amatom 33: ein Magazin von und für kritische, junge Mediziner*innen

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Lasst Euch nicht einschüchtern! Mein Plädoyer für zivilen Ungehorsam gegen Massenvernichtungswaffen 2018 nahm ich an meiner allerersten Protestaktion am Fliegerhorst in Büchel teil, indem ich das Haupttor mit meinen Mitstreiter*innen friedlich blockiert habe. Dafür wurden wir im Verlauf der letzten Jahre immer wieder auf höchst herabsetzender Art und Weise juristisch schikaniert. So wurde versucht, jeden von uns separat und sehr ungleich mit rechtlichen Mitteln einzuschüchtern. Mal mit Vorladung, mal mit Bußgeld, immer unterschiedlich. Ich war der letzte Fall, der noch ausstand, und sollte nach zwei Gerichtswechseln und zwei Jahren Warten endlich am 17. August 2020 vor Gericht in St. Ingbert erscheinen. Doch auch dies entpuppte sich als Schikane, weil dem Gericht erst drei Tage vor der Verhandlung und einer großen Mobilisation unsererseits einfiel, dass mein Fall mittlerweile verjährt sein könnte und alles abgesagt werden musste. Mit diesem einst ans Gericht gewandten Plädoyer möchte ich mich nun insbesondere an alle neueren Aktivist*innen und potenziellen Opfer solcher Schikane richten und euch ein paar deutliche Worte des aktivistischen Selbstbewusstseins mitgeben. Ziviler Ungehorsam ist wichtig: Lasst Euch nicht einschüchtern! 1. Die nukleare Katastrophe oder: wenn alle Hilfe zu spät ist 75 Jahre Hiroshima-Nagasaki, 2058 Atomwaffentests, zig Millionen von Opfern, 100 Sekunden vor Mitternacht. Die Zündung einer einzigen von den 20 in Büchel stationierten US-Wasserstoffbomben entfesselt im Bruchteil von Millisekunden Energien, die beide Anschläge der USA gegen Japan 1945 um etwa das 13-fache übersteigen. 600 Meter im Umkreis dieser Detonation wird alles und jeder in seine atomaren Bestandteile zerstückelt, während der Feuerball mit einer Temperatur von 1000 Sonnenoberflächen unaufhaltsam um sich greift. Was bleibt, sind keine Leichen, nur Kohlenstoffschatten auf zersprengtem Asphalt. Die Schatten Hundertertausender Menschen – das sind die Glücklichen. Weitere Hundertertausende werden von der kilometerweiten Überschalldruckwelle erfasst, unter Gebäudefragmenten begraben, durch Feuerstürme aus Geröll, radioaktivem Staub und ihren eigenen halb abgetrennten Gliedmaßen versengt, kontaminiert, gefoltert. Zu betonen ist, dass etliche von ihnen im Vorfeld durch die Explosion ihr Augenlicht verloren haben werden, folglich blind durch die Gegend geschleudert werden, desorientiert, hilflos, ihrer Würde beraubt. Jene, die weit genug entfernt waren oder kurzfristig unterkommen konnten, werden in den Folgetagen erleben, wie sich ihre Haut, Haare, Zähne, Gedärme und Innereien langsam qualvoll durch die Strahlenkrankheit zersetzen. Weitere zahllose Menschen auf der ganzen Welt werden durch den folgenden Fallout an diversen Krebserkrankungen in Agonie zugrunde gehen.

Wir Ärzt*innen werden euch nicht helfen können. Umso begrüßenswerter war mithin der nahezu einstimmige Beschluss des Bundestags vom 24. März 2010, ein Zeichen gegen die ca. 15.000 weltweit verfügbaren Atomsprengköpfe zu setzen und die illegal auf deutschen Boden stationierten Massenvernichtungswaffen restlos abziehen zu lassen. Umgesetzt wurde das genaue Gegenteil: Passiv billigend wurde die Aufkündigung des INF-Vertrages in Kauf genommen und fleißig eingekauft. So ist geplant, die oben beschriebenen frühen Generationen der B61-Bomben in Büchel durch ihre modernisierte und noch gefährlichere Variante, die neue B61-12-Bombe, zu ersetzen – einer präzisionsgelenkten Wasserstoffbombe mit dramatisch gesteigertem Vernichtungspotenzial trotz geringerer Sprengladung. Die Anschaffung einer solchen Waffe kann nur ein einziges glaubhaftes Ziel verfolgen: Atomkrieg auf den künftigen Schlachtfeldern Europas und der Welt salonfähig zu machen. Diese Waffensysteme wurden nicht für Abschreckungszwecke entwickelt, sondern speziell für die Ausführung strategischer Angriffe gegen befestigte Anlagen an der Front. Hintergrund solcher Entwicklungen ist die bittere Faktizität eines neuen, weltweiten, atomaren Wettrüstens und wir alle hier werden zur Komplizenschaft genötigt, denn in unserem Namen bricht die BRD Vertrag um Vertrag, das eigene Staatsrecht, ja sogar das Grundgesetz.

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