28 minute read

TITEL

Next Article
FRÜH ÜBT SICH

FRÜH ÜBT SICH

Mensch und Erfolg über Evolution und Evolutionismus, schimpansen und bonobos, gesellschaftlichen und persönlichen Erfolg und den Erfolg im wahren leben von Matthias zimmermann

„Viel Glück, Gesundheit und Erfolg“! Welch´ schöne Wunschformel. Mit Gesundheit und Glück allein scheint es nicht getan – auf den Erfolg kommt es an. Erfolg bestimmt unsere Stellung in der Gesellschaft: „Er/Sie ist ein(e) äußerst erfolgreich(e) …“! Niemand käme auf die Idee, uns jemanden als „einen sehr gesunden“ oder „einen außergewöhnlich glücklichen Wasauchimmer“ vorzustellen. Als erfolgreich werden nicht nur in gehobenen Kreisen gerne Personen charakterisiert, um gleich mal deutlich zu machen, mit wem man es da eigentlich zu tun hat: Mit jemandem, der weiß, wie´s geht. Ein Cleverle, brillant im Geiste, dazu fleißig und zielfokussiert. Ein Top-Performer und echter Leader. Mit Intelligenz und Strebsamkeit hat er es zu etwas gebracht.

Ist Erfolg das, was den Menschen ausmacht? In unserer Gesellschaft hat Erfolg einen besonderen Wert. Dem Erfolgreichen wird Anerkennung entgegengebracht (und sicherlich auch Neid). Da sind die Titel und Rekorde des Sportlers, die verkauften Schallplatten oder die Zuschauerzahlen des Künstlers, die Wahlerfolge des aufsteigenden Politikers und natürlich die Börsenkurse und Renditen des Unternehmers. Derlei Erfolge bringen Aufmerksamkeit (in deren Licht sich andere gerne stellen) und Geld (von dem andere gerne etwas abhätten).

Bis vor wenigen Generationen bestand Erfolg nahezu ausschließlich darin, zu überleben und Nachwuchs zu zeugen, um den Fortbestand der eigenen Spezies zu gewährleisten – was uns Homo Sapiens über hunderttausende von Jahren ge- lungen ist. In unserer modernen Welt dagegen bemisst man den Erfolg mit der Zahl an „Friends“ und „Followern“ in den sozialen Medien, also mit Aufmerksamkeit und Prestige. In guter Tradition ist es zuallererst das Geld, womit Erfolg aufgewogen wird. Dafür erstellt das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin der Forbes Inc. alljährlich ein Erfolgstableau: die Rangliste der reichsten Erdenbürger.

Einfach (und) schön, wenn man Erfolg messen kann – z. B. in der Zahl der Nachkommen oder in Geldeinheiten, aber auch in anderen Größen: in Höhen und Weiten, Geschwindigkeiten und Gewichten, Punkten und Auszeichnungen. Messbarkeit schafft Referenzwerte. So gesehen ist das Guinnessbuch der Rekorde voller Erfolgreicher . Da gibt es die, deren TennisBenefizmatch im Fußballstadion von Kapstadt von 51.954 Zuschauern besucht wurde (jeder kennt die beiden wohl besten Tennisspieler aller Zeiten und Rekord-Grand-Slam-Sieger). Oder jene, die einen einzigen Tennisballwechsel über 10 Stunden spielten und dabei die gelbe Filzkugel 50.970 Mal übers Netz beförderten (kaum jemand kennt den ehemaligen Praktikanten des Racket Centers und seinen Vater). Das Guinnessbuch der Rekorde zeigt, dass Erfolge und sogar Bestleistungen nicht automatisch zu Geld und Berühmtheit führen. Trotzdem streben viele nach einem Eintrag in diesem berühmten Buch. Erfolg treibt an und motiviert, belohnt und begeistert …

Und doch stellen sich die Fragen: Was ist eigentlich Erfolg? Und wer definiert das? Was macht den Erfolg aus: Sind wir Menschen erfolgreich – als Spezies, Gesellschaft oder Individuum? Kann nicht jeder in gewissem Sinne erfolgreich sein? Und in welchem Sinne …?

Erfolg – Was ist das? Nicht nur Tennisfreunde erinnern sich daran, wo sie damals vor 35 Jahren gewesen sind, als ein rotblonder Junge aus leimen bei heidelberg in dem legendären finale von Wimbledon den Matchball mit einem krachenden ass verwandelte und jubelnd die arme hochriss. am 7. Juli 1985 schrieb boris becker sportgeschichte – als erster deutscher und jüngster Wimbledonsieger aller zeiten. Dieser Wimbledonsieg ist von ähnlichem stellenwert wie der legendäre Gewinn der fußball-Weltmeisterschaft in bern 1954 – beides ein Erfolg für die Ewigkeit. Ein herausragender platz in den Geschichtsbüchern des Deutschen sports ist ihm ebenso sicher wie ein platz im Gedächtnis der Öffentlichkeit. In diesen beiden Turnierwochen des sommers 1985 katapultierte sich der erst siebzehnjährige auf der liste der bekanntesten Deutschen ganz nach oben.

Dennoch: Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung erklärt boris becker selbst nicht seinen ersten, sondern seinen zweiten Wimbledontitel im Jahr darauf zu seinem größten sportlichen Triumph. Kam er 1985 noch aus dem Nichts, frei von jeglichem Erwartungsdruck und unbedarft, war der Erfolg gegen Ivan lendl die bestätigung, dass er keine Eintagsfliege, also eben kein zufallssieger war. Vielmehr ist er innerhalb eines Jahres, mit gerade mal achtzehn Jahren, zu einer festen Größe in der Weltspitze des Tennissports gereift.

Dieses beispiel zeigt, wie unterschiedlich die Einschätzung von Erfolg sein kann. Die betrachtung des Erfolgreichen selbst und die der außenwelt müssen nicht deckungsgleich sein. Vielmehr offenbart sich die subjektivität der bewertung dessen, was Erfolg ist. Im alten Griechenland war das einfacher. sportlicher Erfolg bei den historischen olympischen spielen war eine ererbte, göttlich offenbarte Macht. Die Erfolgreichen waren begünstigte der Götter. Ein olympiasieger im antiken Griechenland richtete den Dank für seinen Triumph an zeus (und nicht an Ion Tiriac).

Was also ist Erfolg? früher, im 19. Jahrhundert, war das nur der schlichte Verlauf einer sache. Das, was eben „daraufhin erfolgt“ – so ganz nüchtern, frei von pathos und jeglicher bewertung. Erfolg konnte positiv oder eben auch negativ sein, Gewinn oder Verlust, eine wie auch immer geartete handlungsfolge. Diese sicht hat sich mit fortschreitender Industrialisierung vollends gewandelt. Der Erfolg ersetzte das Glück, die zielsichere planung den göttlichen zufall. heute schreibt

boris becker hält den „Men‘s singles“-pokal hoch, Wimbledon 1985 foto leo Mason/action plus

sich der Erfolgreiche den Erfolg gerne selber zu. Der verdiente sieger hat es geschafft, die chancen, die unsere moderne Erfolgsgesellschaft bieten, für sich zu nutzen. Das formt ein inneres bild der selbstachtung aus Können und Tüchtigkeit. und es erzeugt äußere bilder von sozialer anerkennung und öffentlicher Ehrung, schönheit und stil, luxus und Wohlstand dank EbIT und Dividenden, honorare und prämien – oder schlicht: Geld!

heute lässt sich sagen: Erfolg in unserer modernen Welt ist die Erfüllung einer geltenden Norm, das Erreichen eines (selbst-)gesteckten ziels und die Einhaltung einer getroffenen Vereinbarung, einhergehend mit einer positiven bewertung durch die Erfolgreichen selbst und durch ihr umfeld, welches das ausmaß von einer kleinen peergroup („clubmeister“) bis zur gesamten Weltöffentlichkeit einnehmen kann („Weltmeister mit den entsprechenden finanziellen folgen“).

Erfolgsgeschichte Mensch: Überleben! Dass wir überhaupt ein modernes Verständnis von Erfolg entwickeln durften, ist mit einem blick auf die Menschwerdung nicht unbedingt zu erwarten gewesen. als die Erde vor ca. 4,6 Mrd. Jahren entstanden ist, dauerte es noch etwa eine Mrd. Jahre, bis sich auf unserem planeten leben herausbildete. Man nimmt an, dass in den 3,6 Mrd. Jahren bis heute etwa eine Milliarde verschiedener arten entstanden und ebenso viele fast wieder ausgestorben sind. heute wird die zahl der arten auf ca. 20 Mio. geschätzt, von denen aber lediglich 1,5 Mio. bekannt und beschrieben sind. zur Entstehung des Menschen führen Detlev Ganten et al. (Die steinzeit steckt uns in den Knochen, München 2011, s. 38) folgenden anschau- lichen Vergleich an: „Wäre die Erde statt 4,6 Mrd. Jahre nur ein Jahr alt, dann wäre der Mensch erst am silvesterabend um 23:42 uhr auf der party erschienen“. Der überlebenskampf, der dann einsetzte, war nur für eine menschliche spezies von Erfolg gekrönt. Derweil blieben die Vormenschen (australopithecus) und eine ganze Reihe an urmenschen (homo) auf der strecke. Das Gehirnwachstum, das wahrscheinlich vor rund 2 Millionen Jahren einsetzte und den beginn der Gattung homo kennzeichnet, hat den homo habilis (2,6 – 1,7 Millionen Jahre), Rudolfensis (2,1 – 1,8), Erectus (1,9 – 27.000), heidelbergensis (700.000 – 100.000) und den Neanderthalensis (400.000 – 40.000) nicht vor dem aussterben bewahrt. Ihnen ist es nicht gelungen, sich trotz lernens und ausbreitung über den gesamten Eurasischen Kontinent an die regionalen und klimatischen umgebungsbedingungen anzupassen, die im laufe der Jahrmillionen unserer Erdgeschichte teils extreme Veränderungen vollzogen haben. anpassungsfähigkeit jedoch ist die entscheidende Voraussetzung für das überleben einer art.

zu überleben gelang schlussendlich nur den homo sapiens – und selbst das war vor rund 50.000 Jahren äußerst knapp. Man schätzt, dass sich unsere Vorfahren bis auf etwa 1.000 Exemplare reduzierten und wir nur haarscharf dem aussterben entrinnen konnten. auch wenn sich die spezies des „wissenden Menschen“ von afrika ausgehend fortan über den Mittelmeerraum nach Europa und asien, über alaska nach Nord- und südamerika ausbreitete und sich ihr Äußeres den klimatisch-geografischen bedingungen anpasste, muss uns klar sein: es gibt nur eine Rasse Mensch. skandinavier und südamerikaner unterscheiden sich genetisch wesentlich weniger als etwa zwei schimpansengruppen, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt leben.

und dennoch gehört zu dieser Erfolgsgeschichte eine Erkenntnis, die erst die Genforschung zutage förderte. Der homo sapiens hat sich gegenüber anderen menschlichen spezies nicht etwa als alleinige, überlegene art durchgesetzt. Die junge Wissenschaftsdisziplin der paläogenetik kann zeigen, dass wir in unserem Genom auch spuren unserer urahnen tragen. unser heutiger bauplan hat sich zu urzeiten bei verschiedenen Menschenformen unabhängig voneinander herausgebildet und offenkundig durch artenübergreifenden austausch zum modernen Menschen geführt. heute sind vier spezies bekannt, die einander begegnet sein müssen. Kurzum: homo sapiens und homo Neanderthalensis hatten sex! und schon ein paar Millionen Jahre vorher auch homo Rudolfensis und homo habilis, viele weitere Millionen Jahre auch verschiedene arten des australopithecus. über die artengrenzen hinweg gab es Techtelmechtel und Nachkommen.

Nach neuerer Erkenntnis der Evolutionsforschung ist unser bauplan ein Erfolg dank genetischer Vielfalt. so entspricht das bild der Menschwerdung eher dem eines flusses als dem eines (stamm-)baums – die Grenzen zwischen den vermeintlichen arten verlaufen fließend. „Der Erfolg der homo sapiens hat viele Väter“, schreibt henning Engeln in der GEo 05/2016, s. 71) und konstatiert: „Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der seitensprünge“.

Daraus lässt sich folgern, dass die Menschen der urzeit sich über verschiedene arten hinweg nicht per se in feindseligkeit und Durchsetzungsabsicht begegnet sind, sondern durchaus auch in freundlichkeit – und natürlich in fortpflanzungs- absicht.

Das biologische Entwicklungsmodell nach Charles Darwin: Evolution Die Evolution ist die Erfolgsgeschichte des homo sapiens. Wir sind auf dem besten Weg, sehr bald die bestmarke von 8 Milliarden Menschen zu knacken. auch wenn sich das Wachstum der Weltbevölkerung immer mehr verlangsamt, sind über 10 Mrd. Menschen auf unserem planeten durchaus erwartbar – wenn nicht natur- oder selbstgemachte Katastrophen das Rechenmodell zum Einsturz bringen.

Dass dies eine ernstzunehmende option und der Erfolg unserer spezies keine selbstverständlichkeit ist, zeigt die Geschichte der Menschwerdung. Vor augen geführt wird uns dies nicht nur durch die derzeit grassierende pandemie, den fortschreitenden Klimawandel (das wohl bedrohlichste szenario der Menschheitsgeschichte, siehe dazu Rc premium 2/2020, Mensch & Klima) und kriegerische Konflikte. Im dreißig- jährigen Krieg dezimierten das zusammenwirken von Krieg, religiösem fanatismus, hunger und pestepidemien die bevölkerung Europas um über 40 prozent im laufe von nur einer Generation. heute verfügen wir über die militärische Möglichkeit, uns 150 Mal auszulöschen. 100 atombomben würden für die einmalige Vernichtung der Menschheit genügen. 15.000 davon liegen in den arsenalen der atommächte! sollte also mal ein starker Mann daherkommen und meinen, er müsse sich durchsetzen, vernichtet er mit einem Druck auf den roten Knopf sich selbst gleich mit. Tja, weit haben es wir gebracht, im laufe der Evolution …!

Arbeitsrecht Bank- und Kapitalmarktrecht Bau- und Immobilienrecht Familien- und Erbrecht Gesellschaftsrecht Leasing und Factoring Medizinrecht Sanierungsberatung Umweltrecht Unternehmensnachfolge Vertriebsrecht Verwaltungsrecht

BEI UNS STIMMT DIE CHEMIE.

Gemeinsamen Erfolg hat man nur, wenn die Zusammenarbeit funktioniert. Wenn das Engagement passt. Wenn Vertrauen da ist. Kurz gesagt: wenn die Chemie stimmt. Seit vielen Jahren erarbeiten wir innovative rechtliche Lösungen für inhabergeführte mittelständische Unternehmen, börsennotierte Aktiengesellschaften, Finanzdienstleister, öffentliche Auftraggeber und Privatpersonen. Für die richtige Mischung aus fachlicher Qualität und wirtschaftlicher Effi zienz unserer Arbeit garantieren wir als Anwälte. Für unsere Integrität garantieren wir als Menschen.

Engagiert. Fundiert. Lösungsorientiert.

Nun aber bedeutet das überleben des angepassten im evolutionsbiologischen sinne eben nicht die Durchsetzung des stärksten. Was der begründer der Evolutionstheorie, charles Darwin (1809 -1882), stattdessen damit meinte, ist die Durchsetzung von Genvarianten. Erfolgreiche Genvarianten entstehen, indem vor der zeugung von Nachkommen das menschliche Erbgut durch Krankheit und Tod einer natürlichen auslese unterworfen wird. charles Darwin prägte den begriff der natural selection. Er erklärt den über tausende von Generationen hinweg stattgefundenen überlebens- und Entwicklungserfolg durch fortwährende selektion schlechter Gene zugunsten guter Genvarianten. Dabei sind nicht nur die anpassungs-, sondern auch die Gestaltungsfähigkeit – also Kreativität: creare = erschaffen, hervorbringen – Erfolgsfaktoren für das überleben einer spezies. Wir wären längst nicht mehr existent, hätte nicht jeder unserer Vorfahren das fortpflanzungsfähige alter erreicht, eine(n) attraktive(n), paarungswillige(n) und zeugungsfähige(n) partner(in) gefunden und dies dazu genutzt, sein und ihr Genom in einer neuen genetischen Variation an den Nachwuchs weiterzugeben. In dieser biologischen hinsicht waren sämtliche unserer ahnen zu 100 prozent erfolgreich.

für die fortentwicklung von Genvarianten übernahm Darwin im laufe seiner wissenschaftlichen arbeit irgendwann einen bekannten begriff: „survival of the fittest“! Dass sich dieses prinzip schon aus semantischen Gründen als Durchsetzung des stärkeren interpretieren lässt, ist allerdings eine unzutreffende schlussumkehr. Es ist eben nicht so, dass Darwin ein Naturgesetz geschaffen hat, um daraus eine soziale Implikation abzuleiten. stattdessen war es umgekehrt. Der begriff „survival of the fittest“ entstammt dem britischen soziologen herbert spencer, der damit ein Gesellschaftsmodell umschreibt. so gesehen war die begriffsübernahme von Darwin unglücklich, weil sogenannte sozialdarwinisten (einer davon hat es sogar bis ins mächtigste amt der Welt geschafft und dabei großen gesellschaftlichen schaden angerichtet), sich auf ein Naturgesetz berufen. Die Evolutionstheorie postuliert weder die Durchsetzung kraft stärke eines Einzelnen noch den Erfolg der einen spezies durch Verdrängung einer anderen. Ein bekannter Witz umschreibt dies ganz wunderbar: Gehen zwei stammesbrüder durch die steppe und begegnen einem löwen. Daraufhin streift sich einer der beiden Turnschuhe über seine nackten füße. Dazu meint der andere: Glaubst Du wirklich, dass Du damit schneller läufst als der löwe? Darauf antwortet er: Nein, nicht schneller als der löwe – aber schneller als Du …!

also: Erfolgreich sein wird diejenige art, die sich der umwelt anpasst und es schafft, sich trotz widriger umweltbedingungen kontinuierlich zu vermehren und den Genpool dahingehend zu verbessern, die Wahrscheinlichkeit des eigenen überlebens zu steigern. so ist die Geschichte der Menschheit auch eine Erfolgsgeschichte der zunehmenden lebenserwartung! Das kulturelle Gesellschaftsmodell nach Herbert Spencer: Evolutionismus Während charles Darwin den begriff „survival of the fittest“ von herbert spencer übernahm, um seine Evolutionstheorie mit einer positiv anmutenden umschreibung zu versehen, interpretierte spencer die zentrale These der Evolution von Darwin kurzerhand um: aus der „natürlichen selektion“ wurde die „soziale selektion“. Danach verlaufen Entwicklungen von kulturellen Gesellschaften und biologischen organismen ähnlich – und zwar auf der Grundlage einer anpassung im sinne von Kampf und Durchsetzung. Diesem „universellen postulat der kulturellen Evolution“ entsprechend setze sich der angepasste durch. Der Nicht-angepasste hingegen stünde dem fortschritt der Gesellschaft im Wege. Damit gemeint war: der sozial schwächere.

als wäre dies nicht schon genug, erhob spencer den anspruch, der Evolutionismus – also die übertragung der Evolutionstheorie auf die Erfolgsentwicklung von Gesellschaften – stelle die überhaupt allererste wissenschaftlich fundierte Weltsicht dar. Im sinne eines „systems synthetischer philosophie“ gilt das Evolutionsprinzip nicht nur für biologische organismen, sondern auch in den kulturellen bereichen der Erziehung und psychologie, lebensweisen und sozialen Konventionen, politik und Wirtschaft. Eine Gesellschaft ist erfolgreich, wenn sich die stärksten der starken durchsetzen und das soziale fortkommen bestimmen. Das Resultat daraus sei eine naturbegründete soziale hierarchie der Ethnien. Nach spencer zeige sich in ethnischen Mischungen die soziale Degeneration. Er ist der auffassung, Ehen über kulturelle und ethnische Grenzen hinweg würden dem gesellschaftlichen Erfolg entgegenstehen. Die brutalen Konsequenzen aus einer Theorie, die zu einer solchen haltung führt, sind schmerzlich bekannt …!

Was daraus folgt ist die herausbildung eines Menschen- bildes, das mit beginn der industriellen Revolution auch in die Ökonomie Einzug hielt. Demnach sei der Mensch von Natur aus faul. für aktivierung und fortkommen bedürfe es der anreize durch Rivalen, die ihm etwas wegnehmen möchten. Da Güter knapp sind, bestimme der Wettbewerb – also der Kampf ums Dasein – den Gang der Welt. heute herrscht, wo immer man hinschaut, Konkurrenz: in und zwischen bildungseinrichtungen, Kliniken und staaten – „natürlich“ besonders im sport, in fernsehshows und erst recht in unternehmen. Dem Evolutionismus zufolge sei der Mensch, seiner Veranlagung gemäß, ein konkurrierendes Wesen und strebt nach Vorrang.

Damit begründet der Neoliberalismus den Wettbewerb als das herausragende Merkmal menschlicher beziehungen und die effizienteste Methode für den Erfolg einer Volkswirtschaft. friedrich august von hayek meint, nur die Konkurrenz fördert höchstleistungen zutage. so stünde es geschrieben in

bonobo-familie in freier Wildbahn. Den bonobo kennzeichnen lange beine, rosa lippen und ein dunkles Gesicht.

der Menschen Gene. und so wurden charles Darwins erbarmungsloser „Krieg der Natur“ (war of nature) und der „Kampf ums überleben“ (struggle for life) zum prinzip moderner Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Maja Göpel (unsere Welt neu denken, berlin 2020, s. 61) schreibt: „auf der beziehungsebene wurde Wirtschaft nun ein Kampf von jedem gegen jeden“. zitiert wird auch gerne der us-amerikanische football-Trainer Vince lombardi, der sagte: „Gewinnen ist nicht das Wichtigste. Gewinnen ist alles.“

„Survial of the Fittest“ und „Survival of the Friendliest“ Was vor 150 Jahren zu einem empörten aufschrei geführt hat, lässt sich heute gut belegen: zur Evolutionstheorie bzw. evolutionären anthropologie gehört die Wahrheit, dass wir Menschen und die affen den gleichen Vormenschen entstammen. Gorillas und schimpansen sind unsere brüder und schwestern. Verhaltensmuster von schimpansen bestätigen die Evolutionstheorie, die dem prinzip des survial of the fittest folgt: Das stärkste und mächtigste Männchen einer schimpansenherde hat die meisten Nachkommen. Das so genannte alpha-Tier, oder auch der silberrücken bei den Gorillas, hat den Konkurrenzkampf um empfängnisbereite Weibchen gewonnen, sich gegen andere Männchen durchgesetzt und das Weibchen erobert – oder sich gefügig gemacht. aggressives Durchsetzen gegen andere Männchen und auch gegen unwillige Weibchen führt zu paarungs- und Reproduktionserfolg. Der Testosteronspiegel spielt hierbei eine wichtige Rolle. Testosteron dient dem Muskelwachstum, der Kraft und der psychischen bereitschaft. In einer studie von Evolutionsanthropologen aus der abteilung primatologie des Max-planck-Instituts leipzig konnte der zusammenhang

zwischen Rang, Durchsetzung, paarung und Testosteron- spiegel belegt werden. Im sozialverhalten zeigen sich schimpansen unstet, ziehen neugierig umher und streben mit Ehrgeiz und aggressivität danach, ihren lebensraum zu erweitern. für ihren Erfolg sind sie auch bereit, ihresgleichen zu töten – mehr Testosteron führt eben auch zu erhöhten lebensrisiken.

Nicht so bei unseren anderen Verwandten, den bonobos. Diese primatenart aus der familie der Menschenaffen (hominidae), haben in gleicher Weise wie die schimpansen ihren festen platz in unserer ahnengalerie. Erst vor ein bis zwei Millionen Jahren trennte die Evolution beide affenarten. seit rund 30 Jahren wird im leipziger zoo und vor allem in der freien Wildbahn des Kongobeckens unsere Verwandtschaft zu dieser affenart erforscht. Die forschungsergebnisse rücken Evolutionsprinzipien in ein anderes licht, denn eine ganze Reihe elementarer aspekte unterscheiden bonobos in ihrem Verhalten und in ihrer sozialstruktur von schimpansen: bonobos kennen keine alpha-Männchen. zwar gibt es unterschiedliche hierarchische stellungen innerhalb einer population, jedoch ist Dominanzstreben nicht der bestimmende Kern ihres Daseins. stattdessen werden in den meisten Gruppen sogar die höchsten Rangplätze von Weibchen belegt. zwar beobachtet man auch bei bonobos, dass sich ranghohe Männchen aggressiver als rangniedere verhalten. Niemals aber richten sie Drohungen gegen das empfängnisbereite Weibchen. Ein positiver zusammenhang zwischen Rang und Testosteronspiegel ist bei bonobo-Männchen nicht feststellbar. Vielmehr ist der paarungserfolg ranghoher Männchen ein Erfolg der zuwendung. sie streben danach, mit den Weibchen eine beziehung aufzubauen. Dabei werden sie von ihrer Mutter unterstützt.

Die forscher interpretieren dies als neue perspektive auf die Evolution der menschlichen paarbeziehung. Während also bei schimpansen die fortpflanzung häufig über Gewalt läuft, sind bei bonobo-Männchen die Vaterfreuden nur zu haben, wenn sie freundlich und zuvorkommend sind. bonobos teilen bereitwillig ihr futter – auch mit fremden. Das bindungs- hormon oxytocin spielt eine vergleichsweise größere Rolle als das Testosteron. Die ausgeprägten körperlichen zuwendungen, die nicht allein dem streben nach fortpflanzung unterworfen sind, machen die sozialbeziehungen in der Tierwelt so besonders. und bonobos sind äußerst erfolgreich – in folgender hinsicht: Verglichen mit schimpansen haben sie sieben Mal häufiger sex (in allen möglichen Varianten), und dies völlig losgelöst von der Empfängnisbereitschaft der Weibchen. Die erfolgreichsten Männchen zeugen mehr Nachwuchs als die alpha-Tiere bei den schimpansen. Die sozialstruktur ihrer populationen erbringt den beweis für die Existenz von Gleichberechtigung im Tierreich! „Das angeblich eherne Gesetz von der physischen Dominanz wird ausgehebelt – diplomatische strategien sind roher Gewalt überlegen“, schlussfolgert der primatenforscher Gottfried hohmann vom Max-planck-Institut für evolutionäre anthropologie. Es wundert nicht, dass bonobo-Männchen deutlich weniger stress haben und geringeren Risiken ausgesetzt sind als männliche schimpansen, insgesamt gesünder leben – und daher auch länger!

Das us-amerikanische forscherpaar der renommierten Duke university Vanessa Woods (Department of Evolutionary anthropology) und brian hare (Institute for brain sciences) haben auch andere spezies, z. b. hunde, einer zuchtwahl unterzogen. In ihren wissenschaftlichen arbeiten erbringen sie den beleg, dass sich der Erfolg der Reproduktion auf freundlichkeit und zugewandtheit zurückführen lässt. Die liebevollsten Tiere einer artenpopulation wurden zusammengeführt, um Nachwuchs zu zeugen. alle Merkmale, die auf aggression ausgerichtet sind (zähne, Krallen, etc.) bildeten sich zurück, Merkmale, die freundlichkeit ausstrahlen (fell, ohren, etc.) traten in den Vordergrund. Der Gesundheitszustand verbesserte und die lebenserwartung steigerte sich. Diese anthropologischen forschungserkenntnisse fassten Woods und hare in einem aktuell erschienenen buch zusammen. Dessen treffender Titel: „survival of the friendliest“, (New York 2020).

Würde man daraus ein Gesellschaftsmodell ableiten, das sich in einen krassen Gegensatz zum Evolutionismus nach herbert spencer u. a. stellen ließe, dann könnte dieses lauten: „Make love, not war“! auch dies wäre ein extremes Gesellschaftsmodell, das von vereinzelten Menschengruppen vor rund fünfzig Jahren tatsächlich schon mal ausprobiert wurde. Dem sozialismus sehr ähnlich bestand der Erfolg dieses projekts darin, dass alle gleichermaßen arm und erfolglos waren. fragen zu diesem sozialversuch möge man bitte an Rainer langhans, uschi obermaier und andere richten …!

Konkurrenz oder Kooperation? Schimpanse oder Bonobo? Die Treiber des gesellschaftlichen Erfolgs … ob Konkurrenz oder Kooperation die Evolution bestimmt, fragt der Mathematiker und biologe Martin a. Nowak von der harvard university in seinem buch „Kooperative Intelligenz: Das Erfolgsgeheimnis der Evolution“. Darin begründet er, dass für den Evolutionserfolg auf unserem planeten die Kooperation grundlegend sei. Er meint: „Kooperationsfähig- keit ist der eigentliche Grund dafür, dass es Menschen gelungen ist, sich in fast jedem irdischen Ökosystem einen lebensraum zu erkämpfen und über die Erde hinaus weit in den Weltraum vorzustoßen. Kooperation ist […] der Meisterarchitekt der Evolution“.

Warum jedoch sind manche länder wohlhabender als andere? Ökonomen und politologen neigen dazu, die antwort in der

Kraichgau Weitblick

oder investierst du schon? Analysierst du noch Für mich, für dich, für alle - Kraichgau Weitblick

Zeit und Geld sparen mit unserer digitalen Vermögensverwaltung - schon ab einer monatlichen Sparrate in Höhe von 50 Euro. Starte jetzt mit unserem smarten Anlageassistenten.

vbkraichgau.de/kraichgauweitblick

organisation des jeweiligen Gemeinwesens zu suchen. Eine säule des gesellschaftlichen Erfolgs bilden kooperative Institutionen, die das allgemeine Interesse schützen. stabile politische und wirtschaftliche Institutionen tragen dafür sorge, dass ein Wechsel an ihrer spitze und damit der charakter ihres führungspersonals die Wirtschaftsleistung und den sozialen zusammenhalt nicht beeinträchtigen. „checks und balances“ nennen die us-amerikaner den Mechanismus für den funktionserhalt ihrer Institutionen. paul collier meint, erfolgreiche Gesellschaften haben bessere Institutionen als nicht-erfolgreiche Gesellschaften. Er bemisst dies am pro-Kopf-Einkommen der bevölkerung und schreibt: „Die fähigkeit zur Kooperation ist grundlegend für den Wohlstand“, (Exodus – warum wir die Einwanderung neu regeln müssen. München 2014, s. 37). Dabei resultiert diese fähigkeit aus der Einzigartigkeit des menschlichen Denkens. und dieses Denken ist grundsätzlich kooperativ!

Der anthropologe und Verhaltensforscher Michael Tomasello, co-Direktor des Max-planck-Instituts in leipzig bestätigt dies und sagt über den homo sapiens: Dieser sei „ein ultrakooperativer primat“. Kooperation ist des Menschen lebensmodus! so zeigen sich auch in ganz unterschiedlichen Kulturen, dass Kinder – bevor sie von ihren Eltern den Regeln des sozialen Verhaltens unterworfen werden – mit Vorliebe mit anderen zusammenspielen und ganz spontan selbstlose hilfe anbieten. Dabei lässt sich zeigen, dass das menschliche belohnungszentrum dann aktiv wird, wenn Kooperation gelingt. situationen und Eigenschaften, die Kooperation erwarten lassen, führen zu einem ausstoß von Dopamin.

Nun sind es aber gerade die Kinder, die eben auch spontan zeigen, dass sie ein spielzeug für sich beanspruchen. Das lässt sich auf jedem spielplatz sehen – und hören! Dabei sind Kinder durchaus gewillt, sich zu wehren, wenn ein anderes Kind ihnen das objekt der begierde wegnehmen möchte. Wie oft tobt der Kampf um schaufel und Eimer. Kaum werden Ressourcen knapp, entsteht der Wettbewerb um besitz und Möglichkeiten. Ein paar Jahre später werden aus Kindern Jugendliche. für manch ein junges Dasein wird der sportplatz zum lebensmittelpunkt – und prompt übernimmt einer das Kommando, bildet die Teams, bestimmt die Richtung und stürmt voran. Worum es dann geht? ums Toreschießen, um sieg oder Niederlage, Triumphgeheul und Wehklagen. auch das gehört zur Natur des Menschen: der Wettbewerb will gewonnen werden! Ein Erfolg lässt die Glückshormone kreisen und das belohnungszentrum in unserem Gehirn aufleuchten.

Die sportwissenschaft kennt unzählige untersuchungen, die zeigen, dass die aussicht auf Erfolg die leistung steigert. Der Drang, besser zu sein als ein Gegner, weckt Kraft, ausdauer, schnelligkeit und die gesamte Einsatzbereitschaft eines Menschen. Was wäre der Mensch und seine leistungsbereitschaft ohne den anreiz eines ziels, ohne die lust am Gewinnen und ohne aussicht auf Erfolg? so ist das nun mal: Konkurrenz fördert leistung – und belebt das Geschäft. und die gesamte Geschäftswelt folgt diesem prinzip. Die Erfolgsgeschichten unserer großen unternehmen werden auf dem börsenparkett geschrieben und in charts veröffentlicht. Wie es um die Wirtschaft steht, zeigt die börsenrally. Dort spricht man dann von haien, bullen und bären – und nicht von schimpansen und bonobos.

Dabei sind wir doch genau das: schimpanse und bonobo – „bipolare Menschenaffen“, wie der niederländische primatenforscher frans de Waal uns sieht. Wir seien an guten Tagen so sanft und freundlich wie bonobos und an schlechten so tyrannisch und brutal wie schimpansen. Tatsächlich können anthropogenetiker zeigen, dass der anteil der Gene von bonobos und von schimpansen, die in unserem Erbgut stecken, gleichverteilt ist. Wir sind in gleichem Maße ein bisschen bonobo und ein bisschen schimpanse.

Gemessen an der zeitspanne der Evolution ist der Mensch erst im laufe eines Wimpernschlags zum bürger gereift. heute sind wir vor allem eines: Kulturwesen! Da stellt sich nicht die frage, was die genetische Disposition mit uns macht. Vielmehr stellt sich die frage, was wir aus der genetischen Disposition machen: Was machen wir aus dem Wettbewerber in uns, dem Kämpfer und kompetitiven Durchsetzer, der sich stets mit anderen vergleicht und den Erfolg darin sieht, besser zu sein als andere, um Konkurrenten hinter sich zu lassen? und wie steht es um den ausgleichenden in uns, dem harmoniebestrebten und kooperativen partner, für den es ein Erfolg ist, wenn Menschen gemeinschaftlich zusammenwirken, um einen Konsens zu erzielen? Wer ist uns wichtiger, wem gewähren wir den Vorzug, wer führt uns zu dem Erfolg, den wir uns wünschen?

psychologen wissen die antwort und sind in seltener Einigkeit überzeugt: für uns Menschen ist es wichtig, dazuzugehören – und uns gleichzeitig von anderen zu unterscheiden. Das Gelingen von Gemeinschaft und Identität bestimmt den Erfolg des Menschseins.

Leistung und Erfolg – ein Missverständnis? ob Gemeinschaft oder Identität, Kooperation oder Konkurrenz, Gemeinwohlstreben oder Dominanzstreben – auf allen Wegen gilt: ohne streben geht´s nicht. Es gibt nichts leistungsloses im menschlichen Wesen. Der Erfolg der Diplomatie und der Konsens verlangen leistungsbereitschaft. Der Erfolg der Durchsetzung und die Dominanz ebenso. Es braucht leistung! Das klingt nach anstrengung und bemühung. Ist das nicht längst ein Relikt der alten zeit mit all dem leid und Mühsal? Das muss doch heute einfacher gehen – ohne den ganzen stress. Immer diese Maloche!

Genau hier fängt das Missverständnis an: Erfolg ist nicht gleich leistung. Nicht jedem Erfolg liegt eine leistung zugrunde, und nicht jede leistung führt zu Erfolg. Da kann man noch so gut planen und alles reinlegen, mit hingabe und leiden-

schaft, fleißig sein und clever – und doch bleibt er aus, der Erfolg. Was tun? Dann versuchen wir´s halt noch mal, immer wieder. Gut so!

und dann gibt es da noch die epischen bücher der Erfolgspropheten. Millionen Menschen lesen ihre predigten für die zukurzgekommenen. „Tschaka“ – und schon schnappt sie zu, die Erfolgsfalle. Jetzt steckt man da tief drin und grübelt: Erfolg ist doch machbar (hat man mir gesagt), ich muss nur daran glauben (habe ich gelesen)! oder sind es doch eher zufall und Glück, was erfolgreich macht?

um das Missverständnis aufzulösen: leistung ist machbar – nicht aber der Erfolg. zwischen der leistung und dem Erfolg klafft eine lücke. Diese schließt sich durch fortune, also dank einer ordentlichen portion Dusel, göttlicher fügung oder wohlmeinendem zufall. Wie man das nennt, ist egal. Wichtiger ist, es ist real!

„Natürlich ist es schön, Erfolg zu haben. Nur: er ist nicht machbar, man kann ihn nicht programmieren“, schreibt alexander Dill (Die Erfolgsfalle, München 2006) und warnt vor den religiös anmutenden Tipps und Tricks der Erfolgsgurus, die ein bewusstsein für Erfolg predigen. Jedes bewusstsein aber heißt denken, und jedes Denken bedeutet zweifeln – womit man sich tief im Widerspruch verheddert hat, denn das darf der Erfolgsreligiöse eben genau nicht. und so glaubt jeder Erfolgreiche gerne, dass er den Erfolg verdient (und damit jeden zweifel überwunden) hat.

Dr. alexander Dill: Die Erfolgsfalle, München 2006 Dill allerdings bestätigt durchaus, dass die Erfolgsratgeber, positivdenker, business- und lebensplaner reich machen, bisweilen sogar stinkreich. Den leser zwar nicht, aber dafür umso mehr den Verfasser eines solchen Werks! Ihm gebührt der Ruhm des bestsellerautors. seine position auf bestsellerlisten verschafft ihm aufmerksamkeit – die unwiderstehlichste aller Drogen. Ruhm statt Reichtum, so lautet die Erfolgs- formel der Neuzeit, in der prestige und prominenz wichtiger sind als schnöder Mammon. Wer spricht schon über Geld? Geld hat man!

also sind wir zum Erfolg verdammt – oder eher zum Erfolg sozialisiert? In unserer sozialisierung und Konditionierung erleben wir schon als Kinder den Erfolg als folge des lobes, statt als Effekt des Gelingens. auf diese Weise lernen wir in erster linie, das zu tun, was lob erwarten lässt, denn das ist es, was zählt: der Erfolg als bestätigung von außen. später ersetzen provision und prämie das lob. Es werden bewertungs- und belohnungssysteme geschaffen, die dem Menschen systematisch abgewöhnen, den Erfolg selbst zu definieren. statt lust an der leistung, freude am Gelingen und zugewinn an selbstbewusstsein dominieren zielvorgaben und Erfolgsmaßstäbe das eigene sein. Nicht das engagierte Tun, sondern der zielerreichungsgrad definiert die persönliche Identität. fremdbestimmung nennt man das dann. so mutiert die Erfolgsfalle zum hamsterrad.

Wahren Erfolg gibt’s nur im wahren Leben Die Wahrheit ist: aus dem hamsterrad heraus führt nur die flucht nach vorne, in Richtung selbstbestimmung – und diese gibt es nicht geschenkt. Der Weg aus der Erfolgsfalle führt über die selbstverpflichtung, sich anzustrengen. statt der anstrengung auszuweichen gilt es, sie zu suchen und schwierigkeiten zu überwinden. Es kann auch bequem sein, das zu tun, was andere einem vorgeben. aus bequemlichkeit aber ist noch kein Erfolg hervorgegangen, von einem gelingenden leben ganz zu schweigen. also raus aus der Komfortzone und ran an die aufgabe. sich mit Einsatz und leistung eine aufgabe zur eigenen sache zu machen wird seine Wirkung tun. Das ist die Mühe, die man liebt, und die anstrengung, die sich lohnt. Wenn das, was daraufhin erfolgt, unseren Vorstellungen entspricht, dann ist das Erfolg.

selbstwirksamkeitserleben und selbstachtung befreien von der fremdsteuerung durch geltende Normen und auferlegte Maßstäbe. sollen wirklich andere bestimmen, wie der Erfolg aussehen soll und wie die Regeln sind, nach denen gespielt wird? Man muss nicht gewinnen, um Erfolg zu haben. und den Erfolg geschenkt bekommen wollen wir schon mal gar nicht! Was wir wollen, sind unsere eigenen ziele, hoffnungen und Wege. Wir wollen unser Ding machen, denn tief in uns drin steckt das Verlangen nach Gelingen – ohne Erfolgserlebnisse würden wir bereits als kleine Kinder verkümmern. Die Kinder wissen am besten, worin sich wahrer Erfolg zeigt: in dem gefühlten überfluss von zeit, Raum und Möglichkeiten.

bill Gates 2018 Na klar: Wer das Rampenlicht braucht und es genießt, sich in den Medien zu sehen, dem sei das gegönnt – frei von jeglichem Neid! bisweilen ist auch dies nur der preis, den man zahlen muss, um bei dem spiel mitzuspielen, bei dem der Rummel zu den Regeln gehört. ob das Erfolgsbild zum hauptinhalt des eigenen lebens avancieren soll, ist nun mal eine persönliche Entscheidung. Es gehört auch zur selbstbestimmung und zur freiheit, selbst für sich zu beschließen, woran man den eigenen Erfolg festmacht (und was glücklich macht).

Wer sich als sportler, Künstler, politiker oder unternehmer immer wieder dem Wettbewerb stellt und beweist, dass er´s kann, verdient Respekt. Respekt gebührt vor allem für das, was gern ein „anständiger Erfolg“ genannt wird: ein Erfolg, bei dem die Gegenleistung stimmt und die Dinge im Gleichgewicht sind. Ein anständiger Erfolg ist einer, der verpflichtet, anstatt zu verführen, denn – aufgepasst! Die „Erfolgslegende“ bill Gates ist einer, der es wissen muss, wenn er sagt: „Erfolg ist ein schlechter Ratgeber. Er verführt kluge Menschen daran zu glauben, dass sie nicht verlieren könnten“. Man versäumt die chance, aus dem Misserfolg eine lehre zu ziehen. stattdessen ist man geneigt, aus dem Erfolg auch für die zukunft und für andere unternehmungen den richtigen Weg abzu- leiten. Genau dadurch wird der Erfolg zu einem veritablen Risikofaktor – und zwar zuallererst für die eigene persönlichkeit! Da ist es allemal besser, sich im Gedächtnis zu behalten, was Jobst Wellensiek sagt: „Man tut gut daran, mit der eigenen persönlichkeit dem Erfolg immer einen schritt voraus zu sein“ …

anzeige

Weine Sekt, Champagner & Prosecco

Weine aus der Region und aus aller Welt Hochwertige Spirituosen und Sekt, Champagner & Prosecco Präsentverpackungen aller Art und Lieferung nach Hause

Spirituosen

This article is from: