Die Gräber schweigen - von Johann Steiner

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Adelheid Krachtus-Plenck:

Im Kugelhagel nach Serbien Oskar Krachtus, Otto Krachtus' Bruder, versucht im Dezember 1979 mit den beiden Töchtern, seiner Frau und Josef Brems und dessen Frau nach Jugoslawien zu flüchten. Ein Grenzsoldat soll sie über die Grenze lotsen. Das hat er wenigstens versprochen und dafür viel Geld kassiert. Der Mann ist jedoch ein Verräter und darauf bedacht, befördert zu werden. An der Grenze lässt der Soldat alle festnehmen. Grenzer führen alle in den Grenzerstützpunkt Großsanktnikolaus ab. Sie schicken die Frauen nach Hause. Die Männer werden festgehalten. Die Grenzsoldaten prügeln Oskar Krachtus bis zur Bewusstlosigkeit. Dann spritzen sie ihn mit einem Aufputschmittel wach, um ihn weiter schlagen zu können. Einzelheiten über die Prügel gibt Oskar Krachtus nie preis, sagt Adelheid Plenck, seine älteste Tochter (geboren 1961). Ein Gericht verurteilt Oskar Krachtus zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis. Das Geschehene lässt die Tochter Adelheid und ihre Schwester Hella (geboren 1963) nicht mehr ruhen. Sie haben sich geschworen, über die Grenze in die Freiheit zu gehen. Als gefasste Grenzgänger dürfen sie zwar nicht in Grenznähe arbeiten, doch am 2. Juni 1983 schultern sie ihre Hacken und marschieren zur serbischen Grenze. Sie überschreiten sie; Grenzsoldaten schießen, doch sie treffen nicht. Die beiden Mädchen wollen zu Fuß nach Kikinda. Ein Mann sagt ihnen, wie sie am besten hingelangen. In Kikinda nehmen sie den Bus nach Belgrad. Sie übernachten in einem Park, um am nächsten Tag die deutsche Botschaft zu besuchen. Danach geht es mit dem Zug nach Nürnberg. Der Geheimdienst schikaniert eine Zeitlang die Eltern der beiden Mädchen, doch die geben nicht zu, dass sie von den Fluchtabsichten der Töchter gewusst haben. 1985 erhalten Anna (geboren 1936) und Oskar Krachtus die Ausreiseerlaubnis auf Drängen des Auswärtigen Amtes in Bonn. Adelheid und Hella Krachtus hatten sich an Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher gewandt.

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