S U L P WIR
WIRPLUS Juli 2014
enschaft Juli 2014 s s o n e G k n a B azin der WIR Das Kundenmag
n haltiges D채mme h c a n r f체 t h e st u lder Familie Cura fe in e W ie D 5 im Seeland 1 se a O e Baumgartner in e rl : a a K d f ri u a lo t F lg t n fo ra x u ou 4 Tropenresta Karin Zahnd Cad : k n a B IR W r e d ammlung rt 8 Generalvers -System profitie IR W m o v e d n u ls Privatk ics 20 Wie man a n Special Olymp o v 4 1 0 2 s e m a mmer G 22 National Su 1
Berner
Herbstmesse famili채r
unterhaltsam
WIR
ybms.ch - Bern/Murten
Einladung
offizielle WIR-Messe Bern
10. bis 12. Oktober 2014
Messeplatz BERNEXPO Freitag, 10. Okt. 11- 21 Uhr, Samstag, 11. Okt. 10 - 20 Uhr Sonntag, 12. Okt. 10 -18 Uhr
WIRMESSE Bern
WIRPLUS Juli 2014
GENOSSENSCHAFTLICH GUT EDITORIAL
Genossenschaftlich gut – mit diesem Slogan ergänzt die WIR Bank Genossenschaft ihre Werbung im Jubiläumsjahr 2014. Auf stattliche 80 Jahre Geschichte blickt die Bank diesen Oktober zurück. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die WIR Bank ihre Existenz auch ihrer Gesellschaftsform verdankt, die sie beispielsweise vor Übernahmen schützt. 2260 Genossenschafterinnen und Genossenschafter zählt die WIR Bank gegenwärtig, mit Urs Schwab vom Tropenrestaurant Florida in Studen BE stellen wir in diesem WIRPLUS einen von ihnen vor (S. 4). 268 Genossenschafterinnen und Genossenschafter haben sich am 28. Mai in Basel zur Generalversammlung eingefunden (S. 8). Neben den statutarischen Geschäften stand auch die Verabschiedung von Verwaltungsrat Karl Baumgartner auf dem Programm. Nach insgesamt 34 Jahren Tätigkeit für die WIR Bank – davon 20 Jahre als CEO und acht Jahre als Verwaltungsrat und Präsident des Audit and Risk Committees – beginnt nun seine «WIR-Bank-freie» Zeit. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die WIR Bank im Oktober 1934 von Werner Zimmermann und seinen Mitstreitern als Genossenschaft gegründet wurde. Zimmermann (Januar 1935): «Der WIR ist eine Genossenschaft, ein ‹wir›, und kann und soll nicht zum Werkzeug einzelner Menschen und ihres kurzfristigen Egoismus und Geltungsbedürfnis gemacht werden.» Eine auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgelegte Strategie im Interesse der Kunden, Mitarbeitenden und der Gesellschaft ist auch heute ein charakteristisches Merkmal der WIR Bank, welches sowohl der
WIR-Verrechnung wie auch den CHF-Geschäftsfeldern (Zahlen, Sparen, Vorsorgen, Finanzieren) zugutekommt (S. 20). Nachhaltigkeit pflegt die WIR Bank auf verschiedenen Ebenen. Sie ist aber auch ein Merkmal ihrer weltweit einzigartigen Nische, der WIR-Verrechnung bzw. der Komplementärwährung WIR. Nachhaltig ist die Währung deshalb, weil sie keinen Zins trägt, die lokale Wirtschaft stärkt und kollektive Fähigkeiten wie Kooperation und Solidarität fördert. Zudem steigert sie durch die Einbettung in ein Netzwerk von 50 000 KMUs die Auslastung, den Umsatz, den Gewinn und die Sicherheit der Arbeitsplätze der angeschlossenen Unternehmen. Mit der Firma Curau AG in Weinfelden stellen wir eine Kundin der WIR Bank vor, die seit bald 25 Jahren auf Nachhaltigkeit setzt (S. 15) – und wie die Schwabs in Studen die Nachfolge geregelt hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie der Beitrag auf S. 30 zeigt. Nachhaltigkeit und Langfristigkeit drücken sich auch im Sponsoring der WIR Bank aus. Als Supporterin von Special Olympics unterstützt die Genossenschaft eine Organisation, die Menschen mit einer geistigen Behinderung durch Sport besser integrieren will. An den National Summer Games in Bern haben rund 30 Mitarbeitende der WIR Bank als Helferinnen und Helfer während vier Tagen einen zusätzlichen, persönlichen Beitrag dazu geleistet (S. 22).
DANIEL FLURY
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INHALT
SEITE 4
SEITE 8
Stefanie und Urs Schwab mit ihrem Tropenrestaurant Florida in Studen bei Biel haben viel zu bieten. Das Angebot kann mit einem WIR-Anteil von 50% bezahlt werden.
Mit Karin Zahnd Cadoux, Erlach, w채hlte die Generalversammlung die zweite Frau in den Verwaltungsrat der WIR Bank.
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4 TROPENRESTAURANT FLORIDA Eine Oase im Seeland
8 GENERALVERSAMMLUNG DER WIR BANK GENOSSENSCHAFT 12 WIR-MESSE LUZERN
Mehr Erlebnis als im Einkaufszentrum
15 DIE WEINFELDER FAMILIE CURAU STEHT FÜR NACHHALTIGES DÄMMEN 20 WIE MAN ALS PRIVATKUNDE VOM WIR-SYSTEM PROFITIERT 22 NATIONAL SUMMER GAMES 2014 VON SPECIAL OLYMPICS 27 RECHTE UND PFLICHTEN DES BEWERBERS 30 FRÜHZEITIGE PLANUNG ZAHLT SICH AUS 34 SPARMASSNAHMEN RICHTIG KOMMUNIZIEREN 36 WO STECKT DER WURM IM DETAILHANDEL? Dr. Richard Schwertfeger
39 FAST WIE ECHT Kolumne Willi Näf
SEITE 22 Die Athletinnen und Athleten der National Summer Games von Special Olympics konnten auch auf die Unterstützung von Mitarbeitenden der WIR Bank zählen.
40 CARTOON 41 AGENDA
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TROPENRESTAURANT FLORIDA EINE OASE IM SEELAND Das Restaurant Florida in Studen bei Biel bietet eine grosse Auswahl an traditionellen wie exotischen Menus zu moderaten Preisen, einen tropischen Garten mit einer reichen Pflanzenvielfalt – von Orchideen bis Palmen – sowie einen schönen Ausblick auf einen kleinen Waldsee mit Flamingos und einheimischen Wasservögeln. Das ganze Angebot kann mit 50% WIR bezahlt werden.
Eigentlich wollte Ernst Wegmüller, der Schwiegervater von Urs Schwab, ursprünglich im Tessin eine Feriensiedlung erstellen. Das Land dafür hatte er schon – doch er wurde vom Kanton enteignet. Dies führte letztlich dazu, dass im Jahr 1948 das erste Kapitel zum heutigen Tropenpflanzenrestaurant Florida geschrieben wurde: Heidi und Ernst Wegmüller kauften 30 000 m2 Land in Studen zu einem Preis von 80 Rappen pro m2. Doch bis zum heutigen Tropenpflanzenrestaurant Florida war es noch ein weiter Weg. Zuerst bauten die Wegmüllers ein Einfamilienhaus. Am selben Ort machte sich der diplomierte Autolackierer Ernst Wegmüller selbstständig und richtete einen entsprechenden Betrieb ein. Ausserdem betrieben die Wegmüllers mit einem Angestellten eine Hühnerfarm. Daneben hatten sie auch Hirsche und exotische Vögel. 4
Camp Florida 1956 wurde der Campingplatz mit einem Swimmingpool erstellt. Beliebt war der kleine Kiosk mit Pergola «Camp Florida» – gleich neben dem kleinen Waldsee, der 1952 infolge der Kiesausbeutung entstanden war. Das ganze Areal entwickelte sich immer mehr zu einer gemütlichen Erholungsstätte. 1961/1962 schliesslich wurde das heutige Tropenpflanzenrestaurant Florida gebaut. Nachdem es mit der Feriensiedlung im Tessin nicht geklappt hatte, brachten die Wegmüllers nun südländisches Ambiente in den Norden, darunter auch Palmen aus dem Tessin, verschiedenste Orchideen sowie zahlreiche andere Tropenpflanzen. Restaurant und Campingplatz entwickelten sich
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Die Geschäftsleitung des «Florida»: Urs Schwab …
gegenläufig. Während der Campingplatz 1966 geschlossen wurde – heute befinden sich dort die Parkplätze –, wurde das Restaurant stetig weiterentwickelt und ausgebaut. Der heutige Seniorchef Urs Schwab ist gelernter Koch und hat unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen Erfahrungen gesammelt. Bei einem Wirtekurs hat er seine spätere Frau Christine kennengelernt. Später hat Urs Schwab die Hotelfachschule in Luzern absolviert. Auch die heutige Generation ist bestens für die Herausforderungen im Gastromarkt gerüstet: Tochter und VR-Präsidentin Stefanie Schwab hat die Koch- und Servicelehre absolviert und später die Hotelfachschule in Thun abgeschlossen. Auch sie konnte vielfältige Erfahrungen auf Kreuzfahrten sammeln und reiste 1,5 Mal um die Welt.
Der letzte Tanz Zum Angebot auf dem «Florida»-Gelände gehören auch ein Fitnesscenter sowie eine sehr schöne Minigolf- und Miniaturgolfanlage, die 1997 Austragungsort der Weltmeisterschaften war. In der Vergangenheit war das «Florida» vor allem auch als Dancing Florida bekannt mit einer attraktiven Tanzfläche beim Swimmingpool und Tanzkurse wurden angeboten. «Doch dieses Angebot
… und seine Tochter Stefanie Schwab.
Gemeinsam erfolgreich – seit 80 Jahren «Genossenschaften: Gemeinsam erfolgreich» – so lautet der Titel eines Buches von Martin Arnold, Urs Fitze und Daniel O. Maerki (Pressebüro Seegrund; 144 S.). Auch die WIR Bank Genossenschaft wird darin porträtiert. Die WIR Bank Genossenschaft und somit auch das WIRSystem (WIR-Geld/CHW) gibt es jetzt seit 80 Jahren – ursprünglich exklusiv für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Seit dem Jahr 2000 bietet die WIR Bank auch Privatkunden attraktive Produkte an; heute in allen Bereichen – Vorsorgen, Sparen/Anlegen und Kredite. Ein zentrales Anliegen der WIR Bank Genossenschaft bleibt aber, wie es in den Statuten festgehalten ist, die Förderung der KMUs. Das WIR-System funktioniert als bargeldloser Zahlungsverkehr mit einer eigenen Währung und ist ein aussergewöhnliches Marketinginstrument für die angeschlossenen KMUs. (Mehr dazu unter www.wirbank.ch > Die WIR Bank)
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Palmen, Orchideen und viele andere tropische Pflanzen schmücken das Innere des «Florida».
Essen am Waldsee – mit dem neuen zusätzlichen Restaurant wird dieses Konzept noch verstärkt.
Die schöne Minigolf- bzw. Miniaturgolfanlage war 1997 WM-Austragungsort.
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wurde immer weniger nachgefragt, die heutige Generation hat andere Prioriäten», so Urs Schwab. Deshalb hat sich die «Florida»Geschäftsleitung schweren Herzens entschlossen, das alte Dancing zu schliessen. Ende April hiess es deshalb: «Auf zum letzten Tanz.» Noch einmal gab es Livemusik und eine gut besetzte Tanzfläche.
de von der Klimastiftung mit einem Unterstützungsbeitrag von 60 000 CHF honoriert. Die Ölheizung wurde grösstenteils durch Wärmepumpen ersetzt. Die neue Lüftung filtert die Küchenluft und nutzt deren Abwärme. «Heute geben wir pro Jahr nur noch rund 10 000 CHF für Heizöl aus – früher waren es etwa 100 000 CHF. Auf der anderen Seite brauchen wir aber zusätzlichen Strom im Wert von etwa 25 000 CHF», erklärt Urs Schwab.
Von Pasta bis zu Tandoori Das Tropenpflanzenrestaurant Florida bietet eine grosse Auswahl an traditionellen wie auch exotischen Menus zu moderaten Preisen. Zur Auswahl gehören z. B. paniertes Schweinsschnitzel, Fondue chinoise, Rindsfilet, Eglifilets, Pouletflügeli, Koli Leo Leo (bunter Papageienfisch), Vanuatu Fafa (Poulet «Calypso») usw.
Das «Florida» hat schon grosse Veränderungen hinter sich und wird sich auch in Zukunft neuen Marktströmungen anpassen. «Geblieben ist die Zufriedenheit der Gäste», betont Urs Schwab, «diese schätzen den Tropenpflanzengarten im Inneren und den Blick auf den Waldsee mit den Flamingos – und natürlich das attraktive Restaurantangebot.»
Das Restaurantangebot wird jetzt nochmals ausgebaut. Anstelle des grossen Dancings gibt es ein neues mediterranes Restaurant mit bis zu 250 Plätzen – die meisten davon mit Blick auf den schönen kleinen Waldsee mit den Flamingos. Zum Angebot gehören z. B. Pizzas und hausgemachte Teigwaren, aber auch indische Spezialitäten wie Tandoori.
ROLAND SCHAUB
Im neuen Restaurant mit Lounge wird es Platz geben für eine kleine Tanzfläche, allerdings ohne Livemusik. Diese Fläche kann auch für verschiedenste Veranstaltungen von Firmen bzw. Präsentationen von neuen Produkten genutzt werden. «Man kann z. B. mit einem Auto direkt auf die Bühne fahren», erklärt Urs Schwab.
Ausflügler und Geschäftsleute Die Gäste des «Florida» kommen hauptsächlich aus dem Raum Freiburg, Neuenburg, Jura und Bern sowie aus der Nordwestschweiz inklusive Kanton Solothurn. Aus der übrigen Schweiz, vor allem aber auch aus Deutschland, kommen viele Carreisende. «Deutschland ist etwas schwieriger geworden, nachdem der Euro getaucht ist», erklärt Urs Schwab. Des Weiteren kommen auch viele Geschäftsleute aus der Umgebung ins «Florida»: «Diese zahlen häufig auch grössere Beträge in WIR», erklärt Urs Schwab. «Die WIR-Teilnahme bringt uns eindeutig zusätzlichen Umsatz», erklärt Urs Schwab, der auch überzeugter Genossenschafter der WIR Bank ist (s. Kasten S. 5). Das WIR-Geld wird hauptsächlich im Immobilienbereich bzw. für Umbauten, Ausbauten und Renovationsarbeiten auf dem «Florida»-Gelände verwendet.
Investitionen im Umweltbereich «Wir haben laufend grössere Investitionen zu tätigen», meint Urs Schwab. Kürzlich wurde in ein neues umweltfreundliches Heiz- und Lüftungssystem investiert. Dieses grosse Projekt wur-
Restaurant Florida AG Restaurant Florida AG Aareweg 25 2557 Studen Tel. 032 374 28 30 Fax 032 374 28 32 www.florida.ch Geschäftsführung: Gegründet: Anzahl Mitarbeitende:
Stefanie Schwab (VR-Präsidentin) und Urs Schwab 1956 (Campingplatz mit Kiosk und Pergola Camp Florida) ca. 40 im Restaurantbereich (+ ca. 20 im Hotel)
WIR-Annahmesatz:
50% bis 3000 CHF, mehr nach Vereinbarung
Öffnungszeiten:
So–Do 9.00–23.30 Uhr Fr–Sa 9.00–0.30 Uhr
Angebotsbereich – Restaurant mit Tropenpflanzengarten und Orchideenaustellung von Januar bis März am kleinen Waldsee mit Flamingos. Grosse Auswahl an traditionellen und exotischen Menus; – demnächst gibt es ein zusätzliches mediterranes Restaurant; – Bankette, Familienfeste, Firmenpräsentationen; – grosses Kinderparadies; – Dreisternehotel mit Seminarräumen; – Fitnesscenter mit Sauna und Dampfbad; – Minigolf- und Miniaturgolfanlage (WM-Austragungsort 1997); – 250 Gratisparkplätze.
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KARL BAUMGARTNER VERABSCHIEDET GENERALVERSAMMLUNG DER WIR BANK GENOSSENSCHAFT Mit Verwaltungsrat Karl Baumgartner verabschiedete die Generalversammlung der WIR Bank Genossenschaft eine Persönlichkeit, die während 34 Jahren im Dienst der Bank gestanden und als Direktor die umwälzenden Erneuerungen der 90er-Jahre initiiert und umgesetzt hat. Zu seiner Nachfolgerin im VR wählte die Versammlung Karin Zahnd Cadoux, Erlach. Diskussionslos genehmigten die 268 anwesenden Genossenschafterinnen und Genossenschafter die Jahresberichte, die Rechnung 2013 mit einem Jahresgewinn von 13,3 Mio. CHF sowie den Antrag des Verwaltungsrats, die Dividende des Stammanteils von 9 auf 9.40 CHF zu erhöhen. Ausserdem wurde beschlossen, dass künftig die Verwaltungsratshonorare offengelegt und an der Generalversammlung genehmigt werden.
VR-Präsident Oliver Willimann und CEO Germann Wiggli verabschieden VR Karl Baumgartner mit einem «roten Geheimtipp» aus dem Tessin.
«Niemand hat bis jetzt so lange die WIR Bank Genossenschaft geprägt wie du», hob Verwaltungsratspräsident Oliver Willimann bei der Verabschiedung von Verwaltungsrat Karl Baumgartner (Biel-Benken) hervor. 1980 trat Baumgartner in die WIR Wirtschaftsring-Genossenschaft ein, um sechs Jahre später zum Stellvertreter des damaligen Direktors Emil Stutz 8
ernannt zu werden. Drei Jahre später übernahm er die operative Leitung bis zur Pensionierung 2006. In diesem Jahr erfolgte die Wahl in den Verwaltungsrat der WIR Bank. Die Nähe zu den KMUs – welche bis zur Öffnung der WIR Bank für die Allgemeinheit die Kundschaft des Unternehmens ausmachten – wurde Baumgartner sozusagen in die Wiege gelegt, war
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Mit Karin Zahnd Cadoux (neu; links) und Petra Müller haben nun zwei Frauen Einsitz im VR der WIR Bank. Die Männer: oben von links Georg Anthamatten, Oliver Willimann, Marc Reimann, Germann Wiggli (Vorsitzender der Geschäftsleitung); unten von links Kornel Tinguely und Jürgen Bletsch.
Germann Wiggli, Vorsitzender der Geschäftsleitung, präsentiert die ausgezeichnete Jahresrechnung 2013.
doch sein Vater Schreinermeister im St. Galler Rheintal. Selbst legte er sich eine kaufmännische Grundausbildung zu und arbeitete bis 1980 für Nixdorf und Philips. In die Ära Baumgartner fallen entscheidende Schritte wie die neue Kapitalstruktur 1992, der Einstieg in den Schweizerfrankenbereich mit den ersten Anlageprodukten und den kombinierten Krediten CHF/ CHW, der Namenswechsel zu WIR Bank Genossenschaft 1998 und die Öffnung der WIR Bank für alle im Jahr 2000. 2006 übergab Karl Baumgartner die operative Führung Germann Wiggli. Nach dessen anschliessender Wahl in den Verwaltungsrat und der Wahl zum Präsidenten des neu gegründeten Audit and Risk Committees (2007) habe der Verwaltungsrat stark von der Bank- und der Krediterfahrung Baumgartners profitiert, so Willimann. Für seinen weiteren Lebensweg wünschte der Verwaltungsratspräsident Karl Baumgartner viel Erfolg, Zufriedenheit und beste Gesundheit.
Genossenschaft als Erfolgsmodell Karl Baumgartner seinerseits erinnerte daran, dass die Rechtsform der Genossenschaft bei seinem Eintritt 1980 allgemein als Auslaufmodell galt. Das Bankengesetz schloss gar die Gründung neuer Banken als Genossenschaften aus. «Dabei passt diese Rechtsform ideal zu unserem Geschäftsmodell, denn sie erlaubt damals wie heute eine nachhaltige, stetige Entwicklung des Unternehmens – ganz im Unterschied zu den kurzfristigen und oft auch kurzsichtigen, rein gewinnorientierten Strategien von Aktiengesellschaften.» Damit verband Baumgartner auch seinen Dank an alle Genossenschafterinnen und Genossenschafter, welche die Anliegen des Verwaltungsrats stets mitgetragen haben. Ganz besonders hob der abtretende Verwaltungsrat die Verdienste seines Vorgängers im Amt des CEO hervor: «Emil Stutz hat in den 70erund 80er-Jahren den Grundstein für den Erfolg der WIR Bank gelegt, ihm gebührt Lob und Anerkennung für dieses Lebenswerk!» 9
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Baumgartner tritt mit einem guten Gefühl zurück, denn auch über Germann Wiggli, seinen Nachfolger als CEO, gebe es nur Erfreuliches zu berichten. Auch Wiggli betreibe eine umsichtige Geschäftsführung und sei höchstens deshalb als Gipfelstürmer zu bezeichnen, weil er dieses Jahr noch das Matterhorn bezwingen wolle.
Gewinner der Finanzkrise In seinem Jahresbericht unterstrich Oliver Willimann, dass die Genossenschaftsbanken in den Jahren der Finanzkrise ihre Positionen stärken konnten. Man könne sie gar als Gewinner der Finanzkrise bezeichnen. «Mit ihrem eher beschaulichen, aber gleichzeitig nachhaltigen und krisenresistenten Organisationsmodell ist die WIR Bank in der lokalen Wirtschaft verankert und eine glaubwürdige Alternative zu den Auswüchsen der internationalen Finanzwelt, welche die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds brachte.» Als genossenschaftliche Bank verfolge man eine langfristige Strategie im Interesse der Kunden, Kapitalgebenden und Mitarbeitenden. Die Bank fit für die Zukunft zu halten und dabei den Charakter der Genossenschaft zu erhalten, sei die Herausforderung der nächsten Jahre. «Um nachhaltig zu wachsen und den Wert der WIR Bank nachhaltig zu steigern, braucht es neue Ideen aus allen Bereichen», so Willimann. 268 Genossenschafterinnen und Genossenschafter trafen sich im Kongresszentrum
Stärkung des Images 2013 hat die WIR Bank ihre Unternehmensstrategie präzisiert, um optimale Voraussetzungen für die Bewältigung der kommenden Herausforderungen zu schaffen. Zu den Eckpfeilern der Strategie gehört es, dass die WIR Bank zur möglichen Erstbankbeziehung für Schweizer KMUs wird. Für ausgewählte Privatkunden will die WIR Bank eine attraktive Nischenanbieterin sein. Die WIR-Verrechnung soll als weltweit einzigartige Nische die Wettbewerbsfähigkeit der WIR Bank steigern. Kooperationen will das Unternehmen eingehen, wenn sie zur Erreichung der Ziele beitragen. Heute leistet die Teilnahme der Bank am Esprit-Bankenverbund gute Dienste. Auch die Beteiligung an der IG Leasing hat bereits vielen Kunden neue Möglichkeiten eröffnet. Zentrale Elemente der Strategie sind auch die Unternehmenskultur und die Stärkung des Images als vertrauenswürdige Genossenschaftsbank mit ausgezeichneten Konditionen.
Wettbewerbsvorteil WIR Germann Wiggli, Vorsitzender der Geschäftsleitung, präsentierte den Jahresbericht und die Jahresrechnung 2013, welche die starke Schweizer Binnenwirtschaft reflektiert. Die WIR Bank konnte ihre Eigenkapitalausstattung stärken und die Bilanzsumme um 4% auf 4,17 Mrd. CHF/CHW erhöhen. «Unser Kreditvolumen legte dank grosser Nachfrage nach Wohneigentum kräftig zu, und die Kundengelder entwickelten sich erfreulich.» Insgesamt resultierte ein Jahresgewinn von 13,3 Mio. CHF. 10
Wesentlichen Anteil insbesondere am Erfolg im Kreditbereich hat die WIR-Verrechnung. Mit ihr verfügt die WIR Bank über einen Wettbewerbsvorteil, den sie in Form von ausgezeichneten Konditionen an ihre Kundinnen und Kunden weitergibt. Einmal mehr wies Wiggli auf die Tatsache hin, dass die meisten Kantonalbanken dank der Staatsgarantie über einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil verfügen. Doch viele Kantonalbanken können den Verlockungen des Derivatehandels, des internationalen Kreditgeschäfts oder der Vermögensverwaltung nicht widerstehen. «Sie begeben sich damit in riskante Bereiche, welche die Kantonalbanken ins Verderben stürzen können», so Wiggli, der als Beispiele aus der Vergangenheit die Kantonalbanken von Bern, Waadt, Solothurn und Genf nannte.
Zahlungen per Smartphone geplant Auch Wiggli widmete einen Teil seiner Ausführungen der Unternehmensstrategie. Im Berichtsjahr wurde mit der Balanced Scorecard ein System getestet, das 2014 eingeführt werden soll. Dabei geht es darum, Ziele, Kennziffern und Massnahmen für vier Perspektiven – Finanzen, Kunden, Prozesse, Mitarbeiter – festzuhalten und aufeinander abzustimmen. Dadurch wird erreicht, dass alle wichtigen Faktoren miteinander verkettet werden. «Es gibt keine einseitigen Betrachtungen mehr und es ist sichergestellt, dass wir über alle notwendigen Informationen verfügen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.»
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Karin Zahnd Cadoux neu im Verwaltungsrat Für die Nachfolge von Karl Baumgartner im Verwaltungsrat hatten sich zwei Personen zur Wahl gestellt, nämlich Karin Zahnd Cadoux, Erlach, und Heinz Fuchs, Hofstetten bei Brienz. Bereits im 1. Wahlgang entschied Zahnd Cadoux das Rennen mit 174 Stimmen für sich. Selbst Mitbesitzerin eines KMUs, sei sie motiviert, sich voll für die KMU-freundliche WIR Bank einzusetzen und mitzuhelfen, vor allem auch die jüngere Unternehmergeneration für die WIR-Verrechnung zu gewinnen. Die 41-jährige Karin Zahnd Cadoux absolvierte zuerst eine Berufslehre als Landschaftsgärtnerin, bevor sie während vier Semestern die Philosophische Fakultät der Universität Freiburg besuchte und Sprachen studierte. Es folgten ein Lizenziat der Rechte an der gleichen Universität und 2007 der Erwerb des Anwaltspatents. Seit 2005 ist Karin Zahnd Cadoux bei der Nerinvest AG in Ins tätig. Als Mitglied der Geschäftsleitung ist sie verantwortlich für Rechtsfragen, Personal, Projektentwicklung, Kalkulation und Ausführung sowie für Betriebsorganisation. Karin Zahnd Cadoux ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. DANIEL FLURY
Basel zur Generalversammlung der WIR Bank .
In der Produktepipeline befinden sich eine Debitkarte für Firmen und Privatkunden mit dazugehörendem Lohnkonto bzw. Privatkonto sowie eine Kreditkarte in Zusammenarbeit mit einem der grossen Anbieter. In Übereinstimmung mit der Nachhaltigkeitsstrategie der WIR Bank und als Ergänzung zum bestehenden ÖKO-Kredit – er kommt bei Heizungsrenovationen auf Basis erneuerbarer Energien zur Anwendung – ist ein Solarkredit vorgesehen. Ab 2015 sollen der elektronische Marktplatz verbessert und eine mobile Bezahlungsmöglichkeit von WIR- und CHFBeträgen via Smartphone eingeführt werden.
Freiwillige Offenlegung der Verwaltungsrats-Honorare In den letzten 25 Jahren war die Honorierung der Arbeit des Verwaltungsrats insgesamt drei Mal ein Thema an der Generalversammlung. Der Verwaltungsrat nahm nun einen Antrag von Benjamin Kunz, Hergiswil, wonach die Verwaltungsrats-Honorare offenzulegen und an der Generalversammlung zur Diskussion zu stellen seien, zum Anlass, dieses Thema statutarisch zu regeln. Dies, obwohl die WIR Bank als Genossenschaft und nichtbörsenkotiertes Unternehmen dazu nicht verpflichtet ist. Mit 178 zu 48 Stimmen stimmte die Versammlung dem Vorschlag des Verwaltungsrats zu, wonach an der Generalversammlung nächstes Jahr eine entsprechende Statutenänderung zur Abstimmung gelangen solle. Zwei weitere Anträge u. a. zur Gebührenpolitik zog Kunz zurück.
Dividende und Gewinnverteilung genehmigt Die Generalversammlung hat die vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Verwendung des Bilanzgewinns diskussionslos und mit 230 zu drei Stimmen genehmigt. Demnach werden aus dem Jahresergebnis (13 265 711 Mio. CHF) und dem Gewinnvortrag (323 934 CHF) 13,5 Mio. CHF den freien Reserven zugewiesen und 89 645 CHF auf die neue Rechnung vorgetragen. Die Dividende pro Stammanteil beträgt 9.40 CHF (Vorjahr 9 CHF) für alte Stammanteile und 2.35 CHF für neue Stammanteile. Für die Ausschüttung der Dividende werden 8 413 470 CHF der Reserve für Kapitaleinlagen entnommen – wie schon in den Vorjahren (Ausschüttungsquote: 63,4%). Damit erfolgt die Ausschüttung ohne Abzug der Verrechnungssteuer und einkommenssteuerfrei, sofern die Stammanteile sich in Privatbesitz befinden.
Ausserdem hat die Versammlung … … dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung Decharge erteilt; … die Deloitte AG, Basel, für ein weiteres Jahr als statu tarische Revisionsstelle wiedergewählt.
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«MEHR ERLEBNIS ALS IM EINKAUFSZENTRUM» Der WIR-Messe Luzern kam die Ehre zu, die erste Publikumsmesse in den neu erstellten Messehallen auf der Luzerner Allmend durchzuführen. Für das eingespielte Team um Messeleiter Werner Appetito kein Problem – wenn man sich auch von den Ausmassen insbesondere des Foyers etwas überraschen liess: «Die Dimensionen sind gewaltig – es ist unser Ziel für 2015, das Foyer, welches die Hallen 1 und 2 verbindet, mit mehr Leben und Ambiente zu füllen.»
Für Gastrobetriebe: spezielle Servietten von H&R Servietten GmbH.
Für die Besucher der WIR-Messe Luzern wird der rote Teppich ausgerollt.
Sowohl Werner Appetito wie auch Alexander Gonzales, Präsident des Wirtschaftsverbands Stadt Luzern WVL, unterstrichen anlässlich der Eröffnung der WIR-Messe die Bedeutung des Messeplatzes Luzern als Wirtschaftsfaktor und als Ort der Netzwerkpflege. Nicht umsonst sei der WVL als Lobby und Sprachrohr des Gewerbes Aktionär der kürzlich neu eröffneten Messe Luzern, sagte Gonzales. Die WIR-Messe Luzern sei der richtige Ort, um eigenständige Firmen zu berücksichtigen, so Werner Appetito. Diese hätten es nicht leicht, sich in einem Umfeld steigender Löhne und sinkender Preise, durchsetzt von unseriösen Dumpingangeboten und von dubiosen Schattenfirmen, zu behaupten. «An der WIR-Messe Luzern sind auch dieses Jahr wieder über 150 echte Schweizer KMUs versammelt, in der Regel sogar vertreten durch den Geschäftsinhaber selbst oder durch ein Mitglied der Familie.»
Vom Experiment … Für den Garten gebaut: die Fasssauna von Sonnenkönig aus kanadischer Rot-Zeder.
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Genau dies ist beispielsweise bei René Marti von der H&R Servietten GmbH der Fall. «Mal schauen», dachte sich Marti, als er sich zur erstmaligen Teilnahme als Aussteller an einer WIR-Messe
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An der Modeschau werden Kleider und Accessoires gezeigt, die man an der Messe kaufen kann.
Mit dem Bob von Sotschi nach Luzern: Fabienne Meyer und Rico Peter.
entschloss. Denn mit seiner Firma spricht er ganz spezifisch nur Gastrobetriebe an und ist deshalb sonst nur an Fachmessen anzutreffen. Doch: «Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen, es lief besser als an jeder Fachmesse», so Marti begeistert. Seine Bilanz: eine Handvoll neuer Kunden, die die Wirkung von Qualitätsservietten oder speziellen Speisekarten schätzen und regelmässige Bestellungen versprechen. «Durchaus ein Grund, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.»
Runde auf dem Messegelände zu drehen. Das sahen dann andere und wollten auch ein Velo ‹erfahren›», so Fischer. Dieses zusätzliche Kundenpotenzial fehlt nun, doch dank den sehr beliebten Elektrovelos kann er umsatzmässig trotzdem an diese Zeiten anknüpfen.
… zur Konstanz Schon vor langer Zeit hat Roland Fischer von der Zweiradsport Fischer GmbH die Experimentierphase mit WIR-Messen hinter sich gebracht. Dank seiner jahrelangen Präsenz an den WIR-Messen hat er sich eine treue Stammkundschaft aufgebaut, welche die Qualität seiner Zweiräder und den Service schätzen. Ein Wermutstropfen ist für Fischer die Tatsache, dass die Stadt Luzern Aussenstände vor den Messehallen nicht mehr zulässt. «Zuvor war ich im Ein- bzw. Ausgangsbereich angesiedelt, und die Besucher passierten meinen Stand mindestens zweimal und waren auch leicht zu motivieren, auf ein Fahrrad zu steigen und eine
Blickfang Ein treuer Aussteller ist auch die Firma Hunn Gartenmöbel, die wie Fischer vom Aussenbereich ins Innere umsiedeln musste. «Mit unserem neuen Standort hatte ich kein Problem, das Messekonzept ist gut», so Hanspeter Bänninger, der aber einen etwas schmaleren Besucherstrom als letztes Jahr konstatierte. Schuld daran war zu einem grossen Teil das traumhafte Wetter. Passend zu den hohen Temperaturen präsentierte die Firma Sonnenkönig eine originelle Sauna in Fassform. Sie ist für den Garten gedacht und garantiert dank der runden Form eine perfekte Wärmezirkulation. «Das Echo auf diese Sauna war sensationell», so Firmenchef Armin Schmid, der jedem Aussteller empfiehlt, einen aussergewöhnlichen Blickfang als Publikumsmagnet vorzusehen. «Solche Elemente bringen Atmosphäre in die Messe 13
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Der an der WIR-Messe Luzern erstmals ausgestellte Monster Truck kann in Roggwil gefahren werden.
Motorrad mit Chevy-V8-Motor.
– fehlen sie, geht es nur um Kommerz und die Messe ist steril. Anders ausgedrückt: Eine Messe ist dann erfolgreich, wenn sie mehr Erlebnis bietet als das Einkaufszentrum.» Aus diesem Grund schätzt Schmid das Engagement der Messeleitung, der es jedes Jahr gelinge, den Anlass mit einer Sonderschau und anderen Events abzurunden.
Frauen-Zweierbob, und der Bobpilot Rico Peter. Sie sprachen auf Einladung der WIR-Gruppe Zentralschweiz über den Bobsport und ihre Erfahrungen an der Olympiade in Sotschi.
Tausende von PS auf kleinstem Raum In der Tat haben die Sonderschauen der WIR-Messe Luzern eine lange Tradition. Dieses Jahr war sie dem Thema PS-Giganten gewidmet. Und gigantisch waren die Dimensionen allerdings. Monster Truck Rides Switzerland stellte den ersten in der Schweiz hergestellten Truck aus, der mit seinen 800 PS und fünf Tonnen Gewicht, verteilt auf 3,3 m Höhe, 3,6 m Breite und 5,8 m Länge, nicht zu übersehen war, aber nie im normalen Strassenverkehr anzutreffen sein wird. Ganz im Gegensatz zu den Motorrädern der Boss Hoss Cycles Swiss. Sie sind mit V8-Automotoren (Chevrolet) bestückt, bringen locker 650 kg auf die Waage und lassen mit ihren z. T. über 500 PS keine Zweifel aufkommen, wer die wahren Kings of the Road sind. Eindrücklich auch die blank polierten Drag Race Cars von Lex-Power: Ob Chevrolet Bel Air oder Plymouth Road Runner – wer die über 1000 PS erst mal ausgereizt hat, schätzt beim Betätigen des Bremspedals die Unterstützung durch den Bremsschirm. Nicht auf PS, sondern allein auf Muskelkraft setzen Fabienne Meyer, Europameisterin im 14
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WIR-Messen sind für alle da Die WIR-Messen Bern, Zürich und Luzern sind als Publikumsmessen der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Wer als KMU-Besitzer oder als Angestellter eines KMU über WIRGeld verfügt, kann die an den WIR-Messen angebotenen Produkte und Dienstleistungen auch mit WIR bezahlen. Die WIR-Messen sind von der WIR Bank unabhängige Aktiengesellschaften (Zürich und Luzern) bzw. Organisationen (Bern), und erfüllen eine wichtige Funktion als Marktplatz und Schaufenster der KMUs, die der WIR-Verrechnung angehören. WIR-Messe Bern: 10. - 12. Oktober 2014 www.wirgruppebern.ch WIR-Messe Zürich: 21. - 24. November 2014 www.wmzag.ch WIR-Messe Luzern: 27. - 30. März 2015 www.luwira.ch
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VOM JUGENDSEELSORGER ZUM ISOFLOC-PAPST Beat Curau-Aepli könnte heute einer Tätigkeit als Tiefbauzeichner oder Strassenbauer, aber auch als Jugendseelsorger oder Biogemüsebauer nachgehen. Stattdessen hat er Pionierarbeit im nachhaltigen Dämmen geleistet und führt mit Ehefrau Simone Curau-Aepli und Tochter Anina Curau Staub ein KMU mit Hauptsitz in Weinfelden und Filialen in Biel und Zofingen.
Isofutura GmbH Beat Curau-Aepli mit Tochter Anina Curau Staub.
Zwei Lehren hat Beat Curau absolviert – als Tiefbauzeichner und als Strassenbauer –, um schliesslich als ausgebildeter Jugendarbeiter und Jugendseelsorger sieben Jahre lang einen erfüllenden Beruf auszuüben. Er hat ihn sogar in die Selbstständigkeit geführt, die Curau aber auch dazu nutzte, Gartenbauprojekte zu verfolgen, als einer der Ersten im Thurgau Biogemüse anzubauen und einem befreundeten Schreiner bei Umbauten zu helfen. Dort bescherte ihm die Verarbeitung von Glaswolle schlimme Hautausschläge, was Curau dazu bewog, in St. Gallen Kurse über Bauökologie und Baubiologie zu belegen. «Das öffnete mir die Augen;
Zusammen mit dem Architekten und Energieberater Peter Büchel und dem Holzbauer Roland Wiesli gründete Beat Curau 2009 die Firma Isofutura GmbH (www.isofutura.ch) mit Sitz in Weinfelden. Ihre Aufgabe besteht darin, Gesamtkonzepte für die Sanierung älterer Liegenschaften zu erstellen. Grundlage ist die GEAK-Energiediagnose, das Ziel ist die Erreichung des Minergie- oder Minergie-PStandards. Beat Curau: «Oft bringen Hausbesitzende das Minimum an Dämmung an. Das macht jedoch keinen Sinn, denn meist sind diese Gebäude nach 15 Jahren energetisch bereits wieder veraltet.» Wenn schon eine Sanierung ins Auge gefasst werde, solle sie so ausgeführt werden, dass die Eigentümer für 30 bis 50 Jahre Ruhe haben. Wie die Curau AG ist auch die Isofutura GmbH WIRVerrechnerin mit einem Annahmesatz von 30%.
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ich lernte mit Zellulose- bzw. Papierisolationen nicht nur eine unbedenkliche Alternative zu Mineralwolle kennen, mir wurde auch bewusst, wie wichtig das Dämmen von Gebäudehüllen für die Umwelt und das Wohlbefinden der Menschen ist.»
Dämmung eines schwer zugänglichen Estrichs mit Isofloc.
Das Dach der Eishalle Weinfelden wurde im Aufblasverfahren mit Isofloc gedämmt.
Holzelemente können im Werk des Holzbauers oder direkt auf der Baustelle gedämmt werden.
Die Stärke der Isofloc-Dachdämmung dieses Minergie-P-Doppeleinfamilienhauses beträgt über 40 cm.
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Beat Curau beschloss Ende der 80er-Jahre, voll auf einblasbare Zellulose für Gebäudedämmung zu setzen. Das Ausgangsmaterial lieferte die deutsche Firma Isofloc. «Isofloc verarbeitet seit 1983 Zeitungspapier – also ein umweltfreundliches Rohmaterial – zu wärmedämmenden Fasern, was sich mit einem relativ geringen Energieaufwand bewerkstelligen lässt», so Beat Curau. Das System war damals neu, und es musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden – auch weil Dämmen noch kaum ein Thema war. Bei Holzbauern war die Gegenliebe noch am grössten, «denn schliesslich handelt es sich bei Zellulose um nichts anderes als Holz». «Jugendlicher Leichtsinn» Ab 1988 ging Beat Curau mehr und mehr seinen eigenen Weg. An Messen und bei Architekten warb er für die einblasbare Dämmung aus nachwachsendem Rohstoff, 1990 gründete er mit seiner Frau Simone die Curau AG mit Sitz in Weinfelden. Als «jugendlichen Leichtsinn» bezeichnet Beat Curau scherzhaft diesen entscheidenden Schritt, denn noch deutete nichts auf die anschliessende Erfolgsgeschichte hin. Die Vorteile der blasbaren Dämmung sprachen jedoch mehr und mehr für sich. «Zellulose lässt sich in jede Spalte einblasen, die einzelnen Flocken verkrallen sich ineinander, was zu einer kompakten, lückenlosen und setzungssicheren Dämmung führt», so Curau. Bei einer Dämmung mit Platten hingegen entstehen Fugen und Hohlräume überall dort, wo keine ebenen Flächen oder rechte Winkel vorhanden sind. Aus diesem Grund sind Einblasdämmstoffe speziell auch für historische Gebäude geeignet. Kirchen, Regierungsgebäude, Bahnhöfe, das Landesmuseum in Zürich oder das Burgerspital in Bern gehören deshalb heute zu den Referenzobjekten der Curau AG. «Isofloc-Papst» Auch Züge lassen sich schwerlich mit Platten dämmen. Als es darum ging, 1992 fünf Eurocity-Züge im Werk der Stadler Rail in Altenrhein zu dämmen, fiel die Wahl nicht überraschend auf die Curau AG. Beat Curaus unermüdliches Engagement für nachhaltiges Dämmen mit Zellulose trug ihm den Übernamen «IsoflocPapst» ein. Als die deutsche Firma 1995 expandierte und in St. Gallen ein Werk eröffnete, moderierte kein anderer als Beat Curau den Festakt. Und heute ist die Curau AG der grösste Schweizer Abnehmer von Isofloc. «Zellulose-Dämmstoff könnte man billiger auch aus dem Ausland beziehen. Aus Nachhaltigkeits- und Qualitätsüberlegungen kommen für uns jedoch wo
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immer möglich nur einheimische Produkte infrage», so Simone Curau-Aepli, Marketingfachfrau und Verwaltungsratspräsidentin der Curau AG.
Geschmolzener Stein Zu diesen Produkten gehört seit 2006 auch Steinwolle der Flumser Firma Flumroc. Die blasbare Steinwolle ist ein Feingranulat und besteht aus einheimischen Steinen, die bei 1500 Grad Celsius geschmolzen und zu Fasern verarbeitet wurden. Weil Steinwolle wasserdampfdurchlässig ist und keine Feuchtigkeit aufnimmt, Wärme gut speichert und einen hohen Schmelzpunkt aufweist, ist sie ein optimaler Dämmstoff und Brandschutz. Eine weitere Eigenschaft von Steinwolle – Schutz vor Schall – führte 2007 zu einem der grössten und interessantesten Aufträge der Curau AG. Kurz vor der Eröffnung des Lötschbergbasistunnels realisierten die Ingenieure, dass die Nothaltestelle ihrer Aufgabe nicht gerecht wurde: Die Lautsprecherdurchsagen waren wegen des Widerhalls unverständlich, und damit war die Sicherheit im Notfall nicht gewährleistet. Beat Curau: «Nachdem wir angefragt wurden, ob wir Erfahrung mit dem Anbringen von Steinwolle auf nacktem Fels hätten, führten wir sofort Tests durch und kamen zum Schluss: Ja, das können wir.» So wurden rund 4500 m2 Fels der Nothaltestelle mit Flumroc-Feingranulat besprüht. Eine Schichtdicke von 10 cm, aufgetragen an den Seitenwänden und auf Höhe der gebogenen Tunneldecke auf 0 cm auslaufend, stellte die Fachleute der EMPA, welche die Schallmessungen durchführten, zufrieden. «Der Eröffnung des Lötschbergbasistunnels stand dann nichts mehr im Weg!», so Curau nicht ohne Stolz.
Thurgau als Vorreiter Selbst in den Augen der Familie Curau hat sich der Kanton Thurgau noch selten als Pionier hervorgetan. Eine Ausnahme bildet ausgerechnet das Energieförderprogramm, das 2008 startete und vor allem auch die Wichtigkeit der Gebäudehüllensanierung hervorhob. Das Programm machte Schule und wurde per 1. Januar 2010 schweizweit umgesetzt. «Dies war eine Bestätigung unserer damals 20-jährigen Strategie – und davon profitierten wir natürlich auch», hebt Simone Curau-Aepli hervor. Die Reaktion der Firma auf diese Entwicklung liess nicht lange auf sich warten. 2011 beschliesst der Verwaltungsrat, die Curau AG als schweizweit tätige Firma zu positionieren, 2012 wird die dritte Geschäftsstelle in Zofingen eröffnet. Bereits im Jahr 2000 hatte die Firma in Biel Fuss gefasst.
Gesamtkonzept entscheidend Bis vor 10 Jahren entfielen 80 Prozent des Auftragsvolumens der Curau AG auf Umbauten, seither ist der Neubaubereich für die
Die Nothaltestelle im Lötschbergbasistunnel erhielt eine Dämmung aus unbrennbarem und mit Klebstoff vermischtem Steinwollegranulat.
Curau AG www.curau.ch WIR-Annahmesatz: 30% Hauptsitz Weinfelden Unternehmensleiter: Beat Curau Weststrasse 15 8570 Weinfelden Tel. 071 622 37 18 Fax 071 622 37 67 E-Mail info@curau.ch Geschäftsstelle Weinfelden Leiter: Alex Pfiffner Weststrasse 15 8570 Weinfelden Tel. 071 622 37 18 Fax 071 622 37 67 E-Mail weinfelden@curau.ch Geschäftsstelle Biel Leiter: Amadeus Furrer Bahnhofstrasse 11 2575 Täuffelen Tel. 032 355 38 60 Fax 032 355 38 61 E-Mail biel.bienne@curau.ch Geschäftsstelle Zofingen Leiter: Konradin Furrer Areal Bleiche West 24 4800 Zofingen Tel. 062 751 81 83 Fax 062 751 81 84 E-Mail zofingen@curau.ch Präsidentin des Verwaltungsrats: Simone Curau-Aepli Gegründet: 1990 Anzahl Mitarbeiter: 20
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Entscheidend für die Effizienz einer Dämmung ist die Dichte (kg pro m3) des eingeblasenen Materials. Vor einer Dichtemessung kalibriert Beat Curau das Prüfset.
Firma immer wichtiger geworden. Interessant sind vor allem Einund Mehrfamilienhäuser im Holzelementbau, der für das Einblasen von Zellulose-Dämmstoff geradezu prädestiniert ist. Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern in Massivbauweise kommt das Verfahren vor allem bei der Schalldämmung der Installationsschächte zum Zug. Ob Umbau oder Neubau: Entscheidend ist in den Augen der Curaus das Ausarbeiten eines Gesamtkonzepts – Fenster, Dach, Fassade, Heizung – und eine ausreichende Dämmstärke. «Im Bereich Minergie P reden wir hier durchaus von bis zu 50 cm», so Beat Curau. Zu oft und zu lange hätten sich Bauherren auf Dämmstärken von lediglich sechs oder acht Zentimeter verlassen, nur um einige Jahre später festzustellen, dass eine erneute Sanierung angezeigt war.
WIR seit 23 Jahren 1991, nur ein Jahr nach der Firmengründung, ist die Curau AG der WIR-Verrechnung beigetreten. Entscheidend für die Mitgliedschaft sei sicher auch die Tatsache gewesen, dass in der Bauwirtschaft die Komplementärwährung WIR stark verankert ist – aber nicht nur. Beat Curau: «Die WIR-Verrechnung ist von ihrer Geschichte her spannend und von der Wirkung her nachhaltig, da sie lokal Wirkung entfaltet und Partnerschaften för18
dert.» Deshalb habe sie von Anfang an in die Geschäftsphilosophie der Curau AG gepasst. Die WIR-Einnahmen gibt nicht nur die Firma für Übernachtungen, Auto- oder Möbelkäufe aus. Auch die Mitarbeitenden haben WIR-Konti und erhalten einen Teil des Jahresendbonus in WIR ausbezahlt. Eine Grossbank als Partnerin ist für die Familie Curau undenkbar, aber auch die WIR Bank darf sich nicht ausruhen: «Wir interessieren uns schon dafür, wie die WIR Bank Nachhaltigkeit versteht und umsetzt, was für Produkte angeboten werden und wie freie Mittel angelegt werden.»
Sponsoring in Namibia In ihrem Leitbild erhebt die Firma Curau AG nicht nur den Anspruch, schweizweit der kompetenteste Fachbetrieb für blasbare Dämmungen zu sein und durch finanziellen Erfolg die Eigenständigkeit und Weiterentwicklung des Unternehmens zu garantieren. Auch der Teamgeist und das Übernehmen von Verantwortung sollen gefördert werden – ebenso wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zum sozialen Engagement der Firma gehört das Sponsoring des Arts Performance Center APC in Namibia (www.apcnamibia-lis.ch). Dieses Begegnungszentrum ermöglicht Jugendlichen Musik-, Tanz- und Malunterricht und festigt dadurch beispielsweise den Durchhaltewillen oder das Teamverhalten der Kinder.
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Beat Curau kontrolliert die Einblasmaschine.
VR-Präsidentin Simone Curau-Aepli.
In ihrem unmittelbaren Umfeld wirkt die Familie vor allem auch auf politischer Ebene. Beat Curau ist Vorstandsmitglied der CVP Weinfelden, Tochter Anina vertritt die parteipolitisch unabhängige Gruppierung jung&aktiv in der Jugendkommission. Simone Curau-Aepli (www.simone-curau.ch) ist bei den CVP-Frauen aktiv, wirkte unter anderem als Vizepräsidentin der CVP Frauen Schweiz, ist Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen sowie Vorstandsmitglied des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds SKF.
wie geschaffen. Vorgespurt dürfte damit auch die Nachfolgeregelung sein. «Es macht Sinn, die Firmenübergabe und die Ausgestaltung des Aktionariats zehn Jahre vor der eigenen Pensionierung anzugehen», sind Simone und Beat Curau überzeugt.
Nachfolge vorgespurt Simone und Beat Curau haben zusammen vier Kinder, die beruflich alle ihre eigenen Wege eingeschlagen haben. So absolvierte Tochter Anina Curau Staub eine Banklehre und war zunächst in der Privatkundenberatung der Thurgauer Kantonalbank und danach im Bankenberatungszentrum in St. Gallen tätig. «Als mein Vater vor zwei Jahren Unterstützung im Bereich Marketing benötigte, zögerte ich allerdings nicht lange, denn dieses Gebiet hatte mich schon lange interessiert», so Anina Curau Staub. Seit Kurzem ist auch ihr Ehemann Pascal Curau-Staub als stellvertretender Leiter der Weinfelder Geschäftsstelle im Betrieb tätig. Als gelernter Schreiner und technischer Kaufmann mit Erfahrung als Produktionsleiter und in der Personalführung ist er für diese Aufgabe
DANIEL FLURY
Nachhaltigkeit als Trumpf Nachhaltigkeit mag ein Mode- oder gar Unwort sein, wer sie als Unternehmen lebt, nimmt jedoch seine Verantwortung gegenüber der Umwelt, den Mitarbeitenden und den Geschäftspartnern wahr. Die WIR Bank pflegt mit dem WIR-System selbst ein nachhaltiges, in der Schweiz verankertes Instrument, welches seinen Mitgliedern Mehrwerte schafft. Auch Kunden der WIR Bank stehen beispielhaft für das Prinzip Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund stellen wir dieses Jahr einige solche Unternehmen im WIRPLUS vor. Auch die Herbstgespräche vom 8. November 2014 im KKL Luzern sind diesem Thema gewidmet. Zugang zu den Herbstgesprächen haben Kundinnen und Kunden der WIR Bank, welche Stammanteile besitzen.
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DER GANZ PRIVATE WIR-KREDIT WIE MAN ALS PRIVATKUNDE VOM WIR-SYSTEM PROFITIERT
Auch als Privatkunde können Sie vom WIR-System und von den ganz besonders tiefen Zinssätzen für WIR-Kredite profitieren. Lesen Sie mehr dazu – es lohnt sich!
Wer rechnen kann und vergleicht (s. Beispiele im Kasten), zahlt weniger Zins. Privatkunden der WIR Bank können unter gewissen Voraussetzungen von den besonders günstigen Zinssätzen für WIR-Kredite profitieren, auch wenn sie sonst keine Verbindung zum WIR-Geldsystem haben. Voraussetzungen dafür sind: - Es handelt sich um einen Baukredit bzw. Hypothekarkredit – und zwar ausschliesslich im Wohnbereich - Der Vertragspartner beim Bau oder beim Kauf eines Wohnobjektes muss WIR-Teilnehmer sein
WIR-Architekten oder -Generalunternehmen Sie planen, ein Wohnhaus zu bauen, oder interessieren sich für eine Eigentumswohnung? – Wenden Sie sich an unsere Berater (Tel. 0848 947 947) oder suchen Sie direkt im WIR-Marktplatz nach WIR-Architekten bzw. WIR-Generalunternehmern.
klein und ohne Punkt schreiben. 2. Ohne Abstand vor bzw. nach dem Doppelpunkt.) www.wirbank.ch > Marktplatz > Platzierung > Erweiterte Suche > ZG (für Kanton Zug) > Baugewerbe > Generalunternehmungen + Totalunternehmungen > Wohnobjekte > Suchen > Druckansicht Bei diesem Beispiel erhalten Sie insgesamt 19 Adressen von Generalunternehmern im Kanton Zug.
Zahlen! Auch wenn Sie sich für ein bestimmtes bestehendes Wohnobjekt interessieren – fragen Sie einfach, ob mit einem WIRAnteil bezahlt bzw. ob eine WIR-Hypothek übernommen werden kann. Die Zahlen zeigen es (s. Kasten): Ob es sich um einen Baukredit oder um eine Hypothek handelt – ein WIR-Anteil lohnt sich!
www.wirbank.ch > Marktplatz > Suchen > +Architekten +tel:041 Bei diesem Beispiel erhalten Sie alle WIR-Architekten mit der Telefonvorwahl 041. (Bitte beachten Sie folgende Punkte: 1. «tel» 20
ROLAND SCHAUB
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Beispiel 1
Wohnbaukredit in CHF/CHW (Bauphase)
Betrag
Gesamtkosten Neubau Eigenmittel (20%) Baukredit WIR Baukredit CHF 1
1 200 000 CHF/CHW 240 000 CHF/CHW 180 000 CHW 780 000 CHF
Zinsbelastung p.a.
Zinssatz
900 CHF 3900 CHF
0,5%1 0,5%1
Zuzüglich übliche Kreditkommission von 0,35% pro Quartal auf dem höchsten Saldo
Dieses Modell kann nach der Konsolidierung als variable Hypothek weitergeführt werden (dabei kosten sowohl der WIR-Kredit als auch der CHF-Kredit in Höhe des beanspruchten WIR-Kredites 0,5% Zins, während 3 Jahren), als Festhypothek (z.B. Kombipakete mit mehreren Laufzeiten und Zinsreduktion, s. Bsp. 2) oder als LIBOR-Hypothek (s. Bsp. 3). WIR-Kredite ergeben je nach Belehnungshöhe (nach Abschluss der Bauphase) eine 2. Hypothek und kosten auch dann nur 0,5%.
Beispiel 2
Hypothekarkredit in CHF/CHW aus Konsolidierung des Baukredites
Betrag
Gesamtkosten Neubau Eigenmittel (20%) Hypothekarkredit WIR Hypothekarkredit CHF Hypothekarkredit CHF Hypothekarkredit CHF
1 200 000 CHF/CHW 240 000 CHF/CHW 180 000 CHW 180 000 CHF 300 000 CHF 300 000 CHF
Gesamtbelastung p.a.
Zinsbelastung p.a.
Zinssatz
900 CHF 900 CHF 3510 CHF 4170 CHF
0,5%1 0,5%2 1,17%3 1,39%4
9480 CHF
0,99%
(im 1. Jahr, Amortisation ab 2. Jahr) Während 3 Jahren, danach 1,75% Während 3 Jahren in der Höhe des WIR-Anteils 3 Festhypothek 2 Jahre. Stand 21.5.2014 4 Festhypothek 6 Jahre mit 0,2% Zinsreduktion. Stand 21.5.2014 1 2
Beispiel 3
LIBOR-Hypothekarkredit in CHF/CHW aus Konsolidierung des Baukredites
Betrag
Gesamtkosten Neubau Eigenmittel (20%) LIBOR-Hypothek WIR LIBOR-Kredit CHF
1 200 000 CHF/CHW 240 000 CHF/CHW 180 000 CHW 780 000 CHF
Gesamtbelastung p.a.
Zinsbelastung p.a.
Zinssatz
40 CHF 9922 CHF
0,022%1 1,272%2
9962 CHF
1,038%
(im 1. Jahr, Amortisation ab 2. Jahr) 1 2
LIBOR-Kredit WIR (für Wohneigentum), 2. Quartal 2014 LIBOR-Kredit CHF 2. Quartal 2014 0,022% + 1,25% Bankmarge = 1,272%)
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«WIESO WEINT SIE DENN?» NATIONAL SUMMER GAMES 2014 VON SPECIAL OLYMPICS Vom 29. Mai bis 1. Juni beherbergte die Stadt Bern rund 1500 spezielle Gäste: Sportlerinnen und Sportler mit einer geistigen Behinderung, die sich in 13 Disziplinen massen. Mittendrin im Geschehen dieser National Summer Games von Special Olympics: knapp 30 «Mädchen für alles» mit einem WIR Bank-Hintergrund: Angestellte, Pensionierte, Angehörige, die «kleinere Hälfte» des siebenköpfigen Verwaltungsrats, ein früherer Verwaltungsratspräsident und eine WIR-Gruppenpräsidentin.
Das Leben vieler Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Entwicklungsbeeinträchtigung spielt sich in der Familie und einer Institution ab, in der sie einer Beschäftigung nachgehen. Sie befinden sich also rund um die Uhr in familiärer Umgebung oder professioneller Obhut – was dazu führen kann, dass Berührungspunkte mit anderen Teilen der Bevölkerung praktisch vollständig fehlen. Dies ist vielleicht mit ein Grund, weshalb Berührungsängste bestehen und die Fähigkeit, mit Menschen mit einer geistigen Behinderung umzugehen, nahezu verloren gegangen ist. Obwohl es ganz einfach ist: Man begegnet ihnen genauso, wie allen andern.
Sport begeistert und verbindet Special Olympics benützt den Sport dazu, Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung nicht nur Bewegung zu verschaffen und Erfolgserlebnisse zu bescheren, sondern auch dazu, sie an Trainings und Wettkämpfen mit Menschen ohne Behinderung zusammenzuführen. Die WIR Bank unterstützt dieses Anliegen seit mehreren Jahren als Supporterin von Special Olympics. Schon 2012 haben sieben Mitarbeitende der WIR Bank an den National Winter Games an der Lenk mitgewirkt und damit das finanzielle und ideelle Engagement der Bank durch einen persönlichen Einsatz ergänzt. Die Erfahrungen waren so eindrücklich, dass das Lenk-Grüppchen weitere (ehemalige) Arbeitskollegen, aber auch Partner und Kinder, dazu motivieren konnte, das Helferteam an den National Summer Games 2014 zu verstärken. Während vier Tagen gehörten schliesslich rund 30 Personen mit WIR Bank-Hintergrund zu den rund 1250 Freiwilligen, die als Bindeglied zwischen den 1500 Teilnehmenden bzw. ihren 500 Coaches und den Organisatoren von Special Olympics fungierten. Die Aufgaben waren dabei ganz unterschiedlich: Der frühere Verwaltungsratspräsident der WIR Bank, Jürg Michel, ist den Umgang mit schwerem Gerät gewohnt und half deshalb schon am Tag vor der Eröffnungsfeier beim Aufbau mit; Hervé Dubois, 22
Ein erfolgreich beendetes Rennen oder einen Sieg feiert man im Schwimmen so ….
… oder so.
Fussballfan und pensionierter Kommunikationsleiter der WIR Bank, unterstützte ein Fussballteam aus Lausanne und Verwaltungsrat Marc Reimann das Basketballteam Pro Infirmis Jura.
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Beatrice Simon, Finanzdirektorin des Kantons Bern, und Stephen Mills, Präsident des Stiftungsrats von Special Olympics Switzerland, übergeben an der Schlussfeier die Special-Olympics-Fahne Urs Marti, Stadtpräsident von Chur und Gastgeber der National Winter Games 2016.
Spannende Duelle.
Patrizia Herde (WIR Bank) wich nicht von der Seite ihrer Schützlinge (grünes Trikot) aus San Marino.
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Dominique Alabor (Kundenberaterin, WIR Bank-Filiale Lugano) hilft beim Einkleiden des Bocciateams Rot.
Eröffnungstag: Nadja Maurer (Marketing, WIR Bank) empfängt als Chefin der Reitervolunteers einen von 32 Reitern.
David gegen Goliath? Nicht unbedingt: Im sogenannten Divisioning wird am Tag vor den Wettkämpfen die Leistungsstärke der Athletinnen und Athleten ermittelt. Weil Alter, Geschlecht und Körperbau dabei keine Rolle spielen, sind scheinbar ungleiche Paarungen völlig normal.
Eindrückliche Kulisse: Die Eröffnungsfeier der National Summer Games von Special Olympics fand auf dem Bundesplatz statt.
Zentrale Aufgabe: WIR Bank-Verwaltungsrat Kornel Tinguely und Dominique Alabor übergaben Medaillen, hier den Schwimmern.
Keine Berührungsängste: Bundesrat Ueli Maurer vor seiner Begrüssungsansprache.
Bo Katzman heizte die Stimmung an der Eröffnungsfeier mit seiner ehemaligen «Gang» an.
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Die Public-Relations-Verantwortliche der WIR Bank, Patrizia Herde, brauchte den vier Athleten und drei Coaches aus San Marino keine Bocciatipps zu geben, geleitete sie dafür sicher durch das fremde BEA- und Wankdorfgelände; Sophie Favez, Präsidentin der WIR-Gruppe Romandie, begleitete eine Schwimmergruppe aus Neuenburg; Antoine Berger (Kundenberater, WIR Bank-Filiale Lausanne) und seine Frau Helena gehörten ebenfalls zu den begehrten französischsprachigen Helfern und wurden deshalb der belgischen Delegation zugeteilt – nur um festzustellen, dass alle angereisten Athleten und Coaches ausschliesslich Flämisch sprachen. Eine von vielen Herausforderungen, denen sich die Sportlerinnen und Sportler, Coaches und Volunteers zu stellen hatten.
Olympic Village und Bo Katzman Die WIR Bank gehört nicht nur zu den Supportern von Special Olympics, sie ist auch Sponsorpartnerin des Bo-Katzman-Chors. Als solche gelang es ihr, Bo Katzman für die Eröffnungsfeier der National Summer Games zu gewinnen. Dieser nutzte die Gelegenheit, seine früheren Kollegen von der Bo-Katzman-Gang auf die Bühne zu holen und vor den über 3000 begeisterten Sportlern Hits aus den 80er-Jahren zum Besten zu geben. Mit Band und seiner Tochter Ronja trat Bo Katzman auch im Olympic Village noch einmal auf. Dort, neben den Messehallen von BERNEXPO, konnten die Athletinnen und Athleten Sportidolen wie Simon Ammann, Matthias Sempach, Ariella Käslin und Giulia Steingruber begegnen, sich mit Christa Rigozzi fotografieren lassen, Runden mit Quads des Special-Olympics-Hauptsponsors Würth drehen oder Erinnerungsposter von sich und ihren Teams drucken lassen.
«Wieso weint sie denn?» Eine wichtige Rolle kam nach jedem Wettkampf den Medaillenteams zu, denn die Siegerehrungen gehören zu den emotionalsten Momenten auch bei Special-Olympics-Anlässen. Die WIR Bank konnte ein vollständiges Medaillenteam stellen, und zwar mit Tina Hugentobler, Dominique Alabor, Halina Studhalter, Marcel Wäfler, Jennifer von Burg sowie den VR-Mitgliedern Petra Müller und Kornel Tinguely. An diesen Zeremonien wurden immer alle Teilnehmenden eines Wettkampfs – meistens nicht mehr als fünf – geehrt. Die Bildung kleiner Gruppen – sie basieren nicht auf Alter oder Geschlecht, sondern rein auf der sportlichen Leistungsfähigkeit – ermöglicht es, in jeder Disziplin mehrere Medaillensätze zu vergeben. Anerkennung widerfahre behinderten Menschen eben selten, sagte Bruno Barth, Geschäftsführer von Special Olympics Switzerland, deshalb wolle man an diesen Wettkämpfen möglichst vielen Teilnehmenden Gelegenheit geben, gefeiert und bejubelt zu werden. Der Jubel auf und vor den Podesten war immer echt und galt auch den Mitkämpfenden, die kaum je als Gegnerin oder Gegner
behandelt wurden. Und wenn von Jubel die Rede ist, so war derjenige auf den Podesten manchmal nur von denen zu erkennen, die die Athleten kennen oder beobachtet haben: hier eine leichte Kopf- oder Handbewegung, dort ein kurzer Blick zum Coach, zu den Eltern oder den Geschwistern. Der Jubel vor den Podesten war reich durchmischt mit Tränen. Nicht jeder kann oder traut sich, Begeisterung und Glück so ausdrücken wie es sich eigentlich gehört. Die Menschen mit geistiger Behinderung haben diese Gabe nicht verloren, haben keinen Grund, sich dafür zu schämen und rühren andere damit zu Tränen. Das kann denn auch zu Verwunderung führen: «Wieso weint sie denn? – Ich habe solches Mitleid mit ihr!», war die Reaktion eines Sportlers auf feuchte Augen eines Mitglieds des Medaillenteams. DANIEL FLURY
www.specialolympics.ch
Healthy Athletes An den National Summer Games von Special Olympics ebenfalls vertreten waren die Programme Healthy Hearing (Hear the World Foundation der Sonova-Gruppe) und Opening Eyes (Lion’s International, Stiftung Essilor Vision und Safilo-Gruppe). Augen- und Ohrenspezialisten untersuchten Hunderte von Teilnehmenden, wiesen auf Sehund Hörprobleme hin und offerierten Brillen und Hörgeräte. Das unter dem Begriff Healthy Athletes zusammengefasste Engagement ist deshalb wichtig, weil Menschen mit geistiger Behinderung ein um 40% höheres Risiko für weitere gesundheitliche Einschränkungen haben und andere nicht unbedingt auf ein Seh- oder Hörproblem aufmerksam machen können.
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RECHTE UND PFLICHTEN DES BEWERBERS Die meisten von uns müssen sich mindestens einmal im Leben um eine Stelle bewerben. Damit werden Weichen für die berufliche, aber auch die private Zukunft gestellt. Wie wird ein solcher Bewerbungsprozess erlebt bzw. wie soll sich der Bewerber verhalten? Es gibt eine Reihe von Rechten, aber auch Pflichten, die von beiden Seiten beachtet werden müssen.
Der Arbeitsmarkt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Je nach Konjunktur und Beruf kann der Arbeitgeber in der günstigeren Position sein, wenn es mehr Bewerber als Stellen hat (Arbeitgebermarkt), oder es ist der Arbeitnehmer, wenn es an Bewerbern mangelt (Arbeitnehmermarkt). So werden auch die Einleitung des Bewerbungsprozesses und die Bewerbungsstrategie massgeblich von den aktuellen Arbeitsmarktbedingungen beeinflusst.
Anders verhält es sich, wenn die Bewerbungsunterlagen auf elektronischem Weg übermittelt worden sind. In diesem Fall hat der abgewiesene Bewerber Anspruch auf Löschung des entsprechenden E-Mails und der angefügten Unterlagen. Die physische oder elektronische Aufbewahrung der physisch oder elektronisch zugestellten Unterlagen ist aus datenschutzrechtlichen Gründen unzulässig, ausser der Bewerber ist ausdrücklich damit einverstanden, damit sein Dossier gegebenenfalls später berücksichtigt werden kann.
• Arbeitgebermarkt: Um in der Fülle der Bewerbungen nicht unterzugehen, sollte sich der Bewerber überlegen, wie er die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, z. B. indem er nach dem Einsenden der Bewerbungsunterlangen persönlich Kontakt aufnimmt und auf Eigenschaften hinweist, die dem Stellenprofil entsprechen.
Einladung zum Vorstellungsgespräch Wenn die Unterlagen eines Bewerbers positiv beurteilt werden und dieser in der Folge die erste Selektionshürde überspringt, kommt es zum Vorstellungsgespräch. Auf dieses soll sich der Bewerber vorbereiten können und wissen, mit welcher Art von Fragen er rechnen muss.
• Arbeitnehmermarkt: Der Bewerber ist etwas weniger darauf angewiesen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Für die Einleitung der Bewerbung kann der Standardweg gewählt werden, d.h. die Bewerbungsunterlagen werden auf postalischem oder elektronischem Weg zugestellt. Eine anschliessende persönliche Kontaktnahme kann natürlich trotzdem hilfreich sein.
Zulässig sind Fragen zu folgenden Bereichen: – Beruflicher Werdegang – Berufserfahrung – Berufliche Ziele – Vorstellung bezüglich Engagement und Salär
Abweisung des Bewerbers
Unzulässig ist Folgendes: – Fragen zum aktuellen Salär. Der Bewerber hat das Recht, in diesem Fall eine falsche Antwort zu geben (Recht der Lüge), was in der Praxis regelmässig der Fall ist. – Fragen zur Person, die in keinem Zusammenhang mit der in Aussicht gestellten Position sind. Dabei kann es z.B. um politische oder religiöse Ansichten gehen. – Fragen, die den Schutz vor Rassendiskriminierung bzw. Geschlechterdiskriminierung verletzen.
Die zugestellten Bewerbungsunterlagen sind Eigentum des Bewerbers. Dieser hat bei einer Abweisung der Bewerbung Anspruch auf Retournierung der per Post zugestellten Unterlagen. Nicht selten werden physische Unterlagen abgewiesener Bewerber vom Arbeitgeber vernichtet, um Kosten zu sparen. Die Vernichtung ist jedoch nur dann rechtlich zulässig, wenn der Bewerber damit einverstanden ist, oder wenn im Stelleninserat ausdrücklich darauf hingewiesen wird.
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– Verbüsste Strafen und/oder Bussen, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Arbeitsstelle stehen; diese dürfen verschwiegen werden. – Das Verlangen eines Strafregisterauszugs, wenn dies nicht klar begründbar ist. So wäre z.B. das Beibringen eines Strafregisterauszugs für einen einfachen Sachbearbeiter in einem Werbebüro völlig unverhältnismässig, jedoch für den Finanzchef einer grösseren Firma absolut angebracht. – Frauen müssen auf Fragen zur Kinderplanung oder zu einer aktuellen Schwangerschaft nicht eingehen. – Referenzauskünfte dürfen nur nach vorgängiger Zustimmung des Bewerbers eingeholt werden; dies betrifft auch die Hinterfragung von Arbeitszeugnissen. Deshalb muss sich ein Arbeitgeber bewusst sein, dass er für den wahrheitsgetreuen Inhalt eines Zeugnisses haftet und u.U. sogar mit Schadenersatzansprüchen konfrontiert werden kann. Jeder Bewerber hat die Pflicht, die zulässigen Fragen wahrheitsgetreu zu beantworten. Je höher der infrage stehende Anstellungsgrad ist, desto mehr und detailliertere Fragen muss der Bewerber inkauf nehmen. Grundsätzlich ist eine möglichst kooperative Haltung zu empfehlen, sofern man an einer Anstellung wirklich interessiert ist.
Neugier oder allenfalls sogar zur Erlangung von vertraulichen Informationen zu führen. Ein solches Verhalten könnte zu Schadenersatzansprüchen führen und weitere Folgen haben. Die Beweise sind in solchen Fällen jedoch nur sehr schwer zu erbringen. Endet der Bewerbungsprozess positiv, kann sich der Bewerber über ein Angebot und einen entsprechenden Vertragsentwurf freuen, der auf Rechtmässigkeit zu prüfen ist. Immer wieder schleichen sich in Arbeitsverträgen Fehler ein, die zwingendem Gesetzesrecht widersprechen – meistens zuungunsten des Arbeitnehmers.
Fazit Eine Bewerbung ist ein mehrstufiger Prozess, der dem Bewerber auf allen Stufen ein ausgewogenes Verhältnis an Rechten und Pflichten vorgibt. Durch das Recht der Nichtauskunft bzw. der Lüge ist er in Situationen, die der Arbeitgeber aus nicht gerechtfertigten Gründen schafft, geschützt. Ansonsten sind wahrheitsgetreue Auskünfte und ein Verhalten nach Treu und Glauben allgemeine Verhaltensregeln, die von beiden Seiten beachtet werden müssen. MIRCO LOMBARDI WWW.LOMBARDIPARTNERS.COM
Die Durchführung von Assessments (s. Kasten rechts) im Verlauf des Selektionsprozesses steht dem Arbeitgeber frei. Weiterhin besteht auch die Möglichkeit, grafologische Gutachten einzuholen. Heutzutage wird allerdings weitgehend darauf verzichtet. Die Auswertungen dieser Selektionsmethoden stehen im Eigentum des Arbeitgebers, d. h. diese müssen nicht herausgegeben werden, dürfen jedoch andererseits aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht aufbewahrt bzw. archiviert werden.
Aus reiner Neugier? Der Bewerber hat grundsätzlich keinen Anspruch darauf, sich die Bewerbungskosten ersetzen zu lassen. Eine Absprache mit dem Arbeitgeber ist bei Bewerbungen aus dem Ausland zu empfehlen. Man denke vor allem an den Fall mehrerer Gespräche, verbunden mit allfälligen Selektionsmethoden wie Assessments. Sowohl Bewerber wie auch der Arbeitgeber verpflichten sich, den Bewerbungsprozess nach Treu und Glauben zu führen. Es wäre somit rechtsmissbräuchlich, Bewerbungsgespräche aus reiner
Assessment
(engl. to assess: bewerten, beurteilen). Ein Assessment ist ein Verfahren, um fachliche, persönliche, soziale Fähigkeiten sowie Führungsqualitäten von Bewerbern in Erfahrung zu bringen. Dabei können zahlreiche Aufgaben gestellt werden, wie z.B.: – Vorträge und Präsentationen – Zeitplanungsaufgaben – Gruppendiskussionen – Gruppenarbeiten – Rollenspiele – Interviews – Intelligenztests – Selbstpräsentationen – Biografische Fragebögen usw.
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FRÜHZEITIGE PLANUNG ZAHLT SICH AUS NACHFOLGEPLANUNG IN KMUS
Das Führen eines KMUs ist eine anforderungs-, nicht selten auch entbehrungsreiche Aufgabe. Die Planung der Nachfolge kann deshalb im Tagesgeschäft untergehen – bis es zu spät ist: Jedes fünfte der weiterzugebenden KMUs wird hierzulande mangels Nachfolger liquidiert.
In den nächsten fünf Jahren zeichnet sich bei 20% der Schweizer KMUs die Übergabe an einen Nachfolger ab. In vier von fünf Fällen gelingt die Weitergabe an die nächste Generation oder an Dritte: Die Unternehmer haben sich frühzeitig mit den verschiedensten Optionen auseinandergesetzt, sie haben Altlasten bereinigt, realistische Preise und tragbare Finanzierungslösungen ermittelt, nicht betriebsnotwendige Aktiven ausgesondert und Privatvermögen gebildet. Diese Themen müssen nicht nur ohne Zeitdruck, sondern am besten auch unter Beizug externer Fachleute angegangen werden. Wie das folgende Beispiel zeigt, sollte man aber selbst hier grösste Vorsicht walten lassen.
Scherbenhaufen … Jedes Jahr spielt sich in der Schweiz die folgende Geschichte so oder ähnlich unzählige Male ab. Das Unternehmerpaar Rölli* hatte seinen Handwerksbetrieb über Jahre erfolgreich aufgebaut, betrieben, Lernende ausgebildet und damit zum Wachstum der Region beigetragen. Ihr Betrieb hatte einen guten Namen, der für Qualität und faire Preise bürgte. Obwohl es ab und zu ein Thema war, verdrängten die geistig und körperlich junggebliebenen Ehegatten konkretere Gedanken an einen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Bis auftretende gesundheitliche Probleme des Inhabers sie dazu zwangen. Er konnte den Betrieb nicht mehr mit vollem Elan führen. Unter dem Druck des Alters und der an30
geschlagenen Gesundheit musste nun eine Nachfolgelösung gefunden werden. Der Wert des Unternehmens stellte einen Teil der geplanten Altersvorsorge dar, der Verkaufsgewinn sollte den sorgenfreien Lebensabend sichern. Ein sich überall anpreisender Makler wurde exklusiv mit dem Verkauf der Unternehmung beauftragt. Dieser übernahm die sehr hohe Preisvorstellung der Verkäufer ohne vertiefte Prüfung in die Verkaufsunterlagen. In der Folge meldete sich trotz Inseraten kein einziger ernsthafter Kaufinteressent. Die Gesundheit des Handwerkers liess immer weniger Einsätze zu, seine Angestellten mussten auf sich gestellt die Aufträge erledigen. Zahlungsunfähige Grosskunden führten zu Verlusten. Dem Betrieb ging es immer schlechter. Über ein Jahr hörte Familie Rölli wenig von ihrem Makler, darum bemühten sie sich selbst aktiv um einen Käufer. Sie hatten inzwischen realisiert, dass die ursprüngliche Vorstellung des Verkaufserlöses mindestens halbiert werden musste. Doch nun war es zu spät, der Betrieb hatte seinen Glanz verloren. Am Schluss musste liquidiert werden, und nur die Geräte und Werkzeuge konnten noch verkauft werden. Nachdem der Betrieb liquidiert und die Geräte verkauft waren, stellte der Makler prompt eine Rechnung von rund 20 000 CHF als Provision auf den Erlös des Geräteverkaufs. Zwar konnte diese Forderung gerichtlich reduziert werden, aber nach einem erfolgreichen Unternehmerleben stand das Ehepaar Rölli am Ende vor einem Scherbenhaufen. Dieser Teil der Altersvorsorge war weggebrochen.
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… oder Erfolgsstory
Gründe benennen
Das muss nicht sein, und zum Glück kann die Geschichte bei ähnlicher Ausgangslage auch ganz anders enden:
Beim Angehen dieses letzten geschäftlichen Projektes spielen die Gründe für die Übergabe eine gewichtige Rolle. Ist es das Alter, die Gesundheit, der sich verändernde Markt, oder sind es neue Projekte, welche diesen Schritt auslösen? Die Gründe lösen Emotionen aus. Diese beeinflussen Entscheide massgeblich. Es ist also wichtig, sich seiner Gründe und Emotionen bewusst zu sein. Gemäss der Entwicklungspsychologie macht der Mensch nach dem 50. Lebensjahr ebenso dramatische Veränderungen durch wie in der Adoleszenz. Veränderungen angehen, loslassen und Vertrauen schenken – all dies wird dadurch nicht einfacher. Je älter der Unternehmer wird, für umso unersetzlicher hält er sich in der Regel. Das Leben nach der Übergabe der Unternehmens sollte daher frühzeitig geplant werden.
Beim Unternehmen der Familie Plüss* war die familienintern angestrebte und über Jahre scheinbar sichere Nachfolgeregelung gescheitert. Das Unternehmerehepaar musste drei Jahre länger als geplant aktiv in seinem Betrieb tätig sein, bis das neue Kader genügend integriert war. Da eine Lösung innerhalb der Familie Plüss auch drei Jahre später nicht realisierbar war, fasste man den Verkauf der Unternehmung ins Auge. Diese war gut geführt und auf dem Markt erfolgreich. Mehrere Interessenten wollten sie kaufen. Unter anderem auch ein grosser Konkurrent, der ein interessantes Gebot abgab. Das offen kommunizierte Ziel des Konkurrenten war, die Produktion mittelfristig zu schliessen und den guten Namen des Unternehmens als Vertriebskanal zu nutzen. Das Unternehmerpaar entschied sich deshalb für das weniger lukrative Angebot zweier Kadermitglieder, und dank einer kreativen Finanzierungslösung konnten die beiden das Unternehmen als Eigentümer übernehmen. Ihre fachliche Kompetenz bürgt für den weiteren Erfolg der von ihnen bereits in den Vorjahren geführten Unternehmung. Dank ihrer Sozialkompetenz und ihrer Verbundenheit sowohl mit der Unternehmung als auch mit dem Unternehmerpaar Plüss blieben die Arbeitsplätze und der Standort in der Region erhalten. Die früheren Eigentümer sind heute geschätzte Berater der beiden Jungunternehmer. Sie wissen ihr Lebenswerk in guten Händen und erleben von den neuen Inhabern die verdiente Wertschätzung. Sie ernten nicht nur die finanziellen, sondern auch die sozialen Früchte ihres Unternehmerlebens.
KMUs vor dem Generationenwechsel Rund 20% aller Schweizer KMU-Inhaber stehen in den nächsten fünf Jahren vor der Aufgabe, loszulassen und eine gute Lösung für die Nachfolge und die Übergabe ihres Betriebs zu finden. Scheitern sie bei dieser Aufgabe, so sind Arbeitsplätze, Lieferanten und Abnehmer und die ganze Region betroffen. Eine Schliessung der Unternehmung erfolgt zu Liquidationswerten, was einer massiven Vernichtung von Vermögenswerten gleichkommt. Geschäftsbeziehungen und immaterielle Werte wie Ruf und Marke werden durch die Aufgabe vernichtet. Es lohnt sich also, der Frage nachzugehen, was der Grund für den Erfolg oder die verpasste Chance ist. Was sind die Erfolgsfaktoren einer gelungenen Unternehmensnachfolge? 32
Diesen Schritt hatte das Ehepaar Rölli nicht gemacht. Sie hatten zwar öfters von einer Unternehmensnachfolge gesprochen, sich aber nie konkret mit der Planung und der Zielsetzung auseinandergesetzt – bis diese Fragen ihnen dann durch die gesundheitlichen Probleme des Ehemannes aufgezwungen wurden.
Ziele definieren Für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge braucht es eine klare Definition der Ziele. Soll die Familientradition fortgeführt werden? Sollen Arbeitsplätze erhalten werden? Sind langjährige Geschäftspartner zu berücksichtigen? Ist die Unternehmung Bestandteil der Altersvorsorge und soll deshalb möglichst viel Geld einbringen? Die Beantwortung dieser Fragen ist für das weitere Vorgehen bedeutsam. Das Ehepaar Plüss gewichtete den Erhalt der Unternehmung und der Arbeitsplätze höher als einen maximalen Verkaufserlös. Darum erhielt das Kader und nicht der meistbietende Konkurrent den Zuschlag. Der emotionale Gewinn, ihre Unternehmung in guten Händen und die Mitarbeiter an sicheren Arbeitsplätzen zu wissen, wiegt den Preisunterschied für sie auf.
Unterstützung holen Spätestens nach der Klärung der Gründe und Ziele einer Unternehmensnachfolge muss Hilfe ins Boot geholt werden. Bei diesem wichtigen Projekt braucht es die Unterstützung von Fachleuten. Es preisen sich natürlich viele an, die vom Kuchen der abtretenden Unternehmergeneration profitieren wollen. Aber nur ein kompetenter und fairer Partner kann zum Erfolg verhelfen. Häufig muss nicht das
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Gesamtangebot dieser Anbieter in Anspruch genommen werden, sondern lediglich individuelle Unterstützung in einzelnen Phasen. Das Ehepaar Plüss hatte seinen Beratungsbedarf genau geklärt und sich dann einem Bücherexperten anvertraut, der sie kompetent und transparent durch den Prozess führte. Er beschränkte sich hauptsächlich auf die Bewertung der Unternehmung und die möglichen steuerlichen Folgen der unterschiedlichen Finanzierungsmodelle.
von möglichen Übernehmern. Kompetente und hervorragend ausgebildete Jungunternehmer mit durchschnittlich zehn Jahren Berufserfahrung suchen Herausforderungen und Eigenständigkeit. Wenn sie die Chance haben, einen Betrieb nach einigen Jahren Mitwirkung im Kader zu übernehmen, kann dies entscheidend für die Stellenwahl sein. Aber auch hier braucht es den Zeithorizont, den das Ehepaar Rölli nicht mehr hatte.
Finanzierung und Steuern Das Ehepaar Rölli hingegen geriet unter Zeitdruck und fiel auf eine Unternehmung herein, die sich zwar gut anpries, aber sich nicht wirklich für ihre Kunden einsetzte. Mit dieser hatte das Ehepaar einen exklusiven Mäklervertrag abgeschlossen, der ein Erfolgshonorar auf den Erlös enthielt. Damit mussten sie von jedem Erlös aus Verkauf oder Liquidation der Unternehmung den abgemachten Prozentsatz an den Makler abliefern. Unabhängig davon, ob dieser etwas zum konkreten Geschäft beigetragen hatte oder nicht. Oft ist es daher besser, in einem Auftragsverhältnis eine Bezahlung nach Aufwand zu verabreden. Ein solcher Auftrag kann jederzeit widerrufen werden, und man bezahlt nur den tatsächlich geleisteten Aufwand.
Oft scheitert eine Übernahme am nicht vorhandenen Kapital der an sich geeigneten Kandidaten. Das muss nicht sein. Innerhalb der Familie kann man mit Ehe- und Erbverträgen den Nachfolger begünstigen und ihm die Übernahme finanziell erleichtern. Aber auch das Management und Jungunternehmer können durch kreative Finanzierungsmodelle die Chance der Übernahme erhalten. Eine gestaffelte Auszahlung und günstige, gesicherte Darlehen sind immer noch den Einbussen vorzuziehen, die eine Liquidation mit sich bringt. Ein guter Berater ist in der Lage, kreative Finanzierungsmodelle vorschlagen, welche für alle Beteiligten tragbar und auch aus steuerlicher Sicht gangbar sind.
Standortbestimmung
Aufhübschen der Firma
Zur Planung der weiteren Schritte braucht es eine Standortbestimmung. Die Unternehmung muss realistisch bewertet werden. Bei der Bewertung werden verschiedene Szenarien (konservativ, realistisch, optimistisch) und Methoden berücksichtigt. Ein guter Berater macht aus den vielen möglichen Bewertungsmethoden einen Methodenmix und interpretiert anschliessend die unterschiedlichen Ergebnisse. Er bestimmt so einen Argumentationswert, der objektiv begründet ist. Dieser ist die Grundlage für die Verhandlungen. Der Argumentationswert verdeutlicht, dass der ermittelte Wert in der Regel nicht identisch ist mit dem Preis, der schliesslich bezahlt wird. Es kommen verhandlungsspezifische und subjektive Aspekte hinzu. Während der Berater des Ehepaars Plüss genau diese Wertebandbreite bestimmte und so eine gute Verhandlungsgrundlage schuf, übernahm der Makler des Ehepaars Rölli deren unrealistische Wertvorstellung für die ersten Inserate. So verloren sie kostbare Zeit.
Gerade wenn Dritte die Unternehmung kaufen sollen, muss diese zuvor möglichst attraktiv gemacht werden. Geschäftsbeziehungen sollten möglichst dauerhaft und verbindlich gestaltet sein. Der Kundenstamm muss ans Unternehmen und nicht an die Unternehmer gebunden sein. Schlanke Gesellschaften sind einfacher finanzierbar. Die Kapitalstruktur muss analysiert werden. Ballast wie Wertschriftenvermögen oder Liegenschaften, welche nicht der Produktion dienen, muss abgeworfen werden. Das Wertschriftendepot wird ins Privatvermögen der Unternehmer transferiert. Die Liegenschaften müssen aus der Unternehmung herausgelöst und können dieser langfristig vermietet werden. Die Organisation der Unternehmung muss einfach, übersichtlich und klar strukturiert sein. Mögliche Altlasten müssen bereinigt und unsichere Positionen geklärt werden. So wird die Unternehmung nachfolgefähig. Wer diese Erfolgsfaktoren berücksichtigt, wer offen ist für neue Wege und früh genug mit der Planung seiner Nachfolge beginnt, hat grosse Chancen, eine gute Lösung für seine Unternehmensnachfolge zu finden. Diese Verantwortung hat ein Unternehmer seinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern gegenüber.
Die Standort- und die Zielbestimmung geben Anhaltspunkte, wo potenzielle Übernehmer zu finden sind. Es gilt, diese möglichen Interessenten gezielt anzugehen. Sei dies in der Familie, im Management, unter wichtigen Vertragspartnern oder Dritten. Berufsbegleitende Fachhochschulen beispielsweise sind ein Pool
PROF. URSULA GUGGENBÜHL *fiktiver Name
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SPARMASSNAHMEN RICHTIG KOMMUNIZIEREN Sparmassnahmen in einem Betrieb sind manchmal unumgänglich, auch wenn es für die betroffenen Mitarbeitenden unangenehm ist. Kosteneinsparungen können aus verschiedenen Gründen notwendig sein. Manchmal sind sie schon seit Längerem geplant, manchmal werden sie kurzfristig eingeleitet. Sehr wichtig ist die Art und Weise, wie das Personal informiert wird.
Die notwendigen Informationen können bei den betroffenen Mitarbeitenden zu Überraschungen und Enttäuschungen führen. Mit einem überlegten Vorgehen kann man negative Auswirkungen vermeiden oder zumindest in Grenzen halten.
fenen aus – absolut verständliche Frage «Warum gerade ich?» sollten die Verantwortlichen so offen und einfühlsam wie möglich antworten. Im Idealfall kann den Mitarbeitenden ein gutes Angebot für eine Frühpensionierung unterbreitet werden.
Sparhammer
Eine heikle Phase stellen die letzten individuellen Abgangsgespräche dar. Ziel ist es, den Mitarbeitenden durch ein offenes und qualifiziertes Gespräch zu ermutigen und zu stützen.
In der Firma Stahl & Kupferschmied GmbH* sind wegen der massiv schlechteren Auftragslage drastische Sparmassnahmen unumgänglich. Leider müssen vier Mitarbeitende des zwölfköpfigen Produktionsteams in den nächsten Monaten die Firma verlassen. Eine knappe mündliche Information an die betroffenen Mitarbeiter, alle zwischen 55- und 61-jährig, sowie eine kurze Orientierung an das ganze Team sind erfolgt. Alle Mitarbeitenden sind schon seit mindestens zehn Jahren in dieser Firma tätig. Welche Reaktionen sind zu erwarten – von den betroffenen Mitarbeitenden, von den übrigen Mitarbeitenden in der Produktionsabteilung sowie von der restlichen Belegschaft in den anderen Abteilungen? In einer ersten Phase wird die Information einen Schock und Konsternation auslösen, je nach Betroffenheitsgrad. Es kann zu einer negativen Haltung zur Arbeit, gegenüber Mitarbeitenden, Kunden oder ganz allgemein der Firma führen. Innerhalb oder ausserhalb der Firma können Gerüchte aufkommen. Die Geschäftsleitung der Firma Stahl & Kupferschmied GmbH und die Abteilungsleiter müssen professionell und mit Fingerspitzengefühl handeln, um die Situation in den Griff zu bekommen. Werden die betroffenen Produktionsmitarbeiter und das übrige Team durch offene Gespräche und Informationen unterstützt, kann man damit zumindest ein gewisses Verständnis wecken. Vielleicht finden sich die Mitarbeiter letztlich auch einfach damit ab. Ein solcher Prozess kann lange dauern, und es kann zu «Rückfällen» kommen. Auf die – vor allem vom Standpunkt der Betrof34
Das neue, redimensionierte Produktionsteam mit acht Mitarbeitenden kann die kleinere Produktionsmenge gut bewältigen. Im Team wächst die Erkenntnis, dass die Situation jetzt den Verhältnissen angepasst und das Ausscheiden der vier Kollegen zwar hart, aber nachvollziehbar ist. Dies nicht zuletzt auch aufgrund der Konkurrenzsituation mit knappen Margen.
Nicht die Bohne Gerda Huber*, Mitglied der Geschäftsleitung der V. Hardegger & Co. AG*, orientiert die Belegschaft – 80 Mitarbeitende – im Rahmen eines Informationsanlasses über verschiedene Sparmassnahmen. Dazu gehört, dass es ab nächster Woche keinen Gratiskaffee mehr gibt. Jeder Mitarbeiter habe ab diesem Zeitpunkt 1.50 CHF pro Kaffee zu bezahlen. Die Information erfolgt knapp, kalt und distanziert. Für die Anwesenden ist die Begründung nicht klar und nachvollziehbar, nachdem seit Jahren immer von einem sehr guten Geschäftsgang die Rede ist. Ein zweiter Punkt stösst bei den Mitarbeitenden ebenfalls auf wenig Verständnis: Ab nächsten Monat werden 50% der Personalparkplätze extern vermietet. Somit stehen ab diesem Zeitpunkt nur noch 35 Parkplätze zur Verfügung. Ein Raunen ist im Saal zu vernehmen. Die Enttäuschung bei den meisten Mitarbeitenden ist gross. Gerda Huber erklärt lakonisch, dass der Entscheid feststehe und es nichts zu diskutieren gebe. Dies verärgert die Mitarbeitenden noch mehr. Man ist sich weitgehend einig, dass die Information
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zu knapp und in brüskierender Form erfolgt sei. Man sei einfach ohne nachvollziehbare Begründung vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Besonders ärgerlich ist die neue Situation für Mitarbeitende mit einem sehr langen Arbeitsweg, die auf das Auto angewiesen sind. Viele wären durchaus bereit gewesen, etwas für den Parkplatz zu zahlen – eine Option, die es definitiv nicht gibt. Auch nach Monaten bleiben die Verärgerung und die Enttäuschung, was der Motivation nicht unbedingt förderlich ist.
Schlankere Spesen In der Firma Diener & Hardt AG* sollen verschiedene Sparmassnahmen umgesetzt werden. Arthur Bachmeier* orientiert sein zehnköpfiges Aussendienstteam frühzeitig – an der nächsten Sitzung – über den entsprechenden Geschäftsleitungsbeschluss, insbesondere natürlich darüber, was die reduzierten Spesen betrifft. Neu soll für Hotelübernachtungen eine Pauschale von 110 CHF ausbezahlt werden (bisher 130 CHF). Für die Verpflegung gilt neu eine Pauschale von 25 CHF pro Mahlzeit (bisher 35 CHF). Die Begründung von Arthur Bachmeier* ist transparent und für sein Team nachvollziehbar. Arthur Bachmeier kann davon ausgehen, dass zumindest die meisten seiner Mitarbeitenden Verständnis für die Massnahmen haben. Er bietet allen Mitarbeitenden individuelle Gespräche an, um gegebenenfalls genauer zu erläutern, warum diese Massnahmen notwendig sind. Ein wochenlanges Gerede zwischen den Mitarbeitenden über die Spesenregelung könnte demotivierend sein und sich negativ auf die Kundengespräche auswirken. Arthur Bach-
meier kann sich auch vorstellen, zwischendurch ein Teamessen zu organisieren, um besondere Erfolge bei der Kundenakquisition zu feiern und gleichzeitig den Zusammenhalt im Team zu stärken.
Fazit Es kann sehr entscheidend sein, in welcher Situation Kostenreduktionen geplant und wie sie angekündigt werden. Eine Sparmassnahme via internes Mail an eine Abteilung zu übermitteln, ist rasch und ohne grossen Aufwand erledigt. Aber die Reaktion der betroffenen Mitarbeitenden kann sich als unberechenbar für das Unternehmen erweisen. Die Mitarbeitenden sind möglicherweise demotiviert. Einzelne Betroffene könnten die Mailnachricht an die Medien weiterleiten. Die Information kann in einem solchen Fall von der Firma nicht mehr richtig kontrolliert werden. Das Image der Firma riskiert, Kratzer zu bekommen. Es ist wichtig, Sparmassnahmen persönlich zu übermitteln. Dies allein genügt aber nicht. Es gilt den idealen Zeitpunkt, die richtige Informationsmenge und einen glaubwürdigen, offenen Stil zu finden. Eine unmittelbare, kompetente Betreuung betroffener Mitarbeitender auch unter Zeitdruck, sowie gegebenenfalls eine Nachbetreuung helfen, ein Team zu stabilisieren und den Erfolg zu sichern. Jeder Entscheidungsträger kann zu einer offenen, transparenten Information beitragen. ENRICO LOMBARDI INTRA DM AG, TRAINING & MARKETING, ZÜRICH * Alle Namen sind zufällig gewählt.
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WO STECKT DER WURM IM DETAILHANDEL? Bereits 2011 musste die Schweiz vom langjährigen Trend Abschied nehmen, dass die Umsätze im Detailhandel von Jahr zu Jahr wuchsen. Auf die damalige Umsatzschrumpfung um 1,6% folgten zwei weitere schwache Jahre. Es sieht nun so aus, dass 2014 wieder eine leichte Trendwende nach oben eingesetzt hat. Wir hoffen, dass sie anhält.
Die Zahlen für März 2014 zeigen nach einem schwachen Februar wieder deutlich nach oben: plus 3% gegenüber dem Vorjahresstand, real – nach Berücksichtigung der immer noch zahlreichen Preissenkungen – plus 2,2%.
Grosse Branchenunterschiede Schwach ist immer noch das Wachstum bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren mit real 0,8%, das nicht einmal mit der Bevölkerungszunahme Schritt hält. Besser sieht es beim Non-Food aus, wo ein Umsatzwachstum von real 4% gemessen wurde. Aber auch beim Non-Food gibt es Schwachstellen. So sanken nach den letzten verfügbaren Zahlen im Jahresvergleich die Umsätze von Geräten der Informationsund Kommunikationstechnik um 3,1%, von Verlagsprodukten, Sportartikeln und Spielwaren sogar um 3,4% und von Treibstoffen an Tankstellen um 2,3%. 36
Ein etwas anderes Bild als die offizielle Statistik vermitteln die im Wesentlichen von den Grossverteilern gelieferten Daten des GfKMarktmonitors. Er zeigt für das erste Quartal 2014 kein Wachstum, sondern eine Stagnation der Detailhandelsumsätze (0%) bei einer Abnahme der Lebensmittelverkäufe um 0,4% und einer Zunahme beim Non-Food um 0,8%. Spitzenreiter bei den Verkaufszunahmen waren Do-it-yourself und Garten (+7,7%), Freizeit (+3%) und Fashion/Style mit 2%. Man kann daraus schliessen, wo die grösseren Anbieter, insbesondere die Grossverteiler, Marktanteile gewonnen und wo sie welche verloren haben. Interessant ist, wie der Detailhandel selbst seine Aussichten einschätzt. Die letzte Beurteilung vom April 2014 in der Konjunkturumfrage der ETH Zürich vermeldet, dass er seine Geschäftslage deutlich günstiger beurteilt als bisher. Die Kundenfrequenzen sind höher als vor Jahresfrist, die Absatzmengen nehmen endlich wieder zu, doch sind die Warenlager immer noch zu voll.
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Trotzdem will der Detailhandel mehr neue Waren kaufen und auch seine Personalbestände wieder erhöhen. Dies lässt allerdings auch den Schluss zu, dass weiter mit einer verschärften Konkurrenz gerechnet wird. Das Motto heisst: «Am besten mahlt, wer zuerst mit neuen Produkten kommt und erst noch einen guten Kundenservice bietet.» Dass der scharfe Wettbewerb zu Umschichtungen im Angebot und bei den Preisen führt, ist wohl nicht zu bestreiten. Die «Aktionitis» hat neue Höhepunkte erklommen, und zwar vor allem bei Gütern des täglichen Bedarfs. So vermeldet das Bundesamt für Landwirtschaft in der letzten Publikation seiner Preisbeobachtungsstelle, dass allein im Sektor Früchte und Gemüse in der Zeit vom 12. bis 17. Mai nationale Aktionen, verbunden mit entsprechenden Preissenkungen, für Auberginen, Peperoni, Fleischtomaten, Zucchetti, Bundzwiebeln, Aprikosen, Erdbeeren aus dem Inland und Heidelbeeren stattfanden. Dieser zwischen den Grossverteilern ausgetragene Kampf um Marktanteile umfasst heute bereits etwa einen Fünftel des gesamten Sortiments und nicht nur ein paar Lockvogelartikel. Diese Marktanteile werden, da der Lebensmittelkonsum ja nicht zunimmt, den noch verbliebenen selbstständigen Detailhändlern und den kleineren Handelsketten abgejagt. Die Kehrseite der Medaille ist wohl, dass es die Grossverteiler heute schwerer haben, grosse Aktionen im Non-Food-Bereich zu finanzieren und durchzuziehen, was wiederum selbstständige Anbieter begünstigt. Hinter der insgesamt schwachen Entwicklung im Lebensmittelsektor stecken nicht zuletzt die Privateinfuhren, die weiter zunehmen. Der Fleischfachverband hat erklärt, die Privateinfuhren von Fleisch und Fleischwaren aus dem Ausland hätten letztes Jahr nochmals um 5% zugenommen, was nicht abwegig erscheint. Mit der neuen Einfuhrregelung ab 1. Juli werden die Privateinfuhren von Frischfleisch nochmals deutlich zunehmen, weil die Zolltoleranz verdoppelt und der Einfuhrzoll für Übermengen auf 17 Franken pro Kilo gesenkt und vereinheitlicht wurde. Einem Detailhandelsumsatz von 100 Milliarden Franken im Jahr stehen heute bereits Privateinfuhren von 10 Milliarden gegenüber. Eine noch deutlichere Umsatzbremse, die sich allerdings nur im NonFood auswirkt, sind die Onlinekäufe via Internet. Sie erscheinen in keiner Statistik und dürften 10 Milliarden Franken pro Jahr längst überschritten haben. Von der Entwicklung der Privateinfuhren und Onlinekäufe hängt ab, wie sich die Detailhandelsumsätze in nächster Zeit als Ganzes entwickeln. Prognostiker äussern die Meinung, dass der Umsatz-
anteil von E-Commerce und Onlinehandel bereits in wenigen Jahren auf 25% des Gesamtumsatzes zulasten des stationären Handels ansteigen wird. 40% der Detailhändler wollen bereits heute keine neuen Filialen eröffnen, 36% wollen bestehende Filialen schliessen. Dies hätte zur Folge, dass der Wettbewerb in Zukunft verstärkt zwischen den Grossverteilern und Warenhäusern auf der einen Seite und den verbliebenen Selbstständigen auf der anderen Seite ausgefochten wird und die mittelgrossen und kleineren Filialgeschäfte den Krebsgang einlegen müssen. Erste Anzeichen sind bei Textilien und Schuhen schon heute erkennbar. Eine weitere Folge dieser absehbaren Entwicklung ist, dass Verkaufsflächen, vor allem in Shoppingcentern, aber auch in städtischen Lagen, billiger werden oder gar längere Zeit leer stehen. Viele selbstständige Fachhändler haben bis heute davon profitiert, dass sie in eigenen Liegenschaften arbeiten und verkaufen konnten. Wo ihre Standorte nicht mehr optimal sind, könnten ihnen vermehrt Alternativen vom veränderten Liegenschaftenmarkt geboten werden.
Kommentar
Götterdämmerung in den Shoppingcentern?
Die noch vor wenigen Jahren viel gepriesenen und als Investitionsmotoren verkauften Shoppingcenter haben heute Probleme, die sie zum Teil selber geschaffen haben, die aber zum Teil auf Änderungen des Konsumverhaltens zurückzuführen sind. Noch haben wir keine Verhältnisse wie in den USA, wo Center reihenweise bankrottgehen und zu Ruinen verkommen. Es sind nicht strengere Auflagen der Raumplanung und der Baugesetzgebung, die Neubauten und Umbauten bei uns behindern, sondern eine ganze Reihe von Faktoren, die nicht mit der Politik zusammenhängen. Die Dichte der Shoppingcenter ist in der Schweiz schon heute beträchtlich: 0,31 Quadratmeter Fläche pro Kopf der Bevölkerung, gegenüber 0,25 in Deutschland, 0,28 in Frankreich und 0,24 in Italien. Die meisten Schweizer Center sind schon über 20 Jahre alt. Seit Jahren sind die Quadratmeterumsätze rückläufig, und zwar auch bei den Warenhäusern und Grossverteilern in ihnen. Immerhin haben unsere Shoppingcenter auch Vorzüge. Ein erster ist ihre im internationalen Vergleich bescheidenere Grösse. Viele von ihnen haben deshalb auch die Funktion von Nahversorgern, was bedeutet, dass die Verkehrsimmissionen, die sie verursachen, sich in Grenzen halten. 37
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Ein Erneuerungsschub ist überfällig. Am Schweizer Shoppingcenter-Kongress in Zürich vom 8. Mai wurden entsprechende Ideen vorgetragen, wie etwa eine Begrünung der Dächer oder eine bessere Familienfreundlichkeit durch die Schaffung von Family Playgrounds, aber auch zu Verbesserungen von Übersichtlichkeit und Angebotsstrukturen.
uniformes Angebot verschiedener Anbieter von Billigtextilien, und nach vollzogener Textilisierung durch die «Banalisierung», insbesondere durch Aufkommen von Fast-Food-Buden und dergleichen. Ist der Angebotsmix derart degeneriert, muss man sich über sinkende Frequenzen und Umsätze nicht mehr wundern, und die Kunden aus höheren Einkommensklassen fangen an, einen Bogen um das Center zu machen.
Dass es die Behörden den Betreibern nicht leicht machen, ist ein offenes Geheimnis. Das Vehikel, das sie dabei verwenden, ist überwiegend der Verkehr. Heute sind die meisten Center in der Schweiz vom öffentlichen Verkehr erschlossen, allerdings in unterschiedlicher Qualität. Am miserabelsten ist die Erschliessung heute noch im Tessin. Dort wurde aber auch beim Strassenbau keine Rücksicht auf das entstehende Verkehrsvolumen genommen, was sich in kilometerlangen Staus etwa im Pian Scairolo1 äussert.
Dass die Shoppingcenter in einem scharfen Wettbewerb untereinander stehen, wird ja schon beim Öffnen des Briefkastens klar, worin sich jede Woche mindestens ein Couponheft mit saftigen Rabattversprechungen befindet. Der Eindruck, das normale Preisniveau der Geschäfte im Center sei zu hoch, wird dadurch wirksam zementiert.
Im Kanton Bern wurden alle Center, auch die kleinsten, gezwungen, Parkgebühren einzuführen. Diese sind vom Betrag her bescheiden, aber niemand greift mit einem oder zwei vollen Einkaufswagen in den Händen noch gern ins Portemonnaie. Einen nachweisbaren Einfluss auf die Belegung der Parkplätze und das Verkehrsvolumen hatten die Gebühren bisher kaum. Die Gebühren scheinen eher eine wirksame Bremse gegen Neubauten von Centern zu sein, zusätzlich zu den stark verschärften Bau- und Umweltauflagen.
Dass fast alle Center mit der Präsenz von WIR-Verrechnern noch sehr mangelhaft bestückt sind, sei nur am Rande erwähnt. Es würde den Centern auch nicht schaden, wenn sie selbst zu WIRVerrechnern würden und, zumal sie ja rechte Bauleistungen zu vergeben haben, auch einen Teil der nicht unbeträchtlichen Mietund Betriebskosten in WIR begleichen liessen. So würde es für selbstständige Detailhändler, die potenzielle Nachfolger ausziehender Filialgeschäfte wären, attraktiver, ihrerseits Filialen zu betreiben. Dass die heutigen Mieten und Betriebskosten auf kleinere Firmen prohibitiv wirken, ist ja kaum zu bestreiten.
Nichts können unsere Shoppingcenter dafür, dass sie – ähnlich wie die Bahnhöfe – zu Tummelplätzen Randständiger und herumlungernder Jugendlicher geworden sind, was allerdings von Anfang an voraussehbar war. Die Beschränkung von Abend- und Sonntagsverkäufen hat sich hier als wirksame Bremse erwiesen. Trotzdem scheint es, dass gerade viele Konsumentinnen – vor allem auch solche mit Kleinkindern – sich eine bessere Ambiance wünschen und deshalb, auch wenn sie motorisiert sind, wieder einen grösseren Teil ihrer Einkäufe im unmittelbaren Nahbereich tätigen. Nicht nur die Grossverteiler, auch private Detailhändler haben in jüngster Zeit diese Marktlücke erkannt, investiert und zumindest teilweise den Slogan vom Ladensterben zum Märchen gemacht. Dass vermehrt Familienbetriebe in der Nahversorgung tätig werden, voll selbstständig oder als Franchisenehmer, ist nur zu begrüssen. Im Übrigen gilt für die Shoppingcenter, was auch für die zum Teil verwaisenden Stadtzentren gilt: Der Qualitätsverlust äussert sich zuerst durch die «Textilisierung», das heisst ein mehr oder weniger
Viele kleine Geschäfte in den Centern versuchen, mit ausgesprochenen Luxussegmenten Marktlücken zu füllen, die von den in der Regel tonangebenden Grossverteilern nicht besetzt sind, wie beispielsweise Uhren und Schmuck, edle Gewürze und anderes mehr. Sie sind existenziell darauf angewiesen, dass Kunden aus den oberen Kaufkraftschichten zu ihnen kommen. Ein Shoppingcenter ist aber keine Zürcher Bahnhofstrasse. Dieser Tatsache ist auch bei den Mieten Rechnung zu tragen. Die Einkaufscenter bleiben in der Schweiz wichtige Träger des Detailhandels, auch im Non-Food-Bereich. Sie werden sich aber einiges einfallen lassen müssen, um ihre nicht unangefochtene Stellung am Markt zu behaupten und gleichzeitig ihre gewerbepolitische Verantwortung, die sie schon allein aufgrund ihrer Grösse haben, wahrzunehmen.
DR. RICHARD SCHWERTFEGER Der Pian Scairolo ist eine mehr als 1 km2 grosse, spezielle Wirtschaftszone, an der die Gemeinden Collina d’Oro, Grancia und Lugano beteiligt sind.
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«Der Strukturwandel erfolgt nicht unbedingt auf Kosten der Kleinen und Selbstständigen; vielmehr erhalten viele von ihnen neue Chancen.» 38
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FAST WIE ECHT Ich habe ja lange darüber sinniert, wovor eigentlich ein Bildschirm schützt. Ein Regenschirm schützt vor Regen. Alte Damen benutzen ihn zwar auch gern als Abwehrlenkwaffe zum Verscheuchen von Hunden, und Agenten setzen ihn als Giftspritzen ein und pieksen damit böse Jungs ins Nirwana. Primär aber schützen Regenschirme vor Regen. Und Sonnenschirme vor der Sonne. Wovor aber schützen Bildschirme? Jedenfalls nicht vor Bildern. Im Gegenteil. Sie produzieren ja welche. Immer schärfere, buntere, riesigere. Architekten bauen bereits grössere Häuser, damit die Stubenwand proportional schön aufs Format 16:9 ausgerichtet ist und die notwendige Mindestbildschirmdiagonale gewährleistet. Man könnte natürlich noch mehr herausholen. Zum Beispiel, indem man auf die Fenster verzichtet. Damit würden tatsächlich wandfüllende Bildschirme möglich. Ausserdem lassen Fenster viel Wärme entweichen, Bildschirme hingegen produzieren selber welche. Ein Flachbildschirm lässt auch signifikant weniger Stechmücken und Einbrecher ins Haus. Und wird er mal nicht benutzt, übernimmt er das Bild der Webcam draussen an der Hauswand. Man verpasst also nichts.
Dasselbe können natürlich auch Ticinesi, Fribourgeois, einfach alle, die gleich weltoffen sind wie die Aargauer und gerne mal was anderes sehen wollen. (Die Walliser also nicht.) Sie wachen täglich an einem aufregenden neuen Ort auf, stets an bester Aussichtslage mit der Golden Gate Bridge im Morgenlicht vor Augen, dem Legian Beach auf Bali oder Hasle-Rüegsau Downtown. Anfangs holt das LCD-Fenster von der gewählten Location vielleicht noch Standbilder oder Endlosschleifen vom Netz, aber mit dem kristallklaren Stream künftiger HD-Webcams holt sich das LCD-Fenster die gewünschte Realität optisch wie akustisch bald in Echtzeit ins Haus. Jeder wird die Realität dann bald mal von der HD-Webcam des Nachbarn gegenüber beziehen, um das eigene Haus von aussen zu sehen. Und festzustellen, dass dieses keine Fenster mehr hat. Und das Problem lösen, indem man welche aufmalt. Damit es wieder fast wie echt aussieht. Und darum geht’s ja bei Bildschirmen, gell.
Viel zu verpassen gibt es zwar selten. Vor dem Haus passiert meist etwa dasselbe. Hier liegt die Schwäche des Fensters. Es zeigt nur das, was ist. Im Aargau zeigt es den Aargau. Im Winter also Nebel. Die Aargauer können dann beim Fenster nicht einfach vorwärtsspulen, bis draussen wieder die Sonne scheint. Auf ein anderes Fenster umschalten bringt auch nicht viel, alle Fenster strahlen zeitgleich denselben Aargauer Nebel aus. Fast wie beim Musikantenstadl, überall derselbe Schmarren. Betrachtet man nun aber den Aargau statt durch ein Fenster durch einen wandgrossen Flachbildschirm, also gewissermassen durch ein LCD-Fenster, eröffnen sich plötzlich Möglichkeiten, die den Aargau richtig attraktiv erscheinen lassen. «Nebel in Echtzeit wegretouchieren» ist da nur eins von tausend Programmen. Und wenn dem Aargauer der Sinn nach einem komplett neuen Aargau steht, bitte sehr, dann holt ihm sein LCD-Fenster auf Knopfdruck das Emmental vor das Haus, den Hafenkran oder den Thurgau, dessen Nebel noch wässriger ist.
WILLI NÄF WILLI NÄF IST FREIER AUTOR, TEXTER UND KABARETTIST UND LEBHAFT IM BASELBIET UND IM APPENZELLERLAND. WWW.WILLINÄF.CH
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WIRPLUS Juli 2014
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VERANSTALTUNGEN UND TERMINE WIR Bank-Filiale St. Gallen: Tag der offenen Tür 15. August 2014 (s. Inserat S. 26) Herbstgespräche 2014 8. November 2014 im KKL Luzern (für Stammanteilhalter/innen) Generalversammlung 2015 der WIR Bank 27. Mai 2015 in Basel (für Genossenschafter/innen) Informationen über diese und über weitere WIR-Anlässe erhalten Sie bei der WIR Bank, www.wirbank.ch, Tel. 0848 947 947.
DIE WIR-MESSEN WIR-Messe Bern: 10.10.2014 – 12.10.2014 www.wirgruppebern.ch WIR-Messe Zürich: 21.11.2014 – 24.11.2014 www.wmzag.ch
Haftungsausschluss Jegliche Haftung der WIR Bank (Fahrlässigkeit eingeschlossen) für Schäden irgendwelcher Art, die sich aus der Nutzung oder Nichtnutzung der im WIRPLUS enthaltenen Inhalte bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte ergeben können, ist ausgeschlossen.
WIR-Messe Luzern: 27.3.2015 – 30.3.2015 www.luwira.ch
Auflage: 72480
IMPRESSUM WIRPLUS Das Kundenmagazin der WIR Bank Juli 2014, 81. Jahrgang, Nr. 916 Herausgeberin/Redaktion WIR Bank Genossenschaft Auberg 1 4002 Basel www.wirbank.ch Redaktionsteam Daniel Flury (Chefredaktor), Annette Lempen, Roland Schaub, info@wir.ch, Tel. 061 277 93 27 oder 061 277 92 76
Adressänderungen: WIR Bank, Beratungszentrum Postfach, 4002 Basel, oder Fax: 0848 947 942 Übersetzer Daniel Gasser, Yvorne CLS Communication Gestaltung: fischerundryser, Basel Druck Vogt-Schild Druck AG, Derendingen
Fotografen: Foto Gross, St. Gallen: Cover, 15, 18-19 Foto Frutig, Niederwangen: 1, 2-3, 4-6, 8-11, 22-25 Patrick Locatelli: 24, Spalte rechts, Mitte shutterstock: 20, 28, 31, 35, 36 SWISSPHOTOWORLD, Paul P. Haller, Kriens: 12-14 zVg: 16-17, 39
Erscheinungsweise Im Januar, April, Juli und September auf Deutsch, Französisch und Italienisch
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