TM 01 2020

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MENSCHEN

«Wir haben auch Fans – wie der FC Thun» Seit knapp zwei Jahren leitet Yvonne Wirth das Schlossmuseum Thun. Im Wahrzeichen der Stadt können Menschen in 800 Jahre Geschichte eintauchen. Nebst Touristen will die Museumsleiterin vor allem auch die Thuner Bevölkerung für ihr Schloss begeistern. Wie fühlen Sie sich als Schlossherrin von Thun? (lacht) Als Museumsleiterin des Schlosses Thun fühle ich mich gut. Es macht riesigen Spass und ist eine ständige Herausforderung. Ich verwehre mich etwas gegen den Begriff Schlossherrin, da wir ein moderneres Verständnis davon haben, was wir hier tun. Und was tun Sie genau? Wir s­ etzen das Monument und Museum a ­ ttraktiv, interessant und für alle Zielgruppen gerecht in Szene und leisten entsprechende Kulturvermittlung. Nebst den Ausstellungen und dem ­Gestalten des Jahresprogramms kommen viele Aufgaben der Betriebsführung dazu, etwa in den Bereichen Sicherheit, Denkmalschutz, Sammlungsbetreuung usw. Sie sind Kunsthistorikerin und waren vor Thun bereits in anderen Schlössern tätig. Haben Sie ein Faible für Schlösser? Die Monumente sind natürlich toll, aber vor allem für das, was darin 6

ThunMagazin  | 1/20

­passiert ist. Ich bin sehr begeistert von der Residenz-Kulturforschung: Schlösser waren in der Vergangenheit immer auch die Orte, wo wichtige Persönlichkeiten wichtige Dinge entschieden, wo die tollsten Kunstaufträge hinausgingen und Kunstschätze lagerten. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, am Ort des Geschehens die Kunstgegenstände, die man wissenschaftlich erforscht, wieder in den richtigen Kontext zu rücken. Also ist die Forschung für Sie zentral? Ohne Forschung keine Kulturvermittlung. Nur wenn wir die Geschichte kennen, können wir die Bedeutung dieses Orts vermitteln, spannende Geschichten erzählen und die Augen der Schlossbesucher zum Leuchten bringen.

Im Schloss Thun kann man eintauchen in 800 Jahre Geschichte. Warum finden Sie es wichtig, Geschichte zu vermitteln? Wir alle leben in unserer ­Geschichte. Wir wollen erfahren, was früher war. Beim Studieren von ­Geschichte erfahren wir Möglichkeiten, in der Zukunft besser zu entscheiden. Wenn ich Thunerinnen sehe, die hier hochkommen, und ich erleben darf, wie die Menschen durchs Haus gehen, die Geschichte der Stadt erfahren und ihren Kindern erklären, erfüllt mich das mit grosser Freude und Genugtuung. Das Schloss ist auch identitätsstiftend. Es gibt Boden, Stabilität, Kontinuität, ist Heimat. Das hat man gesehen, als die Notre-Dame in Paris brannte, welch schlimme Wunden das riss. Ich denke, die Thuner schauen mindestens einmal im Tag hoch zu ihrem Schloss.

«Das Schlossmuseum ist wie ein guter Film.»


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