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SÜCHTIG NACH BARBER
CHEFDIRIGENT DANIEL SPAW SCHILDERT SEINE INNIGE BEZIEHUNG ZU SEINEM LANDSMANN SAMUEL BARBER, DESSEN VIOLINKONZERT BEIM 4. PHILHARMONISCHEN KONZERT ERKLINGT.
Samuel Barber lernte ich zuerst durch seine Klavierwerke kennen. Mein Klavierlehrer stellte mir seine Excursions, Op. 20 vor – ein tolles Werk, das in vier kurzen Sätzen vier unterschiedliche amerikanische Musikgenres darstellt. Wie bei so vielen Stücken, die ich als Teenager am Klavier spielte, kaufte ich eine CD davon. Dadurch lernte ich weitere Werke von ihm kennen, Souvenirs, Op. 28 war das nächste. Daraufhin habe ich Aufnahmen seiner Orchesterwerke gekauft und sie rauf und runter gehört – I was hooked (ich war süchtig).
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Die unverkennbare Tonsprache, die von Wehmut durchdrungenen langsamen Sätze, der innewohnende Gesang, und die durchsichtige, sensible Orchestration seiner Musik, das sind alles Merkmale, die ich sehr schätze. Darum habe ich seine Musik lieben gelernt.
Wenn man von Samuel Barber nur ein Stück kennt, ist es wahrscheinlich sein Adagio for Strings: ein Werk, das versucht, Zeitlosigkeit zum Ausdruck zu bringen. Mit seinem Violinkonzert hat er ein Solokonzert geschaffen, das einerseits die Solistin lyrisch wie virtuos glänzen lässt und gleichzeitig eine tiefe, persönliche Innigkeit ausdrückt.
Barber ist meines Erachtens ein Komponist, dessen Werke verdienen, bekannter zu sein. Seine Werke haben mir in einigen wichtigen Jahren meiner musikalisch-persönlichen Entwicklung die emotionale Kraft der Musik gezeigt. Die Sehnsucht in seiner Musik, die mich als Jugendlichen bewegte, erweckt in mir heute ähnlich starke Gefühle, wenn ich sie höre. Ich freue mich, mit Ihnen dieses Juwel der Solokonzerte des 20. Jahrhunderts neu zu entdecken!
Daniel Spaw
Zeichnung: BRPHIL