Linkswende Monatszeitung für Sozialismus von unten
Nr. 168 Juni 2013 Spende 1,50 EUR Solidaritätsspende 2,00 EUR
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DAS TUT DEN FASCHISTEN WEH!
FPÖ stürzt weiter ab von Manfred ECKER
B
is zu den kürzlich geschlagenen Landtagswahlen in Tirol, Salzburg, Kärnten und Niederösterreich wollten viele eingeschworene Feind_innen der FPÖ nicht glauben, dass es wirklich bergab geht mit Strache und Co. Zu lange hat man sich in der Rolle des Gegners eingelebt, der nicht nur dem ständig wachsenden FPÖ-Wählerzustrom machtlos gegenüber stand, sondern auch den Helfern der FPÖ in Justiz und Polizei ausgeliefert war. Widerstand lohnt sich Aber dieses Wahljahr beschert uns eine neue Entwicklung: Die FPÖ und ihre Freunde
in den schlagenden Burschenschaften wurden von den Symphonikern am 8. Mai vom Heldenplatz vertrieben – quasi mit Pauken und Trompeten. Mit 68-jähriger Verspätung beginnt endlich die Intoleranz gegenüber den Nazi-Nostalgikern. Und die FPÖ stürzt bei den Wahlen ab. Wer diese Entwicklungen herunter spielt, der will entweder vor einer Verharmlosung der faschistischen Bedrohung durch die FPÖ warnen. Das wäre ein guter Grund! Oder man ist nicht imstande die positiven Entwicklungen wahrzunehmen, und damit die Chancen, die sich für die antifaschistische Bewegung aus dem FPÖ-Absturz ergeben – das ist ein sehr schlechter Grund. Faschismus wird meist als etwas Unaufhaltsames dargestellt, Hitlers und Mussolinis Machtergreifungen als unvermeidliche Er-
MUSIC SYRIEN & POLITICS 1960-er Protestsongs gegen den Vietnamkrieg, Drahdiwaberl und muslimischer Hip-Hop. Leo Kienmandl empfiehlt das Wien Museum
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>> Seite 7 Oliver Martin macht deutlich, wieso die Rebellen über Israels Angriffe so erzürnt sind
eignisse, aber das ist komplett falsch. Beide hätten aufgehalten werden können, wenn sich ihre Gegner_innen auf eine Zusammenarbeit einigen hätten können. Soziale Bewegung gegen den Faschismus Das falsche Geschichtsbild von einer unüberwindlichen Kraft des Faschismus hemmt auch heute noch die Gegner_innen der FPÖ. Denn es beruht unter anderem auf dem Bild einer dummen Masse von Menschen (vor allem der Ungebildeten), die den Faschisten zugelaufen waren und es heute wieder tun wollen. Der Masse wird in erster Linie mit Misstrauen begegnet. Wir müssen aber verstehen, dass die „ungebildeten Massen“ überhaupt nicht die Basis der faschistischen Bewegungen gebildet haben, sondern vielmehr Akademiker und
SCHULSCHWÄNZER >> Seite 9 Das ist eine verständliche Reaktion auf ein schlechtes Schulsystem schreibt Karin Wilflingseder
relativ gebildete Kleinbürger. Außerdem haben diese Kleinbürger die Massen nur deshalb für sich gewinnen können, weil die Gegenseite, die Linken, dies verabsäumt haben. Um die Mehrzahl der Menschen für sich zu gewinnen, muss die Linke den Widerstand gegen das Spardiktat in Europa auf die Straßen tragen und sichtbar machen. Und sie muss dafür sorgen, dass die FPÖ noch tiefer abstürzt als sie es ohne unser Zutun machen würde. Das heißt in anderen Worten: Wir müssen soziale Bewegungen aufbauen, Bewegungen gegen Rassismus und gegen Faschismus. Wir brauchen eine aktive Linke, wenn wir die Gelegenheiten nutzen wollen, die sich aus der Krise für uns ergeben.
GRIECHENLAND RADIKAL >> Seite 11 Panagiotis Sotiris meint, in Griechenland sollte man zum Bruch bereit sein und radikale Lösungen anvisieren