Geschichten aus der Region / Magische Orte
INFO Sie kennen ebenfalls ganz besondere Orte im Magischen Dreieck? Schicken Sie uns Ihre Lieblingsorte und wir begeben uns in unserem nächsten Beitrag mit Ihnen auf Entdeckungsreise. Kontakt: s.kopf@sdz-medien.de
ENTDECKUNGSREISE: „DER SCHÖNSTE BALKON HOHENLOHES“ Die Villa auf dem Kreckelberg ist seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Stadt Crailsheim
Das Magische Dreieck ist voll spannender und geheimnisvoller Orte, deren ursprüngliche Bedeutung beinahe in Vergessenheit gerieten. In unserer neuen Serie spüren wir diesen besonderen Orten nach. Den Anfang macht der Lieblingsort der Crailsheimer: die Villa auf dem Kreckelberg.
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om Volksfestplatz ist das leuchtend gelbe Gebäude der Villa gut erkennbar. Nur wenige Meter weiter, im Wohngebiet an der Beuerlbacher Straße, führt das „Schlangenwegle“ an Wiesen und Obstbäumen den Kreckelberg hinauf zur Wilhelmshöhe. Von dort bietet sich ein atemberaubender Blick auf das HohenlohischFränkische Land. Seit 1895 thront sie hoch oben über den Dächern der Stadt und wurde zur Zeit ihrer Erbauung in Presseberichten bereits als „schönster Balkon Hohenlohes“ betitelt. WOCHENENDHAUS DER FAMILIE BLEZINGER Der Name Richard Blezinger ist untrennbar mit der Villa verbunden. Der Crailsheimer Apotheker begann 1894 damit, Grundstücke am westlichen Rand des Kreckelbergs zu kaufen. Damals war die Anhöhe noch völlig kahl und bestand aufgrund der schlechten Bodenqualität aus Ödland und notdürftig genutzten Wiesen- und Ackerflächen. Ein Jahr später errichtete Blezinger dort ein kleines Wochenendhaus mit Dachterrasse und acht Meter hohem Turm im italienisch-maurischen Stil. Das Landhaus verfügt über zwei Ebenen. Im Erdgeschoss befindet sich noch heute eine Küche mit Kellerraum und an schönen Tagen bewirtet der Verein „Vogelfreunde Villa“ dort Gäste aus nah und fern. Das Treppenhaus, das einmal auf die Dachterrasse und auf den Turm führte, ist heute versiegelt. In Anlehnung an den von ihm verehrten Kaiser Wilhelm I. gab Blezinger dem Anwesen den Namen „Wilhelmshöhe“. 06
NATURWISSENSCHAFTLICHE STUDIERSTUBE Ende des 19. Jahrhunderts wurden Arzneimittel von Apothekern weitgehend selbst hergestellt. Blezinger hatte in seinem Beruf zahlreiche Berührungspunkte mit dem Fachgebiet der Pflanzenkunde. Der Apotheker schuf sich eine „Studierstube unter freiem Himmel“ und legte einen botanischen Garten an, der den Versuch abbildete, die heimische Pflanzenwelt zu vereinen. Er ergänzte den Garten durch außereuropäische Baumraritäten wie Wellingtonien oder japanische Nadelbäume. Hinzu kamen ein kleines „Alpinum“ mit Alpenrosen und Edelweiß sowie ein Wasserbecken mit einigen Pflanzen aus sumpfigen Gefilden. Ungewöhnlich und beeindruckend zugleich ist die knapp vier Meter hohe „Geologische Pyramide“, die das Schichtenprofil vom Jagsttal bis zur Frankenhöhe mit typischen Versteinerungen zeigt. Vermutlich war die Geologische Pyramide in Crailsheim das erste Bauwerk dieser Art überhaupt. EIN GESCHENK AN DIE STADT 1928 verstarb Richard Blezinger und vermachte der Stadt die Anlage auf der „Wilhelmshöhe“ als „öffentliche Erholungsstätte und Aussichtspunkt“. Im Schenkungsvertrag verpflichtet sich die Stadt, „das ihr geschenkte Grundeigentum als öffentliche Anlage für alle Zeiten zu erhalten“. Mit zahlreichen Wandertouren, dem Vogelpark und einem Planetenweg ist die Villa auf dem Kreckelberg nicht nur für Crailsheimer schon immer ein ganz besonderer Ort. sek
Das kleine Landhaus mit Geologischer Pyramide um 1900 Foto: Stadt Crailsheim