TM 04 2018

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SERIE LERNENDE: 6. TEIL

«Michael bringt nichts so schnell aus der Ruhe» Die Stadt Thun bietet zahlreiche Ausbildungsplätze an. Der 19-jährige Michael Graf aus Reutigen lässt sich bei den Informatikdiensten zum Informatiker Systemtechnik EFZ ausbilden. Er ist im vierten Lehrjahr und schätzt besonders den direkten Kundenkontakt. «Bereits in der 4. Klasse habe ich stundenlang die neusten Handys miteinander verglichen, Webseiten programmiert und getestet», erzählt Michael Graf stolz. Ohne Zweifel, die Faszination für Technik hat ihn schon früh gepackt. Es war für ihn deshalb auch nicht überraschend, als ihm die Berufsberaterin eine Lehre zum

Ausbildnerin Natalie Reber schätzt Michael Grafs grosse Hilfsbereitschaft.

Mediamatiker oder Informatiker nahelegte. Die Entscheidung fiel schliesslich auf Letzteres. Die gute Atmosphäre und der herzliche

Vorausgesetzt werden nebst technischem Verständnis auch hohe

Umgang beim Schnuppern bei der Stadtverwaltung Thun haben

Flexibilität und ein ausgeprägtes Dienstleistungsbewusstsein

ihn sofort überzeugt.

(siehe Infobox). Nebst der Stadtverwaltung betreuen die Informatik­ dienste auch die Thuner Volksschulen, alles in allem verteilt auf

Informatiker und Kundenkontakt – geht das?

über 50 Standorte. Berät Michael Graf nicht gerade jemanden an

«Als angehender Informatiker muss ich mir ab und zu das eine

der internen Service-Hotline, ist er vor Ort und zuständig für den

oder andere Vorurteil anhören», sagt Michael Graf mit einem

Aufbau und die Wartung der PC-Arbeitsplätze, Drucker und Server.

Schmunzeln. Der Klassiker: Informatiker sind «Nerds», die den

Der angehende Informatiker hat zu Beginn der Lehre nicht damit

lieblangen Tag vor dem Computer verbringen, ohne Tageslicht und

gerechnet, so oft draussen unterwegs zu sein. Mittlerweile macht

ohne jegliche Sozialkontakte. Mit dieser realitätsfremden Vorstel-

ihm der direkte Kundenkontakt bei Supportleistungen mit am

lung hat ein normaler Arbeitstag des Lernenden nur wenig gemein.

meisten Spass.

Informatiker/in Systemtechnik EFZ

Ruhender Pol der Abteilung

Lehre 4 Jahre

bis 40 Supportfälle. Parallel stehen auch Projekte an, wie aktuell

Aufgaben • Installation von PC-Arbeitsplätzen, Druckern und Servern • Wartung und Überwachung von Informationssystemen • Behebung von Störungen Anforderungen • Freude am Umgang mit Technik • Praktisches und technisches Verständnis, analytisches Denkvermögen • Zuverlässigkeit, hohe Selbstständigkeit und Eigeninitiative • Dienstleistungsbewusstsein • Flexibilität, Offenheit gegenüber Neuem • Gute Kenntnisse in Englisch

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Pro Tag bearbeitet das Team der Informatikdienste im Schnitt 30 die Einführung von Windows 10 auf insgesamt 1550 PC-Arbeitsplätzen. Routinearbeiten wie das Kontrollieren des IT-Serviceraums, die Durchführung von Internet- und Virenschutz-Tests sowie das Erstellen von Backups gehören ebenso zu Grafs Aufgaben. «Die Zeit gut einzuteilen und dabei die Prioritäten immer richtig zu setzen, empfinde ich manchmal als echt herausfordernd», gesteht er. Auch seine Ausbildnerin Natalie Reber betont, dass die Lernenden jederzeit bereit sein müssen, auch zusätzliche Aufträge entgegenzunehmen und diese eigenständig zu erledigen. «Michael bringt jedoch nichts so schnell aus der Ruhe, er ist unser ruhender Pol», rühmt die Ausbildnerin ihren Sprössling. Nebst seiner gelassenen Art auch in hektischen Situationen schätzt die Lehrmeisterin besonders seine grosse Hilfsbereitschaft: «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Michael schon mal nein gesagt hat.»


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