MAI 2015
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Mai Auktionen in Wien. Kostbare Linien und die Poesie der Farben. Jet-Set & Dolce Vita. Spekulationsm채rkte f체r Kunst und Design. Valie Export Vorlass. Nach Picasso. Deutsche Kunst nach 1960. Appropriation:Performance
06 | KUNST.INVESTOR Editorial
Liebe Leserinnen und Leser! Heute halten Sie die aktuelle Ausgabe des Magazins KUNSTINVESTOR in „Händen“. Innovativ, exklusiv und stets mit dem richtigen Riecher für aktuelle Entwicklungen informieren wir Sie rund um alle wichtigen Themen, die nationalen und internationalen Kunstmärkte betreffend. Kunst ist ein interessantes Thema und unbestritten die schönste Beimischung für Ihr Investmentportfolio- inspirierend, nicht allein in ideeller Hinsicht. Besonders in Zeiten, da Bullen auf sich warten lassen und Renditen an der Nulllinie kratzen, etablieren sich Kunstwerke als stabile, vor allem aber als rentable Assets. Eine Tatsache, der sich selbst hartgesottene Aktionäre nicht entziehen können. Mehr noch: Dieser Boom ist noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen. Bilder, Antiquitäten und andere
Sammelobjekte nehmen im Rahmen der Veranstaltungen einen immer höheren Stellenwert ein. Jährlich werden bis zu 30 Milliarden US-Dollar in Kunst investiert. Weil es bei allen Dingen des Lebens immer auf den richtigen Mix ankommt, wollen wir Sie nicht nur mit fundierten Hintergrundberichten, präzise recherchierten Topstorys, wichtigen Nachrichten und aktuellen Interviews begeistern. Lesen Sie den aktuellen KUNSTINVESTOR, wo Sie sich ein aktuelles Bild über den Kunstmarkt verschaffen können- eine wirklich gute Investition. Viel Spaß Wünscht Ihnen Michael Ruben Minassian Chefredakteur & Herausgeber
IMPRESSUM: Medieneigentümer, Chefredakteur & Herausgeber: Michael Ruben Minassian. Mail: michael.minassian@kunstinvestor.at , Telefon: +43 1/ 236 53.1318 Verlagsadresse: MN Online & Content GmbH, 1110 Wien, Brehmstrasse 10/4.OG, Geschäftsführung: Markus Bauer, ATU 65091955, FN 330453k, Tel: +43 1/ 91920- 9045, Fax: + 43 1/29 81 298, Website:www.kunstinvestor.at, Cover-Foto: © Dorotheum Wien, Gabriel Ritter von Max, „Die.Gelehrten“, Öl auf Leinwand, 60,5 x 45 cm [ erzielter Preis am 23.4.2015€ 149.400 €, WELTREKORD(!) ]
08 | KUNST.INVESTOR Universität Wien
Universität Wien bietet einzigartigen Masterlehrgang für Kulturkommunikation an
Die Anforderung an künftige KulturkommunikatorInnen (PR-Fachleute, JournalistInnen, SponsoringManagerInnen) sind im Hinblick auf die rasanten Entwicklungen der Medien- und Kulturbranche hoch. Mit dem Wiener Universitätslehrgang für Kulturkommunikation und Kulturjournalismus wird erstmals im deutschsprachigen Raum dieser Entwicklung Rechnung getragen: Es handelt sich dabei um einen neuen Spezialbereich des renommierten Universitätslehrgangs Public Communication am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Der postgraduale Master richtet sich an Personen, die sich im Bereich von Kommunikationsmaßnahmen für Kultureinrichtungen und Events, Kulturjournalismus und Sponsoring professionalisieren möchten. Der Lehrgang startet ab Herbst 2015 und bietet eine profunde Ausbildung in Kulturjournalismus, Kultur-PR und Corporate Cultural
Responsibility: „Diese drei Säulen machen den Lehrgang einzigartig im deutsch-sprachigen Raum“, sagt Initiator Wolfgang Lamprecht. „Gerade Wien als so wichtiger Medien- und Kulturstandort braucht eine solche Aus- und Weiterbildung.“ Auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse lernen die Studierenden fachlich fundiert und praxisnah das Management von Kommunikationsprozessen im Hinblick auf eine breite Kulturöffentlichkeit. „Die in Europa einzigartige Infrastruktur der Medien- und Kulturmetropole Wien, mit ihren weltweit führenden Theater- und Konzertbühnen, den bedeutenden Museen und innovativen Festivals und mit ihrer wachsenden Creative Industry ist für den Lehrbetrieb und dessen Praxisorientierung in mehrfacher Hinsicht von Vorteil“, ergänzt Studienprogrammleiter Klaus Lojka. Weitere Informationen. hier (Foto: Leisure Communication)
10 | KUNST.INVESTOR LENTOS
Portrait VALIE EXPORT, Foto: Lentos (©) Herta Hurnaus, 2015
Valie Export Vorlass kommt nach Linz Mit dem beabsichtigten Ankauf des Vorlasses von VALIE EXPORT, dem sogenannten VALIE EXPORT Archiv, erfährt das LENTOS Kunstmuseum die größte Erweiterung des Sammlungsbestands seit Ankauf der Sammlung Gurlitt in den 1950er-Jahren. Gleichzeitig legt die Stadt Linz den Grundstein für den Betrieb eines VALIE EXPORT Centers, einer internationalen Forschungsstätte für Medien- und Performancekunst. Die Stadt Linz erwirbt das VALIE EXPORT Archiv, bestehend aus Kunstwerken, Skizzen, Entwürfen, Negativen und weiteren umfangreichen Archivmaterialien aus dem Schaffen der in Linz geborenen Künstlerin. Das Archiv wird in den Sammlungsbestand des LENTOS Kunstmuseum eingebracht und bildet die Basis für die Gründung des „VALIE EXPORT Center. Forschungszentrum für
Medien- und Performancekunst“, das künftig in Kooperation zwischen der Stadt Linz und der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz betrieben wird. Mit dem Ankauf des VALIE EXPORT Archivs und der Gründung des VALIE EXPORT Centers bietet sich für die Stadt Linz die Chance, einer der größten österreichischen Künstlerinnen zu würdigen und zu einer international wahrnehmbaren Stätte des Werks von VALIE EXPORT zu werden. Nicht zuletzt erfolgt dadurch auch eine Stärkung und Weiterentwicklung der Profilierung der Stadt Linz im Bereich der Medienkunst, die durch die Ende 2014 erfolgte Anerkennung als UNESCO City of Media Arts bereits eine besondere internationale Wahrnehmung erhielt. (Foto: Lentos)
Kollektion Mille Miglia GTS Automatic, Power Control und Chrono Racing in style
Seit ihrer Einführung im Jahr 1988 hat sich die Kollektion Mille Miglia zu einer Ikone des Hauses Chopard entwickelt. 2015 präsentiert Chopard eine weitere Variation dieses großartigen Klassikers: die neue Linie Mille Miglia GTS (Grand Turismo Sport). Diese neue Linie besteht aus einem Chronometer mit drei Zeigern und Datumsfenster (Automatic), einem Zeitmesser mit Gangreserve (Power Control) und einem Chronographen. Zum ersten Mal werden die Modelle Automatic und Power Control ausgestattet sein mit einem Manufakturkaliber aus der Werkstatt von Chopard Fleurier Ebauches. Die neuen Uhren interpretieren den Classic Racing Spirit der Kollektion Mille Miglia ganz neu, ohne auf die typischen Merkmale zu verzichten, die in den vergangenen 25 Jahren den Erfolg der Mille-Miglia-Zeitmesser ausgemacht haben. Für diese Erneuerung stehen die Modelle Mille Miglia GTS Automatic, Power Control und Chrono.
Seit 1988 ist Chopard offizieller Zeitnehmer der Mille Miglia, der „corsa più bella del mondo“, die jedes Jahr auf der Strecke zwischen Brescia und Rom ausgetragen wird. Die Kollektion Mille Miglia spiegelt die Begeisterung von KarlFriedrich Scheufele für klassische Rennwagen wider. Der Oldtimer-Sammler und Co-Präsident von Chopard nimmt auch jedes Jahr selbst als Fahrer an diesem legendären Klassiker-Rennen teil.
Mille Miglia GTS: Drei Modelle – eine Linie Die neue Linie Mille Miglia GTS bietet verschiedenste Funktionen: einen Chronometer mit drei Zeigern und Datumsfunktion, einen Chronographen und ein Modell mit Gangreserve. Die drei maskulinen Zeitmesser sind den klassischen Boliden nachempfunden, die zwischen 1940 und 1957 an der Mille Miglia teilnahmen. Ihre großen Edelstahlgehäuse – die Automatikuhr und die Power Control messen 43 mm, der Chronograph 44 mm – bieten mit ihren markanten, kurzen und leicht abgeschrägten Bandanstößen einen optimalen Tragekomfort, während die facettierten Zeiger den sportlichen Charakter der Uhren unterstreichen.
Präzisionskaliber aus der Werkstatt Fleurier Ebauches Erstmals in der Geschichte der Kollektion erhalten einige der Mille-Miglia-Modelle ein Uhrwerk von Chopard: Die Kaliber 01.01-C und 01.08-C wurden exklusiv in der Manufaktur Fleurier Ebauches erdacht und entwickelt und werden auch dort montiert. Als eigene Entwicklungen sind sie Chopard nicht nur besonders wichtig, sondern erfüllen auch alle hohen Qualitätsansprüche der Kollektion Mille Miglia. In der neuen Kollektion Mille Miglia GTS sind diese Kaliber die Herzstücke der Modelle Automatic und Power Control. Auch in puncto Exklusivität sind die neuen Zeitmesser den siegreichen Automobilen, die an dem legendären Straßenrennen teilnehmen und mitsamt Sammlerstücke sind, absolut ebenbürtig. Sie sind nicht nur robust und rennerprobt, sondern dank ihres automatischen Aufzugs auch praktisch und komfortabel in der Handhabung. Ihre großzügige Gangreserve von 60 Stunden sorgt dafür, dass sie als wettkampferprobte Präzisionsinstrumente selbst nach einer Rennpause stets zuverlässig die Zeit anzeigen. Dafür bürgt schließlich das offizielle Schweizer Chronometerzertifikat (COSC), das nicht nur für Chopard, sondern für alle Rennfahrer ein unerlässliches Attribut ist: Die Zeitmesser der Linie Mille Miglia GTS tragen daher mit Stolz den begehrten Schriftzug „Chronometer“ auf dem Zifferblatt.
Moderne Ästhetik im Vintage-Stil für einen großen Klassiker von Chopard Die neuen Modelle der Linie Mille Miglia GTS – Automatic, Power Control und Chrono – sind zu Ehren des berühmtesten Klassikers unter den italienischen Automobilrennen als präzise Navigationsinstrumente fürs Handgelenk konzipiert. Ihre Lünetten aus schwarzem Aluminium mit Skaleneinteilung betonen den sportlichen Charakter der Uhren. Die schwarzen Zifferblätter mit ihren roten und weißen Akzenten sind eine Hommage an die Ästhetik der VintageRennwagen. So ist die Gangreserveanzeige der Mille Miglia GTS Power Control im Stil der Tankanzeigen der 1950er Jahre gestaltet. Ein roter Pfeil, das Logo der Mille Miglia, umschließt das Datumsfenster. Zusammen mit der angezeigten Zahl erinnert er an die auf den Türen und Motorhauben der klassischen Rennwagen angebrachten Startnummern. Die Farbe Rot, die auf dem Zifferblatt dominiert, fängt die nervöse Spannung auf dem Rennkurs ein – in den Punkten neben den konzentrisch angeordneten Indizes und im pfeilförmigen Sekundenzeiger aller Modelle der Linie Mille Miglia GTS. Diese sind erhältlich als Versionen in Edelstahl mit Edelstahl- oder Kautschukarmband oder in Roségold mit Kautschukarmband. Auch Letzteres zeigt den typischen „Racing Spirit“, denn es ist dem DunlopRennreifenprofil der 1960er Jahre nachempfunden. Die Modelle Automatic und Power Control sind die ersten Uhren mit der neuen charakteristischen Typographie der Kollektion Mille Miglia GTS: Ihre übergroßen Ziffern 6 und 12 sind mit Superluminova beschichtet – eine Reminiszenz an die Armaturenbretter der klassischen Rennwagen, an das Gefühl von ehrlichem Wettbewerb, Freiheit und Abenteuer, das die Liebhaber klassischer Rennwagen so fasziniert. Die Kollektion Mille Miglia GTS ist als Hommage an die „corsa più bella del mondo“ allen Piloten gewidmet, die ihre Wettkämpfe mit Stil austragen.
16 | KUNST.INVESTOR Forum Frohner
Bernhard Buhmann, Fig. 1 (Gudrun), 2014, Foto Š Bernhard Buhmann
17 | KUNST.INVESTOR Forum Frohner
Christian Bazant-Hegemark, Triumph, 2014, Foto: © Christian Bazant-Hegemark
NACH PICASSO AUF SPURENSUCHE IN DER JUNGEN ÖSTERREICHISCHEN KUNST Pablo Picasso gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu früheren Generationen scheint er bei vielen jüngeren Künstlerinnen und Künstlern aber keine unmittelbare Rolle mehr zu spielen. Gleichzeitig hat vieles, das uns heute in der Kunst als selbstverständlich und kanonisiert gilt, seinen Ursprung im 20. Jahrhundert und häufig bei Picasso. Seine vielfältigen malerischen Experimente zwischen Figur und Abstraktion, seine revolutionäre Auffassung der Skulptur, sein Mut, ständig neue Wege einzuschlagen und sich stilistisch immer wieder neu zu erfinden, aber auch seine kämpferische politische Seite, seine Selbstinszenierung und sein Marketingtalent wirken bis heute nach. Die Ausstellung möchte weniger Künstlerinnen und Künstler vorstellen, die sich auf
Picasso als Vorbild berufen, sondern vielmehr den unzähligen Spuren nachgehen, die er in der Kunst – in diesem Fall in der jungen österreichischen Kunst – immer noch hinterlässt. Sie versucht aufzuzeigen, wie seine formalen und inhaltlichen Ideen in das Werk junger österreichischer Künstlerinnen und Künstler bewusst – etwa als Zitat oder auch Inspirationsquelle –, oft aber auch unbewusst Eingang gefunden haben. Die Bezüge und Parallelen zu Picasso sind dabei manchmal offensichtlich und gleich erkennbar, bisweilen aber auch versteckt und assoziativ. Eine Entdeckungsreise mit vermutlich einigen überraschenden Erkenntnissen. Ausstellungsdauer: 10. Mai bis 27. September 2015 im Forum (Foto: Kunsthalle Krems-Forum Frohner)
Künstlerinnen: Iris Christine Aue, Christian Bazant-Hegemark, Bernhard Buhmann, Hannes Egger, Adolf Frohner, Karen Holländer, Eva Hradil, Bernadette Huber, Karl Karner, Michael Kienzer, Ronald Kodritsch, Michaela Konrad, Edith Payer, Alfons Pressnitz, Adele Razkövi, Thomas Riess, Farid Sabha, Christoph Schirmer, Martin Schnur, Deborah Sengl, Nina Rike Springer, Ekkehard Tischendorf, Gabi Trinkaus. Kurator: Günther Oberhollenzer
18 | KUNST.INVESTOR Forum Frohner
aus dem Samtkasten, 2013, Karl Karner - Foto: Š Karl Karner
19 | KUNST.INVESTOR Forum Frohner
Ohne Titel, 2014, © Adele Razkövi - Foto: Adele Razkövi
20 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Georg Baselitz, Partisan (Remix), 2005, テ僕 auf Leinwand, ツゥ Georg Baselitz, Foto: Mischa Nawrata, Wien
21 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Markus Lüpertz, Vier Kreuze - dithyrambisch III, 1972 © BILDRECHT Wien, 2015, Foto: Stefan Fiedler –Salon Iris, Wien
DEUTSCHE KUNST NACH 1960 Die groß angelegte Schau „DEUTSCHE KUNST NACH 1960“ präsentiert Essl Museum mit über 80 Arbeiten von 21 Künstlern ausgewählte Sammlungswerke von 1960 bis heute. Die Bandbreite reicht von den damals jungen, heute großen (west-)deutschen Altmeistern wie Georg Baselitz und Markus Lüpertz, Dieter Roth und Anselm Kiefer über die jüngeren Generationen um Jonathan Meese und Daniel Richter bis zur Postmoderne bei Anselm Reyle und Tobias Rehberger. Georg Baselitz und Markus Lüpertz, zwei wesentliche deutsche Malereipositionen, stehen sich im ersten Ausstellungsraum dialogisch gegenüber. Beide Künstler verbindet die zentrale Fragestellung, was Malerei sein kann. Der Bildgegenstand ist Anlass zur Malerei, erzählt aber selbst keine Geschichte, viel eher werden traditionelle Themen aufgenommen und neu interpretiert. Georg Baselitz kehrt sein Motiv auf der Leinwand um, Markus Lüpertz wiederholt das immer gleiche Motiv seriell, beide Strategien dienen der Zurücknahme von Bedeutung zu Gunsten von Malerei.Der politischste Raum der Ausstellung ist einer Künstlerfreundschaft über die Ost-West-Grenze hinweg
gewidmet - Jörg Immendorff und A.R. Penck. Auch wenn sie auf den ersten Blick zu sehr unterschiedlichen Ausdrucksformen greifen, wollen beide mit ihrer Malerei dezidiert gesellschaftspolitisch Stellung beziehen. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie in ihrem Bemühen, durch Malerei die Gesellschaft zu verändern, scheitern. Für einen von beiden, den „Westdeutschen“ Immendorff, wird durch die Freundschaft mit A.R.Penck die Teilung Deutschlands immer wieder Motiv seiner Kunst, so zeigt das Werk Ostjörg bereits 1980 die Vision des Mauerfalls. So wie Penck ist auch der viel jüngere Neo Rauch in der DDR aufgewachsen. Er leiht sich Paraphrasen aus der deutschen Geschichte, insbesondere der Romantik, und verwendet diese allegorisch in seinen Bildern, fügt sie aber nicht zu einer linearen Erzählung zusammen. Wiedervereinigung, heute ist er weltbekannt und besonders in den USA gilt er als einer der wichtigsten lebenden Künstler Deutschlands. Das Bild ist Bühne für seine mit Pathos aufgeladenen Protagonisten, die nur scheinbar tiefere Bedeutung aufweisen, ganz im Gegenteil verwehren sie jegliche gesellschaftspolitische Aussagen.
22 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Jテカrg Immendorff, Wartebiene II, 1992, テ僕 auf Leinwand, ツゥ Sammlung Essl Klosterneuburg, Foto: Mischa Nawrata, Wien
23 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
A. R. Penck, Serie über Raum 7, 1982, Kunstharz auf Leinwand, © BILDRECHT Wien, 2015, Foto: Mischa Nawrata, Wien
24 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Neo Rauch, Kommen wir zum Nächsten, 2005, Öl auf Leinwand, 280 x 210 cm, © BILDRECHT Wien, 2015 Foto: Uwe Walter, Berlin - courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin
Rauchs Karriere begann nach der Wiedervereinigung, heute ist er weltbekannt und besonders in den USA gilt er als einer der wichtigsten lebenden Künstler Deutschlands. Eine ganz andere Art des „Sampelns“ betreibt Albert Oehlen, der alles Mögliche für seine Malerei verwendet. Egal ob Hoch- oder Subkultur verwendet er zeitgleich verschiedene Motive und Stile in seiner collageartigen Malerei, deutsche Geschichte hat für ihn keine spezielle Relevanz. Bekannt wurde Oehlen in den 1980ern als ein Hauptvertreter der Jungen Wilden, damals arbeitete er mit Kippenberger, später auch mit Jonathan Meese zusammen. Nur mehr Fragmente einer Geschichte erzählt Tim Eitel in seinen beinahe monochromen Werken. Im Arbeitsprozess, der oft mit einer Fotovorlage beginnt, geht es ihm um die Nur mehr Fragmente einer Geschichte erzählt Tim Eitel in seinen beinahe monochromen Werken. Im
Arbeitsprozess, der oft mit einer Fotovorlage beginnt, geht es ihm um die Konzentration auf das Wesentliche. Alltägliches als Motiv wird mehr und mehr reduziert und verdichtet, Unwesentliches weggelassen, die Farbpalette auf Grautöne eingeschränkt - so bekommt das Bild etwas Allgemeingültiges und das Banale des Alltags wird auratisch aufgeladen. Eine Sonderposition nimmt Dieter Roths Kunst in der Rotunde der Ausstellungshalle ein. Alles, was der Künstler sammelt, wird zu Kunst - Gegenstände, Lebensmittel, Material, Musik - das Gewebe wächst in den Raum und kann ihn damit komplett überwuchern. Auch Vergängliches wie Schokolade oder Schimmel zählen zu seinen Materialien. Die Ausstellung zeigt auch vier Positionen abstrakter Malerei, wobei Hartwig Ebersbach als einziger gestischer Maler der ehemaligen DDR gilt.
.25 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Albert Oehlen, Arturo Klinik Lテカwen, 1999, テ僕 auf Leinwand, ツゥ Sammlung Essl, Klosterneuburg / Wien, Foto: Photoatelier Laut, Wien
26 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Gerhard Richter, Zaun, 1983, テ僕 auf Leinwand, 150 x 100 cm, ツゥ Gerhard Richter, Foto: Mischa Nawrata, Wien
27 | KUNST.INVESTOR Essl Museum
Imi Knoebel, LNNDNN, 2004, Acryl auf Aluminium© BILDRECHT Wien, 2015, Foto: Mischa Nawrata, Wien
Die Ausstellung zeigt auch vier Positionen abstrakter Malerei, wobei Hartwig Ebersbach als einziger gestischer Maler der ehemaligen DDR gilt. Sein Einzelgängertum hat damit zu tun, dass die Kunstdoktrin in der DDR der gestischen Malerei diametral entgegengesetzt war. Der Künstler entäußert sich in der Bewegung vor der Leinwand in expressivdicken Farbauftrag oder verwendet als Motiv die Figur des Kasper, ein volkstümliches Symbol für Narrenfreiheit. Als Gegenpol zur emotionalen Aufladung bei Ebersbach, baut Gerhard Richter seine Arbeiten rein analytisch auf, lotet die grundlegenden Kompositionsschemata von Gestik und Abstraktion aus. Er gilt als der Forscher in der Malerei, der sich aller Stile und Möglichkeiten in vielfältiger Weise bedient, und so kann man ihm keine typische malerische Handschrift zuschreiben. Inhaltlich entzieht auch er sich
jeder Form der Erzählung. Als nächstes treten die abstrakt geometrischen Arbeiten von Günter Förg und Imi Knoebel in einen Dialog: Farbstrukturen bestimmen die Ordnung der Komposition, beide Künstler wollen konsequent handschriftlos bleiben. Förg steht in der formalen Tradition der Architektur der Moderne (1920/30er Jahre) und ihrer Harmonie- und Proportionslehre, setzte sich mit dem Bauhaus ebenso wie mit der Architektur des faschistischen Italiens und der jungen Sowjetunion auseinander. Knoebel arbeitet ähnlich reduziert, geht aber mehr auch ins Objekthafte, ihn interessiert die Farbflächenmalerei, die auch in den Raum geht. Die Ausstellung bildet einen Parcours durch das deutsche Kunstschaffen in Dialogen und Einzelpräsentationen von Künstlern. [Ausstellungsdauer: 24. Juni bis 15. November 2015 Foto: © Essl Museum]
28 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Franz West, Mischtechnik, 14 x 20 cm, € 10.000 – 20.000)
Franz West, Mischtechnik, 14 x 20 cm, € 10.000 – 20.000)
29 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Erich Heckel, „Fränzi liegend“, 1910, Farbholzschnitt auf Papier, 23 × 41 cm (Bildgröße), € 150.000 – 300.000).
Kostbare Linien und die Poesie der Farben 106. Auktion Meisterwerke im Kinsky - 12. Mai 2015 Graphik und Malerei stehen im Zentrum der Meisterwerke mit Werken der Klassischen Moderne und der Zeitgenöss-ischen Kunst: Hervorragende Beispiele von Vertretern des deutschen und österreichischen Expressionismus- Erich Heckel und Oskar Kokoschkastehen den luziden Farbenreichtum eines Auguste Renoirs oder dem kraftvollen Expressionismus eines Alfons Waldes entgegen. Die Gegensätze lassen sich fortführen mit Werken aus der Liste der Who is Who: Zeichnungen von Gustav Klimt und Egon Schiele (Sitzendes Mädchen, 1918 € 70.000 – 140.000), ein feinst modelliertes Aquarell von Albin Egger-Lienz (Porträt, € 25.000 – 50.000) und ein ausdrucksstarkes Porträt von Max Oppenheimer (Friedrich Heyde, € 70.000 – 140.000) sowie ein Stillleben von Rudolf Wacker (€ 70.000 – 140.000). Bei den Zeitgenossen punkten Max Weilers „Der Regen ist grün“ (€ 120.000 –
200.000), Karl Prantls „Meditationsstein“ (€ 100.000 – 200.000) sowie Oswald Oberhubers „Zähne“ (€ 18.000 – 28.000) und Herbert Brandls großformatiges Gemälde von 2009 (€ 35.000 – 70.000). In den 1960er Jahren, kurz vor dem Tod des Malers, Erich Heckel, erwarb eine ehemalige Schauspielerin aus Österreich den Holzschnitt „Fränzi liegend“ direkt vom Künstler. Es war möglicherweise eines der letzten Exemplare dieses Motivs, das zu den Inkunabeln des deutschen Expressionismus zählt! 1910 vollendete Erich Heckel, einer der Gründer und Hauptvertreter der Gruppe „Die Brücke“, das Bild des liegenden kindlichen Aktes und brach damit ein Tabu. Das raue Material des Holzschnittsförderte die kantige, unmittelbare Gestik, durch den händischen Druckvorgang ist jedes Blatt ein Original! („Fränzi liegend“, 1910, Farbholzschnitt auf Papier, 23 × 41 cm (Bildgröße), € 150.000 – 300.000).
30 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Oskar Kokoschka, „Weib über Schemen gebeugt“, 1913, 29 x 43 cm, Kohle und Bleistift auf Papier, € 70.000 – 140.000)
Hans Hofmann, „Green Pasture“, 1963, Öl auf Leinwand, 127 × 101,6 cm, € 250.000 – 500.000).
31 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Alfons Walde, Berghof, 1928/1930, Öl auf Karton, 42 x 60 cm, € 150.000 – 300.000
Mit der Zeichnung „Weib über Schemen gebeugt“ von Oskar Kokoschka stellt die Zeichnung eine wahre Entdeckung dar. Es handelt sich dabei um eine jener seltenen Originalzeichnung für die berühmte Lithographieserie „Der entfesselte Kolumbus“. Noch dazu jenes Blatt, das den Künstler mit seiner damaligen Geliebten Alma Mahler in einer Pietà-artigen Verschränkung zeigt („Weib über Schemen gebeugt“, 1913, 29 x 43 cm, Kohle und Bleistift auf Papier, € 70.000 – 140.000). Die Kombination von Berg, Bauernhof und Schnee vor tiefblauem Himmel hat Alfons Walde schon zu Lebzeiten zu einem der erfolgreichsten Maler des Landes mit internationalem Renommee gemacht! Der Berghof im Frühling vor der mächtigen Kulisse des Wilden Kaisers ist noch dazu eines der seltenen Motive, das Walde in einer Komposition von scharfen Diagonalen, großen monochromen Flächen und ausgewogenen Farbkontrasten und mittels seiner kraftvollen, unverwechselbaren Malführung Gestalt werden lässt. (Berghof, 1928/1930, Öl auf Karton, 42 x 60 cm, €
150.000 – 300.000) „UND“-Phase nennt sich jene Werkgruppe, die Kandinsky ab Mitte der 20er Jahre und unter dem Einfluss Paul Klees erarbeitete. Neue Techniken und Bildtypen werden versucht, wie das Spritzen von Farbe durch Schablonen. Graphische Chiffren scheinen daher auf Grund zu schweben, das Spannungsverhältnis der früheren Arbeiten weicht einer medidativen Ruhe. („Zwei zu Eins“, 1933, Aquarell und Gouache auf Papier, 48,5 × 31,7 cm, € 70.000 – 140.000). Ein Bayer, der in die USA auswandert und eine der wichtigsten Strömungen der modernen Kunst begründete: Hans Hofmann, ohne dem der amerikanische Abstract Expressionism nicht zu denken wäre. Wegen seiner intensiven Lehrtätigkeit entstand erst im Alter ein umfangreiches Werk, das am europäischen Markt nur selten angeboten wird. „Green Pasture“ wurde direkt beim Künstler von einer österreichischen Privatsammlung erworben. („Green Pasture“, 1963, Öl auf Leinwand, 127 × 101,6 cm, € 250.000 – 500.000).
32 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Max Weiler, „Der Regen ist grün“, 1982, Eitempera auf Leinwand, 200 x 110 cm, € 120.000 – 200.000
33 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Friedensreich Hundertwasser, „Die grüne Steiermark“, 1958, Wasserfarbe und Eitempera auf Leinwand, 61 x 50 cm, € 80.000 – 160.000
Max Weiler lässt es regnen Neuschöpfung der Natur ohne Naturähnlichkeit war das Credo von Max Weilers umfangreichem Werkepos, dessen moderne Interpretation von Landschaft und Natur bahnbrechend war. Er war bereits über 70 Jahre, als er die Summe seiner künstlerischen Entwicklung zu neuen Höhepunkten und Erkenntnissen führte. Der grüne Regen ist sympotmatisch für dieses reife Spätwerk, wo Farben in ständiger Gegenbewegung zueinander streben, transparent und deckend, erdig und atmosphärisch und die Formen von Weilers Naturvision sich eigenständig organisch entwickeln. („Der Regen ist
grün“, 1982, Eitempera auf Leinwand, 200 x 110 cm, € 120.000 – 200.000). Mit Hundertwasser im Grünen Hundertwassers kraftvolle Vision einer anderen Moderne ist in diesem Meisterwerk aus den späten 50er Jahren erlebbar! Aus organischen Formen, Kurven, Linien, Wellen und Kreisen entstehen Assoziationen zu Hügeln und Landschaftsräume, getränkt in schillerndes Grün und Blau, umrahmt von knalligem Rot. („Die grüne Steiermark“, 1958, Wasserfarbe und Eitempera auf Leinwand, 61 x 50 cm, € 80.000 – 160.000)
34 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Auguste Renoir, „Paysage à Cagnes“, um 1898, Öl auf Leinwand, 30 x 38 cm, € 150.000 – 300.000
35 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Wassily Kandinsky, „Zwei zu Eins“, 1933, Aquarell und Gouache auf Papier, 48,5 × 31,7 cm, € 70.000 – 140.000
36 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Keith Haring, (o. T., 11. Mai 1986, Acryl auf Hartfaser-/Holzplatte, 125 x 60 cm, € 50.000 – 100.000
37 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus ‚im Kinsky‘
Franz West, Mischtechnik, 14 x 20 cm, € 10.000 – 20.000)
Franz West x 10 Sie sind provokativ, humorvoll, comicartig – die Mischtechniken von Franz West, die er parallel zu seinen Passtücken von Beginn an in kleinen Formaten – wie Häppchen – servierte. Sie tauchen immer nur vereinzelt am Markt auf, weshalb das Angebot von gleich 10 Arbeiten aus den Jahren 1971 und 1972 aus einer Sammlung sensationell ist. Sie erlaubt nicht nur eine Auswahl sondern auch einen seltene thematische Zusammenstellung. (Zehn Arbeiten von 1971 und 1972, Mischtechniken, 14 x 20 cm, je Blatt € 10.000 – 20.000).
Sie waren die special guests der Wiener Festwochen 1986: Keith Haring und Jenny Holzer! Und weil die Pausen lang waren, malte Haring dem Kameramann des ORF Erwin Palmstorfer ein Männchen auf das ausgerissene Brett einer Plakatwand. Ein off-setHappening also mit Sensationswert! (o. T., 11. Mai 1986, Acryl auf Hartfaser-/Holzplatte, 125 x 60 cm, € 50.000 – 100.000).(Foto: ‚ im Kinsky‘)
40 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Gabriel Ritter von Max (Prag 1840 - 1915 Mテシnchen) Die Gelehrten, signiert, テ僕 auf Leinwand, 60,5 x 45 cm, erzielter Preis 竄ャ 149.400 - WELTREKORD
Ivan Constantinowich Aivazovsky (Feodosia 1817 - 1900) Sinkendes Schiff, 1889, テ僕 auf Mahagonyplatte, 26,9 x 20,6 cm
41 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Friedrich Gauermann (Miesenbach 1807 - 1862). Der Überfall, signiert, datiert 1834, Öl auf Leinwand, 60,5 x 74 cm, erzielter Preis € 173.800
Internationale Höchstpreise bei der Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ Die Gebote stiegen mit nahezu affenartiger Geschwindigkeit auf ein Vielfaches des Erwarteten: 149.400 Euro bedeuten mit großem Abstand den Weltrekordpreis für Gabriel Ritter von Max bei der Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ am 23. April 2015 im Wiener Dorotheum. Gabriel Ritter von Max, einer der einflussreichsten Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts in München, Wien und Prag, zeigt „Die Gelehrten“, beide offenbar im wissenschaftlichen Disput. Der eine blickt 150423Aivazovskywissend, der andere skeptisch. Grundsätzlich nichts außergewöhnliches, handelte es sich auf diesem 60 mal 45 Zentimeter großem Bild nicht um zwei Affen, die sich hier nur allzu menschlich präsentieren. Gabriel von
Max, viel bewunderter „Seelenmaler“, der es perfekt verstand, große Emotionen auf die Leinwand zu bannen, beschäftigte sich nebenher mit der Anthropologie von Affen und züchtete die possierlichen Tiere auf seinem Anwesen am Starnberger See. Hohe Steigerungen, weit über die Erwartungen, kennzeichneten insgesamt den Verlauf der DorotheumAuktion: Friedrich Gauermanns wilddramatischer „Überfall“ auf eine Kutsche vor bedrohlich wirkender Ruinenkulisse erreichte 173.800 Euro. Ivan Constantinowich Aivazovskys nur 26,9 x 20,6 cm kleines Seestück konnte mit 106.250 Euro die Schätzung mehr als verdoppeln. (Foto: Dorotheum)
42 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Paar Tischlampen für den Club "Jackie-O" in Florenz, Entwurf Pio Porcinai, 1973/74 , Schätzwert € 9.000 - 15.000
43 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
"Retino"-Sitzbank, breadedEscalope (Sascha Mikel-Martin Schnabl-Michael Tatschl), 2013, Schätzwert € 2.400 - 3.500
JET-SET UND DOLCE VITA Mid-Century- und Zeitgenössisches Design bei Dorotheum-Auktion am 20. Mai Wiener Moderne, Art-déco,, tschechischer Funktionalismus, Fifties-Vasen, dänische Klassiker und vieles mehr versammelt die Design-Auktion des Dorotheum am 20. Mai 2015. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf Mid-Century Design und Zeitgenössischem. Nicht nur im Zuge der Zero- und OpArt-Renaissance punkten derzeit Kunst und Design aus den 1950er bis 1970er Jahren. Den Geist des Space Age verströmt der „Galaxy 1“ Armsessel und der „Galaxy 2“-Couchtisch des österreichischen Künstlers Walter Pichler. Aus leichtem Aluminium gebaut, ist die futuristische Möbel-Ästhetik dem Flugzeugbau
entnommen. Zu ersteigern sind also äußerst seltene und gut erhaltene Meilensteine österreichischer Designgeschichte (Sesselpaar je € 20.000 – 25.000, Tisch € 15.000 – 20.000). Aus einer italienischen Privatsammlung kommen eine Reihe rarer avantgardistischer Objekte von Ettore Sottsass zur Auktion, darunter das seltene „Elledue“ KunststoffDoppelbett (€ 35.000 – 40.000) oder die von fernöstlichen Philosophien inspirierten abstrakten Gemälde, etwa „Grande Mandala“ von 1964 (€ 18.000 – 25.000) und Piccolo Mandala (€ 15.000-20.000).
44 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Zwischen Kunst und Design angesiedelt sind Günther Dohrs kinetische Op-Art-Lichtobjekte namens Cylindrogram. Das größte aus dem Offert, 50 x 100 cm, ist zwischen 5.000 und 8.000 Euro geschätzt (Auflage 3/10). Das italienische Pendant zum legendären New Yorker Studio 54 hieß Jackie O, existiert heute immer noch und liegt mitten in Rom. Zwei Lampen und drei durch rosa Marmorbeine beleuchtete Couchtische aus dem 1974 gegründeten Jackie-O-Ableger in Florenz, Design Pio Porcinai, könnten dazu beitragen, Jet SetFlair und Dolce Vita-Feeling in neue Umgebungen zu zaubern. Konzeptuelles zeitgenössisches Design
kommt etwa von Xaver Sedelmeier, der alltägliche Objekte wie Sessel- und Liege-Flächen aus Wellblech mit Porsche-Lack überzieht sowie der nach einem Algorithmus lasergeschnittene „Breeding Table“ von Clemens Weisshaar/Reed Kram, ein Unikat mit Schätzwert 11.000 bis 15.000 Euro. Die österreichische Gruppe breadedEscalope interpretierte die Stabelle, den typisch schweizerischen Sessel im alpenländischen Stil neu. Einmal zeigt er sich als Armlehnsessel, einmal erlaubt die buchstäblich verstellbare Rückenlehne viele unterschiedliche Sitzpositionen auf der „Retino“-Bank (€ 2.400 – 3.500).
46 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Aus der Provenienz Acerbis Archives bereichern zwei außergewöhnliche Werkgruppen die Auktion. Es handelt sich dabei um Unikate von StanduhrenPrototypen und deren Entwurfszeichnungen aus den 1990er Jahren, aus der Hand von berühmten Künstler/Architekten Oswald Mathias Ungers, Michael Graves, Gae Aulenti und Richard Meier (je € 9.000 – 13.000). Die zweite Gruppe aus dieser Provenienz
besteht aus einer Serie von sechs „Reggenza“-Stühlen, die der Designer Toni Cordero 1991 schuf. Sein durchgehendes Thema dabei lautet: "Ein Stuhl, welcher Gattung und Art zugleich ist, und sich daher, ohne je die Grundidee zu verlassen, in einer Vielzahl von Versionen modulieren lässt". Die amorphen Sitzgelegenheiten sind mit jeweils 7.000 bis 9.000 Euro geschätzt. (Foto: Dorotheum)
48 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Bianchi C-4 project, 1988 Rufpreis € 5.000- Foto © Dorotheum
One Off Moulton Spezial, 1991 Rufpreis € 6.000 - Foto © Dorotheum
49 | KUNST.INVESTOR Dorotheum
Skoot International Ltd., 2001 Rufpreis € 400 - Foto © Dorotheum
KETTENREAKTION Das Fahrrad: ein simples Prinzip, zig Varianten. Dieses Faszinosum ließ den Wiener Architekten Michael Embacher über zehn Jahre lang eine der besten Fahrradsammlungen der Welt zusammenstellen. 205 internationale Modelle daraus kommen am 19. Mai 2015 im Palais Dorotheum in Wien zur Auktion. „The Embacher Collection“ ist weltweit einzigartig und wurde in Portland (Oregon/USA), Tel Aviv und in Wien ausgestellt. Furore machte auch eine spezielle iPad-App „Cyclepedia – Iconic Bicycle Designs“ sowie die im Eigenverlag bzw. bei Thames & Hudson erschienenen Bücher „Smart Move“ und „Cyclepedia“ (2011). Michael Embachers Sammlung hat prominente Fans, unter anderem Modedesigner Sir Paul Smith und Industrial Designer Sir James Dyson, Richard Sapper und Valentino
Campagnolo. Ob das 1937 von Jacques Schulz konstruierte Funiculo-Rad, das italienische Kofferrad Skoot, das deutsche Köthke-Tandem aus 1948 oder Alex Moultons Titan-Faltrad ONE OFF von 1991: Der Bogen der Embacher Collection spannt sich von Zweirädern aus den 1930erJahren bis heute. Alle sind fahrbereit. Die Rufpreise der einzelnen Fahrräder bewegen sich zwischen 100 und 7.000 Euro. Auswahlkriterien für den begeisterten Sammler waren außergewöhnliche Räder, die durch ihr spezielles Design auffielen. Seine Sammlung, so Michael Embacher, entstand vielleicht aus dem Versuch heraus, „anhand eines Objektes zu zeigen: Was ist Design? Wie reduziert ist es? Und wie viele Varianten generiert es dennoch?“ (Foto: © Dorotheum)
Bösendorfer Künstlerserie Modell "Cocteau" "Wenn es scheint, dass ein Werk seiner Zeit voraus ist, so nur deshalb, weil seine Zeit hinter ihm zurück ist." Jean Cocteau
„Jean Cocteau war ein interdisziplinärer Künstler, der über eine besonders vielseitige Kreativität verfügte. Mit der ihm eigenen Eleganz und Leichtigkeit schuf er ein umfassendes OEuvre, das heute von unschätzbarer Bedeutung ist.“ Pierre Bergé President of Comité Jean Cocteau. Das Modell Cocteau basiert auf einer Kooperation zwischen Bösendorfer, dem Menton Musik Festival und dem Menton Museum Jean Cocteau. „Für das Menton Festival, das dieses Jahr seinen 66. Geburtstag feiert, ist es eine große Ehre, zusammen mit Bösendorfer diesen außergewöhnlichen Flügel zu kreieren. Cocteau war ein regelmäßiger Besucher des Festivals und pflegte eine intensive Beziehung zu der Stadt Menton, was diesem Projekt eine weitere Dimension verleiht.“ Paul-Emmanuel Thomas Directeur artistique Festival de Menton. Das Menton Musik Festival ist eines der ältesten und prestigeträchtigsten festivals in Europa. Die Flügel spielen eine große Rolle sowohl bei den Außenkonzerten im wunderschönen mittelalterlichen Stadteil, als auch bei Konzerten im sehr modernen Museum Jean Cocteau, welches darüber hinaus auch die Sammlung von Severin Wundermann beherbergt. In den letzten Jahren wurden die Konterte im Museum auf einem Bösendorfer gespielt, deshalb war es nur passend ein spezielles Bösendorfer Insrument zu bauen, den „Cocteau“. Jean Cocteau (1889-1963) war ein französischer Schriftsteller, Designer, Theaterautor, Maler und Filmemacher. Als Zeitgenosse von Picasso arbeitete er mit vielen berühmten Künstlern sowie mit Komponisten wie Igor Strawinsky und Erik Satie zusammen. Das Modell selbst wurde zum ersten Mal auf der internationalen Musikmesse in Frankfurt, Deutschland, enthüllt. Das Instrument ist in den Größen 200 und 214 erhältlich. Der auf 12 Stück limitierte Flügel kann wahlweise in schwarz oder in weiß Hochglanz poliert jeweils in Chrom-Garnitur und silberfarbener Gussplatte bestellt werden. Jean Cocteau war fasziniert von der Orpheus Legende und schuf zu dieser eine Filmtrilogie. Orpheus wurde als bester Musiker aller Zeiten angesehen, der mit seiner Musik alle Lebewesen und sogar Steine verzaubern konnte. Typischerweise wird er zusammen mit seiner Lyra dargestellt. Wiederfinden lässt sich diese Leidenschaft Cocteaus an der Deckelinnenseite des Flügels. Hier befindet sich eines von Cocteaus Meisterwerken, Orpheus dargestellt mit seiner Lyra.Dieses Kunstwerk wird im Siebdruckverfahren auf den Flügeldeckel transferiert, eine Technik, die Cocteau auch selbst oft anwendete. Spiegelnde Chrom Elemente geben dem Instrument eine besondere optische Note und stehen für Cocteaus Faszination von Spiegeln, die in ”Le testament d’Orphée“ in eingehender Weise bezeugt wurde. (Foto: © Bösendorfer)
52 | KUNST.INVESTOR xxxxxxxxxxxxxxxxxx
„Durchbruch“ im Industrieviertel
60 Kulturprojekte beim Viertelfestival NÖ – Industrieviertel 2015
Das „Viertelfestival NÖ – Industrieviertel 2015“ findet vom 9. Mai bis 9. August 2015 statt. Unter dem diesjährigen Festival-Motto „Durchbruch“ werden 60 Kunst- und Kulturprojekte – 11 davon sind Schulprojekte – umgesetzt. Die Projekte befassen sich künstlerisch mit den Besonderheiten der Region und zeichnen sich durch experimentelle Zugänge und Originalität aus. „Das Viertelfestival NÖ verfolgt seit seiner Gründung konsequent eine ungewöhnliche Positionierung. Abseits von Mainstream- und Eventkultur hat sich das Festival als unverzichtbarer Impulsgeber für kulturelle Initiativen der Region profiliert“ erklärt Landeshauptmann Erwin Pröll. „Als Spezialitätenladen mit seiner festen regionalen Verankerung trägt das Viertelfestival auch abseits urbaner Zentren als wichtiger Impulsgeber zur Stärkung von Identität und Selbstbewusstsein in den Regionen bei“ so der für Kultur zuständige Landeshauptmann. Das diesjährige Festival-Motto lautet „DURCHBRUCH“. Es fordert dazu auf, sich mit dem Lebensraum Industrieviertel auseinanderzusetzen. Dieser Teil
Niederösterreichs hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, geprägt von einem rasanten Aufstieg als Technikund Industriestandort und einem schleichenden Niedergang nach zwei Weltkriegen (nach 1945). Heute beheimatet das Viertel sowohl prosperierende Wirtschaftsräume als auch Gebiete mit unklaren Entwicklungsprognosen. Die Projekte sollen mit den Mitteln von Kunst und Kultur die aktuelle Position und seine Chancen und Risiken für die kommenden Jahre und Jahrzehnte bewerten. Haben die Region und ihre Menschen das Potential für eine positive Entwicklung, für einen „Durchbruch“ hin zu neuen Themenfeldern? Vor diesem Hintergrund befassen sich viele Kunstschaffende mit der Bedeutung von Technik und den Folgen des technischen Fortschritts. Auch der respektvolle Umgang mit Rohstoffen und menschlichen Ressourcen, Fragen ökologischer Energiegewinnung oder Aspekte regionaler Arbeits- und Wirtschaftsgeschichte werden thematisiert.
54 | KUNST.INVESTOR MAK
AMIE SIEGEL. Provenance Dreiteilige Installation im MAK erforscht Spekulationsmärkte für Kunst und Design Die Arbeiten der in New York lebenden Künstlerin Amie Siegel (* 1974 in Chicago, Illinois) bewegen sich zwischen Film, Installation, Fotografie und Performance und befassen sich mit filmischen Formen und der akkumulativen, cinematischen Darstellung von ökonomischen und politischen Kreisläufen. In ihrer dreiteiligen Installation Provenance beleuchtet die Künstlerin die Soziologie modernistischen Designs anhand von Möbeln des Schweizer Architekten Pierre Jeanneret. Die vollständige Arbeit, die für die MAKSchausammlung Gegenwartskunst angekauft wurde, ist ab 22. April zu sehen.Provenance zeichnet die Reise der Designobjekte nach, die Jeanneret ursprünglich für die Ausstattung von Le Corbusiers kontroversieller Planstadt Chandigarh in Indien entworfen hat. Der Film beginnt am aktuellen Standort der Mobilien und entwickelt eine filmische Erzählung zurück zu ihrem Ursprung. Auf diese Weise knüpft die Künstlerin subtil
an eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Moderne an und thematisiert Provenienz und Wert sowie den Spekulationsmarkt rund um Kunst, Design und Architektur-Ikonen. Die zentrale Arbeit der Ausstellung, der Film Provenance (2013), schildert zunächst eine schön temperierte Welt im Fluss des aktuellen Zeitgeists, die Intellekt und Luxus, Ambition und Realität verbindet. Bald bewegt sich die Kamera vor der Folie politischer und ökonomischer Strategien. Ohne Dialoge und mit kontemplativen Close-ups verwandelt Siegel die leblosen Möbel in stumme Protagonisten erzählerischer Sequenzen auf deren Reise von Privatwohnungen über Galerien, Waren- und Auktionshäuser bis hin zu Restaurierungswerkstätten und einem Transportschiff. Der Weg der Möbel, die als alltägliches Inventar für Angestellte der Verwaltung in Chandigarh entworfen wurden, endet in den Gebäuden und Büroräumen am Originalschauplatz.
55 | KUNST.INVESTOR MAK
Siegels kritische Reflexionen des Kunst- und Designmarkts werden in der MAK-Ausstellung durch die beiden Arbeiten unterstrichen, die Provenance vervollständigen.Lot 248 (2013) zeigt die Versteigerung von Provenance bei einer Christie’sAuktion und dokumentiert damit das Kunstwerk als Element im Kreislauf von Kunst, Design und Kapital. Diese Endlosschleife pointiert Siegel durch Proof (Christie’s 19 October, 2013)(2013), den Andruckbeleg des Katalogs zur Auktion für den Film Provenance, der wiederum heute in international bedeutenden Sammlungen zeitgenössischer Kunst vertreten ist. Durch die Geste der Künstlerin, den Auktionskatalogbeleg in Lucite – ein acrylähnliches Spezialglas – zu fassen, wurde auch Proof noch einmal „vergoldet“. Amie Siegel lebt und arbeitet in New York. Ihre Werke wurden unter anderem im Metropolitan Museum of Art (New York), MoMA PS1 (New York), Walker Art Center (Minneapolis), Hayward Gallery (London), Whitney
Museum of American Art (New York), KW Institute for Contemporary Art (Berlin), Institute of Contemporary Art (Boston), Kunstmuseum Stuttgart, MAXXI National Museum of XXI Century Arts (Rom) und im Center for Contemporary Art (Tel Aviv) gezeigt. Außerdem war ihre Arbeit auf den Filmfestivals in Cannes, Toronto und New York, im Museum of Modern Art in New York und in der National Gallery of Art in Washington D.C. sowie auf der Berlinale in Berlin zu sehen. Siegel war Stipendiatin des Berliner DAAD-Künstlerprogramms, der Guggenheim Foundation und des Film Study Center der Harvard Universität sowie Preisträgerin des ICA Bostonʼs Foster Prize. Zuletzt erhielt sie den Sundance Institute Film Fund-Preis sowie den zum ersten Mal verliehenen Forum Expanded-Preis der Internationalen Filmfestspiele Berlin – beide für Provenance. Ausstelungsdauer: 22. April bis 31. Mai 2015 im MAK. (Foto: MAK)
58 | KUNST.INVESTOR Galerie Michaela Stock
Vlasta Delimar, Erzsebet Bathory - Foto: © Galerie Michaela Stock
Tomislav Gotovac, Erzsebet Bathory - Foto: © Galerie Michaela Stock
59 | KUNST.INVESTOR Galerie Michaela Stock
Sebastian Gärtner, Erzsebet Bathory - Foto: © Galerie Michaela Stock
APPROPRIATION | PERFORMANCE | Zweifellos haben sich in den letzten Jahren die Lebensund Arbeitsbedingungen durch gesellschaftliche, politische und technologische Entwicklungen deutlich verändert und visuelle Bezüge auf existierende Bilder – Interpiktoralität – sind Teil des künstlerischen Diskurses geworden. Ein Kunstwerk geht insofern stets über sich hinaus, da es sich bewusst oder unbewusst auf schon Vorhandenes bezieht. Die Geschichte der Kunst ist auch immer eine Geschichte der Vermittlung und Aneignung, der Vor- und Nachbilder mittels Zitate, Plagiate und Kopien. Doch es geht nicht nur darum die künstlerischen Aneignungen und Transformationen zu
ermitteln, sondern um eine bestimmte kulturelle Implikation oder Institutionalisierung von Kunst, letztlich das System, dessen Teil das Vor-Bild ist, zu finden. Die eingeladenen Performance-KünstlerInnen aus unterschiedlichen Generationen, die aus verschiedenen kulturellen und geographischen Hintergründen erwachsen sind, sollen während der Eröffnung oder in der folgenden Woche in den Galerieräumen oder auch in der Stadt, spontan handlungsbetonte und ephemere künstlerische Darbietung zeigen, die sich thematisch mit der der APPROPRIATION befassen. [Ausstellung: 16.5. - 31.5.2015 - Galerie Michaela Stock]
60 | KUNST.INVESTOR Galerie Krinzinger
KADER ATTIA - COMPLEMENTARY CONVERSATIONS „Polarisierungen, Extreme, Ambivalenzen, Tag vs. Nacht, Fülle vs. Leere, Leben vs. Tod – alles im Universum ist dazu bestimmt, von seinem Gegenteil unterschieden zu werden. Dennoch teilt alles eine Ähnlichkeit, die es mit dem jeweiligen Paradoxon verbindet: nämlich die Differenz. Diese einander ergänzenden Gespräche sagen mehr über die Ordnung der Dinge aus als eine Polarisierung, in der Extreme isoliert betrachtet werden. Vom Metaphysischen zum Gegenständlichen und vom Universellen zum Partikularen – das menschliche Denken wird von Differenzen gezeichnet, welche die Dinge mehr bestimmen als unterscheiden. Diese Differenzen bilden das Räderwerk, das alles zusammenhält. Seit Immanuel Kant ist bekannt, dass das Denken durch
einen Mechanismus angetrieben wird, der die Beziehung zwischen einem Gegenstand und einem Gedanken aufdeckt. Nehmen wir als Beispiel ein Glas. Ich weiß, dass dieses leere Glas ein Glas ist, aber dieses wiederum weiß es natürlich nicht. Wäre ich aber dennoch imstande, dieses Glas in mir oder an sich zu denken? Nein. Denn ich weiß, dass dieses Glas ein Glas ist, durch die Verbindung, die zwischen diesem Gegenstand, dem Glas und meinem Denken besteht. Es ist eine Art experimentelle Verbindung, die in einem Zwei-Weg-Dialog stattfindet. Kant nennt diese Verbindung „Korrelation“. Seither wird dieses Postulat nicht in Frage gestellt, es sei denn, es wird mit anderen Eigenschaftsworten ausgestattet, wie dies Maurice Merleau-Ponty in seiner „Phänomenologie der Wahrnehmung“ tut ……………………...
61 | KUNST.INVESTOR Galerie Krinzinger
Was junge Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund unter einem Spielplatz verstehen, variiert je nach Verständnis der Realität (sowohl Raum als auch Zeit betreffend), die eine Gruppe teilt und zwar unterhalb und jenseits der virtuellen Grenze, welche die jeweiligen Welten im Spiel teilen. Was in diesen komplementären Gesprächen auf dem Spiel steht, wie z. B. bei einem Fußballspiel zwischen römischen Ruinen oder bei der Hinrichtung von Soldaten in einem Online-Spiel, ist die Schaffung von verschiedenen spekulativen Realitäten, wobei eine Seite den Boden verliert. In beiden Fällen ist es möglich, zwei konkrete Gegenstände an sich selbst zu denken – den römischen Bogen und den virtuellen Feind, der nichts anderes ist als das Spiegelbild ähnlicher Gegner, die durch das digitale Netzwerk miteinander verbunden sind, wobei es sich hier um eine korrelierende Erfahrung par excellence handelt. Wie der Philosoph Quentin Meillassoux in „After Finitude“ festhält, ist das Denken also ein in sich geschlossener Gegenstand (jenseits jeglicher Korrelation), eine notwendige Möglichkeit. In einer Welt, in der die Digitalisierung des Wissens und die Möglichkeiten der Aneignung des Wissens durch eine auf binärer Interpretation beruhenden Ordnung der Dinge bestimmt werden, ist der Verlust der Kontrolle über diese Formen von Wissen eine ganz entscheidende Frage. Wenn es stimmt, dass der Zugang zu Wissen, wie er immer bestand, kein einfacher Weg ist, so erweist er sich als Weg zu einer bewussten oder unbewussten Erfahrung. Der Ursprung von vielen Erfindungen, Emotionen, Intuitionen oder Revolutionen begründet sich in Fehltritten. Spaziert man durch eine Bibliothek, so sind Bücher immer schon Wegzeichen gewesen, die uns von Punkt A zu Punkt B leiten, uns zu „Schätzen“ führen. Die Aufstellung von Büchern in einer Bibliothek ist nicht so sehr eine Sache von menschlicher Organisation als vielmehr von Desorganisation. Wenn man zum Beispiel ein Buch, das man gerade betrachtet hat, nicht an den richtigen Platz zurückstellt. Dies ist der Hauptunterschied zur Organisation von Wissen im Internet. Eine Seite, die gerade gelesen worden ist, geht nicht nur an ihre vorherige Stelle zurück, eine künstliche Intelligenz drängt sich einem auf, indem sie
Algorithmen befolgt, die man nicht kontrollieren kann. Im Film „Citizen 4“ spricht Edward Snowden ganz deutlich die Tatsache an, dass das Internet ursprünglich einem riesigen freien Territorium glich, welches sehr schnell von Konzernen übernommen wurde, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Macht riesige Datenbanken von Milliarden persönlicher Daten sammeln konnten. Sobald man seine Kreditkarte oder sein Mobiltelefon benützt, wird man beobachtet. Was würde passieren, wenn nach Jahrzehnten globaler Digitalisierung die ganze Welt nur noch digitale Daten verwenden würde? Dieser Tag wird früher oder später anbrechen und künftige Generationen werden von künstlicher Intelligenz geprägt sein. Den konkreten Gegenstand an sich zu denken ist dann vielleicht der frühe, aber auch letzte Atem des Lebens, der den menschlichen Geist aufschreien lässt, bevor er ganz verschwindet...“ so Kader Attia. Kader Attia wurde 1970 in Frankreich geboren und ist in Algerien und in den Vororten von Paris aufgewachsen. Seine Erfahrungen vom Leben in zwei Kulturen bilden den Ursprung zur Entwicklung einer dynamischen Praxis, welche die Ästhetik und Ethik der verschiedenen Kulturen widerspiegelt. Mit einer poetischen und symbolischen Herangehensweise an die breitgefächerten Auswirkungen der modernen westlichen Vorherrschaft und des Kolonialismus auf nicht-westliche Kulturen, untersucht Attia die Identität und die Politik historischer und kolonialer Gebiete und erstellt von der Tradition zur Moderne, im Licht der globalisierten Welt seine eigene Genealogie. Seit einigen Jahren konzentriert sich seine Forschung auf das Konzept des In-Stand-Setzens als einen festen Bestandteil der menschlichen Natur, welches im Verständnis der an der westlichen Moderne orientierten Kulturen eine ganz andere Rolle spielt als im Verständnis der traditionellen außerabendländischen Kulturen. Von der Kultur zur Natur, vom Genus zur Architektur, von der Wissenschaft zur Philosophie, jedes System des Lebens ist ein unendlicher Prozess des Reparierens. Galerie krinzinger. Ausstellungsdauer:16. Mai 2015 (Foto: Galerie Krinzinger)
KUNSTINVESTOR . ART VITRINE
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64 | KUNST.INVESTOR Galerie Hassfurther
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Handel mit Kunst, kunstvoll handeln!
Der Galerist und Auktionator Wolfdietrich Hassfurther ist seit über 40 Jahren in der Wiener Galerieszene ein Inbegriff und mischt mit seiner berühmten Galerie im Herzen Wiens in der oberen Liga der Galeristen und Auktionshäuser mit. Begonnen hat Wolfdietrich Hassfurther als Antiquar und Autografenhändler, als der Markt in Europa jedoch von den Amerikanern leer gekauft war, entdeckte er die wunderbare Welt der bildenden Kunst und gründete seine eigene Galerie. Seither hat er sich auf Gemälde, Meisterzeichnungen, Skulpturen, Miniaturen, Aquarelle und Druckgrafiken spezialisiert. Bis zum heutigen Tage lässt er sich von der Liebe zu einer großartigen Kunst antreiben; inspirierend ist für ihn aber auch die Schönheit des Lebens, die der feinfühlige Galerist auch im Alltäglichen erkenne, "ich bin immer wieder von der Schönheit des Lebens hingerissen." Beständigkeit und Kampfgeist hat der Galerist bis zum heutigen Tage bewiesen, seine eigenwillige Persönlichkeit ist sein Markenzeichen und sein unbändiges Engagement brennt bis heute. Gemeistert hat er so die Krisenzeiten, die seit den 1990er-Jahren nicht nur die Finanzmarkt schütteln, sondern auch den Kunstmarkt: "Wien ist eine Stadt der Halbseligen, und Halbselige meistern Krisen besser", glaubt Wolfdietrich Hassfurter, der zum Synonym für fairen Kunsthandel geworden ist. Er hat es auch nicht verabsäumt, seine Fühler auszustrecken in Richtung
Mittlerer Osten und Orient, bis nach Indien, China und Russland gehen seine Kontakte. Der Galerist konnte sich so ein weltweites Netzwerk aufbauen und ist überzeugt: "In diesen Ländern wächst eine neue europäische Sammlergeneration heran, die ein großes Interesse an europäisch klassischer Moderne hat." Die Galerie Hassfurther hat sich so zu einem international agierenden Player entwickelt. Das Erfolgsrezept der One-Man-Galerie: Fachliche Kompetenz mit Schwerpunkt Klassische Moderne, Alte Meister und Biedermeier gepaart mit Aufrichtigkeit. Seine vielen Stammkunden schätzen seine Ehrlichkeit, sein Wissen und sein Talent besondere Meisterwerke aufzuspüren; sein berühmtester und treuerster Kunde war der Sammler Rudolf Leopold, der 1973 sein erstes Bild bei Hassfurther erstand und seither immer wieder kam. Bekannt wie beliebt ist Hassfurther weiters für seine kostenlose Beratung und Schätzungen von KunstObjekten. Vielbeachtet ist dabei sein unschätzbares Wissen in den Kunstepochen Alte Meister, Biedermeier sowie die Klassische Moderne. Wolfdietrichs Geheimrezept hat somit mehrere Ingredienzien: Zum Einen seine weltweiten Kontakte und zum Anderen seine Liebe für die Kunst und sein Geschick diese zu finden. Auf sein Alter angesprochen sagt er: "Es macht mir einfach Freude älter und weiser zu werden, wer will schon sterben." (Foto: © Galerie Hassfurther)