4 minute read

DREI MAL KOMMT PETER ZU WORT ZUM SICH VERÄNDERNDEN KLIMA

WIE REAGIEREN SIE AUF DAS SICH VERÄNDERNDE KLIMA?

DREI MAL KOMMT PETER ZU WORT

„Man kann auch an ein Bewässerungs-/ Düngungssystem denken, aber dazu gehört ein höherer durchschnittlicher Kilopreis.”

Peter van Rossum

WIE REAGIEREN ZWIEBELANBAUER, LOHNUNTERNEHMEN UND BERATER AUF DAS SICH VERÄNDERNDE KLIMA? DAS ZWIEBEL-MAGAZIN STELLTE DIESE FRAGE DREI PETERN AUS DEN NIEDERLANDEN UND AUS BELGIEN. DIE ANBAUSAISON WIRD IMMER MEHR DURCH EXTREME BEDINGUNGEN GEKENNZEICHNET, SAGEN SIE. EIN FRUCHTBARER BODEN, KOMPOST, DÜNGUNG, SORTENWAHL UND ANBAUSPEZIFISCHE MASSNAHMEN WERDEN IMMER WICHTIGER, UM WIDERSTANDSFÄHIGE ZWIEBELN ANZUBAUEN.

VORARBEITER PETER VAN ROSSUM

Betrieb Van Nieuwenhuijzen in Melissant

Peter van Rossum ist Vorarbeiter im Betrieb Van Nieuwenhuijzen im niederländischen Melissant. Er beschäftigt sich nun seit etwa fünf Jahren mit der Durchführung der verschiedenen Anbaumaßnahmen bei diversen Ackerbaukulturen, darunter jedes Jahr ein Feld Zwiebeln. „Nachdem wir einige Jahre Hytech F1 angebaut hatten, liegt nun Hyway F1 im Lager. Unsere Wachstumssaison kennzeichnet sich immer mehr durch extreme Bedingungen“, sagt Peter. „Dabei sehen wir in den letzten Jahren immer längere Perioden von Niederschlagsüberschüssen (Überschwemmungen) und -mangel, im Sinne von Auflaufproblemen und Wachstumsrückständen. Wir versuchen, durch Kompost, Anbau von Gründüngern, tierischem Mist und einer nicht oder flacher wendenden Bodenbearbeitung die organischen Inhaltsstoffe unserer Böden auf ein höheres Niveau zu bekommen, um damit auch den Feuchteüberschuss/-mangel zu nivellieren.”

Um Wassermangel vorzubeugen verfügen die Anbauer über geeignetes Oberflächenwasser, um beregnen zu können. Dadurch sind mehr oder weniger akzeptable Kiloerträge zu realisieren, erklärt Peter. „Dennoch wollen wir in der Zukunft in eine pegelgesteuerte Drainage investieren, um effizienter Niederschlagsmangel zu überbrücken, obwohl dies für den Zwiebelanbau doch noch eine Herausforderung ist. Glücklicherweise kann diese Investition für mehrere Kulturarten rentabel sein.”

Peter sagt abschließend: „Man kann auch an ein Bewässerungs-/Düngungssystem denken, aber dazu gehört ein höherer durchschnittlicher Kilopreis. Für die Zukunft bleibt der Spruch unverändert: Anbauen ist ein Glückspiel.“ >>

PETER VAN HAUWAERT

Lohnarbeiter aus dem belgischen Meulebeke

Lohnarbeiter Peter van Hauwaert sieht in den letzten Jahren, dass der Aufgang von Zwiebeln schwieriger wird. Wir bekommen immer mehr raue Nordostwinde, wodurch sich der Boden im Frühjahr schwer erwärmt und die oberste Schicht schnell austrocknet, sagt er. „Wenn man dann bewässert, bekommt man natürlich Probleme mit Verkrustung. Das sorgte in den letzten Jahren für viele Probleme. Für diese Problematik bietet vorgekeimtes Saatgut einen Vorteil.”

Peter Van Hauwaert hat noch keine Erfahrung mit Tröpfchenbewässerung, aber der Lohnarbeiter weiß, dass beregnen/Tröpfchenbewässerung einen großen Mehrwert bietet, um den Anbau rentabel zu machen. „Das sorgt auch dafür, dass der Abnehmer ein schöneres und stabileres Produkt bekommt.”

Was die Sortenwahl betrifft, dazu trifft Peter als Lohnarbeiter keine

Entscheidungen. Er ist dennoch überzeugt, dass Zwiebelanbau ohne Abnehmer und Ab-Feld-Lieferungen ‘finanziell sehr riskant’ ist.

„Bei Verkrustungsproblemen bietet vorgekeimtes Saatgut einen Vorteil.”

Peter Van Hauwaert

PETER ICKENROTH

Berater bei Agrea

Peter Ickenroth ist Berater für Freilandgemüseanbau bei der niederländischen Firma Agrea. „Mit einem gesunden, fruchtbaren Boden, einer guten Düngung und Sortenwahl, ergänzt durch anbauspezifische Maßnahmen, wollen wir Zwiebeln anbauen, die widerstandsfähig sind gegen die heutigen, extremeren klimatischen Bedingungen“, sagt er.

Peter Ickenroth ist vor allem im südöstlichen Sandgebiet von Brabant und Limburg aktiv. In den letzten Jahren hat sich der Zwiebelanbau immer mehr von den traditionellen Anbaugebieten im Südwesten und den Poldern in den Osten des Landes verschoben, erklärt der Berater.

Auf Sandböden wird in der Praxis standardmäßig vor dem Anbau tierischer Mist ausgebracht, erklärt Peter. Auch im Zwiebelanbau funktioniert tierischer Mist prima, findet er. „Tierischer Mist ist hier ein betriebssicherer Dünger, sicher in trockenen Jahren, der gleichzeitig als Nahrung für das Bodenleben dient. Die in der Gülle vorhandenen organischen Stoffe tragen darüber

„Starke und gesunde Zwiebeln sind essentiell für einen gesunden und rentablen Anbau.”

Peter Ickenroth

hinaus zur organischen Stoffgleichgewicht bei, wobei die Zufuhr größer sein muss als der Abbau und die Abfuhr davon. Je mehr organische Stoffe der Boden enthält, desto mehr Feuchtigkeit und Nährstoffe kann er festhalten.” Um optimalen Nutzen aus den vorhandenen Mineralien und der enthaltenden Feuchtigkeit zu ziehen, entscheidet sich Peter bei der Sortenwahl für eine Sorte mit einem guten Wurzelsystem, am besten in Kombination mit einem nicht zu üppigen Laubwachstum. „Ein gut entwickeltes Wurzelsystem ist besser und länger im Stande, Feuchtigkeit und Mineralien aufzunehmen, auch unter trockeneren Bedingungen. Ein nicht zu stark entwickelter Laubapparat hilft beim Vorbeugen und Beherrschen von Falschem Mehltau.”

Geprimtes Saatgut trägt zu einem schnelleren und uniformeren Aufgang bei, so Peter. „Eine frühe, gute Anfangsentwicklung ist sicherlich auf Sandböden wichtig, um dem Bestand einen Vorsprung gegen Trockenheit und Hitze zu geben. Auf den meisten Parzellen kann bewässert werden. Das erfolgt immer öfter mittels Tröpfchenbewässerung. Das ist ein einfaches, anwenderfreundliches und vor allem wassersparendes System mit einem positiven Einfluss auf die Gesundheit der Zwiebeln. Starke und gesunde Zwiebeln sind essenziell für einen gesunden und rentablen Anbau.”

This article is from: