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Titelgeschichte
„Die Gisse kimp!“ Die Wassergefahr im Bezirk – Teil 1: Die Unwetterkatastrophe vor zehn Jahren
© Martin Schaller
von Karl-Heinz Sparber
Verheerende Vermurungen im Pfitscher Hochtal
„Die Gisse kimp!“ Ein bezeichnender Satz, der die Bevölkerung des Wipptales bereits seit Jahrhunderten oder wohl schon immer verfolgte. Seit wir über Aufzeichnungen von Unwettern, Überschwemmungen, Vermurungen, Überflutungen und Hochwasserkatastrophen verfügen, stand Sterzing mit den unberechenbaren Bächen vom Brenner und Roßkopf, aus Pflersch, Pfitsch, Ridnaun, Ratschings, Mareit und Jaufental stets im Mittelpunkt der Ereignisse. Die Gefahr von Wasserüberläufen bestand seit jeher und konnte eigentlich bis heute nicht zur Gänze eingedämmt werden. Das Wipptal südlich des Sterzinger Mooses war nicht in die-
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sem Ausmaß betroffen, da das Tal in diesem Abschnitt nicht so stark besiedelt war und das Wasser freien Lauf hatte. Der Hauptort Sterzing hingegen musste andauernd daran arbeiten, dass der Durchzugshandel gewährleistet blieb, die Verkehrswege über den Brenner befahrbar waren und die Bevölkerung einigermaßen sicher war vor der ständig drohenden Wassergefahr. Zunächst soll hier an die verheerende Unwetterkatastrophe in Pfitsch vor nunmehr zehn Jahren erinnert werden. Zwar war damals der gesamte Bezirk durch Muren und Gissen stark in Mitleidenschaft gezogen worden, sämtliche Feuerwehren standen über Tage bei den Aufräumarbeiten im Einsatz, doch Pfitsch traf es besonders hart. Vor allem gab es hier auch zwei Todesopfer zu beklagen.
Die Statue des hl. Nepomuk, Wächter gegen Wassergefahren, zeugt davon, dass Sterzing immer wieder von Vermurungen und Überschwemmungen heimgesucht wurde.