UP #704: Entweder ... Oder (April 2021)

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POLITIK & GESELLSCHAFT

: s o l s g n u b i e R e t t i B

DIE UNI SALZBURG UND IHR SCHWIERIGES VERHÄLTNIS ZUM ANTISEMITISMUS Dieses Semester war an der Kultur- und Geisteswissenschaftlichen Fakultät (KGW) eine Lehrveranstaltung zur antisemitischen BDS-Bewegung (Boycott – Divestment – Sanctions) geplant. Diese setzt sich ein, Israel politisch und kulturell zu isolieren. Als jüdische Studierenden das Rektorat daraufhin aufmerksam machten, dass der Leiter selbst BDS Unterstützer ist. Zwar sagte man das Seminar ab, die Uni zeigt aber erneut, wie ignorant und unbeholfen sie im Umgang mit Antisemitismus ist: Von David Mehlhart

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enn man den Umgang der Uni Salzburg mit Antisemitismus kurz zusammenfassen müsste, würde man wohl kaum ohne die Worte aussitzen, herumdrücken und inkonsequent auskommen. Als im Sommer 2020, im Andenken an Marko Feingold eine Professur eingerichtet wurde, ließ es sich Rektor Hendrik Lehnert nicht nehmen, beim Pressetermin in der ersten Reihe zu posieren. Die Salzburger Nachrichten schrieben, dass der Lehrstuhl zur „wissenschaftlichen Auseinandersetzung und Ursachenforschung von Antisemitismus“ errichtet worden sei. Den Geldgebern (Bundeskanzleramt, Land Salzburg, Erzdiözese Salzburg und Erzabtei St. Peter) ist es geschuldet, dass dieser Lehrstuhl im wahrsten Sinne des Wortes öffentlichkeitsunwirksam bei den Bibelwissenschaften versteckt wurde, statt ihn etwa am Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte anzusiedeln.

Als dann Ende vorigen Jahres ein Lehrender des Als dann Ende vorigen Jahres ein Lehrender des Fachbereichs Politikwissenschaft eine Hausdurchsuchung mit den Novemberpogromen 1938 parallelisierte, zeigte man sich nicht mehr ganz so entschlossen. Persönlich habe Lehnert, so kann man auf der Webseite des ORF nachlesen, dem Betroffenen klargemacht, dass sich die Universität von solchen Aussagen distanziere – wohlgemerkt aufs Schärfste. Von dieser ganzen Schärfe war aber schnell nichts mehr zu spüren, denn Konsequenzen blieben bis dato aus. Reuig beschwichtigen und dann aussitzen lautet die Devise. Diese Taktik, bei der man sich die Finger nur minimal dreckig macht, mag für die Uni durchaus bequem und hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit auch effektiv sein. Es gibt nur einen Haken: Häufen sich Vorfälle dieser Art, verkommt diese Kommunikationsstrategie schnell zum Eiertanz.

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