IMMOBILIEN INNOVATION

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Projektentwicklung 20

IMMOBILIEN INNOVATION_10/2021

Fortschritt ist, im Kreis zu denken Kreislaufwirtschaft – Immer mehr Schweizer Städte feilen an Konzepten für die Vermeidung von Abfall, mit mehr oder weniger Erfolg. Die Bauindustrie ist schon einen grossen Schritt vorangekommen. Im Herbst geht ein erstes Aufbereitungszentrum für Bauabfälle in Betrieb – und der erste CO2speichernde Beton ist bereits seit diesem Frühjahr im Einsatz. Von Susanne Osadnik – Fotos: zVg

In der Schweiz legt man viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung und ist stolz auf seine intakte Natur. Leider passen die jüngsten Zahlen der OECD zur weltweiten Abfallproduktion so ganz und gar nicht zu diesem Image: Vielmehr war das Land 2019 der viertgrösste Abfallproduzent Europas – mit mehr als 707 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Den Löwenanteil daran machen die Einwegverpackungen aus Kunststoff oder anderen Materialien aus. Grosses Verbesserungspotenzial Alle Städte in der Schweiz haben mit wachsenden Müllbergen zu tun und müssen neben der Entsorgung von Haushaltsabfällen auch die zunehmenden Abfälle im Take-away-Bereich «Die Städte sollten in bewältigen. Gleichzeitig sind sie gefordert, Konzepte für Abfallvermeidung zu ihrem Einflussbe- entwickeln und dazu beizutragen, den reich Einwegverpa- Einsatz von Mehrwegsystemen in ihrem ckungen zur Ausnah- Einflussbereich zu fördern. me und Mehrweg zur Wie gut oder schlecht das klappt, hat Greenpeace Schweiz kürzlich unterRegel machen.» sucht: Im Rahmen einer VergleichsstuFlorian Kasser, die wurden die bisherigen Massnahmen Greenpeace Schweiz der 15 bevölkerungsreichsten Kantonshauptstädte zur Förderung von Mehrweglösungen untersucht – insbesondere bei Veranstaltungen, in der Gastronomie und in der Bevölkerung. Das Ergebnis: Basel und Bern führen in vielen Bereichen das Ranking an. Fribourg und St. Gallen sind auf gutem Weg, während Zug, Chur, Frauenfeld, Schaffhausen und Zürich beispiels-

weise bei der Nutzung von Mehrweggeschirr bisher keine nennenswerten Anstrengungen unternommen hätten. Greenpeace Schweiz fordert daher die Städte auf, eine umfassende Strategie zu entwickeln, um sicherzustellen, dass alle Aktivitäten im öffentlichen Raum nur mit wiederverwendbaren Materialien durchgeführt werden, ohne auf falsche Lösungen wie Ersatzmaterialien (Papier, Karton, Bioplastik) zurückzugreifen. Um die Umwelt und das Klima zu schonen, sei es dringend notwendig, alle Formen von Einweg durch Mehrweg zu ersetzen. «Die Städte sollten in ihrem Einflussbereich Einwegverpackungen zur Ausnahme und Mehrweg zur Regel machen», sagt Florian Kasser, Zero-WasteExperte von Greenpeace Schweiz. Offenbart die Studie grundsätzlich grosses Verbesserungspotenzial, sehen die Umweltaktivisten vor allem die Stadt Zürich in der Pflicht, ihre schlechte Bilanz beim Thema Mehrweg zu verbessern. Denn bislang sei eine stadtweite Umweltstrategie erst in Erarbeitung, ebenso eine Kreislaufwirtschaftsstrategie, die auch explizit das Thema Mehrweg beinhalten soll. Bei Veranstaltern werde das Thema zwar angesprochen; es existierten jedoch weder verbindliche Vorgaben noch städtische Angebote, die die Nutzung von Mehrweggeschirr und -bechern bei Veranstaltungen erleichtern, so Greenpeace. In städtischen Personalrestaurants und Cafeterias, aber auch bei Take-aways und Strassencafés sowie bei Pachtverträgen für Kiosk- und Take-away-Betriebe in städtischen Liegenschaften gebe es in Zürich ebenfalls keine verbindlichen Vorgaben für Mehrweglösungen. Überzeugungsarbeit statt Verbote Die wird es auch künftig nicht geben. Denn in Zürich hält man nicht viel von Geboten oder Verboten. Man setzt auf Überzeugungsarbeit, um Bürger, Unternehmen und Institutionen zum freiwilligen Mitmachen zu bewegen. Dazu wurde Anfang des


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