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Cool wie Kontrabass
Ich dachte immer, ich komme aus Schwaben. Seit ich in Bayern lebe und den bayerischen Regierungsbezirk Schwaben kenne, würde ich sagen, ich bin aus Württemberg.
Stephan Hüfner, Württemberg
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Ganz so geizig wie gesagt wird sind die Schwaben zwar nicht, sagt Stephan Hüfner. „Aber völlig aus der Luft gegriffen ist das Bild von der sparsamen schwäbischen Hausfrau auch nicht“, ergänzt er. Hätte Geld keine Rolle gespielt, wäre er wohl Kontrabassist geworden. „Die Bassisten waren die Coolen im Orchester und vor allem bei der Kirchenmusik. Aber mein Vater wollte wegen mir kein größeres Auto kaufen.“ Schon mit fünf Jahren war Hüfner Chorsänger in der Esslinger Stadtkirche und begleitete seinen Vater, der Cellist in einem Amateurorchester war, oft zu Konzerten und Proben. Sie einigten sich auf das Fagott: „Das war auch cool und zerlegbar.“
Fagottisten waren gefragt, deshalb hatte er schnell viele Auftritte. „Der Großraum Stuttgart hat enorm viele Laienorchester und vor allem gibt es dort eine unüberschaubar reiche Tradition der evangelischen Kirchenmusik.“ Schon bald spielte er auch in den Berufsorchestern der Region.
Nach dem Studium in Stuttgart kehrte er dem Schwabenland mit seinen vielen Hügeln, Weinbergen und Wäldern, seiner „wunderschönen und stolzen“ Geburtsstadt Schwäbisch Hall, sowie Maultaschen und Spätzle den Rücken, um 1994 eine feste Stelle als Fagottist in Bad Reichenhall anzutreten. Als „Fremder“ sei er nach Oberbayern gekommen und werde immer der „Zugroaste“ sein, „aber meine Kinder sind überzeugte und stolze Bayern, wenn auch mit Migrationshintergrund“.