wohneinheit, mit der sie nach ihrer Pensionierung ins Burgenland übersiedeln will. »Die Österreicher haben zu wenig Mut, Neues auszuprobieren.« Die Smolaks machen mindestens eine Fernreise im Jahr. Trotzdem ist ihr CO2Footprint vergleichsweise klein. CO2-Footprint: 3,3 (sehr klein)

Sie wollte den Kern des um 1800 gebauten typischen Mühlviertler Hauses behalten. So hat Elisabeth Bauer nur einen Teil abgerissen und ein modernes Haus um die alte Bauernstube gebaut, das sie mit Erdwärme beheizt. Viele der Einrichtungsgegenstände sind mühevoll restaurierte Stücke aus dem alten Bestand. Frau Bauer arbeitet im Pflegedienst und hat keine andere Möglichkeit, als mit dem eigenen Auto zur Arbeit zu fahren. Bald wechselt sie aber ihre Arbeitsstätte und kann ihren Arbeitsplatz zu Fuß erreichen. Das wird ihren CO2Footprint nochmals verkleinern. CO2-Footprint: 3,5 (klein)

Jochen Schützenauer hat mit seiner Frau vor zwei Jahren ein kleines Haus am Rand des Wienerwaldes gekauft, das er mit Holz beheizt. Er fährt jeden Tag mit dem Auto knapp 30 Kilometer nach Wien zur Arbeit. »Ich lebe dennoch nachhaltiger als die meisten Menschen, weil ich am Land gezwungen bin, Dinge bewusster zu tun.« CO2-Footprint: 3,5 gha (klein)

Die befragten Personen stehen für einen Durchschnittswert von knapp über 3 gha. Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden, würden wir noch immer einen wei­ teren (etwas kleineren) Planeten benötigen. Als Grundlage für die Ermittlung der CO2Footprints diente der CO2-Rechner des Österreichischen Lebensministeriums. Das Konzept dafür wurde am Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria-Universität Kla­ genfurt entwickelt. www.mein-fussabdruck.at


zeughaus.com

Die geMeinSchAfTSorienTierTe Die Physikerin Jana Siebert ist derzeit in Karenz. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann lebt sie in einer Wohnwagensiedlung in der Lobau. »Ich bin da einfach reingewachsen. Mein Freund hat schon hier gelebt und ich habe festgestellt, dass das auch für mich passt.« Recycling alter Geräte und Möbel und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen prägen das Leben in der Siedlung. CO2-Footprint: 2,7 (sehr klein)

poolbar mit pratersauna Festival für Kulturelles Von Nischen bis Pop 10. – 12. Mai 2012 Pratersauna – Wien

A-TRAK (DUCK SAUCE) ROUND TABLE KNIGHTS DRUMS OF DEATH FIVA & DAS PHANTOM ORCHESTER MR. DERO & KLUMZY TUNG (LIVE) URSULA-STRESSNED-FLOOR Donnerstag, 10. Mai A-Trak (Duck Sauce), Zuzee, Mel Merio & Sammy / Patrick Pulsinger, Markus Lindner, Flo Scheibein, Thomas Grün Freitag, 11. Mai Round Table Knights, wilFling, Xander & Niederreiter / Drums of Death, Elektrogstanzl, Whykriz, Indikator / Samstag, 12. Mai Open Air ab 15 Uhr, Brunch mit Badehose mit John Megill DJ-Set (FM4 Sunny Side Up) /Fiva & Das Phantom Orchester, Mr. Dero & Klumzy Tung (live), Mieze Medusa & Tenderboy, Felix da Houserat / Weise, Amblio, Rave Rabbit // Und: poolbar Architektur, poolbar style-Kollektion, Visuals von Lichterloh, Rahmenprogramm (Red Bull Brandwagen im Garten mit Livebands, Poetry Slam, Stummfilme mit Live-Musik-Begleitung u.v.a.)

Die konSequenTe Yutica Canal lebt in einer autofreien Siedlung in Wien Floridsdorf. »Es ist wie in einem modernen Dorf«, meint sie, »man kennt sich einfach. Für ein Leben in der Stadt ist so etwas einfach ideal«. Sie verzichtet auf Fleisch und Milchprodukte und fährt ausschließlich mit der Bahn auf Urlaub. »Wenn alle wie ich wären, würde die Wirtschaft zugrunde gehen!« CO2-Footprint; 2,3 (sehr klein)

poolbar-Festival #19 6.Juli – 19. August 2012 Altes Hallenbad – Feldkirch Yann Tiersen, Theophilus London, The Whitest Boy Alive, Marilyn Manson, Gogol Bordello, Regina Spektor, Enter Shikari, Nneka, Cro, Tindersticks, Destroyer, DJ Hell, Zombie Nation (live), Effi, Speech Debelle, Yellowcard WhoMadeWho u.v.a.

www.facebook.com/Poolbar.Festival

www.poolbar.at


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marktplatz kosmetik

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Nina Daniela Jaksch

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Name Name

taschentricks Beauty-Tools für die Handtasche: Handcreme und Lippenpflege zählen zu den Beauty-Must-Haves für unterwegs. Sie pflegen in trockener Heizungsluft und bei Wind und Wetter.

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aturkosmetik bietet tolle dekorative Produkte mit optimaler Wirkung, hoher Qualität und zugleich ökologischer Verträglichkeit. Produkte, die nicht nur im Handumdrehen schön machen, sondern auch mit wertvollen, pflanzlichen Inhaltsstoffen pflegen und die Haut zum Strahlen bringen. Die Pflege-Helferchen sorgen für Wohlfühlen und perfektes Auftreten.

1 // AugenAufSchlAg Tiefschwarze, seidige Wimpern, gepflegt mit Bio-Jojobaöl für einen Natural Look – Natural Multi-Effect Mascara verleiht Augen mehr Ausdruck. Für verantwortungsbewusste Fashionistas bietet Benecos BDIHzertifizierte dekorative Naturkosmetik in umfassender Auswahl und ansprechendem Design. Die Produkte basieren auf pflanzlichen und mineralischen Inhaltsstoffen, sie beinhalten keine Mineralöle oder deren Derivate und sie sind frei von Silikonen, Parabenen, synthetischen Emulgatoren, Duft- und Konservierungsstoffen. www.benecos.eu


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2 // Schöner küssen Lippen sind Ausdruck der Persönlichkeit, ihre natürliche Rotfärbung zieht Blicke auf sich. Lachsroter Schimmer, sinnlicher Beerenton, glossiger Fuchsiaton oder warme Rosenholztöne – je nach Stimmung und Anlass lassen sich die Lippen mit der Inner Glow Lipstick Edition betonen, sie bringen das innere Leuchten zum Vorschein und setzen den Mund ins rechte Licht. Dazu werden die Lippen samtig weich gepflegt, mit Rosenblüten- und Wundkleeauszügen, Rosenwachs und wertvollen Pflanzenölen von Aprikose und Jojoba. www.dr-hauschka.de

3 // Good Hair Day Passt in jede Handtasche: Mini-Pneumaticbürste aus FSC-zertifiziertem Buchenholz und Naturkautschuk, in sieben Farben lasiert erhältlich. Stabile, praktisch Mini-Brush für Pflege und Styling. Sogar Föhnen lässt es sich damit prima. www.lessismore.at

4 // Duft eco-deluxe Natürlichkeit trifft auf Exklusivität: I love les Carottes ist ein unkonventionelles, freches Naturparfüm, Ecocert-zertifiziert, mit recyclebarer Coffee-to-go BecherHülle. Olivia Giacobetti, ihres Zeichens erfolgreiche Meister-Parfümeurin und privat eine begeisterte Pflanzenliebhaberin, schuf für das Pariser Dufthaus Honoré des Prés eine neue Generation ungewöhnlicher Düfte und verzichtet komplett auf synthetische Parfümzusätze wie Farbstoffe oder Phtalate. www.honoredespres.com

5 // Dragon-Eyes Pflege, die schmückt. Ghee, die geklärte Butter, ist hochwertiger Grundstoff mit Demeter-Zertifizierung für die Lakshmi Beauty-Produkte. Es wird nach einem traditionellen ayurvedischen Verfahren hergestellt und bietet im kegelförmigen Farb-Kajal nicht nur dekorativen Nutzen, sondern auch Schutz: Da sie nicht eindringen können, nimmt das Auge weniger Schadstoffe wie Pollen oder Staub auf. Bei der neuen, schicken Eyeliner-Serie kann frau sich nur schwer entscheiden: Drachensilber, Drachengold, Drachenblau und Drachenrot müssen alle in die Handtasche. www.lakshmi.de

7 // Handschmeichler Spendet Feuchtigkeit, schützt und macht raue und spröde Haut glatt und weich: Die Deep Moisture Hand Cream pflegt die Hände geschmeidig und zieht rasch ein. Fruchtig-krautiger Duft. Mit Wirkstoffen von Moosbeere, Quitte, Lindenblüte und Petersilie. Ecocert zertifiziert. www.madaracosmetics.at

8 // Glossy Lippen

6 // Fresh me up

Lippenhaut braucht anspruchsvolle Pflege, neigt sie doch oft dazu, trocken, spröde und rissig zu werden. Wen wundert’s, denn die Haut der Lippen ist ein Vielfaches dünner als die restliche Haut des Körpers und hat kaum Talgdrüsen. Das Öl macht den Unterschied: Intensive Pflege und Schutz spendet der Lippen­ pflegestift auf der Basis von biologischem Arganöl (über 60 Prozent Anteil), das feuchtigkeitspendend und auch entzündungshemmend wirkt. Zusammen mit Jojobaöl und Sheabutter glättet der Stift die Lippenhaut und sorgt für einen feinen Schutzfilm. Farblos, auch für Kinder geeignet. www.argandor.de

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Sommerpflege Sanddorn-Jojoba pflegt die Haut sommerfit und bietet natürlichen Lichtschutz durch einen Extrakt aus dem indischen Karanjabaum und Sanddornöle. www.bioemsan.com

8 // Für SonnenscheinMomente


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diy-rezept

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Parvin Razavi

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Gersin Livia Paya

das rezept im bild. diesmal:

Frühlingshafter Salat mit Erdbeeren und Quinoa

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b für den kleinen Hunger im Büro oder als leichtes Abendessen – dieser Salat ist genau das Richtige, um den Körper mit Frühlingsenergie zu versorgen. Quinoa (auch Inkakorn genannt) zählt wie Amarant zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Das »magische Korn der Inkas« dient der indigenen Bevölkerung Südamerikas seit 6.000 Jahren als Nahrungsgrundlage. Quinoa hat eine hochwertige Eiweißzusammensetzung und die im Korn enthaltene geringe Menge Fett setzt sich ausschließlich aus guten ungesättigten Fettsäuren zusammen, von denen die Hälfte auf die lebenswichtige Linolsäure entfällt. Zudem liefert Quinoa B-Vitamine, Kalzium, Magnesium, Eisen und Zink. Durch seinen geringen Glutengehalt ist Quinoa eine gute Getreide­ alternative bei Glutenunverträglichkeit.


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ZUTATEN (für 4 Personen) Salat » 500 g Babyspinat, gewaschen und trocken geschleudert » 200 g Quinoa, gewaschen » 250 g Erdbeeren » 100 g Schafkäse » 1 Bund Radieschen » 1 Handvoll Mandelsplitter, geröstet » Salz/Pfeffer

Marinade » ½ Orange und ½ Zitrone » 1 TL Dijonsenf » 1 TL Agavendicksaft » 3 EL Balsamico Essig » 5 EL Olivenöl » Salz/Pfeffer

Quinoa unter fließendem Wasser gründlich abspülen und in reichlich Salzwasser gar kochen. Anschließend durch ein Sieb seihen und abkühlen lassen. In der Zwischenzeit die gewaschenen Erdbeeren vierteln.

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Schafkäse würfeln und die geputzten Radieschen in Scheibchen schneiden.

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Orange und Zitrone auspressen und mit den restlichen Zutaten für die Marianade gut verrühren.

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Mandelsplitter in einer Pfanne vorsichtig anrösten. Alle Zutaten beiseite stellen und erst kurz vor dem Servieren miteinander vermengen.

Quinoa mit dem Babyspinat in einer großen Schüssel vermengen und etwas salzen. Erdbeeren, Radieschen und Schafkäse in die Schüssel geben, Marinade über den Salat gießen und mit den Händen vorsichtig gut durchmischen. Portionieren und mit Mandelsplittern garniert sofort servieren.

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Weitere Rezepte von Parvin Razavi gibt’s in ihrem Thx4cooking-Blog auf www.biorama.at


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marktplatz blütenküche

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bLumenwiese auf dem teLLer Blüten in der Küche verwöhnen alle Sinne. Sie sind nicht nur betörender Augenschmaus oder Dekoration, viele Blumen und Blüten sind essbar und schmecken gut.

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ssbare Blüten bringen Vielfalt auf den Teller, Genuss an den Gaumen und verfeinern die Küche. Sie bieten vielseitige Würz- und Geschmacksvarianten: Gänseblümchen schmecken nussig, Kapuzinerkresse angenehm würzig, Rosen lieblich aromatisch. Wir haben Blütenprodukte von Bio-Herstellern durchprobiert.

1 // SAnfTer genuSS Weich, blumig-frisch, sanft betörend – Blütenkuss ist eine sehr gelungene, außergewöhnliche Teekomposition aus Lindenblüte, Holunderblüte, Melisse, fein abgerundet mit Vanille. Perfekter Tee für ein Teeritual. Innehalten, schnuppern, entspannen. www.lebensbaum.de

2 // erfriSchung hoch 3 Im Bio Zisch Holunderblüte geben belebende Holunderblüte, frisch gebrühter Grüntee und aromatischer Apfelessig ihr erfrischendes Stelldichein. Traubendicksaft sorgt für natürliche angenehme Süße. Ein angenehmes Sommergetränk für Balkon und Picknick. www.voelkeljuice.de


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Nina Daniela Jaksch

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Name Name

3 // SüSS Wie Die liebe Die Zuckerzubereitung Blütenhäubchen war einer unserer Lieblinge beim Verkosten. Die aromatische Komposition aus Rose, Kornblume, Erdbeere, Ingwer und Vanille duftet und schmeckt wie Verliebtsein. Passt prima zu Süßspeisen und Desserts und als Häubchen auf sahnige Genüsse. www.sonnentor.com

4 // Die Sinne Auf roSen beTTen Rosensirup und viele weitere rosige Leckereien warten im Probierpaket »Rosengenüsse«, hergestellt vom Bioland-Rosenpionier, der Rosenschule Ruf aus Steinfurth. Für delikates Rosenlassi ½ L Biojoghurt und ½ L Wasser verrühren und mit Rosensirup abschmecken und kühl servieren. www.rosenschule.de

5 // freyAS freuDe Nach althergebrachtem Kräuterwissen. In der ausdrucksstarken Gewürzmischung Keltenblüten herrscht bunte Aromafülle mit Gundelrebe, Ringelblume, Kornblume, Veilchen, Beifuß und anderen Kräutern. Lecker für viele Gemüsegerichte, Suppen und Saucen oder einfach zum Drüberstreuen über den Salat. www.kleewiese.com

7 // blüTenADel

6 // kulTWürfel

Das adelt die Semmel: Das Sinnliche Rosengelee ist ein Fruchtaufstrich der besonderen Art mit einem intensiv-feinem Rosenaroma und frisch-fruchtiger Süße. Für ein Verwöhn-Frühstück oder auch super geeignet, Tee zu süßen. Und Sahnejoghurt mit Rosenblütengelee toppt jeden Nachtisch. www.sonnentor.com

Köstliche Handwerksqualität aus den Salzburger Bergen: »Pocket Jelly Fruchtgelee-Würfel« sind vom Allerfeinsten und werden ausschließlich durch naturreine Fruchtsäfte, Blüten-, Gewürz- und Kräuterauszüge gewonnen und hergestellt, ohne Gelatine und ohne Zusatzaromen. Kräutertee. Geranien- und Rosenblüten verleihen der Sorte Pocket Jelly Blumenkinder ihren blumig aromatischen Geschmack. Am besten schmecken sie mit einer Tasse Tee. www.genusswerkstatt.com

Auf einem Bauernhof der Weststeiermark mit jahrhundertealter Tradition werden Spezialitäten aus heimischen, regionalen Rohstoffen kreiert. Ungewöhnliche Blütenkomposition aus der Genussmanufaktur Lukashof: das erfrischende, vollmundige Holler Schafgarbe Gelee schmeckt als leckerer Brotaufstrich und passt super zu Crepes oder zum Verfeinern von Fruchtdesserts. www.lukashof.eu

8 // bluMenWieSenAroMA

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Speis & Trank

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Alles Bio ... oder was? Der Sommer naht und die Urlaubsangebote verdichten sich schon wieder. Immer öfter fallen auch in diesem Kontext die Begriffe Biohotel oder nachhaltiges Reisen. Wie exakt sind diese eigentlich definiert?

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ei Lebensmittel ist die Rechtslage in Europa klar geregelt. Bioware ist durch beglaubigte Zertifizierungsstellen mit klaren Richtlinien in Bezug auf organischen Anbau, weitgehenden Verzicht auf Chemie und artgerechte Haltung klar definiert. Dies beinhaltet allerdings rein die Produktionsmittel und -methoden. Regionalität und Saisonalität sind in diese Standards nicht integriert. Verantwortungsbewusster Einkauf obliegt in diesem Bereich dem Konsumenten. Wie sieht es aber in anderen Produktgruppen aus? Das Herausstellungsmerkmal »Bio« scheint in vielen Branchen durch massive Geschäftszuwächse zum Erfolgsmodell geworden zu sein – vor allem aus kaufmännischer Sicht. Auf den Bekleidungsständern der Textilmultis springen uns mit grünen Herzen beworbene Bio-Baumwoll-Shirts entgegen, Kosmetik preist sich immer natürlicher und sogar das Auto kann man mit Biodiesel füttern. Hier ist die Reglementierung noch sehr schwammig, ähnlich wie im Tourismus.

WeiSSwürste und hohe Erwartungen Als ich letzten Jänner im Rahmen der Skiwelt­ cuprennen in Kitzbühel endlich einmal zur legendären Weißwurstparty beim Stanglwirt in Going geladen war, staunte ich nicht schlecht: Dort, wo Arnold Schwarzenegger mit den Klitschkos und Niki Lauda im Schatten des Hahnenkamms Industriebier und konventionellen, russisch anmutenden Wodka zu bayrischen Weißwürsten schlürfte, prangt groß der Schriftzug »Biohotel«. Unter dem Dach eines Biohotels hab ich mir definitiv ein anderes Lebensmittelsortiment erwartet. Auf meine Anfrage ließ mir Juniorchefin Maria Hauser einige Tage später ausrichten, dass ihr Hotel das Attribut Biohotel seit mehreren Jahrzehnten auf Grund der Baubiologie – dem Einsatz von natürlichen Materialien – beansprucht. Kann man sich in Österreich also Biohotel nennen, weil man in den 70er Jahren Naturmaterial für den Hotelneubau verwendet hat?


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Micky Klemsch

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Hotel Rupertus

Als der Tiroler Ludwig Gruber vor über zehn Jahren die Gruppe der Biohotels gründete, wurde mit einer Studie des renommierten Marktforschungsinstituts GfK hinterfragt, was sich der Konsument von einem Biohotel erwartet. Die Antwort war eindeutig: Bio-Lebensmittel. Darauf setzte man seit der Gründung der Gruppe, die mittlerweile Hotels in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich umfasst. Mit der Bio-Kontrolle Austria entwickelte Gruber ein Gastronomie-Kontrollkonzept, das auch für die deutsche Biokontrolle als Basis diente. Der Kern der Biokompetenz bleibt dabei das Angebot bestehend aus ausnahmslos biologisch erzeugten Lebensmitteln. Für das ganzheitliche Konzept folgte dann auch die Bemühung um natürliche Produkte bei Kosmetik und Reinigungsmittel und zuletzt auch der Einsatz von nachhaltigen Textilien im Hotelbereich. In Deutschland, auf dessen Reisende das Marketing der Biohotels abzielt, funktioniert das sehr gut. Hier hat der Konsument durch Kontrolle und gezielte Strafen wegen Missbrauchs der Biodeklaration bereits Sicherheit. In Österreich erscheint das noch zu verwaschen.

Glaubwürdigkeit der lokalen Produzenten Für Nadja Blumenkamp sind die Kriterien der Biohotels noch etwas zu streng. Für die Neupositionierung ihres Hotels Rupertus in Leogang setzte sie stark auf die persönlichen Interessen der Familie. Und die gingen klar in die naturnahe Richtung mit einem möglichst großen Anteil an Bio. Das brachte dem Hotel im Vorjahr auch das Österreichische Umweltzeichen. Für eine Komplettzertifizierung fürchtet sie allerdings, auf viele regionale und handwerklich hergestellte Produkte verzichten zu müssen, deren Glaubwürdigkeit sie durch den persönlichen Kontakt zu den Produzenten mehr schätzt als die zum Teil importierten Bio-Lebensmittel. Den ersten Schritt setzte man mit dem Salzburger Bio-Frühstück, für das nur zertifizierte Lebensmittel auf den Teller des Gastes kommen. Im Land Salzburg nicht besonders schwierig – immerhin sind hier mehr als 50 Prozent der Landwirte Biobauern, europaweit eine Vorzeigequote. Doch wie weit muss Bio in der Hotellerie wirklich gehen? Bei den Überlegungen zum bevorstehenden Urlaub sollten mehr Aspekte betrachtet werden als nur die biologische Verpflegung: Nachhaltig Reisen bedeutet auch die bewusste Wahl der Verkehrsmittel, der eingesetzten Energie und die Schonung der natürlichen Ressourcen. — www.stanglwirt.com — www.biohotels.info — www.rupertus.at

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illustration Nana Mandl

Frei nach Frank Zappa: Über Nachhaltigkeit zu reden, ist wie über den Klimawandel zu tanzen.

karneVaL in rio

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und hinter mir die sintFlut / Johanna Stögmüller

»KÖNNTE JA SEIN, DASS SIE GLAUBEN, DIE WELT SEI GANZ IN ORDNUNG.«

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untergehen oder sich in einer ie Erde stirbt. Knapp 3.000 Forscher treffen sich Sprache verlieren, die zum an einem Ort, diskutieren die Zukunft unseres Gegenteil dessen geworden ist, Planeten und machen der Vorstellung von der was ihren ursprünglichen Sinn Welt, die bis gestern noch möglich war, einen ausgemacht hat. Strich durch die Rechnung. Denn am Ende wird ein Satz 20 Jahre ist es nun her, dass formuliert, der inzwischen allen politischen Entscheidie Mutter aller Gipfel, die dungsträgern klar sein sollte: »Die Zeit, unumkehrbaren erste Erd-Konferenz in Rio de und dauerhaften Klimaveränderungen entgegenzuwirJaneiro, die Artenschutz- und ken, läuft ab«, heißt es im Abschlusspapier von »Planet Klimakonvention, aus der 1997 under Pressure«, einer Ende März in London abgehaltedas Kyoto-Protokoll hervorging, nen Klimakonferenz zur wissenschaftlichen Vorbereiverabschiedet hat. Zwei Jahrtung der Weltklimakonferenz im Juni in Rio de Janeiro. zehnte zuvor, 1972, hatte die sogeMit eindringlichem Ton formuliert die Wissenschaft nannte Brundtland- Kommission Forderungen an die Politik, welche ihrerseits wieder den Begriff »nachhaltige Entwickverspricht, ihr Bestes zu tun. Wir wissen, dass wir lung« definiert. Mit Recht darf man in dieses Versprechen ungefähr so viel Vertrauen fragen, was aus all diesen Beschlüssen setzen können wie in die Komplimente eines Heigeworden ist? ratsschwindlers und trotzdem hoffen wir, das Volk Ende Juni ist Rio wieder Schauplatz als Souverän, dass die gewählten Vertreter irgendder UN-Konferenz. Auf historischem wann ein Einsehen haben mit dem Meer, der Erde Boden und nach vielen enttäuschten Erund der Luft. wartungen keimen also neuerlich konkrete Forderungen von Wissenschaftlern für Die MuTTer Aller gipfel »eine Verpflichtung zur weltweiten NachKonferenzen, Gipfel, diplomatische Gesprähaltigkeit mit mehr Forschung, Aufklärung che, Think Tanks und Zukunftslabors – ja, die und Überwachung«. »Wir müssen es schafPolitik schafft sich Raum, um über die Erde fen, einen allgemeinen Wertekanon für die zu sprechen. So öffentlich wie möglich, damit Weltwirtschaft zu schaffen, basierend auf nicht alle politischen Entscheidungen in den Nachhaltigkeit und Wohlstand«, sagt AnanSitzungsagenden irgendwelcher Gremien tha Duraiappah, Direktor des International Human Dimensions Programme, am Rande der Klimakonferenz in London. Währenddessen präsentiert der Generalsekretär der Konferenz Rio+20 den Entwurf des Abschlussdokuments der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung, den sogenannten »Zero Draft«, der unter anderem eine Präambel enthält, in der für ein weiteres Wirtschaftswachstum plädiert wird – ein Widerspruch zur Idee ökologischer Nachhaltigkeit. Ich wage eine düstere Prognose: Politiker und Wissenschaftler werden sich zwei Tage an einen Tisch setzen und über Dinge reden, die sie nicht verstehen – weil sie sich gegenseitig nicht verstehen. Politik hat eine andere Zeitigkeit als nachhaltiges Denken. Das soziale System funktioniert anders als das natürliche System. Vielleicht müssen wir einfach damit leben – während die Erde stirbt?


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Wer Vรถslauer trinkt, recycelt auch. Wir sagen immer und immer wieder: Danke.

Mithelfen und Flaschen in die gelbe Tonne werfen. Aus jeder gesammelten Flasche wird wieder PET-Recyclat gewonnen. www.voeslauer.com/nachhaltigkeit Vรถslauer ist assoziierter Partner des klima:aktiv pakt2020 des Lebensministeriums und verpflichtet, detaillierte Klimaschutzziele und -maร nahmen zu erarbeiten und bis 2020 umzusetzen. www.klimaaktiv.at


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