Kurzfutter
ZUKUNFT
Quallen haben keinen guten Ruf. So manchen haben sie schon den Urlaub mächtig verdorben. Ginge es nach den Forschern, könnten die glibberigen Meeresbewohner bald der Superfood der Zukunft werden. Während in anderen Teilen der Welt das Nesseltier seit jeher gefangen und gegessen wird, hält sich der Westen bei dessen kulinarischem Genuss bislang zurück. Das kann sich ändern. In vielen Teilen Asiens gehören Quallen ganz selbstverständlich auf den Speiseplan und gelten sogar als Delikatesse. Ob im Salat oder im Sushi – die Zubereitungsweisen sind vielfältig. Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn werden die Nesseltiere, die weder Hirn, Herz noch Blut haben, nicht
8 / Pistor «AROMA» / No 3, 2022
korrekt verarbeitet, kann es zu Vergiftungen kommen. Etwa 30 Arten eignen sich zum Verzehr. Typischerweise werden die Tentakel der Medusen abgeschnitten und nur die sogenannte Glocke verwendet. Gesalzen und getrocknet sind die Nesseltiere bis zu einem Jahr haltbar. Aufgrund der Klimaerwärmung und der Überfischung gibt es davon immer mehr. Vor allem in geschlossenen Gewässern wie dem Mittelmeer steigt die Quallenpopulation rasant an. Könnten sie sogar eine mögliche Antwort auf den Welthunger sein? Bereits 2013 rief die Weltgesundheitsorganisa tion (WHO) mit einem damals unver-
ständlichen Slogan zum Verzehr von ausgewählten, ungiftigen Quallenarten auf: «Kannst du sie nicht bekämpfen, dann iss sie!» Die Frage bleibt, ähnlich wie bei den Insekten: Können wir über unseren Schatten springen? Spitzen köche wie zum Beispiel Jozef Youssef, Küchenchef des Londoner Restaurants Kitchen T heory, oder «Noma»-Küchenchef René Redzepi sind sich einig: Ja! Auf die Zubereitung kommt es an. Bleiben wir gespannt. Die Zukunft wird zeigen, ob die durchsichtigen Meereskreaturen bald auf unseren Tellern anstatt an unserer Wade für Aufregung sorgen werden.
Bilder: Bethany Lawrence, EyeEm / Getty Images; Iconmonstr / Flaticon
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